lichkeiten und Bedingnisse des Feuerschutzes und der Schadensverhütung.
In den Dienst dieser Sache werden der Rundfunk und der Tonfilm gestellt. Ein Film, „Feurio!", ist bereits fertig; der zweite, ein Aufklärungsfilm für Schadensoerhütung, geht seiner Vollendung entgegen. Auch die Wochenschauen werden das Thema Feuerschutz den Kinobesuchern immer wieder vor Augen führen. — Der Rundfunk stellt ein Hörspiel zu dieser Veranstaltung; tägliche Mahnungen aller Sender werden während der Feuerschutzwoche immer wieder an ihren großen Sinn uno Zweck erinnern. Daneben laufen Vorträge, Broschüren mit Preisausschreiben, Aufrufe und öffentliche Veranstaltungen, die besonders dem Feuerschutz im Haushalt, im Geschäft, in den Betrieben und einzelnen Berufen dienen.
Die einzelnen Gauleitungen werden in ihren Bezirken eigene Veranstaltungen durchführen, so daß wirklich das ganze deutsche Volk mitbeteiligt sein wird an der großen Aktion, die Schäden verhüten, Menschenleben erhalten und retten und riesige Werte vor dem Untergang bewahren will.
Um was für Werte es hier geht, zeigt die Statistik der Brandschäden. In jedem Jahr ward bisher bei uns Volksvermögen im Werte von durchschnittlich einer halben Milliarde Reichsmark vernichtet. Ferner fielen alljährlich ungefähr 1400 Menschen den Bränden zum Opfer. Schon diese Zahlen stellen einen eindringlichen Beweis dar für die Notwendigkeit der geplanten Veranstaltung, die wir im kommenden Monat als „Deutsche Feuerschutzwoche" erheben werden.
Unsere neuen Romane.
Noch bevor wir den erfolgreichen Roman „Zwei Männer um Hilda" von Hermann H. W a l b e r zum Abschluß gebracht haben, beginnen wir in der morgigen Ausgabe des „Gießener Anzeigers" mit der Veröffentlichung eines neuen Romanwerkes. Nach längerer Pause soll diesmal wieder eine unserer bewährtesten Autorinnen zu Worte kommen, deren früher bei uns erschienenen Arbeiten sich samt und sonders als Publikumsschlager ersten Ranges erwiesen haben.
„Wege, die die Liebe weist" von Gert Gothberg
— sck nennt sich die erst vor kurzem vollendete jüngste Schöpfung der überaus beliebten Verfasserin, ein Liebes- und Schicksalsroman von ergreifender Eindringlichkeit der Schilderung. Gert Nothberg hat ja in ihren zahlreichen früheren Romanen — wir erinnern unsere Leser nur an „Das Rätsel einer Frühlingsnacht" und „Du warst mir doch bestimmt" — überzeugend bewiesen, wie fesselnd, phantasievoll und dennoch lebenswahr sie zu erzählen versteht; so sind wir gewiß, auch mit der Erwerbung ihrer jüngsten Arbeit einen besonders glücklichen Griff getan zu haben und unseren Leserinnen und Lesern in Stadt und Land eine von Tag zu Tag mit Freuden erwartete Lektüre zu bieten.
Am gleichen Tage beginnen wir, worauf hier ebenfalls nachdrücklich hingewiesen sei, mit der Veröffentlichung eines neuen Romans in der Illustrierten des „Gießener Anzeigers":
„Ein Schuß von irgendwo" von Hans Heuer.
Hier bringen wir die höchst interessante Erzählung eines begabten jungen Schriftstellers, der mit seinen Büchern bereits einen guten Namen gemacht hat und auch als Filmautor in Kürze bei einer dex größten deutschen Produktionsfirmen zu Worte kommen wird: einen Kriminalroman voller Handlung und Spannung, der allgemein mit größter Anteilnahme verfolgt werden dürfte.
Das Tragen kommunistischer Abzeichen auch für Ausländer verboten.
