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Nr. 29 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (Seneral-Anzeiaer für Oberhessen)

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Der Konkurs des Breslauer Handelshauses Molinari vor Gericht. Die tzirma Molinari & Söhne diente dem berühmten Roman Gustav FreytagsSoll und Haben zum Borbtld.

dieser Tage in der WirtschaftZur Krone" seine 4 0. ordentliche Generalvers amm- lung ab, zu der nicht nur die Mitglieder, son­dern auch deren Frauen in großer Zahl erschienen waen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Herr Diehl, der als Gründer schon 40 Jahre dem Verein und ununterbrochen auch dem Aufsichts­rat angehört, leitete die Versammlung. Aus seinem Revisionsbericht ging hervor, daß der Verein unter seiner mustergültigen Führung wei­ter vorwärtsschreitet und Beanstandungen nicht stattfanden. Der Geschäftsbericht des Dtrektors T e x t o r wiese inen glänzenden Stand der Ge­schäfte aus. Die Bilanz von 1929 im Vergleich zu den Ziffern von 1925 ergab folgendes Bild:

U Grohen-Linden, 3. Febr. Dieser Tage hatten sich die Pächter der Kirchen- grundstücke - meist kleinere Landwirte und Arbeiter - im Rathause eingefunden, um zu den hohen Pachtpreisen und Steuern Stellung zu nehmen. Rach einer lebhaft geführten Aus­sprache wurde einstimmig eine Entschließung an­genommen, in der gegen die hohen Pachtpreise und ungerechte Steuer Protest erhoben, eine 50- prozentige Ermäßigung der Pacht, gerechte Re­gelung der Steuer und vorläufige Stundung der Zahlungen bis zur endgültigen Klärung gefor­dert wird. Eine Kommission, die sich aus den Herren Heinrich LeunV., Ludwig Stein- müller, Ludwig Braun. Ludwig Wer-

Herbst in Apulien

Don Albert H. tausch.

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Troja Lucera.

Einen Augenblick schien es, als wolle sich der Himmel ganz zuziehen und Regen auf das Wasser ersehnende Land niederfallen lassen Aber die Sonne blieb Siegerin, und wir konnten unbesorgt nach Troja und Lucera fahren Troj^ liegt südwestlich Lucera fast genau westlich von Foggia nu5. Die Straße nach Troja läuft eintönig, all­mählich steigend, durch das eintönige Gelände, auf dem die unzähligen Schafe weiden. Die Tiere bleiben den ganzen Winter über draußen. Sie ziehen auf breiten, nur für die Wanderungen der Herden bestimmten Graswegen durch das flache Land und werden mit dem beginnenden Frühling in die Bergtriften der Abruzzen hinaufgetrieben, von wo sie im Herbst wieder in die endlosen Ebenen des Taooliere zurückkehren. Nichts steigert mehr die Melancholie dieses einförmigen Landes als das stumme, willenlose Dahingrasen der aneinander­drängenden Tiere, nichts kündet mehr den Trübsinn aller Lebensabläufe als dieses ewige Hin und Her nomadischen Daseins .. Der Wagen flog dahin im halbgoldnen, halbgrauen Licht, eingleitend in die kaum gewellten braunen Flächen. Niemand von uns sprach. Diese unbestimmte Weise, die gegen dunstige Berge hinanlief, hatte uns hingenommen, fast aus der rinnenden Stunde fortgetragen, ja das Ziel vergessen lassen, dem wir Zufuhren. Erst als sich die Häuser von Troja dem versunkenen Auge so deut­lich auf ihrer Anhöhe zeigten, daß dieses Auge sich ihres Bildes bemächtigen mußte: erst als uns nur noch Minuten von der letzten Anfahrt in die Stadt trennten, verschwand die Traurigkeit, die uns be­fallen hatte. Sie hob sich noch einmal, als uns eine Schar von schwarz yekleideten Priesterzöglingen be­gegnete, die von einem Spaziergang nach Hause kehrten. Diese blassen Gesichter von Kindern, über deren Schicksal vorzeitig ein fremder Wille verfügt diese schwarzen brennenden Augen, die niemals das Leben, niemals die Welt sehen werden . Vor­bei .. Ein Friedhof .. Zypressen . Einfahrt in die Hauptstraße, bis vor das Hauptportal der Kathedrale. Um ihretwillen waren wir gekommen. Sie ist von wenigen gekannt und doch ein kleines Wunder an Schönheit, obwohl ihr die Einheit fehlt. An Schönheit-' Nein: an Zauber. Sie wurde um 1100 in ihrem unteren Teil errichtet, der von großer, einheitlicher Strenge ist. Eine schlichte Front von sieben Blendarkaden Der mittlere Bogen überragt an Höhe die anderen und überwölbt zugleich die ebenfalls bogengekrönte Eingangstür aus Bronze eine jener berühmten Türen, wie sie sich in Monreale, in Amalfi, in Salerno, in Trani, in Eanosa und anderen Städten finden. Bezaubernd in der Einheit seiner Ornamente ist der Architrav, der sie überquert, bezaubernd auch die Pilaster, au denen er ruht. Die große Rosette des oberen Teiles der Fassade er stammt erst aus dem 13 Jahr­hundert und hat nichts von der schlichten Strenge des frühen Untergeschosses weist ineinandergrei­fende gotische Bogenformen auf und reiches Spitzen­merk aus Stein in engen Feldern zwischen dünnen Säulen. Ein Kleinod ist die Kanzel an der rechten Seite des Jnnenraumes. Sie stand in einer anderen Kirche, S. Basilio, und wurde später erst dem Dome einverleibt. Geschaffen ist sie um die Mitte des

