Nr. 174 Mstes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Somstog,23.3uIU954
Wandern und weisen ♦ Bäder und Sommerfrischen
- ganzen musikalischen Welt be- : Die G e i g e n b a u e r e i. Ma-
Mittenwald in der
Eine zweitägige Vogelsbergwanderung
i« BoMdhaisen
Schotten, von heimfahren.
Wanderzeit zweiten Tage
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auf in mäßiger Steigung nach Feldkrücken bringen. In der Nähe des Ortes liegen die dem VHC. gehörigen Schleuningsteine, gewaltige Basaltblöcke, die in stimmungsvoller Weise von Fichten umrahmt und mit bescheidenen gärtnerischen Anlagen versehen sind. Don Feldkrücken führt uns das rot-weiße Band in steilem Weg über die Feldkrücker Höhe (670 Meter) auf die Staatsstraße, die wir beim Ludwigsbrunnen erreichen. Hier überraschen uns schöne' Blicke auf das tief unter uns liegende Rudingshain und das weiter gelegene Schotten sowie auf die bekannten Vogelsberger Höhen, wie Taufstein, Hoherodskopf und Bilstein. Am Ludwigsbrunnen wenden wir uns rechts, folgen ein kurzes Stück blauen Dreiecken, bis wir wieder unser früheres Zeichen, die grünen Striche, treffen. Immer
von der Wetterau, der Kornkammer Hessens, ge« schützt gegen rauhe Gebirgsstürme, gesegnet mit einem milden Klima und köstlicher Luft abseits des hastenden Getriebes der Großstadt, präsentiert sich Bad Salzhausen mit seinen uralten heilkräftigen Quellen, seinem unvergleichlichen Park, seinen Wäldern, als ein Idyll von entzückender Schönheit. Seit länger denn je einem Jahrhundert sind seine Quellen (Salz, Lithium, Schwefel und Stahl) Tausenden von Heilungs- und Stärkungsbedürftigen zum Segen geworden. Besonders günstige Erfolge werden erzielt bei Rheuma, Ischias, Herz- und Gefäßerkrankungen, Arterioklorose, Kinderkrankheiten und nervösen Störungen. — Unterkunft und Der- pflegung sind vorzüglich. Man erreicht Bad Salzhausen von Gießen, Gelnhausen und Friedberg in je einer Stunde sowie auf gut hergerichteten Autostraßen.
rühmt gemacht hat: die Geigenbauerei. Mathias Klotz, dem man vor der Pfarrkirche ein Denkmal errichtet hat, 1743 neunzigjährig gestorben, lernte bei italienischen Meistern und brachte die Kunst des Geigenbaues in die Alpenheimat. Kaum ein älteres Haus ist anzutreffen, in dem nicht wenigstens e i n Geigenmacher wohnt. Der Sohn erlernt die Kunst vom Vater, oder er wird in der staatlichen Geigenbauerschule ausgebildet. Heute freilich liegt das Gewerbe sehr darnieder. Die Mittenwalder führen das weniger auf die allgemeine Wirtschaftskrise zurück, als auf die weite Verbreitung des Rundfunks, der vernichtend auf die Pflege guter Hausmusik wirke. Jedenfalls haben die Geigenbauer fast feinen Absatz.
Diese schweren wirtschaftlichen Einbußen werden jedoch aufgewogen durch den Fremdenverkehr. Jedem Alpenfreund schlägt ja das Herz höher bei dem Klang von Mittenwalds Schönheiten. Für jeden Geschmack und jede Leistungsfähigkeit der Hochgebirgsfreunde wird hier Befriedigung genug geboten vom nervenstärkenden Bad im Lautersee und dem harmlosen Spaziergang zum Hohen Kranzberg bis zu den verwegensten Klettertouren im Steilgewände des Karwendelgebirges. Doch das braucht man dem Alpinisten nicht zu schildern. Den deutschen Alpen kommt es zugut, daß das Paradies der Alpinisten, die Tiroler Hochgebirgswelt, uns Reichsdeutschen durch die Kleinigkeit von 1000 RM. verschlossen ist. Unsere deutschen Alpen bieten ja dem Erholungsuchenden soviel Schöne^ und Unvergeßliches, daß man in dieser Umwelt die von allerlei Sorgen zerrissenen Nerven gesunden lassen kann. Und unter diesen Alpenschönheiten nimmt der Jsarflecken Mittenwald eine der ersten Hn.
