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Landkreis Gietzerr.

X Klein-Linde n,1. Jan. Am heutigen Neu- jahrstag fand auf vielfachen Wunsch im Nachmittags- gvttesdienst von der Evang Madchenver- e i n i g u n g die Wiederholung des zu Weihnachten dargebotenen geistlichen Weihnachtskonzerts statt, Leitung Lehrer Rau, am Flügel Lehrer Roth. Auch diese Veranstaltung fand dankbare Aufnahme. Mit dem Jahresschluß ist unser seitheriger Polizei­diener Friedrich Jung im Alter von 70 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Im Jahre 1859 geboren, hat er im Alter von 30 Jahren das Amt des Polizeidieners übernommen und es vierzig Jahre lang mit großer Gewissenhaftigkeit versehen. Der alte Herr ist körperlich und geistig noch sehr rüstig.

ck. Heuchelheim, 31. Dez. Der Turn­verein Heuchelheim hielt in der Turn­halle eine Weihnachtsfeier für seine Schüler und Schülerinnen ab. Die von Lehrer Dr. Veidt geleitete Feier, die auch von den Eltern der Kleinen stark besucht war, nahm einen glänzenden Verlauf. Mit Begeisterung wurden die ver­schiedenen Vorführungen auf der Bühne von den Kleinen ausgenommen. Den Höhepunkt er­reichte die Stimmung, als der Vikolaus und das Christkind erschienen und ihre Geschenke an die über 200 Kinder verteiltem

L Wieseck, 31. Dez. Am Montagabend fand die letzte Sitzung des alten Gemeinderats statt. Auf der Tagesordnung stand als erster Punkt die Liquidation des Gemeinde­verbandes Wieseck-Alten-Duseck. Berbandsvorsteher Benner teilte mit, daß sich die Gemeiirderäte von Wieseck und Alten-Buseck in der gemeinschaftlichen Sitzung am 31. Oktober wohl über die sonstige Liquidation hätten einigen können, aber über die Liquidierung der Autohalle, die auf dem Gelände der Gemeinde Wieseck stehe, hätte keine Einigung erzielt werden können. Den­ner brachte den Vorschlag des Ausschusses des Gemeindeverbandes nochmals vor, wonach die Autohalle ab sofort von der Gemeinde Wieseck übernommen werden möge, und zwar zu dem Wert, der buchmäßig am 31. Dezember 1933 nach allen Abschreibungen entstehe. Dieser Wert wurde auf 10 140,20 Mk. errechnet. Von diesem Betrag erhalte Wieseck nach den Verbandssatzungen 3/t und Alten-Buseck 1/4. Zahle nun Wieseck das eine Viertel an Alten-Buseck, so könne die Liqui­dierung durchgesührt werden, denn dann sei die Einigung der Vertragspartner hergestellt. Dieser Vorschlag wurde von dem Gemeinderat Wieseck mit 7 Stimmen abgelehnt. Ein Gegenantrag, der besagt, der Gemeindeverband möge die Liqui­dation auf buchmäßiger Grundlage durchführen, die Autohalle bleibt aber so lange Eigentum der beiden Gemeinden Wieseck und Alten-Buseck, bis der Mietvertrag über die Autohalle mit der Kraftverkehrsgesellschaft Hessen abg:laufen ist und die Verteilung des erzielten Wertes wird dann nach dem Verteilungsschlüssel der Verbands­satzungen vorgenommen, wurde mit 6 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen angenommen. Der Genehmigung des Schuldscheines überein Darlehen von 35000 Mk. von der Hess. Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte Darmstadt wurde allgemein zugestimmt, da dieser Betrag unter günstigen Bedingungen ausgenom­men werden konnte. Ein Gesuch des Karl Weller IV. um Vergütung für einen von ihm erbauten Stall auf einem Gemeindeanwesen wurde der Baukommission überwiesen. Ein Mitglied der Fürsorgekommission führte Beschwerde über die undankbare Arbeit in dieser Kommission. Zum Schluß dankte Bürgermeister S ch 0 m b e r dem Gemeinderat für die von ihm in den vier Zähren geleistete Arbeit. Sein besonderer Dank galt denjenigen Mitgliedern der Gemeinderats, die nun ausscheiden. Zn kurzen Worten streifte er nochmals die in den letzten Zähren im Znter- esse der Gemeinde fertiggestellten Arbeiten. Mit einem Glückwunsch an alle fürs neue Zahr wurde die Sitzung geschlossen.

ff] Lollar, 2. Jan. Der hiesige Geflügel- undBrieftaubenzuchtverein ve.anstal- tet am 4. und 5. Zanuar anläßlich seines 25- jährigen Bestehens eine Zubiläumsschau. Vach den Anmeldungen ist eine gute Beschickung mit nur erstklassigem Material zu erwarten. Am Samstag findet abends ein Festkommers

Gießener Gtaditheater.

