Oie Haltung der Garantiemächte
Litauens Gewaltakte im Memelland
Mrtschastseinigung mit Frankreich
bem Dieft zwei Verträge werden alsbald oeroffent-
das
Dank des Königs von Siam.
der
Tilsit, 28. Juli. (DNB.) Nach der vor einem Monat erfolgten verfassungswidrigen gewaltsamen Absetzung des memelländischen Landespräsidenten Dr. Schreiber und der beiden anderen Direktoriumsmitglieder durch den litauischen Gouverneur des Memelgebietes ist bekanntlich vom Gouverneur N o v a k a s ein litauisches Direktorium mit dem Nationallitauer Reisgys als Landespräsidenten gebildet worden. Dieses Direktorium ist mit r ü ck s i ch t s l o s e n W i l l k ü r - u n d Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Mehrheit der memelländischen Bevölkerung vorge- $ Nach der Bestimmung des Memelstatuts hat ein neugebildetes Direktorium sich binnen eines Monats dem Memelländischen Landtag zu stellen, von dessen Vertrauensvotum das Weiteramtieren des Direktoriums abhängig ist.
Angesichts der Zusammensetzung des 1932 gewählten Landtages, in dem von 29 Abgeordneten nur fünf dem litauischen Block angehören. war es selbstverständlich, daß der Landtag bei verfassungsmäßiger Einberufung dem neuen litauischen Direktorium Reisgys ein überwältigendes Mißtrauensvotum aussprechen würde. Da ein solches Mißtrauensvotum die litauische Behauptung, das neue Direktorium entspreche dem Willen der Bevölkerung, vor der gesamten Weltöffentlichkeit richtiggestellt hätte, ist Gouverneur Rovakas eifrig bemüht gewesen, das Mißtrauensvotum mit allen Mitteln zu verhindern.
Berlin, 28.Juli. (DNB.) Seine Majestät König oonSiam hat an den Herrn Reichs. Präsidenten aus Aachen beim Verlassen Deutschlands ein Telegramm übersandt, in dem er
Der litauische K r i e g s k o m m a n d a n t des Me° melaebietes hatte daher auf Wunsch des Gouverneurs zunächst die stärkste im Landtag vertretene Partei, die M e m e ll änd isch e L and wrrt- wirt chaftsp artet, aufgrund eines Gesetzes verboten, das in den letzten Tagen zum Zwecke der Unterdrückung der autonomietreuen Mehrheit der memelländischen Bevölkerung besonders geschaffen wurde. Der Gouverneur hat ferner sechs Abgeordnete der Landwirtschaftspartei, unter ihnen dem langjährigen hochverdienten Landtagspräsidenten von Dreßler und dem Fraktionsfuhrer G u b a durch Verfügung des Kriegskommandanten das Abgeordnetenmandat entziehen lassen. Ferner wurde mittels D r o h u n g e n und Versprechungen versucht, die Abgeordneten für ein Vertrauensvotum zu gewinnen, oder sie wenigstens zu veranlassen, sich nicht an einem Mißtrauensvotum zu beteiligen. Als sich keine Aussicht auf Erfolg bot, ist der Gouverneur zu Gewaltmaßnahmen gegen den Landtag geschritten.
Durch Verfügung des Kriegskommandanten hat er 22 Kandidaten der landwirtschaftsparteilichen Wahlliste, darunter den sechs Kandi- baten, die als Erfaß für die entrechteten Abgeordneten der Landwirtschaftspartei ausersehen waren, eine halbe Stunde vor der für gestern einberufenen außerordentlichen Landtagssihung das Abgeordnetenmandat entzogen. Er ließ einen der drei Abgeordneten der Memelländi- schen Arbeiterpartei noch auf dem Wege zur Landtagssihung verhaften.
Die fünf Abgeordneten des litauischen Blocks blieben selbstverständlich der Sitzung fern. Der irn parlamentarischen Kampf erfahrene Vorsitzende der
Oie politische Krönt im Osten
Lettland für den Ostpakt?
sicherstellen. Die radikalsozialistifche „Ere 91 du ■ Delle" schreibt u. a.: Man muß die Dinge nicht schlimmer sehen als sie sind. Man darf immerhin nicht vergessen, daß ein Handelsvertrag zwischen Deutschland und Frankreich unterzeichnet worden ist und daß wir gleichzeitig die Frage der TJoung* und Dawes-Zahlungen bestens geregelt haben. Das zählt trotz allem und gereicht der Diplomatie und der Festigkeit des Handelsminifters zur Ehre, der durch seine ruhige Sicherheit das erreicht, was England und Amerika durch Verstärkung der Zwangsmaßnahmen zu erreichen versucht haben.