zwölften Jahrhunderts. Vier Säulen mit überreichen korinthischen Kapitellen tragen sie. Die Umsäumung ihrer vier Seitenflächen bilden breite Borden un­vergleichlichen Rankwerkes aus blassem Marmor. Der Lesepult für die Bibel ruht auf dem Kopfe und den hochgezogenen Flügeln eines Adlers. Welche Träume von Schönheit warfen die Künstler jener Tage in den Schoß ihres Gottes .. (Wußten sie auch, ob er schon reif geworden war für soviel Blüte?) Er war noch ein junger Gott, kaum tausend Jahre alt. Und dennoch: er war nur ein Wieder- geborener, der aus Uranfängen lebte .. Wie tief war sein Bewußtsein um das Vorgelebte? Was jene schenkten, überschlug das Kreuz und rief Apoll zurück .

Eine Stunde später schon war die Dämme­rung gesunken klopften wir an das Tor des Sarazenenkastells in Lucera. Drohend, abweh­rend hatte es vor uns gelegen, als wir im letzten Lichte von Troja zu ihm herüberfuhren . ein Un­geheuerliches mit seinen gelben Mauern, seinen gelben Türmen, steil über dem Abgrund, der es nach Süden hin von der vorgelagerten Ebene scheidet . Naht man ihm um diese Stunde des Zwielichts, so könnte es scheinen, es sei unversehrt. Erst wenn man dicht vor seinen Wänden steht, erkennt man, daß es längst verfiel . Friedrich II. ließ es für seine sarazenische Leibwache bauen. Was nicht zu ihr gehörte, doch moslimischen Glaubens war, siedelte er in der Stadt Lucera an, einer alten römischen Gründung. Es barg in seinem Inneren einen großen Palast, dessen Grundriß noch er­kennbar ist. Es barg Kasernen, Ställe, Brunnen, Zisternen. Nun wuchert Gras, wo all dies Vielbe­gangene war .. O namenlose Schwermut, hier zu schlendern, wie wir nun . Durch diese ausgedorrten Gräser, die sirrenden, hinzustreichen, an den Brü­stungen stehn zu bleiben oder an den hohlen Fen­stern der Wachtürme und hinunter zu starren in dieses dunstige, verlorene Land, an das aus bleiernen Wolken ein verkohlendes Abendrot an- brandet, indessen die Luft sich unmerklich in taubes Lila verwandelt hat .. Da leuchtet noch eine Wand in durchgoldetem Sepia und versinkt sogleich in Trübe ' dort läßt sich langsam ein' Nachtvogel herab auf schon umdunkelte Zinne und äugt in die leere Oede nieder, von der wir uns nicht trennen können .. Immer wieder zurück an den Südrand des Gemäuers .. immer wieder dort verharrend, den Blick in der Tiefe .. Da sind Ziegeleien, deren Feuer nun glühen, da, mehr nach rechts, wo der Bach fließt, sind Gutshöfe, kaum noch erkennbar. Da ist auch das Fieber, in jener feuchten, fruchtbaren Nie­derung .. Es nistet in dem WasserAcqua pesante" sagte mir einmal der alte Wächter, als ich an einem heißen Frühlingsabend hier oben mit ihm saß . .acqua cattiva, veneno" Und nochmals beginnen wir die traurige Runde Warum? Warum? Unten in der Stadt sind Lichter, sind Menschen, die der Stunde, dem Tag, dem Jahre leben . sind Kaffeehäuser.. ist eine Piazza, an der man sitzen könnte Das tiefe Grauen des Versunkenen halt uns ganz gefangen . O schwerer Mantel, in den sich unser ganzes Leben schmiegt O Vorgefühl des Endes: alles Enden ist sich gleich . O Trost der Traurigkeit: Oktobera'oend in Lucera ..