Kyritz-Pyritz."Ein Walzertraum."

1.

Die Posse, eine altväterische Mischung zwischen Voltsstück und Schwank, ist, wie man mit ganz leisem Bedauern feststellen muß, eine langsam aussterbende Gattung auf dem Theater.

Sie wird verdrängt vom eigentlichen Schwank, von der Zozzoperette (der es allerdings selber nicht zum Besten geht- und von der Revue mit den tausend Deinen.

Vur manchmal im Zähre, bei besonderen An­lässen. im Fasching oder zu Silvester, wird eine Posse hervorgeholt, ausgekramt und auf geputzt; beliebt ist immer wieder, nächstCharleys Tante" undRobert und Bertram"K y r i h - P y r i h", mit Gesang in drei Auszügen von Wilken und Z u st i n u s, Musik von Michaelis. Und man sieht mit Vergnügen, daß es sich noch allemal bezahlt macht, wenn man ein wenig Mühe und gute Laune daran wendet.

Das Entzücken unserer Altvorderen oder we­nigstens unserer lieben Eltern um die Zahr- hundertwende. Der Sturm im Diedermeier- Wasserglase. Revolution in Kyritz an der Knatter. Empörung der lustigen und streitbaren Weiber. Auszug der unternehmungssüchtigen Männer nach dem Sündenbabel Berlin.

Alldort Verwechslung mit denen aus Phritz im Hotel zum goldenen Löwen. Errungen, Wir­rungen auf Liebeswegen mit Rendezvous, Knie­fall und Dilletdoux postlagernd unterWolfgang Goethe".

VächtlicheOrgie im Orpheum und im Dall- haus Kneipe und Umzug der ©tuöenten. Ge­sang und Tanz. Rachrexpedition der wilden Hul- dinnen von der Knatter. Allgemeine Versöh­nung im Zoologischen Garten und Heimiahrt in Frieden und Fröhlichkeit nach den heimischen Gefilden.

*

Das ist nur ein kleiner Auszug mit Kostproben. Man soll nichts vorwegnehmen, und außerdem erzählt man ja damit ohnehin allen nicht mehr ganz jungen Leuten olle Kamellen. Die wissen Bescheid und erinnern sich gerne vergangener Tage.

Oer Sternhimmel im Januar.

Vachdruck verboten!

Sonnenaufgang von 8.15 bis 7.45 Uhr.

Sonnenuntergang von 15.55 bis 16.40 Uhr.

Lichtgestallen des Mondes: 1. Viertel am 8., um 4 lllhr; Vollmond am 14., um 23 Uhr; letztes Viertel am 21., um 17 Uhr.

mfa. Der Zanuar brinat, ähnlich wie fein Vor­gänger, eine mit fortschreitendem Abend noch immer zunehmende Pracht des Sternhimmels,

an die Stelle des Sternhimmels zu versetzen, die sie im Hochsommer einnimmt, so geben wir die Vorschrift, wie man sie am leichtesten findet: An der dem Orion und Stier zugekehrten Seite des Sternbilds der Zwillinge, dort, wo sich die Alten die Füße der beiden Drüder dachten, findet man leicht drei, oder, wenn man einen schwächeren Stern noch hinzunimmt, vier Sterne in gerader Linie. Geht man nun von dem oberen Endpunkt dieser geraden Linie nach rechts

