Ausgabe 
3.10.1930
 
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Aus -er Provinzialhauptsta-i.

Gießen, den 3. Oktober 1930.

Oie Kunst, gut hauszuhalien.

.Viel vertun und wenig erwerben,

Ist der beste Weg, um bald zu verderben."

Gut hauszuhalten ist wirklich eine Kunst. Sie beruht auf Fleiß, Ordnung, Berechnung, Vorsicht, Erfahrung und Regelmäßigkeit. Eine wichtige Ausgabe der Frau besteht darin, zu lernen, nicht nur mit den ihr zustehenden Mitteln aus­zukommen, sondern den Ihrigen auch damit so­viel wie möglich Gutes zu tun und Freude zu bereiten.

Der Mann schüttelt gern die ganze Sorge des inneren Hauswesens von sich ab, um sie allein der Frgu zu überlassen, trotzdem aber von ihr zu fordern, was nur durch vernünftiges Zusam­menwirken erzielt werden kann und zu diesem Zusammenwirken gehört vor allem die Berech­nung. Es muß ein Voranschlag für das Iahr ausgestellt und dabei das Einkommen lieber zu gering als zu hoch angenommen werden. Es tritt an uns die Frage heran: Welches sind die laufenden und unbedingt nötigen Ausgaben? Wie hoch belaufen sich die Geschäftsunkosten, Steuern, Wohnung, Heizung, der Dienstboten- lohn, die Ausgaben für Schul- und Unterrichts- zwecke usw.? Wieviel darf für Lebensmittel, Vergnügungen, Reisen u. dal. ausgegeben werden? Auch unvorhergesehene Ausgaben müs­sen bedacht werden.

Dor allem gilt es die Befriedigung der not­wendigsten Bedürfnisse des Hauses und der Fa­milie, dann erst kommt das, was das Leben angenehm macht. Um die Ausgaben zu regeln und jederzeit zu sehen, daß man nicht mehr verausgabt als man einnimmt, ist es unerläß­lich, Haushaltungsbücher zu führen und diese re­gelmäßig wöchentlich oder monatlich abzuschlie- ßen. Man wird sich auf diese Weise am besten Rechnung oblegen über regelmäßige, notwendige ""d überschüssige Ausgaben, und wenn Ein- sa^ünkungen notwendig werden, wird es leicht sein, zu erkennen, wo diese eintreten müssen. Die Regelmäßigkeit einer hauswirtschaftlichen Buchführung wird überhaupt den Sinn für Ord­nung schärfen. Eine richtige Regelmäßigkeit im Haushalte ohne Pedanterie erleichtert der Hausfrau das Regieren, es gibt ihr eineUeber- slcht über alle im Hause vorkommenden Ereig­nisse, weil das Ungewöhnliche sich sofort vom Gewohnten unterscheidet, es erhält den Frieden und die Eintracht, denn wo eine richtige Ein­teilung herrscyt, da erkennt jeder seine Pflicht und erfüllt sie gern.

Die Ordnung ist die stärkste Stühe der Ge­sundheit und der Heiterkeit. Die regelmäßige Be­friedigung aller unserer Lebensbedürfnisse ist das Hauptmittel, sich gesund zu erhalten, und das Wohlsein des Körpers hängt innig mit dem dec Seele zusammen. Man merkt dies schon an dem Einfluß, den die Unregelmäßigkeiten in den unbedeutendsten Funktionen nach sich ziehen. Eine durchwachte Rächt raubt uns mehr Kraft, als zwei durchschlafene uns wieder einbringen kön­nen. Wieviel an unserem Besitz wird durch die Ordnung erhalten und geschont, und wieviel Zeit geht verloren, wo stets erst gesucht werden muß, wenn man einen Gegenstand braucht.Zeit ist Geld!" Aber die Zeit ist ein Wert, dessen Verlust unersetzlich ist, während Geld sich wieder ersetzen läßt. Zeit sparen, heißt Zeit gewinnen, gerade wie Geld sparen Geld gewinnen heißt. Die ersparte Mark bringt uns oft mehr Ruhen, als die neu erworbene. Ie leichter der Gewinn und Erwerb ist, desto leichter und schneller wird das Geld auch wieder ausgegeben, und je mühseliger das tägliche Brot erworben wird, desto über­legter ist das Ausgeben und muß es sein.

Sparsamkeit und Geiz sind jedoch himmelweite Unterschiede. Die Sparsamkeit verbraucht nicht mehr Mittel, als zu Gebote stehen, sie be­schränkt sich auf das Rötigste und das Rützlichste und verschafft sich das Angenehme nur, soweit sie es vermag: der Geizige aber scharrt ohne Rot und Zweck alles zusammen und verbittert sich und anderen das Leben.

