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Zreitag, 26. Oktober 1934

Gletzener Anzeiger (General-AnzekgerfürGberWen)

Kr. 251 Zweites Blatt

fallen werden.

L. Rack (Parts).

Sieben Monate Gefängnis

er-

Nachdruck verboten!

24. Fortsetzung.

>d°Z-

Käthe packte noch diese und jene Kleinigkeit in die Handtasche. Was sich da alles so angesammelt hatte. Und Tante Adelheid war zwei Tage mit ihr in Stettin gewesen. Sie hatte ihr Wäsche und Kleider für die Reise gekauft. Und während sie sich auf Reisen befand, würde noch dies und das für sie angefertigt werden. Man hatte ja ihre genauen Maße. Tante Adelheid wollte ihr nun einmal diese Ausstattung schenken. Und sie wurde ganz böse, wenn man ihr auch nur mit einem Wort hineinreden wollte. So ließ Käthe alles geschehen.

Die Koffer standen schon fertig gepackt draußen in der kleinen schönen Halle. Aber ihr kleiner Hand­koffer aus gelbem Schweinsleder stand noch hier, war noch offen, und Käthe legte immer noch eine Kleinigkeit hinein. Dann schloß sie den Koffer. Setzte das Hütchen auf. Beim Umziehen vorhin hatte Bri­gitte ihr geholfen. Und Käthe warf noch schnell einen Blick in den Spiegel. Das graue Kostüm war sehr elegant, aber einfach. Und der kleine Reisehut auch. Schuhe von derselben Farbe wie Hut und Kostüm. Handschuhe und Strümpfe auch. Und sogar die Hand­tasche war aus feinstem, weichem, grauem Leder!

Unschlüssig stand Käthe da.

Warum kam Arndt noch nicht?

ohne Unterlaß in den Augen der Menge zu sein. Darum kann man den Frauengeschmack eines Volkes, den Durchschnittsgeschmack (wenn man so sagen kann) am besten aus den Frauenköpfen der großen Reklameplakate feststellen. Man sieht auf den Mau­ern seiner Städte, was das Volk gern sehen mochte, diesen Männertyp, b i e1 - s; A r A

Menschen- und Dingform, wertesten, am sympathischsten erscheint.

Unter diesem Gesichtspunkt bekommen auch die vielen holden, blondäugigensweet-girls" der angel­sächsischen Reklamen, die stur gesunden, mittelmäßi­gen aber durchaus gepflegten, normiert-normalen Männertypen der amerikanischen Propaganda ihren wirklichen Sinn. Frankreich im Zeichen der Wein­marken und der Kinderbilder zeigt das Ideal eines Volkes, dem die Familie mit Herd und Weib und Kind, dem das gute tägliche Leben, der Lebensgenuß zu den unzerstörbarsten Gütern gehört. Seine viel­farbigen heiteren Plakate mit ihren geschmackvollen Farben, den amüsanten Linien, den vielen Karika-

So hat der schlesische Balladendichter Willibald Alexis gesungen und damit der tiefen Trauer des großen Königs und der gesamten preußischen Armee um einen der tüchtigsten und tapfersten Offi­ziere Ausdruck gegeben, der noch 1757 als Drei­undsiebzigjähriger vor Prag, als der linke Flügel seiner Infanterie ins Wanken geriet, die Fahne er­griff, die entmutigten Truppen an der Spitze seines Regiments noch einmal gegen den Feind führte und dabei von mehreren Kugeln tödlich getroffen wurde.

Mit dem greisen Feldmarschall von Schwerin war einer der treuesten Paladine des preußischen Königs dahingegangen, der ihm unerschütterlich durch die wechselvollen Schicksale dreier Kriege hindurch, und oftmals am Abgrund des Verderbens, zur Seite gestanden hatte. Schon 1720 war dieser Sproß eines alten pommerschen Ge­schlechts in die Dienste König Friedrich Wil­helms I. getreten und von dem Sohn unmittel­bar nach der Thronbesteigung zum Feldm^^--" ernannt worden. Er war in recht dürftige'

Schwerin, mein General ist tot, Schwerin ist tot!

Sie luden in eine Kanone ein

Vier Kugeln, schwarz wie Pech und Stein,

Vier Kugeln in der Prager Schlacht, Die haben meinem General den Tod gebracht.

Schwerin ist tot!"

Und in was für glückliche Umstände war dieser Mann nicht durch den Dienst geraten?"

