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Freitag, 3. Zanuar 1930

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 2 Dritter Blatt

| abteilung des Krankenhauses ist weiter auggebaut worden. Ein großes, geschmackvolles Famllien- Haus ist von der Stadt für Beamte des Finanz--

Kommmalbilanz 1929 der Stadt Lich

Herberge hatte im

i

d

ihr Onkel in dem und ab und spielte Erregung mit der

Jnflationsanleihen

Bericht zeige, daß Fülle von Arbeit den unglückseligen

Welt hätte sie jetzt noch verinocht.

Als sie eintrat, schritt mäßig großen Zimmer auf dabei in augenscheinlicher

gelände.

Sämtliche Borkriegs- und sind restlos abgelöst.

Dieser zusammengedrängte von dem Gemeinderat eine

möchten.

3m Aarnen des Gemeinderats zollte Rektor Erb dem Bürgermeister Dank und Anerkennung für seine unparteiische und sachverständige Ge­schäftsführung.

Scherz, als von meiner Sklavin redest. Das Hingt abscheulich."

Run, ist sie denn nicht etwas sehr Aehnliches wie deine weiße Sklavin, Mama?"

Nichts dergleichen!" entgegnete die Mutter, die allzeit korrekt auch in dieser Hinsicht keinen Scherz verstand.Sie lebt als die Richte deines Bakers bei uns und ist in keiner Weise zu beklagen. Welch angenehmes Heim hat sie hier gefunden sie, die ohne einen Pfennig in der Welt stand. Und was ihr Aeußeres an- betrifft, nun ja, sie ist nicht häßlich, aber doch zu unbedeutend, um überhaupt beachtet zu wer­den. Du weiht, du ärgerst mich durch solche Be­merkungen, mein Junge!"

Der junge Mann war klug genug, die Sache jetzt fallen zu lassen und zu schweigen, obgleich seine Meinung durchaus nicht erschüttert war.

Am nächsten Tage reiste er ab und fand ohnehin keine Gelegenheit mehr, an die kleine Doris zu denken.

Das Wetter trug also die Schuld daran, daß Doris so traurig war. Sie stand am Fenster des Speisezimmers und blickte mit trüben Augen zum Himmel empor. Richt das geringste An­zeichen eines baldigen Witterungswechsels: Sturm und Kälte schienen noch für längere Zeit das Re­giment behaupten zu wollen.

Das kann noch wochenlang so fortgehen!" seufzte Doris in tiefer Niedergeschlagenheit.

Es geschah nicht oft, daß sie so, wie jetzt, ganz unbeschäftigt am Fenster stand, besonders des Morgens: aber der Diener hatte soeben die Posttasche gebracht, und Frau von Wildhofen war durch die eingelaufene Korrespondenz in An­spruch genommen, so daß Doris noch eine Zeit- lang vom Borlesen dispensiert war.

Run sind es schon vierzehn Tage her, feit er fort ist, dachte sie schweren Herzens. Mir ist zumute, als würde er nie, nie wiederkehren! Was sollte ihn Denn noch hierherziehen, wenn der Frost nicht bald ein Ende nahm?

Doris!"

3a, Tante Hanna!"

3hre Stimme klang ruhig wie gewöhnlich, als sie eiligst dem Rufe der Tante folgte.

Geh' und bitte den Onkel, auf einen Augen­blick zu mir zu kommen. Du kannst ihm gleich mitteilen, daß ich soeben einen Brief von Kurt erhalten hätte, der eine umgehende telegra­phische Antwort erfordere."

3a, Tante!" Doris schlug das Herz zum Zer­springen, als sie jetzt schnellen Fußes den Korri­dor entlang und durch die weite Dorhalle eilte, um die empfangene Botschaft auszurichten.

Was mag er geschrieben haben? dachte sie mit klopfenden Pulsen.

