Angestellten-Protestkundgebung in Gießen
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„Sie brauchen mir nichts zu sagen. Ich bin von meiner Tochter bereits feit einiger Zeit unterrichtet,^ daß ihr Verlöbnis mit Ihnen gelöst ist. Die näheren Umstände, die zu der Trennung geführt haben, kenne ich nicht, will fie auch nicht wissen."
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1892. der Schriftsteller Heinrich Zerkalen Bonn geboren.
Daten für Montag 3 März
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theoretischen Erörterungen in guter Vortragsweise die zahlreichen Zuhörer zu fesseln, so daß manche wertvolle Anregung gegeben werden konnte. 21m Ende jedes Vortragsabends fand eine für Fachleute interessante gemeinsame Besprechung statt. Da der Vortragende bereits seit mehreren Jahren in allen größeren und mittleren Städten Vortragskurse abhält, verfügt er naturgemäß über eine große praktische Erfahrung, die nicht nur dem Znstallateurgewerbe, sondern auch dem einzelnen Gasabnehmer zugute kommt. Am Schlüsse des Dortragskursus touröe aus der Versammlung heraus der Wunsch ausgesprochen, daß Znstallateurinnung und Gaswerk noch mehr als seither in Form einer Arbeitsgemeinschaft zusammenarbeiten möchten, um den heute schon technisch hochentwickelten Gasgeräten neue Absatzgebiete zu erschließen.
** Die Gesellenprüfung in der Gie - ßenerFleischerinnung findet in diesem Mo- nat statt. Zur Anmeldung dazu wird in unserem heutigen Anzeigenteil aufgefordert.
Der Deutschnationale Handlungsgehilfen « Verband, Ortsgruppe Gießen, veranstaltete am Donnerstagabend im Cafe Leib eine Protestkundgebung. Gauvorsteher Auerbach aus Frankfurt a M sprach in etwa zweistündigen Ausführungen über „Die Bedrohung der Angestelltenversiche- rung, die Sonderbelastung in der Arbeitslosenversicherung, die Verschleppung der Schutzgesetze für die älteren Angestellten und den Abbau der Sozialpolitik".
Der Redner wies zunächst auf die seit Wochen tobenden innerpolitischen Kämpfe aus Anlaß des Ausgleichs unseres Reichsetats hin und stellte dabei fest, daß an Stelle der versprochenen Steuersenkung Steuererhöhungen eingetreten seien. Er kritisierte die Ursachen des vorhandenen Defizits und besprach dann die zum Ausgleich desselben seither geführten Verhandlungen.
Bezüglich der erforderlichen Mittel für die Arbeitslosen ve rsicherung erk arte der Redner, daß seither vereit-r große -Anforderungen an das Reich gestellt worden seien, ohne daß in absehbarer Zeit eine Minderung dieser Lasten in Aussicht stehe. Die außergewöhnliche Arbeitslosigkeit, die international sei, habe folgende Ursache: Durch den Krieg sei Kaufohnmacht ein-
Aus der Provinzialhauptstadi.
Gießen, den 1. März 1930.
.Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 150 bis 180; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 25 bis 35; Weißkraut 10 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 10 bis 15; rote Rüben 10 bis 15; Spinat 35 bis 40, Unter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 15 bis 20; Rosenkohl 35 bis 40; Feldsalat 150 bis 180; Tomaten 70 bis 80; Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 70; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 4,5 bis 5; Aepfel 10 bis 15; Birnen 10 bis 15; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Rüsse 50 bis 80; das Stück: Tauben 70 bis 80; Eier 11 bis 13; Blumenkohl 50 bis 100; Salat 30 bis 40; Endivien 40 bis 60; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 40 Pf.; der Zentner: Kartoffeln 3,80 bis 4 Mk.
Taten für Lonuag, 2. März.
Sonnenaufgang 6.45 Uhr, Sonnenuntergang 17.41 Uhr. — Mondaufgang 7.42 Uhr, Monduntergang 19.53 Uhr.
