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Oberheffen.

Landkreis Gießen.

U Grotzen-Linden, 2. San. Die für den 27. Dezember angesetzte Gemeinderats- fihung war wegen ungenügender Beteiligung nicht beschlußfähig. Deshalb fand am 30. De­zember eine neue Sitzung statt. Diesmal waren außer dem Bürgermeister noch 9 Gemeinderats- mitgliedcr erschienen. Es stand wieder der An­trag der Gewerbetreibenden aus Herabsetzung der hohen Ausschlags- f ä tz e für das Anlage- und Betriebskapital und für den Gewerbeertrag für 1929, der in der letzten Sitzung vertagt worden war. zur Be­ratung. Mit 1 Stimme Mehrheit (5 gegen 4) wurde nach lebhafter Aussprache die Herabsetzung der Ausschlagssähe a b g c l e h n t. Lu der Frage Les Bürgermeisters, ob bei Einziehung dieser Steuern die Mahn- und Pfändungsmahnahmen nicht gemildert werden sollten, wurde ein Be­schluß nicht gefaßt. Mehrere Beschwerden wegen Benachteiligung bei der Zuteilung der Winterbeihilfe wurden als begründet an­erkannt und die nachträgliche Ausgleichung be­schlossen. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft und die LÄtigkeit des alten Gemeinderats be­endet.

* Allendorf a. d. Ld a., 2. San. Dieser Tage wurde unter großer Beteiligung der Ein­wohnerschaft die von der Feuerwehrgerätefabrik Magirus gelieferte Kleinmotorspritze ..Liliput H, 600 Liter Leistung in der Mi­nute, durch den Kreis - Feuerwehrinspektor Dickore abgenommen. Die Spritze arbeitete tadellos. Nachdem die Wurfweite verschiedener Strahlstärken festgestellt war, wurde in einem zweistündigen Probelauf, bei dem sämtliche Schläuche ausgelegt und geprüft wurden, die Leistungsfähigkeit und Betriebssicherheit der Spritze erprobt. Die Leistungen haben teilweise die Forderung, die von einer solchen Spritze verlangt werden, übertroffen. Eine Tiefsaugprobe konnte nicht borgenommen werden, da hierfür nur ein Brunnen mit drei Meter Tiefe zur Ver­fügung stand. Bei der Wasserentnahme aus der Leitung konnte die Kirchturmspitze erreicht werden. Nachdem die Bedienungsmannschaften richtig mit der Motorspritze vertraut gemacht waren, wurde diese durch den Kreis-Feuerwehr- inspektvr Dickore den Mitgliedern des Ge­meinderats für die Stadt Allendorf a. d. Lda. offiziell übergeben.

5 Harb ach. 2. San. Die Verpachtung desHeiligen Gutes", des Kirchengutes der Kirche Harbach, ergab 289 Mark jährlichen Pachtertrag. Der Kirchenvorstand genehmigte alle Lose mit Ausnahme von drei, wo noch ein An­stand zu beseitigen ist bzw. eine nochmalige Ver­pachtung in Frage kommt.

* Lauter, 2. San. Sn jedem Winter um die Weihnachtszeit werden in Lauter die Pro­vinzstraßen neu eingedeckt. Das dazu verwandte Material besteht aus ganz grobem Schotter. Sm Gegensatz zu der Herstellungsart in unserem Orte bringt man auf allen Straßen außerhalb des Ortes über diese Steine noch eine Schicht feinen Grus, nur hier mitten im Orte fehlt den Klopfsteinen diese Deckschicht. Un- Einwohnerschaft erwartet alsbaldige Beseitigung des jetzigen Aebelstandes. Die Provinzialstratzen- Lauverwaltung wird sich den Dank unserer Bür­ger ertoerbcn,_ wenn sie in dieser Angelegenheit schnell und gründlich eine Wendung zum Bessern herbeiführt.

wn. Weickartshain, 3. San. Heute morgen gegen 10 Uhr entlud sich hier ein mit Hagel- schlag verbundenes heftiges Gewitter. Dabei schlug der Blitz in das Tranformator- häuschen und zerstörte die Lichtleitung. Durch den furchtbaren Sturm wurden verschie­dene Obstbäume umgerissen. Eine ganze Anzahl Siegeln wurden von den Dächern, und bei der GewerkschaftLouise" verschiedene drei bis fünf Meter hohe Känneln umgerifsen. Letztere dienten zur Schlammabführung von dem gewa­schenen Eisenerz.

