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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Nr. 127 Zweites Blatt

Montag, 2. Juni 1950

Regensburger Reichstag.

Don Alfred Vossius.

Auf dem Reichstag zu Regensburg, wo die Vertreter des buntscheckigen Staatengebildes Eu­ropas, des Heiligen Römischen Reiches deutscher Ration tagten, stritten sich die Perückenträger ernsthaft über die Frage, ob dem Gesandten deS Fürsten von Reust-Grelz-Sbersdorf-Lobenstein ein Sessel mit Polstern von grünem oder rotem Samt zu stehe, und wenn ja, ob dann die Gesandten deS Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Freuden­berg oder Oserrburg-Düdingen-Wächtersbach bil­ligerweise nicht ein Anrecht auf die gleiche Aus- zerchnung geltend machen könnten. Heute lacht man über diese Rangstreitigkeiten, die als große Staatsaktionen behandelt und in langwierigen Konferenzen entschieden wurden, über deren Ver­lauf und Ergebnis fein säuberlich geschriebene Protokolle in den Archiven Kunde geben.

Aber hat sich seit zweihundert Jahren in der staatlichen Dureaukratie viel geändert? Als Bis­marck den neuen Deutschen Reichstag schuf und die diplomatische Vertretung auf das Reich über­ging, behielten sich einige Gliedstaaten, dar­unter Bayern und Hessen, das Recht vor, Gesandte im Auslande zu unterhalten und fremde Vertretungen in ihrer Hauptstadt zu empfangen. So gab es z. D. eine französische Gesandtschaft in München und eine bayerische Gesandtschaft in Petersburg bis zum Weltkrieg sowie eine russische Gesand tschaft in Darmstadt und in Wei­mar, da diese Hose zu dem Zarenhause in engen verwandtschaftlichen Beziehungen standen. Unter diesem Gesichtspunkt lieh sich dieses histo­rische Recht noch einiger maßen erklären und rechtfertigen. Seit dem Zusammenbruch der Mon­archien jedoch sind auch die von früher über­nommene, diplomatische Vertretung der einzel­nen Gliedstaaten deS Reiches in Berlin sowie die Reichsgesandten bei den einzelnen Ländern und die preußische Vertretung in München völlig überflüssig geworden. Rach der Reichsver­fassung vom Zahre 1871 war das Reich ein ewi­ger Bund der Fürsten und Freien Städte, die in dem Bundesräte, als dem Organ der verbün­deten Regierungen, ihre staatsrechtliche Vertre­tung hatten, während der Reichstag das Organ des Volkes war. Die von den Regierungen er­nannten Mitglieder des Bundesräte s stell­ten gewissermaßen die erste Kammer, die vom Volk gewählten Abgeordneten die zweite Kammer deS Reichsparlamentes dar. Die Revolution von 1918 und die neue Reichsverfassung vom 11. Au­gust 1919 haben das Verhältnis der Ginzelstaaten die mir noch Länder sind zum Reiche ganz beträchtlich geändert. Der bayerische, hessische, württembcrgische, sächsische usw. Gesandte war als Vertreter im Bundesrat zugleich Vertreter seines Monarchen. Alle diese Funktionen und höfischen Rücksichten sind heute nicht mehr maß» gebend. Man fragt sich daher immer wieder, wann endlich diese veraltete Ein­richtung abgeschaff t werden soll, die we­der der heutigen Zeit noch den Rechtsverhält­nissen im Reiche entspricht. Gewiß, die Staaten entsenden Vertreter in den R e i ch s r a t, den man in gewissem Sinne als Rachfolger des früheren DundeSrats bezeichnen kann. Aber ihre Auswahl geschieht nach ganz anderen Gesichts» punkten, die nicht zuletzt in den parteipolitischen Verhältnissen der jeweiligen Länderregierungen ihre Rücksicht finden, lind der Gesandte Vay- erns, Badens oder Mecklenburgs ist sogar meist nur alS Stellvertreter genannt, da bei besonderen Anlässen d i e Ministerpräsi­denten der Länder selb st nach Berlin zur Sitzung zu kommen pflegen.

