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Gandhi schreibt an den Vizekönig.
TerKeldzug des zivilen Ungehorsams.
London. 2.3unL lWTB Funkspruch.) Der Sonderkorrespondent des .Daily Herold" in Simla meldet: Gandhi hat aus dem Gefängnis einen 'Brief an den Vizekonig geschrieben, in dem er feinem Bedauern über ie gewalttätigenZwischensälle Ausdruck gibt, die auf seinem Feldzug zugunsten des zivilen Ungehorsams gefolgt sind. Gandhi lehnt alte Verantwortung dafür ab und bekräftigt erneut, daß seine Anhänger entschlossen seien, an dem Grundfad des passiven Widerstandes fest zuhalten. — Außer einer formellen Bestätigung wird das Schreiben Gandhis keine Antwort erhalten: die Behörden scheinen fest entschlossen zu fein, sich nicht auf schriftliche oder mündliche Verhandlungen mit den indischen Führern einzulassen, bis die Bewegung des zivilen Ungehorsams unterdrückt ist. Der Berichterstatter bemerkt, die vielleicht Ernsteste Seite des Konflikte- sei die wachsende Bitterkeit gegen Europäer, sowie dieVerschärfungdesBoh- kotts britischer Waren.
Der als lehtcr gedachte Angriff auf das SalzdePot von Wadala nahm riesige Ausmaße an. Die Zahl der Teilnehmer, die sich zu Fuß oder auf Lastkraftwagen vorwärts bewegte, betrug über 1500 0. Trotz der polizeilichen Verstärkungen und der Anwesenheit bewaffneter Polizisten wurde eine Bresche in den Absperrungsring geschlagen. Aach einer Warnung gingen die Polizisten mit Stöcken vor und vertrieben einen Teil der Menge. 25 Teilnehmer am Angriff wurden verletzt. 40 Personen, darunter mehrere Frauen, wurden verhaftet. Einigen ist cs gelungen, trotz der Wachsamkeit der Polizei in die Absperrbezirke einzudringen und Salz mitzunehmen, das sie unter den Rufen .Wir haben die Salzgesetze gebrochen" zur Schau stellten.
Sparförderungen der Wirlschastspartei
Berlin, 31. Mai. (Tel.-Un.) Die Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei hat zur Beratung des Reichs Haushaltes des Reichstages einen Antrag eingereicht, in dem die Reichsregierung ersucht wird, spätestens bis zum Herbst einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Zahl der R e i ch S t a g s a b g e o r dn e te n auf 350 vermindert, das Wahlrecht auf 24 Jahre sestseht und bestimmt, daß die Aufwandsentschädigungen für Abgeordnete, die durch Ausübung ihres Mandats keine wirtschaftlichen Bachtcilc haben, um 50 Prozent gekürzt werden.
Aus aller Well.
Gedenkfeier der Seeschlacht am Skagerrak in kiel.
Aus Anlaß der 14. Wiederkehr der Seeschlacht am Skagerrak fand auf dem Ehren fried- hof der Marinegarnison in Wik eine Gedenkfeier statt. Aach Ansprachen des protestantischen und des katholischen Marinepfarrers legte der Chef der Marinestation der Ostsee, Konteradmiral Hansen, sowie Vertreter der Marrnevereine an dem mit Fahnen geschmückten Ehrenmal Kränze nieder. 3n Wik fand eine Parade statt, nach der Konteradmiral Hansen eine Ansprache hielt, in der er des großen Tages gedachte.
Hindenburg in hoppegarlen
Die Rennbahn in Hoppegarten stand am Sonntag im Zeichen des Hindenburg-Rennens. Der Besuch des Reichspräsidenten hatte einen Massenbesuch herbeigelockt. Kurz vor 16 Uhr traf der Reichspräsident auf der Bahn ein, wo er von Gras von Arnim zur Ehrenloge geleitet wurde. Anwesend waren namhafte Vertreter des Renn« sports: außerdem bemerkte man den englischen und den amerikanischen Botschafter sowie den dänischen Gesandten. Das Hindenburg-Rennen gewann der populäre Ex-Champion Otto Schmidt, der noch vier weitere Pferde zum Siege steuerte.
