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Siebener Anzeiger (General-Anzrlger für Vberhefsen)

ttr.2Z Viertes Blatt

Samstag, l. $ebruar 1950

Protefl gegen die Austeilung des Kreises Alssetd

Oberheffen.

Kreis Büdingen.

H Alsfeld, 31. San. Am gestrigen Donners» tag traten die Vertretungen der wirtschaft- lichenVerbände undOrganisationen der Stadt Alsfeld zu einer wirkungsvollen Kundgebung unter dem Vorsitz von Bürger­meister Dr. V o l s i n g zusammen, um gegen die vom Reichssparkommissar vorgeschlagene Auf­hebung des Kreises Alsfeld Stellung zu nehmen.

Sn seinen einleitenden Worten wies Bürger- meister Dr. V ö l s i n g darauf hin, daß es sich hier um eine Angelegenheit von allergrößter Wichtigkeit für die Lebensinteressen von Stadt und Kreis Alsfeld handele. Es sei »an großem Unterschied, ob man einer großen Stadt eine Behörde wegnehme, oder einer kleineren Stadt, für die der Sih von Behörden geradezu eine Lebensnotwendigkeit für die Aufrechterhaltung ihrer Existenz sei. Eine Wegnahme des Kreis- amts Alsseld würde für die Stadt Alsfeld be­deuten, daß eine ganze Reihe von Existenzen des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes, sowie industrielle Betriebe dem Ruin entgegen­gehen würden.

Rach einer Aussprache, in welcher allseitig die schwersten Befürchtungen aus einer Aufhebung des Kreises Alsfeld für die Weiterexistenz der

zum Ausdruck kam, wurde ein* Entschließung angenommen, versammelten Vertreter der be- Bcvölkerung der Kreisstadt Als-

schen Beamtenbundes, Ortskartell Alsfeld, die Vertreter des Allgemeinen Deutschen Gewerk­schaftsbundes, Ortskartell Alsfeld, die Vertreter der Ortsgruppe Alsfeld des Reichsverbandes Deutscher Kriegsbeschädigten und Kriegshinter­bliebenen

protestieren aus das Entschiedenste gegen eine Aufteilung des Kreises Alsfeld.*

Eine solche Maßnahme, die in der Seit schwerster wirtschaftlicher Rot der Bevölkerung erfolgt, würde nicht nur die Kreisstadt Alsfeld auf das schwerste wirtschaftlich schädigen und die Ge* fährdung einer ganzen Anzahl von Existenzen des Gewerbe- und Kausmannstandes zur Folge Huben, sondern würde auch bei der räumlich großen Ausdehnung und Lage des Kreises Als- seld, als des größten Kreises in Hessen, für die gesamte Landbevölkerung des Kreises eine

nicht zu verantwortende Erschwerung und Ver­teuerung in ihrem dienstlichen Verkehr mit der

Kreisbehörde

bedeuten, deren Auswirkungen die an sich schon schwer um ihre Existenz ringende, fast ausschließ­lich landwirtschaftliche Bevölkerung des Kreises ganz besonders hart treffen würden. Eine Der- waltungsreform darf bei der gegenwärtigen all­gemeinen wirtschaftlichen Rot auf keinen Fall dazu führen, der Bevölkerung erhöhte Ausgaben und Kosten aufzubürden."

Sn der Begründung wird angeführt, daß eine Derartige, in die wirtschaftlichen Verhält­nisse tief einschneidende Maßnahme, wie die Aus­hebung des räumlich größten Kreises Alsfeld die Kreisstadt Alsseld für alle Zeiten lahmlegen und ihr jede Möglichkeit zu einem wirtschaftlichen Aufstieg nehmen werde. Die Kreisbehörde ist für jede kleinere Landstadt die lebenswichtigste Be­hörde, mit deren Beseitigung man für alle ab­sehbaren Zeiten den Stab über ihre wirtschaft­liche Bedeutung bricht. Die ganze Schwere der Auswirkungen würde gerade diejenigen Bevöl­kerungsschichten am schwersten treffen, die an und für sich schon durch die Snflation und durch die ungünstige wirtschaftliche Entwicklung nach dem Kriege am meisten gelitten haben, nämlich den gewerblichen Mittelstand und die kleineren industriellen Betriebe.

