Die Unterdrückung der Minderheiten in Polen.
Angeklagten Schmidt sowie die völlig hannlosen Eheleute Holländer überredet. Sämtlichen Angeklagten wird die Untersuchungshaft voll angerechnet. In Anbetracht der Höhe der erkannten Strafen werden die Angeklagten Volck, Dick, Luhmann und Decker sofort In Haft genommen.
Erstes presse-Echo.
Berlin, 1. Nov. ($U.) Zu dem Urteil im Altonaer Dombenlegerprozeß stellt die agrarische „Deutsche Tageszeitung" fest, daß das Urteil von dem schaffenden Landvolk nie und nimmer als verständlich und gerechtfertigt empfunden werden könne. — Die „D o s s i s ch e Z e i t u n g' (dem.) vertritt die Auffassung, dass das Urteil mit seiner nüchternen Abwägung aller Umstände am besten geeignet sei, eine Epoche des Unverstandes und der Verwirrung abzuschließen, die unverantwortliche Führer angerichtet hätten. — Der „Börsen-Cou- rier" (dem.) meint, daß die Verurteilung wegen „Verbrechens gegen das Sprengstosfgeseh" erfolgte, könnte allein genügen, den Verurteilten die ganze Gröhe des tragischen Irrtums verständlich zu machen, den sie jetzt schwer zu büßen hätten. — Der „Tag" (deutschnatl.) sagt: „Wir können die Männer und ihr Tun nicht verteidigen, aber auch das Gericht nicht in Schuh nehmen gegen die Meinung im Volke, daß dieses Urteil einpolitisch bedingtes, ausgesucht schweres, ohne Berücksichtigung psychologischer und mildernder Umstände verfaßtes ist. — Der „Lokalanzeiger" (deutschnatl.) schreibt, man könne das Urteil nur mit menschlichem Bedauern vernehmen. Die Verurteilten seien Opfer einesSy st ems geworden, das sie zur Verzweiflung getrieben habe, ehe sie sich am Recht und Gesetz vergingen. — Die „Deutsche Zeitung" (deutschnatl.) sagt, das Urteil vertiefe öie Kluft, die mitten durch das deutsch« Volk gehe, aufs neue. Eine neue Welle der Empörung werde durch das schwer um sein Dasein ringende Landvolk gehen.
Meineidsanzeige gegen Frau von Oertzen.
Hamburg, 1. Nov. (WTB. Funkspruch.) Wie die Blätter melden, ist in der vergangenen Nacht gegen die im Altonaer Bombenlegerprozetz viel genannte Zeugin Frau von Oerhen, von der behauptet worden war, daß sie sich als „agent provocateur“ betätigt habe, Meineidsanzeige erstattet worden. Man nimmt an, daß durch die Anzeige eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen die verurteilten Bombenleger erreicht werden soll.
Oie Polizeizuschüsse an Braunschweig.
Auch Vorbehalt der Neichsregierung, aber vorläufig keine Unterbrechung.
Berlin, 31.Oft (TU. Amtlich.) In der Frage der Weiterzahlung der Polizei- ?elder an Braunschweig hat derReichs- a n z l e r folgendes Telegramm an das Staatsministerium in Braunschweig gerichtet: „Der Herr Reichsminister des Innern hat mir von dem Inhalt des Schreibens Kenntnis gegeben, das er am 27. d. M. an die braunschweigische ^Regierung gerichtet hat und in dem er zum Ausdruck bringt, daß er sich die Entscheidung über die weitere Auszahlung der auf das Land Braunschweig entfallenden Zuschüsse zu den Polizei k o st e n zunächst Vorbehalten müsse. Nachdem die Angelegenheit zum Gegenstand einer Aussprache innerhalb der Reichsregierung gemacht ist, beehre ich mich mitzuteilen, daß auch das Reichskabinett sich die endgültige Entscheidung vorbehält. Für die Regelung des Zwischenzustandes ist der Herr Reichsminister des Innern zuständig, der hierüber gleichzeitig besondere Mitteilung macht."
