Nr. 227 Zweites Blaff
Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Zreitag, 28. September 1954
Vom Ausbau des Mains zum GwßWffahrtsweg Was gibt es Neues in der Medizin ?
Von Or. med. p. Wölffel.
Erste Hilfe bei Aderverlehungen
Die
abgerieben. Eine sehr belebende Wirkung hat Wein-
der Luftröhre stecken, dann kann die Sache eben-
Wie Hilst man einem Ohnmächtigen?
solut unzuträglich, die Arbeit des Herzmuskels anzuregen durch Wein oder Kaffee, denn für die Blut-
Wunde und Herz anzulegen. Nehmen wir an, eine Ader am Unterarm ist verletzt, so wird die Binde am besten oberhalb des Ellbogens angelegt. Auf keinen Fall darf diese Umschnürung länger als zwei Stunden beibehalten werden, denn durch die Abschnürung wird eine künstliche Blutstockung heroor- gerufen, die den verletzten Körperteil mit der Gefährt des Gewebebrandes bedrohen kann.
Bei Blutungen der angegebenen Art arbeitet
Bei Verletzungen einer Schlagader ist allergrößte Vorsicht geboten. Stoßweise tritt das Blut hervor und kann häufig Verblutungen zur Folge haben. Gleichzeitig mit dem Pulsschlag entströmt das Blut der Ader und bei einer Verletzung einer größeren Schlagader kommt in den seltensten Fällen das Blut von selbst zum Stillstand. Es ist wichtig zu wissen, wie bei solch einer Blutung zu helfen ist, bis der Arzt eingreifen kann.
Zunächst muß dafür gesorgt werden, daß der Blutzustrom zum Herzen und Gehirn erleichtert wird. Das geschieht am einfachsten, indem der Oberkörper des Verletzten ganz tief gelagert wird. Auf diese Weise wird der gefährlichen Blutleere im Gehirn und Herzen vorgebeugt. Eine Blutleere in diesen beiden Organen ist immer tödlich.
Eine zweite unbedingt zu beachtende Vorschrift ist folgende: das herausströmende Blut muß aufgehalten werden. Entweder hält man mit einem Finger unter starken Druck die Wunde zu oder
glückten vorsichtig unter die Nase hält.
Ist der Kranke ins Bewußtsein zurückgekehrt,
überhaupt, es gibt keine deutschfeindliche Front, kein Menageriebesucher hat feindliche Gedanken gegen den mächtigen Kerl hinterm Gitter. Zwar meint News Chronicle, die Beziehungen zwischen Italien und Deutschland seien noch nie so schlecht gewesen und die Beziehungen zwischen Italien und Frankreich nie so gut wie gegenwärtig, aber was habe das schon auf sich? Ein französisch-italienisches Militärbündnis wäre ja gegen den Gei st von Locar.no. Das trifft den Nagel auf den Kopf, denn der Geist der Orangenblüte ist ja bekanntlich viel stärker als Mussolini und Barthon zusammen.
Sorgen macht leider Jugoslawien. In Belgrad tun sie so, als ob der Zweck der zweiten und verbesserten Auflage der Entente gar nicht der Schutz der österreichischen Unabhängigkeit sei. Ja, es wird behauptet, Frankreich würde kaltblütig das entlegenere Dalmatien seinem Schicksal überlassen, wenn ihm von Rom dafür frei Hand am Rhein zugestanden werde. Nun, König Alexander wird Paris besuchen, wenn Herr Barthou dort nach Rom abfährt, dann kriegt er ja zu hören, wie unbegründet sein Verdacht ist. Liebe Leute, wenn ihr doch bloß endlich einmal Blauben wolltet, daß es uns heute wie vor zwanzig ahren nur um den Schutz der kleinen Nationen zu tun ist! Und dann wird sich Alexander im Gedenken an Montenegro auf die Zunge beißen und, so rechnet Paris, den gordischen Knoten ungeschoren lassen. Somit wäre nun alles klar: London tut nicht bloß so, e s ist tatsächlich gegen eine abermalige Einkreisung Deutschlands. Gerüstet wird, um den Frieden zu erhalten. Rußland tritt in den Völkerbund ein, um den Frieden zu erhalten. Und der Tripelentente tritt, nachdem es seine Jnterventionszeit nun hinter sich hat, Italien bei, bloß um den Frieden zu erhalten. Honny soit qui mal y pense!, ein Schelm, wer Böses dabei denkt!
kalter Schweiß bricht bei ihm aus. Schließlich tritt völliae Bewußtlosigkeit ein. Im Gehirn ist eine Blutleere entstanden.