Der Berliner Stadtrat Busch f-
Der in den großen Berliner Grundstücksskandal verwickelte frühere Berliner Stadtrat Paul Busch ist im Moabiter Krankenhaus an den Folgen einer allgemeinen Bierenoer» eiterung gestorben. Ueberraschend kam die Todesnachricht den Untersuchungsbehörden, die mit der Aufklärung der städtischen Korruptions- affärc beschäftigt sind. In einer Konferenz, unter Vorsitz des Generalstaatsanwalts, will sich die Untersuchungsbehörde schlüssig werden, in welcher Weise die Ermittlungen jetzt fortgesetzt werden sollen.
Internationale Pelzsachausstellung.
In Leipzig wurde die erste Internationale Pelz- und Iagd-Ausstellung (IPA) eröffnet. Unter den etwa 3000 Ehrengästen waren u. a. der sächsische Ministerpräsident Schieck, der thüringische Ministervräsident Baum und viele Vertreter des Auslandes erschienen, darunter der englische Botschafter und die Gesandten von Argentinien, Finnland, Rumänien und Iugo- slawien. Ministerpräsident Schieck erklärte u. a. Leipzig blicke auf diesem Gebiet auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Seine Stärke liege im Sortiment. Es sei die Rauchwaren- sortenstadt der Welt, wahrend die anderen großen Weltpelzzentren wie London, Aeu- york, St. Louis, Montreal, Chikago, Paris, andere wichtige Aufgaben für die Rauchwarenwirtschaft erfüllen. 3m Barnen der ausländischen Vertreter betonte der englische Botschafter Sir Horace R u m b o l d , daß derartige Ausstellungen wie sonst nichts geeignet seien, die Völker zu versöhnen und einander näherzubringen. Bach einer kurzen Besichtigung der Staatenhalle folgte die besondere Eröffnung der Deutschen Iagd- a u s ft e l l u n g durch ihren Protektor Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg. Der sächsische Finanzminister Dr. Hedrich unterstrich namentlich den volkswirtschaftlichen Wert derIagd und betonte die ethische und menschenverbindende Bedeutung der Iagd. Bach- dem der finnische Gesandte Wuolijoki Grüße und Glückwünsche namens der an der Deutschen Iagdausstellung beteiligten Staaten, insbesondere namens der anwesenden Botschafter und Gesandten übermittelt hatte, wurde nach kurzer Ansprache des Präsidenten des Reichsjagdbundes, Prinz von Isenburg, ein Rundgang durch die Ausstellung angetreten.
Aus der provinzialhaupistadi.
Gießen, den 2.3uni 1930.
Gepackverkehr Reichsbahn — Kr astpost
Wit Wirkung vom l.Iuni 1930 wird versuchsweise eine unmittelbare Abfertigung von Personen und Reisegepäck zwischen größeren Bahnhöfen der Deuttchen Reichsbahn und etwa 50 Postanstalten an Kraftwagenstrecken der Deutschen Reichspost ein» geführt. Für die Personenbeförderung werden getrennte Fahrausweise für Eisenbahn und Kraftpost ausgegeben: die Abfertigung von Gepäck erfolgt aber auf durchgehenden Gepäckschein. Die Bahnhöfe verkaufen Eisen- bahnfahrkarten nach dem Uebergangs- bahnhof zur Kraftpost st recke und zugleich K r a f t p o st f a h r k a r t e n für die Kraftpost- strecke. Die Postanstalten an Kraftpoststrecken geben Kraftpostfahrkarten für die Kraft- poststrecke aus und zugleich gewöhnliche Eisen» bahnfahrkarten 2. und 3. Klasse des Reichsbahn-Binnenverkehrs vom anschließenden Heber- gangsbahnhof ab. Die Kraftpostwagenführer selbst geben weder durchgehende Fahrkarten aus, noch fertigen sie Gepäck durchgehend ab. Auf der Kraftpost besteht ein Anspruch auf Beförderung nur, soweit Plätze verfügbar sind. Fahrtunter» brechung ist auf der Kraftpost nicht gestattet. Als Handgepäck dürfen nur solche kleinen Gegenstände mitgenommen werden, die andere Reisende nicht belästigen. Als Reisegepäck werden von der Eisenbahn die Gegenstände durchgehend abgefertigt, wie sie im Tarif bezeichnet sind, das einzelne Gepäckstück darf aber nicht über 50 Kilogramm wiegen. Von den Postanstalten werden die Gegenstände durchgehend als Reisegepäck befördert, die nach den Bestimmungen der Reichspost als Reisegepäck angenommen werden.