Wie vom Reichsministerium des Innern mitgeteilt wird, tritt in der Zwischenzeit in der Auszahlung der Polizeigelder eine Unterbrechung nicht ein, vielmehr ist die Aus- zahlung für Rovember inzwischen bereits erfolgt.
Oie Ookiorpromotion des Ministers Krick.
Eine Erklärung der Heidelberger Juristenfakultät.
Seibel berg, 31. Oft. (WTB.) Vom Dekan der Iuristischen Fakultät der Universität Heidelberg geht dem Wolfsbureau folgende Erklärung zu:
„Die Doktorpromotion dcs thüringischen Ministers Frick ist in der letzten Zeit mehrsach in der Presse erörtert worden. Da eine gedruckte Dissertationsschrift nicht vorliegt, wurde die Vermutung ausgesprochen, daß Minister Frick den Doktortitel zu Unrecht führe, eine Unterstellung, die sich schließlich zu Angriffen gegen die Iuristische Fakultät Heidelberg verdichtete.
Demgegenüber stelle ist fest, daß Minister Dr. Frick am 19. Rovember 1901 in Heidelberg die juristis ch e Doktorprüfung bestanden hat. Ein Dissertationszwang, der erst im Iahre 1904 an der Heidelberger Iuristischen Fakultät eingeführt wurde, bestand damals noch n i ch L Der Kandidat hatte vielmehr die Wahl, ob er zwei vom Dekan zu bestimmende Textstellen bearbeiten oder eine — später zu druckende — Dissertation einreichen wollte. Von jener ersten Möglichkeit hat, wie es damals durchaus der Regel entsprach, Dr. Frick Gebrauch g«. macht. Solche Bearbeitungen von Textstellen wurden nicht veröffentlicht, sondern blieben in Ver» Wahrung der Fakultät.
(Gez.): Professor Dr. G r o h, Dekan."
Einzug des Führers der Revolution in Jtio de Janeiro. Neuyork, I.Nov. (TU.) Wie aus Rio de Janeiro berichtet wird, ist der Führer der Aufstandsbewegung, Vargas, am Freitagnachmittaa an der Spitze seiner Truppen in Rio de Janeiro einmarschiert. Hunderttausende umsäumten die Straßen und Plätze, durch die der Marsch ging. Die Menge jubelte Vargas lebhaft zu. Schon auf der Fahrt von Sao Paulo zur Bundeshauptstadt wurden ihm in allen Orten von selten der Bevölkerung Stunbgebungen dargebracht. In Rio de Janeiro wurde Bargas von sämtlichen Mitgliedern der Militärjunta feierlichempsangen. Die begeisterte, nach Hm'.dcrttausenden zählende Menge streute Blumen aus den Weg. Zahlreiche Flugzeuge beglei-
Wahlterror in Ostoberschlesien.
Kattowih, 31. Oft. (ERB.) In einer Besprechung des Hauptausschusses der Deutschen Wahlgemeinschaft vermittelten die Berichte der Vertrauensleute aus den Wahl f reis en ein erschütterndes Bild des Terrors, dem die deutsche Minderheit in der letzten Zeit ausgesetzt ist. An die Abhaltung von Wahlversammlungen wagt man diesmal gar nicht zu benfen. Einzelne Vertrauensleute erklärten, daß ber Terror auf dem Lande noch schlimmer sei als während des letzten Aufstandes. Die Führer der Deutschen Wahlgemeinschaft wurden beauftragt, nochmals beim Wojwoden vorstellig zu werden und um Schuh zu bitten. Beim Verlassen ber Stabtverordnetensitzung in Sohrau würbe der Herausgeber des borkigen Stabtblattes, Paul H u n o I b, von einem auswärtigen Aufständischen terart geschlagen, bah er besinnungslos zusammenbrach. Drei weitere deutsche Stadtverordnete wurden gleichfalls mißhandelt. Durch Verfügung des Posener Magistrats als erste Instanz ist die Druckerei Concordia in Posen, das größte deutsche Unternehmen in der Provinz, in dem auch die bekannte Zeitung der deutschen Minderheit, bas „Posener Tageblatt", gebrückt wirb, geschlossen worben. Der ganze Betrieb wurde stillgelegt, so bah auch das „Posener Tageblatt" nicht erscheinen kann. Die Maschinen wurden versiegelt und die Betriebsräume mit Polizeiposten besetzt. Durch diese Mahnahrne werden über 200 Arbeiter und Angestellte brotlos. Die Schliehung ist auf unbestimmte Zeit erfolgt, so daß noch nicht abzusehen ist, wie lange diese Anordnung des Magistrats in Wirkung bleibt.
