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ttr.277 Erster Blatt M. Jahrgang Dienstag, 27.November

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Sttnffurt am main 11688 druck und Verlag: vrühl'sche llniverfitäts Such- und Steindruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe r M-ngm?bschlM°sWö

Ungarn lehnt Benesch als Raispräsidenien ab.

Außenminister Partei im ungarisch-südslawischen Konflikt.

Der Prager Ltniverfiiätskrawall.

Die beschämenden Vorgänge in Prag sind ein Teil jenes Martyriums, welches das an der Peri­pherie liegende Deutschtum immer in jenen Zeiten zu erdulden gehabt hat, in denen infolge politischer Rückschläge oder innerer Zerspaltenheit die Reichs- gemalt schwach war. Immer haben in solchen Zeiten die größeren und kleineren Völker auf die Volkstumsgrenzen des deutschen Mittelraums ge­drückt und versucht, sich weiter in das Herz Euro­pas vorzuschieben. Die Prager Universität ist durch den luxemburgisch-deutschen Kaiser Karl IV. im Jahre 1348 begründet worden. Er war selbst nur ein halber Deutscher und stammte von seiner Mutter her aus dem früheren tschechisch-slawischen Fürstenhaus. Aber er wußte die politische und kulturelle Aufbaukraft des Deutschtums für sein Stammland wohl zu schätzen und auszunützen, in­dem er deutsche Gelehrte nach Praa zog. So wurde diese Stadt der erste Sitz der Wissenschaft und des neu aufblühenden Humanismus im Norden und in der Mitte Europas, und überflügelte bald die alten mittelalterlichen Sitze der Wissenschaft, die Pariser Sorbonne, nach deren Muster die Prager Universität eingerichtet wurde, und das italienische Bologna, wohin bisher der bildungshungrige deut­sche Adel und Klerus sich hatte wenden müssen. Die für die damalige Zeit außerordentliche Besucher­zahl von zehntausend Studierenden spricht für die Bedeutung, welche die Gründung Karls IV. sofort erhielt, aber auch für das kulturelle Bedürfnis und die geschickte Wahl des Ortes an der Grenze des mitteleuropäischen und osteuropäischen Raums.

Diese Lage und innere Bedeutung hat das Schick­sal der Universität Prag durch alle die Jahrhun­derte ihres Bestandes verfolgt. Schon nicht ganz .zwei Jahrhunderte nach ihrem blühenden Bestehen chatte sie die erste nationale Prüfung zu überwin­den. Als die von Johannes Huß entfesselte religiöse Treformatorische Bewegung sich in eine nationale Revolution mit dem Ziele der Tschechisierung Böhmens und der Vertreibung des Deutschtums wandelte, führte dies zu dem be­kannten Auszug der deutschen Professoren und Studenten aus Prag, der heute noch im akademi­schen Lied nachklingt und der, wie oft im Leben böse Absichten Gutes schaffen, der Anlaß zur Grün­dung innerdeutscher Universitäten und zu der viel­fältigen Entwicklung des akademischen Studiums in Deutschland wurde.

Die Hussiten-Kriege, die 75 Jahre lang Böhmen mnd Deutschland verheerten, dieser erste Versuch keiner nationalistisch-religiösen Umwälzung größeren Maßstabes im ausgehenden Mittelalter, verebbten in Streitigkeiten der Utraquisten und Taboriten, wo- foei die schwärmerischen Taboriten schließlich entschei­dend geschlagen wurden. Bis zum Dreißigjährigen Krieg vertrugen sich Tschechen und Deutsche einiger- iiwaßen. Erst als die Habsburger den deutschen Winterkönig Friedrich von der Pfalz erledigt hatten, $<im die katholische Reaktion, der sich die Tschechen Linterwarsen, und seitdem sind die Tschechen, wie im 05. Jahrhundert, die Prellböcke des Slawismus für colles Deutsche gewesen.