Der Marschall des Großen Königs

Zum 250. Geburtstag des Grafen Curt Christoph von Schwerin am 26. Oktober

turen von Genießern, von Künstlern und Straßen­typen sind unendlich typisch für feinen schnellen Witz, für seine Liebe zum Dekorativen, zum Far­bigen, zum Kunstgewerbe in jedem Sinn.

hältnissen aufgewachsen, bevor er sich verhältyis- mäßig schnell durchsetzte; sein König hat das später mit den Worten geschildert:Der selige Feldmar­schall Schwerin hat mir mehr als einmal erzählt, wie ihn sein Vater von Hause nach Breslau ge- ' ' ' ' * 1 versuchen, derselbe ihm

Wortlos folgte sie ihm an den schön gedeckten Tisch. Und lautlos servierten die geschulten Kellner. Sie gossen Sekt in die spitzen Kelche, und da sagte Arndt von Berken:

Sie können gehen. Wenn ich etwas brauche, werde ich klingeln."

Sehr wohl!"

In tadellosem Deutsch sagte es der eine der beiden Kellner.

Und bann waren sie allein!

Berken hob den Kelch.

Mädelchen, auf unser Glück!"

Da erhob sich Käthe. Ihr schönes Gesicht war ihm zugewandt, die großen, dunkelblauen Augen flammten in Empörung und Leid. Käthe sagte:

Auf unser Glück? Trinke doch lieber auf die Vernunftehe, die du dir einrichten willst. Ich habe leider zufällig gehört, als du Brigitte sagtest, daß du mich nicht liebst. Und ich schenke mich einem Manne nicht, der mich nicht liebt. Auch dann nicht, wenn ich eigentlich dankbar sein müßte."

Käthe!"

Käthe ging zur Tür. Er trat einen Schritt zu ihr hin, blieb aber dann stehen.

Käthe aber sagte:

Ich bin müde. Ich möchte schlafen. Und ich denke, daß ich drüben im Salon gut ruhen werde.

Gehe ruhig ins Schlafzimmer, Käthe! Ich kann viel eher im Salon bleiben als du! Und was du in Adelsbof hörtest Käthe, ich muß wahnsinnig gewesen sein! Vorhin, als ich dich sah, wußte ich, daß ich dich liebe, kleine, süße, liebe Käthe! Aber das brauchst du mir ja nun nicht zu glauben. Gute Nacht, Mädelchen!"

Er verbeugte sich und ging.

Vierzehntes Kapitel.

Sie blieben in Rom. ..

Sie besuchten miteinander alle Sehenswürdig­keiten. Arndt von Berken war der beste, aufmerk­samste Gatte: aber er sagte ihr nie mehr ein hebe» Wort, wenn sie allein waren. Und Käthe dachte: Ich habe es ja so gewollt!

Sie blieben immer wieder, trotzdem Arndt schon einige Male erwogen hatte, nunmehr Heimreisen zu wollen. Aber er sah, wie sehr Käthe all das Schöne, Fremde in sich aufnahm. Und er sah auch, wie sie immer schöner aufblühte unter der südlichen Sonne. Und so verschob er die Abreise immer wieder.

Aber in ihm stürmte es. Warum hatte er sich sein Glück selbst verscherzt? Was war nur mit ihm gewesen? Ein unbegreiflicher Zustand, der ihn nicht hatte erkennen lassen, daß alle seine Gute, seine Fürsorge für das kleine, verlassene Mädel da­mals schon einer großen, werdenden Liebe ent­sprang. Und nun mußte er es tausendfach büßen, daß er es nicht beizeiten erkannt hatte, wie teuer ihm Käthe immer gewesen war! Aber es mußte noch alles gut werden! Er gab sie nicht mehr her! Und der süße Trotzkopf liebte ihn ja doch! Käthe konnte sich nicht so verstellen, daß er es nicht aus vielem herausgespürt hätte, daß sie ihn noch liebte!

(Schluß folgt.)

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für einen tödlichen Autounfall.

LPD. Darmstadt, 25. Okt. Vor dem Bezirks­schöffengericht hatte sich der 47jährige Joseph T r a- bert aus Frankfurt, ein alter Autofahrer, wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Am Abend des 23. Juli hatte sich an seinemHund" eine Vorrichtung, um Autos abzuschleppen ein Rad gelöst. Während der Reparatur hatte Tra- bert das Licht seines Wagens gelöscht, um Strom zu sparen. Dadurch konnte ein in selber Richtung fahrender Wagen die Gruppe nicht sehen, fuhr einen Mitarbeiter des Trabert an und

in die Stirn. Mechanisch strich Käthe es wieder zurück.

