Einzelbild herunterladen

104 vierter Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gdertzeffen)

Montag, 3l. Dezember (934

Aufwärts in Gießen imIahre-1934!

Hv

ci)

ne

unii

L-

V

d

e

u

g

Aus der Provinzialhauptstadt

ein

:b ; b

kch; DOl

erizedacht. Die gleiche starke Grundlage i e Vertrauens zum Werke des Führers

D b

I e

r«s,t bien Segnung auch unserer engeren Heimat ziDupe iam, sei in diesem Zusammenhang zuerst mtt ^eHichem Danke an den Führer und Reichs­

neuen Erkenntnissen gewinnen? Oder hast du Recht zu der tiefen, traurigen Klage:

Endlos liegt die Welt vor deinen Blicken, Und die Schiffahrt selbst ermißt sie kaum; Doch auf ihrem unermess'nen Rücken Ist für zehen Glückliche nicht Raum?"

erhalten haben, dessen Wirken das vorbehaltlose Vertrauen aller Volksgenossen verdient und von dem man eine gute Aufwärtsentwicklung unserer oberhessischen Heimat erwarten darf.

Die kommunalwirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt, mit der ja die wirtschaftliche Lage aller örtlich eingestellten Unternehmungen und aller ihrer Angehörigen sehr eng verbunden ist, kann man für das verflossene Jahr erfreulicherweise als g ü n st i g und für die Zukunft als verheißungsvoll bezeichnen. Starker wirtschaftlicher Auf­trieb tritt allenthalben in Erschei­nung. Es sei hier vor allem auf den Baumarkt hingewiesen. Die umfangreichen Jnstandsetzungs- arbeiten des Hausbesitzes mit Hilfe der öffentlichen Hand, die ausgedehnten Straßenerneuerungen und -ausbauten (Straßen- und Kanalbau in der Schle­sienstraße, Verbesserung des gesamten Straßennetzes im Südviertel westlich der Frankfurter Straße, Asterweg, Eberstraße, Hitlerwall vom Landgericht bis zur Moltkestraße, Landgrafenstraße, oberer Teil der Ludwigstraße, Riegelpfad, obere Wolfstraße), die Fertigstellung der Pestalozzischule, die Erweiterung der Kläranlage, der Um- und Ausbau der Kassen­räume im Gaswerk, der Neubau und Umbau des Arbeitsdienstlagers am Philosophenwald usw. usw.) zeigen das Reich und die Stadt überall in groß­zügiger Weise bei der Erschließung von Arbeits­plätzen und Lieferungen von Material. Man er­innere sich weiter der zahlreichen Privathausbauten, durch die ebenfalls namhafte Summen mobil ge­macht wurden. Die Kirchengemeinden trugen durch die Errichtung eines Altersheimes auf dem Grund­stück des Evangelischen Schwesternhauses neben der Evangelischen Krippe und den Erweiterungsbau der katholischen Kirche an der Liebigstraße sehr viel zur Belebung der heimischen Wirtschaft bei. Von großer Bedeutung war auch die Baubelebung durch den Staat bei der Schaffung des neuen Pharmakolo­gischen Instituts mit Hörsaal, bei dem Umbau der früheren städtischen Waage in der Frankfurter Straße zur Medizinischen Poliklinik der Universität und bei der Errichtung des neuen Gewächshauses im Botanischen Garten. In diesem Zusammenhang sei ferner auf die weitreichende wirtschaftliche Aus­wirkung des NS.-Arbeiisdienftlagers Gießen hin­gewiesen, das sowohl als Verbraucher, wie auch als Arbeitsfaktor hervorragende Bedeutung hat. Die Wiederbelebung der Bauwirtschaft als Schlüssel­gewerbe für viele andere Wirtschaftszweige hat im abgelaufenen Jahre in unserer Stadt das erfreuliche Ergebnis gebracht, daß große Summen in das

Wehe uns, wenn wir mit solchem Pessimismus in das neue Jahr eintreten wollten! Zwar herrscht

.ai wpckmde Vertrauen

Unfriede noch genug in der Welt, und unser eigenes Volk hat auch immer noch nicht alles abgeworfen, was allzumenschlich an ihm ist. Aber die Tore stehen weit geöffnet, durch die es dem Aufstieg entgegenschreiten kann!

