M.M Zweiter Blatt
Mittwoch, 25.Ml9Z4
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
bensbedarf und bemißt sich nach der jeweiligen so-
ein Viertel übersteigt.
Aus her Provinzialhauptstaht.
Mitgebrachtes!
den um
Das jahrelange Verlangen der Kleinrentnerschaft auf Reform der für sie bestehenden Fürsorgebe- stimmungen ist durch das Gesetz über die Kleinrentnerhilfe vom 5. Juli 1934, erfüllt worden. Wenn auch nicht allen Wünschen der Kleinrentner durch das neue Gesetz Rechnung getragen wurde, so bricht dies nicht auf mangelndem sozialem Verständnis für die Rot dieser Volksgenossen, sondern in den Schwierigkeiten der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse, die namentlich eine materielle Aufbesserung z. Zt. noch nicht gestatten. Das Gesetz beschränkt sich zunächst auf Erleichterungen in den Fürsorgebestimmungen, wobei der Gesetzgeber naturgemäß auf die Leistungsfähigkeit der Fürsorgeverbände Rücksicht nehmen mußte. Dem grundsätzlichen Begehren der Kleinrentner, sie aus der öffentlichen Fürsorge auszuscheiden und ihnen einen gesetzlichen Anspruch auf eine Rente einzuräumen, ist nicht entsprochen worden, weil eine solche Regelung zur Zeit eine untragbare hohe Finanzlast bedingt hätte.
Das neue Gesetz umgrenzt den Personenkreis, den es erfassen will, glücklicherweise genau. Die persönlichen Vorbedingungen für die Erlangung der Kleinrentnerhilfe sind:
Der Antragsteller muß alt oder erwerbsunfähig sein. Die Voraussetzung des Alters ist gegeben für Männer, wenn sie das sechzigste, für Frauen, wenn sie das fünfundfünszigste Lebensjahr vollendet haben. Stichtag für dieses Alter ist der 1. September 1934. Erwerbsunfähigkeit ist dann anzuerkennen, wenn körperliches oder geisti-
Eine wesentliche Aufbesserung der Unterstützungsleistung des Fürsorgeverbandes konnte der Gesetzgeber aus allgemeinen finanzwirtschaftlichen Gründen zur Zeit noch nicht vornehmen. Immerhin sind Bestimmungen getroffen, die auch in der materiellen Unterstützung recht beachtlich sind. Es war in den
dies macht eine eingehende und sorgfältige Nachprüfung sämtlicher Unterstützungsfälle erforderlich. Es ist dabei zu erwarten, daß bei einer beachtlichen Zahl von Unterstützungsempfängern die im neuen Gesetz vorgeschriebenen Voraussetzungen nicht gegeben sind. Es würde eine soziale Härte sein, wenn
Glasknopf blicktest, sahst du nach Bedarf den Königstein, eine Allgäuer Milchkuh oder das Familienbad am Ostseestrande. Ja, es foll sogar vorgekommen sein, daß durch Verwechslungen der Packungen des „Souvenir-Fabrikanten" - das Familienbad im Federhalter auf der Kurpromenade in Reichenhall feilgeboten wurde, oder die geheimnisvolle Glas- knopfausficht auf den „Riesen Roland am Rathause zu Bremen" in der fidelen Studentenstadt Jena zum Verkauf gelangte. Im letzteren Falle wurde der Schwert- und Schildträger Roland mit dem bierehrlichen Hannfried" verwechselt. Denn Johann Friedrich, der Stifter der Universität Jena, trägt auch derlei in der Hand, nämlich seinen
Richts^atz der allgemeinen Fürsorge^ mindestens I diesen Kreis der Unterstützungsempfänger besondere ein Viertel übersteigt. 'Bestimmungen getroffen werden.
gründet.