Im „Journal Officiell" ist ein Erlaß veröffentlicht, der die Durchführung des am 28. Juli in Berlin unterzeichneten Abkommens regelt und den Wortlaut bekanntgibt.
zuerkennen.
Oie Stimmung in England.
London, 30. Juli. (DNB.-Funkfpruch.) Kriegsminister Lovd Hail sh am kam gestern in einer Rede auf den Tod von Dr. Dollfuß zu sprechen. Er meinte, die Leute, die die jetzigen Ereignisse mit denen von 1914 vergleichen und fragten, ab die geschichtlichen Ereignisse sich wiederholen würden, seien im Irrtum. Damals sei Europa in zwei bewaffnete Lager geteilt gewesen. Nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand sei jede Nation auf die eine oder andere Seite getreten, und so sei es zum Kriege gekommen. Heute dagegen sei die ganze zivilisierte Welt vereinigt in der Verurteilung des feigen Verbrechens — das der englische Kriegsminister den Nationalsozialisten m die Schuhe zu schieben die Unverfrorenheit hatte (!!) — und keine Nation würde die Kühnheit haben, die ö f f e n t l i ch e M e i n u n g d e r z i v i l i s i e r- ten Welt herauszufordern.
„Daily Telegraph" beschäftigt sich in etnem Leitaufsatz in tendenziöser Weift mit dem Verhältnis Deutschland —Oesterreich und stellt die unerhörte Behauptung auf, daß Deutschland sich vor dem Tode von Dr. Dollsuß in die inneren Angelegenheiten Oesterreichs einge - mischt habe. Trotzdem muß sich das Blatt zu dem Zugeständnis bequemen, daß
kein Grund zu der Annahme bestehe, daß die deutsche Regierung an dem Ausstand in Wien beteiligt gewesen fei.
Berlin, 28. Juli. (DNB.) In den deutschfranzösischen Wirtschaftsverhand- l u n g e n ist eine Einigung erzielt worden. Die Verträge werden heute unterzeichnet werden.
Der vertragslose Zustand, der andernfalls am 1. August eingetreten wäre, und der für beide Länder einen schweren Eingriff in die Wirtschaftsbeziehungen bedeutet hätte, konnte atfo glücklicherweise vermieden werden.
Das umfangreiche Vertragswert zerfällt in eine Reihe von Einzelverträgen. Das d e u t s ch - f ran - zösische Handelsabkommen vom Jahre 1927 wird jetzt in zwei Teile zerlegt, nämlich in einen „Handels-, Niederlassungs- und Schifsahrts- vertrag" und in eine „Vereinbarung über den deutsch-französischen Warenverkehr". Der erste Vertrag enthält die allgemeinen Bestimmungen für den Handel, die Niederlassung und Schiffahrt, also die für eine Festlegung auf längere Zeit geeigneten Bestimmungen. Der zweite Vertrag enthalt die Einzelabmachungen über Zölle und Kontingente, die bei der Unbeständigkeit der gegenwärtigen Wirtschaftslage für eine Festlegung auf längere Zeit weniger geeignet sind. Der Grund für diese Teilung in zwei Verträge liegt auf der Hand. Man wollte verhüten, daß jedesmal, wenn auf dem Gebiete der Zölle und Kontingente Schwierigkeiten auftreten und eine Kündigung deswegen ins Auge gefaßt werden muß, der Bestand aller übrigen vertraglichen Vereinbarungen in Frage gestellt wird. Insoweit handelt es sich bei dem jetzigen Vertragswert nicht um etwas wesentlich Neues.
Im ganzen sind die alten Vertragsbestimmungen aufrechterhalten worden. Sie sind nur in Einzelheiten an die gegenüber dem Iahre 1927 veränderten Lage angepaht worden.
Die seit dem Jahre 1927 eingetretenen Verände- runaen in »en Zoll- und Kontingentsveremborun. gen Md ia die neuen Texte ^nemgearbeitet mor-
dämmt habe".