Konstanze.

Vornan von Karl Heinz Voigt.

Urheber-Rechtsschutz Verlag Oskar Meister, Werdau. 2S. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Der Ehaufseur verzog keine Miene und fuhr davon.

Die laue Luft dieses Abends tat Lothar Wohl. Er vermied die lauten Straßen, auf denen auch die Rächt das Leben der Großstadt nicht ver­schlang. Er überdachte diese letzten Tage. Der- lüfte über Verluste! AlleS, was er in der letzten Zeit angefangen und gut begonnen, hatte sich ins Gegenteil verwandelt. Der Kauf des Wald­bestandes, den er schon zu schlagen 'begonnen hatte, war ein verkapptes Geschäft gewesen. Der Staat mengte sich ein. Er hatte die Verkäufer verklagt und viel Geld dabei verloren. Es hatte sich gezeigt, daß die Papierfabrik eine völlig unrentable Sache war. Run stand sie schon seit längerer Zeit zum Verkauf. Kein Mensch hatte 3nteresse daran. Die Aktien der Hubana-Gesell- schaft, in denen er den größten TÄl seines Ver­mögens angelegt hatte, fielen, fielen, fielen. Die Glasfabrik von Fischer & Eo. hatte er mit äußerst empfindlichen Verlusten verkaufen müssen.

3d, so sah nun Lothar Emmerstorffs finanzielle Lage auS. Kein Zweifel, er war in dieser Zeit, da sein Verstand umnebelt schien, falsch beraten worden. Man hatte feine Zerstreutheit ausgenuht. Wan hatte sich seine Schwächen in abfdjeulidjcr Weise zunutze gemacht. .Der Boden schwankt bedenklich, Lothar, noch wenige solcher Ver­luste unt> du bist ruiniert, dachte er, während er durch die dunklen Straßen schritt, die sich bald mit grauer Morgendämmerung füllen würden.

Er dachte es, während er jetzt ein Mietsauto her bei rief, dem Chauffeur seine Wohnung nannte urw abgespannt in den Wagen kroch. Eine glühende Wut brach in ihm durch: Diesem War- burg hatte er das alles zu verdanken. Er haßte ihn jetzt. Er wollte das weibische, ewig lächelnde PiEPcngesicht dieses Gauners nicht mehr sehen.

3m inneren Deä Wagens war stickige Luft. Es roch nach Staub und halb vermoderten Decken, so schien ihm. Er öffnete die Fenster. Die frische Luft pfiff ihm um das Gesicht und beschwichtigte die erregten Gedanken.

Auch seine Dankberater schienen bestochen zu sein. Wie? Schienen? Rein, sie waren es. Sie machten alle gemeinschaftliche Sache, dieser Warburg, Pranders, und wie sie alle hießen. Er warf die angerauchte Zigarette zum Wagenfenster hinaus.

Als er daheim an feinem Schreibtisch vvrbei- ßing, fiel sein Blick auf ein Schriftstück. Es war

Die Aendenmg des Msatzsteuergesetzes.

Don Steuerinspektor Frees, Gießen.

Durch Artikel VII des Gesetzes zur Aendemng des Bicrsteuergesctzes vom 15. April 1930 (Reichsgesetzblatt I Seite 136) hat auch daS 11 m - sahsteuergesetz in tariflicher Hin­sicht Aendorungen erfahren. Diese Aenderungen treten mit Wirkung vom 1. April 1930 in Kraft und sind hiernach von dem Steuerpflichtigen erst­mals bei der Abgabe der Voranmeldun­gen für das zweite Vierteljahr deS Kalenderjahres 19 30 zu beachten.

