Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Nr. 250 Dritter Blatt
Donnerstag, 2. Oktober 1930
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„Einesteils der Eier wegen".
Don Frida Rieth, Vorsitzende des Verbandes Landwirtschaftlicher Hausfrauenvereine Bayerns.
„Einesteils der Eier wegen" — ja. ja die schöne Zeit ist vorüber, wo das alles so gemütlich her- ging. Jetzt must die Landfrau, die kleinsteBäuerin. festen, dah sie Qualitätsware auf den Markt bringt.
Ehe ich von der Entwicklung der Eierabsatz- Organisotionen spreche, einige Worte vom deutschen Frischei. Die Einfuhr ausländischer Eier hatte derartig Überband genommen, dah sich daS Reichsernährungsministcrium entschlost, die Farmer, Geflügelhalter in Gutsbetrieben, landwirtschaftliche Hausfrauenvereine und somit die Bäuerinnen zu einer gemeinsamen Absahorganisation zu vereinigen. Das deutsche Frischei wurde propagiert, der Einheitsstcmpcl den Landwirt- schastskammcrn und somit den Zentralgenossenschaften und Ilntergenossenschaftcn an die Hand gegeben. Für diese Dachorganisation haben die Landwirtschaftlichen Haussrauenvereinc in ganz Deutschland den Unterbau geschaffen, trotzdem die Landfrauen eine gewisse Furcht vor kaufmännischen Organisationen und Genossenschaften haben.
Man macht von heute auf morgen aus einer Bäuerin keine Genossenschaftlerin. Durch eine Eier-Sammelstelle in ihrem Dorf und durch'einen geringen, von der Landfrau zu zahlenden Zahres- citrag wird fie für die Genossenschaftsarbeit vorgebildet. Als erstes wird die Sammelstellen- Leiterin im Dorf mit der Durchleuchtung, Sortierung und dem Wiegen der Eier bekanntgemacht. Sodann beginnen die Dorträge und Lehrgänge über Geflügelzucht für die Bäuerin. Diejenige Bäuerin, die ihre Hühner im Kuhstall sitzen, im J kmber die letzten Kücken erbrüten läßt und in^-Februar die ersten Gier hat, ist morgen noch keine Genossenschaftlerin. Zn unseren Kursen lehren wir zuerst die Verbesserung der Geflügelhaltung, dann die Vergrößerung; wir geben den Bäuerinnen gute Futterrezepte an die Hand. Wir lehren sie. dah nur in sauberen Nestern saubere Eier sind.
Im Dezember 1926 gründeten wir die erst« Eiersammclstelle der LHV. in Bayern. Verschiedene Bäuerinnen wollten uns Augusteier bringen, die für die teuere Weihnachtszeit aufbewahrt worden waren. Es war keine betrügerische Absicht- das war so Brauch. Wir mußten die Bäuerinnen vor die Durchleuchtungs-Apparate stellen, die wie Zauberkästen wirkten. Zn der Sammelstelle must jedes Ei seine Ursprungsnummer tragen, um schlechte Lieferanten ausmerzen zu können. Dast ein Qualitätsei nicht gewaschen werden darf, war den Bäuerinnen etwas Aeues. Natürlich wurden die Eier auch nach Gewicht verkauft, um gerade die großen Eier auf den Markt zu bringen. Bei diesen ersten Lieferungen erhielten die Frauen einen Preis von 18 Pf. je Ei, während sie vorher 9 Pfennig bekamen. Bald war das ganze Dorf dabei. Wir verkauften an Sanatorien, Hotels, Privatlundschaft. Die Sammelstelle, welche von einer Wirtin, Krämersfrau oder fortschrittlichen Bäuerin im Dorf geführt ist wird durch eine Sachverständige kontrolliert und arbeitet auf eigene Rechnung für ihre Unkosten mit einem gute.n Preis für die Erzeuger. Die Sammelstelle wird mit Einheitslisten, Eler- waage, Durchleuchtungsapparat und Stempel versehen. Diese Einrichtung stellt der LHV. Die Gegenstände bleiben in seinen: Besitz. Dann trägt die Sammelstelle sich selber.
