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Krisengerüchte in Paris.

Meinungsverschiedenheiten im Kabinett über den Stavisty-Skandal.

P a r i s, 25. Jan. (DNB.) Der Geschäftsordnungs- ausschuß der Kammer hat mit 14 gegen 11 bei zwei Enthaltungen grundsätzlich die Einsetzung einesauherparlamentarischenUnter- s u ch u n g s a u s s ch u s s e s für die mit dem Sta- visky-Skandal zusammenhängenden Fragen beschlossen. Der Ausschuh wird morgen über die Einzelheiten beraten.

In parlamentarischen Kreisen sind am Donnerstag­abend noch völlig unkontrollierbare Gerüchte über Meinungsverschiedenheiten inner­halb des Kabinetts aufgetaucht, die vielleicht den Rücktritt mehrerer Minister zur Folge haben könnten! das wurde zwangsläufig zum Rücktritt der Gesamtregierung führen. Die Absicht Chautemps', der vom Geschäftsordnungsausschuh der Kammer be­schlossenen Einsetzung eines außerparla- nientarischen Untersuchungsausschüs­se s zur Nachprüfung des Stavisky-Skandals z u z u, stimmen, soll nicht die Billigung derjenigen Ka­binettsmitglieder finden, die für ein autoritä­res Durchgreifen der Regierung seien. Es werden in diesem Zusammenhang genannt die Namen der Minister Daladier, Sarraut, Queuille, Mistler und Frot. Eine Entscheidung erwartet man von dem am Montag zusammentretenden Minister­rat. Man wird gut tun, diese Gerüchte vorerst mit allem Vorbehalt aufzunehmen.

Mussolini und Japan.

Die Gefahren aus dem Fernen Osten.

London, 25. Jan. (DNB.) Der Korrespondent desDaily Telegraph" in Rom sagt, vor einigen Tagen hatten viele europäische Blätter einen Aussatz Mussolinis veröffentlicht, in dem er wiederum Unruhe über Japans Außenpoli ° t i k bekundet habe. Es verlaute, daß die japanische Regierung dieserhalb die Möglichkeit freundschaft­licher Vorstellungen in Rom erwäge. In der Tribuna" werde Japan der Unehrlichkeit im Zu­sammenhang mit der Mandschurei und China be­zichtigt. Der Völkerbund werde für seine Schlaff­heit gegenüber Japan getadelt, und Großbritannien werde vor der Durchdringung Indiens, Australiens und Neuseelands durch Japan gewarnt. Die Singa­pur-Konferenz werde aus Großbritanniens Furcht vor Japan zurückgeführt. Dieser Artikel werde als Zeichen dafür angesehen, daß Mussolini wünsche, Europa zu einem Vorgehen zu veranlassen, um China und Rußland gegen die japanische Politik zu schützen und gleichzeitig Schritte zu tun, um dem Eindringen des japanischen Handels in Europa ein Ende zu machen.

Oer Balkanpakt noch nicht

fertig.

A 11) e n, 25. Jan. (DNB.) Bei der Abfassung des Textes für den Balkanpakt haben sich neue Schwie­rigkeiten ergeben. Zum Teil ist dies darauf zurück­zuführen, dah man Bulgarien nicht zu ver- stimme n wünscht. Titulescu l)at bereits für die in dem Pakt enthaltene Grenzgarantie eine andere Formel gefunden, um den Gebrauch des Wortes territorial in diesem Zusammenhang vermeiden zu können. 9ugo(laroien versucht, obwohl man von Frankreich her auf Abschluß drängt, Zeit zu gewinnen, um doch noch den A n - schlstß Bulgariens und Albaniens an- zuftreben. Der bulgarische Gesandte in Athen habe die griechische Regierung davon verständigt, dah Bulgarien wohl freundschaftliche Beziehungen zu allen Nachbarländern zu unterhalten, dem Balkanpakt jedoch nicht beizutreten wünsche.

lieber die Vorgeschichte des Prozesses, de^en Aus- berichtet rourbe, wird oon der Deutschen gang schon benchter^wu^ « fo( bes mitgeteiit: in Kairo hatte in

Das bulgarische Königspaar ist am Donnerstagmittag in B u k a r e ^"getroffen. Zur Begrüßung auf dem Bahnhof hatten sich König Carol, die Königin-Mutter Maria und die Spitzen der Behörden eingefunden. Die gesamte Garn son bildete auf den reich geschmückten Straßen Spalier^ Die bulgarischen Gäste werden für einige Stunden in Bukarest weilen und dann nach Smaia weiter- fahren Titulescu, der sich ein Ohrenleiden zu- gezog^n haben soll, war zu dem Empfang nicht er­schienen.