Es wurde aus Der Versammlung heraus be­schlossen, Daß Demnächst eine Qlborbnung von Vertretern des Kreises und der Stadt Alsfeld Die schwerwiegenden und berechtigten Bedenken Der Kreisbevölkerung gegen Die Aufteilung Des Kreises Alsseld dem Mini st er des Sn* n e r n mündlich noch näher darlegen soll.

Stadt Alsfeld mutig eine die sagt:

Die heute

von dem Gemeinderechner zu Helpershain für den Verband der Rechner im Kreis Schotten.

V Gedern, 28. San. Der neugewählte Ge­meinderat hielt' gestern abend unter Dem Vorsitz des Bürgermeisters Müller seine erste Sitzung ab. Sn seiner Eröffnungsansprache be­grüßte der Bürgermeister besonders den wieder- gewählten Senior Konrad Ger lach, der be­reits 34 Sabre lang seine bewährte Kraft der Stadt zur Verfügung gestellt hat, ferner gedachte er des jetzt ausgeschiedenen Mitgliedes Maier Woehl, der 25 Sabre lang an den Geschicken der Stadt mitarbeitete. Hierauf führte der Bür­germeister folgende neue Gemeinderatsmitglieder in ihr Amt ein: Heinrich Pfeiffer, Wilhelm Hofmann, Sohannes Rausch, Richard Birx, Karl Verlach III.. Ludwig Samuel und Karl Funk. Anschließend wurden die Wahlen zu Den vcrschieDenen Kommissionen vorgenom­men. Sm übrigen wurden noch einige kleinere Angelegenheiten erledigt. Die hiesige Orts­gruppe der Deutschen Bau- und Sied­lungsgesellschaft hielt dieser Tage ihre diesjährige Generalversammlung ab. Rach einem Rückblick des Ortsgruppenvorsitzenden, Architekt Schröder, auf die Tätigkeit im verflossenen Geschäftsjahr erstattete der Rechner Soh. Rausch den Kassenbericht, der einen befriedigen­den Abschluß zeigte. Der seitherige Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt, außerdem wählte man als Werbewart und weiteres Vor­standsmitglied Dr. Lang aus Grebenhain. Weiter wurde über interne Ortsgruppenange­legenheiten verhandelt.

# Freienseen, 28. San. Dieser Tage hielt die Gemeinde ihre erste Brennholzver stei­ge rung ab. Der Besuch war außerordentlich gut, trotzdem eine Versteigerung seitens der Gräf­lich Solmschen Standesherrschaft einige Tage vor­ausgegangen war. Die Güte des Holzes und

rufsständischen ____

felD, nämlich: die Mitglieder der Handelskammer Gießen-Alsfeld-Lauterbach, die Vertreter der Einzelhandelsvereinigung, die Vertreter des Kaufmännischen Vereins, die Vertreter des Ortsgewerbevereins, die Vertreter des Verkehrs- vereins, die Vertreter des Allgemeinen Deut-

gute Absuhrmöglichkeit brachten recht ansehnliche Preise. Für den Raummeter wurden gezahlt. Duchenscheit 11 bis 12 Mk., Knüppel 9 bi« 10 Mk.. Astknüppel 3 bis 5 Mk., Ast reifer 1.20 Mark, Stöcke 9 Mk. Eine zweite Versteigerung wird demnächst folgen. Der hiesige G e s a n g- verein hat schon jetzt mit Den Vorbereitungen zum Bundessängerfest des Oh m- Lumda-Gaues begonnen. Das Fest ist nut Dem Wertungslingen verbunDen und finDet am 25. Mai statt. Sn Der kürzlich gehaltenen General­versammlung würben Die Ausschüsse gewählt, die ihre Tätigkeit bereits ausgenommen haben. Man ist eitrig bemüht, den Bundes- und Gastvereinen einen angenehmen Aufenthalt au bereiten.

