Nr. 252 Erstes Blatt
184. Zahrgang
Samstag, 27. Oktober 1934
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Die Welt in Waffen.
Aus den internationalen Erörterungen ist seit Dlonaten das Wort „21 b r ü ft u n g" verschwunden. Nit der nichtssagenden, praktisch wertlosen Entschließung des Hauptausschusses vom 8. Juni d. I., ils geradezu kläglichem „Ergebnis" zweieinhalbjähriger Arbeit, dürfte die Abrüstungskonferenz ihr stztes Lebenszeichen gegeben haben. Wenigstens i't Hendersons schüchterner Versuch ihrer Wiederbelebung gelegentlich der letzten Genfer Tagungen wirkungslos verpufft. Ueber ihren Wiederzufam- nentritt hört man nichts mehr. „Der Lazarus der lbrüftungskonferenz liegt", um mit Mussolini zu ; prechen, „unter den Panzern und Geschützen begaben und wird kaum wieder aufzuerwecken sein." Um das völlige Fiasko aller Abrüstungsbemühun- cn nicht offen eingestehen zu müssen, haben die ir das Scheitern der Konferenz verantwortlichen Nächte ein neues Thema angeschlagen, oder treffen- er ausgedrückt, ein altes an die erste Stelle gerückt: die Organisierung der Sicherheit, ndern man die „Sicherheit" vor die Abrüstung ' wellte, ritt man ein altes französisches Steckenpferd. Eber auch dieser Weg hat bisher keinen Schritt »eitergeführt. Der Östpakt, der das französische Sicherheitssystem krönen sollte, scheint zerplatzt, /Ian hat sich in eine Sackgasse verrannt, aus der ch vor der Hand kein gangbarer Ausweg zeigt.
Die Begleitmusik der Verhandlungen über die 6 icherheit ist allseitige A u f r ü st u n g. „Ein Fieber )»s Militarismus, das an Wahnsinn grenzt, fegt (wer Europa hinweg", so stellte kürzlich die „Times" isst. Die Aufrüstungen werden mehr oder minder Gütlich mit dem Scheitern der Abrüstungskonferenz !»gründet. Ebenso deutlich wird für das Scheitern Abrüstungskonferenz aber nicht etwa der man- etfnbe Abrüstungswille der hochgerüsteten Staaten, | ndern die angebliche „Aufrüstung" des Deutschen Reiches verantwortlich gemacht. Die „friedliebenden" Völker müssen sich vor einem deutschen „Angriff" stützen! Ist es zwar Wahnsinn, dem durch Ver- s illes entwaffneten, nicht einmal zu seiner Ver- tndigung fähigen Deutschen Reiche Angriffsabsichten c-izudichten, so hat es doch leider Methode. Denn Le angebliche deutsche „Aufrüstung" ist für die lochgerüsteten Staaten ein Vorwand zu weiterem inisbau ihrer Rüstungen.
In allen Ländern der Welt steigt trotz der wirt- stiastlichen Depression, unter der sie leidet, die yiistungskurve an. Das Wort von der „ W e l t in I-affen" ist heute berechtigter denn je. Die Welt i[ 1934 noch stärker und furchtbarer gerüstet als 144. Die Aufrüstungsmaßnahmen der ohnehin (tion größtenteils bis an die Zähne bewaffneten er oßen europäischen Staaten überstürzen sich förm- lch. Das gilt in gleicher Weise für das Heer, wie f. r die ßuftftreitfräfte und für die Marine.
