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Saal bis

2. Fortsetzung.

Nachdruck verboten.

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Die neu* Amtes

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werd«

Frau von Rechten hat übrigens ein merk­würdig zwangloses Benehmen.

Trotzdem hatte sie offene Augen, und schon die nächsten Tage gaben ihr Gelegenheit, ihre Be­obachtungsgabe und ihren praktischen Sinn zu verwerten. Der Besuch der beiden fremden Da­men auf Schloß Wildhofen sollte im Leben der kleinen Doris Harter wichtige Veränderungen Hervorrufen.

Sie saß wieder einsam auf ihrem Zimmer und verzehrte wie gewöhnlich, wenn Gäste anwesend waren, dort allein ihr Abendbrot. Ihre Ver­wandten hatten sie auch jetzt nicht aufgefordert, mit ihnen zu speisen, so daß sie die neuen An­kömmlinge heute nicht mehr zu Gesicht bekam.

Das verstimmte oder verletzte sie nicht im ge­ringsten. War sie doch ganz zufrieden bei dem Gedanken, sich in ihr eigenes, trauliches Zimmer zurückziehen zu können. Sie blieb ziemlich lange auf und schrieb ausführliche Briefe an zwei ihrer Schwestern, von denen sie nun schon lange getrennt war.

Frau von Wildhofen schickte sich an, das Tele­gramm an ihren Sohn aufzusehen. Sie hatte die Absicht ihres Gatten gehört und wollte ihm nun keine Zeit zu weiteren Einwendungen lassen.

Gleich darauf wurde Doris das Telegramm zur llebergabe an den Diener ausgehändigt. Natür­lich las sie unterwegs die wenigen Worte, die es enthielt:

©rfreut, Dich und Deine Freunde morgen zu sehen.

So kam er also morgen.' Wie mit einem Zauberschlag erschien ihr die Welt in Licht und Sonnenschein getaucht; denn ihn sehen, ihn nur Wiedersehen zu dürfen, war dieses törichten Kin­des einziger Herzenswunsch. Ahnte sie doch nicht rm entferntesten, daß sein Kommen diesmal für sie die bitterste Enttäuschung bedeuten würde, die sie je in ihrem Leben erfahren.

Im Grunde genommen teilte Doris ihres Onkels Vorurteil gegen die Art und Weise, wie die beiden Gäste sich in einem vornehmen Hause einführten. Aber Kurt war es ja, auf dessen Veranlassung sie kamen: da konnte doch sicherlich nicht das geringste gegen ihr Auftreten einzuwenden sein.

Wie emanzipiert sie aussehen werden! dachte sie, um so mehr, als die Damen in Kurts Be­gleitung auf Fahrrädern kommen wollten, wäh- rend ihre Iungfer mit der Eisenbahn folgte und das Gepäck brachte.

Wer Doris sollte eines anderen belehrt wer­den! Sie war die erste, die die kleine Gesellschaft am Spätnachmittag des folgenden Tages durch dre zum Schlosse führende Allee herankommen sah: zwei schlanke, elegante Erscheinungen, in Seren Mitte die triftige Gestalt ihres hübschen Vetters erkennbar wurde.

Die ihn begleitenden Damen hatten unstreitig gerade die für den Radsport geeigneten Figuren; das erkannte Doris sofort. Sie saßen kerzen- gerade und dabei höchst zwanglos und graziös auf ihren Radern. Beide trugen dunkle, eng' an» schließende Tuchkostume von ganz gleichem Schnitt dazu ebenfalls ganz gleiche weiße Filzhütchen' leicht auf ihre goldblonden Haare gedrückt.

Als sie sich völlig genähert hatten, wurde Do- rrS sofort stutzig. Diese beiden Damen mußten Schwestern sein. Wo aber war Frau von Rech- ten? Schnell begab sich Doris zur Tante Hanna nm sie von der Ankunft der Gäste zu benach- richtigen.

"Ich glaube, Frau von Rechten ist nicht mit-

Der Traum vom Glück.

Roman von 6. Lovett und M. v. Weißenthurn.

Copyright by Marie Brügmann, München.

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.Oh, um so besser, ich schwärme für kleine, trau­liche Räume."

Rach dieser den Ausschlag gebenden Er­widerung der Frau von Rechten begab man sich unter Führung der Hausfrau in das anstoßende, kleine Frühstückszimmer.