Die vom Gesetz geschaffenen Erleichterungen sind folgender Art:
Der im Fürsorgerecht den Fürsorgeverbänden grundsätzlich zustehende Anspruch an den Unterstützten oder seine unterhaltsverpflichteten Angehörigen auf Ersatz seiner Unterstützungsleistung ist durch das neue Gesetz auf dem Gebiet der Kleinrentnerfürsorge wesentlich beschränkt worden. Ein solcher Anspruch besteht gegen den Empfänger der Kleinrentnerhilfe, seinen Ehegatten oder seine Eltern über-
Einkommen aus Aufwertungsansprüchen, die nach den gesetzlichen Bestimmungen der letzten Jahre ganz anzurechnen waren, bleiben bis zum Betrage von 22,50 R2N. monatlich frei. Arbeitseinkommen ist bei der Festsetzung der Unterstützung nicht zu berücksichtigen, wenn es weniger als die hälfte des Richtsatzes beträgt.
Uebersteigt es diesen Betrag, so darf höchstens die Hälfte des Mehrverdienstes angerechnet werden. Ob und inwieweit das Einkommen beispielsweise aus Untervermieten Ar b e i t s verdienst ist, wird besonderer Anordnung bedürfen. Unterstützungsaufwendungen, die bisher dem Fürsorgeverband ersetzt worden sind, können von diesem nicht zurückgefordert werden. Nachdem der Anspruch des Fürsorgeverbandes auf Erstattung seiner Unterstützungsleistungen gegen den Kleinrentner, den Ehegatten, seine Eltern und den nächsten Erben aufgehoben worden ist, sind auch Sicherheiten für den Kostenersatz freizugeben. Dementsprechend werden Sicherungshypotheken zu löschen und verpfändete, bewegliche Vermögenswerte aus dem Pfand freizugeben sein. Die Freigabe dieser Sicherheiten bedeutet für die Bezirksfürsorgeverbände einen recht erheblichen Verzicht auf Vermögenswerte, für die Stadt Gießen kommen etwa rund 100 000 Mark in Betracht.
Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei besonders darauf hingewiesen, daß die dargelegten Verbesserungen und Erleichterungen nur für solche Kleinrentner in Betracht kommen, für die die angegebenen Bestimmungen für die Kleinrentnerhilfe zutreffen.
Das kleinrentnergeseh tritt am 1. September 1934 in Kraft;
„Schild", die Bibel und das Kurschwert! Die wenig frommen Jenenser Studiker aber sagen, es sei die „Bierfibel" und der „Hieber"!
Diese kleinen Reiseandenken früherer Zeit waren recht zwecklos. Sie- waren vor allem in der Art ihrer Herstellung so geschmackslos und unkünstlerisch, wie nur möglich. Noch geschmackloser aber waren die „Mundtuchringe mit Kurhaus", die Aschenbecher mit dem Kyffhäuser und die mit schaurig-schönen Flundern bemalten Muscheln, die kein Mensch am Nordseestrande fand, da sie aus dem Mittelmeere gefischt waren. Diese „sinnigen" Geschenke fristeten später ihr unwürdiges Dasein als Staubfänger in den Fremdenzimmern.
Das Dritte Reich, das allen kunstgewerblichen Gebieten seine besondere Aufmerksamkeit zugewandt hat und auf allen Gebieten zur Wertarbeit anregt, hat dank seiner unermüdlichen und tüchtigen Erziehungsarbeit eine günstiae Wandlung des Geschmackes angebahnt. Der Kitsch und die Freude — die geheuchelte Freude — am Kitsch verschwinden langsam. Aber die Freude am Schenken lebt, gottlob! Von sauer verdientem Spargeld schenken, das macht doppelt Spaß. Aber es soll auch Sinn und Verstand haben, was man verschenkt, nicht wahr? Was schenkt man also am besten? Sehr einfach: Kaufe in dem Orte, wo du den glückbringenden Gedanken zum Schenken faßtest, etwas ein, was für jenen Ort charakteristisch ist! Ob du nun aus Frankfurt „Frankfurter Würstchen", aus Plauen „Plauener Spitzen", vom Schwarzwald - Dorfe „Schwarzwälder Holzschnitzerei", aus dem Hessenland „Bauerntöpfe aus Ton", von der Ostseeküste Bernstein oder vom Rhein eine oder zwei Flaschen
zialen Struktur des Hilfsbedürftigen.
