Kr. 276 Zweites Blatt Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)Montag, 26. November
Hausweihe im Arbeitsdienstlager Gießen.
Eine denkwürdige Feier in Gegenwart des Neichsstatihaliers Gauleiters Sprenger.
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Reichsstatchalter Gauletter Sprenger beim Abschreiten der Front.
Im Anschluß an das frühere städtische Gebäude am Rande des Philosophenwaldes hat sich die NS.. Arbeitsdienstabteilung 5/222 Gießen ein Unterkunftsgebäude geschaffen, das am Samstag gegen Abend vom Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger feierlich eingeweiht wurde. Diese Hausweihe war nicht nur für den Arbeitsdienst, sondern auch für die Stadt Gießen ein Ereignis von besonderer Bedeutung, das in unserer Gießener Lokalgeschichte an hervorragender Stelle vermerkt bleibt.
Zur Begrüßung des Reichsstatthalters Gauleiters Sprenger und zur wohlverdienten Ehrung des Arbeitsdienstes hatten sich viele Volksgenossen vor dem neuen Unterkunftsgebäude eingefunden. An der Spitze der politischen Leiter der Stadt Gießen war Pg. Klo st ermann erschienen, die Stadt war durch Oberbürgermeister Ritter vertreten, das Kreisamt durch Oberregierungsrat Dr. Schön- Hals, die SA. vertrat Standartenführer Lutter, der mit dem Standartenadjutanten Obersturmbannführer M ü n k e r erschienen war, für die Polizei war deren Leiter Poli^eidirektor Heine zugegen, ferner waren noch viele weitere Vertreter von Behörden und Körperschaften erschienen. Die Arbeitsdienstabteilung 5/222 hatte vor dem neuen Unterkunftsgebäude in offenem Viereck, am rechten Flügel den Musikzug der Arbeitsdienstabteilung Wetzlar, Aufstellung genommen: am linken Flügel schlossen sich an ein Ehrensturm der SA., eine Abteilung SS., BdM., PO. und HI. Dahinter hatte eine ansehnliche Menschenmenge Aufstellung genommen. Starke Glühlampen beleuchteten den Hof.
Gegen 17.45 Uhr traf Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, der die Uniform eines Echren-Gau- arbeitsführers trug, mit seiner Begleitung ein. Rach Entgegennahme der Meldung des Führers der Arbeitsdienstabteilung 5/222, Ooerfeldmeister L o e s ch, schritt der Reichsstatthalter mit seiner Begleitung unter den Klängen des Präsentiermarsches grüßend die Front der Formationen ab. Anschließend richtete
Oberfeldmeister Loesch
eine Ansprache an den Reichsstatthalter, den er zunächst namens der Arbeitsdienstabteilung Gießen herzlich begrüßte und ihm Dank sagte für sein Erscheinen. Dann sagte er u. a. weiter zu dem Reichsstatthalter: Ihr Besuch beweist uns, daß Sie den Arbeitsdienst anerkennen. Wir wollen heute mit Ihnen ein Gebäude einweihen, in dem 216 junge deutsche Menschen in stiller Pflichterfüllung ihren Ehrendienst für Vaterland und Heimat erfüllen können, indem sie die deutsche Brotfreiheit erringen helfen und sich zugleich zu wohlerzogenen Menschen formen. Wir danken bei dieser Gelegenheit der Stadt Eteßen und Herrn Oberbürgermeister Ritter, daß sie zu diesem Werk des Arbeitsdienstlagers beigetragen haben. Wir Arbeitsdienstführer und -männer geloben heute anläßlich der Einweihung unseres Hauses aufs neue unserem Führer und Reichskanzler Gehorsam und Disziplin. Ich bitte Sie, mein Gauleiter, die Einweihung dieses Hauses zu vollziehen und damit die zu ehren, die in diesem Bau im Sinne des Führers wirken und schaffen.
ReichsWhaller Gauleiter Sprenger
heule sind wir so weit, daß auf der Grundlage der Freiwilligkeit und der Disziplin der Arbeitsdienst mit eingegliedert ist in die gesamte Volkserziehung und daß er ein ungeheurer Bestandteil der deutschen Volkswirtschaft geworden ist.