(Sichel« Dorf. 24. San. Vor etwa Sahrce- srist regte Der hiesige Kricgerverein. obgleich schon seit Sahren eine Gedächtnistasel ,n Der Kirche vorhanden ist, die Errichtung eine« Kriegerdenkmals an. Unter Dem Vorsitz von Bürgermeister KnoDt begann eine au« Den verschieDensten örtlichen Körperschaften unD Vereinen gebildete Kommission mit der Erledi­gung nichtiger Vorarbeiten. Der Beschallung eines geeigneten Denkmalsplatzes und Der vorgesehenen Bausununc von 5000 Mark. RachDem man zwei in Aussicht genommene Plätze fallen lassen^ '"ußte. stellte Die GemeinDe unentgeltlich einen Teil des ehemalig Freymannschen Gartens an Der Ridda- brücke zur Verfügung. Die Bausumme ist dank Der Opferwilligkeit Der ganzen GemeinDe und auswärtiger Freunde überzeichnet worden, und 2000 Mark sind bereits eingezahlt und ver­zinslich angelegt. Man will erst mit der er- richtung des Kriegerdenkmals beginnen, wenn Die Bausumme zum größten Teile in bar vor- Händen ist. Die Auswahl eines geeigneten Ent­wurfes kann daher in aller Ruhe erfolgen.

G RuDingshain, 28. Jan. Der hiesige Ai a n nergefanguerein hielt kürzlich seine (st e n e ralucrl ammlung ab. Aach einem Liedervai trag erstattete der Vorsitzende 5)ch. Th. D c u b e l den Jahresbericht und zeigte, daß Der Verein im ver­flossenen Jahre weiter gewachsen ist und unter sei nein neuen Leiter, Lehrer Schwarz, seit April vorigen Jahres eifrig tätig war. Auch Der Rech nungsabschluß warf ein günstiges Bild auf die Ent­wickelung des Vereins. Zum Rechner wurde Land­wirt August Vieh! neugewählt. Aach einer kurzen Aussprache und Berichten über Die Vorarbeiten zur Jubiläumsfeier am 1. Juni rourDe Die Versammlung geschlossen. Die l a n D w i r t s ch a f t l i ch e n B e - russschulen von RuDingshain urtD Breunges­hain besichtigten Dieser Tage Das Mustergut Sel­genhof. Der Leiter Desselben zeigte Den edjulerii Die Art unD Den Wert neuzeitlicher Arbeitsweise in Der LanDwirtschast unD besonDers in Der Viehzucht. Die erste Brennholzver st eigerung mi Distrikt chammerwald und Grünberg fanD Dieser Tage statt. Die Preise bewegten sich ungefähr in gleicher Höhe wie im Vorjahre. Für Buchenscheitholz mürben 10 bis 12 Mark je Raummeter geboten.

T Ober-Lais, 27. San. Am Sonntag fand bei Gastwirt Theiß Die ordentliche General­versammlung des Kriegervereins statt. Präsident Ries konnte zu Beginn der Versammlung seststellen, daß fast alle Kameraden anwesend waren. Rachdem in üblicher Weise Def verstorbenen Kameraden gedacht worden war. wurde zunächst die vom Vorstand geprüfte Rech­nung für richtig befunden und dem Rechner Simon Entlastung erteilt. Für den Bezirkstag in Dorsdorf wurden die Kameraden Adolf Götz und Adolf ©cum als Vertreter bestimmt. Das Kleintaliberschießen wurde einstimmig

f Ranstadt, 29. San. Am letzten Sonn­tag hielt unser Turnverein einen Fannlien- abend an dem drei Theaterstücke ausgesuhrt wur­den die allgemeinen Beisall fanden. Wahrend voriges Sahr nych zwei Maskenbälle veranstaltet wurden haben sämtliche Vorstände der hiesigen Vereine den Beschluß gesaßt, daß solche m diesem Sabre unterbleiben sollen, was allgemein be- aniftt wurde angesichts der schlechten wirtschaft- jichen Verhältnisse und der in unsrer Gemeinde ebenfalls eingetretenen Arbeitslosigkeit. Leider hat jetzt audj in unsrem Fürstlich Stolbergschen Walde die Holzhauerarbeit ihr Ende ge­sunden, bei der 22 hiesige Kleinbauern und Ar­beiter lohnende Beschäftigung fanden. Es wurden im ganzen 4000 Festmeter Derbholz geschlagen. Die herrschaftliche H o l z v e r st e i g e r u n g war im Gegensatz zu früheren Sahren von auswärts schlecht besucht, was wohl seinen Grund m der gelinden Witterung hat. bei der man wen^ Holz verbrauchte. Der durchschnittlche Preis furBuchen- scheit stellte sich auf 15 Mk. Reiser wurde die Forstverwaltung kaum los, Wei viele Leute hier bei der im letzten Sahr ansässig gewordenen Bäckerei backen lassen. - Am Sonntag wurde Die älteste Frau, wie überhaupt das älteste ein­geborene Glied unserer Gemeinde, die 86'/-- lähriae Witwe Marie Birkenstock beerdigt. Der älteste Mann unseres Dorfes ist der aus Bleichenbach stammende Briefträger i.R. Sohs. Kaiser, der am 9. Sanuar bereits 94 Sahre alt wurde.