Zum guten Haushalt gehört aber auch Vorsicht und Erfahrung. Die Vorsicht sieht voraus, was sich im allgemeinen und besonderen ereignen könnte und steht daher gerüstet da für alle Fälle, und die Erfahrung macht weise. Sie lernt aus jedem fremden Verhältnis wie aus dem eigenen, sic blickt frei umher und beobachtet, was sich bewährt, um es im" eigenen Hause je nach den Verhältnissen anzuwenden. Ein altes Sprichwort sagt:Wer nicht die Augen öffnet, wird den Beutel auftun müssen und Lehrgeld zahlen." Darin liegt eine große Wahrheit, besonders für die Frau, denn der Blick der einzelnen ist oft zu sehr auf das eigene Haus gerichtet, statt auf die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse zu achten. Zu den Erfahrungen, welche die Vorsicht lehrt, gehört auch die: Führe selbst den Schlüssel zu deinen Vorräten, damit du sie berechnen, über­sehen und einteilen kannst. Es ist besser, von vornherein die Hausleute an eine gewisse sichere Ordnung zu gewöhnen, die gern angenommen

Oie umgestaltete Bahnhofshalle.

Nach längerer Umbauarbeit, deren zeitliches Aus­maß durch die Aufrechterhaltung des reibungslosen Verkehrs starker Menschenmassen bedingt war, find nunmehr die Umbauarbeiten in der Gie­ßener Bahnhofshai le zum Abschluß gekom­men. Wie wir bei einer früheren Gelegenheit schon hervorhoben, ist die Halle durch diese Neugestaltung in ihrer räumlichen Zweckbestimmung wesentlich ver­bessert roorbep. Für den Verkehr des Publikums steht nunmehr eine wesentlich größere Fläche als früher zur Verfügung, so daß ein Anstauen der Menschen­massen, das früher häufig unliebsam in Erscheinung trat künftig wohl kaum noch festzustellen sein wird.

An der westlichen Seite der Halle haben die Bahnsteigsperren jetzt endgültige Gestalt ange­nommen. Mehrere Meter von den breiten Ausgängen entfernt sind die Sperren in neuzeitlicher Weise ein­gerichtet, und dabei ist auch Bedacht darauf genom­men worden, daß die Beamten der Sperre durch Glasaufsätze auf die in halber Manneshöhe rundum geschlossenen Sperrstände vor Zugluft weitmöglichst geschützt sind. Neben den Sperren hat die Bahnhofs- buchhandlung einen übersichtlichen und räumlich reichlich bemessenen Stand erhylten, der durch einen Ausgabeschalter nach dem Bahnsteig 1 zu in unmittel­bare Verbindung mit dem Bahnsteig gebracht wurde. Dan dem Wartesaal 2. Klasse aus hat man in einem Durchbruch nach der Halle zu unmittelbar neben dem Wartesaaleingang einen Verkaufsstand für Er frischungen der verschiedensten Art geschaffen, von dem aus die Bedienung des Publikums sowohl nach der Halle zu, wie auch im Innern des Wartesaales möglich ist.

Auf der östlichen Seite der Halle ist nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten eine mo-

wird, weil sie Gesetz ist, als Gelegenheit zur Willkür zu geben, die leicht Verdacht, Miß­trauen und Verdruß hervorruft. Gr.

Zum Stahlhelmtag in Koblenz.

Man schreibt uns: Don den für den Reichs­frontsoldatentag des Stahlhelm am Rhein bereitgestellten Sonderzügen passie­ren fast 60 den Bahnhof Gießen. Die hie­sige Kraftfahrstaffel verläßt Samstagmorgen Gießen, die Ortsgruppe fährt in zwei Omni­bussen Samstagnachmittag ob Ludwigsplatz.

Auf dem Rückweg von Koblenz nehmen am Sonntagabend etwa 150 Mann vom Kreise Er­furt in Gießen Quartier, während ein weite­rer größerer Transport des Gaues Saale Thüringen mit etwa 30 Lastwagen in Stärke von 800 bis 900 Mann am Montag gegen 12 bis 14 Uhr hier eintrifft. Diese Stahlhelm-Ab­teilung wird von der Frankfurter Straße aus mit Musik durch die Stadt nach dem Brand- Platz ziehen, wo die Autos parken, während ihre Insassen eine kurze Mittagsrast machen, um dann über den Vogelsberg den Weg nach Thüringen zu nehmen. Am Abend trifft der Untergau Altenburg ebenfalls mit Kraft- Wagen cm und bleibt mit 200 Mann hier im Quartier.

