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Gießener Anzeiger sGenerat-Anzeiger für Oberhessen)
5amrtag,27.OttoberM^
Ur. 252 Zweites Blatt
OasHandwerk im deuffchenWiederaufbau
Bilder berichten aus der Geschichte des Handwerks unserer Heimat.
Das Zeichen der Schlosser- und Schmiedezunft in Hungen.
Das Zeichen bildet sich aus drei Eisenringen, deren ieder unendlich ineinanderläuft. Das feine Gilde- reichen ist in seiner edlen Form kaum zu übertreffen- (Mus dem Besitz des Oberhess. Museums.)
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Von Ministerialdirekior Dr. Wienbeck, Michskommiffar für den Mittelstand.
Am 28. Oktober versammeln sich die Leiter des deutschen Handwerks in Braunschweig, um die Einstellung dieses alten und wichtigen Berufsstandes zu Staat und Wirtschaft zu besprechen. Wie hoch die Neichsregierung die Aufgaben des Handwerks einschätzt, geht daraus hervor, daß der stellvertretende Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht und der Leiter der Arbeitsfront Dr. Ley dort das Wort ergreifen werden..
Seit der Machtergreifung am 30. Januar 1933 hat sich die Gesamtlage des Handwerks bereits ent- scheidend geändert. Es ist möglich gewesen, durch das Handwerkergesetz vom November 1933 und durch die Ausführungsverordnung vom Juni 1934 den langjährigen Wunsch nach Pflichtorganisation durchzuführen Diese Gesamtzusammenfassung des Handwerks war notwendig, um Rechte und Pflichten des Berufsstandes gleichmäßig auf alle Berufsgenossen verteilen zu können, während sich in früheren Zeiten ein großer Teil von ihnen jeder Verpflichtung zu entziehen wußte. Wenn aber heute der Staat selbst einen gewerblichen Nachwuchs fordert, der technisch so gut wie möglich ausgebildet und in seinen Persönlichkeiten ein treuer Vorkämpfer des Staatsgedankens sein soll, so muß er auch die Gewißheit haben, daß sich niemand von dieser Aufgabe fernhalten kann. Er muh aber auch bei
Die Jnnungslade der Gießener Vöckerinnung.
Im Besitze verschiedener Gießener Innungen befinden sich noch schöne alte Zunftladen, in denen die Dokumente der Zünfte vergangener Jahrhunderte aufbewahrt wurden. Die Truhen dienen auch heute noch diesem Zwecke. Das vorstehende Bild zeigt die aus dem Jahre 1617 stammende Lade der Gießener Bäckerinnung. Das kostbare Stück Handarbeit ist mit reicher Schnitzerei versehen und zeigt in dunkler und Heller Beizung Brote und Brezeln als Zeichen des Berufes. Die Truhe wird auf eigenartige Weise verschlossen: In dem erhaben herausgearbeiteten Deckel befindet sich ein Schieber, der erst beseitigt werden muß, wenn man zu den Schlüsseln und den Schlüssellöchern gelangen will. Die Truhe steht jetzt im Hause des gegenwärtigen Obermeisters der Bäckerinnung, Bäckermeister S ch o m b e r jun., in der Wall- torstraße, nachdem sie viele Jahre lang von dem früheren Obermeister Willy L o e b e r mit Sorgfalt aufbewahrt worden war.
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Die Fahne der Küfer- und Bierbrauer-Zunft.
In früherer Zeit waren die Bierbrauer und die K ü f e r in einer Zunft vereinigt. Im Oberhessischen Museum befindet sich die F a h n e dieser Zunft. Sie trägt im weißen Feld die Berufswappen der Küfer und der Bierbrauer und zeigt, von einem Eichenkranz umwunden, die Inschrift „Der Kuefer- und Bierbrauer-Zunft in Gießen". Die aus schwerer Seide gefertigte Fahne ist in feinen Farben gehalten. Ein ehrwürdiges Stück aus der Geschichte des Gießener Handwerks.
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der wirtschaftlichen Versorgung mit Aufträgen, mit Steuererleichterungen und Stützungen eine Berufsstandsvertretung zur Verfügung haben, die jeden Berufsgenossen entsprechend betreuen kann. Endlich ist es heute durchaus notwendig, daß es in jedem Einzelhandwerk nur noch einen einzigen Fach- und Innungsoerband in Deutschland geben darf und nicht mehrere Verbände, die in früherer Zeit häufig scharf gegeneinander kämpften, lieber Haupt ist dadurch, daß ein Reichshandwerksmeister und Landeshandwerksmeister als zusammenfassende Persönlichkeiten gegenüber den Innungen, Kammern und Verbänden ernannt worden sind, heute eine viel bessere Grundlage zu nützlicher Gemeinschaftsarbeit geschaffen worden, als sie früher jemals vorhanden war. Man wird nach wie vor erwarten müssen, daß der deutsche Handwerker seine Interessen mit guten Gründen zu vertreten versucht. Man muß aber auch die nötige Grenze der Einzelmeinung gegenüber dem Gesamtziel setzen können. Daher ist durch die Neuorganisation heute schon erreicht worden, daß sich die Handwerkerfrage nicht lediglich in Protesten und sogenannten Notschreien erschöpft, sondern daß man vom Handwerk selbst versucht, die Gründe wirtschaftlicher Mängel zu finden und von hier aus an die Besserung der Lage heranzugehen. Wenn z. B. die Kaufkraft des ganzen Volkes sich vermindert, oder wenn die Einfuhr etwa notwendiger ausländischer Rohstoffe nachläßt, so bleibt auch für das Handwerk kein anderer Ausweg, als sich auf die neue Lage einzustellen, also Ersatzstoffe zu suchen, oder die Produktion dem neuen, vielfach verminderten oder auch nur vereinfachten Bedarf anzupassen. Es ist erfreulich, daß die Spitzenleistung des neu organisierten Handwerks auch die Wege zur Beratung und Erziehung des Handwerks in dieser Richtung gefunden hat.
