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Nr. 226 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderheffen) Donnerstag. 27. Zevtember 1934

LinienschiffHessen" außer Dienst gestellt

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Am 25. September ist das LinienschiffHessen" zur Außerdienststellung von Kiel nach Wilhelms­haven in See gegangen. Damit wird auf dem ältesten Schiffe der Reichsmarine die Flagge niedergeholt. DieHessen" ist in Kiel auf der Germaniawerft in den Jahren 1902 bis 1906 erbaut worden. Der Stapel­lauf erfolgte am 18. September 1903, also vor ge­nau 31 Jahren. Nach der Indienststellung im Frühjahr 1906 wurde dieHessen" dem damali­gen 2. Geschwader zugeteilt, in dessen Verband sie a n der Skagerrak-Schlacht teilnabm. Im

weiteren Verlaufe des Krieges wurden die Schiffe des zweiten Geschwaders wegen ihres hohen Alters und des nicht mehr genügenden Gefechtswertes nach und nach außer Dienst gestellt bzw. außer­halb des Verbandes der Hochseeflotte verwendet. Die Folgen des Versailler Vertrages zwangen die Reichsmarine, die veralteteHessen" im Jahre 1925 wieder in Dienst zu stellen, bis nunmehr nach 29jähriger Dienstzeit die endgültige Außerdienststel­lung erfolgt. DieHessen"-Vesatzung wird demnächst das PanzerschiffAdmiral Scheer" in Dienst stell-n

Wundermann in fünf Erdteilen.

Meine Erlebnisse mit Garrasani.

Von Heinrich Hauser.

Aus Sao Paulo wurde der plötzliche Tod des großen deutschen Zirkusmannes Hans Stosch-Sarrasani gemeldet.

Vor einer Stunde habe ich erfahren, daß er gestorben ist im Krankenhaus von Sao Paulo. Und jetzt ist mir, als müßte jeden Augenblick das Telephon läuten, als müßte nach einem heiseren Räuspern, einem Ankurbeln der Stimme das eine Wort ertönen:Ol6!"

Oft hat er bei mir angerufen, immer über­raschend, immer zu den unwahrscheinlichsten Tages­zeiten. Und jedesmal hat sie mir einen Ruck ge­geben, diese heisere Stimme des alten Dompteurs und dies erste Wort, sein Kennwort:Die!" Diese Stimme soll ich nun nie mehr vernehmen, wie seltsam, wie unbegreiflich.

Die!", das Wort ist irgendeine Aufforderung der Elefantendressur gewesen. Elefantendressur war die große Leistung Sarrasanis als Dompteur, ja man darf sagen, daß der Elefant sein Schicksal gewesen ist. Er führte die größte und vollkommenste Elefantengruppe vor, die es im Zirkus jemals ge­geben hat und führt sie fünfundzwanzig Jahre. Er verwuchs mit seinen Tieren und alterte mit ihnen. Er stand ihnen so unheimlich nahe, daß eine schöne Frau, die ihn brennend gerne kennenlernen wollte, nach der Begegnung ganz erschrocken ausrief:Das ist ja gar kein Mensch, das ist ja der Kopf eines alten Elefanten?" Es war eine Eingebung jener Hellsichtigkeit, die Frauen zuweilen haben: sie hatte recht, so war es.

Viele, viele Male haben Elefanten Stoschs Leben in Gefahr gebracht, viele Male haben seine Lieb­lingselefanten ihn vor Angriffen gerettet und viele Male hat er sein Leben für sie eingesetzt. Als im Breslauer Zoo ein bösartiger Elefant erschossen werden sollte, erkannte Sarrasani, daß das Tier an furchtbaren Zahnschmerzen litt. Dhne Fesseln und ohne Betäubung schnitt er ihm mit einer Säge den kranken Staßzcchn auf. Das Tier litt furchtbar, bis der Eiter spritzte, aber es duldete, weil dieser Mensch ihm innerlich ganz nahe war, und es wurde geheilt.