Schweigend begab sie sich in Begleitung des Onkels in das Speisezimmer zurück, in der stillen

amt es an der alten Straße errichtet worden. Auch das Finanzamtsgebäude selbst ist von der Stadt umgebaut worden. Mehrere Straßen, Gederner Straße, Alic Straße, Schießhorst u. a. wurden geteert, bzw. neu instand gesetzt und mit er­höhten Bürgersteigen versehen. Die Ortsbau­pläne und Straße nfluchtlinien sind vom Gemeinderat beraten und festgelegt worden.

Schotten, 2. 3an. Unsere 3 ug end - ...i vergangenen Sabre 415 Uebernachtungen, gegen 315 im Dorjahre. Die HauptbesNchsziffern fallen auf die Städte Frank­furt a. M.» Offenbach, Friedberg, Gießen und Marburg, aber man hatte auch Cinzelwanderer und Gruppen aus dem Rheinland, aus Fries­land, Hamburg, Berlin, aus dem Riesengebirge und 21 3ungdeutsche aus Wien als Gäste. Bolks- schulklassen aus Städten und vom Lande und Klassen höherer Schulen kehrten hier in der

Schnur seines Augenglases.

Aber zum Kuckuck! So völlig Fremde!" waren die letzten Worte, die Doris ihn noch sagen hörte.Das ist denn doch eine etwas starke Zu­mutung von dem 3ungen!"

Aber warum denn, Georg? Warum sollte unser 3unge seine Freunde nicht hierherbringen, wenn es ihm Freude macht?"

Aber wer sind diese Damen? Sdj weiß nichts von ihnen!"

Mein lieber Georg, glaubst du vielleicht, daß uns Kurt fragwürdige Elemente hierherbringen würde?" rief Frau von Wildhosen ganz empört. Er schreibt: Die beiden Damen sind Mutter und Tochter Frau und Fräulein von Rechten, die sich seiner im vorigen 3ahre, als er auf der Rückreise von Ostende plötzlich erkrankte, so hilf­reich und freundlich angenommen hatten."

Run ja. mag alles fein. 3ch sehe, daß ich ein recht altmodischer Mann bin; denn ich kann mich an diese neue Selbständigkeit und Unabhängig­keit der Frauen noch immer nicht gewöhnen, am wenigsten bei den älteren Frauen, und die Mutter muh doch die 3ugend hinter sich haben. Geradezu unpassend nenne ich es, uns hier so uneingeladen zu überfallen!"

Aber Kurt hat sie doch in unserem Namen eingeladen. Wahrscheinlich werden sie die Eis­bahn auf dem See, die ihnen Kurt gewiß höchst verlockend geschildert hat, noch recht ausnuhen wollen, bevor Tauwetter eintritt. Und konntest du nicht auch einige 3agden veranstalten bei diesem Wetter natürlich nur auf Fasanen, da­mit Kurt Unterhaltung fände und sich ein wenig länger hier fesseln liehe?"

Run, wir werden sehen! Schlittschuhlaufen können sie ja nach Herzenslust, wenn sie Berkan- gen danach tragen. Glaubst du denn, daß die alte Dame sich auch noch" daran beteiligen wird? Kann es mir kaum denken."

Vielleicht ist sie noch gar nicht so alt, schal­tete Frau von Wildhofen hier ein;Kurt schreibt gerade doch von ihr, sie sei reizend"

QTber doch alt genug, um die Mutter einer erwachsenen Tochter zu sein."

(Fortsetzung felgt.)

Hoffnung, jetzt von Kurt zu hören: aber schon an der Tür erhielt sie einen neuen Auftrag von der Tante.

Liebe Doris, fei doch so gut und sage Mat­thias, daß er einen Reitknecht bestellt, der gleich nach dem Telegraphenamt reiten soll."

