Nr. 5Z Zweites Blatt
Dienstag, 4. März 1930
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Steuernot-Kundgebung in Gießen
Handwerk und Gewerbe des Kreises Gießen machen ihre Forderungen zur Steuerreform geltend.
Eine außerordentlich stark besuchte Versammlung von Handwerkern und Gewerbetreibenden aus dem Kreise Gießen, die am Samstagnachmittag auf Einladung des Vezirksverbandes Gießen des Verbandes Hess. Handwerk und Gewerbe im Saale des Aquariums stattfand, beschäftigte sich mit der Steuer- und Wirt- s ch a s t s n o t, unter der Handwerk und Gewerbe in schlimmer Weise zu leiden haben. Die Versammlung war so stark besucht, daß der Saal nicht ausreichte und auch der Vorraum von den Besuchern in Anspruch genommen werden mußte.
Vach den Begrüßungsworten des Versammlungsleiters, Schreinermeister Haubach, Vorsitzenden des Gießener Ortsgewerbevereins, hielt der
Sieuersyndikus Or. Lindemann
von der Hess. Handwerkskammer in Darmstadt einen etwa einstündigen Vortrag über die Steuer- und Wirtschaftsnot des Handwerks. Er wies einleitend darauf hin, daß in der letzten Zeit das Vertrauen weiter Devöl- kerungskreise zu unserer Staatsführung durch die ungliÄlichen Ereignisse auf dem Gebiete der Finanzpolitik stark erschüttert worden ist. Erleichterung der steuerlichen Lasten habe man immer versprochen, ein Erfolg nach dieser Richtung hin sei aber bisher nirgends festzustellen gewesen. Handwerk und Gewerbe hätten immer beanstandet, daß die Voranschläge zu optimistisch aufgestellt worden seien. Es sei notwendig, die öffentlichen Ausgaben auf ein Maß zurückzu- sühren, bas die Wirtschaft tragen könne, ohne zu verbluten.
Handwerk und Gewerbe verlangten eine Lastenverteilung derart, daß sie nicht mehr zu tragen hätten, als ihnen gegenüber anderen Lrwerbs- ständen zukomme.
Der Redncr'besprach hierauf die Vorgänge auf dem Gebiete der Finanz- und Steuerreform in den letzten Monaten und betonte hierbei besonders, daß auch aus der Minderung der Tributzahlungen nach dem Poungplan der Wirtschaft keinerlei Erleichterung erwachse, daß im Gegenteil aus der versprochenen Steuersenkung eine einseitige Steuererhöhung zu werden drohe. Er äußerte dabei u. a., daß "jetzt doch wohl ein Not- opfcr der Fe st besoldeten kommen und dieses auch im nächsten Jahre weiterbestehen werde. Der neue Reichshnushalt bringe leider für die Wirtschaft keine Erleichterung, da er die Ausgaben nicht senke. Das aber fei der Angelpunkt zur Herabsetzung der Steuern. Deshalb seien radikale Abstriche an den Ausgaben der öffentlichen Körperschaften notwendig.
Forderungen an das Reich
Der Redner betonte, das Handwerk müsse f e fitz a l t e n an dem vorgelegten Steuersenkungsprogramm. Hinsichtlich der E i n komme n st e u e r fordere das Handwerk und Gewerbe eine Auseinanderziehung der Einkommensgruppen bis zu 10 000 Mark, ferner Senkung des Tarifs, insbesondere des höchsten Tarifsatzes. Hiervon könne man ein Nachlassen der Kapitalflucht ins Ausland erwarten. Die Freigrenze müsse für Handwerk und Die blonde Sklavin.
Vornan von Hermann Weick.
21 Fortsetzung Nachdruck verboten
Wit einem Auct war der Fremde emporgefahren. Hektische Röte brannte aus seinen eingefallenen Wangen. Haß sprühte fühlbar aus ihm, als er nun schneidend hervorstieß:
„Wenn Sie es denn unbedingt wissen müssen: Ich hasse Honnecker, wie man nur einen Menschen hassen kann! Am liebsten möchte ich ihn zugrunde richten: aber er ist zu mächtig! Man kommt nicht an ihn heran! Doch fchaden will ich ihm, wo ich es nur kann!"
„Was hat Honnecker Ihnen getan?" fragte Schulhofs, von dem Haß, der ihm aus den Worten des Fremden entgegenwehte, seltsam gebannt.
