In Hannover!
Schornsteinfeger, Lumpenträger, heef die Kiepen oull Tabak füget den Schornstein, stopp sin Piep und häf den swarten Dreck op'm Lies.
2n Ostfriesland:
Schösteenfeeger, swatter Neger, sitt up't Dack, flickt sien Jack mit Rulltaüak.
Im Schwabenland:
Kannefeger, kreidaweiß, hascht a Säckle voller Leis, kasch nemme traga, Schmeisch auf da Waga. Kommt e Bäuerlei hentadrei, haut d'r ois ens Gnickle nei! ।
In Mecklenburg:
Schosteinfeger, swarter Neger, sitt up'n Dack, flickt sien Jack, Hütt keen Nadel, Hütt feen Twirn, Hütt ne lütte faule Dirn.
Äm Elsaß:
Kaminfäjer, Stäckeleträger, Rohrbutzer Zwieweleschlutzer, Maideleoerschmutzer.
In Baden:
Kaminfeger! — Kaminfeger I Hasch ja keine Hosenträger! Hasch e Sack voll Häsläus! Verdienst bei Geld bloß kreuzerweis! Gib fei acht, bei Hos verreißt!
Die Kinder find verschieben wie ihre Verse. Aber für bie Dorfjugend bleibt ber schwarze Mann eben doch etwas Ungewöhnliches. Da lassen hie Kleinen ihr Spiel, ihre Arbeit im Stiche, laufen hin und schauen. Daß dabei einige Verse gesungen werden, ist echt kindlich und' wohl zu verstehen. Böse gemeint sind sie ja nie, wenn es auch oft so aussieht.
Das wissen die Schornsteinfeger am besten und lachen darüber. Ich glaube sogar, daß es ihnen gar nicht recht ist, wenn die Dorfkinder keine Notiz von ihrer Anwesenheit nehmen. Die ihnen zugerufenen Berschen sind die Begleitmusik, die ihnen ihre Arbeit erleichtert und sie immer so freundlich erscheinen läßt. Jst's nicht so? Kl.
Das Landestreffen der NGBO. und der DAF.
findet am 11. und 12. August nicht in Frankfurt, sondern in Wiesbaden statt.
Verbindung zwischen Landhelfern und SA.
NbZ. Nachdem kürzlich pon ben zustänbigen Stellen festgestellt worben war, baß bie Lanbhel- fer unter 18 Jahren burch bie Hitlerjugenb betreut werben, wirb nunmehr, wie bas NbZ.-Büro mel- bet, burch ben Präsibenten ber Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung unb Arbeitslosenversicherung hervorgehoben, daß bie über 18 Jahre alten Lanb- helfer in bie Obhut ber SA. genommen werben. Der Präsident bezieht sich babei auf eine Anordnung bes Obersten SA.-Führers unb weist bie Arbeitsämter an, ber zuständigen SA.-Einheit jeweils bie in bem Bezirk vermittelten Landhelfer namentlich mitzuteilen. Die Landhelfer über 18 Jahre werden vom Arbeitsamt angehalten, sich bei ber zuständigen SA.-Einheit zu melden. Während an sich eine Aufnahme in die SA. zur Zeit nicht erfolgt, sollen bie Führer ber zustänbigen örtlichen SA.- Einheiten prüfen, wie weit die ihnen gemeldeten Landhelser überhaupt für die Aufnahme in die SA. in Betracht kommen könnten. Damit ist also klargestellt, daß bie erziehliche Betreuung der jungen Menschen, die als Landhelser arbeiten, auch in ben Fällen sichergestellt ist, in benen wegen ber Überschreitung ber Altersgrenze von 18 Jahren bie Hitler-Jugenb nicht mehr wirksam werden kann.
Polizeibericht.
Jugendlicher Strahenräuber.