Die wirtschaftlichen Voraussetzungen sind: Grundsätzlich muß Hilfsbedürftigkeit im fürsorge- rechtlichen Sinne vorliegen. Hiernach ist hilfsbedürftig, wer den notwendigen Lebensbedarf für sich und seine unterhaltungsberechtigten Angehörigen nicht oder nicht ausreichend aus eigenen Kräften und Mitteln beschaffen kann und ihn auch nicht von anderer Seite, insbesondere von Angehörigen, erhält.
Ferner ist der Nachweis zu führen, daß am 1. Januar 1918 ein Kapitalvermögen von mindestens 12 000 Mark vorhanden war oder daß ein Anspruch auf eine jährliche Rente von mindestens 500 Mark auf Lebenszeit bestanden, hat.
Haupt nicht mehr. Gegen die Erben des Kleinrentners besteht indessen der Erstattungsanspruch unverändert fort mit der Einschränkung, daß der Ehegatte, sowie die Verwandten auf- und absteigender Linie des Erblassers nicht zum Ersatz herangezogen werden können. Im Falle des Ablobens eines Kleinrentners darf also weder von der Witwe noch von den Kindern oder Enkeln Rückersatz der Unterstützungsaufwendungen begehrt werden. Gegen die Übrigen Erben bleibt der Erstattungsanspruch jedoch, wie schon erwähnt, bestehen.
Das neue Gesetz untersagt den Fürforgeverbän- den, die Gewährung der Kleinrentnerhilfe von einer Arbeit gemeinnütziger und öffentlichrechtlicher Art abhängig zu machen.
Man muß sich wundern, daß es in dieser Richtung eines Einschreitens des Gesetzgebers bedurfte, denn anscheinend haben einzelne Städte oder Gemeinden von den Kleinrentnern Pflichtarbeit verlangt. Dies ist also künftighin nicht mehr zulässig. Eine Heranziehung der Unterhaltungspflichtigen durch den Fürsorgeverband im Verwaltungsweg (Resolutoerfahren)- ist in der Kleinrentnerfürsorge künftighin ebenfalls ausgeschlossen. Es ist nur noch der ordentliche Rechtsweg gegeben.
IasGesehliberKlemreninerhilsevomSJMl93^
Von Verwaltungs-Amtmann Kether, Gießen.
ges Gebrechen es unmöglich macht, die Hälfte des letzten Jahren in das Ermessen der Bezirksfürsorge- Lebensbedarfs zu erarbeiten. Der Lebensbe- verbände gestellt, in welchem Maße sie die Kleinrent- darf für Hilfsbedürftige wird im allgemeinen durch ner in der Betreuung besser stellen wollten gegenüber den Richtsatz befriedigt. Richtsatz ist ein in Geld den übrigen Unterstützungsempfängern. Sie sind,,— ----- —• , uct
ausgedrückter Maßstab für den notwendigen Le- nunmehr gehalten, die Unterstützung für den Emp- dieseetwa inbie allgemeine^ur|orge! übergehn ' ■ ■ ■ ' ' - ' ' ' - - -- sänger der Kleinrentners- ,° sestzusttzen, daß sie wiirdew Es ist mit Sicherheit zu -rwar °n dah sur
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„Wer glücklich ist, kann glücklich machen! Wer's tat, vermehrt sein eigen Glück!" — Du bist auf der freudig erwarteten Ferienreise. Oft schweift ein Gedanke, oft fliegt ein Gruß an die Lieben daheim zurück! Wenn doch alle Menschen, die du liebst und alle guten Freunde alles Schöne miterleben könnten! Nun, du wirst ihnen alles erzählen, du wirst auch, einem alten guten Brauche folgend, diesem und jenem „etwas mitbringen"!
