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Nr. 25 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, ZO.Zanuar 1954

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vor einigen Jahren Dienst auf einem

Ich machte

Eigentlich ist es ja gar keine fo weite Reise. 1»°^ durch °°n «ranz °on.er. °-rg-n ,nuucu übaenraien lieat ia nur am 54. Breitearad. manövrieren. T g 1 9 9 c. v ... _

Südgeorgien liegt ja nur am 54. Breitegrad,

im Nebel und konnten nicht ihre Lage finden, bis

Dampfer, der zwischen Buenos Aires und Gryt- viken verkehrte, um die dort befindlichen Walfang­stationen mit Betriebsstoffen und Lebensmitteln zu versorgen. 21 Tage dauerte jedesmal die beschwer­liche Reise, bis wir aus der schweren See die eis­bedeckten Berge Südgeorgiens auftauchen sahen.

das entspräche der nördlichen Breite der Insel Rü­gen, die durch ihre herrlichen Buchenwälder und mil­den Seebäder bekannt ist. Aber Europa lebt von der lauen Lust des gesegneten Golfstromes, während Georgien jahraus, jahrein von den Eistürmen der Wedellsee umtobt ist, die nicht einmal ein S hack­te t o n bezwingen konnte. Schon wenige Tage, be­vor wir uns dem südlichsten, noch bewohnten Lande der Welt näherten, umflogen Riesensturmvögel und Wanderalbatrosse unser Schiff, die Beherrscher der Südpolarsee.

Nachdem die Kapelle der SA.-Reserve noch ge­spielt hatte, hörte man die Rede des Reichsministers

Wenn aber Eisberge, die vom antarktischen Fest- land abgetrieben waren, unfern Dampfer passierten, kam auch die eine oder andere Feenseeschwalbe und ruhte sich in unfern Masten von den Abenteuern

ihres Fluges aus.

Bis zur Insel reicht manchmal das Treibeis, und nicht selten mußten wir erst in gefährlicher Fahrt durch den Kranz von Eisbergen hindurch-

fenstudenten zu den Großen der Vergangenheit auf- aesehen und ausgerufen:Lieber tot, als in der Knechtschaft leben". So sei das Entstehen des Rings Deutscher Waffenstudenten ein einziges zor­nigesNein" zur Rebellion von 1918 gewesen und einI a" zu dem Tag, da ein Mann an die Spitze der Nation treten werde zu neuem Anfang. So sei es ein großes Auf­atmen gewesen, als eine willensstarke Hand das Geschick des Volkes zu formen begann.

Der Sinn der Feier fei es, sich zum neuen Reich ZU bekennen, zur Zukunft und zur Führung.

Die deutsche Revolution habe man eine konser­vative Revolution genannt; das sei aber nicht so ZU verstehen, daß man auf alte, überlebte Formen zurückgegriffen habe, sondern es sei ein radika - les Besinnen a u f die tragenden Ele­mente des Staates gewesen, ein Besin­nen auf die Voraussetzungen für ein gesundes Volks­tum und die endgültige Abwendung von der Ge­dankenwelt einer kosmopolitischen Verschmelzung. Im Ring deutscher Waffenstudenten habe man stets die nationale Differenzierung gefordert. Die Hessen dürften stolz darauf fein, daß dieses Ziel an der Gießener Landesuniversität stets mit religiöser In­brunst und fanatischem Glauben verfochten worden sei. Dieser Kampf sei schon von den Studenten im schwarzen Rock ausgenommen worden, als man noch nicht daran dachte, über die Grenzen inner­halb Deutschlands hinwegzusehen. Wir seien gegen­wärtig in einer Zeit, in der man über die Bedingt­heiten des völkischen Lebens nachdenken müsse. Ehrfurcht vor der Schöpfung müsse gerade hier in tiefster Menschenseele lebendig sein.

Wir wollen uns restlos zum zweiten Werkjahr Adolf Hitlers bekennen. 3n unserem persön­lichen Leben und in den Verbänden wollen wir für die rassische und seelische Erneuerung des Volkes eintreten.

Es fei zutiefst erlebt worden, daß Wehrlosig­keit Ehrlosigkeit bedeute, man habe erleben müssen, daß ein hochwertiges Volk Lohnsklave wurde. Deshalb sei We^rpolitik und Wehr-

DeutschlandsKraft für die Zukunft er- wachsen. Wir müßten dem Führer folgen, um das Leben der Nation zu sichern. Wir dürften mit Stolz des Waffenstudenten Horst Wessel gedenken, der ein Kämpfer gewesen sei gegen den Internationalismus, gegen den Kapita­lismus und gegen die Mechanisierung des völkischen Lebens. Sein Geist müsse der Geist der Waffenstuden­ten sein. Das Ringen, in dem er stand, sei unser Ringen. Nun trage man die Fahne froh in den Tag hinein, und daß wir es tun könnten, danke man dem Führer Adolf Hitler. Hinter ihm schließe man die Reihen.

