Nr. 24 Erstes Blatt
1H Jahrgang
Montag, 29. Januar (934
Gießener Anzeiger
Englands Erklärung znr Abrüstungssrage
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Rede sein. Deutschlands Anspruch aus sofortigen Besitz aller defensiven Waffen werde grundsätzlich zugestanden werden, man werde aber durch Verhandlungen die Zahl dieser Waffen für Deutschland verhältnismäßig niedriger zu halten bemüht sein, als für feine Nachbarn. Das Höchstkaliber der defensiven Artillerie soll von 15 auf 12,2 oder gar 10 Zentimeter herabgesetzt und die offensiven Waffen der anderen Mächte im Laufe einer Reihe von Jahren zerstört werden. Diese Periode werde vielleicht mehr als drei Jahre ausmachen. Dafür werde aber die Zerstörung sofort beginnen. Unter diesen Umständen würde das System der periodischen und automatischen Untersuchung durch eine internationale Körperschaft sofort auf alle Vertragsteilnehmer Anwendung finden und infolgedessen keine Zurücksetzung Deutschlands bedeuten.
Auch „Daily Telegraph" hält es nicht für wahrscheinlich, daß Außenminister Simon heute die Abänderungen in dem Macdonald-Plan, durch die die britische Regierung die Kluft zwischen Deutschland und Frankreich zu überbrücken hofft, genau bezeichnen werde. In diesem abgeänderten Plan
ten, die aber in einem modernen Kulturstaat vollkommen fehl am Ort sind. Das ist Moralin statt Moral, und die dafür eintreten, sind von allen guten Geistern verlassen. Aber sie sollen sich wenigstens nicht vor der Oeffentlichkeit hinstellen unter Berufung auf uns; denn wir wollen mit ihnen und ihrer muffigen Lebensauffassung nichts zu tun haben.
Beispiel: In einer größeren mitteldeutschen Stadt soll ein Reklameplakat für eine Seidenfirma angeklebt werden; das Plakat zeigt eine frische, reizende Mädchengestalt, die in ihrer Hand ein Waschmittelpaket hält. Ein Moralritter, dem leider des Recht zusteht, über dieses Plakat zu entscheiden, verbietet seinen Anschlag mit der Begründung, es verletze bas sittliche Empfinden der Bevölkerung, zumal die dargestellte Frauensperson das Seifenpaket an einer Stelle halte, „die aus Schicklichkeits- gründen nicht näher gekennzeichnet werden könne".
Wer ist hier moralisch? Der Verbieter, der die Ausdünstungen feiner schmierigen Phantasie auch bei anderen Menschen vermutet, ober bas beutsche Volk unb bie nationalsozialistische Bewegung, bie sich mit Recht über ein berart blamables Vorgehen empören unb es ablehnen? Bei näherem Zusehen stellt sich heraus, baß biefer löbliche Zeitgenosse erst brei Monate nach unserer Machtübernahme fein Herz für ben Nationalsozialismus entbecfte, was ihn ieboch nicht binberte, fein Verbot im Namen bes Nationalsozialismus zu erlassen. Das geht so weit, baß biefe Kumpanei von Sittenrichtern nicht einmal vor ben Bezirken bes rein Privaten halt macht. Sie möchten am liebsten in Stabt unb Lanb Keuschheits- kommissionen einsetzen, bie bie Aufgabe hätten, das Ehe- unb Liebesleben von Müller unb Schulze zu überwachen. <5ie' würben zwar, wie es in ber bekannten Operette heißt, bas Küssen nicht abschaffen, weil bas eine viel zu beliebte Beschäftigung ist, aber sie mürben immerhin, wenn es nach ihnen ginge, bas nationalsozialistische Deutschlanb in eineE i n- öbe von Muff unb Muckertum verwandeln, in ber Denunziationen, Bettschnüffelei und Erpressung an der Tagesordnung wären.
Dieselben Moralpächter treten häufig an bie vorgesetzten Behörben mit bem Ansinnen heran, Filme, Theaterstücke, Opern unb Operetten zu verbieten, weil darin Tänzerinnen, Bühnenstars usw. auftreten, die angeblich die schlimmste Gefährdung ber öffentlichen Sittlichkeit darstellen. Käme man ihrem Verlangen nach, bann sähen wir bald nur noch alte Jungfern unb Bet-Tanten weiblichen unb männlichen Geschlechtes über die Leinwand unb über die Bretter schreiten. Die Theater ständen leer, weil ja das Publikum in ihnen im allgemeinen nicht das zu finden hofft, was es in den Kirchen ober Bethäusern ucht Man verschone uns beshalb mit diesem heuchlerischen Getue, hinter dem keine echte, starke Lebensauffassung und auch keine ehrliche Moral steht Es ist meistens nur ber Wiberstanb ber im Leben zu kurz Gekommenen gegen bas Leben. Der wird das ewige Leben und seine Gesetze nicht aufheben, höch- 'tens sie hinter eine Breiwand von verächtlicher Heuchelei unb lügnerischer Trüberie zurücktreten lassen.