Wenn wir nun den Arbeitsdienst in seiner Wirkung auf die Berufe betrachten, so zeigt er sich als ein Bestandteil des Werdeganges des deutschen Menschen. Der junge deutsche Mensch, der vom Pimpf über die HI. zur SA. kommt und gleichzeitig seine Schul- und Lehrzeit verbracht hat, muß in diesem Staat in den Arbeitsdienst gehen. Dort hat er zu beweisen, daß er seiner Veranlagung entsprechend eine Leistung zu vollbringen vermag, die jeder deutsche Volksgenosse auf gleicher Linie vollbringen kann. Erst aus der besseren Leistung wächst hervor die Führereigenschaft oder die Veranlagung dazu. Dabei ist es gleichgültig, woher der einzelne kommt, ob aus der Werkstatt oder von der Hochschule.
hier haben alle Volksgenossen lm gleichen kleid zu beweisen, daß sie in der Arbeit Gleichwertiges vollbringen. Der Arbeitsdienst ist lm neuen Deutschland nicht hinwegzudenken, denn ohne diese selbstlose Arbeit kommen wir nicht weiter.
Meliorationen, Entwässerungen, Bodenverbesserun- gen usw. konnten früher nicht geleistet werden, weil dazu das Geld fehlte. Heute werden vom Arbeitsdienst alle diese Arbeiten durchgeführt. Das muß klar ausgesprochen werden, damit jeder einzelne Volksgenosse sich einen Begriff macht über den ungeheuren sittlichen Wert dieser Arbeit.
Vlit hilse des Arbeitsdienstes können wir unsere Getreidebasis erweitern, vermögen wir Kulturarbeiten zu vollbringen, die ohne den Arbeitsdienst nicht möglich waren.
So, deutsche Volksgenossen, seien wir uns dessen jederzeit eingedenk, wenn ein Lager des Ar- beitsdienstes neu eröffnet wird, daß es zugleich ein Tempel der deutschen Volksgemeinschaft ist. Hier finden wir uns alle, ohne Unterschied von Herkunft, Stand und Beruf.
Der Arbeitsdienst ist verwirklichter Nationalsozialismus.
Eigennutz hat keinen Raum in diesen Heimen. Jeder, der die Schwelle eines Arbeitsdienstlagers betritt, weiß, daß er dort in treuer Kameradschaft schwere Arbeit zu leisten hat. Jeder weiß, daß er dort versuchen muß, in Disziplin sich von keinem andern übertreffen zu lassen. Jeder weiß, daß er in seiner Treue zu Volk, Vaterland und Führer sich niemals aus« stechen lassen darf und kann. Jeder weiß, daß diese verlebendigte Selbstlosigkeit die Basis ist, auf der das neue Reich aufgebaut ist und in dessen Geist alle vorwärtsstreben, um so die Ausgangsbasis zu haben für die weitere Entwicklung und Behauptung des gesamten deutschen Volkes.
So weihe ich denn diese Unterkunst im Geiste des Nationalsozialismus der f e l b st l o s e n Arbeit unter der Parole Adolf hlll«s: G e - meinnuh geht vor (kigennnht
Damit übergebe ich dieses Haus feiner Bestimmung mit dem Wunsche, daß über ihm immer walten
möge der Wille und der Gei st unseres Führers Adolf Hitler.
Sau-Arbeitsführer Neuerburg dankte sodann dem Reichsstatthalter herzlich dafür, daß er trotz seiner starken Beschäftigung zu dieser Feier gekommen sei und so anerkennend und anspornend über den Arbeitsdienst und seine Aufgaben gesprochen habe. Der Reichsstatthalter dürfe versichert sein, daß die Männer des Arbeitsdienstes ein erhebendes Gefühl erfülle in dem Bewußtsein, daß viele Volksgenossen vom Arbeitsdienst einen Begriff bekommen hätten und nun helfen, die Ausgaben des Arbeitsdienstes durchzuführen. Er (Red- ner) gelobe namens der Arbeitsdienstmänner auch an dieser Stelle, die Arbeit immer so zu leisten, wie der Führer sie vorn Arbeitsdienst verlange.
Zur Bekundung und Bekräftigung dieses Gelöb- nisses brachte der Redner dreimalige Sieg-Heil-Rufs auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler aus, die von der großen Menge freudig ausgenommen wurden. Anschließend wurde gemeinsam' je der erste Vers des Deutschlandliedes und des Horst- Wessel-Liedes gesungen.