(Fortsetzung folgt.)

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

oo Klein-Linden, 3. Febr. Am nächsten Donnerstag, 6. Februar, feiern die Eheleute Konrad Lotz und Ehefrau Marie, geb. Faber, in körper­licher und geistiger Frische das Fest der diaman­tenen Hochzeit. Der Jubilar stammt aus Oberhörgern und geht mit feinen 82 Lebensjahren noch rüstig feinem Wagnerhandwerk nach, die Ehe­frau ist 81 Jahre alt. Das Jubelpaar hat sieben Kinder, 24 Enkel und 6 Urenkel.

* Leihgestern, 1. Febr. Der hiesige Land­wirtschaftliche Konsumverein l hielt

Kassenbestand: 1925 gleich 19,21 Mk., 1929 gleich 1578,56 Mk., Warenvorräte: 1925 gleich 1093,80 Mark, 1929 gleich 3233,49 Mk.; Rücklage: 1925 gleich 20 Mk., 1929 gleich 2502,32 Mk.; Rein­gewinn: 1925 gleich 1080,09 Mk., 1929 gleich 3619,76 Mk.; Dividendenverteilung: 1925 gleich 5 Prozent, 1929 gleich 11 Prozent und eine Rück­lage über 1100 Mark. Diese Fortschritte des Ver­eins seit 1925 sind der jetzigen Führung zu ver­danken. Rach Erledigung des geschäftlichen Teiles vereinigte ein gemütliches Beisammensein bei einer Tasse Kaffee die Versammlungsteilnehmer noch in schönster Harmonie. Von dem Resultat dieser Versammlung dürfte eine weitere Dor- wärtseniwicklung des Vereins zu erwarten fein.

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gandt und Ludwig Weber zusammensetzt, wurde beauftragt, die Verhandlungen mit der Kirchenbehörde zu führen.

* Rödgen, 1. Febr. Dieser Tage fand die zweite Sitzung des neuen Gemeinderates statt. Zunächst wurden die verschiedenen Kom­missionen und der Schulvorstand gewählt. Heber die Kanalgebühren fand eine längere Aus­sprache statt. Die Kanalschulden betrugen 16 000 bis 17 000 Mk., die Verzinsung erfolgt zur Zeit mit 9 v. H. Die Tilgung soll jährlich in noch festzusehenden Raten von der Gesamtgemeinde getragen werden, ferner die Unterhaltung und ein noch verbleibender Zinsenrest, der durch die Kanalbenutzungsgebühren nicht aufgebracht wird. Es soll eine Grundgebühr von 8 Mk. je

beitsgemeinschaft Lich-Hungen un Schulhaus statt. 3m Mittelpunkt stand eine Lebr- probe, die Lehrer Müller von hier über Kulturgeschichtliches aus Langd" hielt. An Hand von Gegenständen aus der schönen Sammlung deS hiesigen Heimatmuseums wurden die Entwicklung des Beleuchtungswesens, die Flachsbereitung und -Verarbeitung, sowie der damit zusammenhän­gende Sprachschatz und altes Sagengut behandelt. Ebenso wurde auf die Sitten und Gebräuche ein­gegangen, die mit diesen geschwundenen Betäti­gungen zusammenhingen. Rach einer kurzen Aus­sprache hielt Lehrer Böttcher, Steinhecm. einen Vortrag überDie Begabungsverhältnisse der Schüler". Der Leiter der Arbeitsgemeinschaft. Lehrer Roth, Klein-Linden, dankte für die

Spaniens neues Kabinett: Primas Nachfolger General Berenguer (in der Mitte, in großer Galauniform) verläßt mit seinen Ministern nach der Eidesleistung vor dem König das Madrider Schloß.