1824: der Komponist Franz Smetana in Leito- misch! geboren. — 1829: der amerikanische Staatsmann Karl Schurz in Liblar bei Köln geboren; —
getreten, durch die gesteigerte innerbetriebliche Rationalisierung eine höhere Leistungsfähigkeit der Betriebe, ohne daß eine erhöhte Absatzmöglichkeit vorhanden sei, weiter seien während des Krieges und nachher in vielen Ländern, die als Absatzgebiete für uns in Frage kämen, eigene Fabrikationsmi'glichkeiten geschaffen worden. Unterstützung der Erwerbslosen müsse das Tarnte Volk tragen.
ist auf das strengste verpönt. Das graue Tier, däs sich scheinbar mit animalischer Freiheit bewegt, wird also in Wirklichkeit mit einer eisernen Folgerichtigkeit gelenkt und regiert, von der wir uns in Europa nur schwer eine Vorstellung machen können, die aber jeder, der das Leben in Rußland auch nur wenige Monate lang kennengeternt hat, deutlich empfindet. Der einzelne hat seine Freiheit an das graue Tier verloren: und das Tier wird von der Hand eines gewaltigen strengen Herrn gelenkt.
Hohnvolles Lachen wollte ihm von den Lippen brechen. Durfte er noch länger schweigen?..., den Vater noch länger in seinem trügerischen Wahne belassen?...
Muhte er jetzt nicht die Wahrheit, hinausschreien: Zugrunde gerichtet habe ich alles..., unseren guten Ramen..., den Ramen der Firma geschändet!
Er war zu Ende mit feiner Kraft. Wenn er nicht rasch das Zimmer verlieh, würde er sich dem Vater verraten!
»2ch will nun wieder ins Geschäft fahren, Vater!" sagte er mit mühsam unterdrückter Erregung und verabschiedete sich überstürzt von dem Kranken.
Er saß dann in feinem Bureau, tatenlos, in einem Zustand der Erschöpfung. Die Unterredung mit seinem Vater hatte ihm den schwersten Stotz versetzt. Zu keiner Stunde vorher war ihm seine Ricderlage in so greller, schmerzender Klarheit zum Bewuhtsein gekommen wie nun, angesichts der gläubigen Zuversicht des Kranken.
Was sollte nun werden? ... Einmal muhte der Vater das Schreckliche erfahren!... Schlimmer würde es für ihn sein als der Tod...
Es klopfte an der Tür. Erschreckt fuhr Felix Schulhofs zusammen.
Der Prokurist Dendler sah ins Zimmer.
„Ein Herr ist da, der Sie sprechen möchte, Herr Schulhofs!"
Schulhofs machte eine müde Bewegung mit der Hand. Wahrscheinlich wieder einer von den Gläu» bigern, die sich wie Blutegel an ihn hefteten, seitdem sein Weg abwärts ging.
„Ich lasse bitten..
Als der Besucher eintrat, fuhr Schulhofs bestürzt empor. Fassungslos sah er Kommerzienrat Horwitz an. Was wollte Lus Vater von ihm?
..Guten Tag. Herr Schulhosf!" sprach Horwitz mit seiner etwas schnarrenden Stimme und machte eine knappe Verbeugung.
Schulhofs ging auf ihn zu und streckte ihm die Hand entgegen, die der andere kur; berührte
„Guten Tag, Herr Kommerzienrat!"
„Dars ich Sie um eine Unterredung bitten, Herr Schulhofs?"
„Ditte!"
Sie sahen sich gegenüber. Ein kurzes Schweigen entstand. Kommerzienrat Horwitz, im eleganten grauen Anzug, den Stock mit der silbernen Krücke in der behandschuhten Rechten, sah mit undurchdringlichem Gesicht vor sich hin.
„Sie werden erstaunt sein, mich bei sich zu sehen," begann er dann
_2ch freue mich, Sie wiederzufehen. Herr Kommerzienrat; allerdings..