Berstadt. 29. San. Sm GasthausZum Löwen" sprach dieser Tage der Großmeister der Bruderschaft Friedberg des Sung deutsch en Ordens. Landwirt Rud. S e h n e r aus Schwal­heim bei Friedberg über das ThemaBottsnatio- nale Reichsvereinigung und deutsches Bauern­tum". Der Redner legte dabei das Wollen De« Sungdeutschen OrDens durch die Volk «na 11 o - nale Reichsvereinigung dar und forderte zu deren regen Unterstützung auf. Dem Vor­tragenden wurde mit lebhaftem Beifall gedankt.

oto Ob er -Widdershei m, 26. San. Sn Der ersten Diesjährigen Versammlung des Ev.- Kirchlichen Franenvereins Ober- Widdersheim erstattete der Ortspfarrer Bericht Über Werden und Wachsen des Vereins und über dessen bisherige Tätigkeit. Der Verein ging hervor aus einfachen Vorlese-Abenden, zu denen der Pfarrer in Den beiden Wintern 1925 und 1926 die Frauen des Dorfes eingeladen hatte. Am 22. Rovember 1927 hielt die Sekre­tärin des Verbandes Evangel.-Kirchlicher «jraucn- vereine einen Vortrag, und im Anschluß daran wurde der Frauenverein gegründet. Die Ver- sammlungsabende mit Vorlesen, Gesang und kur­zer Schlußandacht fanden auch weiterhin im Winter alle 14 Tage, im Sommer monatlich ein­mal statt. Die Mitgliederzahl nahm ständig zu. Gleich nach seiner Gründung konnte Der Verein vom VerbanD zur Verfügung gestellte Bibeln unD Reue Testamente verteilen; jeDes Sahr hat er bis letzt eine erbauliche Weihnachtsfeier gehal­ten; ebenso tourDe jeDes Sahr ein Ausflug ge­macht. Seine Einnahmen aus Mitgliederbeitra- gen verwendete der Verein zunächst zur Be- schassung von elektrischer Beleuchtung, von Bänken und Tischdecken für sein Versammlungs­lokal, dann zur Beschaffung einer in der Kunst- werkstätte von Professor Rudolf Koch in Offen­bad) hergestellten Altardecke für die renovierte Kirche, seitdem zu wohltätigen Zwecken in der Gemeinde. So wurde 1929 die älteste Frau Des Kirchspiels zu ihrem 90. Geburtstag beschenkt und am letzten Weihnachtsfest wurden 10 Kranke des Dorfes durch Weihnachtsgaben erfreut. Die Epileptischenanstalt in Rieder-Ramstadt konnte der Verein unterstützen durch eine gemeinsame Bürstenbestellung im Wert von 118 Mk., und bei der Verlosung zum Besten des Verbands­erholungsheims wurden 100 Lose abgeseht. Don der Snneren Mission ist eine Wanderbibliothek für den Verein geliehen, die fleißig benützt wird. Sn der ersten Versammlung dieses Sahres wurde aus der Zahl der Dezirksfrauen der Vorstand gebildet und Frau Emmi Rickel zur Vor­sitzenden gewählt, während Frau Ottilie W e r -