Die einschneidentste Aendemng ist die Er­höhung der Steuer von seither 7,5 vom Lausend der steuerpslichtigen Umsätze auf 8,5 vom Tausend. Eine weitere Erhöhung tritt noch bei den Unternehmen ein, deren Gesamtumsatz einschließlich des steuerfreien Umsatzes im jeweils Dorangegangenen Steuerabschnitt eine Million Reichsmark überstiegen hat. Die Steuer beträgt bei derartigen Unternehmen 13,5 vom Tausend für den den Betrag von einer Million überstei­genden Teil deS gesamten steuerpflichtigen llm- satzes, sofern die Umsätze überwiegend im Einzelhandel erfolgt sind. Bei den viertel­jährlichen Voranmeldungen oder Dorauszah- lungsfestsehungen ist baßer jeweilig ein Betrag von 250 000 Mk. lediglich der Umsatzsteuer von 8,5 vom Taufend zu unterwerfen. - Sofern bei derartigen Unternehmen die Umsätze nicht überwiegend im Einzelhandel getä­tigt werden, beträgt die Steuer nur von den im Einzelhandel erfolgten Umsätzen 13,5 vom Tau­send, während für die übrigen Umsätze der all­gemeine Steuersatz vom Tausend in Betracht kommt. Aus den Aufzeichnungen dieser Unter­nehmen muß jedoch zu ersehen sein, wie sich die Entgelte auf die Umsätze, für die verschiedene Steuersätze bestehen, verteilen. Geht dies nicht aus den Aufzeichnungen hervor, so kommt die er­höhte Steuer in Betracht.

Rach der Verordnung rzur vorläufigen Durch­führung des Abänderungsgefetzes liegt Umsatz im Einzelhandel (im Sinne deS llmsatz- steuergesetzes) vor, wenn daS Unternehmen an einen Abnehmer liefert, der die Gegenstände weder zur gewerblichen Weiterveräußerung sei es in derselben Beschaffenheit, sei es nach vorheriger Bearbeitung oder Verarbeitung, noch zum Verbrauch bei der gewerblichen Her­stellung anderer Gegenstände oder zur Bewir­kung gewerblicher oder beruflicher Leistungen er­wirbt. Als Unternehmen, die überwiegend im Einzelhandel umsehen, sind diejenigen anzu- sehen, bei denen im vorangegangenen Steuerab­schnitt von dem Gesamtumsatz einschließlich des steuerfreien Umsatzes mehr als 75 Prozent auf Lieferungen der oben bezeichneten Art entfallen. Die Steuersätze von 8,5 und 13,5 vom Tausend finden nur dann Anwendung, wenn sowohl die Vereinnahmung des Entgelts, als auch die Lei­stung nach dem 31. März 1930 liegen. Entgelte, die jetzt eingehen, jedoch Lieferungen ober Lei­stungen betreffen, die vor dem 1. April 1930 aus­geführt wurden (Außenstände), find noch mit 7,5 vom Tausend zu versteuern. Es empfiehlt sich, derartige Beträge in den Aufzeichnungen be­sonders kenntlich zu machen und auf der Rück­seite der Voranmeldungen ober in einer beson­deren Anlage hierzu die Berechnung der Vor­auszahlungen besonders zu erläutern, sofern nicht der allgemeine Satz von 8,5 vom Tausend für alle Umfaße in Betracht kommt.

Bei Handlungsagenten und Maklern, sofern sie Bücher führen, sowie bei Privatgelehrten, Künst­lern und Schriftstellern wird die Steuer für die Umsätze ab 1. April 1930 nicht mehr erhoben, wenn die steuerpflichtigen Entgelte im 3ahre den Betrag von 18 000 Mk. (seither 6000 Mk.) nicht übersteigen.

Gerade von den höchsten Regierungsstellen wird besonders in jüngster Zeit Die Tugend der Sparsamkeit gepriesen, und zwar dann am lautesten, wenn das Defizit im Reich und in den Ländern erschreckend hoch ist und die Finanz­minister schlaflose Rächte dem Problem widmen, woher sie neue Steuern zur Deckung bekommen sollen. Allmählich hat man sich in breitesten Dolkskreisen schon daran gewöhnt, diese 3ere» miaden unserer Minister nicht mehr ernst zu nehmen. Troy der so katastrophalen Finanz­lage in Reich, Staat und Gemeinden bringt keine Regierung und keine Partei den Mut auf, rücksichtslose Sparsamkeit und die auS mehr ober weniger berufenem Munde vorgetragenen Grundsätze, die das arme steuerzahlende Volk schon bis zum Ueberbruß gehört hat, energisch i n die Tat umzusehen.