Wir sortieren Eier von 50 bis 60 Gramm und über 60 Gramm. Vielfach geht man zum Kilo- Gewicht über, das ist einfach und gerecht. Die Kückeneier kann jeder selbst verwerten- das ist der Vorteil für den kleineren Hühnerhalter, während der Großfarmer Kückeneier nur schlecht anbringt. Diese Dezentralisation der Derrech-
Wie ich Hindenburg malte.
Ein Gespräch mit Professor Max Liebermann.
Von Helmut Iaro IarehN.
Copyright by „Die Skizze". Berlin-Halensee, Paulsborner Straße 78.
An einen: der letzten Spätsommernachmittage des Zahres 1927 weilte ich bei dem damals 80jährigen MaxLiebermannin seiner Svm- merbesitzung draußen am Wannsce, ging mit ihm durch die Gartenanlagen dahin, während der Meister eifrigst über die Kunst- und Literaturströmungen diskutierte. Wer Liebermann persönlich kennt, weiß, mit welcher Gewissenhaftigkeit er seine Worte wägt, die gleichsam, im verlini- schen Dialekt hervorgesprudelt, den Eindruck leichtester Konversation erwecken. Aber Liebermann ist durch die Schule einer Generation gegangen, deren Geradlinigkeit der Anschauungen in der Persönlichke: t verwurzelt ist, durch jene Epoche bürgerlicher Herrschaft und Disziplin, die der Künstler und vor allem der Mensch Liebermann repräsentiert.
Er, der preußische Akademiepräsibent, der Berliner Repräsentant aus der Generation der Scha- dow, Menzel, Krüger, ist gleichzeitig das Vorbild preußischen Bürgertums, wie es die Hauptstadt des Deutschen Reiches noch vor 100 Zähren in der Form des Staatswesens als vorbildlich kannte.
Jenem Repräsentanten einer beachtenswerten Kultur, jenen: von den Grundsätzen preußischer Gründlichkeit durchtränkten Liebermann wird der ehrenvolle Auftrag zuteil, den Präsidenten desDeutschenReiches zu porträtieren, der es wiederum als Ehre empfindet, dem bedeutenden Künstler sitzen zu dürfen. Der Achtzigjährige dem Achtzigjährigen: der höchste Würdenträger des deutschen Volkes dem Mentor der preußischen Akademie der schönen Künste. Beide einer Zeitströn:ung entstammend, der eine Aristokrat des Blutes, der andere trotz der Rassenverschicdenheit Aristokrat edelster Geistes- und Schaffenskultur.
Es ist Spätsommernachmittag, die Sonne glutet auf den: Wannsee, Liebermann hat den „je- licbten Strohdeckel" vom Haupte genommen, um die kluge durchfurchte Stirn von einem erfrischenden Windhauch umwehen zu lassen.
Totenstille ... drückende Schwüle.
Wir sind durch die Wohnräume des Hauses hindurchgegangen, wir verweilen in Betrachtung versunken vor den erlesenen Werken erster Provenienz der Liebennannschen Kunstsammlung, wir
Oie Jagd im Oktober.
„Der Frühling mit Mai und mit Rosen Zst für Weiber, Poeten, Franzosen, Kartossel, Rübe und herbstlicher Wind Dem deutschen Jäger der Frühling sind"
singt Heinrich Laube, und gleich ihm schlägt jedem deutschen Weidmann das Herz höher, wenn das Herbstlaub fällt und die Zeit gekommen ist. wo er die Früchte seiner Hege ernten darf.
Zm R o t w i l d revkr ist die Brunst noch im Gang, auch daS Damwild ist in die Brunst getreten. Die Sauen sind feist und finden in Wald und Feld überreich« Aesüng.