Für den Versuch kommen zur Zeit nur folgende Krastpo st st recken im Bezirk der Reichsbahndirektion Frankfurt in Betracht: Cronberg— Königstein und Bad Schwalbach—Bassau. Einbezogen in den Versuch werden die Bahnhöfe Bad Ems, Bad Homburg, Bad-Bauheim, Bebra,^Betzdorf, Diez, Dillenburg, Frankfurt-HB., Frankfurt-Ost, Friedberg, Fulda, Gießen, Ha- nau-HB., Herborn, Hersfeld, Frankfurt a. Bl.» Höchst, Limburg, Offenbach, Siegburg und Wehkar.
3um Roggenproblem
Don der Ortsgruppe Gießen des Deutschen De« amtenbundes wird uns folgende Entschließung mitgeteilt:
„Der Hilferuf der deutschen Landwirtschaft soll auch von der Beamtenschaft nicht unbeachtet bleiben.
Wir wollen nicht, daß, wie in den letzten Jahren, weiter für Milliarden Weizen eingeführt wird, während in Deutschland von den letzten besondern guten Ernten noch 3 Millionen Tonnen = 60 Millionen Zentner Roggen unverbraucht im Lande lagern.
Es soll ja ein „Roggengesetz" kommen. Aber das genügt nach unserer Ansicht allein nicht. Es müssen sich alle Organisationen von großen Berbraucher- kreisen beteiligen, für einen erhöhten Roggen- brotverzehr zu werben.
Das Ortskartell Gießen ruft deshalb alle ange- fdjloffenen Beamten in Gießen-Stadt und Gießen- Land auf, diesem Problem erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken, den täglichen Bedarf an Brot nur durch Roggenbrot zu decken und dadurch nicht allein unserer notleidenden Landwirtschaft fühlbar zu helfen, sondern auch unsere Handelsbilanz noch mehr aktiv zu gestalten.
Die Bäckermeister von- Gießen und Umgebung bitten wir, dura) Lieferung eines einwandfreien, schmackhaften Roggenbrotes und entsprechenden Kleingebäcks, unsere Bestrebungen, das nach Gut- achten namhafter Aerztc und Ernährungswisfen- schaftler sehr gesunde und bekömmliche Roggenbrot immer mehr im Interesse des Gefamtwohls des deutschen Volkes einzuführen, zu unterstützen.
Slumenschmuck-Wettbewerb In Gießen.
Wie der „Gießener Anzeiger" am vorigen Mittwoch berichtete, beabsichtigt der Verkehrsund Verschönerungsverein einen Blumenschmuck-Wettbewerb wie in früheren Jahren zu veranstalten, zu dem zahlreiche Preise für die besten Leistungen in Aussicht genommen sind. Damit die Opfer, die der Verein im öffentlichen Interesse bringt, vor allem aber auch die Opfer, welche die Bürgerschaft leistet, von Erfolg gekrönt seien, sollen hier diejenigen Punkte kurz erwähnt werden, auf die es bei der Sache ankommt.
Vor allem ist zu betonen, daß es zur Bepflanzung und Beschaffung von Kästen noch nicht zu spät ist, selbst wenn bis zur vollendeten Tat noch - acht bis vierzehn Tage vergehen sollten. Erst beim Eintritt sommerlicher Wärme, die wir bisher entbehren muhten, setzt das Wachstum der in betracht kommenden Gewächse voll ein. Sodann stelle man sich die zu bringenden Ausgaben nicht zu hoch vor. Wer sich die Kosten für Geranien, Fuchsien, Hortensien und ähnliche Gewächse, die eine Durchwinterung erfordern, nicht leisten kann — und das ist in einer Zeit, wo Sparsamkeit mehr als jemals als Tugend anerkannt wird, keine Schande —, der findet in den billigen Petunien einen vollwertigen Ersatz. Diese bringen bei genügender Bohrung und Wassergabe einen so reichen und entzückenden Flor, daß man im Zweifel sein kann, welche Art von Blumen die wertvolleren sind. Fünf bis sechs Pflanzen sind ausreichend für einen Bieter Fensterbreite. Die Erde entnehme man nicht etwa dem eigenen ©arten, denn diese ist in allen Fällen zu rauh und mager, sondern lasse sie sich vom Gärtner geben. Auch die gebrauchte Erde vom Vorjahr taugt nicht. Auf einen Kasten rechnet man eine Handvoll Hornspäne als Vorratsdünger, nicht mehr. Ieder andere Dünger, namentlich Mineraldünger. ist ängstlich zu vermeiden. Als wirkungsvollste Farbe gilt helles Bot in jeder Schattierung, Blau und dunkles Rot ist nur wirksam in Verbindung mit Weiß. Für sich allein sind dunkle Farben in eben solcher Umgebung zu tot. Der Giehrand der Gesäße fei reichlich bemessen, damit man, wenn es einen heißen Sommer gibt, durchdringend bewässern kann. Ueberaus wichtig und ausschlaggebend ist die Bachdüngung von Ende Juni ab in Form flüssiger Bahrung, die man von diesem Zeitpunkt ab wöchentlich verabreichen soll. Wo die Oertlichkeit es gestattet, verwende man Schlinggewächse, Winden, Glocken» reden, wohlriechende Wicken, auch Blumenbohnen. Man beachte in diesem Falle aber, daß dem Wachstum entsprechend auch die Erdmenge eine größere sein muh. R.
