Br. 176 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefien)
Dienstag, Zl.Zuli 1954
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Der Abschied. Unser Bild zeigt eindrucksvoll die gegenseitige herzliche Verbundenheit. (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
BdM. wurde wieder zum Zug marschiert, die Kinder nahmen Platz, und während das Jungvolk noch einige Male am Zuge singend auf- und abmarschierte, drängten sich die Kinder an die Fenster, um den rasch gewonnenen Kameraden „Lebewohl!" zu winken. Als der Zug aus der Halle fuhr, standen alle, die mithalfen, den Kindern gastlichen Empfang und Bewirtung zu bereiten, geschlossen auf dem Bahnsteig, und während die kleinen Reisenden wieder mit erhobener Hand grüßten und winkten, während das Jungvolk noch ein letztes Lied sang, verließ der Zug den Bahnhof. Lange noch winkten die Luxemburger Kinder, die sicherlich den Aufenthalt in unserer Stadt so schnell nicht vergessen werden.
Die RS.-Volkswohlfahrt Gießen unter Leitung des Kreisamtsleiters der JIS73. pg. Klös
und des Geschäftsführers pg. Mohaupt hatten mit Hilfe von zahlreichen Mitgliedern der Gießener Frauenschaft sowie mit Unterstützung des Bahnhofswirts den Empfang und die Bewirtung der Kinder bestens vorbereitet, so daß alles völlig reibungslos vonstatien ging.
Besonderer Dank gebührt den Helferinnen aus dem Kreise der Frauenschaft, die sich rnitz großer Hingebung der schönen Aufgabe widmeten, die ihnen hier erwachsen war.
Man wird nicht fehlgehen in der Meinung, daß die Kinder unserer deutschen Volksgenossen in Luxemburg sehr wohl gespürt haben, daß ihnen hier viel Liebe entgegengebracht wurde. Die Begleiter und Begleiterinnen des Zuges äußerten sich denn auch im besten Sinne über die freundliche Aufnahme in Gießen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Der „schwarze Mann".
Alle Vierteljahr kommt er zu uns auf das Land, um den Leuten aufs Dach zu steigen und den Schornstein auszufegen. Die Kinder freuen und begrüßen ihn schon meistens aus der Ferne mit irgendeinem Reim, oder gar einem Lied. Oft find es Spottverfe, die die Buben singen. Es ist dann ergötzlich, zu beobachten, wie sie schon zum Sprung bereitstehen, falls es dem Schornsteinfeger einfallen sollte, einem Jungen nachzulaufen.
Meistens ist es aber anders. Freundlich lächelnd geht der „schwarze Mann" von Haus zu Haus. Rur noch die ganz kleinen Kinder fürchten sich vor ihm, weil ihnen die älteren Geschwister — wie nun einmal die Kinder sind — Angst gemacht haben. So ein bißchen fürchten kann man sich ja vor dem schwarzen Mann mit der Leiter und dem kleinen Besen, wenn er gar verlangt, wir sollten ihm die Hand reichen. Ich weiß noch ganz gut, wie ich mich als Kind geweigert habe, dem Schornsteinfeger das Geld für seine Arbeit zu geben. Aber mein Vater bestand darauf, und so wurden wir bald Freunde.
Freilich die kleinen Gassenbuben können es nie lassen, dem Schornsteinfeger ein Berschen oder einen Neckreim zuzurufen. Am sichersten fühlen sie sich, wenn der ,/schwarze Mann" hoch oben auf dem Dache steht und seinen Besen mit der schweren Kugel daran in den Schornstein versenkt. Sobald
er aber heruntersteigt, verschwinden sie meistens, denn so ganz geheuer ist es ihnen dabei nie.
Hierzulande singen die Kinder: Schornsteinfeger, kreideweiß, mach mir auch mein Stübchen weiß Es gibt natürlich noch andere, etwas derbere Verse, die aber hier nicht angeführt werden sollen.
Sehr reizvoll ist es, einmal die Reime aus andern Gegenden Deutschlands mit den unfrigen zu vergleichen.
In Thüringen singen die Kinder: Feierriebel, Zuckerdiebel, kehre deine Esse aus! Mach sie nicht so reene, sonst kriegste krumme Beene.