Mit der blutigen Niederwerfung des Hussiten- Uufstandes erhielt Prag als Universität auch den Vorwiegend deutschen Charakter wieder zurück, und er ft in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als die sterbende Habsburger Dy­nastie zu dauernden Zugeständnissen an die zur Selbständigkeit drängenden Rationalitäten gezwun­gen wurde, erfolgte die Teilung der Universität ! n eine tschechische und deutsche, also in den Zustand, :n dem sie sich heute befindet und gegen den nun die neue Tschechisierungswelle anbrandet. Die Tschechen Haben nun die Auslieferung der Prager Universitäts­insignien gefordert. Der tschechische Unterrichtsmini- ter hat die über 600 Jahre alten Zeichen der deut­schen Universität angefordert, um damit den neuen Rektor der tschechoslowakischen Hochschule zu beklci- fr en. Man hatte die Herausgabe der deutschen Würde- .eichen zugesagt, aber hatte gleichjeitig darauf hin- ? ewiesen, daß es doch weder ein Versöhnungszeichen, r od) gerecht sei, von der deutschen Universität Amts- ,:*pter, Amtskette und Siegel zu verlangen, die ihr (in deutscher Kaiser, Karl IV., der Luxem­burger, im Jahre 1348 verlieh, um damit die tsche- yische Universität zu versehen, die nur wenig über kV Jahre besteht. Trotzdem blieben die Tschechen bei ihrer Forderung, vor allem der Prorektor der tsche- cvischen Universität Dornin stellte sich an die Spitze eines Haufens, der den Deutschen mit Ge­walt die Universitätsinsignien entreißen wollte. Es Ilam zu einem Kampf um die deutsche Universität. 3oer tschechische Pöbel warf die Fensterscheiben ein, man stürmte das slawische Seminar der deutschen Universität, obgleich oder weil dessen Vorsteher, Pro- -ssor Spina, in der tschechoslowakischen Regie- Mng sitzt. Der Prager Pöbel zeigte sich wieder em- mal oon seiner deutschfeindlichsten Seite.

Die tschechische Universitätsbehörde hat damit roeber der Wissenschaft noch der Politik ihres San» s ises einen guten und vernünftigen Dienst erwiesen, r-enn die erweckten Leidenschaften werden es immer schwerer machen, den für das tschechische Staats- nefen selbst so notwendigen Ausgleich der beiden x-roßen Bestandteile der neuen Nation zu finden, cn dem, wenigstens nach ihrer offiziellen Versiche­rung, der Staatsleistung gelegen ist. Der neue 2fschechenstaat entbehrt der einheitlichen Schlagkraft, d» die Tschechen nicht einmal die Hälfte der Be­wohner des tschechoslowakischen Staates ausmachen und sowohl die Deutschen wie die Ungarn und Slo- anken mit Gewaltmitteln bekämpfen, die so kurz­sichtig sind, daß der Staat des Herrn Dr. Benesch in Ernstfälle wohl kaum auf ein einheitliches Llaatsoolk rechnen kann. Alle Versuche, weniger, I«hr weniger weitblickender Tschechen, den natio»

Oer tschechoslowakische

Sine Note Eckhardts an den Völkerbund.

Genf, 26. Nov. (DNB.) Der ungarische Vertre­ter Tibor Eckhardt hat dem Generalsekretär des Völkerbundes am Montagabend eine Note über­reicht, in der der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benesch als Rats­präsident für die Verhandlungen über den un­garisch-südslawischen Streit a b g e l e h n t wird. Als Vertreter Ungarns in dieser Angelegenheit, so führt Eckhardt aus, sehe er sich gezwungen, festzustellen, daß das Amt des Ratspräsidenten auch in der gegenwärtigen Sitzungspause von einem Ver­treter eines Staates wahrgenommen werde, der zum Teil an dieser Angele­genheit beteiligt sei. Er erinnere daran, daß die Tschechoslowakei in ihrer Note an den Ge­neralsekretär vom 22. November sich dem An­trag Südslawiens vollinhaltlich an­geschlossen habe mit der Begründung, daß die zur Sprache stehenden Tatsachenwegen ihres un­gewöhnlich schwerwiegenden Charakters die Tsche­choslowakei i n i h r e n g u t n a ch b a r l i ch e n Beziehungen zu Ungarn unmittelbar berühren". Unter diesen Umständen glaube er folgende Frage aufwerfen zu müssen: Ist diese Lage nicht dazu angetan, ernste UnZuträg­lichkeiten bei der Behandlung der Frage ent­stehen zu lassen, die dem Völkerbundsrat von den drei Staaten der Kleinen Entente unterbreitet wor­den ist. Liegt nicht für Seine Exzellenz Eduard Benesch, der zugleich tschechoslowakischer Außen­minister und Mitglied des Ständigen Rates der Kleinen Entente ist, Grund vor, jetzt und erst recht für die bevorstehende außerordentliche Tagung sein Amt als Präsident des Völk erb und s- rates niederzulegen, wie es übrigens für diesen Fall durch die Geschäftsordnung des Völker- bundsrates vorgesehen ist?

pawelitsch und Kwaternik werden nicht ausgeliefert.