taten für Montag, 2. Juni.
Sonnenaufgang 3.50 Uhr, Sonnenuntergang 20.06 Uhr. — Mondaufgang 9.17 Uhr, Monduntergang 0.33 Uhr.
1850: der Maler Fritz August von Kaulbach in München geboren: — 1863: der Komponist und Musikdirigent Felix von Weingartner in Zara geboren.
taten für Dienstag, 3. Juni.
Sonnenaufgang 3.49 Uhr, Sonnenuntergang 20.7 Uhr: Mondaufgang 10.46 Uhr, Monduntergang 0.54 Uhr.
1844: der Dichter Detlev v. Liliencron in Kiel geboren; — 1864: der Dichter Otto Erich Hart- leben in Klausthal geboren. — 1871: Elsaß» Lothringen wird deutsches Reichsland: — 1875: Der Komponist Georges Vizet.in Bougival gestorben.
Äornotizcn.
— Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Sprech-, Gesangs- und Tonfilm .Wien, du Stadt der Lieder".
— Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Am 10. Juni beginnt die Sommerspielzeit mit der Erstaufführung von Fred A. Angcr- mayers Volksstück »Flieg', roter Adler von Tirol!"
— „Bl ärchen — Volkslied — ©Dange- lium“, Jugendtreffen zur Pfingst- feier. Man teilt uns mit: In Marburg findet In den Pfingsttagen vom 7. bis 10. Juni ein Iugendtrefsen statt, zu dem die Iugend aus allen Lagern eingeladen ist. Die Besprechungen, die an den Vormittagen und Bachmittagen stattfinden, sollen zum Thema haben: „Blärchen — V o I ks» lied — Cvangelium“. Sie werden jeweils durch zwei kurze Beiträge eingeleitet, an die sich freie Rundgespräche anschließen sollen. Zugleich soll das Singen sowie die Pflege von Musik und Spiel überhaupt eine wesentliche Rolle spielen und dem Ganzen den freudigen Psingstcharakter verleihen. (Siehe Anzeige vom Samstag.)
•• Evangelisch-kirchliche Personalien. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrverwalter U h l zu Breungeshain die evangelische Pfarrstelle zu Breungeshain, Dekanat Schotten, übertragen, und Pfarrer Emil W c * bet ju Holzheim aus sein Bachsuchen mit Wirkung vom 1. August 1930 aus dem Dienst der Hessischen Landeskirche entlassen.
•• Hohe Auszeichnung o berhessisch e r Markenmilchbetriebe. Die Bemühungen zur Versorgung unserer Bevölkerung mit einer den modernen Anforderungen entsprechenden Qualitätsmilch haben auch in diesem Iaht wieder zu beachtenswerten Erfolgen geführt. Aus der diesjährigen Ausstellung der D. L. G. in Köln wurden für ihre Vorzugsmilch (Rohmilch) wieder mit ersten Preisen die Güter „Universitäts-Versuchsgut Unterer Hardthof" Gießen und Hofgut Friedeihausen bei Lollar ausgezeichnet. Siehe Anzeige in unserer Samstag-Ausgabe.
Eine 85jährige. Am morgigen Dienstag, 3. d. M., kann unsere Mitbürgerin Frau Karoline Hirsch, Marktstrahe 32 wohnhaft, in geistiger und körperlicher Rüstigkeit den 85. Geburtstag begehen.