Sachliche Gesichtspunkte von politischem Wert finden sich jedoch in der Morgenpresse nicht. Man gewinnt den Eindruck, daß die römischen Blätter zur Zeit ausschließlich von Beleidigungen gegen Deutschland leben, vielleicht in dem Willen, auf diese Weise nicht nur auf die Weltöffentlichkeit, sondern auch au Oe st erreich im Hinblick auf die weitere Entwicklung einen bestimmten Druck auszuüben.
Krankreich wartet ab.
Paris, 30. Juli. (DNB.) Die Haltung Frankreichs in der österreichischen Frage bleibt nach wie vor abwartend, wie der gewöhnlich gut unterrichtete „Excelsior" versichert. Er betont, man warte in drei Hauptstädten mit einer Festlegung, bis man ein „Gebiet für gemeinsame Möglichkeiten" gefunden habe.
Die Sonntags-Frühpresse bringt wenig neue Gesichtspunkte zu der österreichischen Entwicklung. Weiten Widerhall findet die Haltung der italienischen Presse gegenüber Deutschland. Obwohl die französische Presse in dieser Hinsicht mit Kommentaren spart, ist zwischen den Zeilen die Genugtuung Frankreichs über die Entfremdung zwischen Berlin und Rom zu merken.
Gleichzeitig kommt aber auch ein starkes Mißtrauen gegenüber Italien zum Ausdruck. Die französischen Blätter wenden sich allmählich von der Beurteilung der unmittelbaren Lage in Oesterreich zu der Frage hin, was nun sowohl in Oesterreich als auch auf internationalem plan weiterhin geschehen wird, hierbei wird besonders von der Linkspresse die Einschaltung des Völkerbundes verlangt.
Eine gewisse Beunruhigung über die weitere Ent- Wicklung der österreichischen Politik ist gleichzeitig festzustellen, wobei Zweifel an der Festigkeit des von Dollfuß hinterlassenen Erbes auftreten.
Der Wiener Sonderberichterstatter des „M a t i n' verzeichnet als seinen Eindruck, daß der Mei-
wesentlichen nur die ersten Meldungen über den Inhalt des Vertrages, weil sie noch keine Zeit zu einer eingehenden Stellungnahme hatten. Nur einige Zeitungen unterstreichen schon am Sonntag die Bedeutung der Einigung. Der „Jour" schreibt x. B.: Die Unterbrechung Der wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen, die für beide Länder schwere Folgen gehabt hätte, ist auf diese Weise vermieden. Das „Petit Journal" erklärt: Wir stehen vor einem Abkommen der wirtschaftlichen, handelspolitischen und finanziellen Sicherheit und Verrechnung, das entsprechend der Wirklichkeit und den Notwendigkeiten des Augenblicks freilich in einem sehr engen Rahmen abgeschlossen worden ist. Zweifelsohne wird das Abkommen den Warenaustausch zwischen beiden Ländern nicht heben, aber es wird ihn wenigstens erhallen und seine Regelung
Moskau, 29. Juli. (DNB.) Die Besprechungen zwischen dem Außenkommissar Litwinow und dem hier' eingetroffenen estnischen Außenminister Seljamaa beziehen sich auf die Fragen des O st Paktes und der Sicherheit der Unabhängigkeit der baltischen Länder.
Auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem estnischen Außenminister Seljamaa und dem Außenkommissar Litwinow wurde eine amtliche Erklärung über das Ergebnis der Moskauer Be- sprechungen Seljamaas veröffentlicht. In dieser Erklärung heißt es, die Besprechungen hätten ein vollkomenes Einvernehmen zwischen
“weTuniToon grundlegender Wichtigkeit für die praktische Abwicklung des. War-nn-rk-hr-ist das a ro e i f e i t i a e allgemeine Verrechnu n g s - abtommen, das an Stelle des gegenwart.gen Zahlungsabkommens tritt.