Als in der Nacht vom 12. Januar 1932 in Ant­werpen der große Zirkusbrand geschah, da waren die beiden Stoschs, Vater und Sohn, die einzigen, die es wagten, in den brennenden Ele- fantenftan einzudringen. Zwölf von zweiundzwanzig Tieren lösten sie von den schon fast glühenden Ketten. Verbrannt, die Haut in Fetzen wie ein zerlumpter Mantel herunterhänaend, rasten die Tiere brüllend in die Nacht. Den materiellen Scha­den hat Stosch gutmachen können, die Stunde, als seine Arbeitskameraden jammervoll verbrannt, mit entsetzlichen Wunden rings um ibn starben, als Tränen und Blutstropfen unaufhörlich aus ihren Augen rannen, diese furchtbare Stunde hat er nie verwinden können. Wie bei manchen feinfühligen Menschen war sein Körper ganz von den Nerven her bedingt: er ist seitdem nie mehr gesund ge­worden.

Die Inschrift an der Wand seines Arbeitszimmers in der alten134" (Zirkuswohnwagen heißen nach

ihren Nummern und sind weiblichen Geschlechts) trog nicht:Ich habe die Menschen kennengelernt und liebe nur noch Tiere". Gegen Menschen konnte er hart und brutal sein, vor Tieren schmolz sein Herz. Er war sentimental im guten Sinn. Eine ganze Herde von altgedienten Pferden, Ponys, Eseln, Hunden bekam von ihm das Gnadenbrot. Erstaunlich war es, wie diese Tiere genau zu emp­finden schienen, was sie ihm und nur ihm zu ver­danken hatten. So besaß er die allersonderbarste Leibwache von Gänsen. Irgendwo in Süd­amerika bekam er sie als Geschenk, gedacht als Sonntagsbraten, aber er brachte es nie übers Herz, sie wirklich aufzuessen, sie lebten zwischen den vier Rädern seines Wohnwagens, sie zischten darunter hervor nach den Beinen fremder Besucher und spiegelten sich gerne in den messingnen Radnaben, diese eitlen und durchaus nicht dummen Geschöpfe.

Man muß sich hüten, nicht von einer Anekdote in die andre zu verfallen, es gibt unzählige. Seine größte Begabung war die der Organisation. Sein Apparat von zwei riesigen Zelten mit je zehntausend Menschen Fassungsraum, von drei­hundert motorisierten Zirkuswagen mit Anhängern, von tausend Mann Personal und ebensovielen Tieren aller Art, mit eigner Kraftzentrale, eigner Feuerwehr, Flugzeugen und so fort, das war eine Armee auf dem Marsch. Eine so glänzend diszipli­nierte und geführte Armee, daß Generalstäbe frem­der Länder sich nicht scheuten, hier in die Schule zu gehen. Es war kein Zufall, sondern eine kon­geniale Begabung, die Stosch-Sarrasani zum Freund von Hugo S t i n n e s werden ließ.

Sein riesenhafter Zirkus, in den besten Zeiten der größte, den es je gegeben hat, war ganz feine Schöpfung. Er war ein Selfmademan, obwohl er einer alten, guten Familie entstammte. Vom Stall­

burschen arbeitete er sich zum selbständigen Artisten herauf, vom Artisten zum Unternehmer. Er begann mit einer Clownnummer, verbunden mit Hunde- und Affendressur. In seinem Wohnwagen standen und stehen wohl heute noch ein Dutzend versiegelte Flaschen, die einen seltsam grauen Inhalt zeigen. Die stammen aus seinen Anfangsjahren: auf einer Tournee durch Rußland wunderte er sich, w i e viele Flöhe feine Tiere hatten, und der Kuriosität halber fing er an sie in Flaschen zu sammeln. Aber wir dürfen nicht wieder in Anekdoten verfallen.

