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Megefiederle Schlange.

Roman von Edgar Wallace.

17 öorfleßung Äadjbrud verboten

(Fortsetzung folgt)

Er zog fid> vorsichtig auf den Gang zurück. Dahinter steckte noch manches. Sie hatte schon zuviel verraten und war jetzt auf ihrer Hut AlL sie für den zweiten Akt angekleidet heraus- kam, winkte sie ihm ab.

Ich kann Sie heute abend nicht mehr sprechen, Dewin. Es hat keinen Zweck für Sie, noch zu warten."

Er tat so, al» ob er ginge, aber als sie außer Eicht war, kehrte er wieder um und horchte ihre müden Zofen aus.

»Madame ist heute abend nichts in bester Laune", begann er kühn das Gespräch

Die ältere von ihnen lächelte verächtlich.

»In ihrer besten Laune? Ich möchte nur ein­mal wissen, wann sie überhaupt in guter Stim­mung ist!" Die andere pflichtete ihr bei. .Heut« war sie wieder so wild wie der Teufel", fuhr die erste eifrig fort, denn Kammerzofen klat­schen ja nur au gern über eine unbeliebte Herrin.

..Hat sie Ihnen irgend etwas von dem Lieber- fall in ihrer Wohnung erzählt?"

»Sie haben ihr nur einen Ring gestohlen. Gewöhnlich hatte sie ihn hier, wenn sie in .Sweeties' auftrat Ich hätte kein Pfund dafür gegeben."

»Wie sah er denn ungefähr aus?"

Die eine Zofe konnte nur eine ungenaue Be­schreibung geben, aber die andere erinnerte sich genau an das Aussehen des Rings.

»Es war eine Art Wappen daraus, drei Wei­zengarben und ein Adler in der Mitte sie verwahrte ihn immer in ihrem Schmuckkasten. Ich habe ihn hundertmal gesehen. Mr. Crewe sagte ihr immer, sie solle ihn doch ins Feuer werfen, aber sie hätte einen Herzschlag be­kommen, wenn sie gutes Geld hätte wegwerfen sollen!"

Ella stand allgemein in dem Ruf, geizig zu fein.

»Sind Sie schon lange in ihren Diensten?" fragte Peter teilnahmsvoll.

»Schon viel zu lange", brummte die erste.Es ist mir ganz gleich, wenn ich meinen Dienst bald verlassen muß. Schon seit zwanzig Jahren b n ich Garderobiere, aber ich habe noch niemals eine solche Herrin gehabt wie sie. Ich kann mich noch aus sie besinnen, wie sie ein Chor- mädchen war, bevor sie zu Geld kam und da- Orpheum pachtete. Ich muß sagen, daß sie von Anfang an Glück hatte."

Die Zofe neigte ihren Kopf und horchte auf

Mo fernen Klänge des Orchester-, die durch die Dcrdindungstür herübertönten.

.Es ist besser, wenn Sie jetzt gehen, mein Herr", sagte sie bann. »Sie wirb in einer Mi­nute hier sein, um sich umzukleiden."

Peter war klug genug, zu gehen und hatte das Theater schon längst verlassen, als Ella atemlos zu ihrem Ankleideraum zurückkehrte.

»Bringen Eie mir sofort Briefbogen und Ku­vert", befahl sie. »Läuten Sie Mr. Crewe an und fragen Sie ihn nach der Adresse von Miß Daphne Olrohd, aber schnell!"

11.

Daphne Olroyd wohnte in einem großen Hause mit kleinen Einzelwohnungen, wo Bedienung und Unterhaltung im Mietpreis einbegriffen war. Im Erdgeschoß war eine Küche eingebaut, die kleinere Mahlzeiten für die Mieter lieferte. Sie hatte sich eben ein einfache- Frühstück bestellt und e- verzehrt, als ihre Klingel läutete. Sie öffnete die Tür und sah draußen Peter stehen.

»Ost da- ein Gegenbesuch?" fragte sie und bat ihn, einzutreten.