ßen der V. R hat bereits feinen Vertreter bestimmt, der an der Gründungsoersammlung des Reichsausschusses der Bolksnationalen Reichsvereinigung teilnimmt.
•* E i n Gas-3nstallateur-Schu- lungskursus. Man berichtet uns: Vom 24. bis 27. Februar fand in dem Werkstattraume des hiesigen Gaswerks an den vier Abenden auf Ersuchen der hiesigen 3nftallateur-3nnung in Gemeinschaft mit dem Städt. Gaswerk ein Gas- 3nstallatcur°Schulungekursus statt. Der Kursus, der von einem alten Praktiker der Firma 3un- kers, Dessau, Lehrmeister S k r u p k e, geleitet wurde, sollte den Meistern, wie den Gehilfen und Lehrlingen des 3nstallateurgewerbes die in den letzten 3ahren an den gasbeheizten Warmwassergeräten, Gasbadeöfen, Gasstromautomaten und Vorratsbehältern gemachten technischen Verbesserungen vermitteln. Bei starkem Besuch — es nahmen 55 3nstallationsmeister, Gehilfen und Lehrlinge an dem Kursus teil — verstand es der Vortragsleiter an Hand von praktischen Vorführungen in Verbin ung mit
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Der Redner kam dann auf die von Reich Iregierung zum Ausgleich des Defizits plante Heranziehung der 3 nvalid... und Angestelltenversicherung zu sprechen und betonte hierbei, dah die 3nvaliden° Versicherung selbst finanziell schwer zu kämpfen habe, so daß die in Aussicht genommene Belastung auf die Angestelltenversicherung besonders schwer gewirkt hätte. Die Angestelltenversicherung habe wohl ein Vermögen von einer Viertelmilliarde Mark, doch seien hiervon bereits hohe Beträge an Darlehen für Reich und Wohnung bau ausgeliehen. 3m übrigen sei damit zu rechnen, daß, abgesehen von der ständigen Steigerung der DersicherungUeistungen, dieBe- rufsunfähigkeit der Ange stellten bei den derzeitigen ungünstigen wirtschaftlichen Ver-
Sonnenaufgang 6.42 Uhr, Sonnenuntergang 17.43 Uhr. — Mondaufgang 7.53 Uhr, Mond- untergang 21.07 Uhr.
1829 der Rechtslehrer Heinrich Dernburg in Mainz geboren.
** Die Museen sind am morgigen Sonntag zu kleinen Preisen geöffnet.
** Forstperionalie. Der Förster Wilhelm Blum zu Storndorf wurde in gleicher Diensteigenschaft in die Försterei Hopfgarten des Forstamts Romrod versetzt.
** Volksnationale Reichsvereini- 9 u n g (V R ). Man bittet uns um Aufnahme der folgenden Mitteilung: Am 23. Februar wurde in Gießen der Kreisausschuß der Volksnationalen Reichsvereinigung gewählt. In 13 Orten des Kreises hat die Organisation durch die Wahl des Ortsausschusses schon ein festes Gefüge erhalten. In etwa 15 weiteren Plätzen des Kreises Gießen ist durch die Arbeit der Vertrauensleute das Ergebnis ebenso, daß die Ortsausschüsse jederzeit gebildet werden können. Der Kreisausschuß der V. R. besteht aus 22 Mitgliedern, die nach Berufen geordnet sich wie nachstehend verteilen: 3 Kaufleute, 1 Ingenieur, 1 Mechaniker, 3 Landwirte, 3 Arbeiter, 2 Ange- fteUfe, 1 Lehrer, 1 Turnlehrer, 3 Handwerker, 1 Mühlenbesitzer, 3 Beamte. Durch diese Zusammen- setzung, in welcher die verschiedenartigsten Berufe vertreten sind, ist man der Forderung, als eine Dolkspartei aufzutreten, sehr nahegekommen. Der Kreisausschuß wählte aus seiner Mitte den Kreisvorsitzenden und bestimmte den Kreisgeschäftsführer. Die Durchorganisotion hat in fast allen Teilen unseres Vaterlandes zu einem überaus günstigen Ergebnis geführt, so daß noch im Laufe des Monats März mit einer Reichsoertreterversammlung in Ber- lin zu rechnen ist. Der Ausschuß des Kreises Gie-
„Wir hatten beide das Empfinden, baß wir für die Ehe nicht zueinander Passen," antwortete Schulhosf, der sich Horwitz' Kommen immer weniger erklären konnte. „Da hielten wir es für besser, uns zu trennen, ehe es zu spät ist."