12

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insbesondere der Wintersternbilder. Der stern- reichste Teil des Himmels steigt im Verlaufe des Abends immer höher und höher, und sein schönstes Sternbild, der Orion, nimmt zu Beginn des Monats, etwa um 22 Uhr, gegen Ende um 20 Uhr, seine höchste Lage ein. Ungefähr eine Stunde später steht sein ^Begleiter, der große Hund, mit dem Hauptstern Sirius im Süden und demnach in der höchsten von ihm erreichten Stellung. Die Gegend über dem Orion, ganz unmittelbar über der Spitze der Keule, die er nach den alten bildlichen Dar­stellungen gegen den anstürmenden Stier schwingt, ist deshalb besonders wichtig, well es die höchste Stelle des Tierkreises ist, also der Punkt, wo die Sonne zur Zeit des längsten Tages steht. Da es immer einen eigenen Reiz gewährt, mitten im Winter im Geiste die Sonne

Der die 24 Stundenzahlen ton Mitter­nacht bis Mitternacht eines Tages ent­haltende Kreis und die dich punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind fest­stehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil gewissermaßen dem Zei­ger der Himmclsuhr in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitle sicht­baren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo- nalsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Be­obachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in M nicht mitzudrehendeii Horizont hin­eingedreht. Für je 5 Tage vor der Mo­natsmitte ist der gerade Pfeil Stunde

Merkur frühert

für je 5 Tage nach der Monats- Venus mitte 'Zi Stunde später zu stellen. Man Mars vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Slellun- Jupiter g6R eiRi wenn er die angedeutete Licht Saturn gestalt zeigt,

oben weiter, so findet man zwei weitere schwache Sterne; der zweite von ihnen fällt so genau mit dem höchsten Stand der Sonne zusammen, daß sie am 21. Zuni gerade vor ihn zu stehen kommt. Er würde hinter ihrer Scheibe verschwin­den, wie dies ja beim Monde öfters vorkommt, wenn nicht Sterne in der Vähe der Sonne ohnehin unseren Dlicken entzogen wären.

Von den Wandelsternen fällt, wie in den vor- angegangenen Monaten, der mächtige Zupiter auf, dessen Bewegung immer langsamer wird, indem er genau gegen Ende des Monats in feiner nach rechts gerichteten Dewegung kurz vor der Linie AldebaranPlejaden zum Still­stand kommt. Ilm den 10. Zanuar herum ist der Merkur kurze Zeit am Abendhimmel zu sehen, und gegen Ende des Monats taucht der Saturn am Morgenhimmel auf. Küster mann.

statt, bei dem Dr. Lang vom Tierzuchtinstitut Gießen einen Vortrag über die Förderung der Geflügelzucht halten wird. Auch ist für diesen Abend eine Ehrung verdienter Mitglieder vor­gesehen. Für die Ausstellung steht eine größere Zahl Ehrenpreise zur Verfügung.

X Dettenhausen, 2. San. Wit dem heu­tigen Tag schied unser langjähriger Lehrer und Organist Schiefer st ein von hier, um seine neue Stelle in Lollar anzutreten, wohin er sich vor kurzem im Znteresse seiner Familie gemeldet hatte. Mit Bedauern und ungern sieht man ihn, der beinahe elf Zahre hier vorbildlich gewirkt hat, von hier scheiden- Sein stets gleichbleibendes und ruhiges Wesen, sein Fleiß und Geschick als Lehrer und Erzieher verschafften ihm viel Freunde und Ansehen in unserem Dorf. Deshalb beglei­ten ihn auch die besten Wünsche nach seinem neuen Wiriungsort. Unser Gesangverein verliert in Lehrer Schieferstein feinen bewährten, langjährigen Dirigenten; der noch junge Turn­verein, zu dessen Mitgründern Lehrer Sch', zählt, feinen ersten Sprecher. Auch im Wetter­tal-Sängerbund wird man seinen Weg­gang sehr bedauern, desgleichen verliert der GeflügelzuchtvereinLich und Umgegend in ihm ein eifriges Mitglied und einen Züchter

Die Aufführung war reizend. Ein richtiger harmloser Silvester-Ulk im alten Kostüm, mit leichter Musik, in blendender Laune und aus­gelassener Prost-Veujahr-Stimmung.

Die Znszenierung, von Hub besorgt, war eine mächtig aufgekratzte Angelegenheit, mit Witz und Schwung und munterem Tempo, taktsicher beglei­tet von Kapellmeister Cuj 6, stimmungsvoll ein- gerahmt und angepinselt von Karl Löffler, Der ein entzückendes Stadtbild aus der Spiel­zeugschachtel, ein geblümtes Interieur und eine bunte Menagerie entworfen hatte.

