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WG General-Anzeiger für Oberhessen UM

richten: Anzeiger Gießen behördliche Anzeigen 6Rpf.

11686 Druck und Verlag: vruhl'sche Unlverfitäts-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Siehrn. Schristleitung und Seschöfttftelle: Schulftratze 7 M°ngenabschlüi!-st°ff°i8

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger sür Oberhessen

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Bundespräsident Miklas spricht am Sarge, der vor dem Wiener Rathause aufgebahrt ist.

Aufbau ist eines der Kernprobleme der neuen Regierung. Ebenso ist Starhembergs Ge­schäftsbereich vergrößert; denn wahrend er früher nur für Sport und Jugendertüchtigung zuständig war, bekommt er jetzt den ganzen Sicherheitsdienst zugewiesen. Aehnlich ver­hält es sich mit Fey, dem das Innenministerium zugeteilt wurde, während er im letzten Kabinett Minister ohne Portefeuille war. Da T a u s ch i tz als Staatssekretär des Aeußeren nach kurzer Zeit aus der Regierung ausscheiden soll, ist überhaupt keine andere Ge'sinnungsgruppe mehr als tue Christlich-soziale und die Heimwehr- gruppe im Kabinett vertreten.

Heimwehrmini st er im neuen Kabmett sind Starhemberg, Egon Berger-Waldenegg, Fey. Odo Neustädter-Stürmer.

der inneren Verwaltung;

Vundesminister für Finanzen ist Dr. Karl resch;

Vundesminister für handel und verkehr

Wien, 30. Juli. (DRV.) Amtlich wird ge­meldet: Bundespräsident Miklas hat heute mor­gen 2 Uhr den bisherigen Vundesminister für Unterricht Dr. Kurt Schuschnigg zum Bun­deskanzler ernannt und die von dem designier­ten Bundeskanzler vorgelegte Liste der Mitglieder der neuen Regierung genehmigt. Sie lautet:

Bundeskanzler Dr. Kurt Schuschnigg, der gleichzeitig die Bundesministerien für Landes­verteidigung, für Unterricht und für Justiz führt;

Vizekanzler Ernst Rüdiger Starhemberg, der gleichzeitig mit der Führung der Ange­legenheiten des gesamten Sicherheitswesens be­traut wird;

Vundesminister Egon Berger-Waldenegg, der mit der Führung der auswärtigen Ange­legenheiten betraut wird;

Vundesminister Major a. D. Emil Fey über­nimmt zu feiner bisherigen Funktion als Generalstaatskommisfär die Angelegenheiten

Deutschlands Teilnahme an Oesterreichs Trauer and ihren Ausdruck in den auf Halbmast gesetzten Flaggen des Reiches auf dem Gebäude der Wiener deutschen Gesandtschaft.

Stockinger;

Vundesminister für soziale Verwaltung Odo Reustädter-Stürmer, dem überdies die Angelegenheiten der berufsständifchen Reuord­nung zugewiesen werden;

die Besetzung des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft bleibt Vorbehalten.

Dem Bundeskanzler werden zur Vertre­tung in Angelegenheiten des Bundesministeriums für Landesverteidigung der bisherige Staatsfekre- tär Generalmajor Wilhelm Zehner, zur Vertre­tung in den Angelegenheiten des Bundesministe­riums für Unterricht Sektionschef Dr. Hans P e r n - ter, zur Vertretung in den Angelegenheiten der Justizverwaltung der bisherige Staatssekretär Karl Karwinfky als Staatssekretäre beigegeben.

Dem Vizekanzler wird zur Vertretung in den Angelegenheiten des Sicher heitswefens ein Staatssekretär beigegeben, dessen Berufung unmit­telbar bevorstehl. Dem noch zu ernennenden Bundes­minister für Land- und Forstwirtschaft wird der bisherige Staatssekretär Ulrich I l g als Staatssekre­tär beigegeben.

Dem Vundesminister für foz^ale Ver- roattung wird für die Frage des Arbeiterschuhes ein Staatssekretär beigegeben, der aus den Kreisen der Arbeiterschaft entnommen wird.

