9JL-$pont
Amtliche Gpieltermine
für Sonntag den 5. Oktober.
DezirkSliga.
Süd: Spielverein Kassel — Hennannia Kassels VfB. Gießen — Germania Fulda: Borussia Fulda — Sport Kassel: FC. Ockershausen — Kurhessen Marburg. Bord: Groh-Almerode — FC. Grone; Einbeck 05 - Hessen Kassel: SC. 03 Kassel SC. 05 Göttingen.
1. Dezirksklasse (Gruppe Lahn).
Wiesenbach — Germania Marburg: Frohnhausen — Wehlar: Wallau — 1900 Gießen.
1. Dezirksklasse (Gruppe Sübhannover).
Blau-Weih Göttingen — Holzminden: Sp. Northeim — Sp. Einbeck: Osterode — BfD. Rort- hcim: Wihenhausen — Weende.
Fußballklub 1926 Großen-Buseck.
VfB. Aßlar Liga — FC. 26 Grohen-Ruseck.
Mit der 1. und 2. Mannschaft bestreitet der Fußballklub Grohen-Buseck am kommenden Sonntag Derbandsspiele in 2lhlar. Nach dem Erfolg am letzten Sonntag über die Löhnberger Liga hofft man auf einen guten Spielausgang. BfB. Aßlar hat allerdings wiederholt achtbare Leistungen gezeigt, so dah der Gegner den Gang nicht auf die leichte Schulter nehmen darf.
Zechten im Tumgau Hessen.
— Die Fechterschaft des Turngaues Hessen veranstaltet am Sonntag einen Städte-Mann- schaftskampf aufSäbelin Marburg. An der Veranstaltung nehmen die Mannschaften vom TV. 1846 Gieh en, T. u. Spv. Butzbach, Tv. Wetzlar und T. u. Spv. Marburg teil. Die Mannschaft des Tv. 1860 Bad°Nauheim hat ihre Meldung zurückgezogen.
Handball im T. B. Großen-Buseck.
Am Sonntag empfängt die 1. Mannschaft die gleiche vom Tv. 1846 Gießen zum fälligen Ber- bandsspiel. Diese Begegnung bedeutet für den Gastgeber eine schwere Leistungsprobe. Die 1846er stellten schon im vergangenen Jahre eine äußerst kampferprobte Mannschaft. Der Spielausgang ist nicht mit Sicherheit vorauszusagen.
Die 2. Mannschaft dürfte gegen die stark überlegenen Treiser I kaum Lorbeeren ernten.
Handball in Allendorf a. d. Lahn.
To. Allendorf I — To. Müna>holz''auscn II.
Wenn Allendorf in diesem Spiele die Leistung vom vergangenen Sonntag zeigt, so sind die Punkte der Mannschaft sicher.
Handball im Tv. Großen-Linden.
Am kommenden Sonntag stehen sich in Großen- Linden die 1. Mannschaften der Turnvereine Heuchelheim und Großen-Linden im Kampf um die Punkte gegenüber. Beide Mannschaften dürften sich bemühen, das Spiel für sich zu entscheiden, da der Sieger aus diesem Treffen zum Tabellenmeister aufrückt.
Handball im Lahn-Oünsberg-Gau.
Kommenden Sonntag kommen in den einzelnen Bezirken nachstehende Spiele zum Austrag:
1. Bezirk: Wißmar — Launsbach und Garbenheim — Dorlar. 2m ersten Spiel sollten die Gäste sicher gewinnen. Der Ausgang der zweiten Begegnung ist kaum vorauszusehen.
2. Bezirk: Staufenberg — Lollar Allendorf 1 — Allendorf II und Londorf I — Ruttershausen. Sämtliche Treffen sollten die Platzbesiher für sich entscheiden können.
3. Bezirk: Burkhardsfelden — Steinbach, Hausen — Beuern und Garbenteich — Albach. Das Spiel sieht gleichstarke Gegner im Feld, während in den beiden anderen Spielen Beuern und Garbenteich das bessere Ende für sich haben sollten.
