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Jlr. 224 Erstes Blatt

184. Jahrgang

Dienstag, 25. September 1934

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Der Rüstungsskandal in USA.

Don unserem HWvO.-Berichierstaiier.

«(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) N e u y o r k, September 1934.

Der erste Akt des großen Schauspiels hat be- Lnnen! Was vor wenigen Jahren noch unmöglich .schien, ist in dem sozialen, politischen und wirt- c östlichen Wandel jüngster Zeiten zur Wirklich- '(t geworden: die unausbleibliche Bloßlegung V r internationalen Rüstungskon- rne, deren unerschöpfliche Gelder und Be­dungen noch- bis vor wenigen Monaten die cherste Gewähr gegen eine Anklage vor der öffent- rjen Weltmeinung erschien! Und es gereicht der Negierung Roosevelts zur Ehre, daß sie den Mut sind, nicht nur die internationalen Drahtzieher in 'Lossengeschäften, die in ihrem eigenen Lande sitzen, br die Schranken der Kongreß-Untersuchung zu fleren, sondern auch den Finger in die Wunden Idir eigenen Kabinette zu legen. Roosevelt hat be- ri ts im Mai dieses Jahres dem Untersuchungs- Imitee seine bedingungslose Unterstützung züge­lt und Staatssekretär Hüll stellte dem Komitee d Archive des Staatsdepartements rückhaltlos zur 3 rfügung. So konnte der Vorsitzende des Unter- stchungskomitees, Senator N y e, gegenüber den Ersuchen amerikanischer Rüstungskonzerne, die p nliche Untersuchung mit dem schwächlichen Hin- viis aufinternationale Kourtoisie" zu sabotieren, erllären:Die Untersuchung geht weiter!"

Und die Untersuchung ging weiter! Am 3. Sep- trnber begann sie, und bereits in den ersten Tagen eühüllte sie ein Inferno, dessen Tragweite so über- ll iltiaend und dessen Enthüllungen so phantastisch siid, daß sie auf den besten Willen anderer Regie- ringen, ähnliche Untersuchungen in die Wege zu j k:ten, fast lähmend wirken muß. Nicht, daß die ! btsachen nicht seit langen Jahren bekannt gewesen i mren, sondern daß sie zum ersten Male von be- | m encr Seite vor der öffentlichen Weltmeinung an | bis Kreuz ihrer eigenen Schamlosigkeit genagelt v. rde das ist das Verdienst der Washingtoner Kl stungsverhöre und letzten Endes Roosevelts selbst.

Die Bühne des Schauspiels ist weitgesteckt und Jene Schauspieler sind ohne Wahl. Von höchsten kiNsstellen bis zu Lebedamen in der Türkei und ! thgentinien; von Schmiergeldern in der Umgebung

|i »amerikanischer Präsidenten bis zur Geheim- klirespondenz zwischen dem amerikanischen Arrnee- uL Marine-Ministerium, die in die Hände ame- . riwnischer Rüstungs-Hyänen" fällt und von diesen bircf) dunkle Kanäle nach England, Frankreich und 3qpan weitergeleitet wird; vom Marineoffizier, der n:t Billigung der amerikanischen Kriegs- und Inrineminifterien der kolumbianischen Regierung Wne für die Verteidigung ihrer Küste am Stillen Ü!2an gegen Peru ausarbeitet, während beide Ministerien gleichzeitig Waffenlieferungen der ame- 1 n ionischen Rüstungsindustrie durch ihre Attaches in Peru unterstützen, bis zu denKommissionen", : H französischen Werften für Auftragsvergebung n amerikanische U-Boots-Firmen gezahlt werden - das sind nur ganz kleine Ausschnitte aus dem irten Kapitel des Dramas, in welchem derGrößte | k Großen": Sir Basil Zahar off, nur flüchtig ' streift wurde!