Zweitens: Die deutsche Frau geht nicht allein aus, sie sitzt nicht allein im Restaurant, sich fahrt nicht ohne Anstandsdame mit einem Jüngling ober gar mit einem SA -Mann auf bie Sonntags- nachmittagstour, sie raucht nicht, sie trinkt nicht, sie putzt sich nicht und macht sich nicht schör^ kurz und
und die Spannung im Fernen Osten
Eine drastische Warnung Stalins an Japan.
. Ehautemps hatte am 27. November 1933 als Nachfolger des Uebergangsfabinetts Sarraut bie Regierung übernommen. Er versuchte zunächst, die Grundlage seiner Regierung durch Hineinnahme von Vertretern des Zentrums und ber sogenannten Neusozialisten zu erweitern. Diese Absicht scheiterte an grundsätzlichen Gegensätzen zwischen diesen beiden Flügeln. So stellte sich Ehautemps am 2. Dezember mit einem f a ft rein radikalsozialistischen Kabinett der Kammer vor. Gleichzeitig brachte er eine neue Finanzvorlage ein Es war ihm beschieden, im Laufe der Verhandlungswochen in der Kammer und im Senat einen Erfolg zu erzielen, der seinen Vorgängern versagt geblieben war. Die Regierung konnte Frankreich eine von beiden Kammern verabschiedete Finanzvorlage auf den Weihnachtstisch legen, die den Fehlbetrag im Haushaltsplan um 4 Milliarden Francs verringerte. In diesem Zusammenhang erhielt die Regierung Ehautemps die Ermächtigung für eine 10-Milliarden-Anleihe. Ein entscheidender Schritt war getan. Aber noch stand die Verabschiedung bes Haushaltsplanes 1934 bevor. Die Regierung Ehautemps hätte also im Januar auch ohne ben Stavisky-Skanbal eine neue Kraftprobe bestehen müssen.
Herriot und Daladier im Vordergrund.
P a r i s , 29. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die Presse neigt ber Auffassung zu, baß roeber Senatspräsident Jeanneney noch Kammerpräsident B 0 u i s s 0 n für die Bildung des neuen Kabinetts in Frage kommen. Jeanneney fei zu alt und Bouiffon ein eingefleischter Sozialist. Mit feiner Betreuung könnten parteipolitische Fragen, die man doch gerade ausschalten wolle, erst recht aufgeworfen werden, um so mehr als dann die Frage der B e - f e i I i g u n g der Sozialisten an der Regierung akut würde. Aus diesen und anderen Gründen hält man die Berufung Herri a ls o der Da
paris, 27. 3an. (DNB.) Justizminister Rayna l d y hat dem Ministerpräsidenten sein Rücktrittsschreiben überreicht. Ehautemps hat den Rücktritt angenommen. Das französische Kabinett hat darauf beschlossen zurückzutreten. Der Präsident der Republik hat den Rücktritt angenommen. Beim verlassen des Elysee erklärte C h ante m p s : Der Präsident der Republik hat ber Regierung für ihre Bemühungen namentlich bei ber Beratung des Staatshaushaltes seine Anerkennung ausgesprochen. Unter Hinweis auf die Mehrheit, die mein Kabinett stets im Senat und in der Kammer erhielt, hat der Präsident mich gebeten, die neue Regierung zu bilden. Ich konnte seinem Wunsch aber nicht nachkommen. Der Präsident der Republik wird unverzüglich die Besprechungen zur Lösung der Krise beginnen.
Der Präsident der Republik Lebrun hat telephonisch dem ehemaligen Präsidenten der Republik Doumergue, der dem Parlament zur Zeit nicht mehr angehört, auf seinem Landsitz in Tonrnefenille die Kabinettsbildung angetragen. Doumergue hat dieses Angebot nicht angenommen, und zwar mit der Begründung, daß er infolge seines hohen Alters nicht mehr in der Lage sei, ein so schweres Amt zu Übernehmen. Man nimmt an, daß Lebrun nach der abschlägigen Antwort Doumergues zunächst den Senatspräsidenten Jeanneney und, falls dieser ablehnt, den (sozialistischen) Kammerpräsidenten Bouiffon mit der Kabinettsbildung betrauen wird. Sollten beide ablehnen, so würde der Präsident der Republik alsdann einen Senator oder Abgeordneten berufen, und für diesen Fall bleiben die Namen h e r r i 0t und Daladier im Vordergründe. Mit einem ausführlichen Gedankenaustausch mit den Abgeordneten Louis Marin, Laval und zuletzt mit Linier, dem Vorsitzenden der Republikanischen Linken des Senats, hat der Präsident I der Republik die Reihe der Sonntagsbesprechungen abgeschlossen.
