Einzelbild herunterladen

Samstag, 4- Januar 1950

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Ar. 5 Zweites Blatt

Internationale Konferenzenhausse

sonders geschulten politischen Verstandes, um zu

erkennen, wie dem Engländer fast als Frage i dazu. Lebhaft hatte Tardieu die Vorlage über die zweiten Ranges erscheint, was dem Deutschen Befestigung auch empfohlen, die mit großer Mehr- *21 und O seiner Politik sein muh. Die Beein- heit angenommen wurde. Die Kritik der Sozialisten

Dr. Th.

Der Beifall war freundlich.

Groteske und

Er geht sicher erstickt in den

F a s s o t t ist der Wunderlich, ernst und ehrlich daran, aber er

Drumherum eine Anzahl guter Nebenfiguren. V o l ck vor allem, als der ländliche Bürger­meister. pfiffig, brutal, mit beiden Deinen auf

eine gutgehende Fremdenindustrie aus dem Wun­der. Tobias bleibt einsam, wird aus dem Schuh­schnitzer ein Heiligenschniher und zerreißt den verspäteten Ehrenbürgcrbrief, den ihm der Ge­meinderat überbringt.

Dies als Llmrih der Handlung. Zu werten bleibt vom Ganzen: daß ein altes Problem wieder einmal angerührt wurde. Wenigstens an­gerührt. ilnö daß die Kontrastszenen, das Bei­werk, in manchen Teilen nicht nur wirksam, sondern ganz echt sind. Bis sie ins Groteske umschlagen (das in einer Legende nichts zu suchen hat) und in den Ton von 1920. Es bleibt also die Hoffnung, daß Ortner einmal ein hand­festes, kräftiges Volksstück schreibt... ohne Weih­rauch und ohne Heiligenschein.

dem bekannten Boden der Tatsachen: scharf ge­sehen und sicher hingestellt. Sehr komisch und sehr ausgetüftelt: Hub (ein lächerlich-wichtig aufgeregter Gemeinderat) und Ritter (der phantastische Kunsthistoriker Wiedehopf) aber beide, besonders Hub, schon zu sehr parodiert, um im Rahmen ihrer Szenen zu bleiben. Tannert selbst gab vortrefflich den Amerikaner: knapp, trocken, ohne Llebertreibung. Drei Chargen noch: Heß (Spital-Barbara); Heitzig (Ge­meindeschreiber): Arzdorf als Handwerks­bursch. (Diese Figur ist vollkommen überflüssig, aber man freut sich am Geigenspiel, das sonst, wenn die Einleitung nicht gestrichen wird, hinter die Szene verlegt werden muh.)

entscheidenden Szenen am Wortschwall, auch an der stimmlichen Steigerung. Er trifft nicht den Legendcnton, den schon Ortner nicht traf: am besten ist er ein paar Augenblicken, wo er nicht der Rarr in Christo zu sein braucht, sondern ganz menschlich sein kann: selten genug.

Jngcborg Scherer ist die Heilige, ein schönes, unbewegtes Bild, und dann die rotwangig-sanfte Magd Elisabeth. Ihr liegen solche Doppelwesen, und sie findet ungezwungene Liebergänge: doch ist ihre Rolle zu passiv, um den Eindruck des Ganzen entscheidend zu bestimmen.

einheitlich im Ton, weil sie auf Karikatur nicht verzichtet.

flufsung des geistig stark interessierten und be- wcglichen (unkonservatven) Deutschen durch aus­ländische Meinungen ist immer sehr groß gewesen: Tim so wichtiger mag es deshalb vielleicht er­scheinen, gerade am Ende dieses politisch ent­scheidenden Jahres 1929 einmal die Punkte hervorzuheben, welche das Zentrum der Strese- mannschen Politik gerade in seinen letz­ten Anstrengungen ausgemacht haben unb von niemanden so sorgfältig verschleiert wer- Äen wie von dem gerissenen, mit allen Wassern zewaschenen Demagogen von Wales.