Ergebnisse vom letzten Lpielsonntag.
T.- u. Spv. Rodheim — To. (Erba 10:1 (4:0L
Der Plahbesitzer fertigte mit nur 10 Mann Erda sicher ab.
logg. Ruttershausen I — Tv. Allendorf II 3:2 (0:1).
Ruttershausen fand sich in der ersten Hälfte nie recht zusammen. Allendorf übernahm bis zur Pause die Führung. Rach Halbzeit kam der Plahbesitzer in Schwung, schuf Ausgleich und Sieg.
JB. Londorf II — Allendorf I 0:4 (0:3).
Die Gäste gaben trotz zwei Mann Ersatz während des ganzen Spieles den Ton an, während Londorf selbst das Ehrentor versagt blieb.
Tv. Dorlar Jugend — Tv. Garbevtelch 4:1.
Verbandsturntag in Trebur.
Am Samstag und Sonntag kommt in Trebur (Main-Rod-Gau) der diesjährige Verbands- turntag des Südwestdeutschen Turnverbandes zur Durchführung. Die Leitung liegt in Händen des Dcrbandsvorsihenden Zöller, Hausen. Die Tagesordnung bringt unter anderem folgende Punkte: Berichterstattung über 1929; Rechnungswesen; Turn- und Sport- und Spielwesen; Aussprache über Bundesangelegenheiten; Anträge; Zeitungsfragen; Bcrbands-Turntag 1931; Wahlen zum Berbandsvorstand und Verschiedenes.
West gegen Süd in Trier.
Der bereits einmal abgesagte Handball-Repräsentativkampf zwischen Westdeutschland und Süddeutschland ist nunmehr für den 12. Oktober nach Trier vereinbart worden. Die westdeutschen Farben werden in diesem Freundschaftsspiel vertreten: Peltzer (Alemannia, Aachen); Biehl, Plessow (Sportfr. Siegen); Heinz (Siegen); Witte (Polizei Bochum), Kasmalla (Rasensport Mülheim); Hubert, Dretthauer (Siegen); Vossenkaul (Aachen); Bender, Kniep (Tura, Barmen).
Arbeiter-Turn und Sporibund.
3m weiteren Verlauf der Herbstrunde hat Gießen I am kommenden Sonntag die 1. Mannschaft Kinzenbachs auf dem Trieb zum Gegner. Ein Sieg der Einheimischen dürfte mit Sicherheit zu erwarten sein.
Vorher hat Gießen Ib Raunheims I. xum Portner. Obwohl die Gäste viel von ihrer früheren Spielstärke eingebüßt haben, werden sich die Einheimischen sehr bemühen müssen, wenn sie sich ehrenvoll behaupten wollen.
Wieseck I hat Oppenrod I zu Gast. Der Platz- besitzcr hat dabei die größeren Aussichten. Vorher: 1. Jugend Wieseck — Jugend Großen- Linden. Burkhardsfelden und Daubringen dürften sich in Burkhardsfelden bei offenem Ausgang einen anregenden Kampf liefern.
Rodheim hat Heuchelheim zu Gast. Wenn der Gastgeber nicht eine empfindliche Riederlage hin- nehmen will, wird er gegen die spielstarken Heuchelheimer alle Register seines Könnens ziehen müssen.
Wehlari hat Wieseck Ib zum Gegner. Den Wetzlarern dürfte ein knapper Sieg beschieden sein.
3n der zweiten Dezirksklasse spielt Klein-Linden gegen Gleiberg. Mit einem Siege Klein- Lindens müßte man rechnen können.
Rödgen und Leun stehen sich in Rödgen gegenüber; Wetzlar II wird in Waldgirmes I einen gleichwertigen Gegner haben; Hungen 1 dürfte im Spiele gegen Saasen I in Saasen sicherer Sieger bleiben.