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Eine Fülle drolliger Figuren gab cS zu sehen: der dicke Bäckermeister Rux z. D., von Hub ohne lle&ertreibung mit behäbigem Humor aus­gestattet: Marianne Mewes, in einer Hosen­rolle, als frechverliebter Sekundaner Thülecke, mit einer sehr niedlichen Singstimme ausgestat­tet; auch Zlse Zahn (Susanna) sang, tanzte und spielte munter im Stil der Zeit.

Von wilder Komik war das Phriher Ge- sangsterzett, mit dem die Herren D 0 m m i s ch, Zingel und L i n t m a n n sich selber über­trafen. Sehr nett (auch überraschend sicher im Dialekt) Heitzig als Hausknecht im goldenen Löwen. Arzdorf als schnoddrig berlinernder Wortführer der Phritzer Expedition. Von den übrigen machten sich Fuhrmann, Koch, Jüngling, Heß, Tannert und V0lck um die Ausführung verdient.

Es war sehr lustig. Das Haus noch einmal gut beseht. (Möge es im neuen Zahre immer so bleiben!) Man klatschte ausdauernd und ging in bester Stimmung heim oder aus zu Punsch, Sekt, Kreppeln, Bleigiehen, Fröschen und Ka­nonenschlägen.

II.

Am ersten Abend des neuen Zahres gab es denW alzertrau m". Musik von Oscar Strauß, Text von D ö r m a n n und Ja­cobson. Da ihn der richtige Zeitgenosse mindestens einmal auf der Bühne, in vielen Fällen auch per Radio oder als Fllm erlebt hat, erübrigt es sich, auf die Operette ein- zugehen.

Es bleibt allenfalls festzustellen, daß sowohl die Wiener Musik wie auch der Text in seiner spekulativen Zufammenfehung aus Anzüglichkeiten

von Ruf. Die freigewordene Lehrerstelle wird zunächst mit einem Schulverwalter beseht.

Kreis Friedberg.

4- Dad-Vauheim, 1. 3an. Der lang­jährige Bezirksturnwart Fritz Hartmann, der über 25 Zahre an der Spitze des 5. Bezirks im Turngau Hessen gestanden hat, wurde durch Verleihung des Ehrenbriefs der Deut­schen Turnerschaft für seine Verdienste um die Turnsache geehrt. Die Ueberreichung der seltenen Auszeichnung erfolgte dieser Tage durch den zweiten Gauvertreter des Gaues Hessen, Redakteur Schneider, Butzbach.

Kreis Büdingen.

H Vidda, 30. Dez. Zn der jüngstenV i d d a c r Gemeinderatssihung wurden u. a. fol­gende Beschlüsse gefaßt: Die D ü r g e r'm c i ft e r- Wahl wird auf Sonntag, 16. Februar 1930, fest­gesetzt. Heber die an Sozialrentner, Ortsarme usw. zu gewährende Winterbeihilfe liegt ein Beschluß der Fürsorgekommission vor, der Annahme findet. Hiernach sind insgesamt 335 Mk. aufzuwenden. Der erweiterte Teil des Friedhofs soll nach dem Vorschläge des Rek­tors Vitt eingefriedigt werden. Der Gemeinde­rat nimmt Kenntnis davon, daß die Sozialdemo-

(im ersten Akt bis an die Grenze der Zndezenz) und hemmungsloser Sentimentalität noch immer chre Wirkung tun.

Selbst wenn die Aufführung, wie das gestern der Fall war, erheblich zu wünschen übrig läßt. (Regie: Baars; Musik: Klier.) Das Frank­furter Ensemble steht im Ganzen und in der Solobesetzung bei weitem nicht mehr auf der Höhe der ersten Gastspiele.

Die relativ beste Leistung bot Lh Ottmar (Prinzessin Helene); Marita Prach (Franzi) und Hans Schneider (Viki) waren stimmlich den Anforderungen ihrer Partien nur sehr teil­weise gewachsen. Frih Beyer (Fürst) und Franz M e n a r trieben ihre Karikaturrollen vollends ins Parodistische; hier hätte die Regie, die sich ohnehin mehrere grobe Geschmacklosigkeiten (im zweiten Akt) leistete, eingreifen müssen.

*

Das zahlreiche Publikum zeigte sich dankbar und erzwang sogar mehrere Wiederholungen.

Dr. Th.