Plötzlich warf sie den blonden Kopf in den Nacken. ;

Brigitte hat recht! Arndt hat kein Recht auf mich, weil er mich ja nicht liebt!"

Käthe wies die nüchterne Pflichterfüllung des Ehe­begriffs weit von sich. Ihre edle, heiße Liebe zu Arndt von Berken hätte Besseres erwarten dürfen. Nun mochte er sehen, mit dieser seiner Ehe fertig zu werden. Sie war kein armes, kleines Mädel mehr, sie war Frau von Berken. Er hatte sie auf diesen Platz gestellt, und nun hatte sie auch ein Recht, seine Liebe zu verlangen!

Verlangen? .

Man konnte keine Liebe verlangen. Genau so gut, wie man sich zur Liebe nicht zwingen konnte. Liebe war etwas derart Hohes, Edles, daß das Wort Zwang" nicht mehr darin existieren durfte!

Käthe sah hinreißend schön aus in dem weißen, weiten Spitzenkleid mit den weiten, langen Aermeln. Als Arndt ins Zirner trat, im schwarzseidenen ele­ganten Hausanzug, der seine hochgewachsene, pracht­volle Figur voll zur Geltung brachte, da blieb er stehen, sah starr auf feine Frau.

War er denn blind gewesen? Käthe war schön! Wunderschön und begehrenswert! Und nur ein Narr konnte sie als kleines Mädel behandeln. Als kleines Mädel, das immer ein bißchen fühlen würde, was ihm für ein Glück durch diese Heirat geschehen war.

War er denn verrückt gewesen? Was durchströmte ihn denn da so heiß und glücklich? Diese kleine süße Frau gehörte ihm! Ihm! Und er liebte sie ja! Drei- mal ja er liebte sie! Jetzt wußte er es.

Wie kam ihm nur auf einmal diese Erleuchtung? War es, weil Käthe so ganz anders vor ihm stand? Nicht mehr so demütig-glücklich, mit dem scheuen Ausdruck in den Augen? Herrgott noch mal, wie sie setzt vor ihm stand. Wie ein süßer, betörender Trotz­kopf Was hatte er ihr denn bloß getan? Nun er würde sie halbtot küssen. Diesen trotzigen Zug auf dem schönen jungen Gesicht würde er fortküssen. Das wäre ja noch schöner. Jetzt, wo er auf einmal wußte, wie sehr er das kleine Geschöpf liebte. Wer war denn Käthes Was hatte er denn bisher geglaubt? Käthe war wunderschön! Sie hätte bestimmt beim Film eine große Karriere gemacht. Jetzt, heute war er ganz fest davon überzeugt! Er hatte sie dort heraus­gerissen, weil er sich nun einmal in der Rolle des Wohltäters gefiel. Käthe hatte gar keine Ursache mehr diese Heirat als einen Glucksfall ohnegleichen zu betrachten. Sie war genau so gut die Gebende, wie er der Gebende sein wollte.

Blödsinn!

Was dachte er denn da alles! So eine kleine, süße Frau nahm man einfach in die Arme, küßte sie. Schließlich war man der Herr. Und man mußte eben ^gestehen wie lieb man solch kleine Frau hatte!

Käthe ich wollte dir nur sagen"

Es klopfte.

Gleich darauf servierten zwei ältere Kellner : Berken hätte sie am liebsten wieder hlnausgeschlckt, aber das ging nicht. Das Essen wurde sonst kalt.

- Und da reichte er Käthe den Arm. .

Wenn du gestattest, Käthe, dann essen wir letzt! .

Zeige mir, wie Du wirbst, und ich sage Dir, wer Du bist!

Völker im Zeichen der Reklame.

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Die Reklame eines Landes wird bestimmt durch denD«chmack. Und der Volksgeschmack wird nicht zuletzt bestimmt durch die Reklame eines Landes Eines ist mit dem anderen unlöslich ver- friüpft es ift ein bißchen die Geschichte wie mit ber Aenne unb bem Ei. Die Gelehrten streiten noch beute barüber, was zuerst ba war.