In Nordschleswig:
Schornsteenfeger, Ohrringträger, sitt op 'n Dack und flickt sin Jack.
In Bayern:
Schlautfucher, gäk, gäk, gäk, haust dös Rabl fula Tret, wast niat in Schlaut gschieng, wa da Rabl sauwa bliem.
In S ch l e s i e n : Schornsteinfeger, alter Bär, gib mir deine Latschen her. Deine Latschen will ich nicht, Schornsteinfeger bin ich nicht.
250 Luxemburger deutsche Kinder zu deutschen Bauern.
Etappe Gießen. - Eine Stunde Verpflegung.
Dje Transporte von Kindern aufs Land sind uns heute nichts Ungewöhnliches mehr. Täglich sind in unserem Vaterlande Tausende von Kindern unterwegs, um aus den Großstädten heraus auf das Land zu fahren oder wieder in die Stadt zurückzukehren. Diese Transporte vollziehen sich, dank der sorgfältigen Organisationsarbeit der N S. - Volks Wohlfahrt, reibungslos.
Vas der Landaufenthalt für Kinder aus den großen und mittleren Städten seelisch bedeutet, das ist in seinem ganzen Ausmaß heute gar nicht zu erfassen. Ein ganzes Leben lang werden die Kinder von diesen Erlebnissen in einer natürlichen Umgebung zehren. Unsere Bauern erwerben sich hier ein großes verdienst um die volksgemeinschast, und der RS.-Volkswohl- fahrt gebührt der Dank aller Volksgenossen dafür, daß sie die Initiative ergriff, das Werk mit allen Kräften förderte und auch weiterhin zu fördern bestrebt ist.
Die Kinder-Landverschickung gewinnt aber noch an Bedeutung, wenn man hört, daß nicht nur die Kinder aus den großen und den Mittelstädten Deutschlands die Segnungen des Landaufenthaltes erfahren, sondern ebenso die Stadtkinder des Auslanddeutschtums, ganz abgesehen von den Kindern von der Saar, deren Aufnahme im Mutterlande von ganz besonderer Bedeutung ist.
Gestern mittag um 14 Uhr trafen etwa 2 5 0 Kinder auf dem Gießener Bahnhof mit einem Sonderzug ein, die mit großen Augen hier zu Gast waren- wenn es auch nur eine Stunde des Aufenthaltes war, die ihnen hier gegönnt werden konnte.
Ls handelte sich um Kinder, Jungens und Mädels, von deutschen Volksgenossen in Luxemburg, die, mit irdischen Gütern nicht gesegnet, der 7lSV. ihre Kinder anvertraut haben. Die Kinder befanden sich auf der Reise nach Sachsen, wo sie bei Bauern untergebracht werden sollen. 18 Begleiter bzw. Begleiterinnen
betreuten die Kinder auf der langen Fahrt bis Dresden.
In Trier hatte der Sonderzug seinen ersten Aufenthalt Gießen war die zweite Station. Zur Stunde, da der Zug erwartet wurde, standen eine Gruppe des BdM. und ein Zug Jungvolk auf dem Bahnsteig, um die kleinen Gäste aus Luxemburg zu begrüßen. Das geschah, als der Zug einlief, in recht temperamentvoller Weife. Mädels und Jungens schmetterten ein Lied, das selbst das Fauchen der einfahrenden Lokomotive und das Rattern der Räder übertönte. Die Kinder aus der Ferne grüßten mit erhobener Hand und mit „Heil Hitler!"
Etwas schüchtern, mit etwas zweifelndem Gesichtsausdruck, gewissermaßen fragend, was hier wohl mit ihnen geschehen werde, verließen sie die Abteile. Das Jungvolk und der BdM. setzten sich rasch an die Spitze der formierten Gruppen, und mit Gesang ging's hinüber zum Oberhessischen Bahnhof, von dem aus die Kinder in den Wartesaal geführt wurden.
hier war alles für den Empfang der kleinen Gäste bereit. Rasch sahen sie an den Tischen, und ebenso schnell wurden die Teller mit einer ganz ausgezeichneten Reissuppe gebracht, die gleichzeitig Fleisch und Kartoffeln enthielt und mit denkbar bestem Appetit! gegessen wurde. Mancher Teller ging leer an die freundlichen Helferinnen zurück und mußte neu gefüllt wieder gebracht werden.