»Da- kann sein ober auch nicht. Mir ist etwa- eingefallen, was ich Sie unbedingt noch fragen muß."

Es war aber so etwas Nebensächliche-, als er damit herau-kam, daß sie gleich wußte, daß dies nicht der eigentlich« Grund seines Morgenbe­suches sein könnte.

Er hatte eine ruhelose Rächt verbracht, und um vier Uhr morgens war seine Unruhe so start geworden, daß es der Anspannung seiner ganzen Willenskraft bedurfte, sich nicht sofort anzuzichen und au ihrer Wohnung zu gehen, um nachrusehen, ob seine schlimmen Befürchtungen sich erfüllt hätten. Er konnte ihr doch nicht sagen, daß er ihr nur einen Besuch machte, weil er ihretwegen beunruhigt war, oder daß er in der vergangenen Rächt nicht schlafen konnte und sich dauernd «inbildete, daß ihr irgendwelche Ge­fahren drohten.

Warum er überhaupt auf so dumme Gedanken kam, war ihm unbegreiflich. Vr fühlte sich plötz­lich für die Sicherheit und das Glück einer anderen Persönlichkeit verantwortlich, und das bedrückte ihn. Er war nicht einmal imstande, seinen Gemütszustand richtig zu beurteilen.

»Ich habe eine Einladung zum Abendessen von aber Eie werden nicht erraten, wer meine Gastgeberin ist."

Doch nicht Ella?" sagte ar auf8 Geratewohl und war verblüfft, als sie bejahte.

»DaS ist doch sehr sonderbar, nicht wahr?"

Sie ging in ihr Schlafzimmer und holte das Schreiben: eS war ein Briefbogen des Orpheum» theaters, auf dem er die ungelenke Handschrift Ella- sah.

.Meine Hebe Miß Olroyd es gibt so viele Dinge, über die ich mich gern einmal mit

Ihnen unterhalten möchte, daß ich mich freuen würde, wenn Eie heute abend zum Theater kämen und mich abholten. Wir können dann ausgehen und zusammen soupieren. Wir sind einander öfter begegnet, nicht wahr? Ich bin so beunruhigt durch den Tod des armen Mr. Farmer, i-er mir ein wirklich guter Freund war, und ich möchte gern mit Ihnen darüber sprechen. Dielleicht wird es Sie interessieren, einmal einen Blick hinter di« Kulissen zu wer­fen? Wollen Sie mir, bitte, telephonisch Ant­wort in meine Wohnung in Et. John s Wood geben? Sie finden meine Rümmer im Buch

Ihre aufrichtig ergebene

Ella Creed/

Er faltete den Brief wieder und gab ihn Daphne zurück.

Werden Sie der Einladung Folge leisten?" Sie sah ihn nachdenklich an.

»Ich weiß noch nicht. Meinen Eie, daß ich bingeben sollte? Es würde doch sehr unhöflich sein, wenn ich ablehnte. Aber ich kenne sie ja kaum. Was würden Sie denn an meiner Stelle tun ?"

»Ich wüßte nicht, warum Sie nicht hingehen sollten," sagte Pcter. Trotzdem hatte er ein un­angenehmes Gefühl, daß es besser fei, wenn sie diese unerwartete Einladung nicht annehme.

Ich will es mir noch überlegen," sagte Daphne, als sie den Brief wieder in ihre Handtasche steckte.Ich habe heule abend nicht- vor und möchte ganz gern hingehen. Ich war noch niemals hinter der Mihne, das würde ich zu gern einmal kennenlernen."

An diesem Morgen hatten sie genügend Zeit, um zu Fuß zu Gregory Deales Haus zu gehen, und so schlenderten sie beide zusammen durch den Park. Sie waren zwei junge Leute, die das 2eben wundervoll fanden, obwohl Peter Dewin seinerseits nicht recht einsehen konnte, weshalb dieser Tag mehr Beachtung verdiente als irgend­ein anderer.