Die Verstärkung der Flottenrüstung, wie sie von den in Frage kommenden Mächten betrieben wird, { winnt ihr besonderes Gesicht im Zeichen der Vor- 1 reitungen für die Flottenkonferenz im lnhre 1935. Jede der großen Seemächte will mit üöglichst starken Trümpfen am Verhandlungstisch I e' scheinen. Einige kleine Stichproben mögen den Wettlauf der Seerüstungen veranschaulichen. In den 8« reinigten Staaten von Amerika sehen $i:r Zeit 52 Kriegsschiffe mit einer Gesamttonnage Dxn rund 225 000 Tonnen ihrer Fertigstellung entgegen. Durch die sogenannte Vinson-Bill, die am 2". März durch die Unterschrift des Präsidenten 8«chtskraft erlangte, wird ihm die Ermächtigung ettteiü, die Jnbaugabe von weiteren 183 000 Tonnen n verfügen. Durch ein ergänzendes Gesetz wurde bse gleichmäßige Verteilung der sich aus der Vinson- üill ergebenden 102 Schiffe auf die Jahre 1935 bis 1'1*39 vorgenommen, und zwar soll sich das Bauti npo von 24 Schiffen im Jahre 1934 allmählich amf 18 Schiffe im Jahre 1939 vermindern. Englund beginnt sich wieder auf seine traditionelle Dlle als führende Seemacht der Welt zu besinnen mb scheint entschlossen, seine Flotte künftig aus- s^Ueßlich entsprechend den militärischen Erforder- nßsen aufzubauen. Der Marinehaushalt 1934/35 marbe gegenüber dem vom Vorjahre um 2 980 000 f-sunb auf 56 500 000 Pfund erhöht. Im Bau befinden sich 61 Schiffe mit rund 129 766 To., bewilligt sind 25 Schiffe mit 76 950 To., unter anderen b:.ei Kreuzer von je 9000 Tonnen. Entgegen dem bsherigen Brauche sollen diese 25 Neubauten ins- g'samt bereits in diesem Jahre in Bau gegeben norden. Die Erhöhung des japanischen JJi a = linehaushaltes auf rund 488 Millionen Jen kenn- p.chnet den festen Willen der Regierung und des iranischen Volkes, dem Lande eine Flotte zu scyas- fn, die Japans maritime Belange gegen Deni 2ln» ffiiff jeder Macht mit Erfolg zu verteidigen befähigt V'-. Jtalien hat den Bau von zwei Riesenfchlacht- foiffen von je 35 000 Tonnen beschlossen, von be- r’*n das eine am Jahrestage des Marsches auf Jwm bereits auf Stapel gelegt werden soll. Der Bau dieser beiden Schlachtschiffe ist eine Gegenmaßnahme Ingen den Bau eines zweiten Linienschiffes der lonzösischen „Dünkirchens-Klasse und dem militäri- d.en Ausbau der Küste Korsikas. Als Gegenzug finbigt Frankreich die Jnbaugabe eines dritten Linienschiffes vor Zusammentritt der Flottenkonfe- ke,z an. Weiterhin sind großangelegte Befestigun- gen der Kanalküste, so der Bau einer „Mauer aus ktahl und Eisen^ längs der Kanalküste mit Boben- forts und schwersten Küstengeschützen, die Schaf- fu-ig eines mächtigen Ubootstützpunktes in Calais w) die Verlängerung der französischen Ostbefesti- luigen bis zur Kanalküste geplant.
Die Sicherheit^ Frankreichs verlangt von den irfen Tagen eines Konflikts an Angriffsoperatio- lei ebenso sehr wie den Widerstand in der Ver- iiNigung die Stoßarmee ebenso wie die Festungs- eutzungstruppen, das Schwert ebenso wie den _ Unter diesen Gesichtspunkten vollzieht tf bie französische Aufrüstung. In den
Wird Japan mit sich reden lassen?
Oie Gleichheit der Flottenstärken der Angelpunkt der Londoner Konferenz.
Politik auf dem Golfplatz. Der Aufmarsch der Parteien.
London, 26. Okt. (DNB.) Der amerikanische Abrüstungsdelegierte Norman Davis spielt am Samstag mit dem japanischen Botschafter M a t s u - deira Golf. Beide werden den Tag allein a u f dem Golfplatz verbringen und miteinander frühstücken. Man erwartet, daß Matsudeira dem amerikanischen Vertreter die japanischen Vorschläge für die Flottenkonferenz darlegen wird, wie dies am Freitag von den Japanern gegenüber den britischen Vertretern geschehen ist.