Dort stand Doris noch immer, ganz in Gedan­ken vertieft, am Fenster und fuhr beim unerwar­teten Eintritt der Gesellschaft erschrocken zu­sammen.Aha! Hier ist unsere Doris!" rief Kurt bet ihrem Anblick in munterem Ton.

Zögernden Schrittes und ein wenig errötend trat das junge Mädchen aus der Fensternische hervor, um die Eintretenden schüchtern zu be­grüßen.

Wie geht es, Kleine?"

Bei dieser lässig hingeworfenen Frage des jungen Herrn betrachteten Mutter und Tochter, wie auf Verabredung, die jugendliche Gestalt in eingehender Weise, ein Umstand, der nicht ge­rade dazu beitrug, dem jungen Mädchen seine Sicherheit wiederzugeben.

Das wußte ich ja gar nicht, daß Sie eine Tochter besitzen! Ihr Herr Sohn hat mir das nie erzählt!" sagte Frau von Rechten in der liebenswürdigsten Weise.

Fräulein Horter ist unsere angenommene Richte. Liebe Doris, gehe und sage Matthias, daß er uns den Kaffee hier serviert; auch bitte ich dich, deinem Onkel mitzuteilen, daß unsere Gäste eingetroffen sind."

Doris war froh, jetzt entschlüpfen zu können. Ste huschte hinaus, erledigte die erhaltenen Auf­träge und begab sich dann hinauf in ihr kleines Wohnzimmer.

Dort blieb sie eine Weile nachdenklich stehen. Die elegante ältere Dame mit der glockenhellen Stimme hatte etwas an sich, was ein unbestimm­tes Gefüht der Wneigung in ihr hervorrief, während der Anblick der auffallend schönen Toch­ter sie mit einer dunklen Ahnung von zukünftigem Weh erfüllte.

Viet zu unerfahren, um sich über ihre Gefühle Rechenschaft geben zu können, verteidigte sie die Fremden mit ehrlichem Bestreben gegen sich selbst und den empfangenen ungünstigen Eindruck.

Wenn sie seine Freunde sind, müssen sie un­bedingt sehr liebe Menschen sein! lieh sie die Stimme ihres Herzens reden. Lind wie schön sind beide; besonders Fräulein von Rechten mit ihrer wunderbaren Gesichtsfarbe, die an den zarten Schmelz einer rosigen Muschel erinnert. Lind ihr prachtvolles, leuchtendes Haar! Das besitzt auch die Mutter noch in derselben Fülle und fast mit dem gleichen goldigen Schimmer.

Wso ein ererbter Vorzug! dachte die ahnungs- lose, kleine Doris, für die die Wunderwerke der heutigen Haarkünstler ganz unbekannte Dinge waren. Man muß beide Damen sehr bewundern

Linier den Zimmern der eifrig schreibenden Doris lagen die ineinandergehenden Schlafzirn-t mer der beiden fremden Damen. Hätte sie fcic1 Zauberkraft besessen, mit ihren Augen und Ohren durch den Fußboden dringen zu können, so wäre sie nicht wenig erstaunt gewesen über dos Be­nehmen von Mutter und Tochter sobald sie sich allein überlassen waren. Ihre Iungfer, die, in Wirklichkeit ein unerfahrenes Ding war, das man für diese kurze Reise ausgenommen hatte, war zu Bett geschickt worden. Als Tochter der Vermieterin, bei der Frau von Rechten in der Residenz wohnte, war sie mit Freuden bereit gewesen, mit den beiden eleganten Damen für einige Tage auf das große Landgut zu gehen und dort unter dem Titel einer Iungfer auf*! zutreten. Im Dienstbotenzimmer hatte sie gleich j an diesem ersten Wend gewaltig viel geschwatzt | und mit den Namen vornehmer Damen geprahlt.! bei denen sie bereits in Diensten gestanden haben! wollte, die sie aber nur zufällig aus Zeitungen r kannte. Sie hatte damit großen Eindruck auf r Minna, das ältliche Kammermädchen der Frau |j öon Wildhofen, gemacht, die nicht ermangelte, ihrer Gebieterin bei erster Gelegenheit zu er- hählen, daß Klara, die fremde Zofe, ohne Zweifel m sehr hohen Häusern gedient haben müsse.

