Oer Reichsarbeiismim'ster zur Krage der Tarifverträge.
Berlin, 23.Jebr. (DJIB.) Zu einer kürzlich oerbreiteten Berlautbarung des Treuhänders der Arbeit für den Bezirk Berlin-Brandenburg teilt, um Zweifel auszufchliehen, der Reichsarbeils- Minister ergänzend folgendes mit:
Es ist felbstverständlich, daß das Inkrafttreten des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit nicht zu einer 2luft)ebung aller tarif- lichen Bindungen und zu einer mehr ober weniger willkürlichen Festsetzung der Arbeitsbedingungen führen darf. Infolgedessen sieht das Gesetz in den Ucberleitungsbeftim- mungen auch die TNöglichkeit einer Verlängerung der Tarifverträge und Tarifordnungen vor. Ls bedarf aber eingehender Prüfung, wie weit von dieser Verlängerung bisher geltender Tarifverträge Gebrauch zu machen ist. Soweit es angängig erscheint, wird der ordnungsmäßige Erlaß neuer Tarifordnungen unter Mitwirkung der neuen Sachverftändigenaus- fchüffe einer einfachen Verlängerung der alten Abmachungen vorzuziehen fein, hierüber schweben noch Erwägungen, die bisher noch nicht abgeschlossen sind. Die Bekanntmachung des Treuhänders für Berlin-Brandenburg ist nur als eine Bestätigung des mehrfach auch von der Reichsregierung ausgesprochenen Grundsatzes zu werten, daß für irgendeine Beunruhigung über das künftige Schicksal der Arbeitsbedingungen nicht der mindeste Anlaß besieht. Die Form der Sicherung der Arbeitsbedingungen wird rechtzeitig von der Reichsregierung bekanntgegeben werden.
Einheitliche Buttersorten.
Eine Verordnung
des Reichsernährnngsministers.
(DDZ.) Eine neue Verordnung des Reichsernäh- rungsministers „lieber die Schaffung einheitlicher Sorten von Butter beseitigt die bisherige Vielheit der Butteriorten und stellt gleichzeitig Klarheit her über die Güte der auf dem Markte angebotenen Butter. Sie bringt weiter den gesetzlichen Schutz für Markenbutter dagegen, daß Erzeugnisse, die den an Markenbutter gestellten Anforderungen nicht entsprechen, unter mißbräuchlicher Verwendung der Bezeichnung Markenbutter angeboten werden.
Es werden nur noch zugelassen die Sortenbezeichnungen Markenbutter, feine Molkereibutter, Molkereibutter, Landbutter und Kochbutter. Die zahlreichen Phantasiebezeichnungen für Butler sind damit ausgemerzt worden. Es werden für jede Sorte bestimmte Mindeftanforderun- g en ausgestellt, die nicht unterschritten werden dürfen. Dabei soll sich die Beurteilung der Butter nach der Zahl der Merkmale richten, die sie für Geschmack, Geruch, Ausarbeitung, Aussehen und Gefüge auf- weist. Alle inländische Butter ist grundsätzlich als „deutsche" zu kennzeichnen, die ausländische Ware muß den Namen des Ursprungslandes in deutscher Sprache tragen. Besonders bedeutsam ist noch die Bestimmung, daß das Mischen von Butter verboten ist, und daß der Kleinhandel mit Markenbutter dem Ausformungszwang unterliegt. Die Verordnung tritt am 1. April 1934 in Kraft. Für die Uebergangszeit find ausreichende Erleichterungen vorgesehen.
Standardisierung der gesamten Käseerzeugung
Eine Verordnung des Reichsernährungsministers baut die Standardisierung des Käses auf den Fettgehalt der Käfeforten auf. Es werden a ch t Fett stufen unterschieden, und zwar Doppelrahmkäse mit einem Mindestfettgehalt von 60 v. H. in der Trockenmasse (i. T.), Rahmkäse mit mindestens 50 v. H. Fett i. T., Vollfettkäse mit mindestens 45 v. .h. Fett i. T., Dreiviertelfettkäse mit mindestens 30 v. h. Fett, H a l b f e 11 f ä f e mit mindestens 20 v. H., Viertel fettkäse mit mindestens 10 v. H. und Magerkäse mit weniger als 10 v. H. Fett i. T. Käse, die nur mit Phantasienamen ohne nähere Sortenbezeichnung versehen sind, müssen mindestens Vollfettkäse sein. Als Viertelfettkäse oder Magerkäse können nur solche Käse in den Verkehr gebracht werden, die schon bisher als derartige Käsesorten hergestellt wurden. Die „Erfindung neuer Sorten derartiger Käse ist unzulässig. Es wird lediglich die Herstellung gewisser fettarmer Käsesorten weiterhin gestattet, die wegen ihrer Billigkeit guten Absatz hatten, wie Harzer Käse, Mainzer Käse usw.