Oer Kairoer Iudenprozeß.

Dr. Goebbels beglückwünscht den Führer der Kairoer Nationalsozialisten.

Iu?enpro esses 'dem Führer der c Nationoi-

soziolisten, Pg^ Al.red h ° hdem «ruderndes s er ;U i « en Glückwunsch zu dem Siege, den Sie und unsere Parteigenossen in Ka.ro errungen hoben."Si° haben derbe u t s ch *"«« <&«««* 5 großen Dienst erwi -1 ° n. gez. Dr. Goebbels.

dipi°polit. Korrespondenz u. a s°tg°n°-s m.rg u-ur r worein in H a i r o ijuiie 111

H Die Ausbreitung des Judentums in

Deutschland ? .. Broschüre den indischen Materials untersuchte dl i ferner er-

örter'te sie Mntuaie Be^-iligung^de- Juden­tums an der ^'"'^tschland Diese Darstellung Geisteskranken p:nßt. Erläuterung des

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Rechtsanwälte de Moro Giaffe r i un, T6 5, die auch im Zusammenhang mit dem Vra n buch von sich reden gemacht haben, vertreten.

Kundgebung des Evangelischen Frauenwerks.

EPH. Die im Frauenwerk der Deutschen Evan­gelischen Kirche zusammengeschlossenen evange­lischen Frauenverbände, mit 21/» Millio­nen Mitgliedern, vereinten sich im ehemaligen Her­renhaus zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die Aufgaben und Ziele im neuen Staat. An der Spitze der Ehrengäste waren die Kronprinzessin und die Herzogin von Braunschweig erschienen. Man sah ferner die Vertreterin der NS.-Frauenschaft, den Beauftragten der Reichskirchenregierung für das Frauenwerk, Pfarrer Klein, den Präsidenten der Inneren Mission, sowie Vertreterinnen Des Frauen­werkes aus dem ganzen Reiche.

Die Reichsführerin des Frauenwerks, Frau von Grone, deutete in ihrer Begrüßungsan­sprache Sinn und Aufgabe evangelischer Frauen­arbeit. Still und zäh hätten evangelische Frauen, die Mütter der SA. und SS., die Mütter der deut­schen Jugend die Kräfte deutschen Volkstums und evangelischen Glaubens durch die Stürme einer gottlosen Zeit hindurchgerettet, bis die Erneuerung des Vaterlandes die mütterliche Kraft der Frau freimachte zu ungehemmten Einsatz für den neuen Staat. Der Führer wolle den neuen Staat auf christlichen Grundlagen aufbauen. Diese zu festigen, stehe das evangelische Frauenwerk in all seinen Gruppen bereit.

Die Leiterinnen der fünf Gruppen gaben dann über ihre Arbeitsbereiche knappe Schilderungen, in denen die innere Gliederung des Frauenwerks und die Vielgestaltigkeit evangelischer Frauenarbeit sichtbar wurde. Für dieEvangelischeFrauen- hilfe Deutschlands sprach Frau von Bismarck-Welle. Fräulein Brickenstein-Bremen schilderte in knappen Umrissen die in der Gruppe 2 zusammengefahte

caritativ-soziale Frauenarbeit. Frau Klara Loennies, die Leiterin des Reichs- mütter-Dienstes im Frauenwerk, wußte in packender und anschaulicher Rede ihre Zuhörerinnen für das Werk des Mütterdienstes zu begeistern. 120 Müttererholungsheime stünden da als Stätten einer vorbeugenden Gesundheitsfürsorge für die notleidenden Mütter des Volkes. In 5000 dörf­lichen und kleinstädtischen Mütterschulen und 54 großstädtischen Schulen werde die planmäßige Schu­lung der Mütter für ihre Aufgaben im Haus und Familie betrieben. Für das große Frauenschu - lungsprogramm des neuen Staates habe das Evangelische Frauenwerk Vorschläge unterbreitet, die bereits in der Praxis des Alltags erprobt seien. Für das Diakonissenwerk, Die fünfte Gruppe, sprach Oberin Petermann. D. Magda­lene oon Tiling beschloß die Reihe der Arbeitsbe­richte mit einer Schilderung der dritten Gruppe des Frauenwerks. Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen, Wohlsahrtspfleaerinnen und Aerztinnen stehen hier in einer Ausgabe zusammen, nicht in einer Standes- Vertretung, sondern in einer Gesinnungsgemeinschaft.