Für die am Sonntag nach Koblenz fahrenden Privat-Kraftwagen sei noch erwähnt, daß als An- und Abmarschweg zur Karthause nur die Straße über die Laubach, Stadtwald, Schieß- stände zur Derfügung steht. Parkplatz für Pri­vatfahrzeuge nordwestlich der Schiebstände, auf der Karthause. Zur Teilnahme des Publikums am Frontsoldatenappell sind zwei Tribünen er­richtet.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadt- theater:Das Land des Lächelns", 19.30 bis 22.30 Uhr. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Pat und Patachon als Modekönige". Astoria-Lichtspiels: Die Jaad nach der Million".

Aus Dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die Operettenvorstellung des Vereinigten Operettentheaters Bochum-Ham­born beginnt 19.30 Uhr. Zur Aufführung gelangt Lehärs bekannte SchlageroperetteDas Land des Lächelns". Die Intendanz macht nochmals daraus aufmerksam, daß in diesem Monat keine Operette mehr aufgeführt wird. Außerdem wird diese Operette auch nur einmal gegeben, so daß eine spätere Wiederholung ausgeschlossen ist. Am Sonntag findet die erste Fremdenvorstellung der Winterspielzeit statt. Zur Aufführung kommt der mit großem Beifall aufgenommene Schwank Weekend im Paradies". Beginn 18 Uhr, Ende 20.15 Uhr.

Don der Landesuniversität. Er­nannt wurde der Privatdozent Dr. Fritz T a e - ge r in Freiburg i. B. zum ordentlichen Profes­sor für alte Geschichte an der Landesuniversität Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober an.

* Verbilligung der Kraf tf ahr- zeughaltung. Vom ADAC, wird uns mitge­teilt: Die von den führenden deutschen Auto­mobil-Clubs unternommenen Schritte zur Sen­kung der Unkosten der Kraftfahrzeughaltung haben bereits Erfolge gezeitigt. Die Benzinpreise find noch vor den maßgebenden Verhandlungen

bern eingerichtete Damentoilette geschaffen worben, deren Eingang durch eine Transparentschrist auch am Abenb deutlich erkennbar gemacht ist. Auch an dieser Seite der j)aüe find die Stände der Bahn­steigsperre durch Glasaufsätze gegen Zugluft gefchützt worden.

Als Neuerung bemerkt man in der Halle weiter zwei Aushängekasten, deren einer zur Aufnahme der Mitteilungen des Gießener Stabttheaters bient, wahrend ber anbere bie Spielplanzettel der Frank­furter Theater enthält, lieber die anderen Einrich. tungen, wie Gepäckabfertigung, Aufbewahrungsstelle für Handgepäck usw. haben wir früher schon ein­gehend berichtet, so daß nach dieser Richtung hin etwas Neues heute nicht zu vermerken ist.

Empfehlenswert dürfte es fein, in der Halle noch einige Bänke als erwünschte Sitzgelegenheit für ältere Leute aufzustellen: der erforderliche Raum wäre zwischen dem Verkaufsstand am Wartesaal 2. Klasse und dem Stand des Zigarrenhändlers wohl in ausreichendem Maße vorhanden. Ein wei­terer Vorteil würde darin bestehen, baß man in ber Halle einen ober zwei Papierkörbe an­bringen unb schließlich auch mit ber Reichspost wegen Aufstellung von Briefmarkenauto­mat e n , bie bekanntlich schon seit längerer Zeit von den beteiligten Stellen erwogen wirb, sich ins Be­nehmen setzen würbe. Schließlich barf man wohl noch hoffen, baß ber schon seit längerer Zeit ge­plante Neuanstrich ber ganzen Halle in nicht allzu ferner Zeit vorgenommen wirb, bamit man mit bieser Arbeit, bie natürlich einen umfang- reichen Gerüstaufbau erforderlich macht, nicht roieber wie bei ben meisten bisherigen Umbauarbeiten in bie Hauptverkehrsmonate hineinkommt.

des vorläufigen Reichswirtfchaftsrates bis zu 3 Pf. pro Liter gesenkt worden. Eine besondere Rote erhält der Kampf der Verbrauchergruppe gegen die Preisbindung der Fabriken und Händ­lerschaft dadurch, daß der Automobilhändlerver­band gegen den größten Intcressenvertreter der Kraftfahrzeugbesitzer, den ADAC, gerichtliche Schritte unternommen hat. Der Automobilhandel fühlt sich dadurch geschädigt, daß der ADAC, seinen Mitgliedern Kraftwagenbereifung vermit­telt hat, zu Preisen, die bis zu 25 Proz. unter den offiziellen Listenpreisen der Händler gelegen haben. Man sieht in Fachkreisen dem Ausgang dieses Rechtsstreites mit besonderem Interesse entgegen. Daß das Vorgehen der Automobilklubs gegen die hohen Reifenpreise gerechtfertigt war, dürfte daraus hervorgehen, daß bereits ab 1. Ok­tober die offiziellen Listenpreise um 10 Proz. ermäßigt wurden und ein weiterer Preisabbau nach Ablauf der Verträge der Industrie mit dem Händlerverband, also ab Ianuar 1931, in Aussicht gestellt wird.