Das Rehwild verfärbt und wird bald seine graue Wintcrdecke tragen. Während der Rehbock noch Schußzeit hat, beginnt in diesem Zahre erstmalig im Volksstaat Hessen die Schußzeit für weibliches Wild und männliche und weibliche Kitze an: 1. Oktober. Denn durch Verordnung des Ministers des Znnern von: 2. Llpril 1930 ist di« Schußzeit für das genannte Wild auf die Zeit vom 1. Oktober bis 30. Rovember festgesetzt worden. Dieser Aendcrung der Schußzeit liegt der Gedanke zugrunde, von selten des Staates das immer mehr Platz greifende Bestreben zu unterstützen, das auf alleinigen Abschuß allen Schalenwildes mit der Kugel hinzielt. Dieser Abschuß aus Ansitz und Pirsch )vird um so leichter durchzu- sühren sein, je länger die Tage noch sind und je mehr Aesung auf Aeckern und Wiesen das Wild noch bestimmte Wechsel fest einhalten läßt. Zeder Weidmann, der von der Verwerflichkeit des Schrotschusscs und des Treibjagdabschusses überzeugt ist, wird der Regierung dafür Dank wissen und wünschen, daß von der gebotenen Möglichkeit Gebrauch gemacht wird. Solange ein staatliches Verbot des Schrotschusses, wie es Preußen, Thüringen u. a. Länder besitzen, noch nicht Tatsache geworden ist, muß «S eine Sache der Selbstsucht und des weidmännischen Stolzes der hessischen Jägerei fein, auch ohne Verbot freiwillig den Weg zu geben, der der heutigen Auffassung von Weidgerechtigk.it entspricht. Ohne staatlichen Zwang hat sie durch ihre Hegetätigkeit die Wild- stände erhalten und damit ein nicht kleines Stück Nationalvermögen gerettet. Sollte sie nicht auch imstande fein, cs freiwillig nach Grimdsätzen volkswirtschaftlicher Vernunft und weidmännischen Empfindens zu verwalten? Das heißt aber Abschuß in den Greifen eines ganz bestimmten Etats und Abschuß mit bestimmter Auswahl der Stücke, d. h. schwacher weiblicher Kitze, von Schmalrehen, Ricken ohne Kitz, Geltricken, aber Schonung der Altreh«, die ihre Kitze noch weit in den Winter hinein säugen und durch ihn hindurchbringen, während gleichzeitig die Keime von einem bis drei Jungtieren in ihnen schlummern. Demgegenüber ist der Abschuß auf der Treibjagd wahllos, deswegen wirtschaftlich unvernünftig und zugleich unweidmännisch, weil stets — auch bei guten Schützen — «in Teil des Wildes angebleit wird, ohne im Feuer zu bleiben. Erfolglose Nachsuche, qualvolles Derludesm, monatc- langes Dahinsicchen sind die unweidmännischen
Folgen, die bei dem Schrotschuß mit viel größerer Wahrscheinlichkeit eintreten, wie bei ben: Kugel- schuß. Die große Zahl der heutigen Jäger und die häufig höchst unerfreuliche jagdliche Qualität der Schützen stempelt eine Treibjagd auf Rehwild zu einer jagdlichen Sünde. — In Preußen hat nur der Bock Schußzeit, die am 31. Oktober endigt.
Auch die Schußzeit für den Hasen bat sich geändert. Sie beginnt an: 1 6. Oktober und endigt an: 15 Januar. Dadurch wird sicherlich der Abschuß säugei:der Häsinnen und abschuß- unreiser Zunghasen vermindert tverden. auch ist Zeit genüg zu einem Abschuß in einer Zeit bester Derwertungsmöglichkeit der Strecken.
Zwar bat das Rebhuhn noch Schußzeit. doch ist die Hühnerjagd kein reines Vergnügen mehr, wenn die Hühner nicht mehr halten, sondern auf- und davonstreichen, soweit das Auge reicht Allerdings pflegen maufernbe Oktoberhübner an sonnigen Oktobertagen häufig noch recht gut zu halten.