Wenn Llohd George die wichtigsten Ergebnisse Les Jahres 1929 in einer deutschen Zeitung auf» zählt, so vermeidet er es ohne weiteres, das aller» wichtigste auch nur mit einer Andeutung zu strei­ken. Es soll ihm daraus kein Vorwurf gemacht werden. Er macht, nach wie vor, englische und

Die Aufführung, Regie von Tannert, ver­mochte nicht mehr zu geben, als das Stück bietet: also dem Ortner nicht das einzuhauchen, was bei Mell eben da ist. Aber sie gibt gutes Theater (ein wenig langatmig zwar), und sie bringt die weltlichen Szenen sehr wirksam, wenn auch nicht

konnte ... oder wollte.

Geblieben ist der Wechsel zwischen Laut und Leise, zwischen Himmlisch und Irdisch, zwischen Heiligenschein und Alltäglichkeit, zwischen Choral­gesang und Tanzmusik. Die Dildersolge auch. Die überscharfen Kontraste. Die (dilettantische) Degenüberstellung von ganz Weiß und ganz Schwarz. Bon Gut und Dös.

Ob man das Stück bejaht oder ablehnt, das muß jeder mit sich selber abmachen. Niemand kann hier wie überhaupt zur Bejahung oder Ablehnung gezwungen oder überredet werden: das ist eine Angelegenheit des persönlichen Emp­findens. Wir lehnen es ab. (Als Ganzes. Einzel­heiten mögen gelten.)

an der Befestigungsoorlage blieb ganz erfolglos. So ist die Haltung der französischen Kammermehr­heit eine seltsame Vorbereitung für die Londoner Marinekonserenz und für eine Friedenspolitik, die Briand soeben in vollen Tönen proklamiert hatte. Es ist immer dieselbe Sache: nach französischer Auf­fassung bedeutet die denkbar größte Sicherheit für Frankreich zugleich den Frieden für die anderen

und für Europa!

Nach dieser Klärung gehen nun Tardieu und Briand erst nach dem Haag und dann nach London zur Marine-Konferenz Das Programm für die zweite Haager Konferenz ist nicht gering, ist sowohl rein technisch wie hoch politisch, und bei den meisten Beratungsgegenftänden ist das eine von dem anderen gar nid) zu trennen. Hoffentlich sind Deutschlands Vertreter nach dem Haag wenigstens mit einem klaren Plan und mit einem festen Willen

Dabei wäre es töricht, zu leugnen, daß es sich hier um ein Problem handelt, ein sehr ernstes sogar, ein uraltes außerdem, das gleichzeitig auch wieder höchst aktuell ist: die nie zu Ende gebrachte Auseinandersetzung zwischen Geist und Materie: schärfer gefaßt: zwischen amerikanisch nüchternem Geschäftssinn und der alten Kultur des Herzens und der bleibenden, inneren Werte. Aber das Problem ist unzulänglich gestaltet. Mit halben Mitteln und ungleich verteilten Ge­wichten.

Da auch die Ablehnung Gefühlssache ist, kann sie, darüber hinaus, schwer begründet werden. 2lm besten durch einen Vergleich. Auch Mell schafft, um ein gegenwärtiges Beispiel zu sagen, Legenden. DasApostelspiel" daran sollte man etwa denken und es neben denTobias Wunderlich" stellen: dann wird man den Unter» schied spüren: Mell kann: Ortner kann nicht. Man darf sich nicht durch Aeußerlichkeiten täu­schen oder ablenken lassen. Nicht durch Weih­rauch und Kerzen, durch schönes Bild und schöne Musik.

Was bei Ortner fehlt, ist die Kraft zur Ein­heit, zur Verbindung der Gegensätze, zur Ver­schmelzung der irdischen und überirdischen Sze­nen, woraus ja eben die Legende besteht. Er kann nur die eine Hälfte: das Irdische, daS

Alltägliche, das Deutliche. Das andere ist (für unser Empfinden) Mache. Mit einem unverkenn­baren Instinkt für Bühnenwirksamkeit, aber Mache.