Verhaftungen in der Maine.
Warschau, 31. Oft. (TU.) Am Donnerstag wurden in Lemberg der bekannte Führer ber größten ukrainischen Partei, ber sogenannten Undo-Partei, Abgeorbneter Dr. L e w i tz k i unb ber Generalsekcelär Dr. Makaruszka verhaftet. Den Verhaftungen gingen Haussuchungen in den Wohnungen ber beiden Politiker voraus. Die Verhafteten stehen in dem Verdacht, an ber „Aktion zum Schaden des polnischen Staates" beteiligt zu fein. Was jedoch unter dieser schädlichen Aktion zu verstehen ist,
Sofia, 31. Oft. (TU.) In dem für den übrigen Zugverkehr gesperrten Bahnhof von Sofia traf heute um 10 Uhr vormittags der königliche Hofzug mit dem Königspaar ein. Bei der Ein- fahrt des Zuges gab eine Batterie 101 Salutschüsse ab. Dem ersten Wagen entstieg das Königspaar. Der König der Generalsuniform trug, schritt nach der Begrüßung durch den Ministerpräsidenten und die übrigen Minister sowie des Präsidiums der Sobranje die Ehrenkompanie der Militärschüler ab. Hierauf hielt das Königspaar in einem offenen Viererzug feinen Einzug in Sofia. Den Zug eröffnete der Polizeikommandant an der Spitze einer Galaschwadron berittener Polizei, der eine Schwadron von Leibgardisten in roten Husarenröcken mit weißer Lammfellmütze folgten. Zu beiden Seiten des Königspaares schritten der Garnisonkommandant und der Kommandant der Leibgarde. Dem ersten Wagen folgte eine Abteilung Leibgarde mit der Standarte. Jrn zweiten Wagen hatte Prinz Cyrill unb die Prinzessin Eudoxia und im dritten Wagen das königliche Gefolge Platz genommen. Die Minister fuhren inzwischen zur Kathedrale. Unter brausenden Hurrarufen der dicht gedrängten Menge durchfuhr der Hochzeitszug langsam den Boulevard Maria Luisa. Die Polizei konnte die Menge nur mit Mühe zurückhalten. Zum ersten Male hielt der Hochzeitszug bei dem 16 Meter hohen Triumphbogen, der in altbulgarischem Stil erbaut und von einer drei Meter hohen Königskrone ge- ziert wurde.
Hier wurde der Hochzeitszug vom Oberbürgermeister, den Bürgermeistern und den Stadträten von Sofia begrüßt. Am Platz vor der Kathedrale hatten die Studenten, die vaterländischen Verbände unb die Sportvereine Aufstellung genommen. Durch ein Spalier von Hunderten blumenstreuender Schulmädchen schritt dos Königspaar
teten den Einzug. In den Reihen der Truppen marschierten die Revolutionsführer aus sämtlichen Staaten. Die Gauchos, „die wilden Reiter des Südens", die Kerntruppe der Streitkräfte des Präsidenten Vargas, machten ihr Ge- lübbde wahr, daß sie ihre Pferde am Gitter des Präfidentenpalaftes festbinden würden. Roch in der kommenden Nacht beginnen die Verhandlungen der Reoolutionsführer über die Neubildung der Regierung.
Kommende Einsicht in Amerika?
Man erwartet einen deutschen Moratoriumsantrag.