Aber sicher ist: Wenn man burch frembe ßänber reiü wenn man frembe Völker kennenlernen will, ihren Geist erfassen unb ihrem Charakter nachspü- ren, bann sollte man nicht nur seine Burgen, «Ruinen, öffentlichen Gebäube, feine Lanbschaften unb Bauernsitze ftubieren, man sollte auch offenen Auges burch die Straßen einer großen Stadt gehen und die Seiten seiner größten Zeitungen und Zeit-

Gefällt dir Italien, Käthe?"

Sie verließen den Bahnhof in Rom. Arndt hatte hier in einem der besten Hotels Zimmer bestellt.

Und Käthe nickte. Sah sich mit großen Augen um und sah doch nichts von all der Schönheit ringsum. In ihr schrie es nur immer: Jetzt weißt du, was du ihm wert bist! Jetzt weißt du es. Und niemals hättest du dir einbilden dürfen, Arndt von Berken dir fein Herz und feine Seele. Alles erträumte Gluck ist zerronnen. Nichts bleibt als die Trennung. Denn wenn Arndt mich nicht liebt, wie er grausam seiner Schwester sagte, dann ist für mich alles zu Ende.

Mir gefällt es sehr, Arndt."

Sie gingen Arm in Arm. Arndt hatte den großen Hotelwagen herangewinkt. Er nahm ihr Gepäck auf.

Und dann waren sie dort.

Soll ich dir beim Auspacken helfen, Käthe?"

Nein, ich komme ganz gut mit dem kleinen Koffer zurecht. Das Mädchen kann mir dann morgen beim Auspacken des großen Gepäcks helfen. Heute bin ich zu müde dazu."

Selbstverständlich, Käthe ganz, wie du willst.

Er küßte sie. Käthe wich ängstlich zurück. Er lachte, strich ihr das goldig schimmernde Haar aus Der Stirn. .

Mach' dich ein bißchen frisch und ruh' dich in­zwischen ein wenig aus. Ich bestelle unterdessen em gutes Essen für uns. Einverstanden?"

Ja, Arndt!"

Als Käthe in dem schönen Baderaum ftanb, bachte sie: Es ist ja alles zu spät! Ich wuß mich sugen. Aber ich schäme mich so, benn er liebt mich ja nicht. Warum habe ich geglaubt, Arnbt könne mich lieben? Ich schäme mich meiner Unkenntnis. Ich hatte es aus vielem herausfühlen müssen. Unb ^rnot yat mir nicht ein einziges Mal gesagt, baß er mich hebt.

Käthe babete,' fleibete sich an, kämmte das lockige Haar Zurück. Widerspenstig siel es ihr immer wieder

Brigitte sagte: r

So also steht es. Käthe tut mir leid. Sie hebt dich mit ihrer ganzen köstlichen jungen Liebe."

Sie wird nichts vermissen, Brigitte. Nur ver­lange nicht, daß ich sie zu meiner Göttin erhebe. Ich habe nun einmal eine ganz besondere Vorstel­lung, ganz besondere Ideale gehabt von einer Frau, der ich einmal ganz und gar und für ein Leben lang gehören will. Wenn nun plötzlich alles anders kommt, dann kann sich ja schließlich mein Empfinden nicht auch mit ändern."

Sicher nicht. Aber hättest du mir das früher gesagt, dann hätte ich dir wahrscheinlich von Dieser Ehe abgeraten."

Wir wollen nicht hin und her raten, was man hätte tun und nicht tun müssen. Ich bereue nichts. Es ist alles gut so!"

Käthe ist aber zu schade dazu. Sie verdient etwas Besseres."

Ich begreife dich nicht, Brigitte."

Ich dich auch nicht, Arndt!"

Zum erstenmal ruhten ihre Hände mit kühlem Druck ineinander, als sie sich für mehrere Wochen voneinander trennten.

Käthe qing hm und her. Das Herzklopsen wurde stärker. Käthe, allein gelassen, suhlte plotz ich dl- Be­deutung dieses Tages mit stärkster Wucht.

Und gitterte!

Nach einer Weile hob sie den Kops. Lauschte! Kam Arndt? Nein! Irgendwer ging draußen leise aus dem Gang entlang. Käthe wartete ein paar Minuten, bann ging sie hinaus.

Alles war still.

Von unten herauf brangen bas fröhliche Lachen unb das Stimmengewirr ber Freunbe. Unb einmal schallte ganz laut unb fröhlich Rosemarie Ostens Stimme!