3m Hauptausschuß des Preußischen Landtages hat man erst in biefen Tagen wieber bei der Etatsberatung die Kosten für biepreu- ßische Gesanbtschaft in München für das 3ahr 1930/31 bewilligt. Ohne Zweifel war es Rücksichtnahme auf die bayerische Empfind­lichkeit, die die Streichung der Kosten als Brüs­kierung empfunden hätte. Ebenso hat man im Hessis chen Landtag die Forderung des volksparteilichen Etatsredners nach Aufhebung der durchaus überflüssigen hessischen Ge­sandtschaft in Berlin von der Koa­lition und Regierung abgelehnt. Hier wäre eine Gelegenheit gegeben, den Anfang mit dem Ab­bau einer Einrichtung zu machen, die im Zeit­alter des Autos, des Fernsprechers, des Radios

der Kaufvertrag der Glasfabrik von Fischer und Genossen. Er flog ihn mit raschen Blicken durch. Lothar lachte höhnisch über sich selbst. War er denn noch der gewiegte und schlaue Kauf­mann von ehedem? Er war kaum noch ein schwaches Abbild von dem einstigen genialen Großindustriellen, der alle die tausend Fäden der verschiedensten Betriebe, die durch seine Hände liefen. Dirigierte, meisterte, und mit einem ein­zigen Blick überschaute. Run war da eine Frau gekommen und hatte ihm in einer Stunde des Wahnsinns gesagt, sie könne nicht mehr mit ihm Zusammenleben, war gegangen und hatte ihn allein gelassen, und diesen haltlosen Men­schen aus ihm gemacht. Der Großindustrielle verlor seine Lebensaufgaben, seinen Beruf aus den Augen und verlor sich selbst in süßen Tände­leien mit einer Filmschauspielerin! Und da kam ein junger Bursche, früherer Angestellter von ihm, übertölpelte ihn und nahm ihm mit List das Geld aus der Tasche.

Plötzlich stieg eine herbe Bitterkeit zu Kon- stanze in ihm auf, verwandelte sich in Groll. 3a, das war es also, er grollte Konstanze. Er Zürnte ihr, daß sie von ihm gegangen, baß sie tßn uferlos gemacht, so baß er nun baßintrieb in einem Strome des Wahnsinns, der Unüber­legtheit und der Leidenschaften.

Seine Blicke trafen ein Bild Konstanzes. Es hing dort an der Wand über dem Zeitungs­ständer und stellte sie bar in einem einfachen Sportkostüm. Er entsann sich, wie er dieses Bild ein ft ausgenommen, bei einem Ausflug nach der Hasenheide. Verrauschte Tage! Er betrachtete das Bild immer noch und seine Stirn legte sich in Falten. .Du allein bist schuld an meinem Ruin, murmelte er. .Du gehörtest an meine Seite und stießest mich aus unerklärlichen Launen heraus von Dir. 3hn ärgerte plötzlich ihr ernstes Gesicht, das sie auf der Photographie zeigte. Es war etwas Anklagendes in diesen so selten lächelnden Zügen. Es war etwas Resi­gniertes und der Welt Entsagendes in diesem Antlitz.

Wie eine Madonna sah sie aus. Sie hatte vielleicht stets zu wenig gelacht!Hätte sie öfters ein Lächeln gezeigt, wäre vielleicht unser ganzes Leben ein anderes geworden! Vielleicht liegt ein gut Teil unseres Schicksals an unserem Ge­sichtsausdruck! Er schüttelte den Kopf und be­kam beinahe Furcht vor sich selbst. Wohin ver­loren sich wieder seine Gedanken? Er hatte sich m letzter Zeit öfters Dabei überrascht, Daß er ganz groteske Schlüsse zog, unD er mußte immer mehr erkennen. Daß er ein Verlorener war. Er sah noch immer Konstanzes vorwurfsvollen Blick auf sich gerichtet. Da nahm er das Bild» von Der Wand. Run sah sie ihn nicht mehr an. Da erschrak er heftig, Denn er fühlte eine eisige Leere in diesem Raum, und schnell und