Der Weg ist klar gezichnet. Das Ziel leuchtet hell und eindeutig uns voran: Pflichterfüllung bis ins Kleinste für das Wohl der Gesamtheit! Früher mochten die Dichter fingen:

In des Herzens heilig-stille Räume Mußt du fliehen aus des Lebens Drang! Freiheit ist nur in dem Reich der Träume Und das Schönste blüht nur im Gesang"

Heute gibt es für deutsche Menschen, soweit die deutsche Zunge reicht und deutsche Lieder erklingen, nur eine Aufgabe, sich mitten in des Lebens Drang hineinzustellen und an irgendeinem Platze, auch unter Ueberwindung persönlicher Herzensbe­dürfnisse, mitzuarbeiten am Wiederaufbau der Na­tion, mitzuerkämpfen die Freiheit des deutschen Volkes! Diese Einspannung ist hart, diese Dienst­leistung erfordert große Opfer. Die Opfer sind um so schwerer, weil unser deutsches Volk seit zwanzig Jahren nichts anderes kennt, als die Forderung,

Die Losung für 1935.

Von £)r. Will Sauer.

O, nehmt mich, nehmt mich mit in die Reihen auf. Damit ich einst nicht sterbe gemeinen Tods!

Umsonst zu sterben lieb ich nicht; doch lieb ich zu fallen am Opferhügel

fürs Vaterland; zu bluten des Herzens Blut fürs Vaterland!" Hölderlin.

Wenn irgendwann, so geschieht es am Anfang eines neuen Jahres, daß wir Herz und Sinn los­lösen vom Alltäglichen, uns sorgend und hoffend vor die Frage stellen: Was wird werden aus dir, deinem Volke, der Menschheit? Geht's vorwärts in der Entwicklung und aufwärts? Lassen sich Mißmut, Hader und Streit niederringen und neue Wege zu

jeiin Tage besonders klar und eindrucksvoll in E fd eung. In Einigkeit und Geschlossenheit, in

Wttigt wie ein Mann stellte sich die Gießener mb^ud) die oberhessische Bevölkerung hinter §i*rer und die durch sein Vertrauen ins Amt

I i : migen Stunden sinkt das Jahr 1934 in die jfl hinab. Damit vollendet sich das zweite : iis nationalsozialistischen Dritten Reiches. Bei m^ahreswechsel verlohnt es sich, noch einmal Licke rückwärts zu wenden, bevor wir den fd in das neue Jahr antreten. Mit dieser iif trachtung des Jahres 1934 wollen wir uns ... t überblick über die wichtigsten Begebenheiten nd (ütwicklungen der letzten zwölf Monate in re Heimatstadt Gießen verschaffen, zugleich :-ch die Wegrichtung zu den Aufgaben und □i-ies Jahres 1935 erkennen.

Wirtschaftsleben Hineinflossen, durch deren Nutzbar­machung in unserer engeren Heimat die furchtbare Geißel der Arbeitslosigkeit sehr weitgehend beseitigt werden konnte. Die Auswirkungen dieser segens­reichen Entwicklung haben alle übrigen Wirtschafts­zweige verspürt, u. a. besonders auch beim Weih­nachtsgeschäft, von dem selbstverständlich wieder befruchtende Antriebe auf die Erzeugerfirmen aus- strahlen. Natürlich hat auch die städtische Finanz- wirtschäft davon Nutzen gezogen, indem einerseits aus Arbeitslosen wieder schaffende Menschen und Steuerzahler gemacht und infolgedessen Woylfahrts- lasten gesenkt, dagegen die Steuererträge gehoben wurden, anderseits auch die städtischen Betriebe größere Inanspruchnahme fanden und damit in der Wirtschaftlichkeit stiegen. Bei dieser Gelegenheit sei noch einmal des 25jährigen Bestehens unserer städ­tischen Straßenbahn am 20. November 1934 gedacht, das wir in einem Artikel in Nr. 258 desGießener Anzeigers" vom 3. November 1934 bereits eingehend würdigten. Erfreulicherweise bestehen hinsichtlich der Bauwirtschaft auch für das neue Jahr günstige Aus­sichten sowohl in Gießen, als auch in der Umgegend. Besondere Bedeutung dürste dabei wohl der Bau der Reichsautobahn st recke in Ober­hessen erlangen, über den derGießener An­zeiger" in seiner Nr. 263 vom 9. November 1934 eingehend berichtet hat. Bei dieser Arbeit werden zweifellos für viele Volksgenossen wieder dankbar begrüßte Verdienstmöglichkeiten erschlossen werden und davon auch alle übrigen Zweige des heimi­schen Wirtschaftslebens erheblichen Nutzen haben.