Das Staatspresseamt teilt mit: Das Tagen bolschewistischer Abzeichen durch sowjetrussische Staatsangehörige wird auf deutschem Staatsgebiet nicht geduldet. Die Polizeibehörden sind angewiesen, gegebenenfalls hiergegen einzuschreiten.
Verhütet Keldbrände.
Bei der noch immer herrschenden Trockenheit besteht für das Getreide die Gefahr, daß die in Hocken stehenden Halmfrüchte durch Feldbrände zum Teil vernichtet werden. Ein Funke, welcher auf die ausgedorrten Stoppeln fällt, wird durch den Wind leicht zu einer kleinen Flamme entfacht, die reiche Nayrung in den trockenen Getreiderückständen findet.
Daß jegliches Rauchen in der Rahe der ausgetrockneten Getreidevorräte zu unterlassen ist und jede Vorsicht im Gebrauch einer offenen Flamme beachtet werden muh, ist eine Selbstverständlichkeit. Besonders gefährdet sind die Getreidefelder in der Nachbarschaft von Eisenbahnstrecken infolge des Funkenstreuens der Lokomotiven. Deshalb find die Getreidehocken und -stiegen bei der Ernte mindestens 20 Meter von dem Bahnkörper aufzustellen.
Da meist westliche Winde vorherrschen, ist die Entfernung in der Richtung nach O st e n nach Möglichkeit noch größer zu wählen. Der zwischen dem aufgestellten Getreide und der Bahn befindliche Stoppelstreifen ist sofort zu schälen oder es soll, falls dies nicht durchgeführt werden kann, wenigstens ein 1,50 Meter breiter Streifen an den Hocken umgepflügt werden, damit ein Stoppelbrand nicht an das aufgestellte (Betreibe gelangen kann. Gehöfte und Getreideschober, die an gefährdeten Stoppelfeldern liegen ober von ihnen umgeben finb, müssen ebenfalls entsprechen!) geschützt werben.
Niemals darf bei solcher Trockenheit auf Torf ober stark moorigem Boden irgenbetwas verbrannt werben, wie man es oft mit Gestrüpp, Quecken ober abgemähtem Unkraut zu tun pflegt. Ein Moor- branb kann sehr schwer gelöscht werben. Er frißt sich oft in größere Tiefen hinein unb schwelt bann unterirbifd) wochen-, ja monatelang fort.
Das Abbrennen von Grabenrändern und Feldrainen zur Beseitigung verdorrten Gras- oder Unkrautbestandes ist auf jeden Fall zu unterlassen. Bei starkem Winde kann sich ein derartiger Brand mit ungeheurer Geschwindigkeit Vorwärtsfressen.
Sollten doch einmal trotz aller Vorsicht Stoppeln ober Grasflächen in Branb geraten, so muß bas Löschen sofort versucht werben. Ein Ausschlagen ber anfangs noch kleinen Flammen mit stark be- laubten Aesten hat meist Erfolg. Sinb solche nicht gleich bei ber Hand, so liefert ein benachbartes Kartoffelfeld genügenb langes unb grünes Kraut, mit bem man bie fchwelenbe Glut ausfchlägt; im Notfalls hebient man sich blattreicher Rüben ober ©rufen. Besser noch ist es, ben Branbherb mit Erbe abzubecken unb um bie brennenbe Stelle schnell eine Pflugfurche aufzuwerfen.
Nicht nur zur Ausübung einer richtigen Boden- bearbeitung, fonbern auch um bie Gefahr von Feld- bränben zu minbern, ist ein Stoppelschälen zwischen ben Stiegenreihen möglichst balb vorzunehmen. Die Reihen stelle man beshalb nicht zu nahe anein- anber. Auch Blitzschlag kann einen Felbbranb Der- Ursachen.
Beim Drusch mit einer Lokomobile ist diese nicht zu nahe an eine Scheune oder Miete zu stellen, man sorge für einen genügend langen Transmissionsriemen und halte den Funkenfänger in tadelloser Ordnung.