Die Schußzeit für Fasanen, die in Preußen meist schon an: 30. September begann, setzt in Hessen nun auch erst am 1 6. O k t o b e r ein. Auch bafür wirb der Fasanenheger, b. h. meistens bet Walbpächter, bem Gesetzgeber Dank wissen. Werden doch nun nicht mehr Alt- und Zungsasan, Hahn und Henne wahllos aus der Hühnerjagd heruntergeknallt. Die Geschlechter sind zu unterscheiden, und es ist für unsere Gießener Ecke OberhessenS wohl kein unbilliges Verlangen wenn diejenigen, die mit Unkosten für WildauS- setzen und Fütterung den Fasanenbestand wieder begründet haben, an alle Revierinbaber die dringende Bitte richten, Hennen grundsätzlich in den nächsten Jahren zu schönem Wem ohne sein Zutun Fasanen zustreicyen, der freue sich über diese wertvoll« Bereicherung seiner Wildbahn und bereit« ihnen ein gastliäxS Heim! Davon wird er einen größeren Nutzen haben, als wenn er sie so rasch wie irgendmöglich im Rucksack verschwinden läßt.
Ziehende Enten stellen sich im Oktober oft schon ein, die Walds chn e p f e rastet auf den: Zug gen Süden, und Jo ein Langschnabel beim Duschieren oder Treiben erbeutet, macht viel Freude.
Der Dachs ist feist und kann gegraben werden. Der Fuchs ist im Haarwechsel und lohnt bald die Jaab.
Der Wildheger sammelt Kastanien und Eicheln für etwa notweüdig werdende Winterfütterung. In Dickungen und Hecken deckt er feinen Fasanen den Tisch, um sie an sein Revier zu fesseln. Auch die Hühner vergesse er nicht! Freuen wir unS, daß wir dieses Mal mit mehr Hühnern in Den Winter gehen, als seither, pflegen und schützen wir sie gleich den Fasanen. Denn Fütterung und Kurzhal'.en beS Raubzeuges ist das A und das O der Hege unseres Wild- geflüqclS. Bringen wir sie so durch den Winter, so erhalten wir unS die Stammelter:: der nächstjährigen Ketten. Hubertus.
nung und der Eiersammlung scheint mir bis heute noch am besten, abgesehen von der Zentralgenossenschaft, welche mit einen: ganz geringen Abzug die Aufträge an den Großhandel vermittelt. Die meisten L. H. V. sind als Unterorganisationen den Zentralgenossenschaften beigetreten. Die Landfrauen wissen, daß, wenn auch nicht die höchsten Preise, sie doch ihr Geld sicher bekommen, denn die Genossenschaft übernimmt das Delkredere, daS für die Land- frauen-Organifation kaum tragbar ist. Jedenfalls hätten wir bayerischen Landfrauen letzten Weihnachten 20 000 Eier nicht absehen können.
betrachteten die Bilder der Stesseck und Krüger, die zärtlich unter GlaS gerahmten Remstrandt- handzeichnungen, die DegaS, die Menzel, die Monet, die Manet... und ßiebennann sprach mit jugendlichem ©Ian mit der ungewollt drastischen Art seiner Ausdrucksweise auf mich ein.
Wir sprachen von dem Einst, von dem Glanze der berlinischen Hauptstadt, und gingen in baS helle freundliche Arbeitszimmer, wo noch naß auf der Staffelei ein erst an: Vormittag vollendetes Blumenstück auS den: Garten stand und, dicht daneben, daS neu begonnene zweite Porträt Hindenburgs, das von der Stadt Schwerin in Auftrag gegebene. Kleine Oelskizzen wiesen auf die Gründlichkeit hin, mit der Liebermann Hindenburg in den verschiedensten Stellungen skizziert hatte.
Liebermann lenkte baS Gespräch auf den Reichspräsidenten über.
Seine blauen Augen blitzte:: unter den geschwungenen CBrauciv er hat auf einen: herumstehenden Sessel Platz genommen und zieht heftig an seiner Zigarre.