Fassen wir zusammen: Wie überall im lieben deutschen Vaterlande, so war auch in unserer Stadt Gießen das Jahr 1934 dank der großzügigen und weitgreifend planenden, in der Praxis mit glück­licher Hand tatkräftig führenden nationalsozialisti­schen Staatsleitung eine Zeit des fruchtba­ren, segensreichen Aufbaues. Das Ver­trauen der schaffenden deutschen Volksgenossen zu ihrem Führer und Kameraden Reichskanzler Adolf Hitler ist wie auf anderen Gebieten auch durch den energischen und siegreichen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit in vollem Umfange gerechtfertigt worden. Das schaffende deutsche Volk, das in den Werken des Friedens und der Arbeit wieder nach oben strebt, weiß sich auch für die Zukunft unter der Führung Adolf Hitlers auf guten Wegen. Darum heißt auch in Gießen und in Oberhessen die Losung für das neue Jahr 1935: voll Vertrauen zum Führer Adolf Hitler mit froher Zu­versicht hinein ins neueJahr, alle Kräfte angespannt zur Arbeit für ein neues Deutschland des Lichts und des Glückes für alle deutschen Volks genossen!

4DisOesamtbild bes scheidenden Jahres erhält s'! sondere Prägung durch das immer mehr «> - - * --t j n bie Aufbau-

e d e s Führers und Reichskanz- > i b o I f Hitler und durch die aus diesem :<i'n entstandene frohe Zuversicht für ..'Ukunft auch unseres Gemein­es. Wie außerordentlich stark dieses Ver- miiriim Führer auch in Gießen ist, trat in den ick 'cik chweren Stunden des 30. Juni und der

ujc-a Personen. Der Ehrenfchild der ii zum Führer blieb in jenen dunklen rvi Gießen und in Oberhessen blank, jeder m war sich bewußt, daß Adolf Hitler auch )ii:r schweren Krise unter vollem und rück­

st du und die gesicherte Aufwärtsentwicklung sc meutschlands und damit auch für das Wohl- ie! jengeöes einzelnen Volksgenossen eintrat. Dieser st atoaiimischen und menschlichen Größe des Füh-

s seheis. :iir auch in den Erscheinungen des g- ' l mhie 2 e b e n s. Verschwunden sind in unserer : Stadit ie trüben Bilder verzweifelnder Menschen, : denen, vir in früheren Jahren auf Schritt und ' Tritü Igegneten; beseitigt sind Haß und Neid und mcmiqtDes Verständnis zwischen den einzelnen ^Älki-sitchten mit den aus dem früheren Kampfe ; aller ! jgen alle entstandenen unheilvollen und : niedmxßenben Begleiterscheinungen. Statt dessen :: tritt tdiirall in Stadt und Land unserer engeren ' Heinrummer mehr die erfreuliche Vertiefung und AllstM_mg des nationalsozialistischen : G e r!ri n s ch a f t s g^e i st e s , die Erkenntnis der ' unlö'Llcrn deutschen Schicksalsoerbundenheit, des ' Aüfe !»c:der-Angewiesenseins aller deutschen Brüder * unt) ü&coeftern zutage; eindrucksvolle Beweise für r diese Wandlung der Gesinnung erlebten wir hier Mit nur in den großen Taten des Winter- hilfsiMLs, einschließlich der erhebenden Tage der Natiloncen Solidarität und der Sammeltage der Police, sondern auch gelegentlich der ausgezeich­netem fcnmmlung der SA.-Führer für die hilfs- bedüusn m SA.-Kameraden, bei den gastfreien und herzl! r. Aufnahmen saardeutscher Männer, Frauen unb iSkoer, bei den prächtigen Feiern des Tages der i-athmalen Arbeit, des Erntedankfesttages usw. Die m! Adolf Hitler erstrebte und von seinem Geisti riiüte Volksgemeinschaft, der von ihm von fallen. B-fsgenoffen geforderte deutsche Sozia- Hisriu der T a t hat bei allen diesen Gelegen- ;'I)eitei!t i diesem Jahre auch in unserer Stadt die :: schön Tic Früchte gebracht. Aus dieser Erfahrung ::crgeb.iBi 'ich für das neue Jahr sehr verheißungs- volle . ilssichten. Der neue und bessere Geist, der in all.enLolksschichten in breiter Front zum Durch- ? bruchu glommen ist, wird für die weitere Aufbau- : arbeit ri neuen Jahre auch in unserem Gemein- ' wesem nie starke positive Kraft sein, der wir uns gerne: bienen wollen.