S trabenbau:

Die Ortsdurchfahrt, bestehend aus der Bahn- hofstrahe, der Draugaße, Ober- und Unterstadt, wurde an Stelle von überaus schlechtem Groß- Pflaster mit einer Kleinpflasterdecke versehen, im Müllereck ein Straßendurchbruch geschaffen und dieser, sowie die Hüttengasse mit Grohpslaster versehen. Die 3ahnstrahe wurde neu angelegt, mit Kanalisation, Wasserleitung, Fußsteigen und Chaussierung versehen. Der Hohlenweg habe eine neue, starke Straßendecke erhalten. Sn der Straße Am Wall wurde ein erhöhter Fußsteig und Rinnenpflasterung angelegt, die verschiedensten Feld- und Waldwege neu chaussiert. Der Groß- häuserberg als Waldvistrikt wurde durch Chaussierung des Saübrückenwegs erschlossen.

Kanalisation: .

Reben der Sahnstrahe wurde die Langgasse und ein Teil der Garbenteicher Straße mit Kana­lisation versehen, die Kanalleitung der Brau­gasse, Hintergasse und einer Rebengasse der Ober­stadt ausgewechselt.

Schotten im Jahre 1929.

* Scho11en, 30. Dez. Bürgermeister M e n g e £ hat, wie alljährlich, einen Rückblick auf das vergangene 3 ahr veröffentlicht, dem wir kurz das Wesentlichste aus der städtischen Ver­waltung entnehmen: Die Bevölkerung hat um ein geringes zugenommen. Bisher sind 54 Geburten, 39 Sterbfälle, 16 Stauungen im ver­gangenen 3ahr zu verzeichnen. Mehrere Bau­ten hat die Stadt errichtet, so ein größeres Rebengebäude zum Krankenhaus, das die elektrisch betriebene Wäschereieinrichtung, Desinfektion, Plättstuben, Garage, in den Obergeschossen noch Krankensäle und Zimmer enthält. Die Röntgen-

Doris auf dem Korridor oder auf der Treppe zusammentraf, im Vorübergehen ein freundliches Wort an sie zu richten.

Eines Tages war er gerade im Begriff, den kleinen Salon feiner Mutter zu betreten, als ihm Doris daraus entgegenkam. Schnell trat er einen Schritt zurück, die Tür weit offen haltend, während er mit scherzhaft tiefer Verbeugung die andere Hand auf sein Herz legte, als das junge Mädchen an ihm vorüberschritt. Er schien durch diese Geste nur ihre Heiterkeit erregen zu wollen, wenigstens lag es nicht in seiner Absicht, sich über sie lustig zu machen.

Doris aber schoß eine dunkle Dlutwelle in die Wangen, als sie dicht an ihm vorüber muhte, und gleich darauf traten ihr heiße Tränen in die Augen.

Er verspottet mich, dachte sie mit aufsteigender Bitterkeit, und sonst beachtete er mich gar nicht. Sein Hühnerhund ist ihm weit wichtiger als ich.

Ganz so gleichgültig, wie sie dachte, war ihre Person Kurt aber doch nicht: denn als er die Tür hinter sich geschlossen, sagte er zu seiner Mutter:

Dein kleiner Schützling ist ein recht hübsches Mädchen geworden."

Du meinst doch nicht etwa unsere Doris? Welche 3dee!"

3a, gewiß meine ich sie. Du weiht doch, ich verstehe mich auf Frauenschönhcit!"

Frau von Wildhofen drehte sich hastig auf ihrem Schreibsessel herum.

Mein lieber Sunge, wie lächerlich! Du willst mir doch unmöglich einreden, daß das Mädchen dein Geschmack ist?"

Ra, das nun allerdings nicht. Grohe, schlanke Figuren, schöne, ebenmäßige Formen, ah--"

Er hauchte einen Kuh auf die Fingerspitzen, als sehe er die Verkörperung seines Sdeals vor sich. Rur junonische Gestalten wären mein Ge­schmack: das weiht du ja, beste Mutter!"

Run also, warum denn in aller Welt ..", begann Frau von Wildhofen, schnell wieder be­ruhigt.

Mache ich eine so überflüssige Bemerkung, ergänzte Kurt mit übermütigem Lachen.Aber liebes Mütterchen, sei ehrlich und gib auch deinerseits zu, dah deine Sklavin ein paar wundervolle, sanfte, braune Augen und ein sehr niedliches, pikantes Rüschen hat; dazu kommt noch ein Mund wie ein Rosenknöspchen zum mindesten gesagt so appetitlich."