und des Flugzeuges überhaupt nur noch ein historisches Derwaltungsrudiment ist. Oder sollte man Den ketzerischen GeDanken äußern Dürfen, Daß es Doch gar zu schön ist, ParteifreunDe, die besondere Verbienste aufzuweisen vermögen, durch Die Stellung und Den Titel eines Gesandten, Dem noch Die alte Exzellenzherrlichkeit stark an­haftet, zu belohnen unD zu erfreuen?

3 in Au slanD erregt Dieser Zopf, Der dem deutschen Michel immer noch hängt, mehr als nur Er­staunen. Sehr leicht entwickelt sich dort in gewissen Köpfen, welche die deutschen Zustände mehr nach Äußerlichkeiten beurteilen, die Vor­stellung, als ob es mit der staatlichen Einheit bei uns doch nicht zum Besten bestellt sei. 3n Der Tat kann es im einigen Frankreich, England, 3talien, in Den Vereinigten Staaten usw. nicht den Eindruck machen, als ob Bayern, Hessen und Preußen Glieder eines Reiches seien, wenn sie gegen­seitig, wie ausländische Mächte, durch Gesandte miteinander verkehren, sich Roten zustellen und sogar, wie im Falle Bayern-Reich, die diplo­matischen Beziehungen zeitweilig unterbrechen. Die weitesten Volkskreise betrachten diese diplo­matischen Spielereien anders kann man sie wohl nicht nennen mit ständig w achs en dem Mißmut. Die Rotlaae ge­rade der Länder, wo so viel von Verwaltungs­vereinfachung unb Sparsamkeit geredet wird, er­fordert ernsthafte Einschränkung Der Ausgaben, denn wir haben fein Geld, um zweifelhafte Bedürfnisse des staatlichen Luxus zu erfüllen.

scheu brachte er Konstanzes Bild wieder an Den alten Platz.

Er warf sich in einen Sessel und rauchte und trank. Er überschlug in Gedanken die Verluste Der letzten Zeit und erkannte, Daß weit über Die Hälfte seines Vermögens verloren war. Den Rest wenigstens hatte er gut angelegt. Er steckte in Der Villa 3ulias auf Der Babelsberger Straße. Run verlor er sich wieder in Betrach­tungen, ob er sich nicht von Konstanze scheiden lassen und 3ulia die Ehe anbieten solle. Er hatte oft in letzter Zeit mit diesen Gedanken gespielt. Er hatte sie verworfen und wieder auf­gegriffen. Schließlich hatte er sich zu vollster Klarheit durchgerungen: Er würde Die ScheiDung einreichen. Er wollte alle SchulD auf sich nehmen. 3ulia würDe einwilligen. Das war ihm voll­ständig klar.

Aber noch, so schien ihm, war die Zeit für einen Antrag nicht gekommen.

8.

Am nächsten Tage holte Emmerstorfs 3ulia mit Dem Auto ab und sie fuhren nach PotsDam.

3ulia erkannte zuerst Die Villa nicht toieDer. Es schienen Fassabenteile angebaut worDen zu sein. Ileberflüssiges Schnörkelwerk war abge­nommen worden. Die Auffahrt hatte man ver­breitert.

3ulia hatte glänzende Augen, als sie mit Lothar durch Den blühenden Vorgarten schritt, in Dem Gärtner unD Wegmesser ncch eifrig tätig waren.

3n den Gemächern Des Erdgeschofses wurden noch Die Seidentapeten gespannt und Die Wände getäfelt Es roch im ganzen Hause nach Farbe und Lack. Die 3nnenarchitekten verneigten sich vor Emmerstorff wie vor einem König, küßten 3uüa Die DuftenDe HanD und versicherten, in spätestens vierzehn Tagen könne das Haus be­zogen werden.