Kreis Friedberg.

WSN. Friedberg, 2. San. Am Dienstag überfuhr in Ober-Wöllstadt ein Liefer­

wagen ein fünfjähriges Mädchen. Das Kind wurde mit schweren Verletzungen in das hiesige Dürgerhospital eingeliefert. Kurz darauf ist es seinen schweren Verletzungen er­legen.

3 Steinfurth, 30. Dez. In der Jahresver­sammlung des Obst- und Gartenbauver­eins svrach Obstbauinspektor R e n t s ch, Fried­berg, über Kirschbaumanlagen. Der Redner hält unsere Gemarkung, besonders die hoher gelegenen Teile des Geländes, sehr geeignet für Kirschen­anlagen. Sn der Aussprache wurde neben an­deren Fragen das Ampfropfen der Obstbäume eingehender erörtert und die Forderung der Sor­tenverminderung und Beschränkung auf einige wenige marktfähige Obstsorten erhoben. Das dazu notwendige planmäßige Ampfropfen soll, wenn sich genügend Sntereffcnten finden, auch in hie­siger Gemarkung erfolgen. Anschließend hieran fand eine Verlosung statt, bei der einige Obst- bäumchen und Nistkasten unter die Mitglieder verlost wurden.

Kreis Büdingen.

* Büdingen, 1. San. Die 6. Allgemeine G e flügelschau, verbunden mit einer Ka­ninchenschau, findet am 11. und 12. Sanuar im Saalbau Schäfer statt. Die Vorbereitungen sind soweit abgeschlossen, daß mit einer guten Beschickung gerechnet werden kann. Eine große Anzahl Ehrenpreise stehen zur Verfügung, so daß die züchterischen Leistungen der Aussteller weitgehenüst belohnt werden können.

Anter-Schmi tten, 2.San. Sn der Nacht zum Donnerstag toütfte im ganzen Nidda- tale ein heftiger Sturm, der namentlich in unserem Dorfe Verheerung anrichtete. Viele Sie­geln wurden herabgeschleudert, manche Dächer, die dem Sturm günstigen Angriff boten, ganz abgedeckt. Eine größere Zahl von Anwesen weist Beschädigungen auf. Der einzige Veteran von 187 0/71, der noch in unserer Gemeinde am Leben ist, Rau, beging vor den Feiertagen seinen 8 2. Geburtstag.

Kreis Schotten.

Schotten, 2. San. Die seitherigen Wan­derbüchereien, die in einer großen Zahl von Kreisorten zirkulierten, sollen im neuen Satire aufgelöst und die vorhandenen Bücher örtlichen Volksbüchereien überwiegen werden. Auch Neugründungen sind ins Auge gefaßt. Die Büchereien sollen durch Lehrer, die sich dazu bereit erklären, ehrenamtlich verwal­tet werden.

V" Gedern, 2. San. Nach den neuesten Er­mittelungen beträgt die Einwohnerzahl un­serer Stadt 2370 gegenüber 2113 im Sabre 1927. Sm abgelaufenen Sah re wurden auf dem hie­sigen Standesamt 55 Geburten, 20 Eheschließun­gen und 32 Sterbefälle eingetragen.

Kreis Alsfeld.

+ Aus dem Ohmtal, 2.Jan. Ein W i nter­st e w i 11 e r zog heute morgen um etwa 10 Uhr über unsere Gegend. Mit einigen Donnerschlägen zog es, ohne Schaden anzurichten, weiter. Schreckliches Sturmunwetter herrschte den ganzen Tag über und räumte alles Morsche aus dem Wege. Stellenweise liegen unter den Bäumen die dürren Aeste wie gesät. Die Ohm ist stark angeschwollen.