Es hat vor nicht zu langer Zeit eine Epoche unseres Volkes gegeben, wo man — mit Verlaub zu sagen — schauderhafte Dinge „mitbrachte"; Dinge ohne Geschmack und Sinn, ohne Schönheit, und die noch dazu sehr überflüssig waren. Es gab so „reizende" Federhalter; die bekamst du auf der Bastei in Sachsen, in Heringsdorf am Ostseestrande und — ungelogen — sogar im bayerischen Almen-
Verordnung zum Schutze des Waldes
Der Hessische Staatsminister Jung hat zum Schutze des Waldes folgende Verordnung erlassen:
Im Walde oder in gefährlicher Nähe von Wäldern dürfen Zelte ober sonstige Lagerstätten nur mit besonderer schriftlicher Erlaubnis der Forst- polizeibehörde und nur innerhalb der im Erlaubnisschein freigegebenen Flächen erdichtet werden.
Es ist bis zum 30. September 1934 im Walde und in gefährlicher Nähe von Wäldern verboten, im Freien offenes Feuer oder Licht anzuzünden, unverwahrtes Feuer ober Licht mit sich zu führen ober zu rauchen. Dieses Verbot erstreckt sich auch auf bie öffentlichen Wege unb bie zur Errichtung von Zelten unb sonstigen Lagerstätten freigegebenen Flächen.
Zuwiberhandlungen werben mit Gelbstrafe bis zu 150 Mark ober mit Hast bestraft.
Diese Verorbnung tritt heute in Kraft.
Neue Landesdienststelle Hessen/Hefsen- Naffau im deutschen Genieindeiag.
Der Reichsminister des Innern hat bie Zusammenlegung der beiden Dienststellen, ber Lanbesbienst- stelle Hessen unb der Provinzialdienststelle Hessen- Nassau im Deutschen Gemeindetag zu einer Dienststelle genehmigt. Die vereinigte Dienststelle führt künftighin die Bezeichnung Deutscher Gemeindetag, Landesdienst st elleHesfen/ Hessen-Nassau mit dem Sitz in Frankfurt am Main. Vorsitzender ist der Leiter des Amtes für Kommunalpolitik der Gauleitung Hessen-Nassau, Bürgermeister Linder, M. d R., Frankfurt a. M. Gleichberechtigte Stellvertreter sind Oberbürgermeister Lahmeyer (Kassel) und Oberbürgermeister Ritter (Gießen).
Leiter der neuen Landesdienststelle Hessen/Hessen-
Riesling mitbringst, das kommt eben auf deine Reisegelegenheit, auf deine Freigebigkeit und auf den Empfänger ober bie Empfängerin an. Freube macht es sicher! Außerbem tust bu noch ein gutes nationalwirtschaftliches Werk. Du wirbst mit beiner Gabe für einen Ort, ber bir Gastfreunbschaft bot, unb in bem bu bich wohl fühltest.
Außerbem bekommst bu vielleicht von bem Beschenkten eine „Frankfurter" ober ein Gläslein „Riesling" ab! Na, also! — V. A.
Glückwünsche
an Reichsstatthalter Sprenger.
Gestern mürben - bem Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger zu seinem 50. Geburtstage bie nach- stehenden Glückwunschtelegramme aus Gießen übermittelt:
„Der Kreis Rhein-Main ber Deutschen Studentenschaft fenbet in treuer Verbundenheit bem Förberer ber stubentischen Arbeit, unserem Reichsstatthalter unb Gauleiter zum 50. Geburtstage bie herzlichsten Glückwünsche.
v. G r a e v e, Kreisführer."
„Unserem Gauleiter unb Reichsstatthalter zu seinem 50. Geburtstage herzliche Glückwünsche.
Die Gießener Stubentenschaft."
An alle Führer und Gefolgschaften der BetriebSgemeinschasten.
Die Deutsche Arbeitsfront teilt mit: Führer unb Gefolgschaften ber Betriebsgemeinschaften forbere ich hiermit auf, bei Durchführung bes Aufbaues ber DAF. tatkräftig Hilfe zu leisten. Allen Block- waltern ist bei Feststellungen unb Eintragungen bereitwilligst Auskunft zu geben. Es werben in Kürze Formulare (Fragebogen) heraus- gefchickt, beren Ausfüllung äußerst wichtig ist. Diese Fragebogen sinb Unterlagen für bie genaueste Erfassung bes Mitgliederbestandes. Ich erwarte, baß alle mithelfen, ganz gleich wo sie stehen, bas Auf- : bauwerk bes Führers schnell zur Vollendung zu bringen.
s Gez.: Becker, MdR.