Auch in den anderen Szenen versagt dieser Instinkt keineswegs überall, aber es versagt das Gefühl, zum mindesten die Kraft, dieses Gefühl mitzuteilen. Man muh scharf hinhören aut oie Worte derHeiligen": da ist der stock- literarische (um kein deutlicheres Wort zu brau­chen) Chronikton moderner Schriftstellerei, der treuherzig und bieder klingen soll, aber sehr pein­lich klingt, wenn man Echtes und Falsches mit dem Ohr zu unterscheiden vermag. Es wird über­haupt auch dies ist eine Erbschaft vom Ex­pressionismus her zu viel geredet: gerade von denen, auf die es am meisten ankommt, wie hier vom Wunderlich.

Außenpolitische Umschau.

Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. CK.

Für die Haager Konferenz haben sich die beiden vornehmlich in Frage kommenden Regie­rungen, die deutsche und die französische, das Ver­trauen ihrer Parlamentsmehrheit aussprechen lassen. Mit bemerkenswerter Bestimmtheit hat sich B r i a n d dabei zur Politik des Friedens bekannt und hat Tardieu, der sich ihm darin ganz anschloß, die Kammer zu einem unverklausulierten Vertrauens­votum gezwungen. In bezug auf Briand hörte man nicht viel neues, in bezug auf Tardieu war das ent­schiedene Bekenntnis zu Briand immerhin neu. Und das Vertrauensvotum für eine Friedenspolitik im Haag war auch ganz stattlich. Run ist es mit dieser französischenFriedenspolitik" freilich so eine Sache. Tardieu hat gleich hinzugesügt, daß er die Rechte der Artikel 42 und 43 im Versailler Vertrag und

Eine süddeutsche Bauerngemeinde versteigert für schweres Geld einen wertvollen alten Flügelaltar an einen Amerikaner. Der Holz- schuhschniher Wunderlich sträubt sich vergebens gegen den Verkauf des Werkes, an dem sein Herz hängt. Aber die Heilige Barbara steigt auf fein Gebet vom Altar zu ihm herab und geht zu ihm als Magd.

Ein Prozeß erhebt sich um die Frage, ob hier ein Diebstahl oder ein Wunder vorliege. Der Verdacht fällt zuletzt auf Wunderlich, der im Verhör fein Geheimnis preisgibt, worauf ein zweites Wunder geschieht: die Magd verschwindet und die Heilige steht wieder im Flügelaltar. Aber die Gemeinde ist nicht bekehrt, sondern macht

Gießener Gtadttheater.

Hermann Heinz Crtncr: Tobias Wunderlich".

Dieses Stück gehört zu einer Gattung, die etwa zehn Jahren, in der Hochblüte des

des Locarno-Abkommens ebenso wenig vergäße, wie die verabredetenKontroll"- Möglich­keiten gegenüber Deutschland. Roch mehr: gleich­zeitig, am 28. Dezember, nahm die Kammer die Z-Milliarden-Fordcrung für die Befestigungen der französischen Nord-Ost-Grenze an und ein erhebliches Flottenbauprogramm a vXf All XtA Arfrt Art 1 I M A t» Alö

nichts als englische Politik. Ein Vorwurf müßte nur jenen gutgläubigen Deutschen gemacht werden, welche seine Ausführungen kritiklos hinnehmen und sich Sand in die Augen streuen lassen. Gerade der englische Streusand ist merkwürdi- germeise dem deutschen Auge immer doppelt gefährlich gewesen.

Also was verschweigt Llohd George? Das einzige Ereignis von weltpolitischer Tragweite, das sich im Jahre 1929 zutrug: die englisch- amerikanische Cnteente, welche das fak- tische Ende der Kriegsentente bedeutet, weil sie diese überflüssig macht. Der eigentliche Um­schwung vollzog sich schon im Jahre 1928. Damals bestand noch jener durch Verrat ans Licht ge­kommene Plan des englisch-französischen Flotten- abkommens, er eine edudtliche Spitze een Amerika trug. Was tat England, als es sich entdeckt fühlte? Es machtethe bcst of it nach seinem uralten Prinzip. Zu deutsch: es machte aus der Not eine Tugend es verwandelte einen Her­einfall in einen ungeheuerlichen Gewinn. Cs arrangierte" sich mit dem großen Konkurrenten, der sich nichts besseres wünschen konnte, es fusionnierte" mit ihm. Zusammenhang. Kurz und bündig gesagt. Und der Rest der Welt das gute, alte noch immer balkanisierte Europa mit seiner ewigen Nationalitätenmisere voran konnte nichts weiter tun, als Ja und Amen zu der vollendeten Tatsache sagen, welche die un­widerrufliche Supremativ, die absolute Oberherrschaft des anglo-saxonischen Prinzips heißt Geldes in der Welt bedeutet, zum min­desten für eine unübersehbare Spanne von Jahren.