ck. W e 11 s a a s e n, 2. San. Bei der Ab­schiedsfeier unserer Gemeinde zu Ehren des nach Offenbach a. M. übergesiedelten Lehrers Roth, über die wir am Dienstag schon kurz berichteten, brachte die Gemeinde dem nach 16jähriger Tätigkeit von hier scheidenden Lehrer einen Fackelzug, dessen Eindruck durch die Mit­wirkung der Musikkapelle Bloß (Flensungen) noch verstärkt wurde. Sm Namen der ehemaligen Schüler richtete Albert Langohr herzliche Dankesworte an den scheidenden Lehrer, namens des Schulvorstandes, der Gemeindevertretung und der ganzen Gemeinde sprach ferner noch Bürger­meister Hock herzliche Dankesworte. die mit besten Wünschen für das weitere Wohlergehen der Familie Roth schlossen. Mit bewegten Worten dankte Lehrer Roth für die ihm in so reichern Matze bekundete Liebe und Wertschätzung der Gemeinde Wettsaasen, an die er und seine Fa­milie immer gerne zurückdenken würden.

Preußen.

Dillkreis.

v Schönbach, 1. San. Sn der Silvesternacht, die sonst sehr ruhig verlief, geschah leider un­weit des Dorfausganges eine rohe Tat. Der Arbeiter B i e h aus Donsbach stellte den auf dem Heimweg befindlichen Mehgerburschen Rit­te r b u s ch aus Breitscheid, zertrümmerte nach

kurzem Wortwechsel dessen Fahrradlaterne un3 stach blindlings auf ihn ein. Der Ver­letzte, der einen tiefen Riß an Wange, Ohr und Hals davontrug, schleppte sich bis zur Bahn­hofswirtschaft. Der herbeigerufene Arzt von Breitscheid ordnete die Aeberführung des Ge­stochenen, der sehr viel Blut verloren hatte, in eine Klinik an. Noch in der Nacht wurde er mit dem Kreis-Krankenauto nach Dillenburg gebracht.

Schach-Ecke.

Bearbeitet von W. Orbach.

Alle für die Redaktion bestimmten Mit­teilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion desGießener Anzeigers".

Problem Nr. 245.

Don Srcala.

3

6

5

4

2

8

7

1

g

h

8

3

2

7

6

5

1

Schwarz, d e

a b

Ls 4

Weiß.

Weitz zieht und seht in zwei Lügen matt. Weih: 5 Steine. Ke4; Del; Lb5; Sg8; Bh2. Schwarz: 6 Steine. KH5; Bc4, g5, gb, h3, H4. Eine leichte, aber gefällige Aufgabe.

Endspiel Nr. 81.

Lehrreiche Partiestellung.

Das folgende lehrreiche Schlutzspiel ereignete sich im 11. Trebitschturnier zu Wien zwischen Takacs und Grünfeld.

Schwarz: E. Grünfeld, a bedefgh

a b c d e t g h Weiß: A. Takacs.

8

6

6

5

5

3

3

2

2

Weiß: 13 Steine. Kgl; Dc2; Tel, kl: Lb2, g2; Se4; Ba2, b3, c4, d5, g3, h2.

Schwarz: 13 Steine. Kg8; Dc7; TdS, e8; Ld7, e7;

Sg6: Bao, b7, c5, f6, g7, H7.

Stellung der Partie nach dem 20. Luge von Schwarz. Takacs am Luge, beendete die Partie durch folgenden glänzenden Schlutz:

21. d5-d6!, Le7Xd6. 22. S«4xf6+!, g7xf6 23. Lg2-d5+, Kg8-g7. 24. Lb2xf6+, Kg7-h6 25. TelxeS, Td8xe8. 26 Dc2d2-4-, aufgegeben nach Sf4. 27. gxf, Kg6. 28 Lb2 ist Schwarz hilflos

Lösung des Problems Nr. 241.

Don Dr. W. Galihkh.

1. Sd5f6! usw.

Aus der Schachwelt.

Von ausländischen Spielern nehmen am Weih­nachtsturnier teil: Capablanca, Maroczy und Vidmar.

Das internationale Schachturnier zu Scar­borough soll in der Leit vorn 23. Suni bis 8. Suli 1930 stattfinden.

Sn einem gemischten Turnier zu Braunschweig siegte Ahnes (außer Wettbewerb) mit 4 Punkten.