Die kühlen Augen in dem hochmütigen Gesicht mit dem kurzen Spitzbart blickten plötzlich feindselig.
„S i e hielten die Trennung für besser, wenn ich recht vermute!" sprach Horwitz scharf. „Anders könnte ich mir den Zustand, in dem sich meine Tochter jetzt befindet, nicht erklären!"
3n Schulhosfs Zügen malte sich Betroffenheit.
„Wie soll ich das verstehen?"
„3ch bemerke, daß ich nur auf Vermutungen angewiesen bin. Aber so viel sehe ich, dah meine Tochter, die seit einiger Zeit bei uns zu Hause ist, unter der Trennung von 3hnen leidet!" Seine Stimme wurde um einen Grad wärmer. „3ch kenne Lu und finde sie sehr verändert. Das macht mir Sorge; deswegen komme ich zu 3hnen."
Schulhosf machte eine hilflose Gebärde.
/Was kann ich da tun?"
3n Horwitz Antlitz war nun wieder der kühle, hochmütige Ausdruck.
„3ch hätte ja lieber gesehen, wenn meine Tochter den nötigen Stolz aufgebracht hätte, statt nun einer erledigten Sache nachzujammern! Aber über Gefühle, vor allem die einer jungen Dame, läßt sich nicht rechten!"
Er machte eine kurze Vause. Man sah es ihm an, wie schwer es feinem herrischen, befehlsgewohnten Wesen würbe, nun hier als Bittender zu erscheinen.
„Es liegt mir und meiner Frau natürlich daran, Lu glücklich zu sehen! Rur dieser ülmstand hat mich bewogen. Sie aufzusuchen!"
Felix Schulhofs blickte den anderen ratlos an. Warum erzählte er ihm dies alles?
Horwitz schien keine Antwort erwartet zu haben. 3n kühlem, korrektem Tone fuhr er fort:
„3ch komme mit ganz konkreten Vorschlägen zu Ihnen, Herr Schulhofs! 3ch bin über 3hre geschäftlichen Schwierigkeiten und die finanzielle Krise, die Sie gerade jetzt durchmachen, genau informiert. 3ch nehme an, daß Sie Wert daraus legen, den Zusammenbruch 3hrer Firma ab- zuwenden. 3ch bin bereit, 3Ijnen die erforderlichen Kapitalien zur Verfügung zu stellen."
..Unter welcher Bedingung?" fragte Schulhof rasch, in dem ein Verdacht aufgestiegen war.
„3ch will mein Kind glücklich wissen! Sie haben rs in der Hand, Lu glücklich zu machen."
So mußte Felix Schulhofs dem Kranken gegenüber blutenden Herzens Komödie spielen, mit lächelndem Gesicht von dem stetigen Foctschreiten her Bauarbeiten berichten, ihm Schilderungen pon den einzelnen Bauwerken geben, wie sie, der Vollendung entgegensehend, aussahen ..., Während draußen alles vernichtet, zerstört war.
Auch heute stelltc der Vater immer neue Fragen. Er fühlte sich an diesem Tage frischer, kräftiger als sonst, seine Augen blickten lebhaft.
„Der nördliche Baublock mutz jetzt bald fertig sein!" sagte er und sah seinen Sohn fragend an.
„3n acht bis zehn Tagen werden wir soweit sein", antwortete Schulhofs und vermied es, den Blicken des Kranken zu begegnen.
