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Nr. 279 Drittes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag. 29. November 1954

Besuch im SpielzeugSMchen Sonneberg.

Paradies für Kinderherzen. Von L50jährigen Nußknackern nnd riesengroßen Hampelmännern...

Mit über 20 000 Einwohnern wird Sonne- berg in Thüringen kaum alsStädtchen" gelten wollen. Aber wir haben uns den Ort, wo Spiel­zeuge für Kinder der ganzen Welt hergestellt werden, nun einmal als Städtchen vor­gestellt, und so bezeichnen wir Sonneberg nicht anders als mit dieser Koseform obwohl der erste Schritt aus dem Bahnhof unsere Hoffnung enttäuscht.

Da erheben sich Riesenbauten rund um den großstädtisch wirkenden, asphaltierten, mit Ver­kehrsinseln bestreuten Bahnhofsvorplatz. Ein neues Rathaus, mit Säulenvorbau, ein großzügiger Krankenkassenneubau, ein neuzeitliches Postamt und ein vier- bis fünfstöckiges Verwaltungsgebäude einer großen Firma.

Das ist Sonneberg?

Nein, die Stadt beginnt erst hinter diesem Platz. Da steht eine winzige Bude am Weg; Rauch schwingt sich aus ihr auf. Ein verhuzeltes Weiblein steht da drin und brät die Thüringer R o ft- b r a t w ü r st e , wie sie auf allen Straßen, in allen Städten Thüringens feilgehalten werden. Gegenüber schwingt der Rauch und Duft einer anderen Bratwurströstbude.

Das ist Sonneberg! Die Hauptstraße der thürin­gischen Stadt steigt gegen die Berge an. Grüne Waldhügel umragen die Stadt und lugen anschei­nend neugierig in die karge Enge der Wohn­bezirke. Es ist keine reiche Stadt, wie es der Bahn­hofsplatz vortäuschen will; eher eine fleißige, rüh­rige Stadt, schaffens- und bastelfroh.

Alles ist neu und strengaesichtig, ohne altertüm­liche Traulichkeit thüringischer Kleinstädte. Der Brand von 1840 hat das Alte zerstört. Schon im Jahre 1317 bestand hier in 405 Meter Höhe, am Muppberg, dasStädtlein zu Röten", das seit etwa 1400 den Namen Sunnenberg nach der auf dem Schloßberg liegenden Burg führte. Das Schloß indessen verfiel im 17. Jahrhundert, und fast jede Spur von ihm und dem dort herrschenden Dynastengeschlecht derer von Meran verlor sich.

Seit im 18. Jahrhundert Sonneberg an Meinin­gen gefallen war, lebte die Spielzeugherstellung in dieser nach Süden voll sich öffnenden Thüringen- landschaft, dem altenMeininger Oberland", auf. Das Deutsche Spielzeug-Museum hält die Erinnerung daran wach und kündet von der Bastel- und Erfindungsfreude der Sonneberger, von ihrem löblichen Beginnen, Kinderherzen durch

Oben links: Die Fabrikation von Weihnachtsmännern; daneben: Ein Sonneberger Nußknacker. Unten links: Der Weihnachtsmann auf Skiern; daneben: Puppen werden für ihre Reife unter den Weihnachtsbaum ausgestattet.

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reizendes und absonderliches, hübsches und fesseln­des Spielzeug höher schlagen zu lassen.

In den Räumen der Staatlichen Industrieschule und der Kunstgewerblichen Fachschule beansprucht diese Spielzeugsammlung unsere Aufmerksamkeit beim Besuch der deutschen Spielwarenstadt Sonne­berg. Rund 100 Spielwarenfabriken stellten vor dem Weltkrieg für 40 Millionen Mark Spielwaren her, die Hälfte der gesamtdeutschen Herstellung; und die ganze Welt erhielt Sonneburger Pup­pen, H o l z s p i e l f i g u r e n, Nußknacker, Holztiere, Krippen, Masken und Lar­ven, Scherzartikel.

Kulturgeschichtlich und völkerkundlich, erziehungs­wissenschaftlich, handelswissenschaftlich und heimat­kundlich wird hier Unterricht durch die verwirrende Menge Spielzeug erteilt. Ein geringfügiger Ge­genstand, oft nur im Wert von Pfennigen, dazu bestimmt, die Kinder zu erfreuen und zu beschäfti­gen, spielt hier die Rolle eines Welthandelsgegen­standes, ist Erziehungsmittel und gibt Kunde von verschollener und derzeitiger Kultur, von den Aegyptern bis zu den Japanern und von russi­schen Kriegsgefangenen zu Erzgebirglern, Thürin­gern und Nürnbergern.