Wenn wir unseren Blick von diesem ideellen Ge­winn des Jahres 1934 auf die wichtigsten Begeben­heiten des materiellen Lebens in Gießen hinlenken, so steht für uns der Personenwechsel auf dem Oberbürgermeisterposten im Vor­dergrund der Jahresrückschau. Mit Wirkung vom 1. April 1934 trat der Oberbürgermeister und Ehren­bürger unserer Stadt, Dr. Keller, dessen Ge­sundheitszustand schon lange Monate vorher viel zu wünschen übrig gelassen hatte, in den Ruhestand. 27 Jahre lang in der Verwaltung unserer Stadt tätig, davon rund 20 Jahre allein als Oberbürger­meister, hat er stets in einer Weise für unsere Stadt gearbeitet, die der vollsten Anerkennung und des bleibenden Dankes der Einwohnerschaft sicher ist. Sein Wirken fand denn auch die ehrenvollste Würdigung durch den Reichsstatthalter in Hessen Gauleiter Sprenger, der bei der Genehmigung des Rückcktrittsgesuches Dr. Kellers an diesen u. a. schrieb:Ich sehe Sie mit Bedauern aus Ihrem Amte scheiden, denn Sie haben sich in Ihrer 20jäh- rigen Amtstätigkeit in hohem Maße um die Stadt Gießen verdient gemacht. Die allgemeine Achtung, die Ihrer Person und Ihrem Wirken entgegenge­bracht wurde, findet Ihren Ausdruck in der wohl­verdienten Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Gießen. Ich möchte auch meinerseits nicht verfehlen, Ihnen meine besondere Anerkennung für Ihre er- spießliche Tätigkeit auszusprechen." Im Sinne unserer Bevölkerung bereiteten am 19. März 1934 der na­tionalsozialistische Stadtrat, der Kreisleiter und Kreisdirektor K1 o st e r m a n n, der damalige Rek­tor der Universität Prof. D. Bornkamm und eine Reihe weiterer Redner dem scheidenden Ober­bürgermeister und Ehrenbürger eine herzliche Ab­schiedsehrung, die zugleich eine außerordentlich ein­drucksvolle Dankeskundgebung für das verdienst­volle Wirken des beliebten Verwaltungschefs war. Mit der Geschichte unserer Stadt bleibt Oberbürger­meister Dr. Keller dank seiner großen Verdienste um Gießen, wie auch als Ehrenbürger für alle Zeit in ehrenvoller Weise verbunden. Einen hervorragen­den Nachfolger erhielt Dr. Keller in der Person des jetzigen Oberbürgermeisters Ritter, der vorher u. a. als Kreisleiter, Kreisdirektor und Bürger­meister in Bingen tätig war, mit Wirkung vom 1. April 1934 ab von der Staatsregierung zum kommissarischen Oberbürgermeister bestellt, am 24. Mai 1934 vom Stadtrat einstimmig zum Ober­bürgermeister gewählt und anschließend vom Kreis­leiter und Kreisdirektor Klo st ermann in sein Oberbürgermeisteramt eingeführt wurde. Wir schrie­ben imGießener Anzeiger" Nr. 115 vom 19. Mai 1934 nach einer Unterredung mit dem neuen Ober­bürgermeister u. a.:Unsere Bürgerschaft aller Stände und Schichten wird in Oberbürgermeister Ritter einen getreuen Sachwalter feststellen kön­nen, in dessen Hand sie das Geschick unseres Ge­meinwesens und damit auch das Wohl des einzel­nen sicher geborgen wissen darf." Die bisherige Tä­tigkeit des neuen Leiters unserer Stadtverwaltung hat in vollem Umfange die Richtigkeit unserer Mei­nungsäußerung vom 19. Mai bestätigt. Unsere Ein­wohnerschaft kann sich beglückwünschen, diesen Mann, einen Kommunalpolitiker großen Formats, an der Spitze der Stadtverwaltung wirken zu sehen.