Man könnte von dem AusdruckDrama" ab- Itten und das Ganze als eine Burleske bezeichnen, ni dem Lebedamen, Rüstungs-Haie und nationale ^nisterien die Hauptrolle einnehmen, wäre das | | viMuspiel nicht so tragisch! Zur gleichen Zeit, wo lezzweifelte Friedenskonferenzen in Genf, lapallo, in Washington, im Haag und in Monte- liSeo stattfanden, saßen unter den Delegierten d i e Brtreter d e r führenden Rüstungs- Itnn gerne, die die Interessen ihres Volkes für h?rn eigenen Judaslohn jederzeit zu opfern bereit jr.'o! Zur gleichen Zeit sitzen in den gleichen Kon- |t7°nzen Abgeordnete gleicher Länder für angeblich la» gleiche Ziel: Frieden! Aber während der linke [ipgeorbnete eines Landes nicht weiß, was der leiste tut, hat ihn derRechte" schon lange in die

U.sche gesteckt.

Dies war der Fall, um bloß ein kleines Beispiel seiauszugreifen, als während der mandschurischen i Irife auf der Abrüstungskonferenz 1932 Monsieur llmrles Dumont von Schneider - Creuzot, r le: gleichzeitig Präsident der von Schneider-Creuzot llj bntrollierten Banque Franco-Japonaise ist, der icnzösischen Delegation angehörte, während die chllische Abordnung durch die Mitgliedschaft des dursten A. G. C. Dawney bereichert wurde, der Bruder des gleichnamigen Direktors von

Isckers-Armstrong und heutepolitischer ^.pektor" der Britischen Rundfunk-Gesellschaft ist.

| ItD dies war der Fall, als so erlauchte Personen ji der ehrenwerte Neville Chamberlain britischer

! :c:atzkanzler und sein Bruder Sir Austin Cham- Hain Mitglied des Parlaments und Träger des 5 iedens-!)Nobelpreises paren, was jedoch beide iot abhielt, gleichzeitig Großaktionäre bei Vickers- Lj irmftrong zu fein und sich der erlesenen Liste l| tilserer Aktionäre anzureihen, darunter Lord Bal- fi im;, Lord Curzon, Lord Kinnaird, drei angli- ! vsische Bischöfe, usw. usw. Den Eingeweihten

Q:e dieses kaum noch überraschen, nachdem der itnialige britische Botschafter in Paris, Lord Ber - M!| i,, angesichts der amerikanischen Friedensoor-

. i Lige 1917 in fein Tagebuch schreibt:Zaharoff U f jfur Fortsetzung des Krieges bis zum Ende!

nicht nur das britische Kabinett, sondern die Vtungshyäne Zaharoff bestimmte über Leben ul Tod von Millionen!...

Einen vollständigen Ueberblick über den amerika- ifaen Anteil an diesem internationalen Blut- ?Mft kann man erst nach Abschluß der Senats- I Ekirsuchung gewinnen. Das Eis aber ist gebrochen.

Barihou stößt auf Schwierigkeiten.

Oie Bemühungen um eine Garantie für Oesterreichs Unabhängigkeit. Das Hindernis der italienisch-südslawischen Spannung.

London, 25. Sept. (DNB. Funkspruch).Daily Telegraph" meldet aus Genf: B a r t h o u hat aus Paris den Entwurf einer Erklärung über d i e Unabhängigkeit Oesterreichs mitgebracht, die vom französischen Ministerrat ge­billigt worden ist. Am Montag hat er sie dem italienischen Delegierten Baron A l o i s i unter­breitet Später suchten die beiden Staatsmänner den Lordsiegelbewahrer Eden auf, um ihm den Inhalt des Dokuments mitzuteilen.

Während der letzten zwei Wochen hatte A l o i f i zweimal versucht, die britische und die französische Regierung zu veranlassen, einer Konvention zuzu- stimmen, durch die Großbritannien, Frankreich und Italien die Unabhängigkeit und territoriale Unver­letzlichkeit der österreichischen Republik gegen die Einmischung einer fremden Macht gewährleisten sollten. Diese Anregungen sind e r fo l g l o s ge­blieben, weil die britische Regierung ent­schlossen war, keine neuen territorialen Verpflichtungen zu übernehmen. Ein anderer Grund war der Umstand, daß die Kleine En­tente glaubte, der italienische Vorschlag ziele darauf ab, sie von einer aktiven Teilnahme an den Donauangelegenheiten auszuschließen und den Weg für eine Vormachtstellung Italiens in diesem Teile Europas zu ebnen.