Rom, 26. Rov. (DRV.) Die amtlich bekannt­gegeben wird, hat die Untersuchungsabteilung des Appellationsgerichtshofes in Turin entschieden, die Auslieferung der der Mitschuld am Attentat von Marseille angeklagten südslawischen Emigran­ten pawelitsch und kwaternik könne Frankreich nicht zugestanden werden. England noch nicht entschieden.

London, 27. Nov. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" will wissen, daß der südslawische Schritt beim Völkerbund den Hauptgegenstand der Er­örterungen des Kabinetts am Montag bilde. Arn Sonntagabend habe Eden dem Staats­sekretär des Aeußern, Sir John Simon, einen ausführlichen Bericht über feine in Genf ge­führten Besprechungen erstattet. In der Frage, ob dem Ersuchen Ungarns um schleunige Behandlung der südslawischen Note stattge­geben werden solle, seien die Minister geneigt, Eden, der wahrscheinlich in der nächsten Woche wieder in Genf sein wird, freie Hand zu las- s e n. Die in Genf versammelten Außenminister schienen der Meinung zu sein, daß sich ein Akten­stück von solcher Bedeutung wie das südslawische nicht eilig erledigen taffe, sondern ruhiger Prü­fung bedürfe. Andererseits würdigten die Mi­nister auch den Standpunkt Roms, daß ein sechswöchiger Aufschub dieses Streites viel böses Blut machen würde. Mussolini erklärte die Angelegenheit auch aus dem Grunde für dring­lich, weil die beiden anderen Mitglieder der Kleinen Entente sich an dem südslawischen Schritt beteiligt haben.

Zwischen dem Regenten von Südslawien, dem Prinzen Paul, der zur Hochzeit des Herzogs von Kent in London weilt, und Sir John Simon fand eine Unterredung statt, in der die südslawische

nalen Fanatismus in ein ruhigeres Fahrwasser zu leiten, sind vergeblich gewesen. Seit 14 Jahren wird die Politik rücksichtsloser Unterdrückung der anderen Nationalitäten verfolgt, und wenn auch Minister­präsident M a 1 y p e t r zugesagt hat, daß den Deutschen nach Uebergabe der Universitätsinsignien nichts geschehen und vor allem die deutsche Univer­sität unverändert beibehalten werden soll, so ist es doch fraglich, ob nach den Pöbeltaten die zwei deutschen Minister im Kabinett bleiben.

Der höchstgesteigerte Nationalitätenkampf in der Tschechoslowakei hat eben durch die Forderung des tschechischen Unterrichtsministers eine Wendung ge­nommen, die offiziell der Regierung wohl sehr un­angenehm ist, in Wirklichkeit aber den Unter­drückungstendenzen dieser Regierung entspricht. Das muß für die Deutschen entscheidend sein. Nachdem eine Mitarbeit in der Regierung solche Exzesse und die Forderung des tschechischen 'Unterrichtsministers nicht verhindern konnte, ist der Versöhnungskurs kompromittiert und es bleibt nur, daß sich alle nicht - tschechischen Nationen kräftig ihrer Haut wehren. Daß dabei der tschechoslowakische Staat als außenpolitischer Faktor jeten Wert verliert, ist eine Folge der kurzsichtigen Politik Dr. Beneschs, die mit demokratischen Phrasen um sich wirft, aber eine Unterdrückungspolitik schroffster Art errett.