Die ältesten Sammlungsstücke Sonneberger Spielzeuge stammen vom Jahre 1700, Nuß­knacker, einfache Holzfiguren, oft mit Glöckchen, sogenannteklingende Sachen", darunter Spiel­zeuge, die unsmodern" anmuten, wie die Holz- aliederschlangen, mit denen die Kinder heute, nach fast 250 Jahren, wieder bereitwillig und eifrig spielen. Da sind Tiere jeder Art, manche stimm- betzabt: Muh macht die Kuh, der Hahn kräht Kike­riki, die Henne gackert. Puppen rufen Mama oder ihren Namen: Anna, Lotte usw. Puppenstuben und Puppenstubengerät, Pappspielzeug, Menagerien mit unzähligen Tierfigürchen, Pferd und Wagen, bewegliches Spielzeug jeder Art.

Kinderaugen brennen vor Verlangen in dieser Spielzeugschau, und Kindererinnerungen wachen in Erwachsenen auf. Wer durch dieses Museum geht, hat keine Eile und Hast. Und die 15 000 bis 16 000 Besucher im Jahr nehmen bestimmt ein paar lichte Freudenaugenblicke von hier in der Erinnerung mit fort.

Absonderliche Museumsgegenstände in dieser Schau der Spielwaren sind ein viereinhalb Meter hoher Hampelmann von 1858, der bei einem Festzug getragen wurde, weiterhin kunstgewerbliche Puppen als Ergänzung der Schau derSonneburger Puppen" eine verwirrende Ansammlung holdseliger Puppengesichter, dar­gestellt im Entwicklungsgang der Puppen mit allen den wechselnden Moden dergroßen Leute" von 1700 bis zur Jetztzeit, die Riesengestalt von Gulli­ver von Papiermaches, die auf Weltausstellungen ausgestellt war, die ehrwürdigen Spielzeuge einer vorchristlichen Zeit, endlich die Sammlung von Schiffen als Spielzeuge, und zwar Schiffe jeder erdenklichen Art. Oh, wie die Junaen da fest die Hände der Erwachsenen pressen und nicht weichen wollen, wie vorher die Mädchen bei den Puppen festgebannt standen

Knallbuntes Glasspielzeug als Gegensatz zu den primitiven Spielzeuggeräten der Eskimos, Jndia- ner, Inder, Russen usw. und das Ergebnis eines PreisausschreibensWie kleide ich meine Puppe", mit den hübschesten und den geschmacklosesten Ein­fällen (Puppe und Kleid aus Briefmarken oder aus Zigarrenbandern) wird sorgsam in der kundigen Führung gezeigt. Jedes Stück erfährt liebevolle Erklärung. Es ist ein Schwelgen und Erinnern; jedes Spielzeug greift an unser Herz.

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Der Stellvertreter des Führers spricht bei der Jahresfeier der NS.-GemoinschaftKraft durch Freude" vor der Belegschaft der Berliner AEG.

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Der Weltmarkt ist auch für dieses künstlerische Erzeugnis Thüringens eng geworden; überall sind Grenzsperren, um den holdseligen Puppengesichtern, den Holzfiguren, Larven und Holzschiffen den Ein­tritt zu verwehren. Aber das Riesenprunkstück der Schau, das Abschlußstück von sieben Meter Tiefe und zwölf Meter Breite: dieThüringer Kirmes" mit über hundert verschiedenartigen Volkstypen auf einem giebelhäuserumragten Marktplatz, mit dreh­baren Karussels, Schießbude mit knallenden Ge­wehren, Obstverkaufsstand usw.?

Diese große Sammelgruppe darf mit Recht sagen: Wer macht uns dies nach? Uns könnt' ihr auf die Dauer nicht susfchließen. Kinderherzen er­sehnen Sonneberger Spielzeug.

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Daten für Donnerstag, 29. November.

1780: die Kaiserin Ma via Theresia in Wien ge­storben (geboren 1717); 1802: der Dichter Wil­helm Hauff in Stuttgart geboren (gestorben 1827); 1839: der Dichter Ludwig Anzengruber in Wien geboren (gestorben 1889); 1844: der Novellist Timm Kröger in Haale in Holstein geboren (ge­storben 1918).