Wit Walter Fl ex, mit Falten und mit horst Wessel in den Reihen marschiere man in der Gefolgschaft Adolf Hitlers.

Ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer schloß die begeisternde Ansprache. Gemeinsam wurden sodann der erste Vers des Deutschland-Liedes und des Horst- Wessel-Liedes gesungen.

Während des gemeinsamen Gesanges des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes. (Aufnahmen: Photo-Pfaff, Gießen.)

nationale Weihestnnde des Rings Deutscher Waffenstndenien

Lgndeskirchenral Superintendent D. Müller (Darmstadt) während der Ansprache.

gegeben wurde. Von ihm, dem Führer Adolf Hitler, fühlte das Volk, daß er die Führung des Volkes in die Hand zu nehmen zutiefst berechtigt war. Der Umbruch, die völlige Neugestaltung unse­res ganzen völkischen Lebens folgte. Die braunen Bataillone rissen mit in ihrem Glauben, daß das Werk vollendet werde. Diese Erneuerung müsse zu nachdenklicher Erinnerung führen.

Adolf Hitler habe einen neuen Glauben ge­geben. Jedermann habe die klare Empfindung von der Gröhe des Jahres 1933 und der Be­deutung dieser Schicksalswende.

Die deutsche Not habe an der Wiege des deutschen Waffen st udententums g e st a n d e n. Vor zehn Jahren, als man sich in Mainz gefunden habe, habe der Verrat der Sepa­ratisten in unserer Seele gebrannt. Man habe den Niedergang des deutschen Volkes erleben müssen, obwohl fein Heer im Felde ungeschlagen war und das Volk selbst in Atome seiner Meinungen zerstob. So habe man damals im Ring der deutschen Waf-

Hastigkeit notwendig, weniger eine Wehrhaftig­keit im Sinne des Säbelrasselns, als eine Wehr­haftigkeit des Herzens und der Nerven. Die Stu­denten im Ring der Deutschen Waffenstudenten müßten bei diesem Gedanken sich an Walter Flex erinnern, der in der Wehrhaftigkeit der Tat und des Herzens an das Absolute gestoßen sei.

Nun habe sich uns das Leben in Wirklichkeit und Opferwille, in der Hingabe an Volk und Vaterland entschleiert. Wenn das Leben Letztes fordere, so sei es drum, die Rechnung sei glatt, denn das Leben habe uns schon alles gegeben. Im Fronterleben sei der Grundgedanke deutschen Lebens überhaupt klar geworden. Staat, Volkstum, Gemeinschaft seien vor dem Menschen. Der einzelne habe erst dann Zweck, wenn er Rad im Getriebe des Ganzen sei.

So wollen wir in diesem Sinne für den Führer die herzen der deutschen Jugend aufrufen.

Es sei Tatsache, daß im Waffenstudententum die Nation schon von jeher verbunden gewesen sei. Ueber Hessen, Bayern und Preußen hinweg, von Universität zu Universität habe man sich die Hand

3m Staat der Pinguine

Fahrt nach der südlichsten Stadt der Welt.

Von Alexander Thayer.

In der Neuen Aula der Universität fand gestern abend eine Feier des Rings Deutscher W a f - fenstudenten statt, die einen erhebenden Ver­lauf nahm' Die weitaus größte Anzahl der Stu­denten war im Braunhemd erschienen, die Char­gierten nahmen in vollem Wichs teil. Unter den Teilnehmern befanden sich viele Vertreter der Be­hörden, der Reichswehr usw. Die Dozentenschaft war stark vertreten. Die Aula prangte im festlichen Schmuck des Hakenkreuzbanners und der Farben der studentischen Korporationen.

Die Feier wurde von stuck, meck. Bender mit herzlichen Worten der Begrüßung eröffnet. Sodann wurde gemeinschaftlich das LiedBurschen heraus gesungen. Die Kapelle der SA.-Reserve begleitete unter der Leitung von Musikzugführer Herr­mann. Die F e st r e d e hielt sodann

Landeskirchenrat Superintendent D. Müller-Darmstadt.