Beschwerde gegen Ungarn erörtert worden ist. Die Lage ist noch sehr heikel. Die britische und die fran­zösische Regierung bemühen sich, weitere Spannun­gen zu verhindern. Der britische Gesandte in Bel­grad hat bereits der südslawischen Regie­rung Mäßigung angeraten. Angesichts

London, 26. Nov. (DNB.) 3m Unterhaus er­klärte der vormatige Unterstaatssekretär des Äußeren Godfrey Locker-Lampfon, daß die Macht des Völkerbundes trotz des Beitritts Soro- jetruhtands geschwächt fei. Wichtige internatio­nale Vereinbarungen würden ohne Bezugnahme auf den Völkerbund getroffen. Er fehe nicht die Unterschiede zwischen den eurpaischen sogenannten Regionalpakten nud den alten Vorkriegs- bündniffen. Rach einem Hinweis auf die rie­sig anwachsenden Rüstungen in Europa fuhr Locker-Lampfon fort:

Auf jedem Stein, der zu dem riesigen Friedens­palast in Genf hinzugefügt worden ist, entfällt ein weiteres Geschütz oder Gewehr, mit denen die Rü­stungen der Welt vermehrt worden sind. Die Ur­sache liegt in der V ölkerbun dssa hung

Paris, 27. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Der ru­mänische Außenminister T i t u 1 e s c u hatte eine Unterredung mit Außenminister Laval und dann eine fast einstündige Besprechung mit dem General­sekretär des Quai d'Orsay Leger. In gut unter­richteten Kreisen wird erklärt, daß der südsla­wische Antrag und Ungarns Erwiderung er­örtert worden seien. Die französische Regierung werde den Mächten den Entwurf eines in­ternationalen Abkommens zur Unter­drückung des Terrorismus unterbreiten.

Die französische Antwort auf Polens Note zum Nordostpakt wurde zwischen La­val und Titulescu ebenfalls erörtert. Die versöhn­liche Einstellung der französischen Note dürfte das Gelingen des Planes, der den Frieden in einer wichtigen Gegend Europas organisieren soll, er­leichtern. Die ursprünglichen Vorschläge seien als eine A r t Schema oder Rahmen und nicht als ein für allemal feftgelegter Entwurf gedacht ge­wesen. Nachdem jetzt die wesentlichen Vor­behalte Polens bezüglich Litauens, der Tsche­choslowakei und Deutschlands in Betracht ge­zogen worden seien, dürften die Aussichten für die kommenden Verhandlungen günstiger sein. Jeden­falls bleibe die französisch-sowjetrus­sische Annäherung, die rein diplomatischer Art sei, nach Auffassung führender französischer Kreise ein beachtenswerter Faktor der europäischen Stabilität. ,

Diese Bemühungen um einen Ausgleich und Stabilisierung in Osteuropa, als deren erstes und wichtigstes Ergebnis der Balkan pakt zu gelten habe, feien auch maßgebend für die Politik der Türkei. Tewfik Rüschti Bey wolle, so erfahre man, die Freundschaftsbande zwischen Frankreich und der Türkei noch enger ge ft alten. Dieses Bestreben finde natürlich in Paris, wo man feit langem an die Vervollständigung des Nordo st Paktes durch einen Mittel- meerpakt denke, günstige Aufnahme. Wie ver­lautet, wird Tewfik Rüschti Bey, ehe er zur außer­ordentlichen Völkerbundsratstagung nach Genf

Oie Insignien der Prager deutschen Universität übergeben

Prag, 26. Nov. (DNB.) Auf Grund der heute früh erfolgten Vereinbarung des Rektors der Prager deutschen Universität Prof. Dr. Großer mit dem U n t e r r i d) t s m i n i ft e r erschien heute um 11 Uhr eine viergliedrige Abordnung des Unterrichtsministeriums, bestehend aus einem Prä­sidialchef, zwei Sektionschefs und einem Ministe­rialrat im Rektorat der Prager deutschen Universi­tät. Hier wurden ihnen vom deutschen Rektor d i e Insignien der alten Karls-Universi- tät übergeben. Es sind dies die 15 goldenen Ketten der akademischen Würdenträger, das alte goldene Szepter des Rektors, die vier Szepter der einzelnen Fakultäten und das alte Siegel aus dem Jahre 1348. Die alten Gewänder und Bilder blieben in den Händen der deutschen Universität. Die Ueber­gabe erfolgte in feierlicher und würdiger Weise. Wie verlautet, sollen diese Insignien noch heute der tschechischen Universität über­geben werden. Für die Auffassung der tschechi­schen Studentenschaft erscheint bezeichnend, daß sie auf die Nachricht vorr der erfolgten Uebergabe der

der Verfassung der öffentlichen Meinung in Süd­slawien und des ungarischen Vorgehens wegen sofortiger Behandlung der Frage ist es sehr möglich, daß sich der Völkerbundsrat trotz der Bemühungen der Mächte nächste Woche mit dem Streitfall wird beschäftigen müssen.