Er war besessen von seinem Lebenswerk. Alles was er verdiente, und in den fetten Jahren waren feine Einnahmen manchmal enorm, das legte er im Unternehmen selber an. Das einzige, was man als Reserven oder Kapital ansehen konnte, waren einige sehr große Brillanten, die er in ein Taschentuch geknotet in der Hosentasche bei sich führte. Es war dies das Taschentuch, mit dem er feinen Elefanten die Rüssel abzuwischen pflegte, wenn er ihnen Zucker gab, kein Mensch hätte es von der Straße aufgehoben, es war ein enorm schmutziges Taschentuch. Wenn er es aufknotete, war die Ueberrafchung daher um so größer.

Nun ist er also tot, der Wundermann: noch kann ich es kaum glauben. Kein Telephonanruf mehr um Mitternacht, kein Brief mehr mit Löwen auf dem Umschlag und mit golönen Lettern, kein Zelt mehr mit Girlanden bunter Lichter, keine Lagerstadt mehr mit grün-weißen fahrenden Häusern, keine argentinische Musik, kein Singen der Dnnamos, kein Summen der Erregung großer Menschen­massen, kein Zirkusmief nach Pferdestall und Raub­tier, nach Schweiß und Sägemehl und hundert Dingen, für die es keine Worte gibt. Es bleibt die Sehnsucht.

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Amerika nimmt an den Olympischen Spielen teil.

Der amerikanische OlympiaAusschuh Hal be­schlossen, die Einladung Deutschlands zur Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin an­zunehmen.

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Deutscher Dank für die amerikanische Teilnahme an den Olympischen Spielen.

Der Präsident des Drganifationsausfchufses für die II. Dlyrnpia in Berlin 1936, Staatssekretär a. D. L e w a l d , bat dem Präsidenten des amerikanischen Dlympia-Ausschusses in einem Danktelegramm seine tiefe Befriedigung und aufrichtige Freude darüber ausgesprochen, daß der amerika­nische Dlympia-Ausschuß die deutsche Einladung zu den Olympischen Spielen angenommen hat. Deutschland werde, heißt es in dem Telegramm, mit offenen Armen die ausgezeichneten amerikanischen Athleten, die zu den Winterspielen nach Garmisch- Partenkirchen und zu den Hauptspielen nach Berlin kämen, empfangen.

Leichtathletik-Kamps Gau Mitte gegen Gau Nordhessen in Erfurt.

Der schon lange Zeit geplante, seinerzeit ausge­fallene leichtathletische Wettkampf zwischen den Gauen Mitte und Nordhessen wird am Sonntag in Erfurt ausaetraaen. Die Vertretung des Gaues Nordhessen wird in der Hauptsache aus den Kasseler Vereinen Messen-Preußen, Turngemeinde und Kur­hessen gebildet.

Gaufußball -Z-ackwart Heini Weber zurückgetreten.

Der Gau-Fußballfachwart des Gaues 12 (Nord­hessen) Heini Weber hat aus Gründen geschäft­licher Ueberlastung sein Amt niedergelegt. Heini Webers Rücktritt wird bedauert, denn er war es, der im Ueberganasjahr die fußballsportlichen Ge­schicke des Gaues Nordhessen mit Sachkenntnis und Umsicht in die heutigen Bahnen lenkte. Heini Weber hat es sich angelegen sein lassen, die besten Kräfte des Gaues zufammenzufaffen, die wiederholt gegen

andere Gauvertretungen achtunggebietende Ergeb« nisfe erzielen konnten. Heini Weber ist auch in Gießen kein Unbekannter.

Deutscher Fußbahbund, Kreis Gießen.

Die Austragung der Spiele am 30. September.

Wohl fallen die Meisterschaftsspiele der Gauliga im Gau 12 (Nordhessen) aus, jedoch können die Vereine innerhalb des Sportkreises Gießen die an- gesetzten Spiele austragen. Wo sich Schwierigkeiten ergeben, sind die Spiele möglichst auf Vormittag zu legen oder Spielverlegung zu beantragen.