Frau von Rechten war übrigens völlig un­abhängig von Klaras Dienstleistungen. Sie saß vor dem Tollettentisch und kämmte sich eigen­händig ihr blondes Haar.

Sabine, in einen tosen, duftigen Schlafrock au» rosa Musselin mit weißen Spitzen gehüllt, war soeben in das Zimmer ihrer Mutter getreten und hatte sich in einen niedrigen, vor dem Ka­min stehenden Sessel geworfen. Die schlanke« Arme über Len Kopf faltend, gähnte sie laub (Fortsetzung

Kreis Büdingen.

]:[ Gelnhaar, 3. Ian. Nachdem bis bot Örel Iahren die Lehrer an der Unterklasse der hiesigen Schule öfters wechselten, meldete sich Herr Schütz von Schlch hierher definitiv. Iehl. hat er sich wieder versehen lassen und zwar nach Schwarz, Kreis Alsfeld. Als Nach­folger ist auch ein Herr Schütz vom Ministerium bestimmt.

± Rodheim a. d. Bieber, 2. Ian. Di« I hiesige Turn- und Sportgemeinde ver­anstaltete einen Familienabend mit Weihnachts- feier. Der erste Vorsitzende, Iohann Deuker, eröffnete in einer Ansprache die Frier, wobei er darauf hinwies, daß man in Rußland bestrebt sei, das Weihnachtsfest abzuschaffen. In unserem Vaterland sei ein solches Unternehmen von vorn­herein zum Scheitern verurteilt, solange es noch deutle Turner gäbe. Zur Unterhaltung wurde ein Schwank in drei Acten gespielt, welcher mit großem Beifall ausgenommen wurde. Die Pau­sen füllte die Kapelle Otter mit dem Vortrag von Konzertstücken aus. Außerdem konnte jeder sein Glück bei einer Verlosung versuchen. Die Feier sand mit Tanz ihren Ausklang. Trotzdem zugleich an drei verschiedenen Stellen öffentliche Veranstalttcngen stattfanden, war der auf den letzten Platz gefüllt.

Kreis Schotten.

§ Vom Vogelsberg, 3. Ian. Um die im Winter in unserem Gebirge so häufigen Schnee­verwehungen, die oft auf längere Zeit un­überwindliche Verkehrshindernisse darstellen, mög­lichst zu verhindern, hat man ben Plan gefaßt, aix den Seiten Lee größeren Ströhen starkeHeckei, anzulegen, die den Schnee auffangen und so die Straße von Verwehungen freihalten sollen. Auf ' per Rordwestseite des Gebirges hat man daher in letzter Zeit an den Hauptverkehrsstraßen ent­lang viele Tausende von Sträuchern hauptsäch- lich Weißdorn gesetzt, die nun zu stattliche« Hecken heranwachsen und die Straßen schützen sollen. Ob diese Maßnahme den gewünschten Er­folg zeitigen wird, muß die Zukunft lehren.

Preußen..

Kreis Biedenkopf.

a- d. Bieber, 3. Ian. Di» Feldbereinigung hat infolge des einge­tretenen Frostes ihre Arbeiten im Ausbau der Feldwege eingestellt. Dadurch hat sich die Zahl der Erwerbslosen unserer Ge­meinde bedeutend erhöht, so daß jetzt rund 200 Personen die öffentliche Fürsorge in Anspruch nehmen müssen. Die Arbeiten der Holzhauer sind auch bald erledigt, wodurch sich die Er­werb s l o s e nz i f f e r um annähernd 60 stei­gern wird. Während in früheren Iahren etwa 1000 Festmeter Holz in unseren Gemeinde Wal- düngen geschlagen wurden, werden es in diesem Jahre 1500 Festmeter fein. Dieser Mehrschlag, der in den kommenden Iahren nicht eingespart zu werden braucht, steht in Verbindung mit der Feldbereinigung. Ueberall werden Schneisen für die Reuanlage der Waldwege geschlagen, dis vorspringenden Waldecken werden niedergelegt und der gewonnene Boden zu Ackerland umge- wandclt. Leider verliert dadurch das Land­schaftsbild an seinen Reizen, doch werden diese durch späteren materiellen Ruhen wieder aus­gewogen.

Kreis Wetzlar.