Senator Linier erklärte beim Verlassen des Ely- fee, die erste Aufgabe der neuen Regierung müsse darin bestehen, genügend Autorität zur Beseitigung der ungesunden Atmosphäre zu beweisen, die das Parlament und das Land ergriffen habe. Die öffentliche Meinung lege weniger Wert auf die politische Einstellung der künftigen Minister als auf ihre moralischen Qualitäten. Ein erweitertes Kabinett sei zu wünschen, damit alle an der Gesundung Mitarbeiten könnten, um den bedauerlichen Zustand, in dem das Land sich befinde, zu beseitigen. Wenn der Ehef der Regierung zehn energische, erfahrene Männer aussucht, die die Rahmen der Parteien brechen, und wenn er Vollmachten fordere und rasch und durchgreifend handele, dann werde er das Geschwür bald beseitigen, ein Geschwür, das Frankreich vor der Welt entehre. Er werde auf diese Weise eine der letzten freien Demokratien, die noch bestehe, retten.
jeden Schlag mit einem Gegenschlag zu beantworten. Wer ben Frieben will unb Geschäftsbeziehungen mit uns anzuvahnen sucht, wirb stets bei uns Unterstützung finben. Diejenigen aber, bie es versuchen wollen, uns zu überfallen, werben einen Denkzettel bekommen, baß sie j e b e L u st verlieren werden, ihre Schweineschnauze noch einmal in ben Sowjetgemüsegarten zu st ecken.
Stalin streifte bann noch kurz bie Beziehungen Zu Deutschland, wobei er behauptete, daß in Deutschland angeblich sowjetfeindliche Kräfte am Werke feien. Die Sowjetunion jedoch trete 'dennoch für die Aufrechterhaltung ber freunbschaftlichen Beziehungen zu Deutschland ein.
Verdoppelung der amerikanischen Luflstreittraste
Washington, 27. Jan. (DNB.) Der amerikanische Kriegsminister hat einen neuen Fünf- jahresplan für ben Ausbau ber Luftstreitkräfte bes Landheeres bekannt gegeben. Der Plan fall alsbalb ben Militärausschüssen ber beiben Häuser unterbreitet werben. Die bisherige Sollstärke von 1800 Flugzeugen soll um 1000 vermehrt werben. Die burchschnittlichen K 0 st e n für jebes neue Flugzeug werben mit 40 000 Dollars angegeben. Weiter ist bie B i l b u n g eines f [i e= genben„Hauptquartier-Gefchwabers" beabsichtigt, bas aus 900 Flugzeugen bestehen soll. Diese Flugzeuge werben bem Generalstab unmittelbar zur Verfügung stehen unb sowohl in Derbinbung mit ben Lanb- ober Seestreitkräften, als auch für befonbere Luftaufträge verwenbet werden. Das Gefchwaber soll ferner bann eingesetzt werben, wenn ein 21 n g r i f f a u f e i n e ß a n'b e s= grenze eine konzentrierte Abwehrmaßnahme not- wenbig macht. Nach ben Angaben bes Kriegsamtes wirb Amerika hiermit bas größte Luftae- schwaber ber Welt haben.
gegengesetzten Seite gegen ben Autobus stemmte. Der Opernplatz war von hellen Scheinwerfern beleuchtet unb von einer starken Abteilung ber Polizei besetzt. Hinter ber Oper waren mehrere Abteilungen ber Feuerwehr aufmarschiert, befonbers große Wasserspritzen stehen einsatzbereit. Das starke Polizeiaufgebot tonte sich der gewaltigen Menschenmassen unter Führung van Camelots du Roi, die vom Operplatz her bie Hauptabern ber Stabt herunterzogen, kaum erwehren. Sie mußte sich damit begnügen, ber Menge zu folgen unb sie in bie Nebenstraße abzudrängen. Der Opernplatz selbst ist vollkommen abgesperrt. Der Verkehr wird umgeleitet. Aus ber Menge ertönten fortwährend Rufe: Vive le Roi! Nieder mit ber Republik!