„Er hat mich zertreten, wie er schon manchen anderen Menschen zertreten und vernichtet hatl"
„Und ich soll Ihnen nun zur Roche dienen? ... Wie denken Sie sich das?"
Befehlend klang des anderen Stimme:
„Sie müssen zu ihm gehen und chm auf den Kopf zusagen, daß Sie von seinen Machenschaften wissen! Es wird ihn aus dem Gleichgewicht bringen, wenn er sieht, daß sein klug angelegtes Retz doch nicht dicht gehalten hat! Er wird sich ärgern, toben..
Schulhofs trat einen Schritt zurück.
Das Seltsame des Ansinnens, das der Fremde an ihn stellte, kam ihm jäh zum Bewußtsein. Er sollte zu Honnecker gehen, sich mit ihm herumstreiten, damit dieser geheimnisvoll tuende Mann da zur Befriedigung seiner Rache kam?...
„Ich kann leider Ihrem Verlangen nicht entsprechen", sagte er kühl.
„Warum nicht?"
„Weil ich keine Lust habe, mich mit Herrn Honnecker auseinonderzusetzen! Es besteht im Augenblick auch keine Rotwendigkeit mehr dazu, da ich im Begriffe stehe, mich auf anderem Wege finanziell zu rangieren."
In den Augen des Fremden flackerte die Wut der Enttäuschung. Er lachte schrill auf.
„Sie meinen, Honnecker ließe Sie aus seinen Klauen?... Da kennen Sie ihn schlecht! Wenn er Sie kaputt machen will, helfen Ihnen alle Arrangements nichts!"
Schulhofs zuckte mit den Schultern.
„Dos bleibt abzuwarten!"
Er sah auf die Ahr. Es war die höchste Zeit, zu Kommerzienrat' Horwitz zu fahren, wenn er ihn an diesem Morgen noch erreichen wollte. Höflich, aber bestimmt sagte er:
„Ich danke Ihnen für Ihre Auskünfte, die mir sehr interessant waren. Aber mm müssen Sie
Gewerbe genau so bestimmt werden wie für den Lohnempfänger. Auch dem selbständigen Handwerk und Gewerbe müsse ein Abzug für die Mitarbeit der Familienangehörigen in gleicher Weife zugestanden werden, wie jetzt schon der Landwirtschaft. Für Handwerker über 65 Jahre, die in der Arbeit nicht mehr so rasch vorwärts kommen können, müsse Einkommensteuererleichterung gewährt werden. Die Erträge der Schwarzarbeit müßten in jeder Höhe steuerlich erfaßt werden. Bei der Vermögenssteuer sei Befreiung bis zu einem Ge- famtvermögen von 20 000 Mark zu fordern. Eine Erhöhung der Umsatz st euer lehne das Handwerk und Gewerbe vollkommen ab, weil die Möglichkeit der Abwälzung dieser Steuer nicht gegeben sei und mithin Handwerk und Gewerbe hierdurch belastet würden. Die Umsatzsteuer müsse auf dem Satz von ) v. H. gehalten, auf keinen Fall dürfe sie erhöht werden. Bei der Reform der übrigen Steuern müsse das Handwerk aufpaffen, daß seine berechtigten Interessen nicht zu kurz kämen.
Forderungen an das Land Hessen.
Zunächst beschäftigte sich der Redner kurz mit dem Gutachten des Sparkommisfars und dem Sofortprogramm der hessischen Reyie- rung, wobei er u. a. betonte, daß eine Steuererleichterung wahrscheinlich auch bei einer Verschmelzung mit Preußen nicht zu erwarten sei. Wenn das Sofortprogramm Gesetz werde, müsse Handwerk und Gewerbe damit rechnen, daß 2 Millionen Mark weniger als Zuschüsse zu Wohnungsbauten zur Verfügung stünden. Wo bleibe die versprochene Steuersenkung, wenn man im Etat überall wieder höhere Ausgaben finde? Die Gewerbesteuer habe in einem Steuersystem, das den Gewinn besteuere, keinen Platz mehr. Die Gewerbesteuer müsse a b g e b a u t und eine andere Lastenverteilung getroffen werden. Gerechter als eine Gewerbesteuer sei eine allgemeine Berufs st euer. Nichts sei gerechter als daß die Gewerbesteuer verschwinde. Bei der G r u n d st e u e r sei eine Senkung uni 10 v. H., hälftig nach dem zu senkenden Betrag auf Haus- und Grundbesitz zu verteilen, anzustreben. Das Hauptrückgrat der Finanzen des Landes und der Gemeinden sei heute die Sonder- gebäudesteuer. Aufgabe des Handwerks und Gewerbes müsse es fein, grundsätzlich zu verlangen, daß die Sondergebäudesteuer und die Wohnungs- zwangswirtschaft aufgehoben würden. Wenn das auch nicht sofort gelinge, dann müßten wenigstens große. Erleichterungen bei dieser Steuer eingeführt und vor allem kleinere Gewerberäume bis zu einem Mietwert von 5000 Mark davon befreit werden.
