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M. 175 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, Z0.M19Z4

Kriegsfreiwilliger Hitler un­fein Regimentskommandeur.

Don Theodor Engelmann.

In den ersten Monaten des großen Krieges war es Zu den vielen begeisterten Freiwilligen, die zu den Fahnen, eilten, gehörte auch Adolf Hitler, der in München lebende Oesterreicher. Nach kurzer Ausbildung in der Kaserne, die heute seinen Namen trägt rückt er mit dem Reserve-Jnfanterie-Regi- ment' 16 (List), denListern", ins Feld. Und wenige Tage später schon stehen sie im feindlichen Feuer dort wo es am heißesten zuging, wo deutsche Jugend den flandrischen Boden mit chrem Blute tränkte: vor Y P e r n 1

Doch dem kampf- und tatenfreudlgen Freiwilligen Hitler geht es nicht rasch genug vorwärts, ist keine Gefahr, keine Entbehrung zu groß.Jeder von uns hat nur den einen Wunsch, daß es bald zur end­gültigen Abrechnung kommen möge, zum Drauf­gehen, koste es was es wolle...", so heißt es in einem langen frisch-ernsten Briefe, den der Soldat Hitler in die Heimat schreibt. Und zum Draufgehen und Sichhervortun gibt's Gelegenheit genug: bald schon wird Hitler Meldegänger beim Regiment und, dank seiner Umsicht und Tapferkeit, zum Eisernen Kreuze vorgeschlagen.

Düstere, naßkalte Novembertage vor Bpern. Im erbitterten Kämpfen um jeden Fußbreit öden gegen englisch-französische Uebermacht hat das Regiment furchtbare Verluste erlitten, steht schon seit Tagen fast deckungslos im schwersten Feuer. Der Befehl war gekommen, es sollte das vielumstrittenebeilförmige Wäldchen", ein starker feindlicher Stützpunkt, im Sturm genommen werden. Obgleich übermüdet und durch die schweren Verluste geschwächt, geht das I. Bataillon schneidig zum Angriff vor, der jedoch unter dem mörderischen Feuer auf halbem Wege zum Stehen kommt. Gegen Mittag wird ein zweiter Sturm mit Artillerie­vorbereitung befohlen. Den Befehl überbringt Hitler, der unermüdliche, unerschrockene Melde­gänger, der bei Vorgesetzten wie Mannschaften gleich geachtet ist als tüchtiger Soldat und guter Kamerad.

Auch dieser zweite Angriff bricht unter, dem furchtbaren Feuer des Feindes zusammen, vergeb­lich bemüht sich das II. Bataillon den Sturm zu unterstützen. Währenddessen sucht der Regiments­kommandeur Oberstleutnant Engelhardt von dem nördlichen Waldrande aus eine Einbruchsstelle beim Feinde mit dem Glase zu erkunden. Wie er sich so, die persönliche Gefahr mißachtend, der feind­lichen Beobachtung aussetzt, zieht er sofort Maschi- nengewehrfeuer auf sich, so daß die Bäume hinter ihm prasselnd zersplittern. Immer bedrohlicher wird die Lage, doch der Kommandeur läßt sich in der Beobachtung nicht stören. Bis plötzlich drei Ge­stalten vor ihm auftauchen und ihn in der Sicht behindern.Was wollt ihr denn?" ruft er den Dreien ärgerlich zu.Wir möchten mcht zum zweiten Male unseren Kommandeur verlieren! erwiderte der eine halb zaghaft. Es ist Hitler, der als er die Gefahr sah, mit seinen Kameraden Bachmann und Schmidt hinzusprang, um den verehrten Regimentsführer mit seinem Leibe zu decken. Ein stummer Händedruck ist dessen beredter Dank für das opferfreudige Eintreten eine Sache, die für den Soldaten Hitler etwas Selbst­verständliches ist. So selbstverständlich und wenig beachtenswert, daß die Tat unbekannt geblieben wäre, hätte sie fein dankbarer Kommandeur nicht der Vergessenheit entzogen.