21m 13. Leopold - Trebitsch - Turnier zu Wien nehmen teil: Lokoene, König, Schenkeln. Bentum^ Gerbec, Hönlinger, Leimer, Glatz, Spielmann« Lichtenstein, S. R. Wolf, Müller, Sgel, ©rünfelöj Dr. Gruber, Professor Kreicik und Kmoch.

Die vorjährige 2Neisterschaft von Moskau get wann wiederum Verlinsky.

Oie Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom NedaktionSttsch.

Jahresverdiensk.

Pepke, der Landschaftsmaler, saß am Strand« b$r Insel Helgoland und malte. Da kommt sein Freund Papke, stellt sich neben ihn mit der Uhr in der Hand, sieht jenem zu, bis der andere den Pin­sel aus der Hand legte.

Bist du nun fertig?"

Jawohl", sagte Pepke.

Papke sah auf die Uhr:

Du hast nun eine halbe Stunde gemalt. Nun sage mal: Was bekommst du dafür?".

Zweihundert Mark", antwortete Pepke.

Zweihundert Mark", kam es gedehnt zurück. Wenn du nun am Tage bloß sechs Stunden malst, dann sind das mal zwölf sind zweitausendvier« hundert Mark, das macht in einer Woche zwei- tausendoierhundert mal sechs macht vierzehntau­sendvierhundert Mark, und in einem Jahre zwei­undfünfzigmal soviel das macht--; Mensch,

du lügst 1" W. G.

Die Sonne.

»Die Sonne geht am Morgen links auf. Die Sonne geht am Abend rechts unter. Wo bleibt sie in der Nacht?"

»Ganz einfach," sagt Edith zu Erich,sie läuft während der Nacht denselben Weg zurück und ist am Morgen wieder auf der linken Seite."

Glaubst du?" meint Erich.Aber da mühte maii sie ja sehen, wenn sie zurückläuft."

Du bist aber dumm. Nachts sieht man doch nichts."

Der Bierfilz.

Ein Amerikaner kommt zum erstenmal in Ham­burg an. Nachdem er sich in ein Restaurant be­geben hatte, bestellt er sich dort ein Glas Bier. Sofort erhält er das Gewünschte, in der üblichen Art mit einem Bierfilz. Ruhig trinkt der Ameri­kaner sein Bier aus und verzehrt den Bierfilz dazu. Er bestellt noch ein GlaS, abermals legt ihm der Kellner einen Bierfilz hin. 2luch diesen verzehrt er zu seinem Bier. Dann ruft der Ameri­kaner :Oberrl Noch ein Glas Bier, aber fein Keks mehr!"

Das Erbe desHerrn vonAnstetten.

Vornan von J. Schneider-Foerstl.

Arheber-Rechtsschuh durch

Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Die Begrüßung in Benares war überstanden! Auf Tausend und aber Tausend Fragen Antwort und Bescheid gegeben. Smmer wieder das gleiche. Was auch Tussein gehört hatte. Erst auf der Sagö im Dschungel, dann die Fahrt nach China in Rußland mit Mühe der Gefahr entronnen unö zuletzt die Flucht auf dem DampferLenin", der ihn wieder nach Sndien brachte!

Diners, Soupers und Einladungen, die sich über ihn ergossen, wurden mit stoischem Heldenmute absolviert.

Zwischenhinein ging ein langer Brief an Brun- Hilde ab mit der großen, großen Lüge seines Lebens. Fieberkrank sei er! Seit Tagen in Dardschiling ans Bett gefesselt. Günther wäre in­zwischen aus Rußland zurückgekehrt, müde und gealtert, mit dem festen Vorsatz, immer in Sn- bien zu bleiben. Zur Leit gehe er ganz in seiner, Hans Peters, Pflege auf.

Wie aus einem Wasserbade kommend, stand er vom Schreibtisch auf, als diese Flut von An­wahrheit zu Papier gebracht war. Aber es mutzte sein! Er mußte die geliebte Frau vor­bereiten auf das, was kommen würde.

Am Samstag setzte er zum ersten Male wie­der den Fuß in den Bungalow, der jetzt Akabs Eigentum war. Alsworth, dem er sein Kommen gemeldet hatte, empfing ihn mit einem stummen Druck der Hand und widmete ihm den ersten Abend.