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hübsche Ausblicke gewährend führt uns der Weg teils über saftige Wiesen, teils auf der Straße an Götzen vorbei nach dem schmucken Kreisstädtchen wo wir nach einer Erholungspause
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Bad-Salzhausen, der idyllisch gelegene Kurort Oberhessens.
Eine Erholungsstätte, die von Kurgästen 30, ja 45 und 50 Jahre hintereinander jährlich ausgesucht wird, muß eine besonders starke Anziehungskraft besitzen. Eines solchen Ruhmes darf sich das altbewährte staatliche hessische Solbad in Oberhessen erfreuen. In wundervoller wald-, wasser- und wiesenreicher Gegend am Fuße des alten Basaltkönigs „Vogelsberg" gelegen, gen Westen begrenzt
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1. Tag: Laubach Wald — Wildfrauhaus — Ulrichstein.
Zum Beginn unserer Wanderung fahren wir nach der durch ihre reizvolle Lage als Sommerfrische bekannten Station Laubach Wald, gehen in nördlicher Richtung die Kreisstraße entlang, wo wir alsbald auf rot liegende Kreuze stoßen, die uns bis Ulrichstein begleiten. Wir kommen an der idyllisch gelegenen Schreinersmühle vorbei über den bekannten Kreuzseenerberg und durch ein anmutiges Wiefentälchen in den Peterswald, an dessen Ausgang sich der Blick öffnet auf das von Höhen umgebene Altenhain, das links liegen bleibt. Das Zeichen führt uns über die Altehöhe (537 Meter), ferner über die Straße Wohnfeld — Petershainer Hof in den Walddiftrikt Wildfrauhaus, in dem sich eine 8 Meter hohe Phonolithgruppe erhebt, von beffen Spitze, durch Stufen erreichbar, sich ein prächtiger Ausblick auf die nähere Umgebung und den Ulrichsteiner Schloßberg bietet. Nachdem wir die Straße Babenhausen—Kölzenhain überschritten, gelangen wir bald darauf auf die Straße Babenhausen—Ulrichstein und auf dieser nach dem schönen Bergstädtchen Ulrichstein, nicht ohne uns vorher an dem prachtvollen Rückblick auf Täler und Höhen erfreut zu haben. In einem der guten Gasthäuser nehmen wir Quartier.
2. Tag: Ulrichstein — Feldkrücker Höhe — Schotten.
Der zweite Tag gilt zunächst der Besteigung des Schloßberges, von dessen Aussichtsturm man eine prächtige, weitumfassende Fernsicht bis zu den Höhen des Westerwalds, Taunus und der Rhön genießt. Nach genügender Augenweide folgen wir grünen Strichen, die uns zuerst abwärts und hier-
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Jedoch, wenn auch der Grundton im Dorfleben noch bodenständig ist, so hat Mittenwald längst aufgehört, ein Bauerndorf in unserem hessischen Sinne zu sein. Es ist eine Siedelung von uralter Kultur. Es liegt ja an der alten Handelsstraße, die die oberitalienischen Städte über den Brenner, Jns- bruck und den Seefelder Sattel mit den oberdeutschen Handelszentren verbindet. Handel und Verkehr haben dem Markt von jeher das Gepräge gegeben. Davon zeugen die Monumentalbauten des Dorfes: seine Pfarrkirche mit wertvollem Hochaltar und prachtvollen Deckengemälden, mit dem einzigartigen barocken Turm, dessen kupfergedeckte Haube ganz gewiß italienische Vorbilder hat. Die Friedhofskapelle St. Nikolaus, die neben gotischem Stil einen ganz entzückenden Rokoko-Turm mit zwei Zwiebeln aufweist. Man hat sie jüngst in leuchtendem Grün gestrichen, so daß sie eine liebliche Bereicherung des Dorfbildes bringen. Aber auch viel bürgerliche Bauten zeigen, daß man in einer Siedlung von alter Wohlhabenheit und Kunstfertigkeit ist. Stolze Patrizierhäuser stehen besonders am Ober-Markt, breit und behäbig, in alpenländischem Stil errichtet, mit stumpfwinkligen steinbeschwer- ten Legschindeldächern geschützt. Ihr besonderer Stolz aber sind die Fresko-Malereien, mit denen zuweilen die Wände völlig bedeckt sind. In erster Linie wäre das Neuner-Haus zu nennen, dessen Straßenseite die Bildnisse aller zwölf Apostel auf- weist und auf Spruchbändern den Apostolischen Glauben bekennt. Es gehört mit zu dem Erfreulichsten, dem man hier begegnet, daß bei fast allen Neubauten das architektonische Können und die künstlerischen Ueberlieferungen der Väter mit den Bedürfnissen der Gegenwart in wohltuend harmonischen Einklang gebracht werden.