Auf alle Fälle haben sich die Vereine in kamerad­schaftlicher Weise gegenseitig zu verständigen.

Der Kreisführer: Henkel.

Lebrgang für Schulturnen und Schwimmen in Friedberg.

Diese Woche begann hier ein 14=tägiger Kursus für Schulturnen und -Schwimmen. Leiter ist Turn­oberlehrer Reinhardt von der Hochschule für Lehrerbildung, dem ü. a. Turnlehrer und Kreis­beauftragter Mohr- Gießen als Mitarbeiter zur Seite steht. Insgesamt zählt der Lehrgang 78 Teil­nehmer, größtenteils jüngere Erzieher (Junglehrer, Referendare, Assessoren usw.). Der Kursus steht aanz im Zeichen des Gemeinschaftsgedankens. Die Kurfisten habe Unterkunft und Verpflegung gemein­sam im Internat der Aufbauschule (früher Lehrer­seminar).

Handball im Männertnrnverein (DT ).

I To. Roth I 4:5 (1:3).

Des Tv. Roths 1. Handballmannschaft weilte am vergangenen Sonntag in Gießen, um gegen den Mtv. das fällige Verbandsspiel auszutragen. Zur größten Ueberrafchung konnte der Gast das Spiel für sich entscheiden und die zwei wertvollen Punkte mit nach Hause nehmen. Ausschlaggebend für die Niederlage des Mtv. war das völlige Versagen der Stürmerreihe. Tv. Roth stellte eine technisch gut durchgebildete und körperlich starke Mannschaft ins Feld. Das Spiel selbst verlief jederzeit spannend und fair. Bis zur Pause hatten sich die Rother eine 3:1-Führung herausqearbeitet. Nach dem Sei­tenwechsel kamen die Männerturner mehr auf und schnürten den Gegner zeitweise ganz in seine Hälfte

WDÄOlilltW

Roman von Anny von panhuyö.

Urheberrechtsschutz^ Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)

(Schluß.)

Trotz der starken, frischen Luft war ihm plötzlich heiß, und er starrte wie auf etwas ganz Unheim­liches, Gespenstisches, auf das Stückchen Mädchen­gesicht, das von dem Kopftuch freigelassen worden war. Eine von der frischen Lust leicht rosig gefärbte Nase zeigte sich, und ein Paar dunkle Augen, die ihn fast herausfordernd anblitzten.

Er trat hastig einen Schritt zurück, fragte erregt: Was bedeutet die Komödie, Donata?"

Die unangenehm hohe Stimme wurde klar und angenehm.

Ich spiele nicht Komödie, Detlef. Ich will nur in die Rolle hineinwachsen, in der du mich doch gern sehen möchtest, wie ich nach deinem bisherigen Ver­halten annehmen muß."

Er zwängte hervor:Ich verstehe dich nicht!"

Sie schob das schwarze Wolltuch, das so völlig ihr Haar und das halbe Gesicht verbarg, ein wenig Zurück, antwortete:

"Ich bin dir doch zu fein, zu vornehm geworden. Ich passe doch nicht mehr zu einem Gärtner, wie bu glaubst. Na also, da will ich mich dir anpassen, und ich denke, auf diese Weise, wie ich heute be­gonnen, gelingt es mir allmählich, so weit zu kom- men, daß ich dir später als deine Frau keine Schande bereite."

Sie lachte ihn mit blitzenden Zähnen an.

Er vermochte nicht zu antworten, schaute die vor ihm Stehende nur immer mit großen Augen an. Von oben bis unten. Musterte das Kopftuch, die dicke, jede Figur entstellende Jacke, den abscheulichen Faltenrock und die breiten Schuhe.