Er saß lange schweigend, als Anstetten ihm seinen Plan entwickelte und hob mißbilligend die Achsel, als er endlich fertig geredet hatte. Man soll zu einer alten Schuld nicht eine neue häufen, Baron. Sch wiederhole den Rat, den ich Shnen schon damals auf Capri gab. Vertrauen Sie sich Shrer Gattin an. Sch glaube, wetten zu können, daß die Sache ein glückliches Ende nimmt."

Anstetten saß kopfschüttelnd.Sie vergessen, daß dieser illegitimen Ehe zwischen mir und der Witwe meines DettcrS ein Kind entsprossen ist "

Am so besser," ließ sich der Doktor hören. Dann wird sie wenn sie sonst nichts mehr für Sie übrig haben sollte schon um dieses Kindes willen keinen Skandal heraufbeschwüren, sondern Sie weiter als rechtmäßigen Gatten und Vater gelten lassen."

..Wenn Sie doch Recht hätten," murmelte der Baron. Aber fein Hoffen dauerte nur Minuten. Dann ergriff ihn wieder die alte Depression. Er sah Brunhilde, wie sie von Ekel geschüttelt, ihn zwar neben sich duldete, aber bei jeder Berüh­rung seiner Finger zusammenschauerte! Sah Bernd, der mit dem Gesichte des Verachtenden an ihm vorüberschritt und cs vermied, ihn an- zusprechen, und las in dessen dunklen Augen sein vernichtendes Urteil. Betrüger! Abenteurer!

Nun?" Alsworth hatte die Erregung in An- stettens Lügen wahrgenommen und stieß schwere Wolken aus seiner Havanna in die Luft.

Mein Entschluß ist endgültig, Doktor. Sie werden sagen wir in zwei Tagen meinen Tod melden! Sch vereinsame lieber, als daß ich die Verachtung von Frau und Sohn ertrüge."

Gut! Wenn Sie sich bis morgen abend nicht anders entschlossen haben sollten, werde ich die verhängnisvolle Depesche abgehen lassen. Die Folgen vermag ich nicht vorauszusehen. Sie dürfen sich aber nicht verhehlen, verehrter Herr Baron, daß diese unter allen Umständen getragen werden müssen."

Anstetten nickte zustimmend. Er sah das Ganze, wie auf der Flimmerleinwand vor seinen Augen abrollen: Brunhildes maßloses Erschrecken im ersten Augenblick! Shr hilfloses Weinen, die Mitteilung an das Gesinde, dann ihre Fahrt nach Wien zu Bernd. Der Sunge würde wohl am gefaßtesten fein, da er ihn vorbereitet hatte. Lage, vielleicht auch Wochen schmerzlichster Trauer. Dann ein Abflauen der schmerzlichen Gefühle, ein Sichergeben in das Unabänderliche und die Neueinteilung des Lebens ohne ihn. Nack) Sahr und Tag lief alles wieder seinen gleichen Gang. Brunhilde würde sich wieder freuen an allem, ihre Söhne würden der beste Trost für sie sein und schließlich.

Anstetten biß die Kiefer hart aufeinander. Er durste den Gedanken, daß ein anderer, vielleicht Oerhen, sich einen Platz in ihrem Herzen zu er­ringen strebte, und seine Kinder ihn Vater nann­ten, nicht in sich aufkommen lassen.

Er merkte nicht, daß der Doktor ihn dabei un­verwandt beobachtete, sah auch nicht, wie dieser sich aus dem Stuhle hob und nach der Türe ging.

Erst dessenGute Nacht!" ritz ihn aus seinem Grübeln.

Gute Nacht!" sagte er schleppend, hörte die Klinke einschnappen und lehnte den Kopf willen­los gegen die Rückwand des Stuhles.

Akab fürchtete für den Verstand seines Gebie­ters. Bis zum Morgengrauen schritt dieser ruhe­los vom Haus nach dem Garten und wieder zu­rück, sprach mit sich selbst und nahm ein halbes dutzendmal den Weg zum Grab des Toten, das in schweigender Einsamkeit, in Der Nähe des Bun­galow, lag.

Zuweilen raste Anstettens Blut, dann über­schüttete er den Toten mit einer Flut von Vor­würfen. Lies von dem grünen Hügel weg, kam wieder zurück, und bat ihm die harten Worte ab, faß reglos auf dem weihen Stein, den Akab zu einer Art Bank gewandelt hatte und wiederholte die ewig gleiche Frage:

Hans Peter, was soll ich tun! Was soll ich tun, Hans Peter?"