n c r wie bisher die Kassengeschäfte versieht. Sn der letzten Versammttfng sprach Schwester Srma Röhner über die Arbeit der Zuflucht in Gießen und die mancherlei Erfahrungen mit den dort einlehrenden Menschen. Die ebenso interessanten wie ernsten Ausführungen haben auf alle Anwesenden tiefen Eindruck gemacht. Auch die Kreisfürsorgerin des Kreises Büdingen nahm an dieser Versammlung teil; ebenso war um des Vortragsthemas willen ausnahmsweise der Mädchenverein zu dieser Versammlung des Frauenvereins eingeladeN; er brachte seinen Dank hierfür, wie für eine ihm zur Wimpel- beschaffung vom Frauenverein gestiftete Gabe zum Ausdruck durch musikalische Darbietungen seines Lauten- und Mandolinenchors. Sn das neue Vereinsjahr geht der Frauenverein mit 60 Mitgliedern.

Kreis Schotten.

8 Feldkrücken, 29. San. Unter stärkster Anteilnahme aus unserer Gemeinde und der nähe­ren Umgebung wurde hier der nach kurzer, schwe­rer Krankheit im Alter von noch nicht ganz 40 Sahren verstorbene Gemeinderechner Karl K n ö h zur letzten Ruhe geleitet. Der Krieger­verein schritt geschlossen dem Sarg voran, eben­so der Männerchor, der feinem so früh dahin- gegangenen Mitglied am offenen Grab ein Lied als letzten Gruß fang. Der Ortsgeistliche wür­digte in seiner Grabrede in Anlehnung an Osfbg. 2,10 die trefflichen menschlichen Eigenschaf­ten des Heimgegangenen und seine Treue und Gewissenhastigleit im Amt. Rach der kirchlichen Handlung gab eine Schützengruppe des Krieger- vereins drei Ehrensalven ab. Dann folgten meh­rere Kranzniederlegungen, begleitet von Worten ehrenden Gedenkens, von Bürgermeister K a i - f c r für die Gemeinde Feldkrücken, Zimmermann Wilh. Schneider für den Männerchor, Gast­wirt Albert Keil für den Kriegerverein und

auf ein Sahr zurückgestellt. Rack) Erledigung einiger geschäftlicher Mitteilungen schloß die Ver­sammlung mit Dem DeutschlanDlied. Ein geselliges Zusammensein vereinigte die Kameraden noch längere Zeit.

SPielPlan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Sonntag, 2. Februar, 19.30 bis 22.30 Uhr:Die Afrikanerin". Montag, 3., 20 bis 22.30:Schwanda, der Dudelsackpfeifer". - Dienstag, 4.. 19.30 bis nach 22:Don heute auf morgen" undDer getreue Musitmeister". Mittwoch, 5., 15.30 bis 17.30, geschlossene Schüler­vorstellung:Der Freischütz". 20 bis nach 22.30: Der Troubadour". Donnerstag, 6., 20 bis nach 22.30:Das Land des Lächelns". Freitag. 7., 19 bis nach 22.45:Der Rosenkavalier".

Merkwürdigkeiten der neuesten Technik.

Von Frank Warschauer.

Totenmasken von Lebenden.

Wir kennen alle die Gipsmasken berühmter Persönlichkeiten, die ihnen nach dem Tode ab­genommen worden sind. Sie haben zum Teil ein solches Maß von Raturtreue, daß es oft fast erschreckend wirkt; und mancher, der Beethovens Totenmaske über seinem Klavier hängen hat, wird schon zuweilen die Vision gemacht haben, daß dieses Gesicht plötzlich Leben gewinnen, dieser Mund plötzlich sprechen könnte. Es gibt vielleicht keine Darstellung des menschlichen Ge­sichts, von der ähnliche Wirkungen ausgehen. Deshalb hat man immer wieder versucht, Gips- masken nicht nur von Toten, sondern auch von Lebenden herzustellen.

Dies war aber bisher mit wesentlichen Unan- nchmlichkeiten verbunden. Die Gipsmaske schließt das Gesicht vollständig von der Luft ab; man muh Der betr. Person durch feine Röhrchen, die in Rase und Mund gesteckt werden, wenigstens die Möglichkeit der direkten Atmung verschaffen. Aber auch dies ist nicht immer sicher; es hat sich oft genug ereignet, daß sich gefährliche Si­tuationen einer drohenden Erstickung Dabei er­gaben; oft muhte Die erftarrenDe Gipsmaske mit Dem Hammer von Dem Gesicht abgeschlagen wer­ben. Die Aermsten können einem leid tun, Die sich Derartigen ProzeDuren unterziehen müssen.