Sie ließ sich betrachten, fragte schließlich:

Nicht wahr, so gefalle ich dir doch? Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich darüber freue. Aber ich will natürlich noch mehr tun, damit ich so werde, ' wie du mich gern haben möchtest. Vor allem beab­sichtige ich, mein Geld ein paar gescheiten Menschen zu schenken, die es unter die Leute bringen, denn

das ist ja heutzutage noch mehr nötig als jemals. Jeder, der Geld hat, soll darüber froh fein, weil er damit alles, was er braucht, gleich hübsch tar be­zahlen kann. Steuern und Zinsen, und weil er den Kaufleuten etwas fürs bare Geld abkaufen kann. Alles Geld, das rollt, hilft Handel und Wandel in Fluß halten. Und deshalb finde ich sicher 'ne Menge Menschen, denen ich mein Geld schenken Fann, damit es dich nicht mehr stört. Wir bleiben lieber unseren Gläubigern schuldig: man kann sich auf diese Weise das Leben angenehm schwer machen, sich und den anderen, die etwas von einem zu fordern haben. Nicht wahr?"

Sie nickte ihm zu.

Mit meinem Vater werde ich natürlich ebenfalls ein ernstes Wort reden. Auch er muß der Vernunft Gehör schenken. Ist doch geradezu blödsinnig von ihm, so ruhmsüchtig auf seine alten Tage zu sein! Ist'-- so lange ohne Erfolg und Anerkennung ge­gangen, kann er es auch bis an sein Lebensende ohne aushalten nicht wahr? Ganz unverständlich hot sich Vater letzthin benommen, und ich begreife dich vollkommen, wie dich das aufregen und em­pören mußte. Ich werde ordentlich mit ihm reden und ihm sagen, wie töricht er sich beträgt. Verlaß dich darauf' Ich mache ihm sein Unrecht gründlich klar? Er soll dem Verleger die Tür weisen und seine Arbeiten wieder meopatfen. Er soll sich lieber mit I kleinen und möglichst untalentierten Musikschülern schlecht und recht durchichlagen und sich schämen wenn einer in seiner Gegenwart von Ruhm und Erfolg spricht. Die Juwelen von Urgroßvater aber muß er selbst wieder einmauern: die direkten Nach­kommen Urgroßvaters sind ja auch ohne solche aus- gefommen."

Sie atmete tief auf:

Ich beton noch, daß ich mich fortan so anziehen werde wie heute, und glaube, lieber Detlef - auf diese Weife werden mir einig, und unsere Verlobung kann bestehen bleiben."

Sein ohnehin gebräuntes Gesicht färbte sich ganz dunkel, und zornig stieß er hervor:

Du machst dich lustig über mich, Donata. Das ist "abscheulich! Dazu sollte dir unsere Liebe doch zu hoch stehen!" .

3hr Lachen schwand jäh. Ihre Augen blitzten ihn an;Ja! Ich machte mich eben Über dich lustig,

denn auf irgendeine Art mußt du doch zu Furieren sein. Also habe ich es mal auf die Art versucht."

Ihr Kopf ruckte zurück, und eine Welle des glän­zenden Braunhaares schob sich tief in die Stirn. Um ihren weichgeschwungenen Mund zuckte es, als sie leise sagte:

Ich Fann auch anders mit dir sprechen, mein Lieber in meinem FranFfurter und Bornheimer Gemengsel!, wie du es mal genannt. Und das will ich tun. Also hör', Bllrschche! Du bist so ä einfältig Stallhäsche, daß man dich bei de Löffel nemme müßt' un dllchtig rumwirbele, damit du 'n bissi zu Verstand Fomme tätft, Dlwel, der du bist? Was willst du dann iwerhaupt, du? Wie hast du mir so en Brief schreiwe dürfe, so en ganz unverschämte? Wann du mich wirFlich liebst, hättest du so was gar net fertig bringe Fönne. Roh war des." Sie trat ganz dicht vor ihn hin.Ich hab' mit deiner Mutter gerebt. Die is g'scheit, un die is meiner Meinung: Ich soll dir mal ordentlich den Kümmel reime. Hier sinn Faane Zuhörer! Hier Fannfts mal zu wisse Friee, roas du bist! En Menschequäler! Hast du mich Heb, bann nemm mich, wie ich bin, aber ab» roppe wie en Geflügel bärfft bu mich net!"