Wo der Käse unverpackt in den Verkehr kommt, muß die Kennzeichnung auf dem Käse selbst erfolgen. Die Kennzeichnung muß umfassen das Land der Herstellung, die Fettstufe, die Erzeugerfirma. An Stelle der letzteren kann dort, wo Kontrollmarken ausgegeben werden, die Kontrollmarke treten. In offenen Ladengeschäften und Verkaufsständen sowie auf Märkten muß bei Käse, der zum Zwecke des Kleinverkaufs ange- schnitten wurde, die F e 11 ft u f e durch Anbringung von Zetteln ober Schildern deutlich sichtbar gemacht werden. Auf Speisekarten in Gastwirtschaften usw. muß neben der Sorte des Käses auch die der Fettstufe angegeben werden. Das gleiche gilt für Zeitungsanzeigen und schriftliche Angebote. Auslandskäse muß auf der Verpackung das Herkunftsland tragen.
Reichshiffe für den deutschen Obstbau.
Berlin, 23. Febr. (VdZ.) Das Reichsernährungsministerium hat zur Förderung des Obstbaues Mittel bereitgestellt, die durch die zuständigen Landesbauernschaften (Hauptabteilung II) verteilt werden. Die Landesbauernschaften geben innerhalb ihrer Bezirke selbst bekannt, wann die Verteilung erfolgt. Das Ziel der Aktion ist die Steigerung und Qualitätsverbesserung des Obstanbau e s. Es sind gewisse Richtlinien gegeben worden, z. B. eine Mindestzahl von neu anzupflan- zenden Bäumen. Für Bayern sind bereits Einzelanordnungen ergangen. Es wird da z. B. mit Polizeistrafen bedroht, wer im Absterben begriffene Obstbäume und überalterte Obstbäums sowie erkrankte Obstbäume nicht entfernt.
tim die Schahinseln im nördlichen Polarmeer. Wettrennen zwischen Kanadiern und Muffen um die Bodenschätze in der Eiswüste des Nordpols.
In den Sommermonaten, vielleicht auch erst zum Herbst, wird am Nordpol ein Kampf um den Besitz der Schätze der Arktis ausgetragen Werden. Die Gegner in dieser „Entscheidungsschlacht" ohne Bomben und Tanks, ohne Kanonen und Gewehre, werden sich allein in der Kraft ihrer Verwegenheit und der besseren Organisation messen. Es sind Kanada auf der einen und Rußland auf der anderen Seite. Früher war einmal davon die Rede, daß die Länder der Arktis entsprechend den ihre Gebiete einschließenden Längengraden den „Winkel am Pol" für sich beanspruchen könnten. Aber das gilt nicht mehr, denn am Pol gibt es kein Land. Ewia und schweigend dehnt sich hier die Eiswüste des Polarmeeres aus. Nur hier und da liegen rings um den Pol kleinere Inseln verstreut, die man zwdr schon entdeckt, aber noch nicht erforscht hat. Und gerade diese kleinen Jnselflächen sind das umstrittene Gebiet. Groß sind die Inseln nicht, aber die Geologen haben berechnet, daß hier ungeheure Bodenschätze ruhen, die, werden sie erst einmal geborgen, alle Ordnung der Welt umzustoßen vermöchten. Nicht unfruchtbar und öde sei das Land, sondern reich an Gold und Erzen, Kohlen und Deien. Neuerdings soll sogar das Vorkommen von Radium fest- gestellt fein.