Die Bezahlung der ganzen Warenausfuhr von Deutschland nach Frankreich und von Frankreich nach Deutschland wird über zwei Verrechnungskonten geleitet. Außerhalb dieser Verrechnungskonten dürfen Zahlungen für den Bezug von waren nicht mehr geleistet werden. ZWZW4ZZ diesem zEs°.t.g-n abd cinJ freier
kommen ist, Devisen gewährleistet U e b e r s ch u ß fl n ®ebD Lfl der Beträge, die wird, und zwar nach SU 9 ^img-Anleihe- für die Einlösung der Dawes ^u gemeinen Linien coupons notwendig stnd^Jn^ A^ill^ich also entspricht dieses „ einen Derrechnungsabkorn- 'S, Ls E w-nigkn Tagen mit der Schweiz als erstem Land ^ÄAÖmm-n"r-gelt auf der Grund- erwähnten »err-chnungsabkammens unkY°u°ng^nl°ih^°uP°ns am 15. Oktober und 1. Dezember 1934.,
Genugtuung m Paris.
„ . c 9n -Mli (DNB.) 29. Juli. Die fttad)-
■ _?iar 5,hpm Abschluß des deutsch-französischen richt von dem 1^ französischen Öffentlichkeit ^Ibfommens ft wTrei|Cn ^Genugtuung auf- gerommto morben. Di- Blätter -erSff-ntlichen .m
nungsstreit in Oe st erreich keineswegs zu Ende sei. Den Bewegungen und Anschlägen liege eine tiefe völkische und politische Leidenschaft zu Grunde, die am Begriff der österreichischen Unabhängigkeit noch heftigen Anstoß nehme. Zwei Hauptgedanken würden, wie bisher, auch in Zukunft gegeneinander stehen: die alte These einer Verschmelzung und die neue These der Unabhängigkeit.
lieber die internationale Lage äußert sich der „Excelsior". Die italienische Regierung sei immer mehr gegen einen gemeinsamen Schritt der Mächte in Berlin, und zwar nicht aus Gefälligkeit gegenüber Deutschland, sondern im Gegenteil, weil Mussolini immer mehr entschlossen fei, zu handeln, aber nicht zu sprechen. Rach seiner Ansicht würden Demarchen jeder Wirksamkeit entbehren.
In Paris sei man, so fährt das Blatt fort, ebenso entschlossen und argwöhnisch wie schon in den letzten Tagen. Die französische Regierung, die in vollem Einvernehmen mit London und Rom handeln wolle, wolle jeden Anschein vermeiden, als ob sie etwa ungeduldig darauf warte, direkt einzugreifen.
Das „Petit Journal weist auf die Gefahr einer einseitigen Intervention hin, eine Gefahr, über die man sich vor allem in Prag, Bukarest und Belgrad klar sei.
Italien habe sich in Keilrichtung vorgewagt, während Großbritannien noch zögere. Frankreichs Rolle bestehe darin, die verschiedenen Auffassungen praktisch miteinander in Einklang zu bringen, um der gemeinsamen Aktion die erforderliche Wirksamkeit zu verleihen, ohne daß man deshalb in Belgrad, Bukarest oder Prag noch länger beunruhigende Gespenster heraufbeschwöre.
„Ere Nouv e 11 e" drückt den Wunsch aus, daß niemand die Initiative ergreifen möge, das Pulverfaß anzuzünden. Man möge immer an Serajevo denken.
Der Außenpolitiker des „Journal benutzt ' die österreichische Frage, um Deutschland jede rasche : Verwirklichung der Rüstungsgleichberechtigung ab-
Sowjetrußland zufrieden.
Moskau, 30. Juli. (DRB.-Funkspruch.) Die „Js westija" erklärt zu den Besprechungen des estländischen Außenministers Seljamaa in Mos- kau, -die Sowjetregierung könne mit den Ergebnissen der Aussprache zufrieden sein. Auch in der Nord ost paktfrage sei eine Einigung erzielt worden, die die Verhandlungen über die Inkraftsetzung dieses Paktes beschleunigen werde.
Französische Llnznfriedenheit mit Polen.