ZJ Groß-Rechtenbach, 3. Ian. gewählte Amtsvertretung des _______

Rechtenbach trat dieser Tage unter dem Vor- f'b des Bürgermeisters Dr. Neumann zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Bürgermeister Dr. Neu­mann begrüßte die Slmtsnerorbneten unb verpflich­tete sie. Die durch eine besondere Kommission vor- geprüfte Rechnung des Amtes für das Rech­nungsjahr 1928 wurde in Einnahme auf 96 468,84 Mark, in Ausgabe auf 96 491,25 Mark feftgefteUL Die einziehbaren Einnahmereste betrugen 22,41 Mk.

Deutsche Vauenmot in Rußland.

Aus einem Brief, der von privater Seite dem Vereins ürdasDeutschtumim Ausland übermittelt ist, geben wir die nachstehenden erschüt­ternden Zeilen wieder:Wir durchleben hier eine furchtbar schwere Zeit. Es ist ganz Unglaublich, was hier geschieht. Die Kommunistenpartei macht die äußersten Anstrengungen, um den Fünfjahresplan durchzuführen, und schon im ersten Zähre leiden besonders die Landwirte darunter. Es wird ihnen nicht nur das Getreide herausgepreßt, das sie geerntet haben, es werden der Mehrzahl so viel Pud von 200 bis 1500 und sogar 5000 Pud aufgelegt, daß sie Hab und Gut, Haus und Hof los werden unb, weil auch bies nicht reicht, fallen sie unter Gericht, kommen ins Gefängnis, auf Zwangs­arbeit ober werden verschickt. Es ist eine solche Panik unter ben Leuten ausgebrochen, daß sie sich in den Tod stürzen, und ganze Dörfer flüchten nach Mos­kau, um von dort nach Amerika auszuwandern. An­dere stürzen sich mit der ganzen Familie mit Pferd unb Wagen in Abgründe, greifen zum Strick ober Zu einer anderen Mordwaffe, um sich das Leben zu nehmen. Du kannst dir keine Vorstellung davon machen, was hier vorgeht. Wenn dich dieser Brief erreicht, so schreibe mir doch. Die Leute flüchten aus Rußland, und eine gewaltige umfangreiche Emigra tion nach Amerika hat um sich gegriffen. Ganze Dörfer, besonders Mennoniten, greifen zum Wan­derstab. Sie lassen alles Vermögen, ihre ganzen Habseligkeiten samt Haus, Hof und Garten zurück. Auch unsere Kolonisten wollen mit unb viele sind l<f)on fort."

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

Silvester in Langsdorf

In Langsdorf gibt es noch manche alte Brä u ch e , von denen man anderswo nichts oder nichts mehr weiß. Einer der finnigsten ist wohl die Silvesterfeier, .die aus einem kirchlichen und einem weltlichen Teil besteht. Am Abend versammelt sich die Gemeinde noch­mals im Gotteshaus, um gewissermaßen das Iahr in Gottes Ramen zu beschließen. Bald danach geht die Iugend in die Spinnstube, die wie aller­orts nicht mehr nach Väter Brauch gehalten wird. Wenn dann die letzten Minuten des alten Iah- res nahen, kommen jung und alt auf dem Schul­schwan zusammen, das ist die Dorfstraße zwischen Kirche und Rathaus, an deren Ende einst das alte Echulhaus stand. Gerade diese historische Stätte gibt der Feier ihre besondere Weihe. Haben die Silvesterglocken das neue Iahr ein­geläutet, so fingen die unter dem abendlichen Sternenhimmel Versammelten zum Preise Gottes zunächst den erhebenden ChoralRun danket alle Gott", dessen wunderbare Melodie dann weithin vernehmbar ist. Darauf folgt eine Ansprache, bte in früheren Iahren einer der Burschen hielt. Da sich in letzten Iahren unter diesen kein Red­ner mehr auftat, drohte die alte, aus Väterzeiten stammende Feier, ihren Inhalt von Bedeutung zu verlieren. Deshalb hielt in den beiden letzten Iahren der Geistliche die Ansprache.) Den Schluß der Feier bildet ein Hoch auf das Vater­land und das Deutschlandlied. Alsdann wünscht man sichProsit Neujahr", die Iugend geht wie­der in die Spinnstuben, das Alter nach Hause. Allem Silvesterrummel, wie man ihn anderorts von den Städten übernommen, ist man hier ab» hold; es gibt keine Schießerei, Abbrennen von Feuerwerk u. a. Hoffentlich bleibt man auch bei der guten, alten Sitte.