Der Bischof von Berlin, D. Karow, ließ die Feier in einem Wort des Dankes für das Wirken des Evangelischen Frauenwerks ausklingen. An den Reichsminister Dr. Frick, dem Schirmherrn aller deutschen Frauenarbeit, sandte Frau von Grone im Namen der im Evangelischen Frauenwerk zu- sammengefaßten 2,5 Millionen Frauen ein Tele­gramm, in Dem es u. a. heißt:Aus der Kraft des Glaubens wollen wir wie bisher das große Werk der geeinten Kirche in der Volksgemeinschaft bauen, um für diesen mütterlichen Dienst jedes Opfer und jede Arbeit wagen". ,

Aus aller Welt.

Der frühere VDA.-Vorsihende von Btenflg f.

In einer der letzten Nächte ist Staatsminister a. D. Dr. h. c. von Mentig in Berlin gestorben. Er war koburgifcher Minister und hat in den Jah­ren 1907 bis 1914 als Vorsitzender den VDA. ge­leitet. In feiner Amtszeit erhielt der frühereAll­gemeine Deutsche Schulverein" den NamenVer­ein für das Deutschtum im Auslande", der heute alsVolksbund für das Deutschtum im Auslande" besonders unter der Abkürzung VDA. jedem Deutschen bekannt geworden ist. Der Reichs­führer des VDA., Dr. Steinacher, hat an Herrn von Mentigs Witwe ein Beileidsschreiben gerichtet. Landjäger Weißgerber seinen Verletzungen erlegen.

Der Landjäger Weißgerber, der, wie gemel­det, in Ausübung seines Berufes von dem steckbrief­lich gesuchten Emigranten Zwinger angeschossen worden war, ist jetzt in Saarbrücken seinenPer­le tz u n g e n erlegen. Das Emigrantenunweisen hat somit wieder einmal ein Opfer gefordert. Über­haupt bilden im Saargebiet die Flüchtlinge aus Deutschland einen wahren Schrecken. Die Regie- rungskommisfion, die sich nicht aus ihrer sogenann­ten Neutralität herausbringen lassen zu dürfen glaubt, trägt einen nicht geringen Teil Schuld an diesen Zustanden, da sie noch immer nicht die Maß­nahmen zu ergreifen sich entschließen kann, die zum Schutze des nationalgesinnten deutschen Beoölke- rungsteiles erforderlich find. Vor allem aber trägt die französische Bergwerksdirektion einen großen Teil Verantwortung, denn sie ist es, die meist die Emigranten in ihren eigenen Gebäuden unterbringt und ihnen so ein willkommenes Asyl gewährt.

Explosion in den Röchling-Werken. Ein Toter, acht Verletzte.

Im Aufenthaltsraum der Röchlingschen Stahl­werke in Völklingen (Saar) ereignete sich aus bis- her ungeklärter Ursache eine Explosion, die das Gebäude völlig zerstörte. Ein Teil der Belegschaft, der sich gerade in diesem Raum aufhielt, wurde unter den Trümmern begraben. Ein Arbeiter wurde als Leiche geborgen, acht Personen wurden ver­letzt. davon zwei schwer. Der Aufseher des Aufent­haltsraumes liegt noch unter den Trümmern, lieber die Ursache des Unglücks teilt die Direktion des Werkes mit, daß wahrscheinlich aus einer in der Nähe des Gebäudes im Erdboden befindlichen Licht­gasleitung infolge von Erschütterungen Gas in den Aufenthaltsraum eingedrungen sei. Wodurch die Entzündung eingetreten sei, habe bisher noch nicht festgestellt werden können. Die Opfer lagen teil­weise tief unter den Trümmern vergraben, so daß sie erst durch Schneideapparate und andere Ret- tungswerkzeuge befreit werden konnten.

Wiederaufnahme der vergungsversuche bei Scapa Flow.