Manchmal ist die äußere Ursache einer Ohnmacht der Blutverlust aus einer Wunde. Hier gilt es vor allem, das Blut zu stillen. Dann legt man den Ohnmächtigen hin, wobei die Beine höher liegen als der Kopf, damit das Blut in das Gehirn zurückströmen kann. Das Gesicht, vor allem die Schläfen, werden mit kaltem Wasser, Essig oder Weingeist
oder zum Erbrechen. Dabei muß man aber vorsichtig sein, um den Fremdkörper nicht noch tiefer in den Schlund zu drücken. Wird der Fremdkörper durch diese Reizung nicht ausgeworlen, dann soll man Brust und Bauch des Verunglückten auf eine feste Unterlage legen und kräftig auf den Rücken schlagen.
Ist ein Fremdkörper versehentlich in den Magen gelangt, dann hat man meistens nichts zu befürchten. Jetzt verfalle man aber nicht in den Fehler, etwa ein Abführmittel zu geben, durch das die Magen- und Darmwände unnötig gereizt werden. Dagegen reiche man dicke Nahrung, zum Beispiel. Kartoffelbrei oder Weißbrot, die den verschluckten Gegenstand einhüllt und ihn so unschädlich macht.
Aehnliche Unglücksfälle liegen vor, wenn Kinder sich etwas in Nase oder Ohren stecken. Hier über- lasse man dem Arzt die ganze Behandlung. Weder das Kind noch ein Erwachsener versuche selber, den Fremdkörper herauszuholen. Es tritt keine Verschlimmerung des Uebels ein, wenn man ein paar Minuten wartet, bis der Arzt mit geeigneten Instrumenten den Fremdkörper entfernt.
Die Zahnpflege des Kindes.
Wenn man sich seine Zähne recht lange gesund erhalten will, dann muß man so früh wie möglich mit einer systematischen Zahnpflege anfangen. Dies soll nicht nur eine Sorge der Erwachsenen sein, sie soll auch nicht erst mit dem Zeitpunkt einsetzen, da bei dem Kinde die zweiten Zähne durchbrechen. Nein, schon das Milchgebiß muß sorgfältig gepflegt werden, denn es ist richtunggebend für die bleibenden Zähne. Nur nach einem normalen, gesunden
Ohnmacht kündigt sich oft durch heftiges Gähnen des Verunglückten an. Er wird blaß, und
Man fächelt dem Kranken frische Luft zu. Sobald er schlucken kann, gibt man ihm Kognak, Wein, Tee oder Hoffmannstropfen zu trinken. Die Flüssigkeiten dürfen jedoch auf keinen Fall eingeflößt werden, solange der Verunglückte noch bewußtlos ist. Wenn die Ohnmacht länger als drei Minuten dauert, dann muß der Arzt gerufen werden.
Die Gräfe im Hals.
Beim Essen geraten manchmal Knochensplitter oder Gräten in die „falsche Kehle", was leicht zu Erstickungsanfällen führt. Auch Kinder verschlucken bisweilen Knöpfe, Tonkügelchen oder Münzen. Bleiben diese Dinge im Schlund, Kehlkopf oder in
bringt ihn in den Zoo, wo er feine Ruhe und seine
geregelte Mahlzeit hat. Was will er denn eigentlich meistens der Herzmuskel etwas schwächer. Es ist abmehr? Dient man so nicht seinem Wohl im allge- r ' ■ ...... ~ - - -
meinen und dem Frieden im besonderen? Einzig und allein seine Schuld, wenn er mit seinem beneidenswerten Schicksal nicht zufrieden ist. England ist erbost darüber. Welche Undankbarkeit! Und
Der Schnupfen beim Säugling.
Der Schnupfen beim Säugling ist gar nicht so ungefährlich, wie meist angenommen wird. Der Nasenrachenraum ist beim Säugling sehr eng und die Infektion kann von da aus leicht die Schleimhaut der Luftröhren angreifen. Weiterhin werden die feinen Ausläufer der Luftröhren, die Bronchiolen, leicht infiziert. Bei einer Entzündung dieser Bronchiolen besteht häufig die Gefahr des Erstickungstodes. Die Luft kann den Weg durch die Luftröhre und ihre Ausläufer nicht finden, weil er vollkommen vereitert ist.