Inzwischen waren die Kinder auch richtig „warm geworden", und über manches von der Fahrt etwas müde Gesicht huschte ein freundliches Lachen. Allzu rasch verging die Zeit. Die vielen Kinder mußten in zwei Gruppen gespeist werden, und als die eine Gruppe gesättigt den Saal verließ, nahm die andere Platz. Allen Kindern wurde, als die Zeit zum Aufbruch gekommen war, von liebreichen Händen noch ein Tüte mit Wurst und Brötchen überreicht, so daß sie auch für den weiteren Teil der Reise mit genügender Wegzehrung versehen waren. Gemeinsam mit dem Jungvolk und mit dem
Die kräftige gute Reissuppe war für die lange Reise eine willkommene Stärkung. (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
A
Jagd auf Schwertfische.
Äon Waldemar Keller.
Während die Wale den nordatlantischen Ozean längst verlassen und sich in die arktischen oder antarktischen Regionen zurückgezogen haben, ist der Schwertfisch seinen dortigen Tummelplätzen treu geblieben. Drei Monate in jedem Jahr zeigt er sich an der amerikanisch-kanadischen Küste, unterhalb von Neu-Schottland, und flugs machen sich die Fänger in Boston und anderen Häfen auf die Fahrt, denn es ist keine Zeit zu verlieren. Wenn der September sich seinem Ende zuneigt, verschwinden dre Schwertfische wie auf Kommando, niemand weiß: wohin. Wahrscheinlich verkriechen sie sich ins Sargassomeer, wo ihnen keine Harpune gefährlich wird. Den Fängern aber winkt hoher Verdienst, und deshalb sind sie mit ihren kleinen Schonern eifrig hinter den begehrten Fischen her.
Seit einem Jahrhundert wird diese Schwertfischjagd auf dieselbe Art und Weise ausgeführt. Kleine Segelschiffe, kaum 50 Tons groß, denen man jetzt allerdings meist einen Motor eingebaut hat, begeben sich in Geschwadern auf den Ozean, durchfahren den Fischgrund in Zickzacks und Schleifen, bis ein Tier gesichtet wird. Der Mann im Mast gibt dem Steurer die Richtung an. Dorn aber, auf der sogenannten „Kanzel", einem primitiven Sitz an der Spitze des Bugspriets, hockt der Harpunenwerfer, der eine ganz einfache Waffe benutzt, ähnlich dem Robbenspeer der Eskimos. Ist der Fisch in Wurfweite gekommen, so paßt der Harpunier den Moment ab, wenn das Schiff mit dem Vordersteven in ein Wellental taucht, und wirft zielsicher das todbringende Eisen, indem er die abwärtsschwingende Bewegung des Schiffes geschickt ausnützt. Selten nur verfehlt er den Fisch. Diese Leute sind so erprobt, daß sie auch mehrere Meter unter der Meeresoberfläche ihre Beute unbedingt mit der Harpune erwischen. Der angespießte Fisch geht mit der Geschwindigkeit eines D-Zuges in zwei-, dreihundert Meter Tiefe, rasend rollt die an dem Wurfeisen befestigte Leine ab, die um eine sich drehende Tonne läuft. Jetzt ruht der Fisch aus, ruckweise nur gibt die Leine nach. In diesem Augenblick wirft gewohnheitsgemäß der Koch, der bereit steht, die Tonne samt dem Rest der Leine ins Meer- da schwimmt sie nun, ein Zeichen, wo der Fisch'zu suchen ist. Es beginnt der aufregendste Teil der Jagd.