Lich I und Watzenborn I kämpfen in Lich unter ziemlich gleichverteilten Chancen um den Sieg. Marburg I dürfte im Spiele gegen Fronhausen 1 in Fronhausen einen knappen Sieg heimholen.
Hachborn trifft in Odenhausen auf einen ebenbürtigen Gegner; Londorf I hat Gießen II als schwächeren Gegner: Treis 1. weilt in Annerod und wird wohl die Punkte mit nach Hause nehmen.
Launsbach dürfte gegen Marburg II auf eigenem Platze Sieger bleiben. Außerdem spielt Hausen gegen Frankenbach und Wißmar 1 gegen Sichertshausen I, Spiele, deren Ausgang offen ist.
3n der Jugendklasse stehen sich folgende Mannschaften gegenüber: Rodheim — Gießen; Leun — Raunheim; Wieseck III — Wetzlar 1; Fellingshausen — Wieseck II; Lollar — Staufenberg; Beuern — Watzenborn.
Die Spiele finden jeweils auf dem Platze der zuerst genannten Vereine statt.
Handball.
Wieseck spielt am Sonntag gegen Heuchelheims I. Das Vorspiel gewann Heuchelheim. Da sich die Situation noch nicht wesentlich verändert hat, dürfte Heuchelheim den Sieger stellen. Krofdorf 1 spielt in Herborn mit Siegesaussichten.
*
Die Geräteturner des Bezirkes haben am kommenden Sonntagvormittag ihre Herbst-Grup- pen turn st un den, und zwar turnt die erste Gruppe in Wieseck, die zweite Gruppe in Lollar.
Tennisländerkamps Deutschland—Italien. Die Italiener führen mit 5:3.
Auch am zweiten Tag des Tennisländerkampses in Florenz zwischen Deutschland und Italien herrschte ein prächtiges Sommerwetter und der Besuch hatte sogar noch eine Steigerung erfahren. Leider brachte der Tag sportlich für die deutsche Mannschaft wieder eine Enttäuschung, da die Italiener ihren Vorsprung noch ver
größern konnten und nun keine Hoffnung auf einen deutschen Endsieg mehr besteht. Auch am Donnerstag spielten die deutschen Vertreter, mit Ausnahme von Dr. Buß (Mannheim), wieder unter Form.
Zunächst wurde das am Mittwoch abgebrochene Einzelspiel Rourneh —del Dono fortgesetzt. Der Italiener gewann den entscheidenden Satz 6:2 und damit das Match 6:2, 11:9, 2:6, 1:6, 6:2. In den vier Doppelspielen des Tages gab es harten Sport, leider wurden aber die Deutschen durch Fehler der Schiedsrichter benachteiligt.
Die Ergebnisse der Doppelspiele waren: Ser- torio/de Martino — Kuhlmann/Rourney 6:4, 6:4, 6:3; Dr. Buß/Frenz — De Stesani/del Bono 9:7, 6:2, 4:6, 4:6, 8,6; de Stesani/del Bono — Kuhl- mann/Rourneh 4:6, 6:3, 4:6, 6:1, 6:4; Dr. Buß/ Frenz — Sertorio/de Martino 2:6, 5:7, 7:5, 6:3, 6:3.
Das Amateurproblem im Hockeysport.