Aufruhr in der Mädchenschule.

Zn einer kleinen französischen Stadt hatte sich ein Mädchen, welches das dortige Lyzeum be­suchte, eines Tages die Haare abschneiden lassen. Als es aber am nächsten Tage mit einem wunder­voll ondulierten Bubikopf die Klasse betrat, wei­gerte sich die Lehrerin, dieses Kind fortan zu unterrichten. Vach einem heftigen Kampf, der fast drei Tage dauerte, muhte Der Direktor nach- geben und das Mädchen braucht nun so lange nicht in die Schule zu kommen, bis die Haare wieder gewachsen find. Auf so einfache Weise hat sich noch niemand Dauerserien geholt. DaS Gegenstück hierzu erlebte man vor einigen Wo­chen in Salem im Staate Oregon (11.6.01.), wo eine neueingestellte Lehrerin ihren Dienst in einem bis auf die Erde reichenden Rock und mit einem riesigen Knoten im Haar antreten wollte. Dort weigerte sich die gesamte Klasse des Mädchenghmnafiums. sich von einer so alt­modischen Dame unterrichten zu lassen, und nach einem Kampf, der drei Tage Dauerte, blieben die Mädchen Sieger. Die Lehrerin ließ sich die Haare schneiden und soll jetzt im kurzen knie­freien Rock viel jünger und hübscher aussehen.

kratifche Partei, Ortsgruppe Vidda, einen Antrag auf Erlaß einer Ortssatzung betreffend Wahl und Anstellung eines Berufsbürgermei- st e r s eingebracht hat, der in Der ersten Sitzung des neuen Gemeinderats zur Beratung und Ab­stimmung kommt. Der Gemeinderat lehnt eine Beratung des Antrages ab, weil er lediglich von Gemeinderatsmitgliedern unterschrieben ist, die ihr Amt am 1. Zanuar 1930 erstmalig antreten. Der im Entwurf vorliegende Vertrag mit der Reichsbahnverwaltung über die Wasserver­sorgung des Bahnhof s Vidda, der eire Vertragsdauer von 7 Zähren vorsieht, findet die Zustimmung des Gemeinderats. Vachdem noch davon Kenntnis genommen wurde, daß das Dop­pelhaus in der Hopfengasse an die Herren Zecm Zunker und Karl Orbig jr. für je 8200 Wk. verkauft und dem Bürgermeister der Stadt Hun­gen zu seinem 25jährigen Dienstjubiläum tele­graphisch Glückwünsche des Stadtvorstandes über­mittelt worden sind, wird der Gemeinderat für das Zahr 1929 und zugleich für die abgelaufene Wahlperiode verabschiedet, wobei ihm von dem Beigeordneten für seine Mitarbeit im Znteresse der Förderung der Stadt Vidda herzlichst ge­dankt wird.

Kreis Alsfeld.

mr. Dieben, 1. Ian. Ein eigenartiger Auto- Unfall ereignete sich dieser Tage auf der Straße D i e denG rebenau. Ein Viehtransportauto der Firma D u ch a r d t in Lauterbach wollte in dem benachbarten preußischen Dorfe L i n g e l - bach ein Schwein abholen. Unterwegs, kurz vor dem kleinen Merlos, löste sich eines der Hinterräder des Kraftwagens. Ein mit" fahrender Mann bemerkte das Unglück sofort, ohne jedoch etwas dagegen tun zu können. Der in voller Fahrt befindliche Wagen rannte gegen einen Daum. Durch Die Wucht des Anpralls wurden Die Insassen auf die nebenan^ liegende Wiese geschleudert. Sie tarnen zum Glück ohne schlimmere Verletzungen mit dem Schrecken davon. Vur der Führer wurde durch Die Splitter Der vollständig zertrümmerten Schuhscheibe im Ge­sicht leichter verletzt. Der Wagen dagegen war vollkommen zerstört. Die Trümmer wur­den durch einen Lastwagen abgeschleppt.

Kreis Lauterbach.