Aeußerste Vorsicht beim Heizen, sorgfältiges Löschen nach Feierabend und Wasser im Aschkasten sind Selbstverständlichkeiten. Im übrigen: Auf fahrlässige Brandstiftung steht erhöhte Strafe! v. R.
Aus parteiamtlichen Bekanntmachungen
Die Sprechtage des Kreisleiters fallen vom 28. Juli bis 18. August aus.
NG.-Gemeinschaft^KraftdurchFreude"
Kreis Gießen.
Deutsches Sommerfest in Kksster Arnsburg.
Abfahrt des fahrplanmäßigen Omnibusses um 13.05 Uhr ab Bahnhof Gießen, um 13.07 Uhr ab Selterstor, um 13.09 Uhr ab Gnauthftraße.
Großer Variete-Abend in der Volkshalle.
Die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront erhalten gegen Ausweis Eintrittskarten zum Preise von 40 Pfennig. Wer als Mitglied der DAF. noch einen besseren Platz haben will, zahlt für den gewählten Platz den nächst niedrigeren Platzpreis. Vorverkauf täglich von 10 bis 13 Uhr an ber Theaterkasse.
Reichsbetnebsgemeinschast Bau.
Neuer Stellvertreter des Leiter».
Man schreibt uns: Im Zuge ber Neuorganisation ber Deutschen Arbeitsfront ist Pg. Oppermann zum Stellvertreter bes Reichsbetriebsgemeinschafts- leiters Bau Pg. Ullmann ernannt worden. Pg. Oppermann, ein alter bewährter Nationalsozialist, ist Ostpreuße, 38 Jahre alt, Politischer Leiter beim Gau Ostpreußen, M. d. R. und 1. Vorsitzender des Reichsbundes des Deutschen Baugewerbes. Als Bauunternehmer gewährleistet seine Ernennung für die Zukunft ein noch besseres Verhältnis zwischen Betriebsführer und Gefolgschaften im Baugewerbe.
Gründung
des Heimstättenamtes Hessen-Nassau.
Der Beauftragte für das Siedlungswefen im Stabe des Stellvertreters des Führers, Dr.-Jng. L u d o w i c i, der zugleich Stellvertreter des Reichs- siedlungskornmifsars Gottfried Feder ist, hat nunmehr das Heimstättenamt für ben Gau. Hessen-Nassau gegrünbet.
Das Heimstättenamt hat folgenbe Aufgaben:
1. Die Zusammenfassung aller nichtbäuerlichen Sieblungsbestrebungen, ihre Förderung unb Unterstützung;
2. bie Ueberprüfung unb Begutachtung aller Sied- lungsvorhaben unb Beratung aller unterneh- menben Behörben, Verbände, Firmen unb Einzelpersonen;
3. Siebler-Auswahl, Siebler-Vorschulung, Siebler- Beratung unb Siedler-Betreuung;
4. Schulung unb Betreuung aller Leiter unb Referenten von Sieblungs-Verbänben, -Vereinen unb -Genossenschaften ufw.;
5. Aufklärung unb Werbung für ben Siedlungs- gebanfen, Vorbereitung von Gefetzesvorfchlä- gen, Ausschreibung von Siedlungswettbewer- ben usw.
Die Leitung bes Heimstättenamtes Hessen-Nassau hat Herr Staatsminister Jung, Darmstadt, übernommen, ber zu seinem Stellvertreter Herrn Stadt- rat Niemeyer, Frankfurt. a. M., berufen hat. Die Geschäftsführung würbe Herrn Dr. Dorfes, Frankfurt a. M., übertragen. Zum Leiter bes Arbeitsstabes würbe Herr Regierungsbaumeister Hufnagel, Offenbach, bestellt. Die Büros befinben sich in Frankfurt a. M., Bürgerstraße 69/77, im Hause ber Deutschen Arbeitsfront.
pflichtmitgliedschast der Handwerkslehrlinge bei der Hitler-Jugend.