Glücklicherweise gehört das Amateurproblem im Hockehsport nicht zu den großen Sorgen wie bei manchen anderen Sportverbänden. Aber hin und wieder beschäftigt man sich doch mit Fragen, die dieses Problem betreffen. So hat neuerdings das amtliche Hockeyorgan wieder eine Diskussion über die augenblickliche Amateurdefinition eröffnet. Dies geschieht mit Recht, denn hier scheint doch allzuviel Engherzigkeit vorzuherrschen, wenn auch anerkannt werden muß, daß der Bund das Aebel des verkappten Profitums in jeder Form vom Hockeysport abhalten will. — Es— handelt sich wieder einmal um die Frage, ob ein Sportlehrer eines anderen Sportzweiges im Hockeysport als Berufsspieler zu gelten habe. Diese Auffassung vertritt der Bund, der einen Werkstudenten, der gegen Entgelt Tennisstunden gab, zum Berufsspieler erklärte. Das dürfte doch zu weit gehen. Wenn die bezahlte sportliche Tätigkeit eine Lehrtätigkeit ist, die nicht im gleichen Verein auS- geübt wird, so sollte man dem betreffenden Sportlehrer doch nicht die Möglichkeit nehmen, Hockey zu spielen. Wesentlich ist doch, daß der betreffende Hockeyspieler im Hockey reiner Amateur ist. Es sei nicht zu übersehen, dah nach den neuen Amateurbestimmungen im Fußball kein Fußballspieler mehr im Hockey als Amateur mitwirken durfte!
Oer Sport im Reiche.
Der Monat Oktober bringt eine kaum zu bemerkende Llmstellung im Sport. Der Abbau der Veranstaltungen im Freien geht zwar rapide vorwärts, aber an einigen schönen Tagen wird immer noch eine rege Betätigung auf Spiel- und Sportplätzen festzustellen sein. Auf der ganzen Linie werden am kommenden Sonntag im Fußball die Punktekämpfe fortgesetzt. Die unübersehbare Gemeinde des Fußballsports steht schon wieder ganz im Banne der spannenden Hetz, die trotz der trüben Begleiterscheinungen zu den interessantesten Kapiteln des Sportlebens gehört. Auch im Handball gehen die Ver- oandsspiele in beiden Lagern weiter. Eine schwere Aufgabe hat die Mannschaft der Reichshauptstadt im Städtespiel Wien—Berlin zu lösen, die in der Donaustadt auf Oesterreichs Internationale trifft.
Von den Ereignissen im Hockey kommt dem zweitägigen Turnier des Berliner HC. größere Bedeutung zu. In der jungen Saison gibt es zwischen den führenden deutschen Mannschaften ein erstes Kräftemessen.
Als letzter Titelkampf wird in der Leichtathletik das 50-Kilometer-Meisterschafts- gehen in Duisburg ausgetragen. In Duisburg
findet sich leider nur ein sehr schmales Feld am Start ein.
Bei den Turnern ist in erster Linie die Tagung des Hauptausschusses der DT. in München zu erwähnen. Im Berliner Wintergarten veranstaltet die TiB. ein Kunstturnen unter Mitwirkung namhafter Gipfetturner.
Die erste Großveranstaltung in der Halle zieht im Schwimmen Hellas Magdeburg am Samstag und Sonntag.auf, wo sich in allen Wettbewerben die deutsche Spitzenklasse ein Stelldichein gibt. Gute Leistungen sind auch beim zweiten reichsoffenen Götzschwimmen der DT. in Leipzig zu erwarten.
Im Tennis beginnt das hervorragend besetzte internationale Turnier in Meran mit starker deutscher Beteiligung.
Im Radsport wurde die Wintersaison schon am Samstag durch die Kölner Rheinlandhalle mit einem Städtekampf Köln-Brüssel eröffnet. Am Sonntag folgt die Westfalenhalle.
Der Motorsport führt in seinem Programm das Hohenstein-Bergrennen und das Zirler-Dergrennen, auf. 3m internationalen Kalender erscheinen der Große Preis von Sebastian und der Motorradpreis von Frankreich.
Helene Chlodwigs Schuld und Sühne. Zfioman von Z. Schneider-Foerstl.
- Urhcber-Rcchtschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa
29. Fortsetzung
Nachdruck verboten
Helenes Finger strichen über das Haar der Tochter hin und blieben schwer darauf liegen: „Hella! Kind! Wie ist das möglich?"
„Ich bitte dich, Mama, beruhige dich erst!"
„Sie verlassen das Zimmer!" Helenes Hand -eigte nach der Türe, während sie mit einem ölick der Verachtung nach Donnerswoda hin- ibersah, der mit blassem Gesicht an der Wand Zehnte.