Backhaus Ziel ist jetzt viel bescheide­ner geworden. Er dürfte höchstens anregen, daß die Nachbar st aaten Oesterreichs, die Mitglieder des Völkerbundes sind, ihre Bereitschaft erklären sollen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Oester­reichs einzumischen. Sollte eine Einmischung

Italien ständen aber Hindernisse entgegen, solange d i e italienisch-jugoslawischen Bezie­hungen so außerordentlich erbittert bleiben. Zwi­schen Paris und Warschau bestehe eine merk­liche Abkühlung, und der polnische Ausfall in Genf sei ein unmißverständliches Zeichen gewesen, daß Polen aus dem französischen Kreis in den deutschen Kreis gezogen werde. Eine ähnliche Bewegung der Jugoslawen würde noch e r n ft e r für die Aussichten auf ausgegli­chene Zustände in Europa sein.

Der Genfer Korrespondent derTimes" sagt, bisher scheine in der Frage einer Garantie der Un­abhängigkeit Oesterreichs kein wesentlicher Fortschritt gemacht worden zu sein, und es sei

damit auch in unmittelbarer Zukunft nicht zu rechnen. Das Höchste, was man erhoffen könne, sei, daß die Verhandlungen die günstigen Vorbedingungen für eine Aussprache in Rom schaf­fen würden. Die Haltung Ungarns schaffe neue Schwierigkeiten. Ungarn werde hin- und hergezogen zwischen einer Politik der Zusam­menarbeit mit I t a l i e n und einer Politik, bei der es sich auf Deutschland stütze. Die ungarische Haltung werde durch die Revisionspolitik bestimmt; ihre Verwirklichung aber liege in unabsehbarer Ferne, und damit sei eine unlösbare Schwierigkeit in jedem Versuch einer Lösung der Donaufrage ent­halten.

Mäßige Aussichten für Rom.

Italiens Vorbehalte für eine Verständigung mit Frankreich.

Paris, 25. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Der rö­mische Berichterstatter desJour" sieht bevorstehen­den Verhandlungen in Rom gerade im Zusammen­hang mit der von Frankreich gewünschten A n - näfjerung Italiens an d i e Kleine En­tente mit Skepsis entgegen. Angesichts des Wie­derauflebens der jugoslawisch-italienischen Mei­nungsverschiedenheiten müsse man fragen, w o B a r- thou einfetzen wolle, um eine Annäherung Italiens an die Kleine Entente herbeizuführen. In zwei Punkten werde Italien außerdem unnachgie­big fein. Es werde sich volle Handlungsfrei­heit gegenüber Jugoslawien vorbehalten

und weiter seinen Anspruch auf absolute Flot­tengleichheit in vollem Umfange aufredjt er­halten. In zwei anderen Punkten werde sich die italienische Regierung ebenfalls hartnäckig zeigen und zwar in der Unterstützung, die Italien von jeher der deutschen These in der Rüstungsgleich- heit habe zuteil werden lassen und zweitens in der Ablehnung irgendeines antideut­schen Schrittes. Im allgemeinen könne man feststellen, daß Italien über di.e Möglichkeit einer Verständigung mit Frankreich nicht ausgesprochen skeptisch denke.

Ungarn fordert Eingreifen des Äötkerbnndes znm Schuh seiner Minderheiten.

durch eine außenstehende Macht erfolgen, so würde der Völkerbundsrat angerufen werden. Das praktische Ergebnis des französischen Vor­schlages würde fein, dem Vötkerbunds- r a t das ganze Problem der österreichischen Itnabhängigkeit zu überweisen. Es ist zweifel­haft, ob Italien der Ansicht Varthous zustim­men wird. Eden hat sich am Montag noch nicht geäußert. 3n einem Aufsatz desDaily Tele­graph" zum gleichen Thema heißt es, die Gen­fer Besprechungen über eine Garantie der österreichischen Unabhängigkeit seien wegen des italienisch - südslawischen Gegen­satzes bisher erfolglos geblieben. Südflawien wolle von Italien als gleich­berechtigt anerkannt werden, ähnlich wie Polen entschlossen fei, nicht länger als Satellit Frankreichs zu gelten. Frankreich wolle, daß die Unabhängigkeit Oesterreichs durch ge­meinsames Auftreten der Nachbarstaaten ge­sichert werde, und daß Italien nicht die Stellung einer Schuhmacht erhalten solle. Um dieses Ziel zu erreichen, sei freund­schaftliche Zusammenarbeit zwi­

schen Italien und Südslawien unerläßlich.