Das Dritte Reich forbert bas Hineinwachsen unserer Jugend in ben nationalsozialistischen Staat. Sie wirb einmal bie Aufgaben zu lösen haben, bie unsere Generation noch nicht restlos zu vollbringen in ber Lage ist.
Der Vorsitzende ber Hessischen Handwerkskammer hat demgemäß folgenbe Anordnung erlassen:
„Sämtliche Lehrlinge bes Hanbwerks in Hessen haben Mitglieber ber Hitlerjugend zu sein. Die betr. Lehrmeister sowie bie zustänbigen Jnnungsober- melfter sind mir für die gewissenhafte Durchführung verantwortlich. Sollten wider Erwarten Eltern von
Lehrlingen gegen diese Anordnung eingestellt sein, so mögen sie sich aefagt sein lassen, daß sie sich an bester Handwerkstradition versündigen und aus einem solchen Verhalten hinsichtlich der Berufswahl ihrer Kinder die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen haben."
Oie Zuständigkeit von Ehefähigkeits- zeugnissen.
Auf Grund ber Derorbnung zur Vereinheitlichung ber Zuständigkeit in Familien- unb Nachlaßsachen wirb, so gibt bie Ministerialabteilung Ic (Justiz bes Hessischen Staatsministeriums) bekannt, bis Ausstellung der Ehefähigkeitszeugnisse, die Deutsche zur Eheschließung im Auslande nötig haben, für die sämtlichen Standesamtsbezirke des^Amts- gerichtsbezirkes dem Standesbeamten am sitz des Amtsgerichtes zugewiesen.
Reliefkarte von Hessen-Nassau.
Der Landesverkehrsverband Rhein - Main in Frankfurt hat für das gesamte Verkehrsgebiet eine übersichtliche Reliefkarte anfertigen lassen. Die Karte, bie Propagandazwecken dienen soll, ist her- gestellt von dem Mainzer Architekten Otto Schneider. Die ausgegebene Auflage beträgt 100 000 Stück. Die Karte gibt sowohl über Nassau, wie auch über Hessen einen guten Ueberblick. Die Rückseite ist mit 45 schönen Städte-, Landschaftsund Trachtenbildern geschmückt. Auf Wunsch wird diese schöne, handliche Karte unentgeltlich abgegeben. An alle Baumschulen, Gärtnereien mit
Anzucht von Obsibäumen usw.
Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau macht alle, die es angeht, darauf aufmerksam, daß die Maßnahmen der Reichsregierung zur Gesundung der Wirtschaft u. a. auch schon sehr einschneidend in die Preisgestaltung der Baumschulartikel usw. ein» greifen. Ein großer Teil der Baumschulfirmen las die diesbezügliche Annahme verspätet, so >daß einzelne Firmen sich schon strafbar machten und in eine Ordnungsstrafe genommen werden mußten.
Alle Firmen (Baumschulen, Gärtnereien mit Anzucht von Obstbäumen, Privatgärtnereien usw.), welche Obstbäume zum Verkauf heranziehen, werden hiermit aufgefordert, ihre genaue Anschrift umgehend der Landesbauernschaft Hesfen-Naffau, Unterabteilung Garten, Frankfurt, Bockenheimer Landstraße 25, schriftlich in gut leserlicher Schrift mitzu- teilen. Baumschulfirmen, welche früher dem BdB. angehörten und deren Adressen hier bekannt sind, brauchen diese Meldung nicht zu erstatten. Alle anderen Firmen, einerlei ob sie Obstbäume in größerer, oder auch nur in ganz geringer Anzahl zum Verkauf heranziehen, müssen sich melden. Nachteile, welche aus unterlassener Meldung sich ergeben können, gehen ausschließlich zu Lasten der Säumigen.
— Tageskalender für Freitag. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Reifende Jugend". — Stadttheater-Orchester: 20 bis 21 Uhr, Promenaden- konzert.