Bei ben Kundgebungen haben sich einige amüsante Zwischenfälle zugetragen. Ein junger Mann schlug einen Feuermelder ein. Einige Augenblicke später erschienen zwei Feuerwehrwagen und machten alles für bie Löscharbeiten bereit. Als ben Schläuchen bie ersten Strahlen zu entspringen begannen, würben sie von der schaulustigen Menge zerschnitten, so daß unter allgemeinem Gelächter sich wahre Wasserwogen über bie Menge ergossen. An einer anberen Stelle entlebigte sich ein älterer Mann, bem es nicht an Humor zu fehlen schien, seiner sämtlichen Kleiber und versuchte splitternackt die Menge anzufeuern mit den Worten: „Das haben bie Regierung unb bie Steuerbehörben aus mir gemacht." Der Galgenvogel hatte zwar bie Lacher auf seiner Seite, mußte aber ber Polizei auf bie Wache folgen.
scheu Augenblick ohne Führer ist. Die Hauptsache für Englanb ist es jeboch, baß sich bie britischen Minister auf eine unabhängige Erklärung geeinigt haben, in ber sie ihre Haltung zur Abrüstungskonferenz umreißen, unb zwar in einer Form, bie bem Urteil ber Welt unterbreitet werben kann. Die Erklärung wirb am Montag nicht veröffentlicht werben. Man' ist sich klar barüber, baß sie eigentlich eine Antwort auf Fragen ber beut- schen Regierung barstellt. Die Höflichkeit erforbert es beshalb, ber beutschen Regierung Zeit zur Prüfung bes Schriftstückes zu lassen. Auch ben anberen Mächten, bie an ben letzten biplo- matischen Besprechungen über bie Abrüstungsfrage beteiligt waren, also Frankreich unb Italien, wirb natürlich bas Dokument bekannt gegeben werben.
Moral oder Moralin?
Von Dr. Zoseph Goebbels, Michsminister für Volksaufklärung und Propaganda.
Jebe Revolution hat ihre Unarten. Auch bie unsere. Das ist an sich nicht schlimm, benn sie gleichen sich meistens von selbst aus ober werden mit ber Zeit roieber ausgeglichen. Entscheibend bleibt nur, baß die Verantwortlichen ein wachsames Auge darüber halten unb aus Furcht vor ber Oeffentlichkeit nicht schweigen, wo reben am Platze wäre. Es ist ganz selbstverstänblich, daß eine historische Umwälzung größten Ausmaßes, bie in der Revolution eingeschlossen liegt, neben den ungeheuren Werten, bie sie zeitigt, auch eine Unmenge von Abfall zu Tage förbert. Das wird nur gefährlich, wenn ber Abfall liegen bleibt, sich verhärtet, unb bann bas gefunbe, organische Entwicklungsleben ber Revolution hemmt unb einengt.
Es ist heute an ber Zeit, ein paar biefer Unarten, bie aiyf) beim nationalsozialistischen Umbruch in bie Erscheinung getreten sind, in das Helle Licht ber öffentlichen Beobachtung hineinzurücken und mitleidlos unter die Lupe einer kritischen Betrachtung zu nehmen.
Das erscheint um so notwendiger, als sonst bie Gefahr besteht, baß ber Stil unb bie Lebensformen unsere Revolution auf bie Dauer langsam entarten unb ber Nachwelt ein Bilb unseres Seins und Wollens übermitteln, bas in keiner Weise nationalsozialistischer Ueberzeugung unb Anschauung entspricht.
Erstens: Es hat sich im öffentlichen Leben vielfach ber Unfug herausgebilbet, burch öffentliches Reglement nicht nur, wie es richtig und geboten erscheint, bie großen, sittlichen Grunbgesetze unseres nationalen Lebens zu bestimmen unb festzulegen, sonbern barüber hinaus auch noch im einzelnen "ben privaten Menschen ben Kobex seiner rein persönlichen Auffassungen vorzuschreiben. Das führt auf bie Dauer zu einer Sittenriecherei, bie alles anbere als nationalsozialistisch ist. Naturfkemde Menschen, bie entroeber ein Leben schon hinter sich ober nicht oerbienen, baß sie noch eins vor sich haben, machen im Namen unserer Revolution in Moral. Diese Art von Moral hat oft mit wahrer Sittlichkeit nicht viel zu tun. Sie stellt ethische Gesetze auf, bie vielleicht bas Gemeinschaftsleben in einem Nonnenkloster zur Not regeln kann-
Die Negierungskrisis in Frankreich.
Nach dem Rücktritt des Kabinetts Ehautemps.- Der Präsident aus der Suche nach dem starken Mann.