„Time s" ist in der Lage, nähere Einzelheiten über die japanischen Vorschläge mitzuteilen. Die Japaner unterscheiden zwischen offensiven und defensiven Waffen. Zu den offensiven Waf- f e n gehören Flugzeugmutterschiffe, Großkampfschiffe und Kreuzer der -^-Klasse, d. h. Kreuzer mit Geschützen von mehr als 15 Zentimeter Kaliber. Japan schlägt nun vor, diese Kategorien soweit wie möglich zu begrenzen. So ist Japan bereit, Flugzeugmutterschiffe völlig abzuschaf - fen. Die defensive Kategorie von Kriegsschiffen soll aus kleineren Kreuzern (mit Geschützen von 15 Zentimeter Kaliber), Zerstörern und U.-Booten bestehen. Für diese drei Schiffsklassen soll eine G e - samttonnage festgesetzt werden, die für die drei großen Seemächte gleich hoch sein soll. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Japan würden dann das Recht haben, die Gesamttonnage auf drei Schi-ffsarten ganz nach eigenem Belieben zu verteilen. Es verlautet auch, daß die japanische Delegation zwar in jeder Beziehung eine theoretische Gleichheit mit Groß-Britannien und den Vereinigten Staaten verlange, zugleich aber andeute, daß die japanische Regierung nicht unbedingt bis zur Höchstgrenze bauen werde, sondern sich dazu nur im Notfälle entschließen werde.
Ueber die Haltung der Amerikaner schreibt die „Times": Bisher deute nichts daraufhin, baß die Amerikaner bereit feien, bie im Washingtoner Vertrag festgesetzten Maßstäbe aufzugeben. Leichte Abänderungen würden vereinbart werden können, aber das Verhältnis 5:5:3 für Amerika, England und Japan wird schon deshalb als grundlegend betrachtet, weil die Japaner bei diesem Stärkeverhältnis in ihren heimis ch e n Gewässern bereits unangreifbar seien.
Japan wird dem entgegenhalten, daß die amerika- i nische Flotte in ihren heimischen Gewässern gleich-! falls unangreifbar sei und daß die Gleichheit der japanischen Flotte in dieser Beziehung keinen Unterschied machen würde, ganz besonders, wenn der japanische Vorschlag auf energische Einschränkung der Großkampfschiffe Annahme fände.
Die britischen Vertreter hätten sich bisher im wesentlichen auf das Anhören der Vorschläge der beiden anderen Parteien beschränkt. Doch seien bestimmte britische Bedürfnisse bereits geäußert
worden und zwar vermutlich hinsichtlich der Zahl der britischen Kreuzer. Die „Times" schließt: Die Hauptschwierigkeit bleibt die Frage, ob das Stärkeverhältnis 5:5:3 aufrechterhalten werden soll. In Tokio sei erklärt worden, daß Japan keinen neuen Vertrag auf dieser Grundlage unterzeichnen werde und nötigenfalls den Washingtoner Vertrag vor Ende dieses Jahres kündigen werde, d. h. zwei Jahre vor Ablauf feiner Gültigkeit.
Kein ErdöiMvnopol
in der Mandfchu» ei.
Mandschnkno lehnt den amerikanisch- britischen Einspruch ab.
DNB. H s i n g k i a n g , 27. Okt. Aus den englischen Schritt gegen die angeblich beabsichtigte Einführung eines Erdölmonopols in Mandschukuo hat die mandschurische Regierung dem
London, 27. Okt. (DNB.-Funkspruch.) Der Marine-Berichterstatter der „Times" zieht aus , einem Vergleich der Großkampfschiffe Englands, ; Frankreichs, Italiens und Deutschlands Schlüsse 1 auf die Rückständigkeit der britischen Schlachtflotte. Das 1932 auf Stapel gelegte französische Linienschiff „Dunkerque" hat mit feinen 26 500 Tonnen und acht 32,5-Zenti- meter-Geschützen eine Größe und Kampfkraft mittlerer Art, während die beiden italienischen Schlachtkreuzer „Vittorio Veneto" und „Lit- torio", die am morgigen Sonntag auf Stapel gelegt werden sollen, die vertraglich zulässige H ö ch st- [stärke erhalten werden: 35000 Tonnen und Ge- I schütze von 40-Zentimeter-Kaliber. Zu der Zeit, wo j bie Pläne für die „Dunkerque" fertiggestellt wur- ' Öen, war der neueste Panzerschifftyp die ! „Deutschlan d", die eine Wasserverdrängung von 10 000 Tonnen besitzt, mit sechs Geschützen von j 27,5 Zentimeter ausgerüstet ist und eine Geschwin- ' digkeit von 26 Knoten besitzt.