Ein Personenwechsel, der auch für die Stadt Gießen von großer Bedeutung ist, vollzog sich fer­ner auf dem Posten des Kreisdirektors und Leiters der Provinzialdirektion Ob e r h e s s e n. Hier schied Mitte April 1934 durch ehrenvollen Uebertritt in den Ruhestand der Kreis- und Provinzialdirektor G r a e f aus seinen Aem- tern, in denen er als vorbildlicher Beamter von besten Qualitäten zum Nutzen des Kreises Gießen und der Provinz Oberhessen zehn Jahre lang tätig war. Seine Aemter gingen auf den unermüdlichen oberhessischen Vorkämpfer der nationalsozialistischen Bewegung seit deren Bestehen, Kreisleiter, Gau- inspekteur Klo st ermann über, in dem der Kreis Gießen und die Provinz Oberhessen einen Leiter

a

stckomi Einsatz seiner eigenen Person für den

: EißMompanie seieriGilvester

31. Dezember 1917.

Von Ernst Holzel, Gießen.

Al-S) Engländer während desSiegfriedrück- : zuges.;" vn Frühjahr 1917 in den Trümmerhaufen, . Pero^e genannt, einzogen, grüßte sie von der ; RathaMmine ein großes Schild:Nicht ärgern, nur rattern!" Das war schon lange der Wahl- fpructijn.s Infanteristen an der Westfront gewor­den. 2-wegen wunderten wir uns auch nur, als wir bühn, daß wir auch die vierte Kriegsweihnacht in (EsiUmg verbringen würden. Die erste im Schlamm! der Santerre, die zweite an der Somme, die ö riti wiederum an der Somme und nun die vierte! p Abwechslung mal vor Bacelaere in Flan­dern. fein muh die Feste feiern, wie sie fallen, desnnrsi fiel unsere Weihnachtsfeier bereits auf den 2 !1 Dezember, und am 22. gings zur Ablösung feinbctir5. Ein Weihnachtsgeschenk hatten wir alle betgnaiK:i: Frost. Nur wer einen Winter in Regen und Ciliamm in Flandern oder Nordfrankreich mitge/mit hat, kann ermessen, daß es wirklich ein Geschl pt oes Himmels war. In der Heiligen Nacht lagen I ii Patrouillen draußen, schossen die Ma- schineDp^ehre ihr Störungsfeuer, schickten die Artill^iei ihre Grüße hinüber und herüber. Nur iml'Hüirftanb" des Kompanieführers brannte ein Baun nie , kein Kind des deutschen Waldes, sondern Droh itj-nunes und grünes Papier täuschten einen Vaurrro-r, an dem kleine rote Kerzchen brannten. : Und ihc kam dieser und jener und hob die Zelt- ' bahn.n, !i als Türe diente, weg und fragte:Herr ßeutrnn darf ich das Bäumchen sehen?" Die : harte r»Männer, die dem Tod so oft ins Auge ge- sehen l k:ten, waren im Herzen doch Kinder ge- . blieb»et

Dackel am 28. der Befehl, das Bataillon würde : als rj.rgreifftaffel" zurückgezogen.Dann feiern wir Ue Silvester, Herr Leutnant", meinte ein Meldet: iiner der braven Kerle, die den Stoßtrupp, die \ Reserve des Kompanieführers, bildeten. Solli richt haben, wenn der Tommy Ruhe hält." Und 1 »ium die mitternächtige Stunde die Kom- . panier r Rolleghem-Kapelle, der neuen Unterkunft, ' eintrra ia wußten es schon alle: Uebermorgen holen I v - Weihnachten nach und feiern Silvester. Komsp: ivater und -mutter saßen zusammen und machkti Pläne, der Feldküchenunterosfizier mußte auch 1 ir in, der wußte, daß der Kompanieführer fein-irrxiigteit besondere Anfmerlsamkeit zu schen­ken | pc :e, uyd bald war die Festfolge tigr. In zwei i i: mcken, durch die der Wind wehte, war die