Und was ist es nun angesichts dieser er­schütternden Gewißheit noch mit der berühmten Frage vonP a n e u r o p a" oder denVer-

Hochschulnachrrchien.

Zur Wiederbesehung des Lehrstuhls der neu- testamentlichen Wissenschaft an der Universität Leipzig ist ein Ruf an den Ordinarius D. Rudolf Dultmann in Marburg er­gangen. Der aus Oldenburg stammende Neu-- teftamentler kam 1907 nach Marburg und ha­bilitierte sich fünf Jahre später in der dortigen theologischen Fakultät für die neutestamentlichen Wissenschaften. 1914 wurde Dultmann Extra­ordinarius in Dreslau, kam 1920 als Ordi­narius nach Gießen und ein Jahr späte.» nach Marburg. Der Gelehrte ist Mitheraus­geber derForschungen zur Religion und Lite­ratur des Alten und Neuen Testaments" (mit Gunkel). Professor Dr. med., Dr. med. vet. h. c. Wolfgang H e u b n e r. an der Medizinischen Aka­demie in Düsseldorf hat den an ihn vor einiger Zeit ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Pharmakologie an der Universität Hei­delberg als Nachfolger von Pros. H Wie­land zum 1. April 1930 angenommen und be­reits seine Ernennung zum ordentlichen Pro­fessor in Heidelberg erhalten. Der Lehrstuhl der orientalischen Philologie an der Leipzi­ger Universität ist dem ordentlichen Professor Dr. Hans Heinrich Schaeder in Königs­berg angeboten worden.

einigten Staaten von Europa"? Sie ist eine Frage zweiter Ordnung geworden, ihrer rein weltpolitischen Bedeutung nach. Sie steht, wirt­schaftlich, kulturell, geistig, nach wie vor als bren­nendste Frage für alle zu Europa gehörigen Na­tionen auf dem allervordersten Plan. Einigen sich die gefährdeten Länder jetzt nicht rasch in einem ganz entscheidenden Schritt, geht die natio­nale Kirchturmspolitik weiter wie seither: nun: so werden diese Länder, einzeln, der Reihe nach, von dem anglo-saxonischen Moloch aufgeschluckt werden. Einigen sie sich zu einem höheren, geschlossene Politik treibenden Organismus (der Name ist gleichgültig), schaffen sie sich was in beträchtlichem Maße möglich ist ihre ei­gene Wirtschaftseinheit: so dürfte ihre Wider­standskraft gegen den gefährlichen Gegner doch noch sehr groß fein und sich außerdem, eben in der gemeinsamen Abwehr, eine ungeahnte, ganz neue europäische Vitalität entwickeln. Denn es ist dummes Geschwätz, daß Europaerschöpft" sei. Es verfügt über ganz außerordentlich gesunde, volksmäßige Kräfte was ihm fehlt, ist nur das errettende europäische Ober-Bewußtsein. Was es im Glück nicht zur obersten Instanz zu erheben wußte, wird ihm vielleicht die Not beibringen. Denn Not lehrt nicht nur beten, sondern, oft genug, auch handeln. Welches unendliche, un­mittelbarste Interesse gerade das schwergetroffene Deutschland an der europäischen Konsolidierung haben muß, liegt auf der Hand. Welche Politik es also zu seinem eigensten Vorteil treiben muß, ebenfalls. Wie sich diese Politik es ist diejenige Stresemanns in ihrem wichtigsten Grundzug, in dem Verhältnis zu Frank­reich, aufzubauen hat, wird in einem zweiten Artikel angedeutet werden.

gegangen, und verstehen sie, sich ünd damit Deutsch­lands Interesse gegen die anderen zu behaupten, die im großen und ganzen in einer geschlos­senen Front uns gegenüberstehen..