I a b i e r s für wahrscheinlich. Der „Matin" behauptet, bie Chancen Da 1 abiers seien am Sonntag gestiegen, weil Herriot bei bem letzten Wahlkampf eine zu einflußreiche Rolle gespielt habe. Man verlangt aber einen neuen Mann, ber völlig u n b e l a ft e t sein soll. Diese Voraussetzung würbe Dalabier erfüllen. Ueberbies genieße er allenthalben Sympathien und sei energisch. Schließlich habe er sich schon bereit erklärt, ohne Rücksicht auf parteipolitische Erwägungen eine bis weit nach rechts ausgreifende Regierung zu bilden.
Immer wieder Straßenkundgebungen.
„Vive le roil Nieder mit der Republik."
Paris, 28. Jan. (DNB.) Arn Samstagabend find die großen Boulevards erneut ber Schauplatz großer Kunbgebungen gewesen. Eine unübersehbare Menschenmenge wogte zwischen bem Boulevarb Haußmann unb bem Opernplatz auf und ab. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen mit ber Polizei, bie stellenweise nicht mehr ausreichte, bie Demonstranten, bie außerordentlich erregt waren, in Schach zu halten. Zahlreiche Verhaftungen haben bas Bilb nicht geänbert. Die wibersprechenbsten Rufe wurden aus ber brobelnben Masse laut, halb für ben Kommunismus, halb f ü r bie Monarchie. Die Polizei konnte im letzten Augenblick verhindern, daß die Menge einen Autobus umwarf, in bem sich eine Polizeiabteilung auf ber ent=
Moskau, 28. Jan. (DNB.) Auf ber 17. Tagung ber Kommunistischen Partei der Sowjetunion hielt Stalin als Generalsekretär der Partei eine mehr- ftünbige Rede über bie innen- unb außenpolitische Lage. Nach einem Ueberblirf über bie Entwicklung ber Weltwirtschaftskrise entwickelte Stalin bis ins Einzelne bie bekannten sowjetrussischen Wirtschaftstheorien. Die gesamte Weltwirtschaftskrise in Europa, Asien unb ben Vereinigten Staaten habe gezeigt, wie krank bie kapitalistische Wirtschaft sei. Die Belebung, bie man in ber zweiten Hälfte bes Jahres 1933 habe feststellen können, sei, so behauptete Stalin, auf eine Steigerung ber Rüstun - gen zurückzuführen. Stalin betonte den Wunsch ber Sowjetregierung, unbedingt die Friedensbe- ziehungen zu ber ganzen Welt aufrechtzuerhalten, obwohl es Mächte gebe, bie einen Konflikt mitberSowjetunionprovozieren wollten. Durch Wieberaufnahme ber Beziehungen zu Amerika sei für eine fruchtbringenbe Zusammenarbeit bie Grunblage geschaffen worben. Die Beziehungen zu I a p a n oerbienten bie größte Aufmerksamkeit. Die japanische Ablehnung, mit ber Sowjetunion einen Nichtangriffspakt abzuschließen, fei ein feinbfeiiger 21 f t gewesen. Das gleiche gelte von den Verhandlungen über bie chinesische Ostbahn. Japanische Agenten begingen unglaubliche Dinge gegenüber sowjetrussischen Angestellten unb verletzten dauernd bie Gesetze auf ber chinesischen Ostbahn. Ein Teil der japanischen Militärpartei rufe offen zur Besitzergreifung der russischen Küstengebiete auf unb bie japanische Negierung halte es nicht einmal für notroenbig, sie zur Drbnung zu rufen.
Wir wollen ben Frieden, betonte Stalin, unb wir sind zu allen Maßnahmen bereit, um eine normale Situation herbeizuführen. Wir können aber in dieser "Richtung nichts mehr tun. Wir müssen das Land vor Ueberraschungen schützen und auf einen Angriff gefaßt fein. Wir fürchten uns nicht vor Drohungen und wir find bereit,
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London, 29. Jan. (DNB.-Fünkspruch.) „Times" schreibt: Die Abrüstungsfrage hat ein endgültiges Stadium erreicht, mit dem die britische Politik direkt zu tun hat. Es ist erfreulich, daß gerade :' t1 ^as Deutschland Adolf Hitlers durch Abschluß des Abkommens mit Polen Be- v , _______ ___ ___a........... ......
weife feines wahren Wunsches nach werde' v 0 n keiner Probezeit mehr ^d i e Frieden gegeben hat. Unerfreulich ist es, daß *" r ' ~ "" 1 ........
Frankreich wieder einmal in einem kriti -