Barthou werde sicher seine ganze Ueberredungskunst gebrauchen, um die Kluft zwischen beiden Staaten zu überbrücken. Er werde demnächst nach Rom gehen; König Alexander von Jugof'lawien werde' König Boris in Sofia besuchen und dann nach | Paris fahren. Alle diese Schritte hätten offenbar; einen gemeinsamen Beweggrund, die Herstellung neuer ober die Stärkung alter Beziehungen. Die gemeinsame Sorge um Oesterreichs Unabhängigkeit habe Frankreich und Italien veranlaßt, eine Lösung ihrer unerledigten Meinungsverschiedenheiten zu er­streben. Der Annäherung zwischen Frankreich und

Nach Polen hat sich nun auch Ungarn in der Frage des Minderheitenschutzes zum Worte ge­meldet. Es mußte dabei ganz ähnliche Erfahrungen mit den Völkerbundsmethoden machen wie der polnische Außenminister Beck. Die Gründe, die die Vertreter beider Staaten zu ihrem Vorgehen ver­anlaßten, sind allerdings ganz verschiedener Natur. Um so härter muß das Urteil fein, das die Organe des Völkerbundes wegen ihres offenkundigen Ver­sagens in einer für ihre Mitglieder lebenswichtigen Frage von beiden Seiten trifft. Beide Staaten ge­hörten bisher zu den treuesten Jüngern der Völkerbundsidee aus entgegengesetzten Ursachen. Polen benötigte den Genfer Areopag zur Siche­rung seines durch Versailles gewonnenen nationalen ' Bestandes und führte den letzten Stoß gegen die Genfer Bürokratie, weil es sie zur Behandlung der fremden Minderheiten im eigenen Lande nicht mehr gebrauchte. Ungarn dagegen sah von vornherein die Völkerbundsversammlung nur als eine geeignete Plattform für die Propaganda feiner R e - visionswünsche an und wollte mit der Auf­rollung der Minderheitenfrage in der sechsten poli­tischen Kommission nichts anderen erreichen, als die Welt auf die unhaltbare Lage seiner eigenen Minderheiten im fremden Lande aufmerksam zu machen. Polen wie Un­garn -aber wurde aus dem Kreise ihrer Dölker- bunbsfollegen bedeutet, daß Form und Ort ihrer Beschwerden schlecht gewählt seien. Wie mans auch nimmt, die heilige Verfahrensordnung in Genf be­stimmt immer anders, als er dem heißen Drang völkischer Notwendigkeiten entspricht.

In der Genfer Minderheitenaussprache betonte der ungarische Vertreter Tibor von Eckhardt, daß der ungenügende Schutz der ungarischen Min­derheiten das ernsteste Donauproblem darstelle. Eine Abänderung wäre die Voraussetzung für eine Zu­sammenarbeit der Donaustaaten. Dabei würde von Rumämien nicht mehr verlangt als die Er­füllung der bestehenden Verträge. Der Dölkerbundsrat solle einen Untersuchungs­ausschuß einsetzen, der in den vier Donau­staaten, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und Tschechoslowakei, die Lage der Minderhei­ten zu untersuchen habe. Dieser Ausschuß könnte dann an den Völkerbundsrat berichten. Auf dieser Grundlage könne der Rat dann Maßnahmen treffen, um die Minderheitenfrage im Donaubecken zu einer befriedigenden Lösung zu bringen.

Benesch betonte, ohne sich gegen den Vorschlag Eckhardts zu wenden, daß der Völkerbundsrat und nicht die Politische Kommission für derartige Vor­schläge zuständig sei. Die Streitfrage bestehe nicht zwischen einzelnen Staaten und Ungarn, sondern nur zwischen dem Völkerbundsrat und Ungarn. Dieser Ansicht schloß sich dann auch der Vertreter Südsiawiens an.