Die (üemeindefinanzeu.
In den Stadträten müsse man den Mut zur Einfachheit, Rüchternheit und Ersparnis haben. Daraus müßten die handwerklichen Stadtratsmit- alieder scharf achten, und ihre Aufgabe sei es, das gewerbliche Interesse durchzudrücken. Wenn das geschehe, werde wohl manche Erleichterung für Handwerk und Gewerbe eintreten. Der Redner sprach sich weiter befürwortend über die Einführung eines Verwaltungskosten- beitrages in den Gemeinden aus, wodurch es möglich sein werde, alle Kreise der Einwohnerschaft zu den Lasten des kommunalen Gemeinwesens heranzuziehen und dadurch auch die Bewilligungsbereitschaft mancher Stadtrats- und Gemeinderatsmitglieder etwas einzu- dämmen.
mich entschuldigen; ich werde bereits seit einer halben Stunde im Hotel Adlon erwartet."
Der Fremde griff nach seinem Hut.
„Sie werden noch an mich denken!" stieß er feindselig hervor. Er ging langsam zur Türe, dort wandte er sich nochmals zurück. Heimtückisch flimmerten seine Augen.
„Etwas will ich Ihnen doch noch sagen... Es geht Honnecker gar nicht um Ihr Geld oder Ihr Geschäft... Sie selbst will er zur Strecke bringen .... weil er Sie wahnsinnig haßt!" ...
Schulhofs fühlte sich von dem höhnischen Wesen des Mannes abgestoßen.
„Ich kenne Herrn Honnecker gar nicht und wüßte nicht, inwiefern ich ihm Grund zum Haß gegeben hätte!"
Die hageren Finger des Fremden zerknüllten den Hut, den er in der Hand hielt.
„Erinnern Sie sich noch des Tages, als Sie mit seiner angeblichen Richte sich beim Zoologischen Garten getroffen haben und mit ihr dann im Auto weggefahren sind? Seit jenem Tage..."
Er konnte nicht weitersprechen.
Schulhofs war auf ihn zugestürzt. Seine Arme umklammerten die schmächtige Gestalt des Mannes.
Als sei ein Blitz vor ihm niedergefahren, sah er alles klar.
Honnecker, der Mann, der ihn geschäftlich zugrunde gerichtet hatte..., er war derselbe, in dessen Gewalt Eva sich befunden hatte... und jetzt wohl wieder befand...
Weil er, Schulhofs, Eva seiner Macht entzogen hatte, versuchte der andere, ihn zu vernichten.. ihn, den Rivalen ...
„Seine Richte?" ... stammelte er, gepeitscht von grenzenloser Erregung.
Der Fremde stieß ein höhnisches Lachen aus.
„Ich glaube nicht, daß es seine Richte ist! Er wäre sonst nicht so eifersüchtig!"
In Schulhofs rasten die Gedanken.
„Wissen Sie, wie die Dame heißt?"
„Rein, ich kenne sie nur vom Sehen."
Schulhofs eilte zum Schreibtisch und entnahm ihm eine Photographie, die er während der Ostsee-Tage von Eva gemacht hatte.
„Ist dies die Dame?"
Der Fremde warf einen Blick auf das Bild.
„Ja!"
Schulhofs hatte das Haupt gesenkt. Sein Atem keuchte. Seine Hände hatten sich geballt.
Wut, Haß und Vergeltungswille lohten in ihm. Run kannte er den Feind, der ihm... und Eva so viel zu leid getan hatte! Run kannte er chn.. jetzt konnte er mit ihm kämpfen, der sich bisher so feige verborgen gehalten hatte!
„Ich werde mit ihm abrechnen!" schrie er haßerfüllt.