Paris, 30. Juli (DNB. Funkspruch). Der Außen- Politiker des „Echo de Paris" verfolgt schon seit geraumer Zeit die Außenpolitik Polens mit unverhohlenem Mißtrauen. Er verlangt heute aufs neue von der französischen Regierung, sie möge Polen vor die W a h l st e l l e n, sich entweder für eine Politik zu entscheiden, die den französisch-polnischen Bündnisverträgen von 1921 entsprechen oder auf die moralische Unter st ützung Frankreichs zu verzichten, wenn es die neuerdings eingeschlagene politische Linie weiter verfolge. Das Blatt glaubte, der polnische Außenminister Beck habe E st l a n d und Lettland dem Nordostpaktplan abspenstig ge- macht, und schreibt, wenn sich Polen vorgenommen habe, die Möglichkeit für eine „Wiederaufnahme" der deutsch-russischen Zusammenarbeit von Rapallo offenzuhallen, über die es doch zehn Jahre lang gestöhnt habe, so würde es sich auch nicht anders verhalten als jetzt. Polen glaube, daß das „Alldeutschtum" die polnischen Dienste gegen Rußland und die Kleine Entente dadurch belohnen werde, daß es das ganze gegenwärtige Gebiet Polens achte. Wenn Polen so denke, so stehe das ihm frei, aber Frankreich müsse ihm dann erklären, daß seine außenpolitische Betätigung immer weniger mit der französischen Politik vereinbar sei und daß es zwischen dem Bündnis von 1921 und seiner jetzigen seltsamen Taktik wählen müsse.
Landwirtschaftspartei Gutsbesitzer Konrad wurde von der litauischen Polizei seit dem frühen Morgen gefangen gehalten, um ihm jede Möglichkeit zu nehmen, sich mit seinen Parteigenossen zu beraten. Als Landtagspräsident Waschkies gestern um 16 Uhr die Landtagssitzung eröffnete, waren von 29 Abgeordneten nur 14 anwesend. Bevor er dem litauischen Landespräsidenten Reisgys zur Abgabe der Regierungserklärung das Wort erteilte, stellte er fest, daß der Landtag, zu dessen Beschlußfähigkeit 20 Abgeordnete erforber- lich sind, beschlußunfähig sei. Der Präsident war unter diesen Umständen gezwungen, die Sitzung zu schließen.
Unterdrückung der deutschen presse.
Kowno, 28. Juli. (DNB.) Das in Heyde- trug erscheinende Organ der Memelländischen Landwirtschaftspartei, die „M emelländische Rundscha u", ist am Samstag auf Beschluß des Kriegskommandanten für die Dauer des Kriegszustandes verboten worden.
Oer Bischof von Trier gegen den Lügenfeldzug.
Saarbrücken, 29.Juli. (DNB.) Die katho- lische Jugend an der Saar war am Sonn- tag zu einer großen Tagung in Saarbrücken versammelt, zu der die beiden Bischöfe vonTrier und von Speyer erschienen waren. Nach Gottesdiensten und sportlichen Veranstaltungen fand am Nachmittag eine große Kundgebung im Stadion am Kieselhumes statt, an der etwa 50 000 katholische Jungmädchen und Jungmannen teilnah. men. Bischof Bornewasser von Trier ermahnte die Jugend, gläubig, wahrhaftig, mutig und treu zu bleiben. Dabei führte er mit deutlicher An- spielung auf die neugegründete katholische Zeitung „Neue Saarpos? aus: Es gebt ein Zug der Unwahrhaftigkeit durch die Welt. Die L u g e ist bei vielen Menschen Lebenspflicht gewor- den in Wort und Schrift, im gesellschaftlichen und im politischen Leben. Selbst an den Bischof wagt sich die Lüge heran, auch im Saargebiet. Katholische Jugend, wenn dir einer sagt: „Dem Bischof stände zu einer jüngst gegründeten neuen saarländischen Zeitung," dann sage ihm im Namen deines Bischofs: Du bist ein Lügner. Und wenn Freunde dieser neuen Zeitung dir sagen: „Dieser Bischof denkt wie wir, er sagt es nur nicht, oder gar: Er darf es nicht sagen", dann sage ihm:
Du b i ft schlimmer als ein Lügner, Du bist ein Verleumder." Hat das mit Politik oder gar mit Abstimmung zu tun, wenn ich so preche? Wenn Deutschlands und Frankreichs Regierungen sich in Genf verpflichtet haben, keinerlei Druck und Einfluß auf die Abstimmung ausuben zu wollen, so gilt das auch für mich als Bischof.
Der Bischof von Speyer und ich, wir sind Bischöfe für alle katholischen Sa arlan. der, wie es auch unsere Priester sind und sein müssen. Ader ich wehre mich gegen die Lüge, die das Vertrauen zerstört, das mich mit meinen Saarländern verbindet.