Der ungarische Vertreter erklärte vor Pressever­tretern, daß Ungarn sich auf keinerlei Wirtschafts­oerhandlungen mit anderen Donaustaaten einlassen könne, bevor nicht die Frage der ungarischen Min­derheit in befriedigender Weise gelost sei. Diese Frage gehe für Ungarn allen anderen voran.

und das Untersuchungskomitee selber hat feiner Ueberzeugung dahin Ausdruck gegeben, daß selbst die gründlichste amerikanische Untersuchung die weitreichendsten und letzten Zusammenhänge des internationalen Waffenhandels nicht aufzudecken in der Lage sei, wenn nicht die Regierungen der übrigen Großmächte dem am eri- konischen Beispiele folgen und rückhalts- los ihre Archive offnen, um ihren Anteil zur Er­reichung des nächsten Zieles beizutragen: Ver­staatlichung der gesamten Rüstungsindustrie und internationale Kontrolle des Waffen­handels.

10 memelländische Geistliche ihrer Aemter enthoben.

Memel, 24. Sept. (DNB.) Der Gouverneur des Memelgebiets hat im Zuge seiner planmäßigen Aufhebung der autonomen Rechte des Memelgebietes verfügt, daß zehn memel­ländischen Geistlichen die Arbeitsgenehmigung und das Recht ihrer seelsorgerischen Betätigung entzogen wird. Von diesen sind sieben Reichs­deutsche, zwei rumänischer Staatsangehörigkeit und einer Balte. Nach Artikel 5 des Memelstatutes ge­hört die Regelung des religiösen Lebens eindeutig zum Geschäftsbereich der autonomen Gewalt des Memelgebietes. Deshalb bedeutet diese Maßnahme einen neuen schweren Eingriff in die auto­nomen Rechte des Memelgebietes. Die Maßnahme wird sich insbesondere noch deshalb schwer für das kulturelle und religiöse Leben des Memellandes aus­wirken, weil Litauen nicht in der Lage ist, die geeigneten Ersatzkräfte zu stellen.

Doumergue fordert Stärkung der Regierungsautorität in Frankreich.

Das Recht der parlomentöauflösung und der Bestimmung über die Staatsausgaben.

Eine Rundfunkünfprache des Ilrinisterpräsidenten.

Paris, 24. Sept. (DNB.) Arn Montagabend wandte sich Ministerpräsident Doumergue im Rundfunk an das französische Volk. Den, der der Regierung vorwerfe, sie habe nichts Großes voll­bracht, frage er, was z. B. eingetreten wäre, wenn durch 'die Bildung des Burgsnedenskabinetts nicht der Ausbruch eines Bürgerkrieges, dem ein Krieg nach außen gefolgt wäre, verhindert worden wäre? Er erinnerte dann an die Ausgleichung des Staatshaus­haltes und an die Vergebung von Röt­st a n d s a r b e i t e n in Hohe von 10 Milliarden. Während der Parlamentsferien habe man einen Feldzug für die Entwertung des Fran­kens eingeleitet, dessen Gelingen verhängnisvoll für ganz Frankreich sein würde. Der Zusammen­schluß der beiden marxistischen Richtungen habe natürlich zur Geldknappheit geführt, aber eine äußerst gefährliche Zweideutigkeit fei nun beseitigt worden. Sozialismus und Kommunismus seien

dasselbe. Wenn die marxistische Einheitsfront jetzt für die Entwertung des Frankens eintrete, so be­zwecke sie damit den allgemeinen Ruin des Landes, auf dem sie ihre Diktatur zu errichten hoffe. Zu bedauern sei es, daß selbst in Kreisen des französischen Mittelstandes Stimmen zugunsten sozialistischer Tendenzen laut würden. Diese Leute wüßten sicherlich nicht, daß sie Wegbereiter des Kommunismus seien. Währungsmachenschaften würden Frankreich, in dem Hunderttausende von Rentnern lebten und das Spareinlagen in Hohe von 59 Milliarden Franken aufweise, schwer schä­digen.

Nach seiner Ansicht müsse der Po st en des Regierungschefs in Frankreich, der ohne jede besondere Autorität sei, verfassungs­mäßig mit denselben Befugnissen ausgestattet werden, die der Premier­minister in England habe. 3m Falle von Meinungsverschiedenheiten zwischen der Regie­rung und der Parlamentsmehrheil müsse der Ministerpräsident sich sofort ans Land wenden können, und zwar unter Um-