In dem Gesicht des Fremden zuckte jubelnder Triumph auf. Fanatisch hieb er Schulhofs die Worte entgegen:
Am Schlüsse seiner Darlegungen hob der Redner mit Rachdruck hervor, wenn unsere Staatslenker Wert darauf legten, daß der Mittelstand wieder Vertrauen zu chnen haben sollte, dann müßten sie schleunigst zu einer großzügigen Ausgabensenkung zum Zwecke einer Lastenerleichterung schreiten. (Lebhafter Beifall.)
Oie Aussprache.
In der anschließenden Aussprache trat Schlossermeister Schmidt, Lich, nachdrücklich für ungesäumten engsten Zusammenschluß aller Handwerk- und Gewerbetreibenden ein, denn nur durch eine straffe und vollkommen geschlossene Organisation könne eine Besserung der Verhältnisse für Handwerk und Gewerbe erreicht werden. Die weiteren Diskussionsredner — Schlossermeister R a ch t i g a l l, Gießen, Feinmechanikermeister Ruhl, Klein- Linden, Syndikus Röhr, .Gießen, Schlosserober- meistcr K r a i l i n g, Gießen, Schreinermeister Lenz, Gießen u. a. — unterstrichen den Appell zur Einigkeit und zu geschlossenem Vorgehen, nur in der Frage, auf welchem Wege in der Organisationsform das erstrebte Ziel am besten zu erreichen sei, war man geteilter Meinung. Schließlich setzte sich der von Syndikus Röhr, Gießen unterbreitete Vorschlag durch, den bereits bestehenden Bezirksverband Gießen durch die Angliederung eines Ausschusses organisatorisch zu verstärken und in diesen Ausschuß Vertreter der einzelnen Ortsgewerbevereine zu entsenden. Diesem Aktionsausschuß soll dann die Führung bei dem Ringen um bessere Existenzbedingungen für Handwerk und Gewerbe obliegen.
Steuersyndikus Dr. Lindemann hob in seinem Schlußwort mit Anerkennung hervor, daß die Vertretungen von Handwerk und Gewerbe bei dem hessischen Minister für Arbeit und Wirt
schaft K o r c 11 stets nicht nur volles Verständnis, sondern auch weitmöglichste Anterstühung für ihre Wünsche gefunden hätten. Cs gebe wohl keinen Minister, der energischer und freudiger die Interessen des Handwerkes wahrnehme, als Minister K o r e l I. Handwerk und Gewerbe könnten sicher fein, daß er sich auch in Zukunft für sie einsehen werde. Erforderlich sei es aber, daß die Handwerk- und Gewerbetreibenden sich stärker als bisher innerhalb ihrer politischen Parteien bemerkbar machten, um auch die Kraft der Parteien für die Vertretung der Forderungen von Handwerk und Gewerbe stärker als bisher zu gewinnen. Schließlich unterbreitete der Redner die nachstehende, in unserem gestrigen Dorbericht bereits vermerkte
Entschließung:
„Mit Enttäuschung und Bitterkeit entnahmen Handwerk und Gewerbe den letzten Veröffentlichungen der Presse, daß die baldige Inkraftsetzung der von der Regierung versprochenen Steuersenkung in Frage gestellt ist. Indessen läßt die verzweifelte wirtschaftliche Situation in Handwerk und Gewerbe keinen weiteren Aufschub zu. Der Dezirksverband Gießen im Verbände des Hess. Handwerks und Gewerbes fordert daher mit allem Rachdruck die Verabschiedung der öffentlichen Haushalte in einer Form, die die umgehende Senkung der am meisten drückenden Gewerbe-, Einkommen - und Sonde r ft e u e r zuläßt."
Die Versammlung erklärte sich einstimmig und ohne Aussprache für die Annahme dieser Entschließung. Rach einigen weiteren kurzen Meinungsäußerungen konnte der Vorsitzende bie Versammlung nach etwa IVsstündiger Dauer schließen.
Stirnen, Sport und Spiel.
Oeutsche Turuerschast und Schwimmverband.