Die britische Marine, ebenso wie die japanische und amerikanische, ist durch den Flottenvertrag verhindert, vor Ablauf des Jahres 1936 ein neues Schlachtschiff auf Stapel zu legen. Infolge der hohen Geschwindigkeiten der neuen Kriegsschiffe der Festlandmächte (26 bis 30 Knoten) würde feines ber vorhanbenen britischen Schlachtschiffe imftanbe fein, sie zu überholen. Nur bie Schlachtkreuzer „Hoob", „Renown" unb „Repulse" sinb schnell unb stark genug, um ein Schiss ber „Deutschlan d"-
englischen Konsul mitgeteilt, daß die Angaben, auf die die englische Note sich stütze, nicht den Tatsachen entsprächen. Die Frage eines staatlichen Erdölmonopols sei zwar geprüft worden, aber ein Gesetzentwurf sei bisher weder vom Kaiser noch vom Kabinett bestätigt worden. Die Regierung habe festgestellt, daß der Erdölmarkt sich in einem Chaos befinde. Die Regierung erinnert an den Preiskrieg zwischen den Weltkonzernen Shell und Standard Oil einerseits und dem sowjetrussischen Erdölsyndikat andererseits. Der Konkurrenzkampf dieser drei Firmen habe auf den mandschurischen Markt zerrüttend gewirkt. Die Regierung behalte sich vor, Preise unb Einfuhrmengen zu kontrollieren. Der englisch-amerikanische Einspruch gegen manbschurische Monopolpläne müsse aber auch schon besweaen zurückgewiesen werben, weil zwischen ber Manbschurei unb ber amerikanischen wie ber englischen Regierung bis jetzt kein vertragliches Verhältnis bestehe unb beibe Regierungen es bisher abgelehnt hätten, Manbschukuo a n • zuerkennen.
Klasse mit günstigen Aussichten angreifen zu können. Nur ber „Hoob" könnte ein Schiff ber „Dunkerque" - Klafse mit günstigen Aussichten angreifen. Kein britisches Schiff aber könnte hoffen, es mit ben neuenitalienischen Schiffen unter annähernb gleichen Bebingungen aufzunehmen. Die brei erwähnten britischen Schlachtkreuzer würben vor beinahe 20 Jahren entworfen unb haben Geschütze von 37,5 Zentimeter, währenb bie italienischen Schiffe mit Geschützen von 40 Zentimeter ausgerüstet fein werben.
Doumergue und die Radikalsozialisien.
Herriot erhält freie Hand.
Paris, 27. Okt. (DNB.) Auf dem rabikalsozia- listifchen Parteitag in Nantes würbe von ben Vereinigten Ausschüssen für Staatsteform unb für allgemeine Politik mit allen gegen vier Stimmen eine Entschließung angenommen, in ber es u. a. heißt: .
Der Parteitag ist bereit, sich jeber -Reform anzuschließen, bie ein sicheres 21 r- beiten bes Staates bezweckt. Er kann aber gegebenenfalls feine Zustimmung nicht zu Maßnahmen geben, bie bie Gefahr mit sich bringen, in Zukunft bie persönliche Machtausübung [entgegen ben republikanischen Freiheiten zu begünstigen. Diese Entschließung, so
Mische Besorgnisse öder die RWändigkett der Kriegsflotte.
Jahren van 1928 bis 1934 hat Frankreich für fein Heer 102,2 Milliarben, bas heißt burchfchnittlich 14,6 Milliarben Franken jährlich ausgegeben. Nach vorübergehenber Herabsetzung bes Heereshaushal- tes im Jahre 1933 auf 13,8 Milliarben würbe er 1934 roieber auf 16,9 Milliarben Franken erhöht. Täglich gibt Frankreich 46 Millionen Franken für Wehrzwecke aus. Jeber Franzose trägt burch eine jährliche Steuerzahlung von 420 Franken bazu bei.
