Nr. 48 Erstes vlatt
184. Jahrgang
Montag, 26. Zebruar 1934
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Der Schwur auf den Führer.
Der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß nimmt über eine Million politische Leiter in Treue und Gehorsam.
Die Feierstunde auf dem Münchener Königsplatz.
München, 25. Febr. (DNB.) Während schon lange vor Anbruch der Morgendämmer",ng d i e Kolonnen der politischen Leiter ihren Aufmarschplätzen zuströmten, sammelten füh um 6.30 Uhr, als eben der strahlende Sonntag herauf- zog, sich die Abordnungen der 5 Banne derHI. zum großen Wecken. Um 7 Uhr rückten sie aus den verschiedenen Stadtteilen unter Dorantritt von Musikkapellen strahlenförmig in das Zentrum der Stadt ein, von der Bevölkerung freudig begrüßt. Punkt 8 Uhr setzten sich von der Türkenkaserne und von der Elisenstraße aus d i e Formationen der Amtsleiter und der Arbeit s d i e.n st f ü h r e r, von der alten Pinakothek aus d i e Gruppen der HI. - Führer in Bewegung und gliederten sich in musterhafter Ordnung in den großen Aufmarsch am Königs- p l a tz ein. Ein prächtiges Bild im Glanze der Frühlingssonne bot der Einzugder 300 Fahnen und Wimpeln der HZ. und des Fahnenwaldes der NSBO. Schlag 10 Uhr kündeten Fanfaren von den Zinnen der Propyläen den Abschluß des Riesenaufmarsches, der wiederum ein glänzendes Meisterstück der Organisation und Disziplin bildete. Gleichzeitig flammten von den Pylonen am Eingang des Königsplatzes und auf den Propyläen Flammen auf. Um 10 Uhr kamen vom Hofe des Brapnen Hauses her die Angehörigen der Reichsleitung in geschlossenem Zuge an und nahmen vor den Propyläen Aufstellung. Kurz darauf nahm im Braunen Hause der Stellvertreter des Führers gesondert die Vereidigung der Reichsleiter und Amtsleiter vor. Um 10.20 Uhr erschollen auf dem Königsplatz abermals Fanfarenklänge.
Gauleiter Staatsminister Wagner traf urtter lebhaften Heilrufen an der vor den Propyläen errichteten Rednertribüne ein, wo sich bereits der Stab seiner engeren Mitarbeiter mit dem stellvertretenden Gauleiter Nippold eingefunden hatte. Kurz darauf fuhren auch die führenden Männer des Stabes vor, voran Reichsstatthalter General Ritter v. Epp und Ministerpräsident Siebert. Es folgten die Meldungen. Dem Stabsleiter der PO. Dr. Ley meldete Gauleiter Minister W a g - n e r 14 200 politische Leiter des Gaues München- Oberbayern. Anschließend wurden 215 Stabswalter der Reichsleitung gemeldet. Gebietsführer Klein des Gebietes Hochland meldete dem Reichsjugendführer Baldur v. Schirach 16600 Führer und Führerinnen der HZ., des Jungvolkes und des BdM., Gauarbeitsführer Baumann meldete dem Reichsarbei>zführer Hier! 488 Arbeitsdienstführer. Punkt 10.30 Uhr kam vom Braunen Hause her, im Auto stehend,
der Stellvertreter des Führers, ReichSminister Rudolf Heß.
Auch er wurde von Fanfarenklängen und von lebhaften Heilrufen aus der weiten Runde begrüßt. Als er die Tribüne betreten hatte, wurden ihm sofort die Meldungen aus dem ganzen Reiche erstattet.
Skobsleiter der PO. Dr. Ley meldete 795000 Amtswalter im Reich zum Appell angetreten. Reichsjugendführer von Schirach meldete 130 477 Führer der f)3., 43 062 Führerinnen des BdM. und 990 Führer des RS. Deutschen Studentenbundes, Reichsarbeitsführer hierl meldete 18 500 Führer des Arbeitsdienstes als zur Dereidigung angetreten. Der Stellvertreter des Führers Rudolf heh begrüßte die einzelnen Gruppen mit einem kräftigen heil, das tausendfältigen Widerhall fand.