Im Hause der D. T. in Charlottenburg traten am Sonntag die technischen Vertreter des D. T. und des D. S. V. zusammen, um über die Angleichung der Wettkampfbestim- mungen zu beraten. Reben den bestehenden Verwaltungsausschuß wird noch ein aus je zwei Vertretern bestehender Fachausschuß treten, der alle fachlichen Angelegenheiten zu regeln hat. Es wurde vereinbart, daß die an einem Ort ansässigen Vereine beider Verbände zweimal im Jahre gemeinsame Veranstaltungen austragen dürfen. Ferner soll gemeinsam ein kreisoffenes Hallenschwimmfest veranstaltet werden. Außerdem wurde Anfrage- und Auskunftspflicht bei Verbandswechsel, gemeinsame Lehrgänge, Austausch von Lehrkräften und Kampfrichtern beschlossen. Internationale Fragen regelt der Fachausschuß. Bis zu dessen Anerkennung durch die Frna werden alle Verhandlungen durch den Schwimmverband geführt.
Handball der Sp.-Vg. 1900.
Oberrealschule Gießen — 1900 komb. 10:8 (5:3).
ö. Das Rückspiel der Oberrealschüler gegen die 1900er am vorigen Sonntag gestaltete sich zu einem torreichen Treffen. Das 10:8-Refultat ist ein Beweis dafür, daß zwei tüchtige Stürmerreihen am Werk waren. Die Oberrealschule hatte ihre stärkste Mannschaft zur Stelle, die Spielvereinigung trat mit einer Kombination aus erster aktiven und ersten Jugend-
mannschaft an, hatte aber nur neun Mann im Feld. Trotzdem hielten die Blauweißen das Spiel durchweg offen und vermochten die von den Schülern erzielten Vorsprünge immer wieder zu vermindern. Nicht zuletzt trug dazu die von den 1900ern gezeigte bessere taktische Spielweise bei, während die Aktionen der Oberrealschule sehr oft verzettelt waren. Es wurden eine Reihe schöner Tore von beiden Parteien erzielt. Bei dem Sieger erwies sich vor allem der Halblinke als Wurfkanone, von den Spiel- vereinigungsleuten wurden von deni Rechtsaußen und dem Mittelstürmer die Bälle schön verwandelt
Handball in Londorf.
Romrod I — Londorf I 0: 3.
Romrod 1. Igd. — Londorf 1. Igd. 0:12.
Das Spiel der ersten Mannschaften hatte den rechten Charakter eines Gesellschaftsspieles. Gleich zu Beginn des Spieles machte sich die größere und längere Spielerfahrenhett Londorfs bemerkbar. Londorfs Sturm drängte gleich vor das gegnerische Tor, und der Rechtsaußen schoß kurz entschlossen ein Tor. Romrods Angriffe scheiterten an der sicher spielenden Hintermannschaft und dem sehr guten Torwart. Die D. T.-Leute muhten sich noch zweimal durch schöne Schüsse des jugendlichen Ersatzmannes geschlagen bekennen. So endete das fair durchgeführte Spiel mit 3:0 für Londorf.
Das Spiel Romrod II gegen Londorfs Jugend sah die Jugend immer in Front. Zwei Spieler Londorfs wurden herausgestellt. Die körperliche Aeberlegenheit Romrods glich Londorf durch seine technische Aeberlegenheit aus. 2m Verlauf des
„Sie müssen mit ihm abrechnen!... Er ist ein Hund, der es nicht besser verdient, als daß man ihn zu Boden schlägt!"
„Wo ist er zu treffen?"
„Heute morgen kommt er nicht ins Bureau: ich bin davon unterrichtet. Suchen Sie ihn in seiner Villa in Grünewald auf!" Er nannte die Straße, in der Honneckers Haus sich befand. „Man wird Sie nicht einlassen wollen: aber Sie müssen sich den Eingang erzwingen!"
Schulhofs nickte zustimmend. Alles in chm zitterte vor Gier, mit seinem Todfeind zusammen- zustoßen.
Er dachte nicht mehr daran, daß Kommerzienrat Horwitz ihn erwartete. Keine Sekunde lang überlegte er, was n a ch dieser Auseinandersetzung mit Honnecker kommen würde.
Er mußte den Kampf mit feinem Todfeind ausfechten! Für immer mußte er Eva feiner Gewalt entreißen!
And wenn er ihn mit seinen Händen erwürgen müßte!...
Ein Gedanke zuckte in ihm auf. Er holte aus seinem Schreibtisch einen Revolver und lud ihn.
Als er aufsah, gewahrte er, daß der Fremde nicht mehr da war. Geräuschlos, ohne ein Wort des Abschieds, hatte er das Zimmer verlassen.
XXI.
Ein Diener öffnete das Tor.