Run ist aber ein neues Verfahren zur Her­stellung solcher Masken gefunDen worden, wobei die betreffende Person weniger zu leiden hat. Man bespritzt ihr Gesicht vorsichtig mit einer an Aether gebundenen Masse, Die rasch erstarrt und Dann leicht abgehoben werben kann. Natürlich hat man Damit erst das Regativ vor sich, Das man nun weiter mit vcrschieDenen Materialien, so mit Ton, Gips oder Dronze ausgiehen lassen kann. Diese Technik stellt eine Art von plastischer Photographie Dar, weshalb sie auch Den Ra- men Plastigraphie bekommen hat. Vielleicht wirb es sich nun wirklich einbürgern, daß wir uns

die Totenmaske schon bei Lebzeiten abnehmen | lassen.

Ein Gefpensierorchester.

Kürzlich sand in Wien eine merkwürDigc unD unheimliche Vorführung statt. Auf einem Po- Dium waren Die verschieDensten Snstrumente auf­gebaut. Saxophone unD Geigen, Celli unD Flöten, Oboen, Trompeten und Fagotte. Die Zuhörer warteten Darauf, DaH nun Die Musiker kommen würden, um auf diesen Snftrumenten zu spielen. Aber zu ihrem größten Erstaunen begann dieses ganze Orchester plötzlich zu tönen, ohne dah ein Musiker zu sehen gewesen wäre.

Was war geschehen? Hatten die betreffenden Herren mit Hilfe einer neuen Erfindung sich unsichtbar gemacht? War die Tarnkappe des Märchens Wirklichkeit geworden? Sahen sie in Wirklichkeit auf dem Podium, ohne dah man sie dabei erblicken konnte? Rein, dieses ganze Or­chester spielte mechanisch. Zwei amerikanische Sn- genieure haben eine Erfindung ausgearbeitet, nach der es möglich ist, von einer Schallplatten­aufnahme die betreffenden Klangfarben den da­zu gehörigen Snftrumenten zuzuleiten. Sie be­nutzen dazu eine Art Tonfilter, der die verschie­denen Klangnuancen nach ihrem Ursprung trennt. Dann erfolgt die Resonanz etwa derjenigen Schwingungen, die ursprünglich durch ein Saxo­phon erzeugt wurde, ebenfalls wieder durch jenes Saxophon, das man auf dem Podium sah, und mit den anderen Snftrumenten geschieht das in gleicher Weise. Es handelt sich also gewisser- mahen um eine Art höchst vervollkommneter Schallplattenwiedergabe, bei Der die ursprüng­lichen Klangfarben besonders naturgetreu wie­der gegeben werden. Die neue Erfindung wird voraussichtlich die verschiedensten technischen An- Wendungen finden, zum Deispiel auch bei der Wiedergabe von Tonfilmen. Vielleicht werden wir in nicht allzuferner Zeit uns daran gewöh» nen, auch im Kino vor einem solchen Phantom­orchester zu sitzen, in dem sämtliche Snstrumente vorhanden sind, und das höchst naturgetreu klingt, ohne dah ein Spieler zu sehen wäre.

Fliegende Häuser.

Man baut jetzt so große Luftfahrzeuge, dah sie wirklich schon an fliegende Häuser erinnern.

Run wird aber auch ein anderes, aus Amerika kommendes Verfahren angegeben, wonach das Gewicht eines ganzen Wohnhauses mit Dem ge­samten Snocntar Derart leicht wirk), dah man es, an einem Luftschiff hängenD, durch die Luft be­fördern kann-

Die betreffende Erfindung stammt von dem Architekten Fuller in Chikago. Er verwendet nicht Eisen, Glas oder Dcton, das sind ihm viel zu altmodische Daustoffe, sondern das Kasein- Glas, das sogenannte Galalith, aus dem bisher schon allerhand Gebrauchsgegenstände gemacht wurden, allerdings noch niemals Häuser.