R euh o r k, 31. Oft (TU.) Das „Journal of Cornmerce" erklärt in einem Leitartikel über bas Reparationsproblem, es bestünde fein Zweifel mehr, bah die Reichsregierung bie interessierten Stellen inoffiziell von ber Unwahrscheinlichfeit in Kenntnis gesetzt habe, ben Transfer ber aufschiebbaren Reparationszahlungen über die nächsten brei Monate hinaus fortzuführen. Die Europareise Owen Voungs stehe hiermit in Zusammenhang. Auch in Washington werbe ber ganze Fragenkomplex ernsthaft erörtert. Deutschland fei am Enbe feiner Kraft. Die Halsstarrigkeit Amerikas unb ber ehemals alliierten Mächte könne sehr leicht in Mitteleuropa ein Chaos herbeiführen. Natürlich sei eine Umorientierung ber Washingtoner Regierung in ber Frage ber interalliierten Schulden bie Voraussetzung für eine Lösung bieses brennenden Problems.
Die Ausführungen des „Ioumal of Cornmerce" sind rein stimmungsmähig außerordentlich bezeichnend für bie Haltung weitester Kreise ber amerikanischen Finanzwirtfchaft zur Tribut- unb Schuldenfrage, wenn auch der obenerwähnte Schritt ber Reichsregierung, wie die
geht aus dem Gesagten nicht hervor. Die Verhaftungen haben in politischen Kreisen bas größte Aufsehen erregt. Bekanntlich war Dr. Ltewitzki Mitglied des Vorstandes des Dölkerbundskon- gresses ber europäischen Minderheiten und Mitglied der Interparlamentarischen Union. Gr tbar Listenführer des ukrainisch-weißrussischen Blocks auf der Staatsliste wie auch auf verschiedenen Bezirkslisten. Er wird als der hervorragendste Politiker unter den ostslawischen Minderheiten des gegenwärtigen Polens angesehen. Die polnischen Zeitungen melden nichts darüber, wie die Verhaftung Lcwitzkis von ber ukrainischen Presse und der ukrainischen Bevölkerung ausgenommen wird. Im ostgalizischen Städtchen Zaleßczycki, das dicht an der rumänischen Grenze liegt, ist der ehemalige ukrainische Senator Baranek verhaftet worden.
Oer Korridor.
Hervö und Cot für Rückgabe an Deutschland.
Paris, I.Nov. (WTB. Funkspruch.) Herve setzt feine Kampagne für ein« Revision des Friedensvertrages in seiner Zeitung „La Dictoire" fort. Gestern trat er für den Anschluß Oesterreichs an Deutschland ein unb heute sucht er seine Leser von ber Notwendigkeit einer Rückgabe des polnischen Korridors an Deutschland zu überzeugen. Er schreibt u. a„ alle französischen Staatsmänner dächten im Grunde genommen wie er, daß nämlich dieser Teil des Friedensvertrages von Versailles revidiert werden müsse. Er, Herve, sei ein Freund Polens, unb er habe das Bewußtsein, Polen nicht zu verraten, sondern er dienePolen, wenn er sage, daß ein freundschaftliches Eingreifen Frankreichs in Warschau zwecks Rückgabe des Korridors an Deutschland notwendig sei. Auch der radikale Abgeordnete Pierre C o t behandelt heute in der „Re- publique", dem Organ seiner Partei, die Frage der Abänderung der Verträge und tritt für eine Regelung der Korridorfrage ein. Er behauptet, im Kriegsfälle habe der Korridor nicht einmal Interesse für Polen. Gr würde ohne Schwertstreich von Deutschland besetzt werden. Wirtschaftlich dagegen könne er nur den Deutschen Vorteil bringen. Dies« Frage fei, wenn man sie kaltblütig prüfe, nicht unlösbar.
unter dem Glockengeläute aller Kirchenglocken der Stadt, geleitet von dem ganzen orthodoxen Klerus in die Kirche. Der hier folgenden orthodoxen Hochzeitsfeier wohnten die Minister, die Generalität, das Diplomatische Korps, die hohen Beamten, die Vertreter von Vereinen und Verbänden bei. Die kirchliche Feier, die von 26 hohen Geistlichen vollzogen wurde, hatte den Charakter einer orthodoxen Trauung, wobei aber einige Gesänge sowie die Zeremonie des Aufsetzens der Brautkrone und des Ringewechselns in Fortfall kamen. Dagegen wurde dem Königspaar geweihter Wein gereicht. Metropolit Neofit hob in seiner Rede hervor, daß der heutitze Tag die endgültige Grundlage für den Aufbau einer nationalen orthodoxen bulgarischen D y n a st i e bilde.