$05 Willis Bill ßöll.

Roman von Rainer Melden.

Mrheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 2. Fortsetzung Nachdruck verboten,

Plötzlich kam es ihm zum Bewußtsein, daß dieses kleine vierzehnjährige Mädchen langsam heranreifte w einem erwachsenen Menschen. Bisher war sie chm immer nur ein Kind gewesen. Und nun erst empfand er, was diese drei Jahre der Trennung -usmachen würden. Wenn er nach drei Jahren wiederkehrte, würde er kein Kind mehr finden, son­dern ein junges Mädchen, das vielleicht schon von Männern begehrt wurde. Warum empfand er bei (liefern Gedanken einen solchen Schreck? Was war ss, das ihn jetzt, ohne daß er es wollte, Evas Arm 'sfter an sich drücken ließ? Es schien ihm beinah unmöglich, sich von ihr zu trennen. Ihr liebes, zar- tes Gesichtchen nicht mehr zu sehen. Ihre helle, 'Düfte Stimme nicht mehr zu hören. Ihre ver- i-auensvollen, schwärmerischen Augen nicht mehr Nagend die seinen suchen zu sehen.

Fast gegen seinen Willen drängte sich die Frage über seine Lippen:

Hvo, werden Sie mich nicht vergessen? Werden Göie immer daran denken, daß kein Bruder es bes- f r mit Ihnen meinen kann als ich? Daß Sie keinen ksseren Freund auf der Welt haben als mich?"

Daran werde ich immer denken!" sagte Eva van liöfter leise und fügte hinzu:

Und Sie, Friedrich, werden Sie mich auch nicht vergessen?"

Solange ich lebe, nicht, kleine Eva!"

Seine Stimme klang so warm und so voll ernsten versprechens, daß Evas trauriges Gesichtchen von ciinem ersten Lächeln erhellt wurde.

Sie seufzte auf wie ein Kind, das von einer Wweren ^Angst befreit ist.

üb!, dann ist es ja gut!" sagte sie ganz leise. ,2)ann will ich auch tapfer sein!"

Dieses tapfere und rührende Lächeln war das c 'J®as Friedrich Borgloh von Eva van Koster f:ih. Als der Zug schon längst rauchend und rat» tirnb den Bahnhof von Charing Croß verlassen tatte, als er durch die Vorstädte Londons dem ftafen von Southampton entgegensauste, hatte [uriebricf) Borgloh die ganze Umwelt um sich herum vergessen. Vor seinen Augen stand immer noch bies zarte, liebliche Lächeln der jungen Eva van SDfter.

Friedrich Borgloh arbeitete bereits ein halbes 2-llhr an seiner neuen Forschungsstätte mitten in t)m Urwäldern des Blauen Nils. Seine Berichte, t>2 er van Koster gab, waren hoffnungsvoll. Es ttDr gelungen, in einem kleinen Distrikt das ge- strchtete Sumpffieber durch die neuen Einspritzun­

gen zu bessern. Ein Zeichen, daß man bei der Ent­deckung des Bazillus auf richtigem Wege war. Friedrich Borgloh vermißte es sehr, mit feinem verehrten Lehrer und gütigen Freunde nicht mehr in dem regen Gedankenaustausch wie früher stehen zu können. Die Briefe hier aus Zentralafrika bis nach London reisten Wochen; bis eine Antwort van Kosters kam, war Friedrich Borgloh in seinen For­schungen schon wieder ein ganzes Stück weiter. Ueberdies kamen diese Antworten auch nur sehr spärlich.

Van Koster schrieb Borgloh, daß sein Gesund­heitszustand noch viel zu wünschen übrig lasse. Er habe sich nach der letzten Grippe nicht mehr so recht erholt. Das Herz mache ihm viel zu schaffen.

Wirklich machten auch die Hände van Kosters einen zitterigen und müden Eindruck. Auch die Briefe der kleinen Eva van Koster, die getreulich jedem wissenschaftlichen Schreiben des Vaters bei­gefügt waren, klangen ängstlich.