Reichsjugendführer Baldur von Schirach sprach dann nach kurzen Begrüßungsworten des Gauleiters zu den in ganz Deutschland Versammelten:
Heute vor vier Wochen haben wir in Potsdam an der Gruft Friedrichs des Großen unsere neuen Fahnen geweiht. An diesem Tag nun sollt ihr, Führer und Führerinnen der deutschen Jugend, das Gelöbnis, das lch für euch am Sarge unseres größten Toten gesprochen habe, persönlich wiederholen. In allen Gauen Deutschlands steht ihr so wie hier in Mün- chen bereit, um Rudolf Heß, dem Stellvertreter des Führers den Eid unverbrüchlicher Treue zu Adolf Hitler und feinem Werk zu leisten. Ihr seid die Jugend Adolf Hitlers. Die Jugend, die freiwillig, selbstlos und gläubig zu ihm gegangen ist und dies zu einer Zeit, als noch Millionen von Volksgenossen die in ihm ruhende Zukunft nicht begreifen konnten. Wir gingen zu Hitler, weil der Weg zu ihm der Weg zu Deutschland war. PO. und SA. ergänzen sich aus einer Gemeinschaft, der Hitler-Jugend. Die Hitler-Jugend ist sich der Verantwortung vor Volk und Geschichte bewußt, die in dieser Tatsache begründet liegt. Sie ist bereit und entschlossen, sich in harter Zucht für ihre zukünftigen Aufgaben einzusetzen, um so das
Recht zu erringen, dereinst das Werk der politischen Soldaten Adolf Hitlers fortsetzen zu dürfen.
Der Kampf der hiller-3ugend ist nicht zuletzt ein Ausdruck des gesunden Dranges der deutschen Jugend zur Disziplin und zur Anerkennung der echten Autorität. Das ungebundene Schwärmen, dem sich früher einmal die Jugend ergeben hatte, und das dennoch in seiner Zeit gut und richtig war, ist vorüber. Was wir deutschen Jugendführer heute wollen, ist nicht wirklichkeitsfremde Romantik, sondern junges Sp acta. Freiwillig beugt sich das ganze junge Deutschland unter ein Gesetz. Der Wille eines Einzigen bestimmt den Marschtritt unserer jungen Kolonnen. Unser Führer und unsere Pflicht sind die
treibenden Momente unseres handelns und Denkens.
Stellvertreter des Führers! Es ist für jeden von uns eine Ehre, heute durch Sie, den vertrautesten Mitarbeiter Adolf Hitlers, dem Führer d a s G e - lübde selbstloser Hingabe und Treue aussprechen zu dürfen. Es ist nicht die Art der neuen Jugend, die erhabene Feierlichkeit einer solchen Stunde mit schönen Worten zu schmücken; die Tat ist stumm, wie unsereToten es sind, die mit dem Namen „Adolf Hitler" auf den Lippen klaglos und gleichsam selbstverständlich in ihre ewige Heimat gingen. Diese Jugend, die hier vor Ihnen steht, Rudolf Heß, besteht nur aus solchen entschlossenen Kämpfern, wie diese es waren. Alle können für diesen einen Adolf Hitler schweigend sterben als Diener ihrer harten Pflicht. Melden Sie das dem Führer als die Botschaft seiner treuesten Jugend.