Kompanie untergebracht. Die größere wurde zum Feftsaal erkoren. Die Einleitung bildete ein echt oberhessisches Gericht, das eine gute Unterlage gibt: Fleischwurst mit Kartoffelsalat. Das war etwas so Außergewöhnliches, daß der Küchenzettel selbst ins Kriegstagebuch der Kompanie Eingang gefunden hat. Nachdem der Angriff auf Wurst- und Salat­berg mit völligem Erfolg durchgeführt mar, sammelte sich alles in derFestbaracke". O drangvoll fürchterliche Enge! Wer im Parkett an Tisch und Bank keinen Platz mehr fand, turnte auf die Galerie, dargestellt durch die oberen der zweistöckigen Betten. Wir waren die Enge des Unterstandes so gut gewöhnt, daß sie uns auch in der Baracke nicht die Laune verderben konnte. Die Hauptsache war, daß die Kochgeschirre mit einem steifen Grog aus der braven, viel geschmähten und doch so beliebten Gulaschkanone überall hinkamen. Während draußen die Sterne am frostklaren Him­mel blitzten und funkelten, breitete sich drinnen eine wohlige Wärme aus. Und dann stand einer auf und redete in der Sprache feiner Heimat, ein Oberhesse, und kaum hatte er geendet, da hatte ein Darmstäd­ter Heiner die Lacher auf feiner Seite. Aber wir waren ja nur noch dem Namen nach ein hessisches Regiment, Badener, Boyern, Thüringer, Westfälin- ger, Ostpreußen, Schlesier und Leute von der Wa­terkant taten in ihm genau so brav ihren Dienst wie die Söhne der Wetterau, des Vogelsbergs oder des Odenwaldes. Das ganze Deutschland saß hier irt seinen Stämmen vereint zusammen unter einem Dach, und keiner wollte hinter dem anderen zurück­stehen. Der Leutnant, der den ersten Zug führte, war Berliner und deswegen unter der Nase besonders gut zu Fuß. Ich könnte mir denken, daß Marcell Salzer niemals für die schöne Manöoergeschichte Raps" ein dankbareres Publikum gehabt hat als feine Berliner Konkurrenz, wobei die Kompanie natürlich die Großherzogliche 5. aus des Kaisers Leibregiment hieß und der Kompanieführer trotz botanischen Staatsexamens keinen Raps von sonst so einem gelben Futter unterscheiden konnte. Die Bänke bogen sich. Die Leute, die sonst stumm im Niemandsland lagen und horchten, was beim Feind geschähe, die nur im Flüsterton sich im Sappen­kopfe unterhielten, die bei Nacht und Nebel mit Speisenträgern, Stacheldraht, Minen ober Trag­bahren durch das verschlammte Trichterfeld keuchten, hier waren sie für Stunden froh und frei, fanden sie Erholung und Entspannung. Eine geheimnis­volle Kiste wurde hereingewuchtet, eine mit Ver­spätung eingetroffene Weihnachtskiste. Tabak, Strümpfe, Hosenträger, Baubinden, Taschenmesser, wer nennt die Dinge alle mit Namen, die da

zum Vorschein kamen und von den Beschenkten dankbar und freudig begrüßt wurden. Indes stand die Uhr nicht still, und als in der Heimat die Glocken das neue Jahr verkündeten hier in Fein­desland gab es keine Glocken mehr, da erhob sich der Kompanieführer, und alle wußten es, daß nun die Wirklichkeit wieder ihr Recht verlangte. Er ge­dachte der braven Kameraden, die im letzten Jahre an der Somme, bei St. Quentin, vor Gheluvelt und Paschendaele zur letzten Ruhe gebettet worden wa­ren. Nie konnte sich wahre Kameradschaft besser ent­falten als an der Front, weil sie hier bereit fein mußte, die größten Opfer zu bringen. Heute sind sie alle wieder unter uns, sie sehen uns an wie einst, sie reden zu uns wie ehedem und weisen uns den Weg, der unser aller Weg fein muß im kommen­den Jahr, den Weg der Treue und wenn es sein muß bis zum Tode. Der Händedruck, den alle miteinander tauschten, war mehr als ein Glückwün­schen, er war ein Gelöbnis und der Höhepunkt des Abends. Da legten die Kämpfer von der Marne, die Letzten von Le Quesnoy, die Erstürmer des Louvementrückens die Hand in die derer, die am Douaumont gestritten hatten, die vor Bouchavesnes das Grasen der Materialschlacht kennen lernten, die sich in die Lücke warfen, als der Feind bei Polder- hoek in der großen Flandernschlacht durchzubrechen drohte, sie blickten sich ins Auge und sagten kein Wort. Wie haben sie es gehalten, das stumme Ge­loben, bis zum bitteren Ende! Hier und dort steigt eine Leuchtkugel hoch, knattert eine Salve zum Himmel. Dann:Lichter aus!" Wir sind im Krieg. DieEingreifstaffel" muß eingreifbereit sein. Nur der Schritt der Fahrzeugwache hallt durch die Win­ternacht.