Bezirksleiter der DAF., Bezirk Hessen.
Vermögen- oder Rentenanspruch müssen durch bie Inflation entwertet sein. Hierbei ist ber Gesetzgeber von ber Erfahrungstatsache ausgegangen, daß ein Kapitalvermögen von 10 000 Mark in ber Vorkriegszeit in den meisten Fällen eine ausreichende Altersversorgung mar. Am 1. Januar 1918 entsprachen 12 000 Papiermark etma 10 000 Goldmark. Da bas Gesetz nur das Vorhandensein von Kapitalvermögen voraussetzt, ist Grundbesitz, der am 1. Ja- -— d---
nuar 1918 dem Antragsteller gehörte, unerheblich lanbe. Wenn durchs emen^ ve^steckt^ angelegten und ein Antrag auf Kleinrentnerfürsorge unter Hinweis auf früheren Grundbesitz, dessen Erlös der Geldentrnertung zum Opfer gefallen ist, märe unbe-
bei
Ruth Schaumann.
Für Philosophen, Liebende Mütter und Dichter.
Lieber Freund!
zugleich.
Warum für Liebende? Die Hänge sind vertieft zu Mulden, die Mulden voll Gras und allerlei Blumen und die Vogelmeidhöfe sind jenseits zu schauen mie das Notsn'buch zu: Unter der Linde auf der Heide, danach fingen die Liebenden gerne unb der Kuckuck beantwortet ihre Fragen, bie töricht süßen nach ber Dauer ber Liebe, ber Zahl künftiger Kinber mit Einsicht unb Weisheit, das heißt: unzählige Male.
Warum für Mütter? Die stille Fruchtbarkeit ringsum ist ein fchmefterliches Vorbild, in den kleinen Nestern: Barbian, Villanders, spielen Kinder vor allen Schmellen, gemahnen an das eigene Glück, selbst Kinder geboren zu haben, oder an das nahende Kommen dieses Glückes, alle Wehmut ist zugleich Süße mie der zerflatterte Blust ber Kirschenbäume sich gerunbet und röter mird als ein
Warum für Dichter? Nun denn: Berge und Gipfel im roanbernben Mittagsgemölk, Grillen wie Schellen ber Ministranten, rollenber Mond über den Wäldern aus Lärchen, Sonne auf den Schwellen der Kirchenpforten, darin die Stille wie eine Eidechse
ruht, und aus aller Kreatur tritt irgend ein schöner Gedanke, reif geworden in der klaren Höhenluft, alt und neu zugleich wie jeder Halm, jede -ölume, wer sie pflückt, dem gehören sie; dicke Kranze mache ich jeden Tag und lege sie in St. Gertraud auf den
Auf „für" kommt die Anfrage: was?
Und die Antwort lautet: Dreikirchen.
Hast Du noch nichts beschlossen und findet sich Dir und den Deinen eins von den Obengenannten, so kommt herauf. Sogleich oder, bist Du Philosoph, nach einigem Sinnen. Bis dann sind die Erdbeeren reif und das Kätzchen im Hause hat Junge bekommen, kleine Katzen mit großen Köpfen. Vielleicht ist ein Getigertes dabei, das nimmst Du Dir mit zum Gedenken.
Da ich Dir schreibe, sitze ich auf der Bank der drei Kirchen: St. Nikolaus, St. Magdalena, St Gertraud» sie sind klein, mit Schindeln gedeckt und haben hölzerne Türmchen, zweien ist die Glockenzunge verstummt, an St. Gertraud aber, barem sich auch ber alte Altar St. Nikolaus (er könnte von Pacher sein) gerettet hat, wirb noch alle Mittage qdäutet, bann steigst Du, wo Du auch seist, ms Babhaus zur Tafel herab unb tust ber Küche unserer Frau Rampolb alle Ehre — benn bie Gute der Wirtin ist das kostbare Kräutlein „Niesmitlust , das die schönsten Gerichte über sich selber erhöht.