** D i e Winterfahrpläne! Ab 5. Okto­ber gelten bei der Reichsbahn die Winterfahr­pläne, und am gleichen Tage beginnt die Gültig­keit der neuen Kursbücher, von denen Storms Kursbuch für Westdeutschland als eines der ersten wieder vorliegt. Die westdeutsche Ausgabe des bekanntenStorm" zeigt wieder alle Vorzüge ihrer vorhergehenden Auflagen, aber man er­kennt trotzdem das Bestreben, immer neue Ver­besserungen einzufügen und die Gliederung der Fahrpläne bzw. ihre Kombination noch übersicht­licher und klarer zu gestalten. Das ist gelungen, und man kann von Storm Westdeutschland mit Recht sagen, daß der Benutzer ohne langes Suchen die gewünschte Verbindung sich schnell zusammen­stellen kann, selbst wenn er kein geübter Fahr­planleser ist. Der Preis des Buches beträgt 2 Mark.

** Gemein de tag der Petrusgemeinde. Von schönstem Sonnenschein begünstigt, hielt die Petrusgemeinde tfm vorigen Sonntag ihren Ge­meindetag im Philosophenwald. Schon um 14 llfjr sammelten sich die Kinder und eine große Anzahl Gemeindeglieder am Ludwigsplatz, um von da mit Musik zum Philosophenwald zu ziehen. Dort sammelten sich noch viele andere, so daß der Saal bald bis auf den letzten Platz ge­füllt war. In seiner Begrüßungsansprache wies Kirchenvorsteher W i n n darauf hin, daß die Petrusgemeinde besonders treu Zusammenhalten müsse, damit sie ihr Ziel, die Errichtung einer würdigen Predigtstätte, möglichst bald erreiche. Ein buntes Programm spielte sich darauf vor den Versammelten ab, in dem jeder fein Bestes zu geben suchte: die Kinder in ihren mancherlei Aufführungen, Gedichten und Reigentänzen: die beiden Iugendvereine durch die Aufführung der Stücke:Der Vetter aus Bremen",Die Gouver­nante" undIugend von heute", sowie durch Ge­dichte und mehrere Volkstänze, die von den Mädchen vorgeführt wurden: der Frauenchor durch verschiedene Lieder. Besonders hervoc- gehoben seien auch 'die Gesänge von Fräulein von der Heydt, die unter Begleitung von Pianist Hahn ausgezeichnet vorgetragen wur­den, die Klaviervorträge des Herrn Hahn, die außerordentlich reichen Beifall sanden, und die Darbietungen des Posaunenchors Klein-Linden, der sich in selbstloser Weise in den Dienst der Sache gestellt hatte. Während dieser Vorführun­

gen hatten sich die Kinder im Garten ver­sammelt. wo sie sich mit Wurstschnappen und Sacklaufen vergnügten und wo ihnen Brezeln ausgeteilt wurden. Sowohl die Brezeln, wie die Wurst waren zu diesem Zweck von den Bäckern und Metzgern der Gemeinde gestiftet worden. In seinem Schlußwort dankte Pfarrer Waas allen, die zum Gelingen des Rachmittags bei­getragen hatten, und gab der Hoffnung Aus­druck. daß bie Veranstaltung zur Stärkung deS Zusammenhalts und der Liebe zu unserer evan­gelischen Kirche beigetragen habe Mit dem Ge­sangRun danket alle Gott" schloß die Feier.

Unterhaltungsabcnd in der Rer- venheilstätte. Den Insassen der Heilstätte für Rervenkranke wurde am Mittwochabend ein schön verlaufener ilntcrfjaltungäabenD geboten. Herr Engels aus Wetzlar führte die Gäste in einem Lichtbildervortrag in die herrlichsten Ge­genden des Rheins, sowie in das bayerisch: Hoch­land. Mit Humor verstand er es. die Gemüter ber Kranken in heitere Stimmung zu versetzen. Anschließend brachte Herr Duthe aus Wetzlar Lieder zur Laute zu Gehör. Mit seiner wohl­klingenden Baritonsttmme bot er auch für den Kenner einen schönen musikalischen Genuß. Die gemeinschaftlich gesungenen Lieder begleitete am Klavier vorzüglich Herr Maasberg.