Bei einer Behandlung muß von vornherein darauf geachtet werden, daß das Herz und die Lunge bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Eine Abwechselung von warmen und kalten Bädern mit nachherigem gründlichen Frottieren der Haut ist eine Möglichkeit, dem Kinde zu helfen. Ebenso ist es sehr zweckmäßig, gewisse Hautreize zu verursachen, man bürstet vorsichtig Hände und Füße und massiert die Brust. Eine Behandlung mit Medikamenten ist meist nicht erforderlich, es sei denn, daß Mittel zur Anregung der Herztätigkeit nötig sind, zum Beispiel Kampfer oder Koffein, die man als Einspritzungen gibt.
Häufig ist auch die Ernährung des erkrankten Säuglings bei Schnupfen etwas erschwert. Bei der Nahrungszufuhr muß darauf geachtet werden, daß nichts in die Luftröhre gerät.
Selbstverständlich muß der Säugling immer warm gehalten werden und möglichst viel frische Luft atmen können. Wenn das Kind liegen muß,
ist es am vernünftigsten, dafür zu sorgen, daß die Lunge nicht eingeengt wird und voll arbeiten kann. Zu diesem Zwecke wird der Brustkorb etwas höher gelegt, während der Kopf ein wenig hintenüber hängt.
Rom, im September 1934.
Kein Zweifel: wenn Monsieur Barthou in einigen Wochen nach Rom kommt, wird er. den begeisterten, brüderlichen, kordialen Empfang haben, den Marschall Fach vergeblich erwartete. Er ist, wenn nicht der Größere, so doch der Stärkere von beiden. Er gelangt aufs Kapitol, der Feldmarschall hielt es geraten, weit vor Rom umzukehren. Damals steckte das Volk nicht Trompeten, sondern die Finger in den Mund. Die Umstände ändern sich eben und die Politik mit ihnen; wer länger lebt, hat Recht. Fach wurde damals in Italien behandelt, wie er wünschte, daß Deutschland behandelt würde; jetzt erntet der französische Außenminister die Früchte des italienischen Frontwechsels: Deutschland wird behandelt, wie bis gestern Frankreich. Doch soll nur ja keiner glauben, Mussolini habe bloß Deutschland gemeint, als er „mit souveränem Mitleid" auf die Kultur des Nordens herabblickte, wo man angeblich noch nicht einmal Schriftzeichen kannte, als Rom schon einen Cäsar und Virgil hatte. Auch die kleine brave Schweiz muß sich in diesen Tagen ja manches sagen lassen und nicht bloß von Italien. Warum? Weil sich einige Eidgenossen deutscher Zunge in Graubünden ansiedelten und Italien nicht duldet, daß die Grenzkantone verdeutscht und damit „zu wahren Augiasställen werden". Das war gestern und kam von Süden, heute kommt es. von England und Frankreich: „Die Geste der Schweiz ist dumm und erbärmlich". Welche Geste denn nur um Himmelswillen? Ach, sie will sich erlauben, gegen die Aufnahme Rußlands in den Völkerbund zu stimmen. Es ist aber nun einmal nicht erlaubt, wieder den Stachel der Entente zu löcken. Immer hübsch artig bleiben. Kleine wie Große, wenn sie nicht selber Macht haben. Mehr Kanonen haben, heißt mehr Recht haben. Und die Kanonen hat eben die wiedererstandene Entente.
Wie, Deutschland fühle sich durch die französischitalienische Einigung eingekreist und beunruhigt? Dazu ist gar kein Anlaß vorhanden, beeilt sich die englische Presse zu versichern, bevor nur von Berlin ein Wort gesagt wurde. Wer denkt da nicht an das französische Sprichwort Qui s’excuse, s’accuse! Auch dem Löwen, der von den Fängern umstellt siri), geschieht ja nichts Böses. Im Gegenteil, man
2115 Teilabschnitt für die Herstellung der Großschisfahrtsstraße vom Rhein über den Main zur ^onau wird der Main oberhalb von Aschaffenburg, wo bisher nur die umständ- hctje Kettenschiffahrt betrieben wurde, kanalisiert und durchdenEinbauvonl3Stau° werken auf eine Fahrtiefe von 2,50 m gebracht. Hiermit wird ermöglicht, daß auch Rhein- schisse bis zu 1500 Tonnen Größe diese Strecke passieren können. — Unser Bild zeigt die Staustufe Faulbach unterhalb von Wertheim, an der gegenwärtig noch gearbeitet wird.