Während sich der Schoner bereits dem nächsten Opfer zuwendet, springt ein Mann der Besatzung
in das nachschleppende Boot, rudert zu der Tonne, I nimmt sie in das kleine Fahrzeug und holt die Leine ein. Der Schwertfisch hat seine Fahrt nun gänzlich gestoppt, wird aber wieder lebendig, sobald ( der Mann im Boot die Leine straffzieht. Jetzt heißt I es aufpassen! Denn wenn der vierhundert Pfund schwere Fisch mit seinem anderthalb Meter langen Schwert in heftiger Aufwärtsbewegung das Boot trifft, ist die Situation alles andere als gemütlich. Oft schon sind bei dieser Gelegenheit Fischer getötet, worden, die, auf der Ducht des Bootes sitzend, der j furchtbaren natürlichen Waffe des todwunden Tie- i res nicht ausweichen konnten. Gelingt es aber dem Bootsmann, den Angriff zu parieren, und das ist meist der Fall, so ist das Drama bald beendet: ein, zwei Lanzen durch die Kiemen geben dem Fisch unweigerlich den Rest. Das tote Tier wird dann am Boot vertäut, bis der Schonerherbei- kommt und es an Bord nimmt. Dort wird der Schwertfisch ausgenommen, zerlegt und in Els ver- | packt. r , , ,. I
Herrlich ist die Farbe des Fisches, solange er lebt Er ist pflaumenblau und hat Langsstreifen auf dem Rücken, die wie Bronze glänzen Seme Augen, wohl die größten Augen, die überhaupt ein Tier hat, find tief blaugrün, und es soll ein schaurig- schöner Anblick sein, wenn der eben harpunierte Fisch, mit Macht aus dem Wasser emporschnellend, diese riesigen tellerförmigen Augen wecket. Manchmal kommt es vor, daß der Schwertfisch n ch: nur | das Boot, sondern auch den Schoner attackiert. Diese Schiffe sind fast alle aus Holz, daher kann das gewaltige Schwert des Tieres auch dem größten Fahrzeug durchaus gefährlich werden. Der Schoner „Mildred", in Edgartown beheimatet tragt al? Andenken an solch eine Attacke noch jetzt em Stück des Schwertes in seinem Rumpf. Der Fisch durchbohrte die vierzehn Zoll starken Holzplanken und drang mit feinem Schwert überdies durch einen metallenen Wa fertank im Vorschiff. Danach kann man sich wohl ein Bild non der Gewalt des Stotze- machen. v. .... . .
Eine andere Gefahr für die Fischer bildet der Nebel, der in jenen Gegenden sehr hausig und sehr d cht ft. Da die Fanggrunde gerade inmitten der „"v ' H-nnsnieanifdien Linie liegen, und da die Schnelldampfer auch bei Nebel ihre Geschwindigkeit kaum zu verringern pflegen sind d,e Schaluppen und kleinen Schoner natürlich aus- autzerste bedroht Manche- Fischersahrzeug das nicht in den Aasen zurückkehrte, ist >m Nebel fang- und klanglos zerschmettert unterm Anprall eines grotzen Passa- qierdampfers, dessen Fahrgäste die Lunchzeit m Neuyork nicht verpassen wollten . . .
Aber so gefährlich das Geschäft dieser Fischer ist: es lohnt. In den ostamerikanischen Städten wird Schwertfisch mit Vorliebe gegessen. Ein Steak kostet einen Dollar, ist also keineswegs billig, dafür aber köstlich. Das Fleisch, weiß wie vom Huhn, hat keinerlei Fischgeschmack, ist auch sonst nicht fischähnlich und wird gerade deshalb sehr begehrt. Es gibt Fangmonate, m denen mehr als eine Million Pfund Schwertfisch an Land gebracht werden. Zuweilen fangen die Fischer auch einen Hai und packen ihn ebenfalls in Eis, denn den Chinesen in Neuyork und Boston gilt ein Haisteak als größte Delikatesse. So sind die Geschmäcker verschieden...
„Kleiner Mann-was nun?"