Der ©Weiter Der PO. Dr. Robert Ley
führte dann u. a. aus:
Unserer Generation ist es vergönnt, die größte Revolution unseres Volkes miterleben zu dürfen. Und wir, die Politischen Leiter, sind vom Schicksal berufen, die Träger des politischen Willens unseres Führers zu fein. Ein namenloser Frontsoldat Adolf Hitler nahm in der schwersten Stunde unseres Volkes die Fahne der Freiheit aus den Niederungen der Schande, Entehrungen und Demütigungen auf, um sie mit einem heiligen Feuer der Begeisterung, mit einer unerhörten Zähigkeit vorwärts zu tragen. Eine kleine Gemeinde sammelte sich um den Führer und seine Begeisterung riß uns alle mit. Ungeheuerlich waren die Opfer, die jeder einzelne bringen mußte. Wenn wir zuerst wähnten, wir seien Freiwillige, so mußten wir bald erkennen, daß über uns allen ein ehernes „Muß" hing, das die letzte und höchste Kraft von uns verlangte. Manchmal wollten wir verzweifeln und Hoffnungslosigkeit zog in unser Herz, immer wieder riß uns der Führer hoch.
Politische Leiter! Es ist notwendig, daß wir heute in der Stunde des Sieges, uns all dieser ungeheuerlichen Opfer erinnern, und es ist vor allem notwendig, den neu hinzugekommenen Politischen Lei
tern und Amtwaltern immer wieder diese unerhörten Opfer ins Gedächtnis zu rufen.
Und wenn man sagt, wir sollten nun endlich Ruhe geben, wir hätten die Macht, so antworten wir jenen: „Wir können nicht eher Ruhe geben, bis wir das gesamte Volk von der Richtigkeit und Größe unserer Idee überzeugt und dafür gewonnen haben." Deshalb soll auch der heutige Tag, wo wir dem Führer ein heiliges Gelöbnis der Treue geben, verbunden sein mit dem Schwur: „Wir wollen nicht ruhen und rasten, bis Deutschland und sein Volk nationalsozialistisch geworden ist." Wir erheben für unsere Weltanschauung den Anspruch auf die absolute Totalität. Wir glauben allein an unseren Führer und seine Idee und können deshalb nicht dulden, daß neben ihm andere Führer anderer Weltanschauungen ebenso den Anspruch erheben, vom Schicksal zur Führung dieses Volkes berufen zu sein. Wir werden deshalb weiter-
Oie Heldengedenkfeier in Berlin.
Oben: Der Vorbeimarsch der Ehrenkompanie vor dem Reichspräsidenten Unter den Linden. — Unten: Reichspräsident und Reichsregierung vor dem Mahnstein des Ehrenmals. Von links nach rechts: Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt, Admiral Rae der, Vizekanzler von P a p e n, Reichskanzler Adolf Hitler, Oberst von Hindenburg, der Reichspräsident, Ministerpräsident Göring, Reichswehrminister von Blomberg, Reichsminister S e l d t e und der Chef der Heeresleitung General von Fritsch.
kämpfen, denn der Kampf ist unseres Lebens Inhalt.
Wir erklären, daß wir nie und nimmer die Verbindung mit dem Volk verlieren werden, damit uns der sichere Instinkt, der durch den Kampf in uns erweckt und geschärft wurde, nie wieder ver- lorengehe. Wir sind Soldaten und Werber zugleich. Wir werden in allem und jedem dem Führer blind gehorchen und im Predigen und Werben nie erlahmen. So werden wir den Eid leisten, der für die alten als die Bestätigung ihrer Treue, die sie durch die Opfer bewiesen haben, zu gelten hat, und für die neuen Politischen Leiter als das Bekenntnis, dieselben und wenn notwendig noch größere Opfer und Hingabe an den Führer auf sich zu nehmen, wie es ihnen die alten als Beispiel vorgelebt haben.
