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Oie Deutschen Kampfspiele.

Kämpfe am Freitag.

In den frühen Morgenstunden des Freitags ging starker Regen über Nürnberg nieder, doch kam in Den Mittagsstunden die Sonne durch. Bei bewölktem Himmel wurden am Freitagfrüh erstmals die leichtathletischen Wettkämpfe in An- griff genommen, die sich teils auf der Stadion- chauptkampfbahn, teils auf einigen Nebenplätzen in­nerhalb des Stadiongeländes abspielen. Im Schwimmstadion wurde am Vormittag und Nach­mittag das Wasserball-Turnier fortgesetzt, die Kämpfe bei den Ringern erreichten am Frei­tag ihren Höhepunkt. Außerdem beendeten die Ge­wichtheber ihren Fünfkampf. Kegeln, Jiu-Jitsu, Hockey, Schießen und Reiten vervollständigten das Programm des Freitags. Mit besonderer Spannung wurde das Reitturnier auf den Zeppelinwiesen verfolgt, sah doch Nürnberg erstmals eine solche Veranstaltung in diesem Ausmaß mit den bekann­testen deutschen Turnierreitern.

Oie Leichtathleten

waren am Vormittag und Nachmittag eifrig dabei, die Menge der D o r k ä m p f e zu erledigen. Es gab aber auch schon eine Reihe von Entscheidungen. Bei den Herren holte sich Borchmeyer wieder die 100 Meter, er brauchte, da die Bahn sehr weich war 10,5 Sekunden. Long - Leipzig wiederholte seinen Vorjahressieg im Weitspruna mit der ganz ausgezoichneten Leistung von 7,63 Meter, die nur zwei Zentimeter unter seinem deutschen Rekord liegt. Zweiter im Weitsprung wurde L e i ch u m - Stettin mit 7.43 Meter. Im Kugel- st o ß e n zeichnete sich ein neuer Mann in die deutsche Meister-Liste ein. Wölke- Berlin verwies mit 15.24 Meter Sievert, der auf 14,99 Meter kam, auf den zweiten Platz. Sievert entschädigte sich dafür durch einen Sieg im Diskuswerfen. Mit 47,25 Meter erreichte er die größte Weite und' schlug dadurch Meyer-Hannover mit 45.20 Meter. Im Hammerwerfen gab es eine neue deutsche Bestleistung. Becker- Saarbrücken erreichte 48.44 Meter und ließ damit den vorjährigen Meister und Rekordhalter Seeger-Oßweil (44.49 Meter) weit hin­ter sich. Dritter dieser Konkurrenz wurde der frühere Rekordmann Mang-Regensburg.

Die Frauen brachten Entscheidungen im 100- Meter-Laufen, Hochsprung, Schleuderballwerfen und Diskuswerfen durch. Die 100 Meter sicherte sich Frl. Krauß- Dresden in genau 12 Sekunden, im Hochsprung setzte sich Frl. G r i e m e - Dresden mitl.56 Meter durch, wobei die vorjährige Meisterin Frl. Niederhoff nur auf den 3. Platz kam. Gisela Mauermeyer wurde Doppelmeisterin im Schleuderballwerfen mit 43.07 Meter und im Diskuswurf mit 38.26 Meter. Im Diskus­werfen reichte es für die Titelträgerin des Vorjahres Frl. Mollenhauer-Hamburg nur für den dritten Platz.

Im Zehnkampf führt nach fünf Hebungen na­türlich Der Weltrekordmann Sievert-Eimsbüttel mit 4364.06 Punkten vor dem Reichswehrmann Huber-Wünsdorf mit 3784.10 Punkten. Den dritten Platz hält Bonnet-Berlin mit 3741.09 Punkten. Der Olympiadritt Eberle brachte es nur auf 3654.30 Punkte.

Oie Wasserball-Wettbewerbe.

Im Wasierball wurde am Freitagvormittag die Vorschlußrunde mit vier Spielen erledigt. Im ersten Kamps standen sich Magdeburg 96 und die Schwimmsportfreunde Barmen gegenüber. Leider gab es bei diesem Spiel sehr unschöne Szenen, die estimmt nicht zur Werbung für den Wasserball­sport beigetragen haben. Magdeburg 96 siegte schließlich mit 4:2 Toren. Im zweiten Spiel waren die Leistungen der Spieler erheblich besser, auch wurde vorbildlich fair gespielt. Weißensee 96 fertigte die Wasserfreunde Hannover sicher mit 3:0 ab. Keinerlei Mühe hatte Hellas Magdeburg gegen den SV. Augsburg. Die Augsburger hatten nie etwas zu bestellen und verloren hoch mit 1:9. Im vierten Spiel gab es eine kleine Ueberraschung. Poseidon

Magdeburg verlor gegen Duisburg 98 ganz knapp mit 3 : 4 Toren.