Am Samstag, 28. Juli, gegen 19 Uhr, entriß ber 15jährige Wilhelm Rausch von hier, Neuenweg 10 wohnhaft, einem Fräulein im Leihgesterner Weg zwischen Aulweg unb Bergschenke ein Einkaufsnetz, das süßer einigen eingefauften (Begenftänben noch 2,72 Mark Bargeld in einer Gelbbörse enthielt. Der jugenbliche Räuber fuhr mit feinem Fahrrad einigemal an ber Geschädigten vorbei, um einen günstigen Moment für bie Tat abzuwarten. Als er biefen für gekommen sah, fuhr er das Fräulein ZweiMnner und Ma
Vornan von Hermann W. Walber.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) (Schluß.)
Sie war es denn auch, bie bie schwere Aufgabe übernahm, ihrem Kinb ben tragischen Abschluß ihres Brautglücks beizubringen. Sie teilte ihm nur des Bräutigams Tob mit, unb biefe Nachricht, so vorsichtig sie angebracht würbe, genügte, um bie köstliche Mäbchenblume zu knicken. Der Schlag war für bie blühenbe Liebesseligkeit Hilbas zu hart.
Sie brach ohnmächtig zusammen, unb es kam ein heftiges Fieber zum Ausbruch. So geschah es, baß Hilba ber Beerbigung bes Verlobten fernblieb.
Unter ber sorgsamen Pflege der Mutter und Liesgretas kam sie, nach Wochen allerdings erst, wieder zu Kraft und neuem Lebensmut.
Die Geheimrätin zog mit der Tochter unb ber Nichte nach bem Süben, um bort Erholung unb Frieben zu suchen.
Aus Sommer unb Winter erwuchs ein neues Jahr.
Doktor Walter Becker, Chefarzt eines Sanatoriums in ber Umgebung Berlins, hatte sich im Herbst Liesgreta als Lebensgefährtin geholt.
Heinz Wolterstorff schaltete unb waltete als um« sichtiger Leiter ber Geyerling-Werke wie früher, verehrt von ben Angehörigen bes Werkes, qefdiäht als Wirtschaftsautorität.
Er kannte nur eins: Arbeit, bie getragen war von ber Treue gegenüber bem Vermächtnis, das einst Geheimrat Geyerling ihm zugewiesen, unb von der Verantwortung für feine Leute unb Mitarbeiter.
Die Epifobe, bie mit bem Namen Kirchhofen verknüpft gewesen, war aus seiner (Erinnerung ausgelöscht. Im Herzen trug er bie Hoffnung, baß auch für Hilba Geyerling einmal ber Zeitpunkt kommen würbe, an bem sie jene Epifobe ebenfalls, unb zwar für ewig, vergaß.
Bei ber im engsten Kreise abgehaltenen Hochzeits- feier Beckers, mit bem ihn innige Freunbfchaft ver« banb, traf er zum ersten Male roieber mit Hilda zusammen.
Welch eine tiefe Wandlung war mit dem Mäd-
Die HI. grüßt das Braunhemd.
Parole ber Hitler-Jugend ab 1. August 1934:
„Die HI. grüßt bas Braunhemd!"
Die HI. als die treue Gefolgschaft des Führers will Garant fein für die Einheit ber gesamten nationalsozialisti schen Bewegung. Nicht engherzige Beschränkung auf ihren eigenen Kreis, fonbern großzügiges Bekenntnis zu all benen, bie zu Abolf Hitler gehören, erfüllt sie. So wie uns das innerlich bewegt, bringen wir es auch nach außen zum Ausbruck. Wir fragen nicht danach, wer unter ben Gefolgsmannen Adolf Hitlers zuerst grüßen soll und muß.
Wir grüßen sie alle, die durch das Braunhemd, das Ehrenkleid, das uns der Führer schenkte, als seine große Gefolgschaft zu erkennen sind!
Wir verpflichten uns, ob Führer oder Gefolgsmann, zum Gruße nicht nur innerhalb unserer engeren Gemeinschaft, sondern verpflichten uns zum Gruß allen denen gegenüber, die als Amtswalter der PO., als SS.- oder SA.-Männer oder als Angehörige einer anderen Gliederung der Partei zu erkennen sind. Der Gruß soll nicht abhängig sein von der Zugehörigkeit zu der oder jener Gliederung ober von bem Besitz dieses ober jenes Dienstgrades.