Wieviel Kunstsinn in diesen Gebirgsmenschen wohnt, beweist vor allem ein Erwerbszweig, der
Ueisebrief aus des Reiches I südlichstem Dorfe.
Mittenwald, Ende Juli.
Unser oberhessisches Heimatblatt, der Gießener Anzeiger, will einen Reisebrief aus Mittenwald haben. Plaudern wir also einiges aus dem südlichsten Dorfe des derzeitigen deutschen Reichsgebietes!
Ja, womit soll ich anfangen? Befindet man sich in „gebildeter", geistig angeregter Gesellschaft, so ist es ein Zeichen von Verlegenheit, geistiger Armut, oder gar von Nichtachtung, wenn man vom Wetter redet. Hier aber ist die Wetterfrage d i e Frage, das Barometer das gesuchteste Instrument. Denn für die Einheimischen bedeutet gutes Wetter guten Besuch. Uebt aber der alte Jupiter Pluvius ein unbarmherzig-feuchtes Regiment aus, so reisen die Fremden in hellen Haufen ab. Denn Regen bedeutet für sie im Alpendorf Langeweile und kostspieliges Herumsitzen in Kaffeehäusern und anderen Gaststätten. Also: das Wetter ist hier gemischt! Während ganz Deutschland unter großer Hitze und Dürre schmachtet, hat man hier von Gewittern begleitete Niederschläge genug. Gestern steigerten sie sich zu einem furchtbaren Unwetter. Hinter dem Wetterstein stieg nachmittags eine tiefschwarze Wolkenwand auf, der Sturm trieb sie ostwärts über das Mittenwalder Becken, und hier entlud sie sich in einem gräßlichen Hagelwetter, desgleichen ich noch nie erlebt. Plötzlich Hub ein Geknatter und Geprassel an wie bei einem Feuergefecht. In dichten Schloßen fielen Hagelkörner von der Dicke eines Hühnereis! Die Pflanzen in den Gärten wurden zerschlagen, die Wege waren besät mit abgerissenen Baumzweigen und unreifem Obst, Fensterscheiben zerklirrten, Dachziegel wurden in Massen zerschlagen. Nach einer Viertelstunde waren Wiesen und Almen von einer Eisschicht bedeckt. Den ganzen Nachmittag mußten die Leute zum Flicken der Dächer benutzen. Es waren nicht nur die kleinen Biberschwänze zerbrochen, sondern auch die sehr viel haltbareren Falzziegel. Selbst die an das Toben entfesselter Naturgewalten gewöhnten Aelpler wissen sich eines solchen Hagelwetters nicht zu erinnern. z
Wenn eine solche Katastrophe eine oberhessische Feldmark träfe, wäre die gesamte Getreideernte vernichtet bis auf den letzten Rest. Diese Befürchtung ist freilich in Mittenwald nicht zu hegen. Denn die hiesigen Alpenbauern treiben feinen Körnerbau, sie stehen völlig auf der Stufe der Hirten und Viehzüchter. Ich denke an unsere ländlichen Leser, wenn ich davon einiges erzähle. Alt-Mittenwald teilt sich in drei Weidegenossenschaften, nach den drei Teilen des Fleckens Ober-Markt, Unter-Markt und Gries genannt. Alle alten Häuser haben freies Weiderecht, d. h. sie dürfen unentgeltlich Vieh nach Belieben austreiben. Jede Genossenschaft hat ihre abgegrenzten Weidebezirke, auf die das Großvieh getrieben wird. Morgens um 6 Uhr wird man geweckt durch den Austrieb der Herden — ein Bild von unvergeßlicher Eindruckskraft, wenn die niederen, gedrungenen Allgäuer Kühe im Gänsemarsch, alle mit Herdenglocken versehen, durchs Dors ziehen. Gegen Abend kehren sie wieder zurück, da das Großvieh hier nur auf den Nieder-Almen äst, also nicht im Freien zu bleiben braucht. Die Inhaber von neu erbauten Häusern nehmen an dem alten Weiderecht keinen Anteil, sondern haben pro Stück Großvieh im Jahr 8,50 RM. zu entrichten.