Er stotterte:

Hör' boch auf! Das ist ja nicht zu ertragen! Da­mit werbe ich ja nicht fertig!"

Naa! Ich hör' net eher uff, bis bu entroeber Vernunft aangenomme ober alles zwifche' uns zwaa aus is. Enbgültig un für immer aus."

Sie zog ben Brief aus ber Tasche.

Hier! Ropp bes unselig Papierche in Fetze, nimm mich, wie ich bin, un ich will bir all bei EFlichFeit verzeihe in Bausch un Boge. Den Prinzen hab' ich schon gestern geschaßt. Dem hab' ich g'sagt, baß ich mit bir verlobt bin, un alles ürorige is Quatsch bu bummer, lieber Bub!"

Er lächelte jetzt. Wie sich bie Sonne plötzlich hinter büfterem Gewölk zeigt, so war sein Lächeln plötzlich ba, unb er nahm ben Brief, riß ihn in kleine Fetzen, gab sie bem Novemberwind zum Spiel.

Sie lächelte jetzt auch und schob das häßliche Tuch völlig zurück.

Willst mich boch wohl lieber hübsch sehen als entstellt unb willst boch wohl lieber vorwärts kom­men als zurück? stlso, Detlef, wir finb einig. Vor allem solltest bu es auch deiner Mutter, die sich so

lange Jahre abgerarfert hat, gönnen, daß sie den Rest ihres Lebens sorgenfrei genießen kann. Wollen dem Himmel für alles Gute, zu dem er uns ver« halfen, herzlich danken, unb vor allem schätze bich nicht immer zu armselig ein: bu hast es boch gar nicht nötig. Eure Gärtnerei ist groß unb ge- biegen. Dreihunbert Jahre Sachsenhäuser Gärtner­geschichte stehen bahinter. Darauf mußt bu sehr stolz sein. Ich bin {ebenfalls sehr stolz barauf, beine Gärtnersfrau zu werben, unb mit Vater wirst bu bich auch halb gut verstehen, bas kommt mit ber Zeit alles von selbst, bu ganz abscheulicher Nörgel- peter!"

Er strahlte sie an:

Ich schwäre es dir, Donata, fortan sollst bu dich nicht mehr über mich zu beklagen haben. Alles, was bu tust, wirb mir recht fein!"

Sie nickte zufrieben:

Na, also? Warum denn nicht gleich so?"

Da zog er sie an sich, unb sie küßten sich innig unter ben alten Nußbäumen, vergaßen bie ganze M-'lt um sich herum.

Vom Hause her Farn Charlotte Westkamp Sie lächelte schon von weitem. Sie sah ja: die zwei hatten sich mieberaefunben. Aber aonz dicht mußte sie herantreten, ehe die Liebesleutchen die Mutter ühr-rhaunt bemerFten.

Air lasten sich voneinander schauten mit unsäglich alücklichrn Auaen auf. unb Frau Charlotte reichte iebam bie fianb unb saate bemeot:

Dem Himmel Dank, daß ihr einig geworden seid'"

Donata nickte:

.Sehr einig finb wir' Vallstä"bia ei"ia'" Sie fächle pfähfirf) alorfenhell .Ich glaube Detlef bu weißt noch nicht einmal, baß ich auch fingen Fann. Vater hat mich ein paar rinhre unterrichtet Willst du rfmas hören9 Ja9 Gut .. J"

Sie trat zurück stellte sich in Vnsstur, unb wie ein Jauchzen brach es aus ihrer Kehle:

Mei Schatz is e Gärtner. E Gärtner muß fei.

Der Garten g'hört der Mutter, Doch der Gärtner is mei!"

Nun lachten sie alle drei, und das Lachen rang hinauf zum Himmel, wie eine Glücksfanfare.

Ende,