selbst in der Klausel, die die besteh ende« Grenzen Europas garantiert und die in die Friedensverträge eingefügt worden ist. Solange die Välkerbundssahung mit den Friedensverträgen verknüpft ist, wird man niemals eine Revision dieser Verträge et* reichen. Dies wird Deutschland stets daran hindern, bereitwillig mit dem Völkerbund 3 u« sammenzuwirken, und wird immer die Der* einigten Staaten davon abhalten, dem Völkerbund b e i z u t r e t e n. Es ist dringend nötig, daß Aenderungen an der Völkerbundssahung unverzüglich erwogen werden. Die Bande, die die Völkerbundssahung an die Friedensverträge knüp­fen, müssen gelöst werden. Der Völkerbund ist augenblicklich nicht ein Werkzeug für den Frieden.

zurückkehrt, einen Abstecher nach Berlin unternehmen. ,

Frankreichs Ostpaktnote überreicht.

Abwartendes Echo in Warschau.

Warschau, 27. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Zu der französischen Note, die Botschafter Laroche dem polnischen Außenminister in der Frage des Ostpakts überreicht hat, schreibtKurjer Po- ranny", das größte Blatt des Regierungslagersr Während der letzten Monate fei der Ton der fr an« zosischen Presse gegenüber Polen feindlich gewesen. Erst in den letzten Tagen habe sich eine Wendung zum Besseren gezeigt. Eine Atmosphäre der Ruhe und des Wunsches nach gegenseitiger Verständi­gung entspreche mehr dem Geiste des Bündnisver­trages. Die bisherige Taktik der französischen Press­rufe den Eindruck hervor, als ob Polen an der Verzögerung der Verhandlungen schuld sei. Diesen Eindruck wollte man offenbar Hervorrufen, um dritte Partner, die am Pakt am meisten interessiert seien, von der Ehrlichkeit der französi* schen Absichten zu überzeugen. Die polnische Regie­rung werde die Denkschrift in einem Geiste prüfen, der dem freundschaftlichen Bündnisverhältnis ent­spreche. Man könne nur wünschen, daß auch auf der anderen Seite die gleichen Grundsätze ange­wendet würden.

Gazeta Warszawska", das führende Blatt der Nationaldemvkraten, nimmt an, daß Laval u. a. durch Vermittlung Polens auch den Anschluß Deutschlands an den Ostpakt erreichen wolle. Sollte das zutreffen, sagtGazeta Warszawska", so werden die Verhandlungen sich ziemlich 'lange hinziehen; denn Deutschland wird sich vor dec Saarabstimmung nicht in irgendeiner Richtung ent­scheiden, man könne also erst in der zweiten Januar­hälfte eine lebhaftere Tätigkeit auf internationalem Gebiet erwarten.

Insignien eine Art Siegesversammlung auf dem Wenzelplatz abhielt.

Wie der Polizeibericht meldet, kam es in den Abendstunden auf dem Wenzelsplatz zu Zusam­menrottungen von Studenten, denen sich auch nichtstudentische Elemente zugesellten. Da es nach mehrfachem Einschreiten der Wache nicht gelang, den Platz zu säubern, wurde durch Trom­petensignal die Anwendung der Gummi­knüppel angekündigt. Daraufhin zerstreute sich ein Teil der Demonstranten. Der Rest wurde von der Polizeimannschaft unter Anwendung des Gummiknüppels zerstreut. 15 Personen wurden festgenommen.

Protestkundgebungen in Men.

Wien, 26. Nov. (DNB.) Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen der tschechischen Studenten in Prag kam es an der Wiener Uni­versität zu Kundgebungen. Zahlreiche Studenten versammelten sich in der Universität und nahmen gegen die Tschechen Stellung. Rufe wie Nieder mit den Tschechen, nieder mit der tschechi» schen Presse" wurden laut. Die Polizei schritt ein und zerstreute die Ansammlungen. Größere @rupe pen von Studenten zogen bann vor bie 23er« lagsgebäube der in tschechischem Be« jih b-finblichen Zeitungen »Dis

Die Bindung an Versailles ein Hindernis für das Funktionieren des Völkerbundes.

Frankreich spinnt am Bündnisneh.

pariser Paktbesprechungen mit Titulescu und Tewfik Vüschty Bey.