Estland und der Sowjetunion in allen politischen Fragen ergeben. Außenkommissar Litwinow und Außenminister Seljamaa hatten, so wird in der amtlichen Erklärung weiter ausgeführt, eine längere Aussprache über die allgemeine internationale politische Lage, wobei die Notwendigkeit politischer Zusammenarbeit der beiden Länder zur Fefttgung des Friedens betont wurden.
Auf Grund dieser Aussprache hat der estnische Außenminister dem Volkskommissar Litwinow mitgeteitt, daß die estnische Regierung der Frage des Abschlusses eines östlichen Regionalpaktes zur gegenseitigen Hilfeleistung, an dem die Sowjetunion, Polen, Deutfchland, die Tschechoslowakei und die baltischen Staaten teilnehmen sollten, freundlich gegenüberftehe.
Da die estnische Regierung bisher nicht in den Besitz des Entwurfes des Ostregionalpaktes gelangt ei, behalte sie sich das Recht vor, bei den Verhandlungen Zusätze ober Bemerkungen zu diesem Pakt zu machen.
Die gleiche Erklärung über den Ostpakt hat übrigens auch der lettische Gesandte in Moskau B i l m a n i s dem Außenkommissar Litwinow über- reicht.
Italienischer Truppenaufmarsch.
Wien, 28. Juli (DNB.) Die Wiener „Neue ^reie Presse" meldet aus U d i n e : Alle italienischen Alpen st raßen sind mit Truppen über- füllt Diese Truppen sind mit voller Gebirgs- ausrüftung versehen. Unter den mobilisierten Truppen befindet sich auch die E r st e m e ch a n i s i e r t e Division in Stärke von 8000 Mann. Die Division besteht aus Tanks und Panzerautos modernster Art, schwerer und leichter Artillerie sowie sechs- und achträdrigen Lastautos. Mechanisierte Einheiten bewegen sich auf der Straße Udine —Harris, während Bersaglieri, Radfahrtruppen und Piemonteser Ulanen auf der Straße Monte—Croce vorüberziehen.
Oie italienische presse hetzt weiter.
Rom, 29. Juli. (DNB.) Selber muß verzeichnet werden, daß die römische Presse vom Sonntagmorgen sich noch immer in einer Tonart ergeht, die die übelsten Verleumdungen der pazifistischen und freimaurerischen Presse in den Schatten zu stellen versucht.
Der „M e s s a g e r o" kennt in seiner Zügellosigkeit keine Grenzen. Offenbar kommt es ihm im Konzert mit den übrigen ähnlich gestimmten Zeitungen darauf an, in der italienischen Öffentlichkeit eine Psychose zu entfesseln, die in krassem Widerspruch steht zu einer Politik, die ihre Hauptaufgabe in her Wahrung des Friedens sehen müßte. Sätze wie: „von Papen soll mit List und Betrug jene Eroberung vollenden, die man mit Feuer und Schwert nicht erreicht hat", kennzeichnen die Geistesverfassung, in der sich leider ein großer Teil der italienischen Presse befindet.
Der Leitartikel des „P o p o l o d'J t a l i a" unterscheidet sich kaum im Ton. Der deutschen Presse wird vorgeworfen, sie sei „mit Heftigkeit und blöder Arroganz gegen Italien losgegangen". Nach einem wenig glaubwürdigen Appell an das humanitäre Selbstgefühl entblödet sich der offen- sichtlich von aller Würde und Vernunft verlassene Schreiber nicht, das deutsche Volk in beispielloser Weise zu beschimpfen. Die Deutschen werden als Nachkommen von Nomaden bärge- stellt, in beren „trüben Seelen jene roilben Instinkte unb jener Blutburst roieber auftauchten, ben die römische Kultur in zwei Jahrtausenden abge-
Der ganze Aufruhr sei zu plump und dilettantisch gewesen als daß er eine verantwortliche Leitung hinter sich hätte haben können. Auch seien seit der Ermordung von Dr. Dollfuß die iian Ölungen der deutschen Regierung völlig korrekt und durchaus darauf gerichtet gewesen, Men Verdacht einer Mittäterschaft zu beseitigen.
In dem größten Teil der «estrigen Lorttwner Sonntagspresse wird wenigstens die moralische Mitschuld Deutschlands an den Wiener Ereignissen ohne weiteres angenommen, und mit Genugtmmg wer- l" 1 ben die scharfen Äußerungen der italienischen Presse .»| gegenüber Deutschland angeführt.