Lothar Emmerstorff hatte an alles gedacht. Den größten Raum des ersten Stockwerkes hatte er zu einem geschmackvollen Konzertsaal Her­richten lassen. Es gab hier ein Podium für die Kapelle. 3n einer versenkbaren Rische war ein Radio-Saallauttprecher eingebaut worden.

Dieser Saal birgt ein besonderes Geheimnis, rief Lothar und drückte auf einen Knopf an der Wand. Sieh an! Don der Decke herab, aus einem unsichtbaren Versteck, rollte sich eine weiße Leinwand herab, legte sich vor das Konzert- Podium und wurde automattsch gestrafft.

Hier also werden die Uraufführungen deiner Filme stattfinden. Dor gelaßenen Gästen. Keine Filmdiva Europas hat etwas derartiges aufzu- toeifen.

Er ließ die Projektionsfläche wieder ver- lchwinden. Da trat Ferdinand Götz, der Archi-

Man kann nur wünschen, daß die jeweils bei allen sich bietenden Gelegenheiten gestellten An­träge auf Abschaffung der innerdeutschen Ge- sandttchaften, das nachstemal eine überwälti­gende Mehrheit finden werden nach außen als Bekenntnis der innigsten Zusammengehörigkeit Der deutschen Stämme im Deutschen Reich und nach innen als ein Zeichen ernsthaften Sparsam­keitswillens.

Oberheffen.

Oie Beisetzung des Medizinairais Vogt.

pb. Butzbach, 29. Mai. Die Beisetzung un­seres Ehrenbürgers Medizinalrat Dr. Vogt am gestrigen Tage gestaltete sich zu einer überaus großen Trauerkundgebung für den Verstorbenen. Waren doch nicht weniger als 40 KriegervereinS- aborDnungen Der näheren und weiteren Um­gebung mit Fahnen erschienen, um Dem ver­storbenen Kameraden das letzte Geleit zu geben. Diesen schlossen sich eine Abordnung des Turn­vereins von 1846 mit Fahne, sowie Die hiesigen Vereine, deren Mitglied der Verstorbene war, und Die Freiwillige Sanitätskolonne an. Hinter: dem Wagen, der Die sterbliche Hülle deS Ent­schlafenen zur letzten Ruhestätte führte, reihten sich Die Angehörigen, Der Bürgermeister Der Stadt Butzbach nebst Stadtvat, sowie die Ver­treter der auswärtigen Verbände und Vereine, sowie viele Leidtragende ein. Unter Den Klängen Der Feuerwehrkapelle bewegte sich Der Zug durch Die dichtbesetzten Straßen der Stadt zum nahen Friedhof. Bei präsentiertem Gewehr und ge­senkten Fahnen wurde Die sterbliche Hülle Der ErDe übergeben, während Die Klänge Des LieDes vom guten KameraDen ertönten. Der Geistliche, Pfarrer LinDenstruth, schilDerte im An­schluß an Den Biboltext:Unser Leben währet 70 3ahre und wenn es hoch kommt, sind eS 80 3ahre", in ergreifender Weise Das Leben und Wirken Des Entschlafenen. Rach Der Ehrensalve für Den Kriegsveteran von 1870/71 folgten Die überaus zahlreichen KranznieDerlegungen, von Denen hier erwähnt seien: Ramens Der Stadt Butzbach legte Bürgermeister Dr. 3 a n f c n einen Kranz mit ehrenden Worten nieder, seitens DeS KirchenvorstanDes Der erste Geistliche, Pfarrer Schneider, für Die Kriegerkameradschast Hassia Generalleutnant a.D. v. OiDtmann. seitens des Hassia-Bezirks Butzbach-Bad-Rau- heim Dessen zweiter Vorsitzender, Schäfer, BaD-Rauheim, namens Des Reichskriegerbundes Kyffhäuser ein Vertreter, für Den Deutschen Apo­theker-Verb anD Dr. S a l z m a n n, Berlin, seitens bcS Hessischen Apothekerverbandes, S k r i b a, Reinheim, seitens Der meDizinischen Fakultät Der Landesuniversität Deren Dekan Prof. Hilde- branD, seitens Des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz und Alice-Frauenvereins Geh. Rat v.Hahn, Darmstadt, seitens DeS Turn­vereins dessen erster Sprecher Dr.Rau, für Den D. A. V. OberftuDienDireltor Dr. Dinzel, seitens Der Deutschen Dolkspartei deren Ver­treter, Landtagsabg. Schott, usw. Dec Bei­setzung auf Dem FrieDhof folgte seitens Der Kriegervereine eine interne Rachfeier im Großen Saal desHessischen Hofes", wo Generalleutnant a. D. b. OiDtmann nochmals in bereDten Wor­ten Die Verdienste des Verstorbenen um das Kriegervereinswesen würdigte.