In dieser Front sind dieVereinigtenStaa- te n nicht! Das Sonderab komme n zwischen ihnen und Deutschland über die amerikanischen An­sprüche an uns, das parallel mit dem Poungplan, aber unabhängig von ihm, in Aussicht genommen war, ist jetzt fertig geworden, am 28. Dezember un­terschrieben. Auch dieses Abkommen wird zugleich mit dem Ergebnis der neuen Haager Konferenz und dem Polenvertrag dem Reichstag vorgelegt werden.

Danach zahlt Deutschland die Amerika zustehen- den Jahreszahlungen gemäß Youngplan nicht an die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, sondern direkt an die amerikanische Regierung. So kommt jetzt ein deptsch-amerikanisches Schuldenab­kommen zustande, das in der Form sich den bekann­ten, zwisck)en Amerika und seinen Schuldnern be­stehenden Schuldenabkommen eng anschließt. Es regelt die Ansprüche Amerikas aus den bekannten Forderungen des Schadenersatzes und außerdem aus den Besatzungskosten.

Man ist bei uns geneigt, die Tatsache dieses Son­derabkommens zu begrüßen, weil damit die Ver­einigten Staaten aus der Einheitsfront der Gläu­biger ausschieden, die ihre Kompromisse regelmäßig auf Kosten Deutschlands schlöße. Wir sind genau entgegengesetzter Ansicht! Der Vorteil Deutschlands wäre es, wenn die Vereinigten Staaten mit der ganzen Regelung eng verbunden wä­ren. Bei der Festsetzung der Jahreszahlungen haben sie sich beteiligt (in der Person von Poung), aber in der Durchführung wahren sie (aus, bekannten Grün­den) aufs äußerste den Abstand: sie wollen dabei nicht beteiligt sein. Das bedeutet für uns, daß der Druck der Vereinigten Staaten auf die ganze Regelung, der noch am ehesten im Sinn der Vernunft und zu Gunsten Deutschlands sich aus­wirken könnte, fehlt! Wenn man schon einmal jene Bank für- internationale Zahlungen gründet und über sie unsere Tributzahlungen laufen läßt, wäre aus allen Gründen natürlich viel erwünschter, die Vereinigten Staaten wären direkt dabei, als daß sie so daneben stehen, zwar ihre Interessen wahren, aber ihr Gewicht im Sinne einer vernünf­tigen und baldigen Schlußregelung nicht in die

vor

_ Ex­

pressionismus. sehr beliebt war: zur Gattung der Legendenspiele. Es unterscheidet sich von jenen eigentlich nur dadurch, daß es sich im allgemeinen verständlicher ausdrückt, als man es damals

Stadttheater

fluüS Abonnement exmM'Öa w Ms

. Jossas 0 qihiftf von * ML;

M-

von 7 ädo.. rienStasLL g ; AW DonW (jjtiüfft.

i ^u'lt A

Waagschale werfen. Diese Haltung Nordamerikas können wir nicht umstoßen, und ihre Begründung ist ja auch bekannt. Aber das ändert nichts daran, daß diese Abstinenz, diese Sonderregelung gerade hier nicht im deutschen Interesse liegt. Wird denn die Lage Deutschlands dadurch erleichtert, daß unsere Gläubigermächte nun ohne die Vereinigten Staaten ihre Kompromisse auf unserem Rücken schließen wollen?