Vor Barihous Romreise.
Von unserem römischen E.-Korrespondenien.
stillung ist die schwächere Arbeit des Herzmuskels unbedingt günstig. Wenn aber der Verletzte in tiefer Bewußtlosigkeit liegt und eine Herzlähmung einzutreten droht, muß man Rücken und Brust des VMnn tullll vwvll_
Verwundeten mit kaltem Wasser bespritzen, und die falls gefährlich werden. Es muß in allen diesen Hcmde und Fuße müssen gerieben oder gebürstet Fällen der Arzt gerufen werden. Durch Kitzeln des werden. Der übrige Körper ist aber unbedingt Gaumens reize man den Leidenden zum Husten warm zu halten. ' - . . - - •
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Man soll glauben!
Eine Erzählung von Hermann Bredehöft.
Ein ehemaliger Feldscher vom Regiment Bornstedt aus Halle, welcher beinahe alle Treffen des Siebenjährigen Krieges mit durchgestanden halte, erzählte Gesunden und Kranken, wenn sie in einer Art hitziger Verzweiflung nicht mehr ein und aus wußten, stets die folgende Geschichte: Als wir im vierten Jahr des großen Krieges zu Anfang des Erntemonds über die Oder gezogen waren auf Kunersdorf zu und ich eben hinter meinem Regiment her aus den Wäldern trete, da blitzt es von einer (teilen Höhe drüben wie aus aber hundert Feuerschlünden, und ich denke so in meinem dummen Kopf: Wer soll da hinaufkommen, du nicht bei dem Segen und der Sonnenglut! Denn wir waren seit drei Uhr früh auf den Beinen und hatten seitdem gefastet. Und wie nach einer Weile, indessen wir uns seitwärts ziehen, die Avantgarde auf den Höllenberg zumarschiert, wobei schon die Kartätschen ins erste Treffen tiefe Löcher reißen, meine ich noch — denn ich habe mir in meinem Leben sehr viele Gedanken gemacht, weil unser einer doch kein Tropf ist, der blindlings an jedem Meilen- und Leichenstein vorüberrennt —, meine ich also: Die möchtest du verflixt nicht auf dem Gewissen haben, die vor diesem Feuerberg kapitulieren müssen, aber der Alte hat manchmal eben ein sehr weites Gewissen, leider Gottes! Aber wie wir durch i trübe Tümpel und feuchte Gründe näher an den Berg herankommen, merk' ich, daß die Avantgarde m einem Hohlweg verschwindet und der ganze : Hagel über sie hinweggeht, merk' ich weiter — un- iferemer hat nämlich Muße zum Schauen, weil die ! Kommandos die Feldschers nichts angehen —, daß 'unsre beiden Treffen im Laufschritt aus der Kimme Ihervorbrechen und mit einer einzigen Salve, scharf iwie ein Peitschenschlag, das Höllenfeuer auslöschen. .Danach sind sie auch schon oben zwischen den Rus- jsen und bald mit ihnen hinter dem Bühl verschwunden. „Sapperlot, Hans, hat Er gesehen", kann ich imich nicht enthalten, meinem Gehilfen verwundert Zuzurufen, obwohl ich mich dem Kerl sonst noch nie sein Wort gesprochen habe. „Das gibt eine schnelle Bataille, die Russen laufen ja schon!" „Ja", sagte er, er glaube es auch. Indessen schwenken wir ein .unb krebsen den Bühl hinan, und unterwegs über» • ege ich's mir noch einmal, daß der Alte es eben doch besser weiß als unsereiner mit feinem bum» 'men Kopf, unb baß man Respekt vor ihm haben muß. — Unb habe mich, inos^i ich's so Überbenfe, roieberum geirrt, wiewohl ich vorerst noch nicht vahinter komme.