Norddeutschland Sieger im Hockey.

Das entscheidende Spiel des Kampfspiel-Hockey- lumieres lieferten sich die Mannschaften von Nord- und Westdeutschland. Die Nachwuchself der Nord- deutschen war ihrem Gegner in technischer und taktischer Beziehung klar überlegen und siegte auch verdient mit 4:1 (2:0) Toren. Dor der Dause schoß Schulz für Norddeutschland zwei Tore. Lange erhöhte nach Der Pause auf 3 :0 und Schulz wenig später auf 4:0. Erst zwei Minuten vor Schluß gelang es dem Essener Hofmann den Ehrentreffer für die Westdeutschen zu erzielen. Norddeutschland hat sich seinen Sieg im Hockey-Turnier mit zwei Siegen und einem Unentschieden errungen.

Die Meister im Kleinkaliberschießen.

Auf dem Schießplatz Werderau ermittelten die Kleinkaliberschützen ihre Meister. Schon vom ftühen Morgen an herrschte auch hier lebhaftester Betrieb, denn nicht weniger als 450 Schützen und zahlreiche Mannschaften bewarben sich um die Kampf­spiel-Meisterwürde. Die Wettkämpfe wurden in drei Altersklassen ausgetragen. Im Mannschaftskampf hatte jeder Schütze je fünf Schuß liegend, stehend und knieend abzugeben. In Klasse I (17 bis 21 Jahre) trugen die Kleinkalibersportschützen Steglitz mit 534 Ringen vor AKSS. Freiberg (Sachsen) mit 528 und RSC. Frankfurt a. M. die Meister- schäft davon. In Klasse II (22 bis 35 Jahre) erzielte der Polizei SV. München mit 608 Ringen den ersten Platz vor der Polizei Hamburg und Schützen­gilde Berlin. In der Altersklasse (über 35 Jahre) gelangte der SV. D. G. Z. Berlin mit 596 Ringen vor der SA.-Gruppe Thüringen und der Polizei Danzig zur Meisterschaft. Im Einzelwett- kämpf hatte jeder Schütze je 10 Schuß liegend, stehend und kniend abzugeben. In Klasse I gelang Leß-Freiberg mit 304 Ringen die beste Leistung vor Heck-Leitstadt und Röder-Münstergosserstädt. Die Meisterschaft in Klasse II errang Helbrecht-Herrfurt mit 318 Ringen die Meisterwürde vor Emslander- Großzimmern und Prod-Jngolstadt. In der Alters­klasse kam E. Martin-Bonn mit 322 Ringen vor Schröder-Düsseldorf und Hagenauer-Nürnberg zur Meisterschaft.

ftampffpielfennis in München.

Bei herrlichem Wetter wurden am Donnerstag­nachmittag die Tennisspiele des Kampfspielturniers in München gut gefördert. Die Kämpfe zogen sich bis in die späten Abendstunden hin und muhten zum Teil wegen hereinbrechender Dunkelheit ab­gebrochen werden. In allen Sparten setzten sich die Favoriten erfolgreich durch.

Ueichsstatthalter Gauleiter Sprenger bei den Segelfliegern.

Am gestrigen Freitag weilte Gauleiter Sprenger mit Amtsleitern des Gaues Hessen-Nassau auf der Wasserkuppe. Unter Führung des bekannten Alt­vaters der Rhönfliegerei, Urfinus, und des Flieger-Landesgruppenleiters S ch e d e l wurde das Lager besichtigt. Der Tag stand im Zeichen reg­sten Flugbetriebs. Der vom Gauleiter ausgesetzte namhafte Tagespreis für die höchste Flugleistung regte den Eifer der kühnen Flieger noch stärker an. Gauleiter Sprenger flog persönlich in einer vom Flugmeister Mertens gesteuerten Sportmaschine. Den über 100 am Wettbewerb beteiligten Segel­fliegern war die rege Anteilnahme der NSDAP, eine sichtliche Freude.