Seht aber wurde seine Mutter ernstlich böse.

Du schwatzt da wirklich den blühendsten Un­sinn, mein Lieber," erwiderte sie kühl.Sch will nur hoffen, dah es dir niemals in den Sinn lammt, dem armen Ding mit derartigen Unge­reimtheiten den Kopf zu verdrehen. Auch mag ich nicht, daß du von Doris, wenn auch im

9er Traum vom SM.

Vornan von E. Lovett und M. v. Weißenthurn.

Copyright by Marie Brügmann, München.

1. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Eines Tages hielt er hoch zu Roh vor dem großen Portal des Schlosses, in dessen Rahmen sich feine Mutter und einige als Logiergäste anwesende Damen ausgestellt hatten, um den strahlenden Kavalier in seinen Reiterkünsten zu bewundern. Doris stand einen Augenblick still und zaghaft im Hintergründe, als der Reiter, seine Handschuhe zuknöpfend, sich verabschieden wollte. Da machte das Pferd einen heftigen Sprung der Handschuhknopf riß ab und fiel zu Boden.

Wildhofen murmelte ein ungeduldiges Wort zwischen den Zähnen. Die Mutter und ihre Umgebung äußerten einen Ruf des Bedauerns', aber Doris schob sich schnell und gewandt an ihnen vorüber.

Mit den schüchternen Worten:Darf ich den Knopf annähen?" stand sie auch schon neben dem jungen Herrn.Cs soll keine Minute dauern! Damit hob sie den Knopf auf.

Oh, willst du das tun, Kleine? Das ift hübsch von dir!" lächelte er huldvoll.

Doris eilte mit dem Handschuh in das Schloß.

Diese beneidenswerte Hülle, die feine Hand bedecken durfte! Wie hatte sie sich so ganz deren Form angepaßt, und jener so charakteristische Duft, halb nach Suchtenleder, halb nach Ziga­retten, strömte ihr daraus entgegen.

Mit einem eigenartigen Wonnegefühl besserte sie schnell den Schaden aus und beeilte sich aufs äußerste, dem gewiß ungeduldig Wartenden fein Eigentum zurückzugeben.

Sie sah aber sofort, dah dem jungen Herrn die Zeit kaum lang geworden sein konnte. Er war eifrig beschäftigt, einer der Damen, einer schönen, jungen Witwe, angelegentlich den Hof zu machen. Diese war an den Reiter herangetre­ten, um den glänzenden Hals seines Pferdes zu streicheln und zugleich strahlende Blicke auf den Reiter zu werfen, den sie anlächelte und sich auch nicht eine Sekunde nach Doris umwandte, als sie ihm seinen Handschuh von der anderen Seite heraufreichte.

Danke!" sagte er kurz, und unverwandt hingen seine Blicke an der schönen Frau, der allein auch sein Abfchiedsgruh galt, als er sich anschickte, davonzureiten.

Arme, törichte kleine Doris!

Und trotzdem blieb dieser Tag als ein beson­ders glücklicher in ihrer Erinnerung haften lange, lange.

Seitdem hatte es den Anschein, als beabsich­tige Kurt von Wildhofen, -toenn er zufällig mit

W asfervers orgung:

Sm Qucllgebict in der Gemarkung Albach wurde eine Cntleerungslcitung gebaut und die Grundstücke entlang der Strahe dortsclbst als Schutzstreifen des Qucllgcbietes erworben. Durch Verlegung einer Wasserleitung von der Straße Am Wall durch die Ringstraße nach der Bahn­hofstraße wurde die Wasserversorgung des Bahn­hofsviertels ganz erheblich gebessert. Langgaise, Sahnstrahe, Egelseeweg, ein Teil der Hungener Strahe, der Mengesgasse und des Hohlenweg er­hielten eine neue Wasserleitung.