Weiter gehen die Kämpfe, weiter auch die Ver­luste des Regiments, das jetzt nur noch vier Offiziere zählt. Noch einen Tag heißt es aus­halten, dann soll Ablösung kommen, l'm den Ab­lösebefehl bekannt zu geben, hat Oberstleutnant Engelhardt die Unterführer im Gefechtsstand um sich versammelt. Es ist ein enger, notdürftiger Gefechtsstand, den sich der Regimentsstab dort tm kärglichen Schutze eines Hohlwegs, ganz nahe der vordersten Linie, erbaut hat. So eng ist's, daß die auf Befehl wartenden Meldegänger, darunter Hit­ler, draußen bleiben müssen.

Gerade sprechen sie. untereinander von ihrem neuen Kommandeur, dem kampfbewährten Kolo-

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Kriegsfreiwilliger Hitler im August 1914.

Auf dem Münchener Odeonsplatz vor der Feldherrnhalle versammelte sich am 2. August 1914 eine riesige Volksmenge, die in heißer bie

Wacht am Rh^n" sang. Unter den Tausenden war einer, den keiner kannte. Als dieser Unbekannte sich am Tage darauf als Kriegsfreiwilliger bet einem

" J bayerischen Infanterie-Regiment meldete, nannte er seinen Namen: Adolf Hitler.

nialoffizier von Kamerun und Ostafrika, der, ob­gleich erst wenige Tage beim Regiment, schon so beliebt und geschätzt ist, da, ein furchtbarer Schlag, ein Granatvolltreffer mitten in den Ge- fechtsstand? Halb betäubt und doch ohne sich zu be­sinnen, stürzen die Gefechtsordonanzen, Hitler vor­an, hinzu und erblicken durch den schwarzen Rauch und Staub hindurch ein grauenhaftes Bild: drei Tote, mehrere aufs schwerste Verletzte, darunter der Kommandeur, dem Granatsplitter die linke Hand und die Oberschenkelarterie zerrissen haben. Verblutungsgefahr droht. Das erkennt Hitler so­fort, greift rasch zu und stillt mit einem geschickt hergestellten Notverband aus Moos und Telephon­draht das hervorquellende Blut . . .

So rettete Adolf Hitler innerhalb weniger Tage zum zweiten Male seinem Kommandeur das Leben.Es war der furchtbarste Augenblick meines Lebens", so schildert er in dem obenerwähnten Briefe jene grauenvolle Szene,Oberstleutnant Engelhardt wurde von uns vergöttert" . . .

--Treue um Treue! Als der Komman­deur, von seiner schweren Verwundung wieder ge­nesen, nach Kriegsende heimkehrt, tritt er nach Möglichkeit für seinen tapferen Meldegänger Hitler ein. Ganz besonders in jener Zeit, wo Adolf Hitler seiner politischen Betätigung wegen ausge­wiesen werden sollte. Da erklärt General Engel­hardt der maßgebenden Regierungsstelle gegenüber, es sei eine Schmach und ein Unrecht, einen Mann des Landes zu verweisen, für das er, obgleich nicht Reichsdeutscher, freiwillig 4V2 Jahre aekämpft habe. Und die Ausweisung unterblieb. Und dann später, als gehässige Gegner dem inzwischen großgeworde­nen Parteiführer Adolf Hitler seine Soldatenehre rauben wollten, da war es vor allem fernes alten Kommandeurs rühmendes Zeugnis, das jene Ver­leumdungen zunichte machte.

Vor 20 Jahren.

Oie Tragödie der 13 Tage. - Ein Zeitkalender der Tage des Kriegsausbruchs vom 23. 2. - 4. 8.1914.

Oer achte Tag: 30. Juli.

0.30 bis 3 Uhr: Dringende Ratschläge Veth- rn a n n s in Wien, Greys Vorschlag (Vermittlung und Faustpfand) anzunehmen und direkten Verkehr mit Rußland wieder aufzunehmen (drei Telegramme).