Aus dem Turngau Nordhessen OT.

Gauveranstaltungen im August.

Als nächste größere Veranstaltung des Turn- gaues Nordhessen findet am 12. August das Gau - wettschwimmen statt, das in dem neuen Schwimmbade in Nidda durchgeführt wird. Das Niddaer Bad ist in bezug auf Größe und Einrich-

Im Rahmen des Rhön-Segelflug-Wettbewerbes hat Wolf Hirth einen neuen Strecken- Weltrekord aufgestellt, indem er mit seinem FlugzeugMoazagotl" von der Wasserkuppe in taum sechs Stunden bis in die Nähe von Görlitz flog. Er hat damit 360 Kilometer guruckgelegt und den bisherigen Weltrekord des verstorbenen Günther Groenhoff um 120 Kilometer überboten.

tung wie geschaffen für eine turnerische Groß­veranstaltung.

Kassel nimmt am 25. und 26. August die Fechter des Gaues auf. Es finden die Fecht- wettkämpfe in allen Waffen für Turner und Tur­nerinnen statt, um die Gaumeister und die Gau- sonderklasse 1934/35 zu ermitteln. Erstmals kreuzen hier ehemalige Mittelrheiner mit den Turnfechtern vom früheren Kreis Oberweser die Klingen, so daß man auf den Ausgang der Kasieler Kämpfe be­sonders gespannt sein darf.

Gegen Schluß des Monats wird die große Saartreue staffel, die in der Zeit vom 20. bis 26. August durchgeführt wird, viele Vereine des Gaues in Anspruch nehmen. Mehrere der großen Hauptläufe und viele Nebenläufe führen durch das Gaugebiet. Gauoberturnwart Paul hat heute schon bis ins kleinste alle Vorbereitungen getroffen, um eine glatte und eindrucksvolle Ab­wicklung der Aufgaben zu gewährleisten, die dem Gau im Rahmen dieser gewaltigen Veranstaltung gestellt worden sind.

DT.-Tennislurnier in vad-Nanheim.

Für das in der Zeit vom 17. bis 19. August im Gebiet des Gaues Nordhesien und zwar in Bad- Nauheim stattfindende 7. Tennisturnier der D T. ist nun die Ausschreibung erfolgt. Es wird ein allgemeines Turnier zur Ermittlung der besten Spieler der DT. und ein Mannschaftsturnier, das als ßänbertumier die beste Gaumannschaft ermit­teln soll, ausgetragen. Gespielt wird auf zwölf Plätzen. Zu dem Allgemeinen Turnier können ins­gesamt 128 Meldungen (32 Turner-Einzel, 32 Turnerinnen-Einzel, 16 Turner-Doppel, 32 Ge­mischtes Doppel, 16 Turnerinnen-Doppel) zugelassen werden. Die Vorspiele zum Länderturnier werden in den vier Gaugruppen am 4. und 5. August aus- getragen und zwar in Danzig, Gotha, Hilden bei Düsseldorf und Stuttgart. Die vier Gaugruppen- Sieger kämpfen in Bad-Nauheim am 18. und 19. August um die Entscheidung.

Die Ausscheidungsspiele zur Feststellung der Gaumannschaft des Gaues XII Norbhesten fanden auf den Plätzen des Tennisklubs Rot-Weiß in Kassel statt. Die Mannschaft beftreitet fol­gende Spiele: Turner-Einzel: Fritz Neu­gebauer und Willi Tüscher (Kassel). Turnerin­nen-Einzel: Elly Weidemeyer (Kassel) und Emmi Benning (Eschwege). Gemischtes Dop­pel: Elli Weidemeyer - Willi Tüscher, Emmi Ben­

ning - Fritz Neugebauer. Turner-Doppelt Neugebauer-Tüscher. Ersatz: Ilse Lappe (Butzbach) und Joachim Bunge (Kassel).

Die Mannschaft trifft in den Vorspielen der Gaugruppe 3 am 4. und 5. August in Hilden bei Düsseldorf mit den Mannschaften der Gaue 9, 10 und 11 zusammen. Der Sieger spielt dann am 18. und 19. August bei dem Tennisturnier der DT. und ßänbertumier ber DT. in Bab-Nauheim mit beit Siegern ber Gaugruppen 1, 2, 4 unb Gau 3 (Brau- benburg) zusammen.