Neubautätigkeit:

An städtischen Olcubauten entstanden die neue Kleinlinderschule, das städtische Mi.tpostgchäude und im Zusammenhang mit diesem die Uferstüh- mauern an der Wetter und dem Weidgraben. Zur Behebung der dringendsten Wohnungsnot wurden vier Eisenbahnwohnwagen aufgestellt. Auch die von der Stadt nach Möglichkeit unter­stützte private Bautätigkeit war äuherst rege. 28 neue Wohnhäuser wurden errichtet und größere Umbauten darchgesührt.

Sonstiges:

Für die dringend notwendige Reparatur des Stadtturms ist ein Fonds von 15 030 Mk. ange- sammelt worden. Sm Rathaus und der Stadt­schule ist eine Zentralheizungsanlage eingebaut worden. ,

Der Hebung des Marltverkehrs wurde beson­dere Aufmerksamkeit gewidmet und der Markt­platz ganz erheblich erweitert.

An größeren Grundstückankäufen ist zu er­wähnen der Erwerb des Brennofengeländes für Siedlungszwecke, als Schulhausplah und Tausch­

geleistet worden sei. Unter _

Nachwirkungen des Krieges habe bic Wirtschaft im Reich, Staat und insbesondere auch in den Gemeinden auf das schwerste gelitten. Den Ge­meinden sei im Zusammenhang damit ein bedeu­tend vergrößerter Aufgabenkreis erwachsen. Mit besonderer Freude könne er feststellen, dah der zum letzten Male versammelte Gemeinderat in ernster und gewissenhafter Arbeit aller Schwie­rigkeit Herr geworden sei und nach bestem Können an der Weiterentwicklung der Stadt ge­arbeitet habe. Dem Gemeinderat sprach er im Namen der Stadt hierfür den wärmsten Dank aus, dankte noch besonders den mit dem heutigen Tage ganz aus dem Gemeinderat scheidenden vier Mitgliedern und gab dem Wunsche Ausdruck, dah sie eine freundliche Erinnerung an ihre erfolgreiche öffentliche Wirksamkeit mitnehmen

Nach erledigtem Gange kehrte Doris abermals in das Frühstückszimmer zurück. Nichts in der ' länger fernzuhalten

X» Lich , 1. San. Am 30. Dezember trat der Gemeinderat zu seiner Schlußsitzung zusammen. Zu Beginn der Sitzung teilte der Vor­sitzende mit, dah der Minister des Snnern zu den Entwürfen einer Polizeiverordnung über die

Entwässerung der Grundstücke in der Stadt Lich und die Ortssahung über die Erhebung einer Kanalbenuhungsgebühr verschiedene Bemerkungen erhoben habe. Die städtische Fi- nanzkominifsion habe sich bereits mit der Ange­legenheit besaht und vorgeschlagen, einigen Be­merkungen, die lediglich redaktionelle Aenderun- qcn und Zuständigkeitsfragen des Entwurfes einer Polizeiverordnung berühren, zuzustiminen; dagegen hinsichtlich des ZustandeS der hiesigen Kläranlage zu erklären, dah diese seinerzeit unter behördlicher Aussicht gebaut worden sei und wenn auch jetzt nicht inehr modern, so doch als hinreichend bezeichnet werden müffe und Mängel bisher nicht zur Kenntnis der Stadt­verwaltung gekominen seien. Weiterhin soll er­klärt werden, dah Qtbortc und Pissoire nur dann an die Kanalanlage angeschlossen werden dürfen, wenn die Abwässer in einer besonderen Grube genügend vorgeklärt würden. Dem Ansinnen des Ministers, die Gebührenpflicht anstelle einer Orts­sahung nach einem-- Tarif in Gemäßheit der Artikel 186 ff. der Landgemeindeordnung zu regeln, habe die Finanzkommission zugestimmt, jedoch habe sie sich gegen den Vorschlag aus­gesprochen, bei der Veranlagung der Kanal­benuhungsgebühr, die ursprünglich rein nach dem Wasserverbrauch berechnet werden sollte, auch andere Momente, beispielsweise den Brandkassen- wert der entwässerten Gebäulichkeiten, heran­zuziehen. Sie sei bei ihrer Stellungnahme davon ausgegangen, dah bei den in unserer Stadt ganz besonders gelagerten Verhältnissen eine sonstige Veranlagungsart unbillig fei, zumal nicht sämtliche Kanalunkosten umgetegt würden und alles Oberflächenwasser daher als auf die Stadt selbst übernommen gelten könne. Nach kurzer Be­ratung trat der Gerne inderat der Stellungnahme der Finanzkommission bei und genehmigte den von dem Bürgermeister vorgelegten Entwurf einer Gebührenordnung, wonach vom Rj. 1929 ab bis auf weiteres eine jährliche Kanal- benu hungsgebühr von 33Vsb.H des zu zahlenden Wassergeldes zur Erhebung kommen soll. Ausgenommen sind Hofreiten, die nicht an die Kanalanlage angeschlossen sind, ferner der Wasserverbrauch für Vieh, Gärten und Eisteiche.