Diese „Schatzinseln" liegen vor den Nordküsten des sibirischen und kanadischen Landes, um sie geht das Wettrennen. Die R u s s e n haben sich mit einer Flotte von sieben Schiffen, unterstützt von einem großen Fluggeschwader, den Eingang zur Arktis durch die Veringstraße gebahnt. 80 000 Kilometer auf dem Wasser, 70 000 Kilometer auf dem Lande und 25 000 Kilometer in der Luft wurden zurück- gelegt. Aus dem Wege zu den ersehnten Inseln wur
den Städte gegründet — Jgarkaa hat 15 000 Einwohner! — Flugzeugstützpunkte wurden errichtet, und auf dem Franz-Jojephs-Land wurde die nördlich st e Radio st ation der Welt gebaut. Menschen über Menschen sind dabei in das Unternehmen „investiert" worden. Zur Belohnung winkt den Siedlern der „Orden des Roten Banners" oder gar der „Lenin-Orden".
Die Kanadier gehen mit ihrem Menschenmaterial etwas schonender um. Auf ihrem bisher in Besitz genommenen Schutzgebiet wohnen insgesamt nur 13 000 Menschen. Aber dafür fetzen sie alle technischen Möglichkeiten ein, die nur möglich sind, und sie scheuen dabei keine materiellen Opfer. Eng ist das Netz ihrer Radiostationen und Schiffahrtsstützpunkte. Regelmäßig läuft der Verkehr zu Wasser und zu Luft, um Material, Medikamente, Lebensrnittel ohne Unterbrechung in die Kolonien zu schaffen. Kanada betreibt heute das nördlichste Bergwerk der Welt, und aus dem Großen Bären-See wird das wertvolle Radium gefordert. Die kanadischen Luftverkehrslinien werden häufiger und regelmäßiger beflogen als die russischen. Chemiker haben eine Getreideart gefunden, die sich mit der kargen Sonne der Arktis zufrieden gibt und zur Reife kommt. Den Kanadiern ist es auch erstmalig gelungen, ein paar, wenigstens für kurze Zeit eisfreie Flußläuse in der Arktis ausfindig zu machen. In kurzer Zeit sollen dort Elektrizitätswerke entstehen, und dann wird Kanada auch das nördlichste Kraftwerk der Erde besitzen. Nock ist der Ausgang dieses Ringens ungewiß. Aber der Aufwand der auf beiden Seiten eingesetzten Mittel verlohnt es, dem Ergebnis mit Interesse entgegenzusehen.
Nie Wilmersdorfer Prinzenbraut.
Durch alle illustrierten Blätter der Welt geht jetzt das Bildtelegramm, das von London aus verschickt wurde: Prinz Sigvard von Schweden und Fräulein Erika Patzek aus Berlin-Wilmersdorf, die demnächst ihre Vermählüng bekanntgeben werden. Es ist zur Zeit das interessanteste Brautpaar der Welt, und in dem Teil der Reichshauptstadt, der zu dem ehemaligen Dorf Wilmersdorf gehört, das Tagesgespräch. An allen Droschkenhalteplätzen, an allen Ecken, in allen Destillen wie in allen Salons wird nur von dieser „königlichen Heirat" der jungen Wilmersdorferin gesprochen. Prinz Sigvard lebt schon länger in Berlin und hat hier als Filmregisseur gearbeitet. Er steht im 27. Lebensjahr. Noch vor wenigen Monaten wirkte er als Regieassistent bei den Aufnahmen des Films „Ein gewisser Herr Gran" mit. Er wohnte in Berlin unter dem einfachen Namen Holger. Als ein gewisser Herr Holger hat er auch Fräulein Erika Patzek kennengelernt. Er entpuppte sich dann, als die Liebe fest im Herzen saß, als ein richtiger Dornröschenprinz.
Fräulein Erika Patzig ist eine hübsche Blondine von 22 Jahren. Sie stammt aus einer alteingesessenen Milmersdorfer Bürgerfamilie. Der Vater fing als Fuhrunternehmer an, kam dann vorwärts und pachtete einige der Milmersdorfer Marktplätze. Seine Unternehmungen müssen ihm ein hübsches Stück Geld einbringen, denn obwohl er in Wilmersdorf noch eines der kleinen anspruchslosen Häuser bewohnt, die noch aus den Zeiten erhalten geblieben sind, da Wilmersdorf noch ein Dorf war, besitzt er ein Landgrundstück von einigen Morgen an einem der idyllischen mecklenburgischen Seen und außerdem eine Jagd. Um dem Ansturm der Neugierigen zu entgehen, sind die Eltern der Braut nach dem Landgut geflüchtet, das Brautpaar ist in London, um die Trauung vorzubereiten. Das kleine Haus in Wilmersdorf ist fest verschlossen.