Käthe bachte: Rosemarie ist boch auch eine junge Frau! Und sie ist froh und sehr glücklich. Weshalb fürchte ich mich plötzlich so?

Käthe ging weiter. Völlig im Bann ihrer Ge­danken. Betrat Brigittes Zimmer. Vielleicht war die noch hier oben? Vielleicht in Tantes Wohnzimmer nebenan?

Stimmen!

Gott sei Dank! Brigitte unb Arnbt!

Ich weiß nicht, Arnbt ich muß dich etwas fragen:Liebst bu Käthe?"

Nein! Ich bin ihr nur gut, und ba ich einmal heiraten mußte, kann es auch sie fein, bie mir Kinber schenkt! Ich werbe eine gute Ehe führen, aber Käthes Interessen unb bie meinen gehen schließlich meilen­weit auseinanber. Käthe wirb sich bei bir nicht be­klagen zerlaß dich darauf!"

Und die deutsche Reklame? Sie ist schwerer auf einen Nenner zu bringen, schon aus dem Grund, weil wir mit unserer Straßenreklame ungleich zu­rückhaltender sind als die Vereinigten Staaten, als England und Frankreich. Bei uns spielt die Licht­reklame eine größere Rolle als in Frankreich, und das zeigt bereits, daß in all unserer Reklame die Technik vorherrschend ist. Und das ist vielleicht der entscheidende Punkt. Der Menschentyp unserer Reklame ist außer dem Sportmenschen der Arbeiter und der Gelehrte. Für welchen Artikel immer eine bildhafte Propaganda gemacht werden soll, fast immer zeigt sich (außer bei ausgesprochen weiblichen Dingen), daß dieser Artikel auf den arbeitenden Menschen angewandt und gezeigt wird, wie er aus ihm Vorteil ober Genuß ziehen kann. Der Schwer­punkt ber beutschen Reklame liegt in ihrer tech­nischen mehr als in ihrer kunstgewerblichen Voll- enbung, soweit nicht beibes oerbunben ist. Licht­reklame, Photomontage, Filmreklame sinb typischer für uns als bunte Plakate. Die Schlüsse, bie baraus zu ziehen sinb, unb es sinb nicht wenige, bleiben jebem überlassen. Ich glaube, baß sie recht gut aus»

Stanbartenführer Walter Hellvoigt, ein alter Kämpfer ber nationalsozialistischen Bewegung, ist nach langer Krankheit im Alter von 34 Jahren gestorben. Er war ein unbekannter SA.-Mann am Berliner Webbing, ber Hochburg bes Kommunis­mus. Seine Treue unb Aufopferung würbe mit ber noch am Tage vor feinem Tobe vollzogenen Er­nennung zum Ehren-Stanbartenführer ber Stan- barteHorst Weffel" belohnt.

MllkAMmi.

Vornan von Gert Gothberg.

Urheberrechtsfchutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).

Curt Christoph von Schwerin war bei bem Siegeslauf bes jungen preußischen Herrschers stets in erster Linie unb hat gleich von Anfang an mehr als ber für Friedrich etwas zu massige Alte Dessauer" Friedrichs Vertrauen be­sessen. Er empfahl sich, wie Arnold Berney in seinem BuchFriedrich der Große" ausführt, durch die Feinheit seiner Umgangsformen; den Spott­namen desKleinen Marlborough" trug er mit Recht; er vereinigte diplomatische und militärische Fähigkeiten von hohem Rang mit einer weltfreudi­gen Lebensweise.Er war ein belesener und viel­fältig unterrichteter Mann und hatte große Er­innerungen. Wer dem Grafen begeanete, spürte die Atmosphäre eines erfolgreichen und ereignisvollen Lebens. Schwerin hatte als junger Offizier Feld­züge des spanischen Erbfolgekrieges und des nor­dischen Krieges mitgemacht, er hatte in nieder­ländischen und schwedischen, in mecklenburgischen unb preußischen Heeren gebient; mehrfach waren ihm biplomatische Missionen von Bebeutung über­tragen worben, zuletzt in Dresben unb Warschau, zuerst, mit kursächsischem Auftrag, in Benber bei Karl XII. Daß er Marlborough unb Prinz Eugen gekannt, baß er mit bem roilben Schwe­benkönig ein paar Wochen in Thrazien verbracht hatte unb aus peinlichen ober hornigen Affären meistens mit Erfolg, immer mit unbefleckter Ehre hekmgekehrt war, sicherte ihm ein bebeutenbes An­sehen unb verschaffte ihm bie besvnbere Teilnahme bes jungen Königs. .