Nach demDaily Telearaph" werden die Ber­gungsversuche im Scapa Flow wieder aufgenommen werden. Ein Bergungsschiff hat bereits den Auftrag von einer Firma erhalten, nach Scapa Flow aus­zulaufen, wo noch 10 deutsche Kriegs­schiffe auf dem Meeresgrund liegen. Bisher sind 32 Fahrzeuge geborgen mor. den Die Bergungsarbeiten wurden eingestellt, Da die Bergungsfirma mit Verlust arbeitete. Da in den letzten Monaten die Preise für Alteisen aber be­trächtlich gestiegen sind, will man weitere Schiffe finden.

Dichter Rebel hemmt den Londoner verkehr.

Wegen dichten Nebels mußte am Mittwoch in London der Verkehr auf den meisten Autobus­linien eingestellt werden. Der Eisenbahnverkehr er­litt schwere Störungen. Wo es Straßenbahnschlenen gab, benutzten sie die Kraftwagenführer als Wegwei- ser Diele Verkehrsstockungen und Unfälle wer­den gemeldet. In Chiswick gab es einen Massen- zusammenstoß zwischen vier Privatkraftwagen, zwei Lastkraftwagen und einem Leichenwagen. Die englische Westküste dagegen ist beinahe nebelfret, und in anderen Teilen Englands herrschte am Mitt­woch den ganzen Tag über schönstes Winterwetter mit blauem Himmel, leichtem Wind und Sonnen­schein. In einem großen Bezirk im Norden Londons, der zehn Vorstädte umfaßt, versagte abends eine Zeitlang das elektrische Licht, und es trat völlige finiter nis ein. Die Verwirrung war außer- or entlich groß, wenn auch die Verkehrsschutzleute ihr Bestes taten, um sich durch Zelchensignale mtt den Wagenführern und dem Publikum zu verstän­digen.

Schwere Unwetter in Südafrika.

Wie aus Johannesburg gemeldet wird, sind in der ganzen Südafrikanischen Union ungewöhnlich schwere R e g e n f ä I l c zu Dönern, die zahl, reiche empfindliche Schaden verursacht haben. Var allem der Eisenbahnverkehr ist in Mitleidenschast gezogen worden. In Südwestafrika sind an zahl- reicben Stellen die Schienen weggespult

worden. Bei Keetmannshoop sitzen seit 14 Tagen 76 Reisende fest. Da keine Unterkunftsmöglichkeiten vorhanden sind, müssen sie in den Eisenbahnwagen leben. Die mehrfach vorgenommenen Versuche, Die Schienen wieder auszubessern, waren vergeblich, da sie immer wieder durch neue Wolkenbrüche weg- gefpült wurden.

Verheerende Ueberschwemmung in China.

Die Überschwemmungen an der Grenze der chinesischen Provinzen Honan und Chilhi grei­fen weiter um sich. Zuverlässige Angaben über die Menschenverluste und die Schäden liegen noch nicht vor. Chinesischen Berichten zufolge sind viele Dörfer von den Fluten hinweggesch w e m mt worden. Tausende von Menschen, Die sich auf die Hausdächer geflüchtet hatten, wurden von den Flu­ten hinweggerissen und ertranken.

Schadenfeuer auf einem thüringischen Schloß.

In den frühen Morgenstunden des Donners­tag brach im Schloß Friedenburg oberhalb von Leutenberg (Kreis Saalfeld) ein Brand aus, der sich mit großer Schnelligkeit ausbreitete. Sämt­liche Feuerwehren der Umgegend wurden alarmiert; trotzdem ist das Obergeschoß vollständig ausgebrannt. In dem Schloß, einem Fachwerkbau aus dem 15. Jahrhundert, das dem Lande Thüringen gehört, werden seit Oktober v. I. Erneuerungsarbeiten aus­geführt. Das Feuer konnte in den Nachmittagsstun­den eingedämmt werden. Niedergebrannt ist der ganze nordöstliche Teil des Schlosses mit einer gro­ßen Menge von Biedermeier-Möbeln, Oelgemälden und einer Privatbibliothek von etwa 300 Bänden. Außerdem sind einige wertvolle Sammlerstücke aus der napoleonischen Zeit verbrannt. Als Brandur­sache wird ein Kaminneubau angenommen.

3m treibenden Boot auf dem Indischen Ozean.

Etwa 1000 Kilometer von Rangoon entfernt wurde, wie aus Kalkutta gemeldet wird, im Indi­schen Ozean ein mit sechs Bengalen besetztes offe­nes Boot von einem Dampfer aufgefunden. Die Insassen waren vollkommen erschöpft. Man ver­mutet, daß es sich um Sträflinge handelt, die von denAndermanen-Jnseln entkommen sind. Sie haben sechs Tage und sechs Nächte in ihrem Boot ohne Wasser und ohne Nahrungsmittel zugebracht.