Die Kosten für bie Ostbefestigungen verschlangen bie Riesensumme von 3800 Millionen Franken: ursprünglich waren bie Kosten auf 2300 Millionen veranschlagt. Da bie bisherigen Krebite nicht ausreichten, würbe ein außervrbentlicher Nachtrags- krebit in Höhe von 1175 Millionen Franken ange- forbert unb bewilligt, bavon unter anberem 305 Millionen Franken zur Schaffung einer neuen Ver- teibigungslinie bei Montmeby unb an ber fran- zösifch-saarlänbischen Grenze. Zur Stärkung ber Schlagkraft ber Armee werben jetzt brei weitere norbafrikanische Schützenregimenter nach Frankreich verlegt: baneben läuft eine gesteigerte Motorisierung ber französischen Kavallerie unb Artillerie: von ben insgesamt verfügbaren 243 Schwabrvnen sinb bereits über 100, von ben 362 leichten Batterien 50, von ben 253 schweren Batterien gegen 100 motorisiert. Für Materialbeschaffung beim Heer, Flugwesen unb Befestigungen sieht ber Voranschlag von 1935 1,8 Milliarben Franken vor.
Mit am stärksten ist bie Aufrüstung in der Luft. Die gesamte Luftfahrt soll militarisiert werden: so ist bie Besetzung ber wichtigsten Zivilstellen burch Offiziere, bie Schaffung von Luftfahrtbezirken, bie Gründung einer Luftfahrtschule, die Ausbildung van Luftflotteneinheiten und Maßnahmen für ben Mobilmachungsfall vorgesehen. Zur Zeit verfügt Frankreich über 5400 Militärflugzeuge, unter anberen über 370 moberne Bomber. Bis 1935 sollen insgesamt 1440 Flugzeuge, bie außerhalb bes normalen Bauprogramms hergestellt werben, in Dienst gestellt werben, unter anberem 220 schnelle Großkampfflugzeuge, 220 Bombenflugzeuge mobernster Konstruktion und 315 Beobachtungsflugzeuge. Eine starke Bombengeschwaderflotte soll geschaffen werden. Zu ihrer Sicherung soll die Flugzeugindustrie aus den Grenzgebieten nach dem Innern des Landes verlegt werden.
Italien legt entsprechend dem Grundsatz Mus
solinis: „Das faschistische Italien muß militaristisch sein", besonderen Wert auf die vormilitärische Ausbildung der Jugend, die um ein Jahr verlängert wurde, das heißt bis zum Beginn des eigentlichen Militärdienstes. Hand in Hand damit laufen Maßnahmen zur allmählichen völligen Angleichung der Schwarzhemdenbataillone an die Infanterie des Heeres durch Neuregelung der Bewaffnung und Ausrüstung. Den kommandierenden Generalen des Frontheeres wird eine vermehrte Einflußnahme auf die Ausbildung der Parteiorganisationen eingeräumt. Auch die Unterstellung der Schießplätze der privaten Vereine und Gemeinden unter staatliche Aufsicht und die Uebernahme der Verwaltung durch den Kriegsminister muß man als eine Ergänzung ber militaristischen Pläne Italiens betrachten. Dazu kommen rein militärische Maßnahmen: Einrichtung von befonberen Lehrregimentern für die Ausbildung der Reserveoffiziere und Unteroffizieranwärter. — Versuch mit verkürzter Dienstzeit im Heer (drei Monate) bei Herbsteinstellung der Rekruten. Zweck: Erprobung der Möglichkeit für Einstellung des ganzen Jahreskontingents (bisher etwa 60 000 dienstfrei). Ziel: Verkürzung der Dienstzeit durch verbesserte Jugendausbildung. — Bewilligung von drei Milliarden Lire für außerordentliche Ergänzung der Luftrüstung, davon zunächst eine Milliarde für neue Flugzeuge in den Jahren 1934/40. — Errichtung einer Fliegerschule in Grottaglie. Baubeginn des neuen Flugplatzes in Mailand (Kosten 60 Millionen Lire, Bauzeit drei Jahre). — Einrichtung nachmilitärischer Kurse (-Reserve- übungen) in Turin für Unteroffiziere und Spezialisten der Reserve der Artillerie. — Bewilligung von 480 Millionen Lire Nachtragskredite für Marineneubauten in den nächsten fünf Jahren (als unmittelbare Folge des Scheiterns der Abrüstungskonferenz), davon 50 Millionen für 1935/36.