Der Gruß, den wir entbieten, gilt der Gesamtheit der Bewegung! Dir grüßen das Braunhemd, wir grüßen die Symbole, die uns der Führer geschenkt hat!
Ab 1. August 1934, dem Gedenktage des großen Ringens, das vor 20 Jahren deutsche Menschen zur Volksgemeinschaft in blutigem Kampfe zusammen- schweißte, heben wir als Bekenntnis zur großen Kameradschaft des Führers jedem Angehörigen dieser Gemeinschaft gegenüber bie Hand zum Gruß. Ein vieltausendfältiges Heil Hitler! soll Tay für Tag aus bem Herzen der jungen Nation jedem entgegenbringen, ber uns als Gefolgsmann Adolf Hitlers im Ehrenkleid des Braunhemdes begegnet.
Ich verpflichte euch, Kameraden der HI. und des Jungvolkes, im ganzen Gebiet Hessen-Nassau hierauf unb weiß, daß biefe Parole „Die H I. grüßt bas Braunhemb" begeisterten Widerhall findet, und baß ber Gruß exakt unb stramm entboten wirb.
Grüßt vor allem auch bie heiligen Fahnen des Nationalsozialismus, die euch auf eurem Wege begegnen.
Heil Hitler!
Der Führer des Gebietes Hessen-Nassau: gez. Kramer, Gebietsbührer.
von rückwärts mit feinem Fahrrad an unb entriß ihm bas Einkaufsnetz. Darauf machte er sofort Kehrt und fuhr in raschem Tempo nach ber Stabt zu. Der Zufall wollte es, baß sich die beiben, Geschädigte unb Täter, am Sonntag, kurz nach 21 Uhr, in ber Bahnhofstraße begegneten unb sich wieber- erfannten. Noch ehe bie Geschädigte etwas unternommen hatte, flüchtete ber Täter. Er kdnnte aber von Passanten eingeholt, festgehalten unb ber Polizei übergeben werben. Der Täter, ber bereits im strafunmündigen Alter Fahrradbiebstähle ausgeführt hat, ist geständig. Die für ihn nicht verwendbaren Gegenstände hat er nach der Tat weggeworfen, sie konnten aber wieder herbeigeschafft werden. Geld und Genuhmittel hat er verbraucht.
Eigentümer gesucht.
Im Schiffenbergerwald (Nizza) wurde vor einiger Zeit eine umgearbeitete goldene Damenuhr gefunden. Personen, die Eigentumsrechte geltend machen können, wollen sich bei der Kriminalpolizeistelle melden.
Führerwechsel im Jungvolk.
Der bisherige Führer ber Gießener- Jungvolk- jungen Hannsmuth Grether wurde von Gießen abberufen, um feine reichen Lagererfahrungen an anberer Stelle einsetzen zu können. Er führt jetzt ben Sommer über im Erholungslager ber Obergebietsführung West in Pellworm (Schleswig-Holstein) bie Kameraben aus Hessen-Nassau.
Mit ber Führung bes Jungbanns 1/116 würbe der bisherige Führer bes Stammes III/1/118, Pfettenheim bei Worms, Jakob Schuster beauftragt.
Der Gießener Stammführer Walter Schreiber würbe vom Gebietsjungvolkführer in Anerkennung feiner befonberen Leistungen in die Gebietsführung berufen. Er arbeitet dort in ber Abteilung Schulung.
Der frühere Stammführer bes Stammes II, Gießen, Karl Thron war bisher in ber Gebietsführung als persönlicher Abjutant bes Gebietsjungvolk- führers Rupprecht Hainer tätig. Er würbe jetzt mit ber Führung des Jungbanns Schlüchtern betraut. P.
Ehrung von Zubilaren
der Freiwilligen Feuerwehr durch den hessischen Staatsminister.
Gestern abend hielt die Freiwillige Gail'sche Feuerwehr Gießen ihre fünfte Hauptübung im Sommerhalbjahr 1934 ab. Die Hebung bekam durch die Anwesenheit des städtischen Branddirektors Braubach und des Chefs der Wehr, Generaldirektor Dr. jur. Gail ihre besondere Note.