Seinen Ausführungen fei folgendes entnommen: Der 30. Januar fei der Tag gewesen, da dem Füh­rer Adolf Hitler durch den Reichspräsidenten von Hindenburg die Macht tm Staate

es sich endlich aufklarte und die über und über von Schnee bedeckte V o g e l i n s e l in Sicht kam, hinter ihr Südgeorgien mit feinen hohen Bergen und dreißig Gletschern. *

Wenn der Anker vor Grytviken ins Wasser fällt, kommt die ganze Stadt an Bord und will Neuig­keiten hören, Zeitungen lesen. Stadt? Nun, m Grytviken gibt es Regierungsfunktionäre, Magi­stratsbeamte, Kaufleute, Ingenieure, Zoll-, Tele­graphen- und Postbeamte, hunderte Arbeiter und Seeleute und eine Frau, die Gattin des Post­verwalters.

Auf dem Lande gibt es-ein schönes Hospital, das meist nur dazu benützt wird. Fremden als Hotel zu dienen oder um ein heißes Bad zu nehmen. Der Stolz der Bevölkerung ist das Kino. Wenn ein­mal der Dampfer, der Grytviken versorgt, einige Wochen durch Sturm und Eisgang aufgehalten ist, so sieht man sich immer wieder denselben Film an. Aber man sieht doch wenigstens neue Menschen, Straßen, Bäume, Automobile.

Sonst trifft man sich im Kaufmannsladen, wo dis Neuigkeiten des Ortes ausgetauscht werden. Da es keine Frauen gibt, gibt es auch nicht viel Neuig­keiten. Was in der Welt vorgeht, hört man im Radio. Sonst gibt es nur noch das Elektrizitätswerk und natürlich die Hauptsache die Walver­arbeitungsstation.

Ich will aber nicht von Grytviken erzählen, son­dern von meinen Freunden, den Pinguinen. Es gibt nichts Drolligeres, Lustigeres und wenn man es so nennen kann Menschlicheres als das Leben dieser Tiere.

Wir fahren in unserer freien Zeit mit einigen Herren von der Station im Motorboot in eine der vielen Buchten nördlich der Cumberlandbai. Auf einem schief gegen die See zu abfallenden Felsen­plateau mit einer großen Gletschermoräne liegt eine der größten Kolonien.

Das Leben der Pinguine ist streng nach Gesetzen geregelt, die offensichtlich der Aeltestenrat der Ko­lonie aufstellt. Denn immer sind es einige wenige ältere Herren, die im Zentrum der Kolonie auf dem Rathausplatz ihre Befehle fchnattern, denen alle folgen.

gereicht und auch die Ostmark eingefchlofsen in die- fpieii yane, yorre man uie jitue u« fen Ring. Aus der Kraft der Söhne müffel Dr. Frick in der llebertragung des Rundfunks.

Der Feldherr des deutschen Friedens.

In einer ausgezeichneten, an neuen Erkenntnissen reichen Charakteristik W a l l e n st e i n s, die wir im Februarheft von Velhagen & Klasinas M o - n a t s h e f t e n finden, deckt Universitätsprofeffor Dr.

Peter und der blinde Passagier.

Von Udo Wolter

Peter nahm das Tau, das Brix, der Matrose, ihm zuwarf. Auf der Kommandobrücke stand Vater und winkte. Langsam, fast unmerklich, schob sich die Zunderstaam" an das Bollwerk.

Der Anker rasselte nieder Noch ehe die Brücke ausgelegt war, schwang sich Peter mit einem rieft« gen Satz über die Reeling auf Deck. Brix fluchte, doch es war bereits zu fpät. Peter war schon hinauf zum Zwischendeck, um Kapitän Larsen, seinen Vater, zu begrüßen, der nach dreiwöchiger Abwesen­heit von Reval zurückgekommen. Plötzlich stutzte er jedoch. An der dritten Tür neben dem Kombüsen­aufbau war ein Gesicht aufgetaucht und bei feinem Anblick wieder blitzschnell verschwunden. Peter kannte die Mannschaft sehr genau. Nachdenklich ging er die letzten Treppen zur Kommandobrücke hinauf.

Tag, Junge", sagte Larsen, der sich gerade land­fertig machte. Für Augenblicke packte er ihn an beiden Schultern, schob ihn weit von sich und be­trachtete ihn.

Tag, Vater. Alles glatt gegangen mit der Schule."

Fertig?" Larsen lächelte kurz und voller Stolz, als Peter mit dem Kopf nickte.Also nächstes Mal denn " Das' bedeutete, daß Peter von der näch­sten Ausfahrt ab auf dem Schiff des Vaters feine Ausbildung zum Steuermann erhalten wurde. Jahre hatte er auf diesen Sag Quartet

Neuen Mann an Bord. Vadder?