Gutes Einvernehmen zwischen VermieterundMieter. Am 1.3 uni waren es 50 Iahte, daß sich die Firma B. Pfeiffer W w e., Tonwarenhandlung, in dem Hause des Gesettschaftsvereins Reuen Baue 2 befindet. Gleichzeitig kann die Firma auf ein 55jähriges Bestehen ihres Geschäfts zurückblicken.
** Eine Beschwe t de gegen die Reichsbahn geht uns aus Watzenborn-Stein- berg zu. In dem Schreiben wird nicht mit Unrecht über eine erhebliche Benachteiligung der an der Station Schiffenberg interessierten Gemeinden geklagt. Die Zuschrift lautet: Mit dem Sommersahrplan wurde auf der Strecke Gelnhausen-Gießen ein Personenzug eingelegt, der um 17.19 Uhr in Gießen eintrifft. Die Einlegung dieses Zuges ist seht zu begrüßen und trägt einem schon lange bestehenden Bedürfnis Rechnung. Es ist auch zu erwarten, daß dieser Zug mit einer besonderen Inanspruchnahme durch die Bewohner der Vororte oder dort geschäftlich tätig gewesenen Personen rechnen kann. Unverständlich ist es daher, daß dieser Zug an der Station Schifsenbetg nicht hält. Welche Gründe hiergegen sprechen, entzieht sich unserer Kenntnis. Eä>iffenberg ist die Haltestelle für die Gemeinden Hausen und Watzenborn-Steinberg und des Ausflugsortes Schiffenberg mit zusammen über 3000 Einwohnern. Daß auf diese Gemeinden von der Reichsbahnverwaltung feiner» lei Rücksicht genommen wird, ist nicht gut erklärlich. Cs dürste doch wohl auch kaum in der Absicht der Reichsbahndirektion liegen, durch so verfehlte Verkehrsmaßnahmen für die bestehenden Autolinien zu werben.
Oderheffen.
Versammlungsverbot lür die Rational- sozia isten in Bad-Nauheim.
WSB. Bad-Bauheim, l.Iuni. Das hiesige Polizeiamt hat aufgrund des Reichsvereins- gcsehes vom 19. April 1908 bis auf weiteres für die Stadt Bad-Bauheim alle öffentlichen Kundgebungen Auf- und Umzüge, Durchmärsche und Versammlungen der Bationalsozia- listischen Deutschen Arbeiterpartei unter freiem Himmel, oder in geschlossenen Räumen verboten. Das Verbot wird mit den Vorgängen begründet, die sich in der letzten hier abgehaltenen öffentlichen Versammlung der B. S. d. A. P abspielten, deren Teilnehmer in Lebensgefahr kamen. Da mit weiteren derartigen Vorkommnissen zu rechnen war, bedeuten nach Ansicht der Polizei die Versammlungen der B. S. d. A. P. eine unmittelbare Gefahr nicht nur für die öffentliche Sicherheit, sondern auch für das Leben und die Gesundheit der Teilnehmer.
Kreis Ariedbcrg.
W2N. Bad-Nauheim, l.Iuni. In diesen Tagen kann die hiesige israelitische Religionsgemeinschaft auf das 100jährige Bestehen eines selbständigen Gottes dien st es zurückbUcken. Obwohl schon lange vorher — bestimmt seit 1464 — Juden in Nauheim wohnten, ließ sich ein Gottesdienst am Orte selbst nicht ermöglichen. Die Nauheimer Juden gingen deshalb bis zum Jahr« 1830 nach Friedberg in die Synagoge, von wo sie auch später noch ihre Lehrer und Vorsänger bekamen.
4- Vad-Bauheirn, 1. Iuni. In Ausübung seiner Praxis ist gestern unerwartet einer der bekanntesten hiesigen Badeärzte, Dr. B u r -
winkel, einem Herzschlag erlegen. Der Verstorbene, der im Alter von 65 Iahren stand, hatte unter den Kurgästen einen geschätzten Ruf. Sehr verdient hat er sich gemacht durch seine populär-medizinischen Schriften, die in allgemein» verständlicher Weise Fragen der Herz- und ©c- fähkranlheiten behandeln.
14 Verletzte bei einem Eisenbahn« Unfall in Oarmslabt.
Darmstadt, 1. Juni. (TU.) Am heutigen Sonntagvormittag wollte im hiesigen Hauptbahn» Hof eine Rangierabteilung von dem im Bahn» steig haltenden Personenzug Wiesbaden — Aschaffenburg einige leere Wagen abziehen. Dabei rannte die Lokomotive auf den Person e n z u g auf, so daß 14 Reisende leicht verletzt wurden. Sämtliche Passagiere konnten nach der ersten Hilseleistung ihre Reise fort- setzen. Der Materialschaden ist nur gering. Zu Betriebsstörungen kam es nicht. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.