So ein Haus wird gänzlich anders aussehen, als wir es bisher gewohnt sind. Der merkwür­dige Bau soll wie ein Taubenschlag um eine Zentralsäule aus Duraluminröhren herum ent­stehen. Fenster braucht man nicht denn das Kasein-Glas ist durchsichtig. Gegen Wärme und Kälte wird man gar nicht übel geschützt sein, denn es soll das Prinzip der Thermosflasche angewendet werden, wonach zwei Lagen Kasein- ' Glas verbunden und der Hohlraum zwischen ihnen luftleer gemacht wird.

Fußboden und Türen gewöhnlicher Art wird es in diesem interessanten Hause nicht geben. Das ist alles viel zu schwerfällig und lang­wellig. Man kann auf Luft, die in Gummi­schläuche eingepumpt ist, durch die ganze Welt fahren warum sollte man nicht auch auf ihr spazieren gehen! So sind hier für die Böden und Türen Gummistoffe in Aussicht genommen, Die wie Luftkissen oder Pneumatiks durch Die Lust aufgepumpt und prall werden sollen.

Auch von Der Beleuchtung durch Prismen, durchsichtige Decken, elektrische Lampen und Spie­gel wird Märchenhaftes berichtet. Ratürlich sollen die Sofas und Betten ebenfalls nicht massiv, sondern pneumatisch fein wahrscheinlich wird man in ihnen dann ebenso gut ruhen können, wie auf Holz oder Metallbetten, Und der Clou des Ganzen ist: so ein merkwürdiges Haus mit mehreren Stockwerken soll auch noch billig sein nach den vorliegenden Berechnungen wird es nicht mehr als 10 000 Mark kosten-

Gar manches, was gestern Utopie schien, ist heute Wirklichkeit geworden. Warum sollte es nicht auch mit Dem fliegenden und durchsichtigen

Haus des Herrn Futter aus Chikago so gehen? Möglicherweise eröffnen sich so die schönsten Aus­sichten für eine neue, technisch-phantastische Bau- tultur Der Zukunft.

Oer deutsche Frühbarock in der Musik.

Das Musikwissenschaftliche Seminar hatte zu­sammen mit Dem Deutschen Seminar zu einem Vortragsabend eingeladen, um Zielrichtung ihrer wissenschaftlichen Tendenz und Proben lünst- Icrischer Leistungsfähigkeit zu geben. Die Ver­bindung von historisch-methodischer und prak­tischer Arbeit wird die Sdealsorderung an ein musikhistorisches Seminar fein. Sm Rainen des Deutschen Seminars begrüßte Pros. Dr. Vic­tor die Anwesenden, und Privatdozent Dr. Gerber schuf in seinem Einsiihrungsvortrage den Rahmen für die praktischen Demonstrationen. Dr. Gerber charakterisierte durch knappe Her- ausarbeituna vom tieferen Wesen des mufitali* schen Frühoarock in Statten und Deutschland die Situation und den aktivistischen Geist der großen Meister wie Haßler oder Schein. Zwei Sntraöen für sechs Streichinstrumente von Mel­chior Franck, durch Unmittelbarkeit und Differen­zierung des linearen Bildes außerordentlich fes­selnd, und eine Reihe von Liebes- und- Trink­liedern von Soh. Adam Krieger, die Heinrich Hub vom Stadttheater mit seiner dunklen, tra­genden Baßstimme eindringlich vortrug, umrahm­ten einige X-cappella-Chöre von Hans Leo Haß­ler und Sohann Hermann Schein. Das lustige Run fanget an", das innerlicheAll Lust und Freud'", das unerhört schöneSungfrau Dein schön Gestalt" (Haßler), oder die heiteren fünf- stimmigen Schein-Chöre gewinnen durch ihre me­lodische Gemeingültigkeit und die Unmittelbarkeit des klang.ichen Ausdrucks. Freilich erfordern diese delikaten Chorsähe eine liebevolle technische Aus­arbeitung und geistige Grundlage im klanglichen Aufbau. Unter Dr. Gerbers Leitung sang der Chor beispielgebend, wie auch in den Sntra- Den von Franck und Der Suite von Schein die Streichinstrumente den Stil und Klangcharakter treffend vermittelten.