Der Sport des Sonntags.

Dor dem Abschluß der Kampfspiele.

Die ganze Woche ftanb ber beutsche Sport im Zeichen ber Deutschen Kampfspiele in Nürnberg. DasOlympia aller Deutschen" zog jeben Sport­ler unb Turner in seinen Bann, waren boch fast alle Sportarten am Nürnberger Programm in starkem Maße beteiligt. Der Sonntag wirb nun den Höhepunkt unb Abschluß biefer ersten wahrhaft beutschen" Kampfspiele bringen. Die Wettbewerbs­folge ist nicht mehr sehr umfangreich, bafür aber um so gehaltvoller. Neben ber eigentlichen Schluß­feier, bie noch einmal alle Teilnehmer im Nürn­berger Stabion vereinigen wirb, sollte vor allem ber F b a ll - E n b k a m p f um ben Kampf­spiel-Pokal bie Massen in seinen Bann schlagen. Aber auch bie Staffel-Meisterschaften ber Leicht- atbleten unb bie übrigen Programmpunkte wie Reiten, Fechten, Kanupolo unb Motorsport werden ihre Anziehungskraft nicht verfehlen. Alles in allem wirb biefer letzte Tag in Nürnberg ben frönenben Beweis bafür erbringen, baß Turner unb Sport­ler im Verein mit berSjefamten beutschen Sport- gemeinbe nach langen Jahren der Zwietracht endlich vereint ein hochfest der deutschen Leibesübungen" in herrlicher Weise gefeiert haben.

Das übrige Sportgeschehen des Sonntags wird in Deutschland natürlich von den Nürnberger Er­eignissen überschattet. Die immer eifrigen Motor­sportler führen bas Hockenheimer Motorrabrennen durch. Die Radsportler veranstalten Bahnrennen in Düsseldorf und Köln unb bie Ruderer betätigen sich bei Regatten in Hanau, Flensburg unb Saar­brücken. Von befonberer Bedeutung ist noch ber 15. Rhönsegelflug-Wetbewerb auf ber Wasserkuppe.

Im Ausland interessiert besonders bie Abschluß­etappe ber Tour be France.

ZweiMnner und Hilda

Vornan von Hermann W. Walder.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 15 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Gleich nach Büroöffnung am ftühen Morgen wurde bei Notar Althaus angeklingelt und ber Notar selbst verlangt.

Der Bürovorsteher gab den Bescheib, daß der Notar am Vormittag einen Termin am Kammer- geriet wahrzunehmen habe und infolgedessen nicht zu sprechen sei.

Eine Viertelstunde spater betrat bann Doktor Decker bas Kammergerichtsgebäude, fragte sich nach dem Anwaltszimmer durch unb bat Althaus um eine Unterredung.

Sie zogen sich in ein Sprechzimmer zurück, und dort erzählte ihm der Arzt alles, was er über Kirchhofen wußte. Notar Althaus war über das, mas er zu hören bekam, geradezu entsetzt, um so mehr, als auch er nicht den geringsten Verdacht gehegt hatte.

Doktor Becker war noch nicht fertig mit seinen Mitteilungen, als er von seinem Zuhörer unter­brochen wurde:

Einen Augenblick bitte!"

(£r verließ bas Zimmer, um aber schnell wieder zurückzukehren.

bin ganz frei für Sie, Herr Doktor! Ich habe eben einen Kollegen mit der Wahrnehmung meines Termins hier am Kammer- gendjt beauftragt."

...Notar Althaus, sichtlich erschüttert über das Ge­hörte, hieß die inzwischen getroffenen Maßnahmen gut und erklärte sich ohne weiteres bereit, in das Komplott zur Entlarvung Kirchhofens einzutreten.

MU Bangen dachte der alte Herr an bie Wirkung, bie bie Aufdeckung der Verbrechen auf Hilda und die Frau Geheimrätin ausüben mußte. Es hieß da äußerst vorsichtig zu Werke gehen.