Zuchthaus für einen Stadtbaumeister.

WLR. Butzbach, 2. Ott. Vor dem Großen Schöffengericht in Gießen hatte sich gestern ber Leiter des Butzbacher Stadtbauamts, Stadtbau- meister Scherer, wegen Vergehens im Amt zu verantworten. Rach der bis in die späten Abendstunden dauernden Verhandlung, zu der ein großer Zeugenapparat aufgeboten war, wurde der Angeklagte zu einem Iahr zwei Wo­chen Zuchthaus verurteilt.

Die Anklage legte dem Verurteilten zur Last, daß er in früheren Iahren bei städtischen Koks­lieferungen in sechs Fällen Koks nach seiner Wohnung verbringen ließ, ohne dafür bei den Lieferungen die erforderliche Zahlung an die Stadt zu leisten. Erst viel später, als andere unzulässige Dinge entdeckt wurden, hat Scherer die Beträge nachgezahlt, so daß die Stadt keinen Schaden hatte. Immerhin erblickte das Ge­richt in diesen Machenschaften des Angeklagten Unterschlagung. Weiter wurde ihm vor- getoorfen, daß er in einer amtlichen Ur­kunde Fäls chungen zu seinem Vorteil vorgenommen hätte dergestalt, daß er einen von dem Stellvertreter des Bürgermeisters geneh­migten Betrag für den Dau einer geschlossenen Gartenveranda an feiner (Scherers) Wohnung nachträglich durch Fälschung erhöht hat.

Der Verurteilte ist zur Zeit von seinem Amt beurlaubt. Er hat gegen das oben- stehende Urteil Berufung eingelegt.

Landkreis Gienen.

0 Holzheim, 2. Oft. Gestern abend erlitt der Elektromeister Karl Faber von hier einen schw ecen Unfall. Als er mit feinem Motor­rad von Gießen nach Klein-Linden fuhr, wollte er drei Radfahrer überholen, deren Räder weder Laternen, noch Rückstrahler trugen. Dabei kam er zu Fall unb blieb bewußtlos liegen. Das Gießener Sanitätsauto brachte den bedauerns­werten Mann, um den sich die drei Radler nicht im geringsten kümmerten, in die Klinik nach Gießen. Dort wurden eine Kopfwunde und eine Deinveclehung festgestellt.

! Aus dem mittleren Horlofftal. 2. Oft. Die Kartoffelernte geht hier ihrem Ende zu. Sowohl in Menge, als auch in Güte ist ber Ertrag zufriedenstellend. Die beste Ernte er­brachten die weniger empfindlichen Sorten, wäh­rend z. B. die empfindlichere Industrie einige Fäulnis aufweist. Größeren Schaden haben die Mäuse, die in diesem Herbste außerordentlich zahlreich auftreten, angerichtet.

LJ Rodheim a. d. Horloff. 2. Ott. Bei der Treibjagd des hiesigen Iagdpächters wurden 17 Rehe zur Strecke gebracht, davon 13 im hie­sigen Gemeindewald und vier in angrenzenden Teilen des Harbwaldes. Die Hasenjagd dürfte voraussichtlich ebenfalls gut ausfallen. Ueberaus zahlreich sind auch die Rebhühner vorhanden.

Donnefeldts

1 \ ist und bleibrder BesteFI £ & statt Zug3ben:Qualit ät'

Heute morgen 10 Uhr entschlief sanft nach schwerer Krankheit meine liebe Tochter, unsere gute Schwester, Schwägerin, Enkelin und Tante

Erna

im 17. Lebensjahr.

In tiefer Trauer:

Familie Wilh. Wagenbach Wwe.

Hfeuehelheim, 2. Oktober 1930.

Die Beerdigung findet Samstag, den 4. Oktober, 4 Uhr, vom Sterbehause Gießener Straße 74 aus statt.

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Anläßlich des Kirchweihfestes

Sonntag, 5. Oktober 1930

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Konzert des Kurhaus-Orchesters abends 8 Uhr im großen Bühnensaal Kirchweihball

Eintritt: Für Saal einschließl. Tanz und städtIscheSteuer2M. NumerlerteLogen­plätze 2.50 M. (In den Logen wird nicht serviert) Tischbestellung für Saal beim Kurhaus-Restaurateur (Telephon 20811. uiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimuiuiiuuuuiiiiuiuiuiuiuuuiiiiu