„Sehnse", erläutert der mit markanter Stimme, „bet iS sone Sache. Der Präsident und ick haben auS unserer Jugendzeit her, wo er ja im Potsdamer Kadettenkorps war, jemeinsam viel Bekannte. Det jibt schon nen persönlichen Kontakt. Ick hatte schon mal vorjehabt, Hindenburg während des Krieges zu.malen. Aber bet hatte sich durch irjendwelche widrigen Umstände zerschlagen. Als mir der Auftrag nun jetzt vor meinem achtzigsten Geburtstag übermittelt wurde, wußte ick nid), ob eS dem Präsidenten auch recht sein würde, jrade von mir porträtiert zu werden. Aber der Gesandte (wen Liebermann damit meinte, konnte ich leider nicht feststellen) sagte mir, daß er Hindenburg gefragt hätte und dieser mich bitten ließ, einen zeitlichen Termin, der ihm und mir günstig erschien, festzulegen.
Zunächst einmal fuhr ich nach der Wilhelm- straße und suchte mir ein geeignetes Zimmer für die Sitzungen aus. Und dann ging'S wenige Tage später ans Malen. Ich muß Ihnen ganz offen sagen — Liebermann sprach nun auch ohne Dialekt —, daß ich Hindenburg wie einen Regierenden empfunden hab«. Von Politik zu reden habe er sowohl wie auch ich vermieden, aber das Verständnis, baS Hinbenburg meiner Arbeit entgegenbrachte, veranlaßte mich zu ber Frage, wie er benn baS im Werben begriffene Porträt empfmbe.
Und Hinbenburg lächelte und erzählte mir, bah er als Knabe viel gezeichnet und sich immer sehr für Kunst interessiert habe. Er bringt eine äußerst gesunde Kunstanschauung mit.
Aber nur eine öanbfrau, die in biesem genossenschaftlichen Geist schon erzogen wird, sieht so etwas ein. Die Bäuerinnen müssen erzogen werben, baß sie in: Frühjahr ihre Eier für bei: eigenen Bedarf einlegen, um in: Winter jedes Ei zur Sammelstelle zu bringen.
Von allen Seiten ernten wir Anerkennung für diese Kleinarbeit. Schon überlegen Genossenschaften, ob sie die ganze Geflügelberatung in die Hand ber Berufsorganisation der Landfrau geben sollen.
Der VerS von Busch geht weiter: „Zweitens, weil man bann unb wann einen Braten essen
Stets sitzt er mir Aur verabrebeten Zeit — aber mit ber Uhr In Der Hanb: denn jede Minute bcS TageS ist berechnet. Aber er sitzt mir gerne.
Ick werbe Ihnen eine nette Episode erzählen: Nach einer beendigten Sitzung fragte ich Hinbenburg, wann wir weiter arbeiten könnten und nannte ihm einen Tag. „Ach", rief er auS, „ba wollte ich gern auf 3agb fahren." „Bitte, Herr Präsident , entgegnete ich, „bann legen wir einen anberen Zeitpunkt fest." Hindenburg überlegte eine Weile, bann äußerte er bei: Wunsch, boch ben zuerst vorgeschlagenen Termin innezuhalten, weil es für die Vollendung deS Bildes seiner Ansicht nach besser wäre, wenn nicht allzuviele Unterbrechungen etnträten ... und verzichtete auf die lang ersehnte Erholung «ineS einzigen JagdtageS.
Er ist sehr belesen und trotz aller Repräsentationspflichten findet er genügend Zeit, seinen geistigen Interessen nachzuspüren. Ein Achtzigjähriger mit ber Elastizität eines Jungen. Ick sagte neulich: „Eigentlich boch komisch, Herr Präsident, ber eine Achtzigjährige malt ben anberen Achtzigjährigen." Hindenburg schmunzelt«, bann entgegen«!« er lächelnd im fragenden Ton: „Achtzig Jahre, Herr Professor? Ich bin zwei Monate und drei Tage jünger als Sie!" So genau hatte er sich daS ausgerechnet...
Und Liebermann schwärmt. Unermüdlich fließen die Worte über seine Lippen, Worte, deren Klang einen Nachhall erwecken, Worte deS menschlichen Verstehens, der Freud« des Künstlers, einen solchen Mann auf die Leinewand bannen zu dürfen.