Sie schrieb:

Wären Sie doch nur hier, lieber Friedrich. Mir ist das Herz oft so schwer. Der Vater sieht so müde aus. Er nimmt sich zwar mit seiner be­kannten Energie zusammen. Aber mich täuscht er über seinen wahren Zustand nicht hinweg. Es geht mit seinen Kräften bergab. Würde er sich mefyr schonen, so würde er vielleicht frischer sein. Aber er ist von einem Arbeitseifer besessen, der durch nichts zu hemmen ist. Ich habe manchmal das Gefühl, als wolle er mit aller Kraft feine Arbeiten vollenden. Als säße ihm irgendeine Angst in der Seele.

Wären Sie doch nur hier, damit ich mich mit 31)nen aussprechen könnte! Zwar habe ich ja nun öie Verwandten Parkins. Ader, lieber Friedrich, id) kann mir nicht helfen, Sie sind mir mehr als diese Verwandten. Doch was hilft das Klagen? Sie sind nicht da, und so muß ich eben mit mir allein fertig werden. Leben Sie wohl. Bleiben Sie gesund und denken Sie mitunter an Ihre kleine Schwester Eva van Koster."

Diese kleinen Briefe, auf der Schreibmaschine sauber und sorgfältig getippt, waren wie ein Heilig- tum für Friedrich. Er las sie in seiner Einsamkeit immer wieder. Und dann erstand vor ihm das süße Mädchengesicht mit den schwärmerischen blauen Auaen, dem feinen, lächelnden Mund undeutlich wieder. Er versuchte ganz stark, sich die kleine Eva in die Erinnerung zurückzurufen. Aber die vielen Wochen, die Monate, die sich zwischen ihn und Eva gelegt, ließen ihr Bild in ihm doch etwas undeut­licher werden. Die paar Amateurbildchen, die sie ihm auf seine Bitte beigelegt, waren unscharf. Zu einem.Photographen, schrieb sie, könne sie nicht, denn sie fahre gar nicht mehr nach London hinein. Sie wolle den Vater auch keine Minute allein lassen.

Die Sorge um van Koster und der Wunsch, der kleinen Eva in dieser Zeit eine wirkliche Stütze zu 1 fein, waren der einzige Schatten in Friedrich Borg­

lohs Leben hier. Denn sonst war sein Dasein hier, ganz wie ein Mann und ein Forscher es sich wün­schen konnte. Er arbeitete mit dem jungen Doktor Burns aufs glücklichste zusammen. Die Träger und Diener, alles Eingeborene, waren treue und sanfte Menschen, die auf jeden Wink gehorchten. Das Leben in der großen Einsamkeit der Urwälder, primitiv und abenteuerlich, erinnerte Borgloh an die Sehnsucht seiner Knabenjahre. Dazu der Fort­schritt in seiner Arbeit. Es gab nichts zu wünschen. Nur der Gedanke an van Koster und Eva erfüllte ihn mit Sorgen.

Ein Jahr war Friedrich Borgloh nun unten in dem exotischen Lande. Da erhielt er die Nachricht von dem Tode des alten Professors van Koster. Und zwar kam diese Nachricht nicht von Eva direkt, sondern von Mister John Parkins, dem Verwandten van Kosters.

Parkins schrieb:

Sehr geehrter Herr Borgloh!

Ich erfülle hiermit die traurige Pflicht, Ihnen von dem gestern erfolgten Ableben meines lieben Verwandten Hendrijk van Koster Nachricht zu geben. Wie Sie wohl aus den Briefen unserer Nichte Eva van Koster ersehen haben, ist unser Vetter Hendrijk seit Monaten von einer zuneh­menden Schwäche befallen gewesen. Diese Schwäche des Herzens hat nun zum Tode ge­führt. Hendrijk ist in der vorigen Nacht sanft ent­schlafen. Eva selbst ist durch den Verlust des Vaters so erschüttert und elend, daß sie Ihnen nicht selbst schreiben kann. Der Arzt rät, sie mög­lichst bald nach dem Leichenbegängnis zur Er­holung nach dem Süden zu schicken. Meine Frau wird Eva begleiten. Sollten noch irgendwelche beruflichen Dinge aus der Hinterlassenschaft des armen Hendrijk zu klären jein, so dürfen wir wohl auf Ihre geneigte Hilfe rechnen. Eva läßt Sie herzlich grüßen. Sie wird Ihnen schreiben, sobald sie kann.