Vor ber versammelten Mannschaft im Spritzenhof überreichte Branbbirektor Braubach im Auftrage bes Herrn Staatsministers einigen oerbienten Feuerwehrleuten hohe staatliche Auszeichnungen. Es waren bies für 40jährige aktive Dienstzeit, Kamerab Gustav T r i n k a u s, für 25jährige aktive Dienst-
chen, bas natürlich inzwischen bie Wahrheit über alles erfahren hatte, vor sich gegangen!
Das Unruhige, Quecksilbrige, Lustig-Harmlose war von ihr gewichen. Sie schien reifer, fraulicher und — begehrenswerter benn je.
Unb fortab begann er roieber mit unauffälliger, stiller Werbung, wobei er insgeheim unb offen von ihrer Mutter wirksam unterstützt würbe. Die Frau Geheimrat erfüllte je länger je mehr bie innige Hoffnung, baß bas Glück, biesmal aber bas wahre, sich noch einmal ihrem Kinbe zuwenben möchte.
Unb nun war es Mai!
Ein Tag voller Sonne unb Wonne!
Ein ©amstagnachmittag.
Der Jahrestag Des Abschlusses bes Rumänengeschäfts. Die Belegschaft ber Geyerling-Werke hatte aus diesem Anlaß doppelte Löhne erhalten.
Zugleich aber konnten zahlreiche Jubilare geehrt werden, die fünfundzwanzig Jahre und länger im Werk tätig waren.
Mit ihnen und ihren Angehörigen waren die leitenden Persönlichkeiten des Werkes zu einem fröhlichen Fest versammelt, das besondere Bedeutung noch durch den Umstand erhielt, daß sich auch die Frau Geheimrat Geyerling und ihre Tochter ein« fanden. Es war das erste Mal, daß sich Hilda damit wieder in der Öffentlichkeit zeigte.
Es ging auf den Abend zu. Die Feststimmung stieg auf den Höhepunkt. Im Saal wurde fleißig gelangt, und auch draußen auf ber Terrasse bes wunberoollen Gartens des Restaurants herrschte ungezwungenes fröhliches Leben und Treiben. Es war, als fei eine einzige große Familie hier versammelt.
Am Tisch ber Frau Geheimrat saß auf einem Ehrenplatz ein Mann, bem man es ansah, daß er schwere Leiben hinter sich hatte.
Walter Knauer war Krüppel geworben.
Trotz sorgfältigster Pflege war es damals nicht gelungen, fein zerschmettertes Bein zu retten. Langwierig dehnte sich nach der Amputation ber Heilprozeß. Erst vor wenigen Wochen war er aus bem Krankenhaus entlassen worben. Die Werksleitung schickte ihn für längere Zeit zur Erholuna fort. Dor ein paar Tagen hatte es ihn nach Hause gezogen, unb nun war er hier Gast, umhegt unb gepflegt von allen Seiten.
zeit bie Kameraben Karl Enders, Heinrich D e e g und Heinrich G e r b i g. Branddirektor Braubach übermittelte gleichzeitig bie Glückwünsche bes Staatsministers unb schloß feine eigenen an. Es würbe ben ausgezeichneten Kameraben für ihre treue Dienstzeit ber Dank ausgesprochen. Der Chef ber Wehr Dr. Gail beglückwünschte bie Jubilare unb brückte ihnen herzhaft bie Hanb. Anschließend) würbe auf bie Treue zur Feuerwehrsache, zu Volk unb Vaterlanb, auf Reichspräsibent von Hinbenburg unb unseren Führer Abolf Hitler von allen Kameraden ein breifaches „Sieg Heil!" ausgebracht.
Die hierauf von ber Gail'fcken Wehr vorgeführte Hebung fiel zur vollsten Zufriedenheit des anwesenden Branddirektors und des Chefs der Wehr aus.
Großer Variet6-Abend in der Dolkshalle.
Gastspiel der drei Fratellinls.