Explosion auf einem chinesischen Dampfer. 175 Tote.

Auf dem Pangtsekiang ereignete sich, wie aus Schanghai gemeldet wird, eine schwere Katastrophe. Durch eine kleine Explosion entstand auf einem Passagierdampfer ein Brand, der sich rasch aus­breitete, und dem etwa 17 5 Passagiere zum Opfer fielen.

Einslurzunglück in Ohio. 50 Verletzte.

Wie Reuter aus Portsmouth (Ohio) meldet, ist in der dortigen Kirche während eines Gottesdienstes der Fußboden eingestürzt. Von den 400 Anwesenden stürzten zahlreiche in das Kellergewölbe. Etwa 50 Personen wurden verletzt und mußten ins Krankenhaus gebracht werden.

Betrunkener schießt einen Polizeibeamten nieder.

Ein betrunkener 23jähriger Bursche verlangte In einer der letzten Nächte in einer Gastwirtschaft im Osten von Berlin einen Schoppen Bier. Als ihm der Wirt diesen verweigerte, zog der Betrunkene eine Pistole, richtete sie auf den Wirt und verlangte mit den WortenDann will ich wenigstens mit Musik sterben", daß er das Grammophon in Betrieb setze. Ein Oberwachtmeister, der sich zufällig in Zivil in dem Lokal aufhielt, versuchte dem Betrun­kenen die Waffe zu entreißen. Dabei ging ein Schuß los, der den Beamten so schwer verletzte, daß er sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Es steht noch nicht einwandfrei fest, ob sich der Schuß zufällig gelöst hat, oder ob er bewußt abge­geben worden ist.

Aus Mitleid zum Defraudanten geworden.

Der frühere Obergerichtsvollzieher Wilhelm Klei­nert aus Grünberg (Schlesien) vertrat eine von ihm eingelegte Revision gegen Das Urteil Des Land­gerichts ©logau, durch das er wegen Amtsun - terfchlagung und Urkundenfälschun mit zwei Jahren Gefängnis bestraft worden war. Diese Revision wurde verworfen. Alsbald nach der Ver­kündung dieser Entscheidung durch das Reichsgericht in Leipzig beging Kleinert einen Selbstmord- versuch, indem er mit einem Rasiermesser sich schwere Verletzungen am Halse beibrachte. Er wurde zunächst in die Chirurgische und von dort in die Nervenklinik der Universität Leipzig gebracht. Lebensgefahr besteht nicht. Kleinert hat sich die Strafen zugezogen, weil er in vielen Fällen, wo er wirkliche Not antraf, ober die der Zwangsvoll­streckung unterliegenden Schuldner ihm ihre Not klagten, zunächst aus eigenen 9JI i t te I n bie durch Vollstreckung zu erlangenden Beträge vor- geschossen hat. Später hat er sich dazu verleiten

lassen, mit fremden Geldern, die er für an­dere Gläubiger eingezogen hatte, hier auszuhelfen. Kleinert hatte gehofft, baß in Anbetracht ber tatsäch­lich nachzuweisenben Uneigennützigkeit seiner Hand­lungsweise das Reichsgericht bie gegen ihn erkannte Strafe aufheben werde. Das Reichsgericht hatte aber dazu keine gesetzliche Möglichkeit.

Wit kohlenoxydgasvergistung tot aufgesunben.

In Buchwald (Kreis Oels) wurde die Auszüglerin Pauline G a f e r t in ihrer Wohnung t o t aufge­funden. Die kriminalpolizeilichen (Ermittlungen er­gaben, daß die' Frau einer Kohlenoxydgas­vergiftung zum Opfer gefallen ist.

Kunst und Wissenschaft.

Minna von Barnhelm" in Paris.

Unter dem Protektorat des Office Universitaire Allemand wurde in Paris oon einer Gruppe deut­scher und französischer Studenten LessingsM i n n a von Barnhelm" aufgeführt. Zweck dieser Auf­führung ist vor allem, die französischen Studenten mit der Sprache und den geistigen Werken der deut­schen Theaterliteratur bekannt zu machen. Solche Ausführungen sollen, wie bereits in den beiden letzten Jahren, auch in den folgenden Jahren ftattfinben. Nach ber glänzenben Aufführung kann man ber Ver­wirklichung dieses Gedankens mit Zuversicht ent­gegensehen.