Sm Anschluß hieran gab der Bürgermeister davon Kenntnis, daß die Bezirkssparkasse Mainz sich mit einer

16-o. ^.Aufwertung dec Borkriegsanleihe der Stadt Lich

im Betrage von 188 970 Mark und der Tilgung des auf 30 235,20 Goldmark aufgetoerteten Be­trags in 16 gleichen Sahresraten ab 1. Sann ar 1931 einverstanden erklärt habe. Die Verzinsung erfolgt auf Grund des Aufwertungsgesehes ab l.Sanuar 1926 zur Zeit mit 5 v. H. Der Ge­meinderat stimmte der Ablösung der Schuld zu und ermächtigte Öen Bürgermeister zur Voll­ziehung eines entsprechenden Schuldscheines.

Sodann teilte der Bürgermeister mit, daß er im Auftrage des Gemeiicherats mit der Ober- postdirektion Darmstadt Verhandlungen über den Einbau einer Wohnung im Dachgeschoß des

neuen städtischen INielposlgebäudes geführt habe. Die Reichspost sei nunmehr bereit, zu den Kosten des Ausbaues, die von der städt.

Bauleitung auf 4800 Mark beziffert werden, ein zweitstelliges Daudarlehen in Höhe der Bau­kosten, jedoch nicht über 15 000 Mark zu geben und die Verzinsung und Tilgung dieses Dar- , lehens selbst zu übernehmen. Mit dem Ausbau der Wohnung sei ein finanzielles Opfer für die Stadt nicht verbunden, da die Baukosten sich bestimmt im Rahmen des Voranschlags halten würden. Der Gemeinderat stimmte dabattelos dem Ausbau der fraglichen Wohnung, bestehend aus drei Zimmern und Küche, zu, ermächtigte den Bürgermeister zum 2lbschluß eines entspre­chenden Vertrags und erklärte sich mit dem Ein­trag des zweitstelligen Baudarlehens im Grund­buche einverstanden.

Zum Schluß der Sitzung führte der Bürger­meister aus, d mit der Erledigung der Tages­ordnung die Sitzungsperiode bc3 gegenwärtigen Gemeinderates zu Ende gehe. Es erscheine an­gezeigt, aus diesem Anlaß heraus einen