Wir find inbes auf bem Bühl, bas Regiment avanciert brav, es ist Mittag, sehr schwül und windstill, die Sonne brennt über der Heide und der Pulverdampf uns in den Augen. Der Bühl liegt voller Blessierter, daß wir, schätze ich, für den Nachmittag vollauf zu tun haben, sind auch fortan so in Eile, Den Schreienden das Blut zu stillen, ihnen aufzuhelfen ober sie auf ben Karren zu schmeißen, der sie ben Hang hinunter bis zu ben Oberbrücken fährt, baß ich nicht weiter ben Gang ber Schlacht verfolge, obwohl hüben unb brüben bas Geschütz nun erst recht zu brüllen anfängt. Darüber wirb es Nachmittag. Das Kleingewehrfeuer entfernt sich, hört aber immer noch nicht auf, unb bie Kanonen können sich auch nicht beruhigen. Ich selbst bin der Erschöpfung nahe; wir hatten ja feit früh um drei keinen Trunk Wasser mehr gehabt. Montur und Hemd stinken von Schweiß und Blut und Pulver; wie übel müssen da erst die armen Musketiere dran sein, denkt man da. „Sapperlot, Hans, die Russen geben’s immer noch nicht auf; die wollen gewiß einzeln totgeschlagen werden!" sagte ich zu dem Gehilfen und bin mit meinen naseweisen Gedanken abermals hereingefallen. Denn unversehens rollen die Salven wieder näher, und da kommen auch schon Grenadiere, die sich den Kopf oder den Arm halten und einige humpeln.„Flink, flink", schreien sie und halten mir ihre Wunden unter die Nase, „und hast du Wasser, Feldscher?" Ich sage, daß ich selbst keines habe, indessen die Kugeln schon wieder durch die Gräser pfeifen. Nun fluchen sie und poltern den Hang hinunter oder kehren ins Treffen zurück, neben uns ist eine gehörige Batterie aufgefahren und ballert, daß man fein eigen Wort nicht versteht, und der Hans hält sich das Ohr, obwohl es nicht mehr da ist, und heult, als ob einer daraus hören konnte bei dem Höllenlärm. Und was hülse es auch! Da sind die Unserigen schon aus meinem Bühl retiriertt, zwar halten sie noch zusammen, aber was aus der Front ausbricht, das sind nicht bloß Blessierte mehr, das sind, ich seh's genau, auch Gesunde. Und alle schreien nach Wasser, dieweil die Sonne jetzt schon schräg auf unsere Schädel brennt. Es wird gegen halber sechs gewesen sein, wie ich mit meinem letzten Karren den Berg hinabfahre, trüber Gedanken voll, aber als ich mich drunten an ben Tümpeln vorbei- roinbe ich trau meinen Augen nicht, strömt alles zurück, unb in einer Verfassung, wie ich sie nie oorbem unb seither auf einer Retirabe gesehen habe. Sie stoßen, schieben, schlagen sich mit bem Kuhfuß, unb es ist keine Zucht unb nicht bie mmbefte Orb» nung mehr. Der Alte, sagen welche, fei tot, unb wo ein Graben blänfert, liegen sie gleich auf bem Bauch und. saufen wie das Vieh unb achten ber Tritts unb Stockhiebs nicht, mit denen bie Offiziere
sie zur Räson bringen wollen. Das ganze Geschütz, erzählen andere, habe sich im Grunde zwischen ben Tümpeln gestaut unb sei verloren, kurzum, es ist mir gewesen, als sei bas Jüngste Gericht auf uns hereingebrochen, unb ich meine, nun ist es aus mit bem Alten, wie soll bas auch auf die Dauer gut gehen gegen fo viele! Als ich endlich zu den Oderbrücken komme, wo schon an die tausend Blessierte liegen, bin ich mir aber doch noch bewußt, was meines Amtes ist und was Christenpflicht, packe also meine Messer und Zangen und Pinzetten aus und setze Blutegel an. Dabei bin ich zum Umfallen müde und weiß, weil jeder Mann schreit, nicht, wem ich zuerst helfen soll. Zudem war eine große Traurigkeit in mir, denn sie sagen überall, jetzt sei alles verloren und ich bin doch ein Untertan.