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Anlieger zur Erhebung kommen. Von Zuschlägen der verschiedenen Arten wurde abgesehen, da hierdurch Härten entstehen würden. Die Liefe­rung von Brennholz für die Amtszim­mer des Bürgermeisters und des Gemeinde­rechners wurde abgelehnt. Verschiedene Rin­nenpflasterungen innerhalb des Ortes sollen durch das Kulturbauamt Gießen zur Ver­gebung ausgeschrieben werden. Ob die finanzielle Lage der Gemeinde es erlaubt, alle diese Ar­beiten auszuführen, steht noch dahin.

f T r e i s a. d. Lda., 1. Febr. Auf der Straße Treis Mainzlar ereignete sich gestern nachmittag ein Zusammenstoß zwischen einem Lieferwagen einer Gießener Firma und einem leichten Einspännerfuhrwerk eines hiesigen Viehhändlers, bei dem das Fuhrwerk in Trümmer ging und der Kühler des Autos beschädigt wurde. Menschen kamen zum Glück nicht zu Schaden, auch das Pferd erlitt keine Verletzungen. Bei der kürzlichen R e u w a h l des Vorstandes der Synagogenge­meinde wurde der seitherige Vorstand Levi Wetzstein einstimmig wiedergewählt. Dieselbe Gemeinde erhielt von einem Gießener Freund, der aus unserem Dorfe stammt, eine neue Thora­decke zum Geschenk.

+ Lang-Göns, 31. Jan. Die Volkshoch­schule Gießen veranstaltet in diesem Winter auch in unserem Dorfe einen Kursus, der gestern abend seinen Anfang nahm. Cs sprach Dr. M a - lech (Gießen) über neuzeitliche Gesundheits­pflege und Ernährungsfragen. In äußerst fesseln­der und anschaulicher Weise führte der Vor­tragende die Hörer in diese wichtige Gebiete ein, gab verschiedene wertvolle Ratschläge und erläuterte dann an gut gewählten Lichtbil­dern die besprochenen Gegenstände. Die Anzahl der erschienenen Hörer war für den ersten Abend dieser Art als befriedigend zu bezeichnen.

* Grüningen, 29. Jan. Dieser Tage wurde hier ein R i n d e r z u ch t v e re i n gegründet, der seine Tätigkeit bereits mit einer Eingabe an die Gemeindevertretung begonnen hat. Es wird darin die Anschaffung eines dritten Fleckoiehbullen bean­tragt, da die beiden anderen sehr überlastet seien und die Rinderzucht notleide, was sich schon ver­schiedentlich bemerkbar mache. Auch der Kreisoete- rinärarzt soll sicherem Vernehmen nach schon wie­derholt in der Angelegenheit bei der hiesigen Bür­germeisterei vorstellig geworden sein. Es wird des­halb von den interessierten Landwirten in kürzester Zeit mit der Einstellung eines weiteren Bullen ge­rechnet.

= Lich, 3. Febr. Mit dem Ehrenbrief des Gaues Hessen der Deutschen Turnerschaft wurde der langjährige Vor­sitzende des hiesigen Turnvereins Reinhard Zimmer ausgezeichnet. Der Geehrte hat über 25 Jahre ununterbrochen in der Vereinsleitung gestanden, erst als Turnwart, dann als Vorsitzen­der, und gehört auch im Gau Hessen zu den be­kanntesten Turnern.

1° Steinheim, 28. Jan. Der vor Jahresfrist gegründete Ob st- undGartenbauverein hielt gestern abend in der Schule seine erste or­dentliche Generalversammlung ab. Am Rachmittag fand unter Leitung von Obstbau­inspektor E n k l e r vom Landwirtschastskammer- ausschuß Gießen ein Rundgang mit Demonstra­tionen durch unsere Obstanlagen statt, an der sich neben fast allen Baumbesihern noch die Schüler der landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen von hier, Rodheim, Ober- und Hnter-Widdersheim mit ihren Lehrern beteiligten. Am Abend hielt Obstbauinspektor E n k l e r einen lehrreichen Vor­trag überFörderung des Obstbaues", insbeson­dere überSchädlingsbekämpfung auf rationeller Grundlage" Den Dank der Versammlung an den Redner sprach der Dereinsobmann, Lehrer B e p p l e r , aus, und er konnte weiter mitteilen, daß zum erstenmal die Winterspritzung Anfang Februar zur Durchführung komme Eine rege und eingehende Aussprache schloß sich an den bei­fällig aufgenommenen Vortrag an.

s. Langd, 3. Febr. Am Samstag fand hier eine Tagung der Pädagogischen Ar-

beiden Darbietnngen, die mit größtem Inter­esse ausgenommen wurden.

KreiS Friedberg.