Das bereits bestehende Ministerkomitee füranßerordentlicheSicherheitsmaß- nahmen wird beibehalten. Den Vorsitz in diesem Kdmitee führt Vizekanzler Starhemberg, in seiner Stellvertretung Bundesminister Fey.

Während einer kurzen Uebergangsfrist wurde Mi­nister Verger - IB albenegg mit der Weiter­führung der Geschäfte des Bundesministeriums für Justiz und der dem Bundeskanzler beigegebene Staatssekretär für Justiz Karwinfky mit der Weiterführung feiner bisherigen Geschäfte als Staatssekretär für Sicherheitswesen betraut. Des­gleichen wird der bisherige Staatssekretär Tau­sch i h noch für eine kurze Übergangszeit die Ge­schäfte eines Staatsfekretärs für auswärtige An­gelegenheiten weiter führen.

Starhemberg spricht im Rundfunk.

Wien, 28. Juli. (DNB.) Vizekanzler Star­hemberg hielt am Freitagabend im Rund- funk eine Rede, in der er u. a. folgendes aus­führte: Die Bundesregierung wird ln treuester Kampfgemeinschaft mit dem toten Führer ihr Bestes daran setzen, um seine Idee zum Stege zu bringen. Verantwortungslose, zum Jßerbredjen geführte Elemente haben geglaubt, daß der Tod des Bundeskanzlers Oesterreichs das Signal sei, um ihre dunklen Pläne zu verwirklichen. Um deutsch zu sein, um unsere deutsche Sendung in der Welt zu erfüllen und unserem Deutschtum zu dienen, da­zu brauchen wir in Oesterreich keinen Nationalsozialismus. Daher erkläre ich tm eigenen Namen und im Namen der Bundesregie­rung, daß wir niemals das geringste Kompromiß mit dem Nationalsozia­lismus eingehen, niemals das geringste Zuge­ständnis machen werden, das unsere Freiheit, un­sere Ehre und Würde beeinträchtigen könnte. W i r wollen abwarten, was in der Zukunft geschieht. Wir wollen abwarten, ob in der 3u= funft auf gewisse Erklärungen auch Taten folgen werden. Oesterreich hat alles getan um die ge­schichtlichen Bande zwischen uns und den in Deutsch­land wohnenden Deutschen möglichst fest zu gestal­ten Zum Schluß sagte der Vizekanzler: Selbstver­ständlich wollen wir alles dazu beitragen, was an und liegt um mit allen Nachbarn gut auszukom- mcn. Selbstverständlich sind wir bereit Dinge die sich in der Vergangenheit ereignet haben, zu ver-

Die neue österreichische Bundesregierung

Nur Christlich-Soziale und Heimwehr im neuen Kabinett.

Präsident Miklas hob in einer Ansprache die Be­deutung der Persönlichkeit Dollfuß' und seine Ver­dienste als Oesterreicher und Deutscher hervor. Nach ihm sprach Vizekanzler F ü r st Starhemberg, der dem toten Bundeskanzler im Namen der Re­gierung, der Wehrverbände, der Armee die Treue bis übers Grab hinaus schwor. Dann sprachen der Erste Bürgermeister von Wien Schmitz und der Landeshauptmann von Niederösterreich Reiter.

Der außerordentlich lange Zug bewegte sich so­dann durch die Straßen Wiens. Der Sarg Dollfuß wurde auf einer Lafette geführt. Dem Sarg folgten die Familie des Bundeskanzlers, der Bundesprasi-

dervertretern der Großmächte und dem päpstlichen Delegierten Nuntius Sibilia, dem Sonderver­treter Mussolinis Botschafter di Martino, dem ungarischen Außenminister Kany a, der Vertreter des englischen Königs Selby, der Vertreter des Völkerbundes R o st van T o n i n g e n. Die Reichsregierung war durch den gegenwärtigen Ge- chäftsträger Prinz zu Erbach vertreten, bei; an den Beerdigungsfeierlichkeiten an der Spitze ämtlicher deutscher Gesandtschaftsmitglieder teil­nahm. Vor dem Sarg schritt Kardinalerzbischof I n - n i tz e r mit der hohen Geistlichkeit Oesterreichs. Den Schluß bildete die Abteilung des Bundesheeres. Am Stephansdom erfolgte die Einsegnung der Leiche durch den Kardinal I n n i tz e r.