** Erledigte Lehrer stelle. Die Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule zu Reuters, Kreis Lauterbach ist neu zu besetzen. Eine Dienstwohnung ist vorhanden. Meldungen von Anwärtern, die nicht mindestens acht Jahre die Prüfung abgelegt und eine Anwärterdienstzeit von mindestens fünf Jahren zurückqelegt haben, sind zwecklos.
** Promenadenkonzert des Stadt- theater-Orchesters. Wegen der Mitwirkung des Orchesters bei ber Freilichtaufführung am morgigen Samstag wird das Promenadenkonzert auf heute vorverlegt und zwar für die Zeit von 20 bis 21 Uhr. Da der Wettergott dem letzten Konzert am Dienstag nicht gewogen war, wird der ausgefallene Programmteil in die heutige Dortrags- folge übernommen. „Frohsinn", Marsch von Hauschild; Ouvertüre „Erlenhügel" von Kuhlau; „Grieg- Erinnerungen", Fantasie von Urbach; Ungarische Tänze Nr. 1 und 2 von Brahms; „Hofball-Tänze", Walzer von I. Lanner; Pizzicato-Polka, I. Strauß. Leitung: Kapellmeister Fritz C u j 6.
ZiveiMmierundMa
Vornan von Hermann W. Walber.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 14 Fortsetzung Nachdruck verboten!
An diesem Montag kam Hans von Kirchhofen nicht zur Ruhe. Dringliche geschäftliche Angelegen- heilen harrten der Erledigung durch ihn. Zwischendurch hatte er Konferenzen mit den Prokuristen. Gegen Mittag weilte er zu einer Besprechung auf ber rumänischen Gesandtschaft. In den ersten Nach- mittagsftunben waren Vertreter kleinerer Firmen bei ihm, um über bie Abtretung von Unteraufträgen zu verhandeln.
So konnte er sich um seine Privatangelegenheiten nur wenig kümmern. Und das war ihm ganz recht. Auf diese Weise ging wenigstens die Zeit hin
Immerhin hielt er es für richtig, spätnachmittags einmal rasch nach Friedenau zu fahren, um Mya Körber zu sprechen.
Er traf sie nicht an.
Ihre Zofe teilte ihm mit, ihre Herrin wäre mit einer Anzahl von Freunden zu einem Ausflug unterwegs. Auf ihre Rückkehr zu warten, hatte also keinen Zweck. Immer des Montags ließ die Körber rhre „Gesellschaften" ausfallen.
3n ber Unrast des Tages hatte er vergessen, seine S^raut anzurufen. Er wollte das Versäumte schnellstens wieder gutmachen und entschloß sich deshalb, auf einen Husch bei ihr vorzusprechen.
Mst freudestrahlendem Gesicht wurde er empfan» gen Der Besuch dehnte sich länger aus, als er beabsichtigt war. Hilda ließ den Verlobten erst nach dem Abendbrot wieder fort. Befriedigt vernahm er übrigens, daß Doktor Becker nicht im Krankenhause mar. Angeblich war er verreist. Mit Knacker schien es in seinem Sinne gut zu stehen...
Wenn es nur schon vierundzwanzig ober besser achtundvierzig Stunden weiter wäre!
Nachdem er noch einmal in ben Betrieb gefahren war, wo man bereits wegen den PostunterfChristen auf ihn wartete, und nachdem er diese geleistet hatte, suchte er ein Nachtlokal auf.
Er mußte Zerstreuung haben.
Bei reichlichem Weingenuß verlebte er ben Rest des Abends.
Als er in später Nachtstunde sein Heim aufsuchte, sank er todmüde ins Bett unb schlief unter ber Ein- Wirkung bes Alkohols sofort ein. —
Wolterstorff hatte sich nicht getäuscht.
Nach mehrstünbigem Marsch, ber mehr ein Klettern war, erreichte er die jenseitige Höhe.
Im Dämmergrau bes verschwindenden Tages sah er vor sich eine weite, kahle Ebene, die kein Ende zu nehmen schien. Aber nirgends entdeckte er auch nur die geringste Spur menschlichen Daseins.