Reue Leitung des Essener Folkwangmuseums.

Das Kuratorium des Folkwcmgmuseums in Essen hat Dr. Grafen von Baudissin von der Staats­galerie in Stuttgart zum Direktor des Folkwang­museums gewählt.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg empfing Donnerstag vormittag den Reichs­kanzler Adolf Hitler zum Vortrag.

*

Der Herr Reichskanzler empfing Donnerstag mittag den R e i ch s b is ch o f und die Landes- bifchöfe der Deutschen Evangelischen Kirche zum Vortrag. *

Der Saarbevollmächtigte Vizekanzler von P a p e n und Frau von Papen versammelten Don­nerstagnachmittag die in Berlin weilenden Saar- kinder um sich. Zur freudigen Ueberraschung ber Kinber erschien auch ber Führer, ber von ihnen stürmisch begrüßt rourbe.

Infolge der zahlreichen Meldungen zum Ar­beitsdienst ist eine Derartige UeberfüUung ein­getreten, daß die Aufnahmen in den Arbeitsdienst vom 25. Januar bis 25. Februar gesperrt wer­den müssen. Der Arbeitsdienst hat in den letzten Tagen über 16 000 Anmeldungen ablehnen müssen, weil keine Stellen für die jungen Leute vorhanden sind. Die sich bereits angemeloet haben, sind vor­notiert und werden höchstwahrscheinlich zum 25. 2. einberufen.

Der großdeutsche Bürgermeisterstett ter der Stadt Innsbruck, Dr. Pembauer, . ^röe nach dem Einspruch mehrerer Persönlichkeiten aus der Haft entlassen. Die Untersuchung wird jedoch weiter geführt. Der gesamte Briefwechsel des von Dr. Pembauer gegründeten Bundes für eine öster­reichisch-deutsche Verständigung wurde beschlag­nahmt.

LautPetit Parrsien" hat Kriegsminister Dala­dier vor dem Finanzausschuß Der Kammer die Höhe der Kreditüberschreitungen bei den Befestigungsbauten an der Ostgrenze mit 700 Millionen Franken angegeben.

Nachdem Oberst Mendieta das Amt des Prä­sidenten Der Republik Kuba übernomemn hat, hat die Reichsregierung die neue kubanische Regierung anerkannt.

Wettervoraussage.

Milde Lust ist bereits bis nach Westdeutschland notgedrungen, so daß hier die Temperaturen auch im Flachlande schon über Dem Gefrierpunkt liegen. Da sich die nördliche Störung nunmehr östlich fort- bewegt, werden noch mehr Staffeln warmer Luft nachfolgen, die auch unseren Bezirk überfluten und Milderung veranlassen werden. Beim Ausgleiten der Warmluft wird es zu Bewölkung und Nebel- bilDungen kommen, späterhin ist auch mit Nieder­schlägen zu rechnen.

Aussichten für Samstag: Milder, zuneh­mende Bewölkung, stellenweise auch neblig, aufkom- menbe Niederschlagsneigung.

Aussichten für Sonntag: Fortschreitende Milderung und etwas wechselhaftes Wetter mit ein­zelnen Niederschlägen.

Lufttemperaturen am 25. Januar: mittags 1 Grad Celsius, abends2,2 Grad; am 26. Januar: mor­gens 6,3 Grad. Maximum 1,5 Grad, Minimum 8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. Januar: abends1,4 Grad; am 26. Januar: morgens2,7 Celsius. Sonnenscheindauer VA Stunden.

Amtliche Wintersportnachrichten.

Vogelsberg. Hoherodskopf: Heiter, 4 Grad, 25 cm Schnee nur im Walde, verharscht, Sportmöglichkeit nur im Walde.

Sauerland. Winterberg: Wolkig,1 Grad, durchbrochene Schneedecke, Sportmöglichkeit nur stellenweise.

Schwarzwald, Feldberg: Wolkig, minus 1 Grad, 55 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Sport­möglichkeit sehr gut.

Alpen, Garmisch-Partenkirchen: Klar, minus 8 Grad, 29 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit sehr gut.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: Dr. Fr. W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt ber Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. 11700. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. ©., sämtlich in Gießen.

gegen spröde Häuf