Wieviele unzählige Menschen hat Liebermann gemalt, deren Namen unb Erscheinung eine Macht bcS Geistes, ber Finanz, ber Politik, ber Regierung bebeuten... Er hat sie erfaßt, sie unS, den Betrachtern, geschenkt und wir verspürten das Intime, ben EHarme, ber hinter ber offiziellen Persönlichkeit steht. In seinem Bilde, dem letzten unb vorletzten der schlichten Erscheinung Hindenburgs, hat er nicht allein ben genialen Feldherrn, sondern auch das Haupt eines Reiches wiedergegeben, ben Deutschen^ ben Preußen Paul von Hindenburg. — Und ist nicht auch der Künstler, ber Mensch Liebermann dem Menschen Hindenburg nähergetreten?
Liebermann verbrühte sich beim Reinigen seiner Pinsel die Hand unb er blieb dem Palais in ber Wilhelmstraße fern. Tagtäglich ließ ber Reichspräsident anläuten unb sich nach bem De- finben seines Porträtisten «rfunbigen ... Kleine Züge einer großen Menschlichkeit. AIS Liebermann nach einer Woche an einem naßkalten
Tann." Noch müssen wir untere Gockeln totfchla- gen, weil der deutsch« Markt sie nicht tvrwertet, oder nur für uns mit 'Verlust. Noch beherrscht di« Auslandware den deutschen Geflügelmarkt. Wie oft sagt die Bäuerin, wenn sie ihr« E:er zur Sammelstelle bringt: „Za, könnt Ihr nicht auch unser Schlachtgeflügel und unsere Butter mitverwerten?" Zn den Molkereigenossenschaften sind noch keine Frauen. Und tver melkt, wer zieht
lungbiefc ft bk Stauen Deshalb
müssen auch bi« Landfrauen allmählich in den genossenschaftlichen Molkereiabsatz eingetveiht werden Und wenn «S für die Städterinnen heißt: Kauft deutsche Ware!, so gelten die nächsten Jahre der Erziehungsarbeit der deutschen Landfrau zur deutschen Qualitätsware.
Oberheffen.
Landkreis (Wtcfocn.
ck. Heuchelheim, 1. Okt. Di« feit langem verwaist« Rektorstelle an unserer Volksschule wurde dem feit 1914 in unserer Gemeind« wirkenden Lehrer Knad übertragen Der neue Rektor erfreut sich als Schulmann allgemeiner Hochachtung: durch seine Tätigkeit als Dirigent deS Gesangvereins „Germania" bat er sich über den SchnlkreiS hinaus viele Freund« erworben.
V Londorf, 1. Okt. Am Sonntag fand unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde die Einweihung ber neuer bauten Volkshalle statt. Nach einem Festzug der Einwohnerschaft zur Volkshalle eröffnete dort der Posaunenchor mit Beethovens „Die Himmel rühmen" die Feier, der Kirchenchor erfreute banft mit einem geistlichen Lied Der Vorsitzende beS Dolkshalle- vereinS, Gemeinderechner Berlin, begrüßt« bk Festversammlung unb gab einen gedrängten Rückblick auf die Schwierigkeiten, die dem Bau ber Volkshalle entgegenftanben. Die Weiher«b« hielt Pfarrer Bühler. Zn eindrucksvollen Worten um rin er die Bedeutung unb Bestimmung der Volkshalle. D-'r Geselligkeitsverein ..Frohsinn" unb ber Arbeitergesangverein „Union" trugen durch Liedvorträge wesentlich zur Verschönerung ber Feier bei Radfahrer unb Turner belebt«:: durch ihre Darbietungen bi« Veranstaltung.
)( Lich, 1 Okt. In voller körperlicher und geistiger Frische konnte an: Samstag unser Mitbürger Friedrich Steeg sein 8 0 Lebensjahr vollenden. Am Abend brachte ihm ber Posaunenchor ein Ständchen.
KreiS Friedberg.
L Melbach. 30. Sept. Unser viertältester Einwohner. Georg Keller, feierte beute in körperlicher unb geistiger Frische seinen 8 0. (Geburtstag. — In Form eines Dreikampfes würbe:: hier in biesem Jahr« bie Reichs- jugenbwettkämpse duzchgesührt. Don den teilnehmenden 19 Knaben gingen 13 und von ben 13 Mäddxm 7 als Sieger hervor. Don den Siegern erhielten (Punktzahl in Klammern): Ernst Jost (59); Heinrich Zost (47); Franz Fraisek (62); Willi Rabei:au (60); Ottilie Kunkel (64) und Ida Sack (56) die Urkunde beS Reichspräsidenten während die übrigen Sieger die Urkunde des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen bekamen.