Friebrich hatte ben 54jährigen schon im Juni

zum Felbmarschall beförbert. Er hatte mit ihm ben i sehen, fuhr einen Muarveuer oes xraoen schlesischen Expebitionsplan burchberaten unb vor-1 verletzte ihn so schwer, baß er verstarb.

bereitet. Er rückte mit ihm am 16. Dezember 1740 von Krossen her über bie schlesische Grenze." Durch Schwerins Eingreifen wurde die Schlacht bei M o l l w i tz am 10. April 1741, die Friedrich schon für verloren hielt, für die Preußen gewonnen. Es kamen noch viele Schlachten, Siege und Nieder­lagen. Mehr afc einmal entging das preußische Heer knapp dem völligen Untergang, stand die Existenz des Staates auf dem Spiel. Aus dem un­gestümen Herrscher und Feldherrn reifte in den Stürmen der Leidensjahre ein großer Staatsmann heran. Curt Christoph von Schwerin aber, fein Feldmarschall, focht ungebeugt für den Ruhm Preußens, bis er feine Treue für König und Land vor den Mauern Prags mit dem Tode besiedelte.

AM

fChristen durchblättern, um feinen Reklame- ft i l zu erforschen. Das kann allerdings zu Trug­schlüssen führen, zu voreiligen Behauptungen, die jo falsch sind, wie alle oberflächlichen Beobachtun­gen. Weil in Amerika die kosmetischen Reklamen, in England die Reklamen für Salatsaucen, in Frankreich die für Alkohol und in Deutschland die für Zigaretten überwiegen, deshalb dürfte man wohl doch noch nicht behaupten, daß Amerika das hygienischste Land, England das Land der Fresser, Frankreich das Land der Trinker unb Deutschlanb bas Volk ber Raucher sei.

So summarisch ist bas nicht gemeint. Eher ist es ber allgemeine, ber farbliche, ber technische, ber for­male Charakter ber Reklame, ber uns tiefe Schlüsse ziehen lassen könnte. Es hanbelt sich, großartig ge­sprochen, beinahe um so etwas wie eine kleine Kunstgeschichte ber Reklame. Denn wer will bestrei­ten, baß Reklame so etwas wie eine moberne Volkskunst geworben ist.

Unter ben großen Unternehmen einer jeden Ration tobt ein gigantischer Reklamekampf, aber auch ber kleinste Kaufmann, der Straßenhändler selbst, hat bie Allmacht dieser neuen Gottheit begriffen In den Straßen von Paris sah ich einmal ein rührendes Beispiel dafür, wie diese neue Art der Kunderwer­bung, die wir Reklame nennen, ins Volk eingebrum qen ist unb dort eine neue Art von primitiver Kunst weckt. Ein winziger elender Laden, in dem Alkvhvl- forten aller Art neben Konserven und den gang­barsten Lebensrnitteln verkauft wurden, trug auf seiner kleinen Ladenfensterscheibe ein seltsames Ge­mälde aus Kreide: Man sah, primitiv, aber sehr beutlich gezeichnet, einen Leichenwagen und em Trauergefolge, Straße mit Bäumen und Wagen, bie herumfuhren, unb auf bem Sarg, ber m bem offenen Leichenwagen sichtbar war, ftanb geschrieben: , Teuerung". Vielleicht hatte ber Besitzer selber biese anschauliche Behauptung, bei ihm würbe bie Teue­rung zu Grabe getragen, verfertigt. Jebenfalls hatte er sichtlich Erfolg mit seiner Kunbenwerbung; Denn mancher Neugierige blieb stehen, unb mehr wollen ja auch die großen Fachleute für Kundenwerbung mit ihren gewaltigen Riesenplakaten nicht erreichen.

Ja, Volkskunst ist es wohl, aus dem Geschmack eines Volkes entstanden und auf den Geschmack dieses

sein Glück ba 3U ... .

gef$nttten, Mlt Re ß 9 ^beiterbaracken geheftet, nur einen Taler und dabei eine Ohrfeige gegeben d°m Ausdruck: .Dieses ,^de von keinem weiter-

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