Besichtigung des neuen Heimes. Kameradschaftliches Beisammensein. Anschließend besichtigten Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger und die geladenen Gäste eingehend das neue Unterkunftsgebäude und feine vortrefflichen Einrichtungen, die den besten Eindruck machten.
Sodann vereinigten sich die zahlreichen Gäste mit den Männern des Arbeitsdienstes im festlich mit Fahnen und Tannengrün geschmückten Saale des früheren Philosophenwald - Gasthauses zu einem kameradschaftlichen Beisammensein, an dem auch der Reichsstatchalter mit seiner Begleitung etwa zwei Stunden lang teilnahm. Flotte und musikalisch vortreffliche Darbietungen des Musik^uges der Arbeitsdienstabteilung Wetzlar erfreuten in hohem Maße und fanden mit Recht starken Beifall. Arbeitsdienstmänner des Gießener Lagers bereicherten in sehr schöner Weise den Abend mit eindrucksvollen Gedichtvorträgen und Sprechchören aus dem Bereich des Arbeitsdienstes, ferner erfreuten sie durch ausgezeichnete und bewundernswerte sportliche Darbietungen (Bodengymnastik, Pyramiden), exakte Sprechchöre und feingestaltete lebende Bilder, die Ausschnitte aus ver Zeit des deutschen Niederganges unter dem früheren System, aus den Jahren des nationalsozialistischen Freiheitskampfes und aus dem gewaltigen Aufbauwerk des Führers und Volkskanzlers Adolf Hitler darstellten. Im Verlaufe dieses Beisammenseins wurde gemeinsam das Abendbrot aus der Küche der Arbeitsdienstabteilung verzehrt (Butterbrote mit Lachs und Tee), das sowohl wegen seiner Schlichtheit, als auch wegen seiner Schmack- daftigkeit allenthalben volle und verdiente Anerkennung fand. Bei der Bewirtung der Festgemeinschaft machten sich zahlreiche Frauen der NS.« Frauenschaft als freiwillige und selbstlose Helferinnen um das Wohlbefinden der vielen Besucher sehr verdient. Dem Reichsstatthalter wurde durch dreimalige Heilrufe noch eine herzliche Ehrung bereitet, die er sofort an den Führer und Dolkskanzler Adolf Hitler weitergab, ferner wurden gemeinsame Lieder gesungen. Alles in allem: eine gute und fein gestaltete Unterhaltung. Während das junge Volk Dann — als Abschluß des Abends — mit den inzwischen eingetroffenen Mädchen sich am Tanz erfreute, verließ der Reichsstatchalter mit seinen Begleitern ziemlich unbemerkt den Saal, um heimzufahren. Gegen Mitternacht, vor Beginn des Totensonntags, fand die Veranstaltung ihr Ende«
sagte dann in seiner Einweihungsrede u. a.: Der Arbeitsdienst wird nicht erst anerkannt, sondern er i st anerkannt. Der Gedanke des Arbeitsdienstes war anerkannt schon lange bevor wir ihn in die Tat umsetzen konnten. Ich erinnere mich, daß wir schon in den ersten Jahren des Kampfes, im Jahre 1924, vor der Öffentlichkeit die Idee des deutschen Arbeitsdienstes im Rahmen des nationalsozialistischen Gedankengutes propagiert und dafür gekämpft haben.
Es war uns damals schon klar, daß. wenn Deutschland wieder hochkommen sollte, dies nur durch selbstlose Arbeit geschehen konnte. Selbstlose Arbeit kann aber nur geleistet werden im Rahmen einer Volksorganisation.
Dieser Gedanke hat sich durchgesetzt. Die ersten Anfänge reichen zurück in die Kampfzeit. Seine Gestaltung nach unserem Willen konnte aber erst vorgenommen werden, nachdem es dem Führer gelungen war, den Kampf siegreich zu beenden und als Kanzler den Staat zu führen. Nun war die Möglichkeit gegeben, planmäßig an die Arbeit heranzugehen. Es wurde so, wie der Führer es vorgezeichnet hatte:
Der Spaten in den Händen selbstloser deutscher Menschen, die sich freiwillig in den Arbeitsdienst begaben, war es, der die ganze Arbeit in Gang gebracht hat.