Im glücklichen Zusammenwirken berufener Kräfte, ber NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freube" unb ber NS.-Kulturgemeinbe (Deutsche Bühne unb Kampfbunb für beutsche Kultur) war es gelungen, für ben gestrigen Abenb eine Veranstaltung zu inszenieren, bie weit über ben Rahmen besten hin- ausragt, was sonst an berartigen Darbietungen in unserer Stabt zu sehen ist. Der Abend brachte ein Darietö-Programm, wie es in Gießen bisher wohl kaum geboten werden konnte.
Etwa 2500 erwartungsvolle Besucher hatten sich eingefunden. Musik des Stadttheaterorchesters leitete den Abend ein. Dann stellte sich der Ansager und Schlagerkomponist Rolf Röder vor, der die Aufgabe übernommen hatte, schon gleich für die erste Nummer des Programms die richtige Stimmung vorzubereiten. Es fiel ihm nicht schwer. Durch seine scheinbar unabsichtlich erzählten kleinen humorvollen Begebenheiten, durch kurze witzige Bemerkungen, durch feinen lebendigen Vortrag schuf er schnell bie notroenbige Verbinbung zwischen Publikum unb Bühne. Schon die erste Nummer bes eigentlichen Variete-Programms gab ben Besuchern ausreichend Grund zu frohem Lachen. Ria T ä n z e r, die zur Partnerin des Ansagers wurde, bestritt einen Teil der Hnterhaltuna bereits durch ihr originelles Lachen, das niemanden ernst bleiben lasten konnte. Daß sie außerdem „unters Theater" will, dazu noch als .Kohlrabiatursängerin" unterstrich die starke komische Note dieses heiteren Präludiums der Vortragsfolge.
Die drei Beltors zeigten sich in einem verwegenen Perch-Bälance-Akt als Artisten von der alten Schule gediegenen Könnens. Ihre Darbietungen waren von großer Kühnheit und einer ebenso großen Sicherheit. Es gab verdiente.» starken Beifall. Unter den drei Artisten befand sich auch der bekannte Gießener Jörg.
Eine der stärksten Nummern des abwechslungsreichen Programms war das Auftreten des jugendlichen Meisterjongleurs Andree. Es fällt schwer,
Neben ihm saß seine junge Frau, die ihn nun mehr denn je liebte, und an der er, bas wußte er, eine starke Stütze auf feinem ferneren Lebensweg haben würbe.
Jetzt war es ihm vor allem barum zu tun, Arbeit zu erhalten. Faulenzen wollte er nicht länger, unb m erster Linie paßte ihm biefes Leben auf anberer Leute Kosten nicht mehr. Er hatte Direktor Wolterstorff hierüber geklagt. Der lächelte nur.
„Wirb gemacht!, lieber Knauer! Wirb gemacht!"
Er hatte bereits schon einen ganz bestimmten Plan. Heber kurz ober lang würbe er ja boch wohl einen Menschen nötig haben, bamit sein Heim betreut war. Sein Blick streifte bei biefem (Bebanfen zu Hilba Geyerling hinüber...
Die Abenbschatten neigten sich über ben (Barten. Die milbe Lust hielt viele Festteilnehmer braußen. Fleißig spielte bas kleine Orchester, bas feinen Platz zwischen Tür unb Angel aufgeschlagen hatte unb so ben Tanzenben im Saal unb ben Feiernben im Garten zugleich bienen konnte.
Wolterstorff unb Hilba tanzten. Des Mannes Augen streiften bas Antlitz ber (Beliebten, unb es lag in ihnen bie stumme Frage: Wann wirst bu endlich mir gehören?
Hilba tanzte mit Hingebung unb Freube. Es war ihr nun roieber orbentlich froh ums Herz. In ben Armen Wolterstorffs fühlte sie sich wie geborgen.
Hnwillkürlich fchmieate sie sich fester an ben großen, stattlichen Menschen, den darob ein warmes Glücksgefühl erfaßte.
„Mir ist warm geworden, Herr Wolterstorff. Bitte, holen Sie mir den Schal; ich möchte für einen Augenblick in den (Barten."