„Mama! Er gehört zu mir!"
„Hella!" bat die Mutter und fühlte, wie lähmende Schwindel nach dem Gehirne krochen.
„Wir lieben uns, Mama", sagte die Tochter 'chlicht. — „Richt wahr, Hylmar — du liebst mich?"
Der Graf vermochte nur zu nicken. Helene oinkte ihm ab: „3ch will vorläufig keine Rechen- chaft von Ihnen. Lassen Sie mich mit meiner Tochter allein."
Donnerswoda ging der Türe zu. Ehe er nach der Klinke faßte, hatte Hella den Arm durch den seinen gesteckt. „Bleibst du oder fährst du weg, Hylmar?"
„Wie deine Mutter befiehlt."
„Ich wünsche morgen mit Ihnen zu sprechen", kam es mit Tleberwindung von Helenes Platz her. „Hella, verabschiede dich jetzt von deinem Verlobten."
Die Mädchenaugen leuchteten apf. Beide Arme um Donnerswoda legend, bot sie diesem den blühenden Mund. „Gute Rächt, du Lieber! Liebster!"
Erst jetzt kam Bewegung in die Glieder des Grafen. Er drückte das Mädchen an sich und legte für Sekunden die Stirne gegen ihre Wangen. Dann machte er sich los, ging nach dem Stuhl hinüber und neigte sich tief herab, bis fein Mund Helenes Finger traf: „Seien Sie mir ein gnädiger Richter." — Er verneigte sich noch einmal.
In der nächsten Minute klappte die Türe hinter ihm zu.
Hella saß auf der Lehne des Stuhles, in welchem die Mutter saß und hielt den Arm um deren Racken gelegt. „Verdamme mich nicht, Mama, ehe du alles weißt. Es gab kein Bleiben mehr auf Rottach-Berghof. Papa ist schlimmer als ein Tyrann. Ich habe gezittert, wenn ich morgens seine Stimme hörte und am Abend konnte ich erst einschlafen, wenn er zu Bett gegangen mar. Sabine ertragt alles mit einer Lammesgeduld, aber ich hätte ihn zuweilen erwürgen tonnen.“
»Hella!" -
Das Mädchen zuckte unter dem Schrei der Mutter zusammen: „Cs ist nicht anders, Mama. Ich habe mich natürlich nicht aufgelehnt gegen ihn, der Großmama zuliebe, hauptsächlich aber Berts wegen."
„Was ist es mit meinem armen Jungen?"
„Immer das gleiche. Mama. Einen Tag gut, den anderen um so schlechter. — Weißt du", sie hielt verlegen inne und sah mit grübelndem Ausdruck über die Mutter hinweg. „Manchmal kommt es mir ganz unwahrscheinlich vor, daß er unser Bruder ist."
Helenes Augen erloschen zu unbeweglich starren Punkten. „Kino!" —
Die Mädchenhände legten sich fester um ihren Hals, und die jetzt glühend gewordenen Wangen schmeichelten sich an die bleichen der Frau. „Mama, du mußt mich richtig verstehen. Ich bin nicht fromm, das weißt du, und ich weiß es auch. Aber vor Bert könnte ich knien. Wenn ich einen Tag hatte, an dem nichts als häßliche, böse Gedanken sich in mir festsetzen wollten, schlich ich mich immer zu ihm hinauf. Ich brauchte ihn nur anzusehen, dann wurde ich wieder gut — so gut, Mama, daß ich sogar dem Vater verzeihen konnte."
Helenes Finger hoben sich empor und umschlossen das Gesicht der Tochter: „Hat euch Papa gesagt, daß ich wieder fingen werde?"
„Wirklich, Mama?" Das Mädchen setzte die Füße im Sprung zu Boden und stellte sich vor die Mutter hin: „Das ist ja fein!" Als gäbe es kein Rottach-Berghof und keinen Grafen Donnerswoda, so umtanzte sie den Stuhl, in welchem Helene faß, wurde plötzlich toieter ernst und kauerte sich neben ihr auf den Teppich: „Sag' Mama — wirst du dann überhaupt nicht mehr zu Papa zurückkehren?"