In tiefer Trauer Ihr John Parkins." Tief erschüttert las Friedrich Borgloh diesen Brief. Es hatte sechs Wochen gedauert, bis er ihn erreicht hatte. Nun war der väterliche Freund schon längst unter der Erde, und er, Friedrich, hatte nichts geahnt. Er hatte Eva in den schweren Tagen nicht zur Seite stehen können, hatte nicht ihre Hand halten können, als sie am Grabe ihres Vaters weinte. Er verwünschte die Entfernung, die ihn von ihr trennte.

Wo mochte sie jetzt sein? Vermutlich schon längst abgereift. Wie mochte es ihr gehen? Ob sie ihm schreiben würde? Er war von einer starken Un­ruhe erfaßt, die sogar seinen Schmerz verdrängte. Am liebsten hätte er die Arbeiten abgebrochen und wäre sofort nach England zurückgekehrt. Aber dar­an war nicht zu denken. Die Forschungsgelder waren von der Universität Oxford und dem Tro­peninstitut für seine Reise extra bewilligt worden. Es wäre Pflichtoersäumnis gewesen, hätte er um

persönlicher Dinge willen seine Arbeiten hier ab­gebrochen. Auch war er viel zu sehr leidenschaft­licher Forscher, als daß er so etwas hätte tun kön­nen. Er mußte also warten und hoffen, daß Eva ihm sehr bald schreiben würde.

Doch er wartete vergebens. Von Eva kam kein Lebenszeichen. Dagegen kam vier Wochen nach der Todesnachricht durch Parkins ein Schreiben mit dem Siegel des englischen Gerichts in London.

Friedrich Borgloh öffnete es ahnungslos. Es war die Abschrift des Testaments, das Professor van Koster hinterlassen hatte.

Das Testament lautete:

Hiermit lege ich vor dem Notar Mister Stern« son meinen lebten Willen nieder. Falls ich vor der Volljährigkeit meiner geliebten Tochter Eva sterben sollte, ernenne ich meinen Verwandten John Parkins zu Evas Vormund. Parkins er­hält als Erziehungsgeld für Eva die Hälfte der Zinsen meines Vermögens. Diese Zinsen be­tragen jährlich 1000 Pfund Sterling. Die Hälfte meines Vermögens, im Betrage von 50 000 Pfund Sterling, erhält Eva am Tage ihrer Volljährig­keit ausgezahlt. Solange untersteht das Vermögen der Verwaltung Parkins, der es bestens anlegen soll, und dem ich es zu treuen Händen übergebe. Die andere Hälfte meines Vermögens erhält mein junger Freund und Mitarbeiter Friedrich Borg­loh, sofern er meine Tochter Eva später heiratet. Diese Heirat zwischen Eva und Friedrich Borg­loh ist mein heißester Wunsch. Ich lege es meiner Tochter Eva ans Herz, sofern Friedrich Borgloh sie um ihre Hand bittet, einzuwilligen. Friedrich Borglohs Charakter bürgt mir dafür, daß mein geliebtes Kind an feiner Seite geborgen wäre, als wenn ich selbst meine Hand über sie hielte. Kommt eine Heirat zwischen Friedrich Borgloh und meiner Tochter Eva nicht zustande, so hat mein Vetter Parkins aus dem Vermögen meiner Tochter Friedrich Borgloh eine einmalige Summe von 50 000 Mark am Tage von Evas Volljährig­keit auszuzahlen. Dieser Betrag soll es Friedrich Borgloh ermöglichen, sich eine eigene Existenz als Forscher zu schaffen, sofern er bis dahin nicht schon durch seine eigene Tüchtigkeit soweit ge­kommen ist. Meine freundschaftlichen Gedanken begleiten ihn in seine Zukunft. Mein einziger Wunsch aber ist es, daß Eva und Friedrich Borg­loh sich zusammenfinden mögen.

London, den......

Hendrijk van Koster."

Tief erschüttert las Friedrich Borgloh den letzten Willen des verehrten Lehrers und Freundes. Das Testament war kurz nach Friedrichs Abreise aufge­setzt. Offenbar frisch unter dem Eindruck der ernsten Erkrankung van Kosters. Das ganze Wesen van Kosters sprach aus diesem Testament: feine liebe« volle Sorge für Eva, feine Freundschaft für Fried­rich, feine Fürsorge für seine wissenschaftliche Zu- Jimft Y- (Fortsetzung folgt!)