Zeitpunkt, zu dem ich die Frau Geheimrat und Kirchhofen nach meinem Büro bestellt habe, fit drei Uhr. Die Frau Geheimrat muh unter irgend einem Vorwand abbestellt werden. Wir können Frauen bei dieser Geschichte nicht gebrauchen. Wie freut es mich übrigens, daß Wolterstorff lebt. Schade, daß er nicht hier ist! Aber es bleibt uns nichts übrig, als selbständig zu handeln. Wir können nicht länger warten. Wer weiß, wann Wolterstorff gefunden wird ober von sich aus auftaucht! Ich erwarte Sie also, Herr Doktor, um zwei Uhr bei mir. Alles Weitere müssen wir dann sich entwickeln lassen."

Die Herren trennten sich.

Doktor Becker setzte sich bald darauf mit seinem Vater in Verbindung. Sein Alter Herr wußte ihm nichts Neues zu sagen. Don Mya Körber war keine neue Nachricht eingegangen.

Die Unterredung mit dem Notar hatte mehrere Stunden gedauert. Es war Zeit geworden, zu Tisch zu gehen. Der junge Arzt, obwohl die Erregung ihm jeden Appetit nahm, wollte nicht auf sich warten lassen. Er suchte deshalb seine Wohnung auf. Das Mädchen, das ihn bediente, wunderte sich nicht wenig, daß er jetzt gar nicht so viel, wie es sonst der Fall war. Nach dem Essen wollte er einen Augenblick ausruhen. Der Gedanke an die nahe Entscheidung ließ ihn jedoch nicht zum Schlaf kommen.

Und dann kam ein Telephonanrus unb bie Nach­richt von der rumänischen Grenze.

Wolterstorff unterwegs!

Er atmete erleichtert auf.

Indessen vor nächsten Morgen war der Ersehnte nicht zur Stelle, wie sich aus der Abflugszeit ergab, unb die Entscheidung mußte ja noch diesen Nach­mittag fallen. Er muhte schnellstens nochmals mit dem Notar sprechen.

Es war noch weit vor zwei Uhr, als er bas Althaussche Haus betrat.

Was ist los, Herr Doktor?"

Der Notar sah es ihm an, baß sich etwas er­eignet hatte unb es mußte etwas Wichtiges sein.

Als er von ber bevorstehenben Rückkehr Wolters- torffs hörte, fiel auch ihm ein Stein vom Herzen.

Ruhig, Herr! Das werben wir gleich haben!" Er öffnete bie Tür zum Nebenraum unb erteilte Anweisung, ihn mit Herrn von Kirchhofen zu ver­binden.

Bald schon klingelte es.

Hier Notar Althaus... Herr von Kirchhofen? ... Ah, guten Tag, Herr von Kirchhofen!... Wünsche wohl gespeist zu haben!... Ob was besonderes vor­liegt? Nein nur, daß ich Sie bitten muß, unsere Zusammenkunft auf morgen vormittag zu verschie­ben! ... Was meinten Sie? ... Ach, bitte sehr. Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen. Ich kann mir denken, daß Ihre Dispositionen für diesen Tag über ben Haufen geworfen sink)... Aber ich werbe soeben in einer bringlichen Testamentssache nach auswärts gerufen. Das Auto, bas mich an ein Sterbebett rufen soll, wartet bereits vor der Tür... Jawohl, morgen vormittag elf Uhr ... Nein!... Um elf Uhr... Die Frau Geheimrat wird von hier aus benachrichtigt... Auf Wiedersehen also bis morgen, Herr von Kirchhofen!"

Althaus hing ein und lachte grimmig.

Geflucht hat er, Herr Doktor! Der Fluch muß ihm ganz unbedacht entschlüpft sein. Ec entschuldigte

sich deswegen. Ja wir haben ihm scheinbar durch meine Lüge gründlich das Konzept verdorben. Aber nun müssen wir beide machen, daß wir hier ver­schwinden. Ein Zufallseinfall möchte ihn womöglich noch herführen dann märe alles verdorben."

Der alte Mann, dem bie schwere Aufgabe, vor ber er ftanb, sichtlich Kopfschmerzen bereitete, gab schnell noch ber Frau Geheimrat Bescheib über bie Verschiebung des Termins; er versprach ihr jeboch, sie nächsten Vormittag rechtzeitig zu benachrichtigen.

Die Herren kamen bann überein, gemeinsam nach Potsbam zu fahren, um mit Sanitätsrat Becker über bie nächsten Schritte zu beratschlagen.

Sie trafen bort auch Mya Körber an, bie es vor Unruhe, es könnte etwas schief gegangen sein, nicht mehr in ihrem Hause ausgehalten hatte. Sie saß bei ber Frau ©anitätsrat, Doktor Beckers Mutter, in beren Zimmer bei einer Tasse Kaffee. Da mußte sie auf jeden Fall anwesend sein.