1.20 Uhr (Eingang 1.45 Uhr): Drittes Tele­gramm Nikolaus' II. an Wilhelm II-: wir brauchen Deinen starken Druck auf Oester­reich."

2 Uhr: Beratung in Paris infolge Sasonows Telegramm; Frankreich sichert Rußland bedin­gungslose Unterstützung zu.

2 Uhr: Beratung in Berlin.

Vormittags: Suchomlinow und Generalstabschef Janufchkewilfch gewinnen Safonow für Umände­rung der Teilmobilmachung in allgemeine.

13 Uhr: ein Extrablatt desBerliner Lokal-An­zeigers" verkündet fälschlich die deutsche Mobil­machung; es ist ohne Einfluß, da russischer Mobilmachungsbefehl vor Eingang der Falschmeldung in Petersburg bereits heraus­gegangen ist.

14.15 Uhr: Telegramm Prinz Heinrichs von Preußen an König Georg: Hinweis auf russische und französische Maßnahmen; Appell an den König, auf Frankreich und Rußland einzuwirken.

15.30 Uhr: 3. Telegramm Wilhelms^!, an Nikolaus II.:Oesterreich hat nur gegen Serbien und nur einen Teil des Heeres mobilisiert. Macht jetzt Rußland mobil, so ist meine Rolle als Vermittler unmöglich gemacht. Deine Schultern allein tragen jetzt die Verantwortung."

Der deutsche Botschafter von Tschirschky und Vögendorff telefoniert aus Wien: Berchtold lehnt jedes Linlenken. auch Greys Vorschlag ab. Berchtold selbst teilt durch Berliner Botschafter mit:Die k. u. k. Regierung läßt sich in Aktion gegen Serbien nicht beirren".

16 Uhr: Der Zar genehmigt Gesamtmobil­machung.

19.15 Uhr: Telegramm Wilhelms II. an Kaiser Franz Joseph: Bitte um baldige Entscheidung über seine Vorschläge. Der belgische Gesandte in Pe­tersburg meldet nach Brüssel:Petersburg ist fest überzeugt, daß England Frankreich helfen wird. Diese Ueberzeugung hat der Kriegspar- fei Oberwasser verschafft". Befehl zur Auf­stellung des Grenzschutzes in Frankreich!10-Kilo- meter-Rückzug.

23.08 Uhr: Eingang eines Telegramms König Georgs an Prinz Heinrich: England wird auf Ruß­land und Frankreich einwirken, wenn Oesterreich sich mit Belgrad als Faustpfand begnügt,will I alles tun, europäischen Frieden zu erhalten".

Russische Mobilisation.

Als Deutscher in Petersburg beim Ausbruch des Weltkrieges.

Don E von Kügelgen

Ich hatte am 23. Juli 1914 nach heißer Arbeits­zeit in der Redaktion derSt. Petersburger Zei­tung" Petersburg verlassen, um mich auf 14 Tage an den estländischen Strand zu begeben. Die Ar­beiterunruhen in Petersburg wahrend des Be uches von P o i n c a r e riefen schon allgemeines Aufsehen hervor. In Estland erreichten mich die Nacynchten vom Wiener Ultimatum, von der serbischen Ant­wort und der wachsenden Erregung in Petersburg.

Obgleich niemand recht an den W e l t k r i e g glauben wollte, sprach doch auch am estländischen Strande alle Welt nur davon. Es war am Vor­mittag des 3 1. Iuli 1 9 1 4 , als ich in der Nahe unseres Hauses am Strande dicht bei der nördlich­sten Ordensburg der Kreuzritter, der über das Meer schauenden Tolsburg, von einem Grenzsoldaten ver­hindert wurde, eine Krähe zu schießen.

Es ist verboten, am Strande zu ichießen. De r Krieg i st erklärt!" rief mir der Wachtposten zu. Auf meine erstaunte Frage:Welcher Krieg? antwortete er schmunzelnd:Es wird eine tüchtige Holzerei neben: Rußland, Frankreich und England haben Deutschland, Oesterreich und Jtalieu den Krieg erklärt..." Rußland war jedenfalls schon im Kriegszustand. Ich beschloß noch am Abend nach Petersburg zu reisen.