& Lauterbach, l.Jan. Im Kalender­jahr 19 2 9 wurden beim hiesigen Standesamt folgende Beurkundungen vollzogen: Geburten 8b (106); Eheschließungen 39 (39); Sterbefälle 73 (52). Die in Klammer angeführten Zahlen sind die Bo urtunbungen des Kalenderjahres 1928.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

d Atzbach, 1. Jan. Am Silvesterabend gegen 7 Uhr wurde unsere Gemeinde durch Feuer­alarm aufgeschreckt. Es brannte in dem am Aus­gang des Dorfes an der Kreisstraße nach Dorlar gelegenen Sägewerk des Zimmermeisters Jo­hannes Hoffmann. Das Feuer war in dem M a - fchinenraum entstanden und hatte rasch auf das Dachwerk übergegriffen. Der Feuerwehr und der Einwohnerschaft gelang es, des Feuers soweit Herr zu werden, daß es auf das Sägewerk beschränkt blieb. Dieses brannte do II ft änöig nieder, lieber die Entstehungsursache des Feuers ist noch nichts Bestimmtes bekannt. Die Untersuchung ist ein* geleitet, am Neujahrsmittag weilten bereits ein Der^ treter Der Staatsanwallschaft in Limburg, der Bür­germeister von Krofdorf als örtlicher Polizeioer- lualter und ein Sachverständiger zur örtlichen Besich­tigung an der Brandstätte.

* Wißmar, 1. Ian. Die hiesige Orgel wurde durch den Orgelbauer Eichhorn aus Weilmünster einer gründlichen Reparatur un­terzogen. Dabei wurden die 1917 an die Reichs- materialienverwaltung abgeliefecken Prospekt el­fen durch neue erseht. Ebenso erhielt die Orgel wieder ein Prinzipalregister; das frühere war irrtümlicherweise mitabgeliefert worden. Auch die recht klapperig gewordene Klaviatur, die noch von dem Orgelbauer Bürgy aus Gießen stammte, wurde durch eine neue erseht.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

A la tatare.

Russische Restaurants, chinesische Speisehäuser, amerikanische Grill-rooms, italienische Osterien, das alles besitzt Paris, wie jede einigermaßen anständige europäische Hauptstadt, die auf sich hält, natürlich schon seit Iahren. Veuerdings aber, hat es eine weitere Errungenschaft auf diesem anziehenden Gebiete erhalten; nur weiß man nicht ganz, ob man Seinebabel Darum beneiden Darf.

Dekanntlich wimmelt es in Paris von russischen Emigranten, Mitgliedern der früheren russischen Aristokratie, die seinerzeit noch mit einem immer­hin ansehnlichen Prunk in die französische Haupt' stadt eingezogen sind, von der Hoffnung geschwellt, hier mit offenen Armen aufgenommen zu werden. Ach, die Enttäuschung ließ nicht lange auf sich warten, und bald muhten sie einsehen, daß auch sie irgendeine Arbeit und einen Erwerb ergreifen mußten, um das teure Leben in Frankreich fristen zu können. Und so sehen wir heute -- genau wie in Derlin ehemalige Grafen als Taxichauffeure, Kellner usw.

Viele von ihnen hatten den letzten, anhänglichen Rest ihrer Dienerschaft mitgebracht, Darunter auch Leibjäger", die zumeist der tatarischen Rasse angeboren. Auch diese mußten mit Der Zeit ent- und sich selbst überlassen werden, ergriffen ebenso wie ihre früheren Herren den ersten besten sich bietenden (Beruf, und diese Tataren, ein gutes Hundert an Der Zahl, sind es, die das kullinarische Repertoire von Paris um eine neue Erscheinung bereichert haben.

Einer von ihnen hat in einem Pariser Vorort ein tatarisches Gasthaus errichtet, es heißt Aul in Der Fremde", obwohl DerAul" eigent­lich eine kosakische Siedelung ist in Dem es auf Der Speiscnkarte nur tatarische Gerichte unD als Hauptgetränk den berühmtenKumih", gegorene Pserdemilch, gibt, ein ganz besonderer Saft, von dessen berauschender Wirkung Die Vorkriegs- Reiscschriftsteller schon oft und eingehend berichtet haben. Hinter das Geheimnis, woher Der tata­rische Gastwirt so viel Pferdemllch herbekommt, ist die neugierige Pariser Presse allerdings noch nicht gekommen; aber sie erhebt die unter solchen Umständen nicht ganz unberechtigte Frage: wer­den wir demnächst etwa im Bois de Boulogne Tataren zu Pferde sehen, Die nach ihrem alten nationalen Rezept ihr Beefsteak unter Dem Sattel mürbe reiten?