Weil nun jedem zuerst geholfen sein will, ob den meisten nur der Tod hätte helfen können, packt mich die Verzweiflung, meine Hände zittern und will mir nichts mehr ordentlich von der Hand gehen. Da rufen sie mich zum Ueberfluß mitten aus der Arbeit heraus in eine nahe Hütte, darinnen auf Stroh zwei junge Leutnants liegen, dem einen ist die ganze Brust aufgerissen, dem andern die Schulter, und beide schwimmen in ihrem Blut. „Ei, denen hilft's nichts mehr", flüstere ich, denn mir war schon alles gleich, ob auch die Leutnants fluchen und stöhnen, ich solle ihnen helfen von ihren Schmerzen, und lasse sie liegen. Und bin ganz von Sinnen und irre zwischen den Bahren und Lagerstätten umher, obwohl inzwischen alles geschafft ist, denn schlafen kann man nicht nach solchem Tag und solchen Schicksalen. „Feldscher, rasch", ruft es da unversehens aus der Dunkelheit, und schon zerrt mich einer im Laufschritt in die Hütte, wo die Leutnants liegen. Ich denke, mich trifft der Schlag: steht da oorrn Herd, krumm wie ein Flitzbogen, der Alte unb ist staubig unb im Gesicht noch bläulich von Pulver unb weist auf bie Blessierten. „Allons," krächzt er: „Helf Er, für bie roirb's Zeit!" Ich zögere, weil denen doch nicht mehr zu helfen ist, und da er mich fragend anblitzt: „Leider ift’s aus, Jhro Majestät, sage ich, „ich war vorhin schon hier!" — „Papperlapapp", polterte der Alte. „Aus! Junge Leute sind das, fühl Er doch den Puls. Kein Fieber, kein Fieber! Die Natur tut in solchen Fällen Wunder!" Und dann, mit einer sehr Hellen, spitzen Stimme: „Er hat wohl den Kopf verloren, Feldscher, was soll ich denn sagen!" Damit wendet er sich ab. Meiner Seel, ich hätte dem Alten zu Füßen sinken mögen, denn hatte er heute nicht alles eingebüßt? Und hat dennoch die Ruhe weg! Und indem wir die Blessierten hinaustragen, hab' ich mich zuinnerst geschämt unb banach. versucht, bie. Leutnants burchzubringen. Unb — Sapperlot — ich Habs sie burchgebracht unb
barüber alle Not vergessen. Und dieserhalb mein ich: man soll auch im schlimmsten Unglück noch glauben, aber nicht bloß vage glauben; denn nichts ist der Glaube ohne die Tat. Wir haben alle einen dummen Kopf und merken nicht gleich, was unser Herr unb König tut. Aber inbem wir mittun, ob blinblings ober bewußt, merken roir's boch. Unb wo wir unfern Glauben wanken fühlen, da sollen wir, sage ich, nimmer die Hände in’n Schoß legen und müßig sein, sondern irgend etwas schaffen, damit wir ihn durch die Arbeit wieder festigen. Ich für meinen Part will's gewißlich tun, das bin ich dem Alten schuldig, der auch immer geglaubt hat, zwar weniger an Je- fum Christum, aber um so mehr an sich und an unfereinen.
Das Geld liegt auf der Straße.
Wenigstens in Amerika, wie folgende wahre Geschichte aus Cincinati beweist. Dort hat eine Negerin i 10 Dollars als Belohnung für die Anzeige des Attentäters erhalten, der den Feuermelber zu einem falschen Alarm benutzt hatte. Man verurteilte ihn 1 zu längerer Haft, die noch weiter ausgedehnt wurde, als er sich weigerte, die Buße von 13 Dollars zu entrichten. Man brachte ihn ins Armenhaus, doch dort sprach eines Tages die Negerin vor, der der 1 Falschmelder seine Strafe zu verdanken hatte. Der Gefangene gestand schließlich, daß er bei der Negerin wohne. Aber er habe ihr bie Miete nicht Zahlen können. Da seien sie auf den Ausweg mit dem Feuermelder verfallen. Mit den 10 Dollars, 1 die die Negerin für die Anzeige erhalten hätte, fei ihnen beiden geholfen. Seit diesem Ereignis ist bie Belohnung für Falschmelber in Cincinati abgeschafft.
Hochsckmlnack» richten.
Der Reichsstatthalter in Bayern hat auf Vorschlag der Bayerischen Landesregierung mit Wirkung vom 1. Oktober 1934 den früheren Professor an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, Dr. Leopold Kölbl, zum ordentlichen Professor für allgemeine und angewandte Geologie an der Universität München, ferner den außerordentlichen Professor an ber Universität Hamburg, Dr. Friedrich Heggenborfer, zum vrbentlichen Professor für Psychiatrie an ber Universität Erlangen ernannt.
Der Privatbvzent Dr. Lothar L o e f f l e r von ber Universität Kiel ist auf ben Lehrstuhl für Raffenbivlvgie an ber Universität Königsberg berufen worben.