Hochschulnachrichten.

An der Frankfurter Universität wurde der ordentliche Professor der Mathematik Dr. Carl Siegel bis Ende des Sommersemesters 1935 be­urlaubt, um eine Gastprofessur an der Universität Princeton (USA) zu übernehmen.

Dr. Emanuel S p e r n e r, Privatdozent an der Universität Hamburg, hat einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für Mathematik an der Uni­versität Königsberg erhalten.

Professor Dr. Carl August Fischer, Extraordi­narius für Nationalökonomie an der Universität Hamburg, ist zum Ordinarius an der Universität Königsberg ernannt worden.

Professor Dr. Karl M u h s , Ordinarius für wirt­schaftliche Staatswissenschaften an der Universität Greifswald, hat einen Ruf in gleicher Eigen­schaft an die Universität Halls erhalten.

Bleigießen.

Unter den vielen Orakeln und Weissagungs» fünften, die nach altem Volksbrauch in der beson­ders wichtigen letzten Nacht des Jahres, in der Silvesternacht, geübt wurden, hat sich eigentlich nur eine Sitte in Stadt und Land allgemein er­halten: das Bleigießen. In unzähligen Familien werden sich auch diesmal wieder hochgerötete Köpfe über die Wafferfchale beugen, in der sich die merk­würdigen und phantastischen Formen des erkalte­ten Bleis bilden. Das Bleigießen ist ursprünglich kein Silvesterbrauch gewesen. Es wurde in Schwa­ben z. B. am St. Veitstage, dem 15. Juni, geübt. In romanischen Ländern ist es noch heute am Johannistage üblich. So wird in Sizilien und in Mazedonien in der Johannisnacht Blei gegossen, und diese Einbürgerung der Sitte weist auf antike Vorbilder hin, wie man ja schon im alten Rom das Orakel des Bleigusses" kannte. Ueberhaupt sind alle dieseLosspiele", zu denen auch das Blei­gießen gehört, heidnischen Ursprungs.Das Vor- wärtskommen an Besitz und die Vereinigung mit einem passenden Ehegenossen sind die beiden größ­ten Glücksfälle im einfachen Dasein", so erläutert der bekannte Volkstumsforscher Alexander Tille den Sinn dieses Volksglaubens.Um sie dreht sich das primitive Denken in ununterbrochenem Kreise. Erst das Christentum hat den Deutschen gelehrt, diese beiden Hauptdaseinsfragen geringer zu achten". Ursprünglich war das Blei- und Zinngießen in Deutschland vielfach auf den Andreas- oder den Thomas-Abend verlegt; im Harz mußte das Blei durch einenarfflöttel", einen ererbten und daher besonders wertvollen Schlüssel, gegossen werden. Im allgemeinen bedarf das Volk keiner großen Appa­rate, um die Zukunft zu ergründen. Eine Schüssel mit Wasser, ein Ei, ein Holzscheit, ein paar Späne sind die wichtigsten Losmittel. Zieht man ein grobes Scheit aus bem Holzhaufen, so ist ber künf­tige Gatte schlank, zieht man ein krummes, ist er bucklig. Zählt man bie Holzspäne, bie am Herbe liegen unb ist bie Zahl grabe, so bekommt man einen Junggesellen, ist sie ungrabe, einen Witwer. Man wirft langgeschälte Apfelschalen über bie Schulter unb beutet aus ben Verschlingungen ben Anfangsbuchstaben des Namens des Bräutigams. Man setzt Nußschalen auf eine Wasserschüssel, und diejenigen, deren Schalen sich Bord an Bord legen, werden im nächsten Jahr ein Paar. In Schlesien unb Ostpreußen wird Eiweiß in eine Schüssel mit Wasser getan, unb aus ben Fiauren, bie sich bann bilden, allerlei gemeisfagt. Dieser Brauch ist dem Bleigießen nahe verwandt.