Nach ber kirchlichen Zeremonie würben erneut 101 Salutschüsse abgegeben. Zu gleicher Zeit fan- ben in ben Kirchen aller Städte und Dörfer Bittgottesdienste für das Königspaar statt. Unter Glockengeläut traten ber König unb die Königin b ie Fahrt zum Schloß an, wo der König bie Parade über 7000 Mann aller Waffengattungen abnahm. Während der ganzen Feier kreiste ein Flugzeuggeschwader über der ©tabt, bas mit seiner Staffelung bie Initialien ber Namen bes Königs unb der Königin bilbete. Tausenbe bulgarische unb italienische Fahnen wehen von den öffentlichen Gebäuden, 20 000 Meter Tannenguirlanden, 150 000 Glühbirnen, 150 Pylonen mit Staatswappen unb der Königs- kröne, tausenbe Fahnenmasten mit den bulgarischen unb italienischen Flaggen, zahllose kostbare Teppiche an ben Häusern unb in ben Straßen, burch bie sich ber Hochzeitszug bewegte, gaben in ber strahlenben Herbstsonne ber Stabt ein festliches Aussehen.
„Telegraphen-Union" von zuständiger Stelle erfährt, noch nicht getan worben ist. Die Abstimmung im Auswärtigen Ausschuß über bie Vounganträge ist jeboch, tote ausdrücklich betont wird, keineswegs a l s ein Verzicht auf bie mögliche, Stellung von Moratoriumsanträgen aufzufassen. Ein solches beutsches Vorgehen hänge einzig unb allein von ber Durchführung bes Finanzprogrammes unb vor allen Dingen von der wirtschaftlichenEntwicklung inTentsch- lanb ab. Vielleicht wird sich schon im Frühjahr übersehen lassen, welche Schritte zu tun sind.
Der Stahlhelm antwortet Herds
Ohne Beseitigung der Kriegsschuldlüge keine Verhandlungen.
Berlin, 31. Oft. (121.) Zu den wiederholten Anfragen des Herausgebers der Zeitung „La Vic- toice“, Gustave hervö, an den Stahlhelm, hat jetzt der Bundeskanzler des Stahlhelms, Wagner, in einem Schreiben rote folgt Stellung genommen:
..Der Stahlhelm hat bereits vor einigen Tagen auf Anregungen von feiner Seite, die er als Vermittler nicht für berufen hält, öffentlich Stellung genommen. Die Welt weiß, daß der Stahlhelm die Streichung der Tributtaften, die Rückgabe des Saargebiets, dessen Deutschtum jede Abstimmung klar erroeifen würde, die Herstellung eines Groh- deutschland, die Schaffung von Cebensraum durch Rückgabe gesicherten Kolonialbesitzes, die Rüstung»- freiheit, den Wiedergewinn voller hoheitsrechte für Deutschland und die Lösung der Korridor- wie der übrigen Offfragen als vornehmste Aufgaben außenpolitischer Befreiungsarbeit unablässig betrieben. Solange indes die französische Ration an dem Glauben an Deutschlands Schuld am Kriege festhält, ist für uns im Stahlhelm keine geeignete Aerhandlungsgrund- lage gegeben. Für das nationale Deutschland ist
die Beseitigung der Kriegsschuldlügt der ausschlaggebende Ehrenpunkt. Der wahre Friede der Welt kann nur aufgrund des Selb st bestimmungsrechtes aller Rationen geschaffen werden."
Amerika vermiiieli zwischen Rom und Paris.
Wenig Aussicht
aus ein Seeabrüstungskompromitz.