Larsen blickte verwundert auf:Warum. Hab keinen Neuen angeheuert. Die Mannschaft ist in Ordnung. Weshalb fragst du?"

Ich dachte ...", sagte Peter Er stockte.Och, nichts .. Ich wart' unten, Vadder. Langsam ging er hinaus, dann war er mit wenigen Sprün­gen die steile Treppe hinunter, vor dem Kombusen-

Er spähte in die wenigen Kabinen. Niemand! Der Kerl war unten im Bunker oder in irgendeinem ähnlichen Versteck. Die Mannschaft war an Deck. Sicher hatte der andere die Gelegenheit für günstig erachtet, um sich vom Schiff zu schleichen Langsam durchquerte Peter den kleinen Speisesaal und wollte hinunter zum Maschinenraum, als er sich erinnerte, daß er noch nicht in die Geschäftskabine hinemge- iehen hatte, in der Vater die Stückgutabrechnungen und die ganzen Formalitäten zu erledigen Pflegte, die mit dem Anlaufen eines Hafens verbunden waren. Ein leises Geräusch da drinnen. Unverschämt­

heit, dachte Peter und riß mit einem Ruck die Tür auf. Da stand der Kerl über die Papiere gebeugt und wühlte in ihnen herum.

Mit einem Riesenschritt war Peter heran:Hallo! Sie da!" Peter war siebzehn Jahre und ein echter Hamburger Junge. Im Augenblick hatte er den an­deren am Kragen.

Verrückter Kerl", sagte der und versuchte ihn abzuschütteln. Das ging Peter auf alle Fälle zu weit. Mit einem kurzen Kinnhaken schlug er das kleine Männchen zusammen. Dann lud er ihn auf die rechte Schulter und stieg mit ihm an Deck hin­auf.

Brix kam den Gang hinauf, starre ihn sprachlos an.

Klauen wollte er", sagte Peter stolz.

Jung", atemlos nahm Brix die Pfeife aus dem Mund.Jung ..." In diesem Augenblick jedoch kam Larsen um die Ecke.

Der Mann auf der Schulter begann sich zu rühren.

Hier, Vadder,n blinder Passagier. Die Hafen­polizei ..." Weiter kam er nicht. Eine furchtbare Maulschelle ließ ihn verstummen.

M eine'n Reede r", stöhnte der Käpten,Mei­nen Revaler Reeder, der mit mir auf dem Schiff... Der Jung ist verrückt, Herr Pedweidis. Hat Sie für 'nen blinden Passagier gehalten."

Hab' ich gemerkt." Pedweidis rieb sich das Kinn und sah sich Peter an, der sanft seine Backe strei­chelte.Fixe Jungs, die Hamburger ..."

Brix grinste. Larsen stützte Herrn Pedweidis,, der allmählich wieder sicher auf den Beinen wurde.

So'n Jung", sagte Larsen noch einmal drohend und holte bereits wieder aus, als sich der kleine Reder dazwischenschob:Der Junge soll doch Steuermann werden, Käpten?"

Ja", sagte Larsen bedrückt.

Komm mal her, Junge", sagte Pedweidis.Der Schlag war gut. Du wirstne Mannschaft schon in Zug halten. In drei Jahren bist du bei mir Steuer­mann."

Peter stand sprachlos. Brix grinste noch immer. Aber nach drei Jahren ist dann Peter tatsächlich Steuermann bei seinemblinden Passagier" ge­worden.