Die Haager Konferenz wird oder soll nicht länger als bis zum 20. Januar dauern. Denn dann beginnt die große Marine-Konferenz in Lon­don, für die die Schwierigkeiten sich-immer mehr häufen, je mehr ihr Termin heranrückt. Diese Schwie­rigkeiten kommen weitaus in erster Linie von Frankreich, das in einem Memorandum feinen Sonderftcmdpunkt mit großer Schärfe schon vor der Konferenz aussprach, so sehr, daß Macdonald es für richtig hält, noch vor ihrem Zusammentritt mit Tardieu sich persönlich auszusprechen. Aus diesem Memorandum, das die bekannten Vorbehalte Frank­reichs zusammenfaßt, ist interessant die Anregung eines Mittelmeer-Locarnos. Das ist von Frankreick) aus gesehen ein sehr geschickter Zug. Es schlägt (an sich keine neue Idee) einen Pakt zu vie­ren im Mittelmeer vor, von Frankreich, Italien, England und Spanien, der den Besitzstand im Mit- telmeer garantiere, als ein gegenseitig garantierter Nichtangriffsvertrag". Auf diese Weise wird rech^ geschickt die Idee des Kelloggpaktes verwendet, um England für das Mittelmcer genau so und noch mehr festzulegen, wie im Locarno-Vertrag für den Besitzstand am Rhein. Noch mehr insofern, als Eng­land dieselben Garantien übernehmen soll, wie die anderen Mittelmeermächte. Und spitz weist das französische Memorandum England darauf hin, es müsse doch an den Fragen des Mittelmeeres sehr interessiert sein, da es eine Flotte von so viel Tau­senden von Tonnen dort stationiert halte! Je deut­licher sich also das Programm der Londoner Kon­ferenz abzeichnet, um so schwieriger wird sie.

Das neue Jahr bringt nun dazu für T>ie beiden Hauptmächte der Londoner Konferenz weitere Pro- bleme. In Lahore ist Ende Dezember der indi­sche National-Kongreß zusammengetreten, für den die Forderung völliger Unabhängigkeit In­diens und der Lösung jeder Verbindung mit Groß­britannien aufgetaudjt ist. Das Jahr 1930 sollte so wie so die Lösung der wohl schwierigsten englischen Reichsfrage" bringen, die Reform des Verhält­nisses Indiens zu England, für die man sich, aber schrittweise, die Gewährung des Charakters als selb­ständige Kolonie (Dominion) denkt. Aus jener For­derung völliger Unabhängigkeit für den indischen National-Kongreß aber geht hervor, wie weit die Dinge schon gediehen sind: das Jahr 1930 wird für das britische Reich eine schwere Jndienkrise bringen. Ist hieran Amerika nicht beteiligt, so muß der neue und plötzliche Entschluß der Nanking-Regie­rung sowohl Amerika wie England lebhaft inter­essieren und berühren. Diese hat nämlich den Mut, von sich aus die Aufhebung der Exterri­torialität, der Sonderrechte der Ausländer, zu proklamieren. Sie fragt die interessierten Mächte nicht und rollt das Problem auf, während sie selbst noch in innenpolitischen Kämpfen steckt. Der ameri­kanische Staatssekretär Stimson hat bereits prote­stiert. Wenn die Nanking-Regierung wirklich Ernst macht, so würde Amerika aus der Passivität heraus­getrieben werden, mit der es bisher die ostasiatischen Dinge behandelt hat. Und diese Komplikation gerade der Londoner Konferenz käme Hoover wenig ge­legen.

Nordamerika wechselt mit dem neuen Jahr seinen Botschafter in Berlin. Der schon längst angekündigte Rücktritt Dr. Schurmans wird in Berlin lebhaft bedauert. Im Diplomatischen Korps war er, mit dem auch eben ausgeschiedenen Nuntius P a - celli, unzweifelhaft das bedeutendste Mitglied, ein Diplomat, der weit über die politischen Kreise hin­aus bekannt war und überall sehr geschätzt wurde. Seine Tätigkeit lag weniger auf dem rein politischen Gebiete. Er pflegte namentlich die kulturellen und wissenschaftlichen Verbindungen, für die er als alter Heidelberger Student ein lebhaftes Interesse und tiefes Verständnis hatte. So hat er sich Verdienste um das deutsch-amerikanische Verhältnis erworben, für die wir ihm aufrichtig dankbar sind. Und man , kann nur hoffen, daß der scheidende Diplomat seine , Erfahrungen auch weiterhin in den Dienst der l freundschaftlichen Beziehungen der beiden Länder . stellt!

Oie europäische Frage.

Don

Wir erhalten von außenpolitisch besonders gut orientierter Seite den folgenden Aufsatz, den wir in zwei Teilen veröffentlichen.

I.

Oie neue Lage.