Das war für uns zur Selbstverständlichkeit geworden. Wenn wir zurückdenken und uns erinnern, daß wir einen Staat übernommen haben, dessen Verwaltung zersetzt und korrumpiert war, dessen Kassen leer waren, der bankrott war bis zum Letzten, da wird es jedem klar fein, daß diese selbstlose Arbeit sein mußte. So begannen wir die Arbeit, und der Arbeitsdienst zog nach sich Strich um Strich die Indienststellung einer großen Anzahl von Menschen. Jeder Mann im Arbeitsdienst zog einen nach sich, der für die Bedürfnisse der Arbeitsdienstmänner'einzutreten hatte.
So wuchs der Arbeitsdienst auf breitester Grundlage. Diese Tatsache und die weiteren Arbeitsbeschaffungsmöglichkeiten der öffentlichen Hand zusammen ergaben, daß Millionen bis dahin hoffnungsloser Menschen wieder in Arbeit kamen.
Das ist die eine Seite des Arbeitsdienstes. Die andere, die nicht geringer zu achten ist, zeigt, daß eine ungeheure Anzahl junger Menschen im Arbeitsdienst wieder innere Haltung bekam. Mancher junge Mensch war ins Rutschen gekommen, er kannte keine Ordnung mehr. Im Arbeitsdienst hat er Arbeit und Ordnung wieder gelernt. Das ist um so wertvoller, als es sich für ihn um freiwillige Einordnung und Unterordnung handelte. Je mehr der Arbeitsdienst fortschritt, um so weitere Kreise mußte er ziehen.
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Reichsstatthalter Sprenger (in der Mitte) besichtigt in dem neuen Unterkunftsgebäude das Modell des Hauses; links neben ihm Standartenführer Lutter, recht mit ausgestrecktem Arm Gau-Arbeits- tührer Neuerburg. (Aufnahmen: Photo-Pfaffs
Oie volkswirtschastlichen Werte -er Schiffahrt.
Im allgemeinen weiß man bei uns in Deutschland — auch heute noch viel zu wenig von der deutschen Schiffahrt. Aber dabei ist es doch keineswegs so, daß unsere Handelsschiffahrt der überflüssige Luxus eines verarmten Volkes ist. Für unsere Wirtschaft und die Weltgeltung unseres Volkes hat sie vielmehr einen sehr realen und nicht zu unterschätzenden Wert. In der deutschen Zahlungsbilanz steht sie als einer der wertvollsten Aktivposten verzeichnet. Noch im Jahre 1932 steuerte sie zu ihr 240 Millionen Mark zu, in den günstigeren Jahren vorher waren es sogar 1927: 478, 1928: 515, 1929: 545, 1930: 482 und auch 1933 noch, trotz der Verschlechterung der Lage auf den wirtschaftlichen Märkten, besonders auch auf dem internationalen Währungsmarkte und trotz der allgemeinen Anspannung des politischen Weltgeschehens, 193 Millionen Mark. In den zehn Jahren seit 1924 hat die deutsche Schiffahrt somit f a ft vier Milliarden Mark in Devisen zu der deutschen Zahlungsbilanz zugeschossen, und wir alle wissen, was für unsere Reichsbank und unsere nationale Wirtschaft der Zustrom an solchen Devisen gerade heutzutage bedeutet.
Aber nicht von diesem hauptsächlichen Wert der Schiffahrt für die deutsche Volkswirtschaft soll hier gesprochen werden. Auch nicht von ihrem werbenden Wert, den sie — mit der Leistungsfähigkeit ihrer schönen Schiffe, mit der deutschen Flagge, die sie auf allen Meeren und in allen Häfen zeigt — kulturell, politisch, wirtschaftlich für Deutschland ausübt. „Schiffe sind Botschaft ter ihres Landes" — in diesem Ausspruch eines ausländischen Wirtschaftsführers liegt ihr ganzer Wert für ihr Heimatland beschlossen. Der Ausländer, der sie in seinem Hafen sieht, der Fracht mit ihnen verladet, der selbst mit ihnen fährt, wird auf ihnen schon ein bestes Stück Deutschland kennenlernen. Millionen Deutsche leben überdies draußen in Ueberfee, und zu ihnen, die in ihrem Lande immer werbende Aktivposten Deutschlands bleiben werden, bringt auch das deutsche Schiff immer wieder ein Stück Erinnerung und Verbundenheit mit der alten Heimat.