Warum für Philosophen? Es ist einsam und alle Wege führen zu einem Ziel, Höhe und Himmel
Die Lebensgeschichte einer Dichterfiqur.
rr. pnnftfcher Gelehrter hat die kühne Pehaup- timn nuhi9efteUt Napoleon sei nur ein Mythos, der tun9hprrlirhuna des englischen Volkes erfunden Ld^n1°7 Wem sich nun freilich die Gefchichtttch- des Korstn nicht leugnen läßt. fo ist es doch „id/ ungewöhnlich, daß die Volksphontasie eine historische Persönlichkeit zu einer Sagenfigur um-
xJf? ffinrfi merkwürdiger ist es, wenn eine Gestalt, die^ die menschliche Einbildungskrast er-
hat damit gewiß Recht, denn letzten Endes wird jeder Dichter feinem Geschöpf das Beste und Tiefste seines eigenen Wesens geben. Er selbst wollte allerdings von diesen Detektivgeschichten nicht viel wissen und hielt seine anderen schriftstellerischen Arbeiten für wertvoller. Als ihm William Gillette, der mit der Dramatisierung der Novellen ein Vermögen verdiente, telegraphierte: „Darf ich Holmes verheiraten?" antwortete Doyle, der damals von dem südafrikanischen Krieg völlig m Anspruch genommen war: „Sie können ihn verheiraten ober ermorden oder mit ihm tun, was Sie wollen!"
Abschluß der Marburger Feftspiele.
Die Marburger Festspiele haben nunmehr ihre von bestem Wetter begünstigte diesjährige Spielzeit geschlossen Sie fanden einen überaus heiteren Ausklang mit der Aufführung von mehreren Hans-Sachs-Schwänken, aufs glücklichste verbunden durch bäuerliche und Satyrtänze sowie den Vortrag von volkliedhaften Balladen. Noch einmal fanden die Schauspieler und die Angehörigen der an den Spielen beteiligten Tanzschule Gelegenheit, ihr Können auch in den grotesken Schwänken des einfachen Schuhmacher-Dichters zu beweisen. — Zehntausende von Besuchern aus breitesten Schichten der Bevölkerung des Hessenlandes haben sich in der nunmehr verflossenen Festspielzeit an den Aufführungen der „Wallenstein"-Trilogie, des „Sommernachtstraumes" und des „Wintermärchens" erfreut. Nach Schluß der letzten Aufführung des , Wintermärchens" wurde dem verdienstvollen Fest- fpielleiter, Dr. Fritz Budde, in Anerkennung ferner mühevollen Arbeit ein Lorbeerkranz überreicht. In Würdigung der künstlerischen Leistung der Marburger Festspiele besteht seitens des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda die Absicht, die Festspiele im kommenden Jahre zu reichswichtigen Spielen zu erklären. W.
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Der Privatdozent an der Universität Leipzig Dberregierungsrat Dr. Heinrich Lange ist zum ordentlichen Professor für bürgerliches Recht, römisches Recht und Zivilprozeß an der Universität Breslau als Nachfolger des verstorbenen Professors Richard Schott ernannt worden. Dr.Lange wurde 1933 Hochschulreferent im sächsischen Unterrichtsministerium in Dresden. Er ist Mitglied der Akademie für deutsches Recht. Von seinen Schriften nennen wir „Liberalismus, Nationalsozialismus und bürgerliches Recht",
Ich weiß nicht, ob im Baedeker ein Stern hinter Dreikirchen steht. Es müßten ihrer viele fein, spräche Baedeker nach unserm Herzen. Frau Rampvld darf die Sterne ja nicht auf ihren kleinen Prospekt letzen, darum will und muß ich es tun, bester Freund. Ein-Stern bedeutet: bist Du müde, so halte hier Rast. Der zweite: bist Du leidend, Du kannst hier baden alle Tage in den i)ol3ernra Badekammern, deren Einrichtung -in Kunsthistoriker am besten mit gotisch umschreibt. Em Stern ist die Kost der mütterlichen Frau Rampold einer, emgroßer, ihr Herz, einer die freundlich sauberen Kammern, ein kleiner die Schublade Bucher für, und die Tageszeitungen und die W für bie Kim der der Welt, denn — das dicke Ende kommt nach — Du wirst hier zwei Wegstunden bergan von der letzten Station Ponte all’ Isarco entfernt fern, d^ kannst Du zu Pferde ober zu Fuß bmter Dich bringen und das wirst Du tun, denn vor den Ruhm setzen die Götter gerechterweise den Schweiß, vor die Rast den Ausstieg, und wird Euch fünf Minuten, ehe das braune Giebelwerk von Dreikirchens Bade-
st°®D«'kirch°. CS'
...