Paris, 31. Oft. (WTB.) Präsident Hoover soll den amerikanischen Botschafter in Brüssel und ersten amerikanischen Delegierten bei der Vorbereitenden Abrüstungskommission, G i b s o n, volle Handlungs- reiheit für eine Vermittlungsaktion zwi° chen der französischen und italieni- ch e n Regierung in der Frage der Abrüstung gegeben haben. Ministerpräsident Tardieu hat ich mit Gibson bereits über das Abrüstungsproblem ausgesprochen. Man behauptet, daß die französische Regierung geneigt fei, sich dem im. April von England, den Vereinigten Staaten unb Japan abgeschlossenen Flottenabkommen anzuschliehen unter der Bedingung, daß
1 .die Frankreich zu bewilligende Tonnageziffer ohne die „Spezialfchiffe" auf 560 000 Tonnen angeseht werde:
2 . daß Frankreich eine Sicherheitsklausel zugebilligt erhalte, rote sie auch zugunsten Eng- * lands im vertrag enthalten sei, eine Klausel, die Frankreich berechtige, seine Flottenbauten über das vorgesehene Maß zu erhöhen, falls es sich als notwendig erweisen sollte, gegenüber Italien die für unerläßlich anerkannte Heberlegentjeit zu bewahren.
Der Botschafter Gibson soll nach seiner Besprechung mit Tardieu nach Rom abgereift! sein, um dort mit dem neuen Leiter der Abrüstungsabteilung des Völkerbundssekretariats A g u i d e s zusammenzukommen. In Paris ist man über diese Reise Gibsons nach Rom beunruhigt. Man hegt wenig Hoffnung, daß die Sondierungen Gibsons in Rom zu einem Kompromiß zwischen Italien und Frankreich führen werden. Nach dem letzten Beschluß des faschistischen Großen Rates über die Aufrechterhaltung der italienischen Forderung nach Flotten Parität mit Frankreich und nach der letzten Rede Mussolinis könne man kaum erwarten, daß die Intervention des amerikanischen Botschafters zu einem günstigen Ergebnis führen werde.
Keine Gefahr für Tardieu.
Bor dem Wiederzusammentritt des französischen Parlaments.
Paris, 31. Ott. (CNB.) Am kommenden Dienstag treten beide Kammern des Parlaments wieder zusammen. Die erste Aufgabe der Kammer wird fein, die vielen inzwischen eingegangenen Interpellationen über bie Außenpolitik des Kabinetts zur Diskussion zu stellen. Aber auch in innerpolitischen Fragen erwartet man heftige Auseinandersetzungen, und es ist wiederholt die Frage aufgeworfen worden, ob durch diese innen- oder außenpolitischen Fragen das Kabinett Tardieu nicht in Gefahr gebracht sei. Das nationalistische „Echo de Paris" verneint beide Möglichkeiten. Das Blatt schreibt: Tardieu wird in der Kammer seine Mehrheit von 320 Stimmen leicht toieberf irtfcen. Die Abgeordneten, die sich seit zweieinhalb Iahren um Poincare und seine Nachfolger geschart haben und die den „Antllinks - Kactell-
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Tour:
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Wettervoraussage
Die gestrigen Anzeichen einer neuen (Störung westlich von Irland lassen sich bereits heute über England, dem Kanal und Nordfrankreich erkennen. Der Luftdruck ist dort abermals gefallen; Warmluft verursacht Temperaturanstieg, sowie Eintrübung und verbreitete Niederschläge. Der Aufbau bes hohen Druckes wird dadurch wieder verschwinden und die im Westen eingesetzte Wet- terverschlechterrrng auch uns erneut beeinflussen.
Aussichten für Sonntag: Wieder wärmer, bedeckt und trübe, erneute Niederschläge.
Aussich ten für Montag: Meist wollig, zeitweise noch Regen, später wieder etwas kühler.
Lufttemperaturen. Am 31. Oktober: mittags 12,8 Grab Celsius, abends 9,6 Grad Celsius; am 1. No- benjber: morgens 7,3 Grad Celsius. Maxiryum 13,4 Grad Celsius, Minimum 6,7 Grad Celsius. Niederschläge 3,7 Millimeter.
Grdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 31. Oktober: abends 10,9 Grad Celsius; am 1. November; morgens 8,7 Grad Celsius
Einzug des dulMlschea Königspaars in Sofia.