Dieser schien zu überlegen. Die Adern auf seiner otirne traten überscharf hervor.
„Die Hauptsache ist, dah bis zum Winter alles unter Dach kommt! Dann haben wir gewonnen!"
Er richtete sich mühsam aus. Sein durchsichtiges Gesicht überzog sich mit fiebriger Röte.
„Vielleicht kann ich doch bald einmal mit hinaus, Felix .., ich fühle mich heute viel Wohler. Wenn ihr mich gut im Wagen verpackt, kann es mir ja nichts schaden... Rur einen Blick rnöchte ich aus den Platz und die Häuser tun..."
Er atmete schwer.
„Meinst du nicht, dah es ginge, Felix?" fragte er und richtete seine Augen fl.hend auf den Sohn.
Felix Schulhofs wutzte nicht sogleich, was er antworten sollte. Er brachte kaum mehr die Kraft aus, dieses lügenhaste Spiel weiterzuführen. Hastig sagte er, um den Kranken nicht mißtrauisch werden zu lassen:
„Selbstverständlich wird es gehen, Vater..., sobald der nächste schöne Tag kommt, fahren wir zusammen hinaus ..."
Der Alte streckte ihm die abgemagerte Hand hin. Ein Ausdruck stolzer Zärtllchkeit entströmte seinen Blicken, mit denen er die Gestalt des Sohnes umfing.
„Weißt du noch, wie ich anfangs gegen dieses Projekt gewesen bin. Felix?" sagte er, während ein verlegenes Lächeln um seine Lippen spielte „3n meinem Alter ist man eben etwas ängstlich, übervorsichtig, aber du hast nicht nachgegeben, bis ich Überzeugt war..., du hast eben den gleichen Dickschädel wie ich..." Er lachte aus. „Heute weiß ich aber, daß du auf dem rechten Weg warst. Felix, heute bin ich froh, daß ich dir gefolgt bin, du hast unseren Ramen erhöht, unserer Firma neuen Glanz verliehen...“
Etwas Feierliches, Leidenschaftliches war in seiner Stimme, als er so sprach.
derzeitigen Verhältnissen tragbar fei. Weiter sollten die mittleren und höheren Beamten 5 Proz. ihres Gehaltes dem Reich als Darlehen zur Verfügung stellen, zumal diese in gesicherter Lebensstellung und unkündbar seien, außerdem ein höheres Durchschnittseinkommen hätten und k iviertel Beiträge für ihre Pension zu zahlen braucht n. Tie Finanz- not des Reiches werde allmähl.ch so groß, daß wohl noch mit erh.blichren Einschränkungen gerechnet werden müsse. Man sei weit davon entfernt, wohlerworbene Rechte der Beamtenschaft anzutasten.
Der Redner kam dann noch auf die Schutz- gesetze für die älteren Angestellten zu sprechen und übte Kritik an der seitherigen! Behandlung dieser Ang».l gmh it. Di: Reichs e- gierung unternehme nichts, um die älteren Angestellten zu sichern. Er wandte sich weiter gegen Bestrebungen, welche den Abbau der Sozialpolitik bezwecken, um -um Schluß auf die Bedeutung des Zusammenschlujfes aller Angestellten hinzuweisen.
3m Anschluß an die Ausführungen des Redners erklärte sich die Versammlung e l n ft i m - m i g einverstanden mit der nachstehenden
Entschließung:
„Die am 27. Februar auf Einladung der Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen chandlungsge- Hilfen-Verbandes in öffentlicher Protestkundgebung versammelten Angestellten erheben schärssten P r o t e ft gegen die Pläne des Reichsfinanzministeriums auf Heranziehung der Sozialversicherung srücklagen zur Defizitdeckung im Reich oder in der Arbeitslosenversicherung Sie weisen eine Gefahrengemeinschaft der Versicherungsträger als völlig untragbar zurück. Ebenso verwahren sich die Angestellten gegen jeglichen Zwang gegenüber der Angestelltenversicherung zur lieber« nähme von Reichsbahnvorzugsaktien. Die Ange- ftelltenversicherung ist aus der Grundlage der Selbstverwaltung aufgebaut. Jede Antastung dieses Rechtes würde den erbitterten Kampf der Angestellten auslösen. Die Mittel der Angestellten- Versicherung sind von jeher in den Dienst des Reiches, der Länder und Gemeinden, wie auch der Industrie, der Landwirtschaft und vor allem des Wohnungsbaues gestellt worden. Wenn alle Gelder in so reichem Maße im Dienst der Allgemeinheit stehen würden, wie die der Angestelltenversicherung, dann stünde es um unsere Gesamtwirtschaft besser.
Zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung sind feste Reichszuschüsse notwendig. Weiter verlangen die Versammlung auch in der Arbeitslosenversicherung Ersatzkassen fürAnge st eilte. Die Lasten aus den Tributoerpflichtungen dürfen nicht auf die Arbeiter und Angestellte allein abgewälzt werden.
Wirkliche Solidarität sieht die Versammlung vor allem in einer kollektiven Kredithergabe der Beamtenschaft durch Zurverfügungstellung v o n 5 v. H. ihres Gehaltes. Dies erscheint um so berechtigter, als die letzte Beamtenbesoldungsreform die Fmanznöte des Reiches, der Länder und Gemeinden mit verursacht hat.
Von der Arbeitgeberschaft erwarten die Angestellten, daß sie endlich von dem vom Reichs- verband der Deutschen Industrie immer wieder propagierten Abbau der Sozialpolitik ent» schieden abrüeft Ein Zurückschrauben des so- . I zialpolitisch Erreichten kommt keinesfalls in Frage, | es würde auch politische Folgen sehr rasch nach sich ziehen.
Vom Reichsarbeitsministerium verlangt die Der- sammlung die schnellste Vorlage eines wirksamen Schutzgesetzes für die älteren Ange- (teilten, von den politischen Parteien regste Ini- tiative, damti endlich der steigenden sozialen, wirt schaftlichen und kulturellen Rot der Angestellten Einhalt geboten wird."
Die blonde Sklavin
Vornan von Hermann Veick
hältnissen wesentlich früher eintrete. Aus diesem Grunde brauche die Angestelltenversicherung ihre Rücklage in höherem Maße, als diese zur Zeit vorhanden sei.
Zur Frage der erwogenen Zwangs- a n l e i h e wies der Redner auf die privaten Versicherungen und Sparkassen hin, bei denen man mit dem gleichen Recht Zwangsanleihen aufnehmen könne, allerdings werde dadurch das Vertrauen zu diesen 3nstituten erschüttert, was aber auch in gleichem Matze für die Angestelltenversicherung zutreffe. Das Reich habe kein Recht zum Eingriff in die Angestelltenversicherung, zumal es nichts zu dem Vermögen derselben beige st euert habe. Glücklicherweise feien die von oer Reichsregierung geplanten Eingriffe in die Selbstverwaltung durch das zielbewuhte Auftreten der Angestelltenschaft verhindert worden. Das Direktorium der Reichsanstalt für die An- gestelltenrersicherung habe sich bei den Verhandlungen freiwillig bereit erklärt, 50 Millionen Reichsmark gegen Reichsbahn-Vorzugsaktien im Jahre 1930 zur Verfügung zu stellen. Trotzdem sei die Gefahr eines Eingriffs in das Selbstverwaltungsrecht der Angestelltenversicherung noch nicht restlos behoben. Der Redner wies dann weiter auf die Förderung des Wohnungsbaues durch die Angestelltenversicherung hin und brachte zum Ausdruck, daß jede Gefährdung der R ü cklage eine außerordentlicheSchä- digung der Wohnungswirtschaft zur Folge habe.