Auch Neujahr wird hier anders begangen, als sonstwo. DerZweite Neujahrstag" ist hal­ber Feiertag, der in der Spinnstube und von den jüngeren Männern im Wirtshaus gefeiert wird. Man sieht jedenfalls niemand außerhalb des Gehöftes arbeiten.

den. Don guter Schulung zeugten die Gesang* stücke, die von Heinrich Dietz und Wllhelm B o r n m a n n vorgetragen wurden. Die Ein­studierung sämtlicher Stücke hatte mit großer Hingabe Karl B e l h e r geleitet. Wegen Mangels an Raum mußte für die älteren Leute das Pro­gramm an einem andern Abend wiederholt wer­den. Am Schluß sprach der zweite Turnwart Robert Bornmann allen Mitspielern für ihre guten Leistungen den Dank des Vereins aus.

s. Aus der nördlichen Wetterau. 3. Ian. Die gelinde Witterung des Spätherbstes und das frostfreie Wetter des Winteranfangs, wie wir es seit langen Iahren nicht hatten, haben es mit sich gebracht, daß der Stand der Saaten vorzüglich ist. Insbesondere ist auch der spät gesäte Weizen noch gut auf­gelaufen und steht saftig grün. Durch die er­giebigen Regengüsse der letzten Wochen dürfte die dem Erdboden durch die lang anhaltende Trockenperiode des letzten Sommers entzogene Feuchtigkeit wieder erseht fein. Trotz des trocke­nen Sommers kann von einer nennenswerten Schädigung des jungen Klees durch Feld­mäuse keine Rede fein. Auch die infolge der Herbstniederschläge befürchtete Zunahme der Ackerschnecken ist nicht eingetreten. Es ist dies wohl darauf zurückzuführen, daß der aus- gedörrte Boden sofort selbst beträchtliche Regen- wassermengen gierig an sich zog. Hoffentlich bleiben die Saaten nun auch vor den schädigenden Einwirkungen der Winterfröste bewahrt.

Kreis Friedberg.

Bad-Nauheim, 3. Ian. Zur heutigen ersten Sitzung des neuen Stadtrats waren die 21 Stadtratsmitglieder und die Verwaltung vollzählig erschienen. Bürgermeister Dr. Ahl gab zunächst einen Heberblick über die Tätigkeit des Stadtparlaments in den verflossenen vier Iahren und betonte dabei, daß die Stadt den ihr ge­stellten Aufgaben hätte nachkommen können, ohne in ihren Finanzen irgendwie in Unordnung zu geraten. Die gesicherte finanzielle Grundlage ergab sich schon daraus, daß keinerlei kurzfristige Darlehen aufgenommen seien, und daß den 1 580 000 Mk. neuen Schulden allein schon durch Ausleihungen im Wohnungs­bau erhebliche Aktivwerte gegenüberständen. Aus der Arbeit der letzten Iahre sanden besondere Erwähnung noch die Schaffung der neuen Klär­anlage (265 000 Mk. Baukosten), die Erbauung des Isolierhauses als erste Etappe beä' neuen Krankenhauses, die Erstellung von 88 städtischen und 102 privaten Wohnungen mit Unterstützung | von Bauhilfedarlehen. Als dringendste Zukunfts­aufgaben wurden bezeichnet der Kranken­hausneubau und das zeitgemäße Schlacht­haus, welch letzteres als gemeinsame Aufgabe im Arbeitsprogramm der kommunalpolitischen Zusammenarbeit mit der Rachbarstadt Fried­berg durchgeführt werden müsse. Dem alten Stadtrat wurde vom Bürgermeister herzlicher Dank übermittelt, insbesondere den sechs nicht wiederkehrenden Stadträten. Von letzteren gehörte I. P. Chr. Schäfer 28 Iahre dem Stadtrat an, und Emil Rosenthal hat 24 3ahre dem Gemeinwohl gedient. Die Besetzung der Ausschüsse und Kommiftionen im neuen Stadtrat erfolgte in en bloc-Abstimmung über einen Antrag, den Deutschnationale, Wirtschafts­partei, Zentrum und Sozialdemokraten mit zu­sammen 14 Stimmen eingebracht hatten. Bei der Abstimmung übte die Verwaltung Stimmenthal­tung. Deutsche Dollspartei, Demokraten und der kommunistische Stadtrat stimmten gegen den An­trag, der im allgemeinen zwar die Parität be­achtet, aber in den Hauptausschüssen der Mitte nicht immer die zukommende "Vertretung einge­räumt hat. So gehören von vier Stadträten der Wirtschaftspartei allein drei dem neungliedri- gen Bauausschuß an, in den die sechs Stadttäte der Mitte nur einen volksparteilichen Vertreter entsandten.