Er ging wie im Glückstaumel neben ihr her. Als wäre es selbstverständlich, suchten sie die einsamen Wege des großen Gartens auf.
„Wissen Sie, wer eigentlich heute hier hätte sein müssen? — Der Rumäne Prachianu. Wir haben lange nichts mehr von ihm unb seiner Frau gehört!" sagte Hilba Geyerling, als bas Gespräch einmal stockte.
„Sa! Allerbings! Aber ich kann Ihnen verraten, baß tatsächlich eine (Einlabung abgegangen ist, jeboch kam eine Absage."
„Eine Absage?"
„Nun ja! Sie erwarten, schreibt Prachianu, Familienzuwachs, unb einer solch gewaltigen Reiseanstrengung von Bukarest nach Berlin sei Frau
ihn nicht mit Rastelli zu vergleichen, in dessen Fußtapfen er tritt unb sicherlich auch in nicht allu ferner Zeit besten Meisterschaft erreichen wirb. Die vielen Gummibälle, mit benen er agierte, scheinen in seiner Hanb wesentlich von bem ihnen eigenen Charakter verloren zu haben. Sie rollen nicht, wenn er es nicht wollte und sie fielen nicht, wenn er sie nicht mit Absicht fallen ließ. Dabei war das Auftreten des jungen sympathischen Künstlers bestimmt von einer spielerischen Eleganz, die dem Beschauer nicht im entferntesten ahnen ließ, was hinter diesen Geschicklichkeiten für eine ernste Arbeit verborgen sein muß. Der Beifall wollte während des ganzen Auftritts bei offener Bühne kaum enden.
Elly und Frank Gregory zeigten Antipoden- spiele, in denen eine erstaunliche Geschicklichkeit der Beine unb Füße zum Ausdruck kam, eine Geschicklichkeit, die man diesen Teilen unseres menschlichen Körpers niemals zutrauen möchte.
Nach einer Pause warteten schließlich noch die zwei Volbertis mit 40 akrobatischen Tricks auf, bie sie in der Zeit von sechs Minuten hinter sich brachten unb bamit ben Zuschauern eine Univer- jalität ber Körperbeherrschung unb ber Kraft vor Augen führten, wie sie vollendeter kaum gedacht werben kann.
Ein Kraftakt, etwa zehnmal Hand-auf-Hand gedrückter Hanbstanb, beschloß diesen Auftritt, an bem sich ebenfalls ber Gießener Artist Jörg beteiligte.
Die restliche Stunde bes Abends war ben brei Fratellinis gemibmet. Es ist kaum möglich, all das an urkomischen Szenen zu umreißen, was diese drei Menschen, bie beiben Brüber Gustavo unb Max und ber Schwager Gino Fratellini in einer knappen Stunbe vollführen. Sie erschienen in ber verschie- benften Kostümierung, traten als Musikanten auf unb musizierten mit allen möglichen Hindernissen, sie zeigten sich als Bobenakrobaten unb spielten habet recht gut ihre Violinen, führten ein Glockenspiel vor, spielten Musikstunde mit bramatischen (Einlagen, fochten mimische Kämpfe aus, neideten sich humorvoll ben Beifall, belehrten, bespöttelten, verlachten sich gegenseitig, und waren bei aller Komik unb Groteske boch ernste Künstler. Gustavo Fratellini, ber sich als ein ausgezeichneter Musiker erwies, überraschte mit einer musikalischen Darbietung auf einem Instrument aus Besenstiel, Schweinsblase unb Stahlsaite, bem er mit Hilfe einer Zündholzschachtel unb eines Violinbogens bie reinsten Klänge entlockte. Die Kubelik-Serenade vor Drbla spielte er auf der Violine mit größter technischer Vollendung. Die Volkshalle war während der Stunde des Auftretens der Fratellinis erfüllt von einem einzigen herzlichen Lachen, bas so lange anhielt, bis sich der Vorhang zum letzten Male schloß. Angeregt ging man nach Hause.
Steuerliche Behandlung von Brandentschädigungen.