Eine Reihe liberaler deutscher Zeitungen hat die Gewohnheit angenommen, sich von Zeit zu Zeit außenpolitische Artikel von Staatsmännern fremder Nationen schreiben zu lassen. Das ist sicherlich lobenswort, wie jeder internationale Austausch von Gedanken, an welcher Stelle immer es sich vollziehe. Es darf jedoch nicht ver- geffen werden, daß cs höchst verhängnisvoll für di» Orientierung der öffentlichen Meinung eines Landes werden könnte, wenn man diesen Dar­legungen weniger kritisch begegnete als nötig ist. Jeder ausländische Staatsmann wird einen Ge­samtkomplex von internationalen Fragen selbst bei den ehrlichsten Absichten zur Objektivität immer zuerst aus dem Gesichtswinkel hercus- schen, in den die politischen Notwendigkeiten oder Sehnsüchten seines eigenen Landes seine Schaa drängen. Lind die Bewertung der einzelnen, ihm wichtig erscheinenden Ereignisse, wird nur sehr relative Bedeutung haben. Wir sind heute noch sehr weit entfernt von der Möglichkeit, jenes Approximativ der Objektivität erreicht zu haben, das uns allen erstrebenswert erscheint und zu Lessen Verwirklichung keine noch so große Mühe gescheut werden darf. Der Rhythmus, in dem sich der deutsche Mensch feit elf Jahren zu leben ge­wöhnt hat, mußte zwangsmäßig die böse Be­gleiterscheinung der LI n g e d u l d nach sich ziehen. Da sich die Ereignisse überstürzten und oft genug die belanglosesten nahm man an, daß auch die Früchte wahrhafter politischer Arbeit in demselben überhasteten Tempo reifen müßten. Die Nichteinhaltung dieses Tempos wurde sofort als Negativ gebucht, das zu völlig übertriebenem Pessimismus Anlaß gab. Durch das unaufhör- tiche Auf und Ab der öffentlichen Stimmung wurde sehr oft den klarsehenden und zielbewuhten Staatsmännern ihre Arbeit ungemein erschwert, wenn nicht unterbunden. Wir alle gedenken noch mit großer Trauer der schmerzlichen Tatsache, Laß ein Mann wie S t r e s a n n ein gutes Teil feiner bedeutenden Kräfte in den fruchtlosesten Kämpfen gegen eine sterile Opposition verzetteln mußte. Wenn man liest, wie sich ausländische Politiker gerade in diesen Tagen der Jahres­wende über die internationale Lage auslasscn, so muß man als Deutscher mit doppeltem Danke der Klarheit gedenken, mit der er das für Deutschland wichtigste Problem erkannte: das europäische und der Llnbeirrtheit, mit welcher er auf dem Wege feiner Erkenntnis vor- cmschritt. Man braucht nur einmal zum Ver­gleich Aeußerungen Lloyd Georges her- cmzuziehen, wie sie bezüglich der Ereignisse des Jahres 1929 dieser Tage durch die Presse ge­gangen sind, um festzustellen, wie verschieden bei zweifellos gleich ehrlichem Willen zur höheren politischen Einheit die Blickpunkte dieser beiden Staatsmänner sind. Lind es bedarf keines be-

nW

gulM v Mser-

M io. Ja-- »-'WLL

Wg

ajjss

ZK 'oribÖoim:nnei

Md DamgDverein

-JiMherir

Ulltl

SOODtQQ, 0.5.300UQt NlWillW 2.30 Hör WMW

L MMM/M >. MMA W w»

UM»

Aüch bem 2pieL Io« wie abend! Kamil' ßuiammenfiinft mit den Gasten un $« emöbeim. siW

Ter Vorstand.

, ßießener Freiw. Feuerwehr Montag. lenK.Jcm. M abendS 8 Wir ffloDBlinr»®11 bei Kamerad Müller nWDliiT.) W leilungen. Unitornn LienitatE Mube. Lollzcibl.Grlchewell eiiotderltch. .

Tae> KonimaM.

bund

«iwikönnen van unterer jPWftelle euWi°nn>rrden.Mi

MM W Die Turn- und ^bungöbunden all, J linden

Montag, dem 'EuariöZo ab Dleöer regelmäßig tatt W _ Tberturnwan 117er N'Uwoch. 8.Janu«

Nmts- MMllW bei Kamerad Emil «icl Um zahlreich, irrlchetnen rotrö ge- betemTer Vorstand.