Dies ist die von der „Europa" herausgebrachte Verfilmung von F a l l a d a s berühmtem Roman. Natürlich konnte aus verschiedenen Gründen nicht der ganze große Roman auf die Leinwand projiziert werden — das ging hier nicht und geht überhaupt nicht — das Drehbuch von Herbert S e l p i n und Hans Wendhausen gibt allenfalls einen Ausschnitt, der das Buch natürlich um so weniger erschöpfen konnte, als eine Reihe z. T. sehr einschneidender Veränderungen und Akzentverschiebungen vor- nommen wurde. Daran ist der Spielleiter Dr. Fritz W e n d h a u s e n wesentlich beteiligt, und das äußert sich auch in der Besetzung. Hier hat man den immerhin ziemlich seltenen Fall, daß die größeren Nebenrollen durchweg besser besetzt sind als die beiden Hauptrollen. Ausgezeichnet ist z. B. d e K o w a, der als Heilbutt genau den Typ trifft, der Fallada vorgeschwebt hat; Kämpers haben wir noch nie so gut und so ohne „Drücker" spielen sehen, wie hier als Jachmann: und Ida Wüst, die ohnehin nie etwas verdirbt, gibt als Frau Pinneberg genau die halb ordinäre, halb hysterische, jedenfalls durchaus verdächtige Dame, die der Roman schildert. Auch Tiedtke, Henckels und Lingen stehen am rechten Platz. Die schönste und rührendste Gestalt des Buches ist „Lämmchen"; im Film: Hertha Thiele; sie spielt gut und auch, im Gegensatz zu mancher ihrer anderen Rallen, mit einer Wärme, die von dieser tapferen jungen Frau bei jedem Wort und jeder Geste ausstrahlen muß. Dennoch wirkt sie nicht ganz als die Gestalt, die hier gemeint war. (Wir hätten Toni van Eyck an ihrer Stelle eingesetzt.) Schwieriger ist es, den richtigen Darsteller für Pinneberg zu finden. Man hat T h i m i g geradezu eine Fehlbesetzung genannt; das geht vielleicht etwas zu weit, aber bestimmt war er von Haus aus und nach feiner durch die Filmarbeit bedingten Gesamtentwicklung in den letzten Jahren nicht der gegebene
Mann: er ist vor allen Dingen zu weich, zu wenig aktiv und energisch, auch um einen halben Ton zu fein. Das alles ist mitbeftimmenb für den von der Vorlage beträchtlich abweichenden Eindruck des Films, der überdies beispielsweise ohne Not das kriminelle Motiv weiter ausspinnt, als es im Sinne der Fabel lag, und mit einem ziemlich kühnen happy end abschließt. Dagegen hat man leider von den so lebenswarmen und gewinnenden Szenen mit dem kleinen Murkel so gut wie gar nicht Gebrauch gemacht. Der Gewinn des Films liegt demnach in Einzelheiten und Teilszenen, die vorwiegend von Lämmchen und den bereits erwähnten Nebenfiguren bestritten werden. Und schließlich bleibt auch im Film trotz seinen schwerwiegenden Eingriffen ein Hauch davon spürbar, was den ungewöhnlich starken und in die Breite gehenden Erfolg des Buches bestimmte, etwas von dem Eindruck, daß hier einmal verhandelt und geschildert wurde, was i heute Tausende und Abertausende in Deutschland erleben oder erlebt haben: den harten Kampf um ! die Existenz und um ein bißchen Glück; die Tapferkeit, mit der dieser Kampf geführt wird, die Kameradschaft zu zweien und die Lebenszuversicht, die sich nicht unterkriegen läßt — trotz allen Schicksalsschlägen und allen Gemeinheiten. —
Glörcke hinter dem Pflug
Aus der Uckermark wird gemeldet, daß dis Störche in einigen Ortschaften ihre Lebensweise gänzlich geänbert haben. Ein ganzer Schwarm von Altstörchen hat die Nester im Stich gelassen und die Jungen ihrem Schicksal preisgegeben. Manche Elternpaare haben sich gegen die Jungen selbst gewandt und sie aus den Nestern geworfen, so daß sie zum Teil umgekommen sind. Die Altstörche verlieren jede Scheu vor den Menschen und versammeln sich, wie in vielen Dörfern beobachtet wird, auf den Feldern bei den pflügenden Bauern. Sie schließen sich dem Pfluge an und suchen in der aufgeworfenen Erde nach Würmern. Auf den Feldern des Gutes Golzow sind es täglich 18 Störche, auf einem Gut bei Greiffenberg sogar 22, die hinter dem Pfluge herschreiten. Pünktlich wie die Uhr erscheint der Schwarm morgens auf dem Felde und verläßt es abends geschlossen. Sogar Schwarzstörche, die zu unseren scheuesten Tieren gehören, sind schon beobachtet worden. Den Vögeln fehlt es, wie Sachverständige erklären, an Nah« rung, da die Tümpel und Weiher, die ihre gesuchtesten Futterplätze waren, fast alle ausgedörrt find.