gekommen," sagte sie.Ich sah nur zwei Damen, die anscheinend Schwestern sind."

Dann eilte sie wieder auf ihren Beobachtungs- Husten am Fenster, um, gedeckt von den Vor­hängen, die Ankömmlinge noch ngher in Augen­schein zu nehmen. Sollten die beiden Damen wirklich Mutter und Tochter fein, so sah die erstere freilich ganz überraschend jung aus. In Gestalt und Antlitz waren sie beide außerordent­lich ähnlich, und eine wie die andere muhten als Schönheiten gelten. Beider Wangen waren durch die Bewegung in der frischen Luft rosig ange­haucht, ihre blauen Augen sprühten, und ihre mit Sorgfalt geordneten Haare schimmerten wie Gold. Obgleich sie mehrere Stunden Weges auf dem Vade zurückgelegt hatten, war an den tadellosen Frisuren nicht ein Härchen gelöst, oder an ihren Kleidern, von den leichten Hüten bis zu den zierlichen Schuhen aus braunem, russischem Leder, das geringste in Unordnung geraten.

Jetzt, als sie die Vorhalle des Schlosses durch­schritten, hörte Doris ihre weichen, angenehm klingenden Stimmen von silberhellem Klang.

Ich weiß nicht, was Sie von uns denken müssen, gnädige Frau, daß wir Sie sozusagen im Sturme überfallen. Rur Ihr ungeduldiger Sausewind von einem Sohne, der darauf bestand, uns jetzt ohne Aufschub hierherzubringen, ist schuld daran."

Es war die ältere der Damen, die mit ver­bindlichstem Ausdruck diese Worte sprach; ttotz- dem zweifelte Doris sehr, ob Onkel und Tante besonders erfreut sein mochten, von ihrem Sohne als von einemSausewind" reden zu hören.

Frau von Wildhofens Antwort klang denn auch kühler und steifer, als es sonst Gästen gegenüber ihre Art war:

Wir sind stets sehr glücklich, die Freunde unseres Sohnes bei uns zu sehen und hoffen, daß es Ihnen hier in Wildhofen ein wenig ge­fallen wird."

Frau von Rechten schien den frostigen Ton dieser Worte zu überhören und erwiderte in leichter, zwangloser Art:

Oh, ich danke Ihnen, das wird sicherlich der Fall fein; nicht wahr, Sabine? Wir amüsieren uns immer herrlich auf dem Lande."

Inzwischen war man in den großen Salon emgetreten, und Frau von Wildhofen wollte die Damen einladen, Platz zu nehmen, als Kurt ihr mit fröhlicher Stimme zuvorkam und lebhaft bat:

uns den Kaffee in unserem kleinen Früh- stuckszimmer trinken, liebe Mama. Ich wette, daß OMt viel wärmer und behaglicher ist als hier, wo ich es me sehr gemütlich finde."

Wie du willst, mein lieber Iunge, nur mühten Die Damen es entschuldigen, daß das Zimmer zu klein ist. Wir benützen es ja nur im engsten Familienkreise."