Der Zug bewegte sich sodann nach dem Friedhof in Hietzing.

Nach dem Eintreffen des Trauerzuges auf dem Friedhof sprachen am offenen Grabe Bundesmini­ster Dr S ch u s ch n i g g für die dem Bundeskanzler Dollfuß direkt unterstellt gewesenen Wehrverbände, dann Dr. Kemptner für die Verbindungen des österreichischen Kartelloerbandes und die Serbin« düng Franco-Bavaria, weiter ein Führer der öster­reichischen Jungfront und der Bundesleiter der Vaterländischen Front, Generaldirektor Dr. S te­st a n. Daraus wurde der Sarg unter den Klängen des LiedesIch hott' einen Kameraden" in die Erde gesenkt.

Bor einem Heimwehrpuisch?

Wien, 29. Juli. (DNB.) Allerlei Gerüchte durchschwirren die Stadt. Es heißt, daß die Po­lizei in allerhöchste Alarmbereit­schaft gesetzt wurde. Richtig ist allerdings, daß viele Gaststätten und Cafes, die bis um 22 Uhr hätten offengehalten werden dürfen, plötzlich auf polizeiliche Anordnung schließen mußten. Vor dem Gebäude der Polizeidirektion st eben jetztMaschinengewehre, wahrend sie bisher im Innern des Gebäudes aufgestellt waren. Die Bewachung des Bundeskanzleramtes wurde verstärkt.

Reuter meldet einen bevorstehendes Heimwehrputsch. Andere Gerüchte erzählen, daß bei den zahlreichen Neuaufnahmen in Sch utz- ko r p s v e r b ä n d e sich politische Gegner eingeschlichen hätten, die nun zum Losschlagen ent­schlossen seien.

aessen, wenn wir in Zukunft in keiner Weise ge­stört werden. Doch weisen wir jede Einmischung in unser Schicksal auf das Energischste zurück.

Verschärfung des Kurses?

Wien, 30. Juli (DNB.) Auf den ersten Blick zeigt es sich, daß das neue Kabinett eine außerordentliche Stärkung des Heim­wehreinflusses bringt. Besonders hervor­zuheben ist die Ueberweisung des Ministeriums des Aeußeren an Egon Berger-Waldenegg. Seit Jahren ist das Außenministerium mit dem Bundeskanzleramt vereinigt gewesen. Auch die Be­trauung Neustädter-Stürmers mit den Angelegenheiten des berufsständischen Aufbaues unterstreicht diese Tendenz. Denn der berufsständische

(jn. n 9o ern[; (DNB.) Am Tage des Leichen- Wien, 28:,?ui \ morbften Bundeskanzler Dr. begangnisses für stabt seit den frühen

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Von offiziöser Seite wird mitgeteilt, daß augen­blicklich im Bundeskanzleramt ein Minister rat über die Neubildung des Kabinetts tagt, und daß verstärkte Sicherheitsmaßnahmen allen Möglichkeiten vorbeugen sollen.

Bemerkenswert ist folgende amtliche Mittei­lung, die am Sonntagabend erschienen ist:Die Bundesregierung hat den Polizeivizepräsidenten Dr. Michael S k u b l unbeschadet seiner bisherigen Funktion als Stellvertreter des Polizeipräsidenten von Wien zum G e n e r a l i n f p i z i e r e n d e n für die Bundespolizeibehörde bestellt. In dieser Eigenschaft obliegt Dr. Skubl die Auf­gabe, die Sersehung des gesamten Dienstes bet ollen Bundespolizeibehörden laufend einer eingehenden... Überprüfung zu unterziehen und zur Vehecht^ alb äliiger Mängel in personeller und fenftfger Hin- icht unverzüglich Abhilfe zu schaffen. V _ Man chließt aus dieser Mitteilung, daß in letzten kritischen Tagen sich innerhalb der G^efutioe gewisse Reibungen ergeben ho^n müssen.

L----- . , . SarBe die Witwe, geführt mm dem Vizekanzler Fürst St ar he m-

Im Trauerzuge folgte dem S «^^testen Freunde des Toten, Hanü-lsm,n,ster Stock.nger. - berg (m Umform^unü ^ts Mutter des Bundeskanzlers (mit Kopftuch),