Kretschmayr die letzten Ziele des rätselhaften Mannes auf, dessen Ermordung sich am 25. Februar d. I. zum 300. Male jährt. Es war ein Verhängnis unsrer deutschen Geschichte, daß man den großen Mann nicht nach seinem Willen walten ließ, denn was er wollte, hätte Reich und Volk erneuert: Reichsreform, kaiserliche Einheitsgewalt, ostdeutscher Staat, Türkenkrieg, vor allem aber Parität, Gleich­achtung der Bekenntnisse und schließlich an Stelle des Föderativstaats den Zentralstaat. Aber der auf Gleichberechtigung der Bekenntnisse aufgebaute Ver­gleichsfriede, wie Wallenstein ihn wollte, war nur gegen die immer noch nach einem katholischen Sieg­frieden verlangende kaiserliche Partei einzurichten. Persönliche Wünsche des Feldherrn nach neuem Glanz und neuer Erhebung machten den Gegensatz unauflösbar. Wallenstein 'wollte seinen Friedens­gedanken verwirklichen mit Hilfe eines jeden, der dafür die Hand bot, fei es mit dem Feind gewor­denen Sachsen, sei es gar mit Schweden, und gegen einen jeden, der weiterstatum imperii turbieren" wollte, und wäre es auch der Kaiser. Daraus ent­sprang seine Schuld. Er wählte das Spiel einer überbeweglichen Diplomatie, in der er als Meister der Rechnung alle Fäden in Händen haben wollte und welche erreichen sollte, was ihm durch Waffen iu erreichen unmöglich erschien. Aber der Vielver­leumdete machte sich mit seinen diplomatischen Kar­ten und Künsten seinen Mitspielern nur vollends rätselhaft und unglaubwürdig, und daß er dabei die Grenzen zwischen einer vom Kaiser zugestande­nen Verhandlungsfreiheit und einer bis zu verräte­rischer Preisgabe des Kaisers gesteigerten Unbot­mäßigkeit überschritten hat, ist aus den Linien dieser Verhandlungen deutlich herauszulesen. Seine Reichs­fürstensouveränität konnte niemals die Verpflichtun­gen aufheben, mit denen das Verhältnis eines kaiser­lichen Feldherrn zu seinem Kriegsherrn ihn belud. So vollzog sich an ihm, der wohl auch mit größerer Tatkraft die Lage nicht hätte meistern können, in die seine Vergleichssriedenspolitik ihn brachte, und dessen Ende gerade auch deshalb tragisch heißen darf, am 25. Februar 1634 zu Eger ein selbstbeschworenes Ge­schick. Die Vorstellung, «daß er als Kämpfer für deut­schen Frieden, deutsche Einheit und religiöse Dul­dung gefallen sei, verbreitet über alle Dunkelheiten seines Lebens und Wollens hinweg einen immer wieder aufflammenden Lichtschein um das Andenken dessen, der, so möchte man sagen, dem wirklichen Kaiser die Treue brach, weil er sie dem geträumten Kaiser hat halten wollen.

Die kleine Dolly Haas.

Jrn Lichtspielhaus läuft seit gestern ein Terra-Film unter dem TitelSer Page vom Dalmasse-Hote l". Das ist eine lustige und unterhaltsame Sache. Amüsant der Blick hinter die Kulissen eines großen Hotels, die von Victor Jan- s o n geschickt und einfallreich inszenierte Fabel, die Entlarvung eines Hochstaplerpaars (obwohl dies nicht einmal als hervorragend originell gelten kann), der kriminalistische Einschlag in die lustspiel- hafte, von Künneckes Musik liebenswürdig be­lebte und untermalte Handlung: das alles wird nett und gefällig bargeboten; aber das Eigentliche und Besondere an diesem Film ist eine bis vor kurzem nicht nur in der Theater-Provinz, sondern auch in der Reichshauptstadt völlig unbekannte junge Dame namens Dolly Haas. Dolly Haas spielt die Hauptrolle, noch dazu eine Hosenrolle, aber es wird hier auf sie aufmerksam gemacht nicht wegen der Haupt- und Hosenrolle, sondern weil sie eine der Begabtesten ist vom großen deutschen Film- und Bühnennachwuchs: ein schlankes, zier­liches Persönchen mit einem klaren, ausdrucksvollen und ausdrucksfähigen Gesicht, intelligent, mit Sinn für Humor, beweglich, geschickt, anpassungsfähig und immer anmutig auch in dieser Bubenrolle, die mancher berühmteren Kollegin (wir nennen keine Namen) schnell und rettungslos ins Burschikose ab­geglitten und mit billigen und oberflächlichen Wir­kungen ausgeschlachtet worden märe. Wir über­schätzen übrigens ihre Lustspiel-Aufgabe keines­wegs, aber wer ein bißchen Instinkt hat und Auge und Ohr für die Grenzen wie für die Möglichkeiten einer blutjungen Schauspielerin, der wird sich die­ser Entdeckung freuen und der Entwicklung der kleinen Dolly Haas getrost und erwartungsvoll entgegensehen. Für viele Besucher mag ja Harry Liedtkes Name auf dem Programm eine stär­kere Anziehungskraft ausüben; aber er wird, so liebenswürdig er sich gibt, von der kleinen Part­nerin wahrhaftig ein wenig an die Wand gespielt. Die Damen Falkenberg und Hesterberg widmen sich mit Hingabe und Verständnis dem Hochstaplerpärchen; von den übrigen seien Iun­ke r m a n n, Steinbeck, Schlettow und bet aus mehreren Filmen bereits bekannte Hans R i ch- t e r mit seinem unvergleichlichen LausbubengesichL noch genannt. Im Beiprogramm findet man außer der neuen Wochenschau einen Wildwest-Film und einen Bildbericht aus den Allgäuer Alpen.

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