Der englische Heereshaushalt mußte um 1 650 0Ö0 Pfund auf 39 600 000 Pfund erhöht werden Das Ziel der englischen Heeresaufrustung läuft auf die Aufstellung einer Expeditions- armee von sechs Divisionen hinaus, bie bereits im Frieben vollstänbig kriegsmäßig ausgerüstet ist ' unb Flugeinheiten zugeteilt erhalt bie unabhängig von ber'ßuftDerteibigung Englanbs sinb. ßebiglid) der ßanbesoerteibigung bienenb würbe aus früheren Solbaten ber regulären unb ber Territorialarmee ein „Königliches Derteidlgungs-
k o r p s" geschaffen. Die Stärke der regulären Armee im Mutterlande beträgt 145 500 Mann: bie Gesamtstärke einschließlich Uebersee ist auf 458 851 Mann unb 57 665 Mann britischer Truppen auf inbischem Etat vorgesehen, was eine — wenn auch nur geringfügige — Erhöhung gegenüber bem letzten Staube barstellt. Jeber ber in Englanb befinb» lichen Jnfanteriebivisionen, bie ben Kern bes Expeditionsheeres bilden, soll mit einer Tankdrigade ausgestattet werden. Eine zweite Tankbrigade wird im Rahmen des Heereshaushaltes 1935/36 vorgesehen. Neben all diesen Truppen wird ein neues „königliches V e r t e i d i g u n g s k o r p s " geschaffen, das, aus früheren Soldaten der regulären und der territorialen Armee bestehend, ausschließlich der ßandesverteidigung dienen soll. An weiteren Maßnahmen ist die Einstellung von Sachverständigen in der Belieferungsabteilung des Kriegsministeriums vorgesehen, die die Pläne für die Beschleunigung und Erhöhung der Kriegsmateriallieserungen im Mobilmachungsfall vorbereitet und auch mit der Feststellung der Fabriken zu tun haben, die im Kriegsfälle a u f Kriegs- fabri kation u m g e ft e 111 werden sollen. So- dann soll das Armeearsenal Woolwich in das Innere des ßanbes verlegt werben, ba es bei Flugzeugangriffen ober Geschützfeuer vom Festlanbe ge- fährbet erscheint. Gewaltig sinb bie Anstrengungen Englanbs auf bem Gebiete der ßuftaus- rüftung. Zur Herbeiführung der Gleichheit zwischen den englischen und den französischen ßuftstreit- kräften wird bie Geschwaberzahl bis zum Jahre 1940 von 94 auf 131 erhöht. Während England Ende 1934 über 910 Frontflugzeuge verfügt, wird es 1938 voraussichtlich über 1572 Flugzeuge erster und 130 zweiter ßinie verfügen. Daneben ist bie Errichtung van 12 bis 15 neuen Kriegsflugplatzen geplant.
Die ganze Welt rüstet: die ganze Welt rüstet auf. Aber immer noch wollen gewisse Mächte es Deutschland verwehren, auch für feine Sicherheit zu sorgen und durch eine Angleichung der deutschen „Rüstung" an die ber anderen Mächte gerechte und vernünftige Rüstungsverhältnisse herzustellen. Die anderen Mächte ziehen bie Folgerungen aus bem von ihnen verschulbeten Scheitern ber Abrüstungskonferenz. Wann werben sie bereit fein, bie notwenbigen Folgen auch für das Deutsche Reich anzuerkennen?