Hier aber soll vielmehr einmal die Rede sein von der Verästelung der Schiffahrt in die verschiedensten Zweige des deutschen W i r t s ch a f t s - lebens und von ihrem Hinübergreifen in sie, von dessen Ausmaß selbst derjenige selten etwas weiß, der mit Schiffahrtsdingen vertraut ist: Nicht nur als Träger der Frachten, als Zubringer von Rohstoffen für die umfangreichen und wertvollen verarbeitenden Industrien Deutschlands, als Mittler von Ein- und Ausfuhr, die ebenso für unsere Handelsbilanz wie für unseren Kontakt mit dem Auslande wesentlich sind. Sondern durch chr ureigenste» Dasti» selbst. Es gibt,
so betrachtet, kaum einen Wirtschaftszweig irt Deutschland, der mit der Blüte unserer Schiffahrt nicht auf Gedeih und Verderb verbunden wäre. Von dem Tage an, an dem ein Schiff in Auftrag gegeben und später dann auf Stapel gelegt wird, ist es zu einem festen und fruchtbaren Glied in der festverbundenen Kette, die die Wirtschaft bildet, geworden. Die Werft, auf der es entsteht, Eisenwerke und Maschinenindustrie, Webereien, Möbelwerkstätten — es lohnt sich, mal eine Liste der Branchen durchzublättern, wie sie, aus allen Gauen Deutschland» und allen Teilen seines Wirtschaftslebens ihr Teil beisteuernd, an dem Zustandekommen eines solchen Schiffes beteiligt sind.
Es hat überhaupt feinen Reiz und feinen Wert, Schiffahrtsdinge auch mal von dieser zu wenig beachteten Seite her zu betrachten. Denn es ist nicht nur Romantik, nicht nur Witterung des Abenteuerlichen — wie weit ist das heute in unserem Maschinen-Zeitalter von der Schiffahrt entfernt, zu einer Zeit, in der kaum noch Segelschiffe über das Weltmeer fahren, sondern die Ozeanriesen im 50« Kilometer-Tempo mit 100 000 PS. den Atlantik überqueren. Nicht nur Zauber der Ferne und der weiten See, davon es sich gut träumen läßt. Ebenso aber erschöpft sich die Bedeutung der Schiffahrt auch nicht nur in hereingefahrenen Frachtziffern und der Buchungszahl ihrer Fahrgäste. Zahlen sprechen da am besten für sich selbst: In einem Jahr verbrauchten die Schiffe der Flotte einer der großen deutschen Schiffahrtslinien beispielsweise an Proviant, um nur die Hauptposten.zu nennen, über 3 000 000 Kilo Fleisch- und Wurstwaren, Wild und Geflügel, 600 000 kg Fische, über 4 000 000 kg Obst und Gemüse, 5 300 000 Stück (Eier, über 6 000 000 kg Kartoffeln, über 2 000 000 kg Mehl und Müllereierzeugnisse und 500 000 kg Brot. Das sind, soweit es nicht Saison-Artikel oder besonders ausländische Spezialitäten sind, grundsätzlich alles deutsche Erzeugnisse — und schon daraus erhellt, in welchem Umfange unsere Schiffahrt Abnehmer unserer Landwirtschaft und der ihre Produkte verarbeitenden Industrien ist.
Aber wie hier mit der deutschen Landwirtschaft und ihren verarbeitenden Handwerken und Industrien, ist es ebenso auf den mannigfachsten anderen Wirtschaftsgebieten, die wir nur berühren. Vom Apotheker- und Drogeriewesen bis zu den Büchern, die für die Bordbibliotheken gebraucht werden, vom Tonfilm und seinen Apparaten bis zu den Funk- und Telegraphie-Einrichtungen an Bord und der Großtelephonie-Anlage, die auf dem Schnelldampfer „Bremen" eingerichtet ist: Alles das bedeutet Absatz deutscherJndustrie und zugleich wieder Werbung für deutsche Wertarbeit und Leistungsfähigkeit. Es bringt auch dadurch wieder — wie die Frachten, die zur Belebung des