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=.= Watzenborn-Steinberg, 3. Ian. Wie von anderer Seite schon kurz mitgeteilt, beging der hiesige GesangvereinGermania", der aiteste in unserem Orte, am vergangenen Samstag und Sonntagabend die Feier seines diesjährigen Stiftungsfestes durch ein Konzert. An­schließend hieran gelangte eine Volksoperette zur 'Aufführung. Die mustergültig ausgewählte Vor- lragsfolge ließ die zahlreichen Besucher auf ihre Rechnung kommen. Eingeleitet wurde die Veran­staltung durch denHeil-Europa"-Marsch von Fr. v. Blon. Nach einem eindrucksvoll durch den Verein vorgetragenem Motto begrüßte der langjährige erste Vorsitzende Karl K o l m e r die zahlreich erschie­nenen Gäste. Die Choroortröge des Vereins, die sich aus Volksliedern, mittelschweren und Kunst­chören zusammensetzten, zeigten zur Genüge, daß der Verein auf einer beachtlichen Hohe steht. An Chören gelangten zum Vortrag:Schäfers Sonn­tagslied",Unter dem Lindenbaum",Morgenlied" v. Rietz,3m Mutterarm",3ch bin dein",Leb wohl",Der kosende Frühlingswind". Durch Vor­träge von Ntusik'stücken durch die Herren Musiklehrer Fritz Leib (Gießen, Klavier), H. Klingelhö - f e r (Cello), Chormeister Georg Harnisch (erste Geige), Musiker Bender (Obligatgeige) wurden die gesanglichen Darbietungen in recht wir­kungsvoller Weise umrahmt. Die Rollen in der anschließenden Volksoperette waren bestens verteilt. Dank der vorherigen wochenlangen Vorbereitungen der Mitspieler und der erfolgten Unterweisungen war ihr daher ein voller Erfolg schon gesichert. Der allgemeine starke Beifall war der beste Beweis hier­für. Von den Hauptmitwirkenden Karl W e h r u m, Theodor Jung, Frl. A. Hirz, Otto Häuser, L. Burger, Karl Pitz, O. Dern, H. Som­mer und E. Games jemand besonders hervorzu­heben, hieße die anderen zurücksetzen. Der Verein kann seinen Konzett- und Theaterabend als einen recht schönen Erfolg für sich buchen. Nicht unerwähnt sei noch, daß am Samstagabend die Ehrung ver­dienter Vereinsmitglieder erfolgte. Der langjährige, unermüdliche erste Vorsitzende Karl Ko (mer, der im 17. Jahre den Verein in muster­gültiger Weise leitet, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Durch Ernennung des Chormeisters Georg Harnis ch zum Ehrendirigenten ehrte der Verein seinen langjährigen Dirigenten, der den Verein in seinen Leistungen auf eine beachtliche Höhe gebracht hat und schon manchen schönen Erfolg mit ihm auf Wettstreiten erringen konnte. Aus Anlaß ihrer 25- jährigen Mitgliedschaft wurden zu Ehrenmit­gliedern ernannt: Karl Gilbert, Karl Har­nisch, Balth. Heß, Andreas Hup seid, Heinr. S ch m a n d t, Ludw. Schmitt, Karl Sommer.

T Li ch, 3. Ian. Der Männerges angver- einCäcilia" veranstaltete am Reujahrstag- abenb in der Turnhalle sein diesjähriges Winter- Vergnügen. Die unter Leitung von Cormeister Ernst I l g e (Butzbach) vorgetragenen Chöre zeugten von bester Schulung des ausgezeichneten Stimmenmaterials und großem Können des Di­rigenten. Ein heiteres Theaterstückchen, recht flott gespielt, wurde, wie auch die Chorlieder, mit großem Beifall ausgenommen. Erwähnt seien noch die guten Musikvorträge einer erstklassigen Ka­pelle. Besonders dankbare Aufnahme fanden das Tromvetensolo des Herrn Schwarzlose (Gie­ßen) und das Thiophonsolo von Herrn Schrö­der. Nachfolgender Tanz, durch Gesangseinlagen des Vereins unterbrochen, gab dem Abend einen schönen Abschluß. Großes Interesse in Sänger­kreisen von nah und fern wird jetzt schon einem am 23. März geplanten Instrumental- und Ge­sangskonzert derCäcilia" entgegengebracht, an dessen würdiger Ausgestaltung zur Zeit eifrig gearbeitet wird.

s. 111phe, 3. Ian. Der hiesige Turnverein Frischauf veranstaltete im Saale der Wirt­schaft Tag einen Unterhaltungsabend mit sehr reichhaltigem Programm. Nach einer Begrüßungsansprache des ersten Turnwarts Karl Beiher gingen mehrere flott gespielte Theater- stucke über die Bühne, die lebhaften Beifall fan­