Als letzter sprach bann
der Stellvertreter des Führers:
Deutsche Männer, deutsche Frauen, deutsche Jungens, deutsche Mädels, die ihr zu dieser Stunde alerorts im ganzen Deutschen Reiche in einer Zahl von weit über einer Million zusammengekommen seid! Ihr werdet anläßlich des Jahrestages der Programmverkündung gemein* s a m den Schwur der Treue und des Gehorsams auf Adolf Hitler ablegen und damit in aller Form vor der Welt bekräftigen, was euch längst selbstverständlich war und was ihr in euerem Handeln meist schon durch Jahre hin und oft unbewußt zum Ausdruck brachtet. Ihr schwört euren Eid an einem Tage, der zugleich erstmals als H e l d e n g e d e n k t a g in Deutschland begangen wird. Wir senken die Fahne zur Weihe dieses Tages und gedenken allem voran und mehr denn je derer, die als Helden lebten und als Helden starben. Die Fahnen sind geneigt vor den Großen unserer Geschichte, vor den Kämpfern für Deutschland, vor den Millionen des Weltkrieges, vor denen, die starben als das wegbereitende Opfer für das neue Reich. Ich nenne Horst Wessel, weil sein Name uns als Symbol wurde und ich in ihm aller gedenke, die „Rot-Front und Reaktion erschossen".
Wehe dem Volk, das keine Heldenverehrung mehr kennt. Ls wird auch einst keine Helden mehr kennen, mehr hervorbringen, denn auch der Held entsteht aus der Wesenheit eines Volkes. Lin Volk ohne Helden ist aber ein Volk ohne Führer, denn nur der heldische Führer ist ein wahrer Führer und wird in schweren Zeiten standhalten. Aufstieg oder Untergang eines Volkes kann bestimmt werden durch das
Vorhandensein oder Fehlen eines Helden.
Wir ehren das Heldentum an sich und können daher auch jenen die Achtung nicht versagen, die i n Oesterreich für Idee und Pflicht ihr Leben lie- ßen. Zwar ist die Idee von uns als falsch erkannt, aber das Sterben derer, die ihr opfernd folgen, war nicht weniger heroisch wie der Tod der Männer, die in soldatischer Pflichterfüllung vielleicht gegen ihre bessere Ueberzeugung, einem gegebenen Befehl befolgend, tapfer stritten und star- 6en. Kaurn einer auf beiden kämpfenden Seiten wird sich voll bewußt sein,daß er das Werkzeug unsichtbarer Kräfte im Hintergrund war. Wir aber hegen die Hoffnung, daß auch hier im deut- schen Bruderkrieg, in Oesterreich wieder ein Teil jener Kräfte wirkte, die „stets das Böse will und stets das Gute schafft". Erfüllt sich unser Hoffen, dann sind auch diese Opfer nicht umsonst gebracht worden.
wir wollen nicht vergessen die Mütter, Frauen und Kinder, die ihr Liebstes — oft ihren Ernährer — hingeben und im stillen Heldentum ihr Schicksal tragen. Dem ehrenden Erinnern an kampfstarkes männliches Heldentum und dem Gedenken des schweigenden Opferlums der Mütter und Frauen gilt uns Deutschen die Treue gleich in der Heiligkeit des Begriffs. Die Fahnen, die wir wieder erheben, find die Symbole dieser Treue, die für den nordischen Menschen nur Lebenskraft ijat in enger Verbundenheit mit Heldentum. Der Held germant- fcher Prägung ist treu bis zur Selbstaufgabe. Seid euch dessen bewußt, indem ihr Treue
schwört am Tage des Heldengedenkens.
Nicht allein Treue an der Tat, auch Treue in der Gesinnung wird von euch gefordert. Treue in der Gesinnung bedeutet unbedingter Gehorsam, der nicht fragt nach dem Nutzen des Befehls, der nicht fragt nach den Gründen des Be- fehls, sondern der gehorcht um des Gehör- f a m s willen. Der Gehorsam wird dann zum Ausdruck heldischer Gesinnung, wenn die Befolgung des Befehls dem Gehorchenden zum persönlichen Nachteil zu gereichen, oder dessen eigenster lieber- Zeugung zu widersprechen scheint. Es ist Adolf Hit- l e r s Führerstarke, daß er in der politischen Organi- lation fast stets durch die Kraft seiner Ueberzeugung wirkt und nur selten befiehlt. Er muß aber wissen, daß, wenn er befiehlt oder befehlen läßt, der Befehl auch unbe-