„Vorläufig nicht, Hella! — Lege deinen Gedanken Zügel an“, mahnte sie, als die Tochter mit altklugem Gesichte lächelnd zu ihr aufsah. „Es gibt niemanden in der Welt, den ich so über alles liebe wie deinen Vater. Ich habe ihm auch die schwere Krankheit, die ich jetzt burch- machte verschwiegen, um ihn nkcht mit neuern Leide zu beschweren. Ich verlange von dir auch, daß du ohne weiteres zurückkehrst.
„Rie, Mama!"
Helenes Blick lag grübelnd aüf dem blonden Scheitel der Tochter: „Was gedenkst du denn zu tun ?"
Der Ton machte das Mädchen erschrocken aufsehen. „Kann ich nicht bei dir bleiben, Mama?"
„Rein! Du weißt nicht, was es heißt, rastlos durch die Welt zu ziehen: Heute hier, morgen in einer anderen Stadt und übermorgen wieder anderswo. Ich könnte mich dir nur wenig widmen. Es gibt nur zwei Wege: Entweder ich bringe dich hier in eine der bekannten Schweizer Pensionen, wo du zwei bis drei Jahre zu bleiben hast, oder du kehrst nach Rottach-Derghof zurück."
Die Zähne in die Unterlippe gegraben, saß Hella auf dem Rande des Stuhles und sah
vor sich hin: „Hylmar will, daß ich bei ihm bleibe."
„Als was?" Die Frage klang drohend.
„Wir werden heiraten, Mama!"
„Wann?"
„Ich bitte dich, Mama — wenn du so kalt und inquisitatorisch frägst. zieht sich mir das ganze Herz zusammen." Hella war dem Weinen nahe und drückte die Hände vor das .Gesicht.
„Mir auch, mein Kind", sagte Helene knapp. „Du bist erst sechzehn. In diesem Alter bindet man sich noch nicht. Ich weih nicht, was schuld ist daß du so früh gereift bist. Jedenfalls hast du zwischen beiden Vorschlägen zu wählen: Die Penson oder Rottach-Berghof!"
„Dann in die Pension, Mama!"
„Gut! — Ich werde dich, sobald ich zu reisen vermag, nach Genf bringen. Der Graf wird mir sein Ehrenwort geben, daß er dich innerhalb der nächsten zwei Jahre weder zu sehen, noch zu sprechen versuchen wird. Ich verbiete auch jeden Briefwechsel zwischen euch beiden. Sobald du achtzehn Jahre bist, kann er auf Rottach-Berghof kommen und um dich werben. — Richt eine Stunde früher."
„Du bist grausam, Mama", weinte die Tochter auf.
„Rein! Ich liebe dich wie dich sonst kein Mensch zu lieben vermag, mein Kind, auch dein Graf nicht. Vergiß nie, Hella, daß nur die Liebe einer Mutter die einzig uneigennützige und ewig unveränderliche ist. — Wenn du mir gesagt hättest, er sei dir zu nahe getreten, hätte ich ihn morgen niedergeknallt. — Es wäre Mord gewesen, aber ich hätte es getan — weil ich dich über alles liebe, mein Kind!"
Zwei Arme umfaßten Helene und ein junger, zitternder Körper preßte sich schluchzend gegen sie. „Ich will alles tun, was du von mir verlangst, Mama! Ich bitte dich nur um das eine, daß du die Sache mit Papa regelst. Ich habe solch schreckliche Furcht vor ihm. Ich glaube, er würde mich erschlagen, wenn ich jetzt nach Rot- tach-Berghvf zurückkäme."