Menschen, einstimmend in den Lobgesang
Deiner
fanden hat, plötzlich ein Eigenleben erhält. Mancher glaubt Gestalten leibhaftig zu begegnen, die er doch nur aus Dichtungen kennen gelernt hat. Es ist ein Merkmal berühmter Schöpfungen der Poesie, daß sie wie lebendig fortbauern. Ein solches Schicksal hat bie bekannteste Detektivgestalt ber Weltliteratur, Sherlock Holmes, gehabt, besten „Privatleben" ber Amerikaner Vincent Starrett in einem soeben erschienenen Buch schilbert. Wir hören hier, daß dieses Erzeugnis von Arthur Conan Doyle alle Anzeichen einer wirklichen Existenz besitzt. Erinnerungstafeln sind an den Häusern angebracht, in denen er gelebt haben soll, Straßen tragen seinen Namen und Verehrer seiner Taten und Abenteuer unterhalten sich über ihn, als ob sie ihn persönlich gekannt hätten. Zweifellos sind die Sherlock Holmes-Erzählungen einer der größten Erfolge der Literatur gewesen. Die Detektivgeschichte erhielt durch diese Figur ihre klassische Prägung, nachdem der geniale Poe die Möglichkeiten einer solchen Erfindung aufgezeigt hatte. Unzählige Nachahmungen folgten dem interessanten Analytiker des Verbrechens auf den Spuren. Buhne, Kino, Parodie bemächtigten sich des dankbaren Stoffes, und fast unzählig sind die Veröffentlichungen, die an Doyles Werk anknüpfen. Dabei ahnte zunächst niemand, daß sich hier ein Weltschlager darbot. Als der unbekannte Arzt Dr. Arthur Conan Doyle seine erste Holmesgeschichte „Eine Stunde in Scharlach" den Verlegern und Zeitschriften anbot, wurde er überall zurückgewiesen, bis schließlich die Erzählung 1887 für „Leetons Weihnachts-Jahrbuch" angenommen und mit 25 Psund bezahlt wurde. Die Nummer der Zeitschrift, m der die Geschichte erschien, wird heute höher bezahlt, als damals das Honorar war. Dann brachten die weiteren Geschichten der Serie dem neubegründeten „Strand-Magazin" Ruhm und Vermögen. Selten hat sich eine Zeitschrfit so rasch eingeführt wie das „Strand", das immer neue Abenteuer des Detektivs veröffentlichte, bis er endlich 1893 „starb". Dieser Tod wurde aber so schmerzlich beklagt, daß Holmes wieder auferstehen mußte. So erschien er 1901 im „Hund von Baskervi11e" von neuem zum Entzücken der Leser und Leserinnen. Doyle hat ihn dann noch öfters sterben lassen, weil er den armen Sherlock haßte, durch den seine Begabung so einseitig abgestempelt war, aber immer mußte er ihn wieder auferwecken, zuletzt noch kurz vor feinem eigenen Tode. Ueber das Urbild des । Sherlock find viele Bücher geschrieben worden. All- ; gemein glaubte man, es sei Dr. Joseph B e 11 i (1837—1911), der Arzt, bei dem Doyle seine Aus- ; bildung erhielt. Aber Starrett ist der Ansicht, . Sherlock Holmes sei Conan Doyle selber, und er