In den vom Wirtschaftsprüfer Hermann Will* zu Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 13) lesen wir:
Nach ber Rechtsprechung bes Reichssinanzhofs (vgl. u. a. Urteil vom 22. November 1933 — VIA 682/33 —) tritt bei einem Unternehmen burch ben Anspruch auf Brandentschäbigung ein Realisierung der in ben abgebrannten Gegenständen steckenden Reserven grundsätzlich nicht ein, soweit solche durch bie Branbentschäbigung aufgebedt werben unb soweit für bie Gegenstände Ersatz beschafft wirb. Die in ben abgebrannten (Bebäuben enthaltenen stillen Reserven sollen also in ben wirtschaftlich an ihre Stelle getretenen Ersatzgebäuben insoweit weitergeführt werben, als bie buchmäßige Auf- beckung der Reserven durch bie Brandentschäbigung einen Buchgewinn herbeiführen würbe. Die Ersatz- gebäube sind demnach mit ihrem Herstellungspreis abzüglich besjenigen Teils der Branbentschäbigung, ber über ben Buchwert ber abgebrannten (Bebäube hinausgeht und höchstens bis zum gemeinen Wert dieser Gebäude reicht, zu aktivieren. Die nach- stehenden Beispiele werben zum besseren Derständ- nis beitragen:
Buchwert 7000 Mark, gemeiner Wert 17 000 Mark. Die stillen Reserven betragen also 10 000 Mark unb bie Wieberaufbaukosten 20 000 Mark.
1. Brandentschädigung beträgt 17 000 Mark. Durch biefe Entschädigung werben bie gesamten stillen Reserven aufgebedt. Zu aktivieren sinb 20 000 Mark (17 000 — 7000) = 10 000 Mark.
2. Branbentschäbigung beträgt 6000 Mark. Da inbiefem Falle stille Reserven nicht aufgebedt roer-
Mya nicht gewachsen. Mich freut’s, baß bie rumänische Regierung Prachianu auf mein Drängen hin amnestierte. So konnte er sich mit seinen Eltern versöhnen, was ihm an seinem Glück bis vor kurzem gefehlt hat."
„Was? Bei Prachianus basfelbe wie bei Beckers? Das ist aber herrlich!"
„Bei Beckers?"
„O ja, lieber Wolterstorff, ich habe mir sagen lassen, baß ber Storch auch bort halb seine Visitenkarte abzugeben gebächte."
Wolterstorff lachte.
„Aha! Deswegen bie lapidare Antwort, als ich ben Doktor anrief unb aufforberfe, heute hierher zu kommen: »Nichts zu machen! Meine Frau will nid)t!<"
Stille ringsumher. Starker Flieberduft erfüllte die Luft. Die beiben Menschen waren mit einem Male stumm geworben. Jeber hing feinen Gebauten nach.
Wolterstorff hatte nachher gar nicht mehr gewußt, wie alles eigentlich gekommen war...
Er sah im Dämmerschein bes Abenbs bie schlanke, ranke Mäbchengestalt neben sich, bas Wesen, um bas sich all seine Sinne brehten.
Seine Rechte griff, wie von geheimen Fäden gezogen, zag nach ihrer Hanb. Sie ließ sie ihm...
Behutsam zog er bas Mäbchen näher, innerlich erschreckt über ein Beginnen, aber getrieben von einer unwiberstehlichen Gewalt.
Dann aber jubelte er:
„Hilba, wo alles glücklich ist, da wollen auch wir zwei es sein!"
Schlicht unb herzlich war bie Antwort:
„Ja, Heinz, bas wollen wir!"
Unb bann küßten sie sich, und immer wieder küßten sie sich.
In einer kurzen Pause fragte einmal Wolters- torff bie (Beliebte:
„Hörst bu, was sie jetzt spielen und fingen da hinten?"
„Ich weiß nicht..."
„Das ist, scheint's, ein neuer Schlager: Denn im Frühling, ba blüht bie Liebe..."
Das Mäbchen schmiegte sich eng an den Mann unb erroiberte, von neuem ihre Lippen bietend:
„Sie soll immer und ewig blühen, unsere Liebe, mein Heinz!"