Landkreis Gießen.

* Li ch, 31. Mai. Einem jahrzehntelang be­stehenden schönen Brauche folgend, unternahm der unter Leitung des Lehrers Karl Stein stehende GesangvereinRothscher Männer-

tekt, ein. Er nahm das EinglaS aus Dem Auge und beugte sich über 3ulias Hand.

Dieser Herr ist Der Schöpfer dieser Prächtig­keiten", sagte Lothar zu 3ulia.

..Sie sind Der größte Künstler, Den ich je gesehen habe, Herr Götz", lobte sie gnäbtg unD Der Architekt verbeugte sich abermals, ohne eine Miene zu verziehen.

Es freut mich ganz besonders, 3hren Beifall zu finden, gnädiges Fräulein", entgegnete Ferdi­nand Götz im Bewußtsein seines Könnens und wendete sich dann mit Der Frage an Emmerstorff, ob er bereits Das herrschaftliche Dod und Die BaDeanlagen für Das Personal besichtigt habe.

Der Daderaum schien 3ulia Der Glanzpunkt Des Hauses zu fein. Er befaß runde Form, wie ein kleiner griechischer Tempel und war ganz aus weißem Marmor. Es gab hier eine künst­liche Regcneinrichtung und em sinnreich gebauter Apparat konnte künstliche Sonnenstrahlen er­zeugen.

3st 3hnen Der weiße Marmor recht?" fragte Ferdinand Götz 3ulia mit ehrfurchtsvoller Stimme.

3ch finde ihn herrlich!"

Wir hatten nämlich erst zwischen Marmor und bunten Fliesen geschwankt", erklärte Emmer­storff, und zu Dem Architekten gewendet, fuhr er anerkennend fort:Sie haben wieder einmal 3hren sprichwörtlich guten Geschmack bewiesen, Herr Götz."

Der Architekt küßte 3ulia Die Hand. Er müsse noch nach Den Malern im obersten Turmgemach sehen, man käme Dort ohne seine Anweisungen nicht recht vorwärts.

Die elegante Gestalt des großen schlanken, Mannes verneigte sich ein wenig vor Lothar.

3ulia sah ihm nach. Sie beobachtete, wie er im Gehen wieder sein Monokel eintlemmte und indem sie mit dem Zeigefinger nach ihm Deutete, lachte sie:

Der Da gefällt mir!

Sie schritt neben Lothar in ihren Mantel gewickelt mit ihrem wiegenDen Gang durch Die Säle unD Gemächer. Die nähere Ausstattung Des Schlafgemaches und Der Zimmer, in Denen s«h 3ulta meistens aufhielt, sollte sie selbst be­stimmen. Sie überlegte kurz und klug und wählte Das Schlafzimmer in mattrosa Farben. Das Speisezimmer sollte in Braun-Gold gehalten werden.

3edeS Zimmer hatte besonderen Fernsprech­anschluß, Der mit einer allerletzten Reuheit Der» biniDen war. An jeDem Apparat nämlich befand

Fernseher. 3ulia konnte auf einer kleinen MilchglaSscheibe neben Dem Telephon Die Person, mit Der sie gerade sprach, sehen. Diese Einrich­tung entzückte und begeisterte sie.

(Fortsetzung folgt.).