Schon in der Kreisstadt Wesenberg, wo ich nachts auf den Zug nach Petersburg warten mußte, erfuhr ich, daß wohl die Mobilisation in vollem Gange, aber noch keine Kriegserklärung erfolgt sei. Die Mobilisation aber war auf Schritt und Tritt zu merken. Der Bahnhof war angefüllt von ein­berufenen jungen Männern, die mit dem Abendzug nicht fortgekommen waren. Der Renaler Personen­zug verspätete sich um eine Stunde und brachte eine Abteilung Soldaten. Mit Mühe fand ich im letzten Wagen Platz. Alles sprach nur vom Kriege. Es war für eine Woche der letzte Personenzug auf der baltischen Bahn. Auf der Fahrt nach Petersburg kamen uns unausgesetzt Züge.mit Soldaten und Kriegsmaterial entgegen. .

Am Morgen des 1. August traf ich in Peters­burg ein. Welch ein ungewohntes Bild bot die

Stadt. Nichts mehr von der schläfrigen Sommer- stille. Aus allen Straßen m ar [*t e ren- d e s Militär. Kriegssuhren und bie stillen Zuge der Einberusenen. meist von einzelnen weinenden Weibern begleitet. Ein hagerer Matrose fuchk trö­stend seinem weinenden Weibe die Hande nom @e_ sicht zu ziehen Bei den Einberusenen schallt-das Lachen und Geschrei der angenommenen Rekruten aus den Häsen weit über die Straße. Ost wurde es auch aon bem Heulen ber Frauen übertönt. Da- zwischen der rauhe Gesang melancholischer und munterer Soldatenlieder. Welch ein ®u<%^8^r Branntwein verboten war. denn schon Fnedens- zeiien pflegten sich die verzwe,selten ..Genornme- '"a'en'lM üb«6roar^nod) nicht alle Hoffnung ge­schwunden^ M i l i u k o w erklärte man wnne aus-

».SS UÄÄ* "-> - Stunde zu Stunde unb Kaiserbild vor

Ein ^lesenziKathedrale die mit ihren weitaus- ber Kasanschen he Menschen zu umfassen ladenden Kolonaden g«mme schrie:In dieser chien. Eme h rs ung beten!" Alles warf sich schweren Stun laß Himmel:

n-eder und flehend ern ^^r>er!" Sollten die

o t t s $ 8 scsnckialsschwangere Verhängnis die- ^^L?beaKen Men? Da erhoben sich die Gesten und ^zogen mit ihrem eingeleierten Hurra-

Sehen'Sie'doch^dies Straßengesindel, diese Zu- ^k§? Dirnen und unnützen Junten!" sagte mir ^bestehender Polizist, mißtrauisch den plötzlich aus ^der^ T^fe herausgeschwemmten Janhagel mu­

sternd. Gestern noch waren diese Leute rot bis auf die Knochen gewesen. Jetzt sammelten sie sich vor der Redaktion des nationalistischen Hetzblattes, der Wetscherneje Wremja", und folgten willig den weiß-blau-roten Fahnen durch die Straßen der Stadt. Eine gefährliche, leicht entzündbare Menge!

Seiner, derBlaue Esel", das gemütliche Restaurant der Deutschen am Newski. Am Abend des 1. August glich es einem Bienenschwarm ohne Weisel. Von Tisch zu Tisch flog die Nachricht: der Krieg ist erklärt! lieber all die bleichen Gesichter reichsdeutfcher Bekannter: Ingenieure und Kauf­herren. Flüsternd wurde mitgeteilt, daß es diesem oder jenem gelungen sei, über die Grenze zu kom­men. Empörte Vorwürfe, daß Botschaft und Konsulat nicht gewarnt hatten. Montag, 3. August, hieß es, werde noch ein Schiff nach Deutschland gehen! Keiner dieser wohlgenährten Herren, die hier noch gutes deutsches Bier in trauten Räumen tranken, ahnten, welch elendes Schicksal ihrer aller im fernen Sibirien harrte.