„Sie wünschen?"
„Ich möchte Herrn Honnecker sprechen."
„Wen darf ich melden?"
„Ich werde meinen Ramen Herrn Honnecker selbst nennen."
„Dann darf ich Sie nicht hereinlassen I"
Rücksichtslos schob Schulhofs den Diener zur Seite und ging an ihm vorbei dem Hause zu.
Der Diener rannte ihm nach und faßte ihn am Arme.
„Was fällt Ihnen ein?“ rief er wütend.
Mit einem Ruck hatte Schulhofs sich von dem Griffe frei gemacht.
„Lassen Sie mich los, sonst schlage ich Sie nieder!" stieß er hervor. Er kannte sich selbst nicht mehr. Rur das eine wußte er: daß nichts ihn von seinem Ziele abhalten würde! And wenn er über Leichen gehen mühte...» er würde den Weg zu Honnecker finden!
Er sprang die Treppe hinauf: nun stand er in der breiten, mächtigen Diele.
Der Diener stellte sich vor ihn, um chn am Weitergehen zu hindern. Angst zitterte in seinem Gesicht.
„Ich darf Sie nicht zu Herrn Honnecker lassen! Rur wenn Sie angemelbet sind!... Er ist in dem Punkt sehr streng..., ich kann meine Stellung verlieren..
Schulhofs achtete nicht auf sein Jammern.
„Wo ist sein Zimmer?" rief er drohend.
Verzweifelt suchte der Mann chn wieder zur Haustür zurückzudrängen: ein Dienstmädchen kam die Treppe herab und sah ratlos dem Ringen der beiden Männer zu.
Run stießen fia krachend an einen Schrank...
Da öffnete sich im Hintergrund des Ganges eine Tür.
„Zum Donnerwetter, was ist denn das für ein Lärm!" schrie eine brutale Stimme.
Dem Diener sanken die Arme nieder: Schuchoff. nicht mehr gehemmt, war mit ein paar Sähen bei Honnecker.
Dieser trat bei seinem Erscheinen zurück.
„Was suchen Sie hier?" fragte er zornbebend.
„Ich muß Sie sprechen!"
„Ich bin für Sie nicht zu sprechen!" gab Honnecker barsch zur Antwort und wollte die Tür wieder hinter sich schließen.
Aber Schulhofs stieß sie auf, machte ein paar Schritte ins Zimmer hinein und blieb furchtlos stehen.
„Sie irren sich, wenn Sie meinen, mich so leicht los zu werden!"
Honnecker schwollen die Adern auf der Sti»"ie an. Es schien, als wolle er sich auf den Eindringling stürzen: drohend stand seine schwere, wuchtige Gestalt vor Felix Schulhofs.
Aber dieser sah Honnecker gelassen entgegen. Er war auf das Aeußerste gefaßt.
„Ich lasse Sie durch meine Leute hinauswer- fen, wenn Sie nicht sofort freiwillig gehen!" sagte Honnecker scharf.
„Sparen Sie sich diese Mühe! Sie wäre ver- . geblich! Ich weiche nicht mehr von Ihren Fersen, bis ich mit Ihnen abgerechnet habe!"
Die beiden Männer maßen sich mit den Blicken. Todfeindschaft loderte zwischen ihnen auf.
Für einige Sekunden war es ganz stille. Man hörte nur das rasche, hastige Atmen der Beiden.
„Run?" stieß Honnecker hervor.
Schulhofs war plötzlich ganz nchig.
„Sie haben versucht, mich geschäftlich zu ruinieren!" sagte er kalt. „ Aus dem Hinterhalt heraus haben Sie, wo es nur ging, gegen mich gearbeitet!"
Sn Honneckers Augen zuckte etwas auf. Also dieser Sache wegen kam Schulhofs!... Er hatte gedacht, daß sein Besuch einen anderen Zweck verfolge.
„Woher wollen Sie das wissen?" fragte et lauernd.
»Das geht Sie nichts an! Die Hauptsache ist, daß ich seit heute Ihr Treiben kenne!"
Honnecker lachte höhnisch.
„Sie haben eine merkwürdige Art, geschäftliche Kämpfe zum Austrag zu bringen!"
„Wenn es sich um einen anständige« Kampf handelte, würde ich nicht so vorgehen!"
„Was fällt Ihnen ein!" brauste Honnecker auf.
(Fortsetzung folgt)