Der Redner kam dann auf die Gesetzesvorlage über den geplanten Ausbau der Ange- st e l l t e n v e r s i ch e r u n g zu sprechen und wehrte sich in diesem Zusammenhang gegen neue Leistungsversprechungen, die nicht gehalten würden. Er lehne Versprechungen und Wünsche, die die feste Grundlage der Angestelltenversicherung erschüttern, entschieden ab. Weiter nahm er Stellung gegen die beabsichtigte Beschränkung der Selbstverwaltung (Einwirkung der Reichsregierung auf die Angestelltenversicherung).
2m Zusammenhang mit der geplanten Beitragserhöhung in der Arbeitslosenversicherung forderte der Redner eigene Ersahkasfen für arbeitslose A n g e st e l l t e . die der Eigenart des Berufes Rechnung tragen.
3n seinen weiteren Ausführungen beschält'gte sich der Redner mit der Frage,. wie das Defizit des Reiches gedeckt werden könne. Er verlangte rücksichtslose Spars am feit in allen Aemtern und Verwaltungen. Der ganze Derwaltungsapparat müsse auf das Matz zurückgeführt werden, das bei den
Schulhosf sprang auf. Seine Stirne hatte sich gerötet.
„3ch fort mich verkaufen?" stieß er erregt hervor.
Auch Horwitz hatte sich erhoben.
„Pardon, davon ist keine Rede!" erwiderte er abweisend. „3ch glaube nicht, daß, wer meine Tochter heiratet, sich verkauft! 3m übrigen handelt es sich nur um einen Vorschlag! Cs steht ganz bei 3hnen, ihn anzunehmen oder abzu- lehnen!"
Er war nun wieder gatu der selbstbewußte, herrische 3ndustriemagnat, der über Millionen verfügte, dem Taufende und aber Tausende dienstbar waren... und der, gestützt auf seinen Reichtum, auch diesen jungen Herrn hier sich gefügig zu machen hoffte.
Felix Schulhosf sah starr vor sich nieder. 3n ihm jagten sich die Gedanken. Eine Hoffnung war in ihm aufgezuckt; er wehrte sich dagegen. Sollteer ehrlos werden?...
Und doch: war dies nicht eine Rettung?... die einzige Rettung, die sich ihm noch bot?...
Er trat plötzlich auf Kommerzienrat Horwitz zu.
„Weiß Lu von 3hrem Schritt?" fragte er schroff.
„Wohin denken Sie! Sie hätte ihn nicht geduldet! Es handelt sich lediglich um ein Abkommen zwischen 3hnen und mir; fein anderer Mensch erfährt davon."
Er griff nach seinem Hut.
„3ch darf mich jetzt verabschieden?... lieber» legen Sie sich die Sache. 3ch erwarte 3hren Bescheid morgen vormittag im Hotel Adlon, wo ich wohne."
Eine korrekte Verbeugung, ein kurzer Händedruck.
Felix Schulhofs war allein.
XX.
Dis tief in die Rächt hinein rang Schulhosf um einen Entschluß. Von einer Stimmung stürzte er in die andere.
Warum tauchte gerade heute, als er an jeder Rettung verzweifelt hatte, Kommerzienrat Horwitz auf? War das Zufall?... oder eine Fügung ^esiSchicksals, das ihm die helfende Hand reichen
Was sollte er tun?
War nicht der Vorschlag dieses reichen, hochmütigen Mannes, der ihn seiner Tochter kaufen wollte, zu absurd, als dah man ihn überhaupt ernsthaft in Erwägung z'.ehen durfte?
Er sollte wieder zu Lu zurückkehcen... als ein Geschlagener, der aus chren Händen die Rettung entgegennehmen würde! Blieo er da nicht immer, fein ganzes ferneres Leben lang, ihr hörig.. ihr Sklave?...
Rein! Riem als brachte er das über sich! Lieber untergehen!
(Fortsetzung folgt)
.Felix Schulhosf aber dröhnten feine Worte Horwitz unterbrach ihn wie Donnergrollen in den Ohren. "*■ - - •-
Den Ramen erhöht..., der Firma neuen
Glanz verliehen ...
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