Ein Blick rückwärts zeigte ihm am Horizont einen Bergkegel, dessen Spitze eine Burg trug. Ihre Umrisse zeichneten sich, wenn auch schon schwach, jo immerhin noch deutlich genug, gegen den Avend- himmel ab. Von dort war seine Flucht ausgegangen. Er erschrak ordentlich, als er feststellte, daß er also erst eine verhältnismäßig kurze Strecke zurückgelegt hatte. Offenbar war er streckenweise im Zickzack gelaufen.
Was nun?
Durfte er feinen übermüdeten Gliedern weitere Anstrengungen zumuten? Schon begannen seine Füße zu schmerzen.
Er entschloß sich, etwas zu essen unb ein paar Stunden auszuruhen...
Hatte er geschlafen?
Wolterstorff fprang hoch.
Tiefe Finsternis umgab ihn.
Waren bas nicht Menschenstimmen?
Und Hundegebell?
Sollten ihm die Häscher auf ber Spur fein? Regungslos verharrte er ein paar Sekunden.
Da sah er in einigen hundert Metern Entfernung Schatten näherkommen.
In allernächster Nähe bellte ein Hund.
Das Tier hatte offenbar Witterung. Gleich darauf stellte es ihn, wütend kläffend.
Vier Menschen eilten herbei.
Lampen blitzten auf.
Wolterstorff war entdeckt.
Und schon erhielt er einen Stoß in bie Rippen.
War das nicht sein Zerberus, der ihm den Stoß versetzt hatte? Das sollte wohl dessen Rache sein für ben Streich, den er ihm gespielt hatte.
Wehren?
Eine Waffe besaß er nicht, unb gegen bie vier starken Kerle würde er ohne eine solche nichts ausrichten.
Freiheit dahin! Er mußte sich in sein Schicksal fügen.
Man nahm ihn in die Mitte.
Zwei Hunde wollten sich immer wieder auf ihn stürzen. Sie mußten gewaltsam zurückgehalten werden.
Nun also zurück dorthin, von wo er geflüchtet war! Seine Wächter schienen die Richtung genau zu rennen. Die Wanderung war längst nicht mehr so beschwerlich wie bie erste.
Schon kurz nach Mitternacht traf der Transport in ber Burg ein. Durch Signale war man dort von bem Erfolg des Suchens bereits unterrichtet.
Santikoff, selbst vor kurzem erst mit seinen Leuten von ber Streife zurückgekehri, ließ ben befangenen in einen großen, mit schweren Holunodelu ausgestatteten Raum, offenbar eine Art Arbeitszimmer, bringen. Ein spärliches Licht verlieh bem Zimmer einen düsteren Eindruck.
Dort standen sich nun die beiden Männer, bie sich zum ersten Male sahen, gegenüber.
Der Rumäne, ein Mann in den Fünfzigern, mit gepflegtem, dunklen Dollbart und lebhaften Augen, bot Wolterstorff einen Stuhl an; dieser lehnte aber ab.
„Weshalb bin ich hier?" fragte er, unb zwar auf rumänisch, in ber Annahme, baß nur so Der- ftänbigung möglich wäre. Ueberrascht horchte er auf, denn in fließendem Deutsch erwiderte Santikoff:
„Das dürfte Ihnen bald klar werden. Sie wären schon unterwegs nach Deutschland, wenn Sie meine schriftliche Aufforderung befolgt und in Ruhe Ihre Freilassung abgewartet hätten."
„Erklären Sie sich näher..."
„Wir haben nicht viel Zeit zu verlieren. Noch in dieser Nacht will ich Sie an die Grenze schaffen. Sie werden dann in kurzer Fahrt eine Flugstation erreichen, von wo Sie unbehelligt Heimreisen können."
„Schön, mein Herr! Damit weiß ich aber noch immer nicht, weshalb ich bei Ihnen so lange fest- gehalten worden bin!"
Wolterstorff setzte sich jetzt doch hin. Die Beine trugen ihn kaum mehr.