Der Sanitätsrat unb der Notar stellten nach langem Hin und Her dem jungen Arzt eine bittere Aufgabe. Er sollte Hans von Kirchhofen aufsuchen. Einen Grund zu finden, würde ja nicht schwer sein. Es kam darauf an, Kirchhofen abzulenken unb ihm seine Sicherheit zu lasten, ja, wenn möglich, biefe noch zu stärken. Gleichgültig, wie er bies anfangen würde.

Auch Mya Körber sollte sich nach Hause beaeben. Es konnte ja fein, daß sich Kirchhofen im Laufe des Tages bei ihr einfinden würde. Da mußte sie jedenfalls auch anwesend fein.

*

Hans von Kirchhofen war schlechter Laune. Die Sekretärin war verschiedene Male von ihm ange­faucht worden. Das mußte ja eine arg schlechte Nachricht gewesen fein, die ihm eben telephonisch durchgegeben worden war!, dachte sie.

Es war zum Rasendwerden! Also nun muhte er noch eine Nacht sich um die Ohren schlagen.

Neue lange Stunden zwischen Hangen unb Bangen! Verflucht diese Verschiebung!

Die Sekretärin reichte ihm eine Karte herein.

Doktor Walter Becker!

Becker?...

Er erbleichte.

Dieser Besuch konnte nichts Gutes bedeuten.

War mit Knauer was los?

Mit belegter Stimme bat er, ben Besucher ein­treten zu lassen.

Hans von Kirchhofens Mienen hellten sich sofort auf. Der ba sah bestimmt nicht so aus, als wollte er ihm an ben Kragen!

Welch hohe Ehre! Was führt Sie benn her, lieber Doktor?"

Mit diesen Worten ging er auf den Besucher zu. Ich bitte Platz zu nehmen. Zigarre gefällig? Und ein Kognak?"

Doktor Becker reichte Kirchhofen die Hand.

Nee lassen Sie man vorläufig!"

Alter Freund, Sie haben sicher was auf bem Herzen!" -

Hab ich auch!"

Nun dann schießen Sie man los. Ich bin gespannt!"

Kurz gesagt: Kirchhofen, ich bin in Verlegenheit! Können Sie mir aushelfen?^

Ei, ei, sieh mal einer an, ber solibe Herr Doktor! Auf Abwege geraten? Aber es geht mich ja nichts an. Wieviel unb bis wann müffen Sie bas Gelb haben?"

Dreitaufenb Mark unb bis morgen nach­mittag ..."

Gemacht!"

Doktor Becker holte tief Atem. Mein Gott, war ihm das schwer geworden!

Kirchhofen schob das erleichterte Aufatmen seines Gegenübers auf feine Bereitwilligkeit zur Hilfe- leiftung.

Wie ist es, Kirchhofen wollen wir uns ein bißchen unseren Damen widmen?" ging Walter Becker auf ein anderes Thema über.

Hans von Kirchhofen bejahte.

Er war sogar froh über diese Ablenkung.

Stunden später.

Weiß der Kuckuck, was nunmehr in ben Becker hineingefahren war. So hatte ihn Kirchhofen noch nie erlebt. Erst biefer Pump, ben er bei ihm auf- naom. Dann bas fröhliche Zusammensein mit ben Mädchen. Becker sprühte nur so vor Lust und Laune.

Na unb jetzt... jetzt lub er ihn sogar zu Kempmsky ein.

ffias ist denn mit Ihnen los heute?" . nichts! Nehmen Sie einfach an, ich will legt schon meine Zinsen für das gepumpte Gelb abtragen."

!öon Zinsen kann keine Rebe sein... Aber ich bin kein Spaßverderber. Los also!"

Es war spät, sehr spät, als sich bie beiben Manner trennten. Sie hatten einen gar grünblichen <jug durch bas nächtliche Berlin unternommen.

Als Doktor Becker die Taxe verließ, bie ihn nach Dem Krankenhause gebracht hatte, spuckte er erst einmal grunblich aus.

Gin Ekel saß ihm im Halse.

Aber gleichgültig... er buffte bie Hoffnung begen, sich nicht umsonst geopfert zu haben.

(Fortsetzung folgt.!