Zreilichtspiele auf her Amöneburg.
WSB. Amöneburg, 31. Mai. Seit bet 1200-Jahrfeier der Stadt Amöneburg ging man daran, in den folgenden Jahren F r e i l i ch t - spiele aus der deuts ch.e n Vergangenheit zur Pflege des Heimatgedankens zur Aufführung zu bringen. In diesem Jahre haben sich die Amöneburger Laienspieler unter der Leitung von Willi B i r n ö i n o (Marburg) Fr. HebbelS „Bibelungen" zur Aufführung gewählt. Amöneburg, die Perle des Ohmtales, der aus der fruchtbaren Ebene so monumental aufragende Berg, hat sich in ein farbenprächtiges Frühlingskleid gehüllt, und in Anlehnung an die alte Burgmauer hat man eine kleine Festspielbühne geschaffen, die in ihrer Art ihresgleichen sucht. Landschaft und älteste Tradition dieser Berges- kuppe spielen mit, und etwa 100 Amöneburger Bürger bringen die Hebbelsche Dichtung zu einer starken dramatischen Wirkung. Von den Spielern seien besonders Richard Beppler als Siegfried, Elisabeth Bööelbronn als Brunhild« und Katharina Weber als Krimhilde genannt. Die Ausführung hinterlieh für ein Laienspiel einen nachhaltigen Eindruck.
Berliner Börse.
Berlin, 2. Juni. (WTB. Funkspruch.) Bach- dem es am Samstag hauptsächlich wohl auf Grund der herrschenden Geschästslofigkeit überwiegend etwas schwächer geworden war, könnt« sich im ersten Frühverkehr der neuen Woche ebenfalls noch kein Geschäft entwickeln. Kurse wurden noch nicht genannt, so daß die Tendenz als undurchsichtig bezeichnet werden muh. Am Devisenmarkt horte man London gegen Paris 123,94, London gegen Mailand 92,74 zu 92,76, London gegen Spanien 39,90 zu 39,95, London gegen Kabel 485,90, London gegen Berlin 20,36 zu 20,3625, Kabel gegen Berlin 4,1905.
Kunst und Wissenschaft.
Geheimrat Professor Dr. Rehn f.
In Frankfurt a. Bl. starb im 81. Lebensjahre der seit 1919 im Ruhestand lebend«, frühere Ordinarius der Chirurgie an der Universität Frankfurt und Direktor der chirurgischen Abteilung des Städtischen Krankenhauses, Geheimrat Professor Dr. Ludwig Rehn. Mit ihm ist einer der bedeutenden Chirurgen heimgegangen.
Oie Wetterlage.
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* Schnee o tiraupein eneoei K t>rw‘tt{r.(§)Wind$tilie.-Q-> sehr leichter Ost massiger ^uo$uawe$i Q stürmischer »ordwesl Ole Pfeile fliegen mit dem winde Oie oei oen Stationen stehenden Zah» len gehen die Temperatur an. Pie linken reromdeo Orte mit gleichet* lut rteeroniveau umgerechneten Luftdruck
Wettervoraussage.
Der hohe Luftdruck vom Süden her, welcher sich bis nach Mitteldeutschland ausdehnt, beherrscht die Wetterlage. Eine wesentliche Aenderung des Witterungscharakters dürfte nicht ftattfinden, jedoch besteht durch die flache Druckstorung im Westen die Möglichkeit zu vereinzelt aufkommenden Gewitterstörungen oder Niederschlägen.
Voraussage für Dienstag: Wolkig und aufheiternd, warm, Beigung zu einzelnen Gewitterstörungen oder Biederschlägen.
Aussichten für Mittwoch: Wenig Aew« derung der Wetterlage.
Lufttemperaturen am l.Iuni: mittags 22Grad Celsius, abends 15,8 Grad: am 2. Iuni: morgens 15,2 Grad. Maximum 23,3 Grad, Minimum 8,4 Grad. Biederschlag 0,1 mm. S<mnenschcindauer 10Vr Stunden. — Crdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. Iuni: abends 24,4 Grad, am 2. Iuni: morgens 15,8 Grad Celsius. /
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