„Für gewöhnlich machen wir ja andere Geschäfte, wenn Sie das Wort Geschäfte hier gelten lassen wollen. Wissen Sie, wir sind keine Räuber, wie man uns nach sagt, aber wir jagen einem politischen — nennen Sie es meinetwegen: Phantom nach. Um unser Ziel zu erreichen, brauchen wir Geld..."
Aha!, dachte Wolterstorff. Also doch!
Santikoff fuhr fort:
„3n Ihrem Falle glaubten wir auf etwas legalere Weise zu Geld zu kommen. Wir rechneten mit der Belohnung, die auf Ihr Wiederauffinden ausgesetzt ist..
Wolterstorff fiel hier ein:
„Unb da meinen Sie, daß ich selbst, so gewissermaßen zum Dank für die Freiheitsberaubung..."
„O nein, Herr Direktor, ich schätze Sie nur als einen dankbaren Menschen ein!"
Der Deutsche mußte wohl, als er diese Worte vernahm, ein furchtbar dummes Gesicht gemacht haben.
Was lag denn nun eigentlich vor?
Wollte man ihn obendrein auf ziehen?
Er nahm eine völlig reservierte, fast hochmütige Haltung an.
Jütan sollte sich verrechnet haben, wenn man glaubte, mit ihm spielen zu können.
„Sehen Sie, mein Herr, wir haben Ihnen nämlich, indem wir Sie verschleppten, einen großen Dienst erwiesen, wenn nicht sogar Ihnen bas Leben gerettet... Ja, ja, Direktor Wolterstorff, nun staunen Sie! Doch Ihr Staunen wird Ihnen bald vergehen!"
Santikoff erzählte jetzt von dem Aufhorchenden von ben Machenschaften, bie gegen ihn gerichtet waren, unb daß man augenblicklich das Netz zusammenziehe, um den Schuldigen, den Kirchhofen, darin zu fangen.
Wolterstorff war wie vor den Kopf geschlagen.
„Nun sagen Sie mir bloß noch, wie es kommt, daß man mich nicht einfach von den Tatsachen unterrichtete, damit ich nach Hause eilen und nach dem Rechten sehen konnte — ober warum man wich „nicht wenigstens früher wieder freigelaffen hat?!"
Santikoff zuckte mit ben Achseln.
„Diese Aufklärung werden Sie wohl erst in Berlin erhalten!"
Er war darüber selbst nicht genau im Bilde. Wenigstens sah er die Zusammenhänge nicht klar. Bekannt war ihm wohl, daß in dieser Angelegenheit so was wie bie Rache einer Frau eine Rolle spielte. Prachianu wußte sicher mehr. Mochte Wolterstorff sich darum an diesen halten!
Wolterstorff bat um Essen, das Santikoff sofort bringen ließ. Während er sich dann mit gutem Appetit über das Fleisch und das Brot tzermachte und über den dazu gereichten Wein, kam eine lebhafte Unterhaltung in Fluß, der er einwandfrei entnahm, daß der Rumäne ihm keine Märchen aufgetischt hatte.
Es ergab sich übrigens, baß Santikoff lange 3abre in Deutschland gelebt hatte, daher auch sein fließendes Deutsch.
Noch in ber Nacht brach Santikoff mit feinem
•J ben frühen Morgenstunden trafen sie mit Prachianu zusammen, ber nachts über kaum «n Auge zugetan hatte, in der Gewißheit, daß jeber Augenblick ihn vor eine neue Situation stellen konnte. '
Mittags umr ein Flugzeug gechartert, das direkten Kurs nach Berlin nahm.
Santikoff hatte ben hohen Fahrpreis für diesen Sonberflug vorgestreckt.
Die einzigen Insassen waren, neben dem Führer, Wolterstorff unb Prachianu. Beide erfüllte nur ein Gedanke, ber nämlich, ob sie wohl nicht zu spat kommen würden.
Inzwischen aber lief ein Telegramm nach Berlin, das nur bas eine Wort enthielt: „Gestartet!"
Fortsetzung folgt)