Schon begannen die Anpöbelungen Deutsch- sprechender auf den Straßen. Dabei hatte Petersburg eine deutsche Bevölkerung von rund 80 000 Köpfen, davon allein etwa 25 000 Ange­hörige des Deutschen Reiches.

Am 2. August 1914 stand ich auf dem herr­lichen Platz vor dem Winterpalais, in der Nähe der aus einem Granitblock gehauenen himmel­ragenden Friedenssäule. Vor mir der Riesenkasten mit seinen Statuen auf dem Dach, hinter mir die Rundung des Generalstabes und das Kriegsmini­sterium mit dem Torbogen, derArke". Mich um­gab eine vieltausendköpfige Menge. Alles lauschte still und stumpf auf die gedämpften Töne, die aus dem Palais herausdranaen: Fetzen der Hymne Gott schütze den Zaren! , dumpfe Hurra-Salven.

Schließlich hatte der große Empfang des Zaren fein Ende gefunden. Die Flügel einer Balkontür tm zweiten Stock des Palais öffneten sich und hinaus zur geduldigen Menge traten Nikolaus II. und feine Gemahlin. Er verneigte sich tief. Ein Hurra zog über die Menge hin und verlor sich im weiten Raum. Der Zar sagte was. Hier und da versuchte die Menge zu fingen. Es gab feinen Zusammen­klang, noch immer bk steife Befangenheit.

Erst als das Zarenpaar ausfuhr, kam Leben in die Menschen. Neben dem Karserpaar wurden der

englische Botschafter und der serbische Gesandte gegrüßt. Sir Buchanan fuhr dicht an mir vorbei. Junge Burschen liefen neben dem Wagen her. Stolz und abschätzend blickte der Eng­länder auf das so erfreulich kriegerische Volk der Russen hinab. Bald lief das Wort in Petersburg um, England habe beschlossen, den Krieg f o r t zuführen bis auf den letzten russi­schen Soldaten.

Jetzt konnte niemand mehr daran zweifeln, daß das Verhängnis des russisch-deutschen Krieges seinen Lauf nahm.

SmhestlichelmMeVvrbildung

Die imReichsgesetzblatt" vom Freitag oeröffent- lichte, vom Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r er­lassene Justizausbildungsordnung vom 22. Juli 1934 ist ein weiterer, außerordentlich be­deutsamer Schritt zur Vereinheitlichung der Rechts­pflege im Reich. Vom 1. Oktober d. I. an wird sich die juristische Vorbildung im ganzen Reich nach einheitlichen Grundsätzen und unter unmittel­barer Leitung des Reichsjustizministers vollziehen. In den neuen Ausbildungs- und Prüfungsvorschrif­ten ist mit besonderer Schärfe der Gedanke heraus- gearbeitet, daß das, was der Staat braucht und heranbilden will, weder lebensfremde Gelehrte, noch bloße Techniker des Rechts sind, sondern kraftvolle, charakterfeste Männer, die vermöge eines gediege­nen Fachwissens und einer weiten allgemeinen, staatspolitischen Bildung den Volksgenossen wirk­liche Führer, Richter und Berater sind.

In der äußeren Gestaltung des Ausbildungs- ganges mindestens dreijähriges Universitäts­studium, erste juristische Staatsprüfung, dreijähriger Vorbereitungsdienst, große Staatsprüfung- bringt die Ausbildungsordnung besonders für Preußen keine wesentlichen Aenderungen. Für eine Reihe von Ländern, besonders für Süddeutschland, verkürzt sich der Ausbildungsgang im ganzen um ein bis zwei Semester. Eine wichtige Neuerung für Preußen ist die siebenmonatige Beschäftigung der Referendare bei der Staats- oder Kommunalver- waltung. Die große Staatsprüfung wird künftig vor einer einheitlichen, unmittelbar dem Reicks- justizminifter unterstellten Behörde, dem Reichs­justizprüfungsamt, abgelegt.