„Rein! — — Er würde nur sehr traurig sein, mein Kind. Ich werde ihm den Vorschlag machen, auch Sabine in die Pension zu geben, in der ich dich unterbringen will. Dann seid ihr wieder beisammen. Ihr könnt eure Jugend genießen und wieder lachen und froh sein, wie es das Recht eures Alters ist."
Hella sah bewundernd zu der Mutter auf, die so ruhig und vernünftig über sie und die Schwester entschied. „Klein-Iust wird sterben vor Sehnsucht nach uns."
„Auch in seine Kindheit werde ich wieder Sonne zu bringen suchen. Papa soll ihn nach Ettal geben. Da findet er Altersgenossen und Freunde. Er ist so schweigsam!" Ein gewaltsam zurückgedämmtes Weinen schwang in Helenes Stimme mit, und als die Tochter vom Stuhle herab in die Knie glitt und ihren Kopf in heiserem Weinen in deren Schoß barg, versagte ihr die Beherrschung. Eie drückte das Gesicht in das
Blondhaar ihres Kindes und ließ die Tränen darüberhinströmen.
Der Mönch auf Sankta della Travestare hatte recht gesprochen, als er warnte: „Der Weg, den Sieimehmen, wird schwerer zu gehen sein, als der andere, der Ihnen vffengestanden ist."
Aber es lieh sich nichts daran ändern.
Ihr armer Aeltester muhte dem Gatten bleiben. Nichts durfte ihm von seinem Herzen trennen.
* . *
Der Kranke auf Rottach-Berghof lag mit der Schwere eines Toten in den Kissen und suchte sich vergeblich aufzurichten. Er fühlte Schweih auf der Stirne perlen und in seinen Händen war nicht mehr so viel Kraft, nach dem Taschentuch zu greifen, um sich damit abzutrocknen. „Vater!" klagte er leise.
Franke hatte nebenan an seinem Schreibtisch gesessen, stand im nächsten Augenblick am Lager und fuhr mitleidig Über das gelbweiße Duldergesicht.
„Vater, was ist das für eine fürchterlich« Nacht!" Berts Augen schrien in Qual und Trostlosigkeit.
„Der Sturm wütet in deinem Körper, mein armer Junge!" Franke setzte sich behutsam auf den Rand des Lagers und hielt die Hände des Gelähmten umfaßt, die wie unter der Wucht elektrischer Ströme zuckten. „Soll ich dir ein Pulver bringen? — Dann vermagst du vielleicht zu schlafen."
Die Dulder äugen suchten über ihn hinweg, weiteten sich toterschrocken und blieben an den Fenstern haften, an welche sich das schwarze Gesicht der Nacht drückte. Mit einem Ruck hatte er seine Finger aus denen Frankes gerissen. Sein ganzer Körper fing an zu beben. Eisige Tropfen rannen ihm von der Stirne herab auf die Wangen. „Vater, horch doch!"
In Frankes Körper bebte jeder Nerv. Aber er beherrschte sich gewaltsam. „Der Sturm", beschwichtigte er. „Du bist doch sonst nicht furchtsam, mein Junge!"
„Das ist nicht der Sturm! — Hörst du's nicht wimmern, Vater? — — Nun weint es! Nun schreit es die ganzen Hofe wach! — Vater! — Hilf doch!"
Der Schrecken fiel über Franke her wie ein Sturzbach. Er faßte den Sohn unter den Achseln und hielt ihn hoch. Mit dem Gesicht eines Verscheidenden lag der hilflose Kranke in den Armen des Mannes.
„Es ist jemand in Not, Vater!" — Berts Zunge lallte nur mehr. „Nun ist er gestorben! — Ich höre nichts mehr!"
Es geht zu Ende, dachte Franke verzweifelt. Mit der Schwere eines Toten lag der Knabe da. Während sein rechter Arm ihn umfangen hielt, strich er ihm mit der linken Hand die Tropfen von den Schläfen. „Bert!" rief er und fühlte, wie ihn jegliche Fassung verließ. And noch einmal: „Bert!" — —
(Fortsetzung folgt.)