Das Jungvieh weidet auf den Hochalmen, bleibt also den ganzen Sommer im Gebirge. Daher hat man im Karwendel mehrere „Kälber-Alme". Da diese Hochalmen der Gemeinde Mittenwald sehr umfangreich sind, ist der Auftrieb für alle Einwohner unentgeltlich. Es ist eine Höchstzahl von Jungvieh festgesetzt, aber sie wird nie erreicht._________________
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Oie Augen der Eifel.
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Eine besonders anziehende Sehenswürdigkeit des grünen Eifellandes sind die zahlreichen, aus vulkam- schen Erderschütterungen stammenden Wasserflächen, Maare genannt, die dem Gesicht der Landschaft Farbe und Bewegung geben. Der größte und schönste aller Wasserspiegel der Eifel ist unstreitig der Laacher See, seit jeher Zielpunkt eines großen Besucherstromes. Einzigartig der Blick vom neu- . erbauten Lydiaturm des Eifelvereins auf die ruhige tiefe Fläche des blauen Wafferauges, dessen grüne Waldwimpern von den Wellen aufwärts streben. Das Gefühl eines reinen Naturgenusses ist selten so ungestört und stark wie vor dieser einsamen wald- umrauschten Wasserfläche, die in die Kulisse scharf aufsteigender Bergwände gehüllt ist. Unmittelbar am Seeufer liegt die berühmte Benediktinerabtei Maria Laach mit der Abteikirche, die sowohl im Stil- ausdruck, als auch in der Symmetrie der Maßstäbe ein gleich hervorragendes Kunstwerk ist.
Die eigentliche Heimat der Eifelkrater aber ist die Gegend um Saun, von Koblenz oder Andernach aus mit der Eifelbahn über Mayen, die alte sehenswerte Kreisstadt mit Genovevaburg und Eifelvereins- museum, leicht erreichbar. Die Fahrt in die vulkanische Eifel bietet dem Wanderer eine Fülle von Eindrücken. Die Zeichnung der Landschaft ist von hohem Reiz, saftige Talschnitte mit üppigem Waldreichtum wechseln mit Weideland, dessen weite baumlose Flächen bereits die herbe Stimmung der Hocheifel anbeuten. Zahlreiche alte Orte mit geschichtlich bedeutsamen Bauwerken kann der Eifelfahrer unterwegs mit kurzem Blick vom Zuge aus begrüßen. Da sind, um nur einige Andeutungen zu machen, Monreal mit dem Schloß gleichen Namens, ein sehr anmutiger und stimmungsreicher Eiselort, der für den Kunstfreund manche wertvollen Erinnerungs- stücke birgt. Weiter Virneburg, Stammsitz mächtiger Eifelgrafen und das alte Kaisersesch, dessen Fachwerkhäuser unmittelbar an der bekannten Römerstraße liegen. InUlmen, dem kleinen Eifel- ort, dessen Bild von einer imposanten Burgruine beherrscht ist, sind wir schon mitten hn Land der Cifel- k roter.
Die ersten dieser Maare haben einen ausgesprochenen idyllischen Zug, sie fügen sich glücklich in den Rahmen einer reichen Natur. Das Wasser gibt dem kargen Eifelboden saftige Fülle, dichter kräuseln sich Hainbuche und Haselnuß um die Uferwände, heimliche Waldwinkel locken. Diese Stimmung atmen das Ulmer Maar und hinter Daun, der alten erinne- rungsreichen Residenz der Grafen von Daun, das Gemündener Maar, der kleinste, aber auch der lieblichste unter den Kraterseen der Eifel. Fast unwahrscheilich wirkt der freundliche grüne Tal- kessel, der mit hochstämmigem Buchenwald den Wasserspiegel umschließt, im strengen Gesicht der Eifel, das fetten so schmeichelnd zu lächeln versteht.
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