Rückblick auf die Verwaltung der Stadt und die von dem Gemeinderat geleistete Arbeit zu werfen. Die Wahl des Gemeinderates sei am 15. November 1925 erfolgt. Zum ersten Male habe man am 7. Sanuar 1926 getagt. 3n feiner Zusammensetzung sei nur ein Wechsel, veranlaßt durch den Rücktritt eines Mitglieds, zu ver­zeichnen. Am 24. Sanuar 1928 sei Bürgermeister Völker verstorben. Die Neuwahl des Bürger­meisters habe am 22. März 1929 stattgefunden und sei auf seine Person gefallen. Gegen Ende Mai 1928 habe der am 22. Sanuar 1929 ver­storbene Beigeordnete Ludwig D ö r m e r sein Amt niedergelegt. An seine Stelle sei Ludwig 3H ring am 29. Suli 1928 gewählt worden. Mit dem Ableben des langjährigen Orts­gerichtsvorstehers und Standesbeamten Karl Ludwig Vogt IV. habe die selbständige Füh­rung des Ortsgerichts und des Standes- amts ihr Ende erreicht. Sie seien nunmehr mit der Bürgermeisterei vereinigt worden. Der Ge­meinderat habe in 87 Sitzungen 844 Beratungs­gegenstände erleoigt. Daneben hätten die Kom­missionen und Deputationen in vielen Sitzungen getagt. Die zum letzten Male versammelten Ge­meinderatsmitglieder könnten für sich in An­spruch nehmen, daß sie während ihrer Amtszeit ersprießliche Arbeit geleistet und die Entwicklung der Stadt nach Kräften gefördert hätten. Aus der laufenden Verwaltungstätigkeit wolle er nur das Hauptsächlichste herausheben.

Das Snnere der altehrwürdigen Stadtkirche ist im Laufe dieses Sabres restauriert worden. Wände, Decken, Holzwerk sind künstlerisch gemalt, ein Mittelgang geschaffen, die Emporen gesenkt, alles in allem macht dieses wertvollste Bauwerk der Stadt in seinem Snnern einen tiefen, vor­nehmen, kunstvollen Eindruck. Auch die Syna­goge wurde neu hergestellt. Auf eine Reihe weiterer Verbesserungen und in diesem 3ahr ge­troffenen Neuerungen weist der Rückblick hin. Der neue Gemeinderat kann erst in fein Amt eingeführt werden, wenn über den gegen die Wahl erhobenen Einspruch entschieden worden ist. Bis dahin bleibt der alte Gemeinderat in seiner Amtstätigkeit.

Sparmaßnahmen auf der Strecke MddaSchotten.

?" N i d d a, 2. San. Auf der Nebenbahnstrecke NiddaSchotten treten ab 6. Sanuar die bereits angekündigten Spar- und Verein- fachungs Maßnahmen in Kraft. Die seit­herigen Bahnstationen Eichelsdorf und R a i n r o d, die bislang mit einem Bahnhofs­vorsteher beseht waren, gehen als solche ein und werden in Bahnagent ureh umgewandelt. Diese werden nicht mehr mit Bahnbeamten be­seht, sondern können von Privatpersonen verwaltet werden, deren Aufgabe es ist. die Fahr­karten auszugeben, Güter anzunehmen und ans- zuhändigen. Für den Außendienst tragen sie kei­nerlei Verantwortung, da er von dem jeweiligen Zugpersonal durchgeführt wird. Signalanlagen brauchen nicht bedient zu werden, da die Kren- , zung von Güter- und Personenzügen stets auf dem Bahnhof Ober-Schmitten erfolgt, der als einziger auf der Zwischenstrecke erhalten bleibt. Sn diesem Zusammenhang sei die Frage aufgeworfen, ob es vom Standpunkt der Reichs- bahn nicht wirtschaftlicher wäre, den größten Teil des Personenverkehrs etwa in Ver­bindung mit der Post durch A u t v b u s s e durchzuführen. Mit einer Rentabilität der Per­sonenzüge auf Nebenstrecken ist kaum noch zu rechnen. Der vorgeschlagene Weg würde einmal die Betriebskosten stark Herabsehen, zum andern auch dem Wunsche des Publikums entgegenkom­men, öfters Fahrgelegenheit am Tage zu haben, was bei einem Autobusverkehr sehr wohl mög­lich wäre. Die gelösten Fahrkarten müßten so­wohl für den Zug- als auch für den Autobus­verkehr Gültigkeit haben. Diese gemischte Beför­derungsmöglichkeit ist bereits auf Nebenstrecken: durchgeführt und hat sich gut bewährt.

Oie Schottener Jugendherberge im ^ahre 1929.