Eie könnten heute abend auch mit mir speisen," sagte er, als sie sich dem Haufe näherten.

Sie haben aber doch so viel zu tun," er­widerte sie schnell.Ich möchte auch nicht, daß das eine Gewohnheit wird."

Der Umgang mit Ihnen ist die erste gute Gewohnheit, die ich angenommen habe."

Sie lachte nicht, wie er erwartet hatte, und ihr Ton war etwas kühler, al- er erwartete.

Sie haben meine Freundschaft noch nicht ganz errungen, Mr. Dewin noch nicht."

Er glaubte, daß er sie durch irgendeine leicht­sinnige Bemerkung beleidigt hätte, aber er wußte nicht, was es fein konnte. Sie war auch über­rascht, daß sie sich über ihn ärgerte, berat sie war sonst sehr natürlich und ließ ihre schlechten Stimmungen nicht anderen Menschen entgelten.

Sie trennten sich nicht ht bestem Einvernehmen, und während Peter Dewin seinen Weg sortsehte, quälten ihn unangenehme Gedanken. Schließlich legte er sich die Frag« vor, ob er sich nicht bereit- verliebt habe, und plötzlich war er ganz außer sich, daß er überhaupt an so etwa- dachte.

Er ging nach Scotland Zard unb schickte seine Karte zu Oberinspektor Clarke hinein. Er wurde sosorl zu einer kleinen Konferenz zugezogen, die eine Stunde vor seiner Ankunft begonnen hatte.

»Treten Sie nur näher, Peter," sagte Clarke. Der große, starke Mann mit dem grauen Schnurr­bart war vielleicht der klügste Kopf in der ganzen Polizeitruppe.Wir befassen un- eben mit der gefieberten Schlange. Dielleicht können Sie un- cinen neuen Weg zeigen."

»Ich kann Ihnen die Zusammenhänge nicht kurzerhand erklären," erwiderte Peter prompt. »Ich habe bi« Sache auch noch nicht erfaßt. Ich kam gerade her, um mir selbst Informationen zu holen, und nicht, um welche zu geben."

Hier können Eie sich nur sehr wenig neue Informationen holen," brummte bet gestrenge Lweeney, der nach Clarke der höchst« im Rang war. »Wir sind auf einem toten Punkt ange­kommen."

»Wa- wollen Eie beim in Erfahrung bringen, Peter?" fragte Clarke.

Wissen Ei« etwas über einen gewissen Hugg?"

Clarke nickte sofort.

»Ich habe ihn da- letztemal abgefaßt," sagte er. Er ist ein Einbrecher, bet vor ein paar Monaten auf Bewährungsfrist entlassen wurde und sich regelmäßig auf der Polizeistation von King- Croß melden muß. Ich weiß daS, weil ich ihn vor einigen Tagen auf der Straße traf unb mir die Mühe nahm, ihn anzusvrechen. WaS hat er berat jetzt wieder ausgefressen?"

Er wollte mir eine Geschichte verkaufen," sagte Peter,daS ist ja schließlich kein Dergehen. Das war meine erste Frage. Zweiten- möchte ich gern wissen, ob Sie mir Aufschluß über die Ricks-Bande geben können."

Sweeney, der gerade zu einem anderen Be­amten sprach, schaute plötzlich auf.

Meinen Sie die Falschmünzerbande? Ich habe sie alle dingfest gemacht mit Ausnahme des Mädchens - - die war damals noch ein Kind. Ist sie jetzt wieder in London?"

Sie hat doch eigentlich die Fälschungen be­gangen, nicht wahr?" fragte Peter, der die Frage ocS andern überhörte.War sie denn so klug?"

Ja, das war sie." Clarke antwortete ihm. Sie erhielt eine goldene Medaille für ihre Zeichnungen von der Chelsea-Gesellschaft, als fic zwölf Jahre alt war. Der alte Oberkommissar, der etwas von Kunst verstand, sagte damals, daß sie ihr Glück als Schwarzweißzeichnerin machen könnte."

(Fortsetzung folgt.)

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