Dessen Mund blieb stumm. Er schwieg, wie nur Tote schweigen können.

Eine neue Flut von Vorwürfen ging über den Hügel hin, der längst nichts anderes mehr als vermodertes Gebein umschloß.Du hast gewußt, wie es kommen wird, Hans Peter! Du hast es gewußt! Nun schläfst du und hast alle Not von dir getan und ich muh die Folgen tragen! Die Folgen, die du durch deine Bitte heraufbeschwo­ren hast!"

Akabs Schatten fiel über den schmalen Weg, der milchig in der Sonne flimmerte.Sahib! Es ist zwecklos, sich so zu quälen."

Was soll ich tun?

Handeln, wie ein Mann! Den Toten aber lasse ruhen! Das Geschick liegt immer in den Händen der Lebendigen!"

So wurde es Abend. Anstetten sah die Sonne westwärts gleiten und wurde still. Se weiter Die Schatten, welche die Berge warfen, über Dard­schiling hinfielen, desto mehr kam Frieden und Ergebenfein über ihn. Alles ging zur Ruhe!

And er? Hatte er nicht drei Sahre Glücks im Aebermah genoffen? Drei volle Sahre! Daß es nicht länger Dauerte, war nur feine Schuld. Der Tote stellte keine Ansprüche und hegte keine Wünsche mehr. And wenn er noch so einsam werden sollte, immer würde ein Strahl, ein lei­ser Abglanz der Tage des Glückes sich in seine Verlassenheit beritten.

Schreiben Sie, Doktor!" Anstetten drückte Ms- worth, der in seinem Arbeitszimmer saß, die Fe­der in die Hand.

Baronin Brunhilde von Anstetten

Schloß Anstetten, Oesterreich.

Baron Hans Peter von Anstetten heute nacht dem Fieber erlegen. Bestattung über­morgen.

Dardschiling, Den 16. Oktober.

Dr. Alswvr th."

Nun war es geschehen!

Er wischte sich über die Stirne und muhte sich an der Lehne des Stuhles halten, der dem Doktor als Sitz diente.

Trinken Sie einen Schluck Kognak," mahnte der Arzt. Das Schwerste kommt erst noch."

Der Baron starrte ihn wortlos an.

Als Vetter des Toten müssen Sie doch ein paar Zeilen an dessen Witwe schreiben! Shr Beileid zum Ausdruck bringen und was man eben sonst noch einem nahen Verwandten zu sagen hat, wenn ein solch schmerzliches Ereignis über das Haus hereinbricht."

Das geht über meine Kraft," stieß Anstetten hervor.

Es muh aber sein, Baron. Mit der Hälfte ist nichts getan. Die Witwe wird das als selbst­verständlich erwarten. Eine Anterlassung würde zu bedenklichen Schlüffen berechtigen."

Gott, Doktor, ich habe nur noch das eine Verlangen, wirklich Hans Peter zu sein, -daß mich die Erde klafterweife deckte."

Alsworth fühlte Mitleid mit Dem gequälten Menschen und erbot sich sogar, Den Brief an Die Witwe zu schreiben, Damit durch Die Gleich­heit der Buchstaben kein Mißtrauen in ihr wachgerusen wurde. Der schmerzhafte Druck von Anstettens Hand sagte mehr als Worte.

Die beiden nächsten Tage, an Denen das Tele­gramm voraussichtlich auf Anstetten eintreffen mußte, waren für Günther mit Verzweiflung er­füllt. Nun hält sie es in Händen! Nun bricht sie es auf! Nun sinkt sie weinend zusammen! Die ganze Phase der Wirklichkeit erlebte er mit. Setzt fährt sie nach Wien, Bernd vorzubereiten und läßt es dem Gesinde mitteilen, daß der Gebieter i tot ist.

Brunhilde!" Die Strafe, die er erlitt, war über alles Maß, das ein Mensch zu ertragen vermochte.

Mab hatte alle Mühe, seine Gedanken abzu­lenken und schlich wie ein Schatten neben und hinter ihm her.

(Schluß folgt.)