4 Bad-Rauheim, 2. Febr. Der Turn­verein 1860, der größte Verein am Platze, und seither auch der stärkste Verein des Turn­gaues Hessen, trat mit seiner gestrigen stark be­suchten Hauptversammlung in sein 70. Vereinsjahr ein. Der Verein zählt nach dem Geschäftsbericht zur Zeit 906 Vereinsangehörige, darunter 718 beitragspflichtige Mitglieder. Die Jahresrechnung schließt ab mit 38 802,30 Mk. in Einnahmen und 38048,37 Mark in Ausgaben. Das Vermögen beträgt 63125,91 Mark. Die turnerische Betätigung in den verschiedensten Ab­teilungen ist sehr rege. Bei den Wettkampfveran­staltungen im Bezirk, Gau und Kreis wurden insgesamt 132 Siege errungen. Zur Zeit sind Bestrebungen im Gange, die eine Verschmel­zung mit dem 1913 gegründeten Männerturn­verein zum Ziele haben. Im Ausschuß der Bad- Rauheimer Turnerschaft und in den Vorständen beider Vereine fanden bereits Beratungen statt, die sich für den Zusammenschluß aussprachen.

I Steinfurth, 3. Febr. Auf Veranlassung der Freiherren Ludwig und Hugo Löw von und zu Steinfurth in Wiesbaden wird zur Zeit der Kopf des im Rordosten unseres Dorfes ge­legenen Wingertberges geebnet. Der Berg hatte auf seinem Gipfel einige Erdbuckel, Die nun durch umfangreiche Crdarbeiten be­seitigt und auf dem Berge abgetragen worden sind. Dadurch ist eine ebene Fläche von etwa 1100 Quadratmeter entstanden, so daß ein be­quemes Sicher gehen und Lustwandeln auf der schönen Anhöhe, von der man eine herrliche Aussicht genießt, möglich geworden ist. Die Fläche soll im Frühjahr mit Gras eingesät und die nach dem Abhang zu aufgetragene Erde durch eine Ligusterhecke befestigt werden. Die Planie­rung dieses Bergkopfes ist ein wesentlicher Bei­trag zur Verschönerung unserer Heimat. Bei den Crdarbeiten stieß man auf Mauerreste. Beim Freilegen konnte man feststellen, daß die Mauern aus unbehauenen Dasaltsteinen bestanden, die mit festem Mörtel zusammengefügt waren. Es ist anzunehmen, daß es die Grundmauern eines Wingerthäuschens sind, das in der Zeit, als der Wingertberg noch Weinreben trug, auf , der Dergeshöhe, die einen weiten Heberblick bot, als Schuhhäuschen für den Wingertschüh ge­standen haben mag. Jedenfalls weih sich der älteste Einwohner unseres Dorfes noch zu er­innern, daß sein Vater vom Wingerthäuschen er­zählt hat, und die Aecker, die von Rorden her auf den Wingertberg stoßen, bezeichnete man vor der Feldbereinigung mit dem Flurnamen Hinter dem Wingertshäuschen". Das sind An­gaben, welche die Richtigkeit der Vermutung be­stätigen, daß diese aufgedeckten Mauerreste die Grundmauern eines Wingerthäuschens sind, zu­mal ja auch aus alten Chroniken erwiesen ist, daß der Wingertberg Jahrhunderte hindurch mit Weinreben bepflanzt war.

KreiS Büdingen.

' Ortenberg, 1. Febr. Durch Bekannt­machung des Hess. Innenministers vom 7. Ja­nuar ist der Satzung des Gemeindeverbandes für den Kraftwagenverkehr Ortenberg und Umgebung auf Grund der Land­gemeindeordnung vom 8. Juli 1911 die Be­stätigung erteilt worden. Der Verband be­steht aus den Gemeinden Ortenberg, Bergheim, Gelnhaar und Usenborn und hat seinen Sitz in Ortenberg.

Kreis Schotten.

Laubach, 30.Jan. Einen fesselnden Licht­bildervortrag hielt gestern abend auf Veran­lassung der beiden hiesigen Frauenvereine im überfüllten Kasinosaale Pfarrer Kornmann aus Rodheim über das Thema:Die Deutschen in Brasilien". Der Vortragende gab ein anschauliches Bild über die Lebensverhältnisse, Kulturen, Erzeug- nisse und Siedlungen des südamerikanischen Lan­des, wobei er insbesondere auf die Not der dort ansässigen Deutschen hinwies. Dekan V o 1 p dankte