Eine andere Aufgabe der Gesamtleitung wird es sein, den Nachwuchs des Meisterstandes so zu gehalten, daß unnötiger und unfähiger Zugang ver- mieden wird. Man wird also die Gesellen- und Meisterprüfungen und die Beaufsichtigung der Handwerkslehre so ernst wie möglich nehmen müssen. Es wird damit erreicht werden, daß die Beurteilung des Handwerks sich wirklich nur an die ordnungsmäßig gelernten Handwerker halten darf und nicht, wie es bei der unbeschränkten Ge-
Eine Arbeitsbescheinigung in Gießen aus dem Jahre 1807.
Die Urkunde bestätigt einem Handwerksgesellen, daß er 26 Wochen bei einem Gietzener Meister gearbeitet hat. Das repräsentable Blatt, ein kalligraphisches Kunstwerk, anscheinend im Stahlstich hergestellt, läßt erkennen, daß sich zu jener Zeit schon das heimatliche Handwerk als Träger einer feinen Kultur fühlte und dies auch auf diese Weise zum Ausdruck brachte. — Das Bild unt^r dem Siegel zeigt die Festung Gießen.
werbefreiheit üblich und möglich war, auch an diejenigen, welche ein Handwerk überhaupt nicht oder nur sehr schlecht gelernt haben. Welche Maßnahmen für den sogenannten Berufsschutz, d. h. für Rechte und Pflichten des ordnungsmäßig gelernten Handwerks gegenüber der Gesamtwirtschaft getroffen werden können, wird erörtert, ist aber noch nicht entschieden.
Neben die berufliche Zusammenfassung mit ihren wohltätigen Folgen hat die Regierung des Dritten Reiches bereits eine starke wirtschaftliche Stützung des Handwerks gestellt. Es ist bekannt, daß große Mittel als Zuschüsse für Instandsetzungsarbeiten auf dem Gebiete der Wohnungswirtschaft und zur Stützung der mittelständi- schen Kreditgenossenschaften zur Verfügung gestellt worden sind. Ferner hat das Handwerk durch die großen und neuen Arbeitsaufgaben der Reichsbahn, der Reichspoft ufro. starken Beschäftigungszuwachs bekommen. Besonders hat auch das Reichsfinanzministerium durch Steuermilderung und durch die Bedarfsdeckungswirtschaft das Handwerk wesentlich gefordert. Es ist also eine unbestreitbare Tatsache, daß der Wille der Neichsregierung, den ungeheuren Verfall der Wirtschaft in der marxistischen Zeit aufzuhalten und im Laufe der nächsten Jahre die Wirtschaft vorwärts zu bringen, schon heute ein erfreuliches Ergebnis gehabt hat.
Ueberblickt man jetzt am „Tage des Handwerks" die Fülle der Meinungsäußerungen in der Fachpresse und in den Fachoersammlungen und die zahlreichen Eingaben an Regierungsstellen, so lassen sich trotzdem noch viele Sorgen erkennen, die manchen Handwerkszweig und manchen Einzelbetrieb bedrängen. Der Weg aus Verschuldung und Kreditnot, aus schwieriger Marktlage und anderen Erscheinungen der Zeit'ist für den einzelnen bei dem noch immer sehr großen Wettbewerb in allen Berufen schwer. Die Arbeit des Dritten Reiches hat aber bisher gezeigt, daß die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht aufgegeben zu werden braucht, solange in allen Berufen und auch im Handwerk noch Persönlichkeiten vorhanden find, die mit guter Ausbildung und mit unverzagten Kräften gewillt sind, Kampf und Arbeit an die Stelle des Verzichts und der Klage zu fetzen.
Mochte darum der Tag des Handwerks ein neues Treuegelöbnis dieses wichtigen Berufszweiges zu dem neuen Deutschland Adolf Hitlers fein!
Das Turmkreu; der Gießener Stadtkirche — eine prachtvolle kunftschlofferarbeit!
Das Turmkreuz wurde im Jahre 1699 geschaffen und tat während eines Zeitraumes von 213 Jahren feinen Dienst. Im Jahre 1912 wurde es abgenommen. Die Angeln, in denen sich die Wetterfahne, der doppelt geschwänzte Löwe mit dem G in den Klauen, drehte, waren brüchig geworden. Das Turmkreuz war ehemals vergoldet. Schlossermeister Karl Kreiling' hat nach dem alten Original ein neues Turmkreuz aus Kupfer hergestellt, das von Carl Ludwig Leib vergoldet wurde und jetzt unseren Gießener Stadtkirchenturm krönt. Die ehrwürdige Kunstschlosserarbeit, die wir hier im Bilde zeigen, ist im Treppenaufgang des Oberhessischen Museums zu sehen.
Die kloppsäge, ein alles Handwerkszeug der Schreiner.
Dieses Werkzeug ist heute fast vergessen. Es mußte von zwei Mann gehandhabt werden. Die Säge, die unser Bild zeigt, befindet sich im Besitz des Schreinermeisters Lenz in Gießen, Frankfurter Straße, und wird als ein historisches Stück aus der Zeit der Väter in allen Ehren gehalten.