KrciS Büdingen.
(D Wenings, 30. Sept. Das diesjährige Treffen der dem K l r ch e n d) a r o e r b a n b Budin- gen . Nidda - Schotten angeschlossenen euan- gelischen Kirchengesangvereine fand an: Sonntag hier statt. Es wurde eingeleitet durch einen Fest- gottevdienst, in dem mltrolrften der aus den .Hir- chengesangoereinen Büdingen, Gedern, Wallernhau- sen und 'Wenings gebildete Massenchar unter ber Leitung, von Lehrer Kauß (Wenings) und ber Kirchengesangverein Wenings. Der Berbandsvor- fifoenbe Pfarrer Laut (Nibba) hielt bie Festprebigt. Am Nachmittag würbe eine Nachverfammlung ab-
Tag« baS Sitzungszimmer wieder betrat, war ein Diener mit Heizen deS OfenS beschäftigt und Hindenburg. der nach Entgegennahme «ineS Gesandtenantritts ins Zimmer kam (ben Gehrock zuknöpfenb, den er schnell gegen den Frack vertauscht hatte), erklärte auf die verwunderte Frag« ßicbermannS über bie „künstliche Erwärmung . daß er es angeordnet habe, um Liebermanns willen, der. von einem leichten Krankenlager kommend, für „bie innere auch bi« äußere" Wärm« benötige.
„So iS er, unb ick bin stolz barauf“, rief mit Liebermann zum Abschieb zu. als er mich die Treppe hinuntergeleitete, und setzte noch hinzu: „Wissen Se, in ben wenigen Stunden, bie mir Hindenburg saß, habe ich einen Aristokraten kennengelernt, der wie kein zweiter zum Präsidenten geeignet ist, well er menschlich unb mit einey: diskreten Takt begabt ist."
Lochschulnachnchten.
Di« Rech'.S- unb Staatswissenschaflliche Fakultät ber Universität Marburg verlieh dem Geheimen RegierungSrat Professor Dr. phil., L)r. theol. h. c., Dr.-Zng h. c. Theodor Wiegand, Direktor ber Antikenabteilung ber Staatlichen Museen in Berlin, auS Anlaß ber Eröffnung ber von ihm geschaffenen Sannnlungen im Berliner Museum, bie Würde eines Doktor« beider Rechte ehren halber. Das Diplom bezeichnet ihn als den Gelehrten, „ber, hessischem Toben entsprossen, durch seine frühesten Arbeiten die Kenntnis antiken Rechts erweitert hat, der in seinen: ber Archäologie getoibmeten LebenS- werk als vielseitiger Forscher wie als ber Organisator streng methobischer. erfolgreicher Ausgrabungen unb musterhafter Deröfsentlichungen Weltruf gewann, ber, obwohl ganz ber Kunst hingegeben unb lange von ber Heimat getrennt, sich immer als Sohn seines DolkeS fühlte und warmherzig, klug unb erfolgreich im Kriege wie im Frieden auf baS Wohl seines Vaterlandes bedacht war, so baß sein« persönlichen Erfolge zugleich zu einer Wiedererstarkung beS Ansehens Deutschlands in: Ausland führten". Geheimrat Wiegand studierte in München, Berlin und Freiburg, bereiste Griechenland und Italien, war bann mit ber Leitung der Ausgrabungen von Prien« beauftragt unb trat 1897 als Direktor in ben Dienst ber Berliner Staatlichen Museen mit dem Amtssitz in Konstantinopel. Dort war Wiegand mit ber Leitung der Ausgrabungen in Milet beauftragt. 3m Jahre 1912 wurde er als Erster Direktor ber Sammlung ber antiken Bilbwerk« und Gipsabgüsse unb bcS Antiquariums nach Berlin berufen.