Prinz Sigvard ist der Enkel des schwedischen Königs, lieber die bürgerliche Heirat ist man dort nicht sehr erbaut, trotzdem bas schwedische Königshaus selbst bürgerlichen Ursprungs ist. Mit dem großen Napoleon kamen die Bernadottes in die Höhe. Jean Baptiste Bernadotte war Soldat und wurde unter Napoleon General. Er war ein äußerst kluger und diplomatisch geschickter Mann,
der Napoleon benutzte, wo er ihn gebrauchen fonnte, ohne sich von ihm abhängig zu machen. Sein Ziel hatte Bernadotte erreicht, als er von König Karl XIII. von Schweden adoptiert wurde. Bernadotte wurde einer der schärfsten politischen und militärischen Gegner Napoleons und konnte sich daher auf dem Thron halten, als Napoleon fiel. Als Karl XIV. bestieg er den schwedischen Königsthron. Seine Frau war die Tochter eines Seioenhändlers aus Marseille. Die schwedische Königsfamilie war von da an sehr darauf bedacht, die Abkömmlinge in königliche Familien hineinzuheiraten, Ihre Ehen wurden fast nur mit Angehörigen der alten Königshäuser geschlossen. Trotzdem blieben „Mesalliancen" nicht selten. Vor etwa 50 Jahren heiratete Prinz Oskar von Schweden eine Fräulein Ebba Munk af Fulkila und verzichtete auf alle feine Rechte an der Krone. Er erhielt den Titel eines Grafen von Wiborg. Der Dichter und Naturforscher Prinz W i l- helm von Schweden verheiratete sich mit der russischen Großfürstin Maria Pawlowna. Ihre Ehe wurde schon nach wenigen Jahren getrennt, ebenso eine zweite Ehe der Großfürstin mit dem Fürsten Putjatin. Nach der Trennung dieser Ehe ging Maria Pawlowna nach Neuyork und richtete dort ein Modeatelier ein, das sich wegen der Persönlichkeit der Inhaberin sehr rasch bei den Damen der Neuyorker Millionärsgesellschaft einführte. Auch der Sohn Prinz Wilhelms und der Maria Pawlowna, Prinz L e n n a r t, hat eine Bürgerliche geheiratet, und zwar Fräulein Karin Rißwandt aus London.
Auch er verzichtete auf die Rechte eines Angehörigen des königlichen Hauses. Er war Romanschriftsteller und lebte auf Schloß Mainau, der kleinen Insel im Bodensee, die er von der Königin Viktoria von England, einer Enkelin Kaiser Wilhelms I., geerbt hatte. Als feine Frau dem König von Schweden eine Urenkelin gebar, erlangte der Prinz die Verzeihung des Königs und ging nach Schweden zurück. Bürgerliche Neigungen können alle Sprossen des schwedischen königlichen Hauses nicht verleugnen. Prinz Eugen von Schweden ist ein bekannter Maler, der fast ausschließlich in Pariser Künstlerkreisen verkehrt. Prinz Sigvard hat in München Literatur studiert und sein Interesse dann dem Film zugewendet. Der König selbst ist ein leidenschaftlicher Tennisspieler, und man kann ihn oft in Berlin beim Training sehen.
Aus aller Wett.
Das königliche Unterzeug.
Daß auch die Mitglieder eines königlichen Hauses Unterwäsche tragen, ist nichts besonderes, es ist auch anzunehmen, daß sie, wie andere Sterbliche auch, während der kalten Tage sich wärmeres Unterzeug anziehen, im Sommer dagegen leichtes. Die englische Presse jedoch berichtet jetzt nähere Einzelheiten über die Art des Unterzeuges der Mitglieder des englischen Königshauses und die Engländer, vor allem die Engländerinnen, lesen das mit großem Behagen. Die Königin Mary von England hatte nämlich bei einem Besuch der britischen Jndu- striemesse allerlei Intimes aus dem königlichen Haushalt offenbart. Die Königin kaufte warmes Unterzeug für den König und für ,ben Herzog von Port, einen ihrer Söhne. Man zeigte der Königin einen grell gestreiften Pyjama. Die Königin erklärte: „Solche Sachen kaufen sich die Männer niemals selbst, sie sind ihnen viel zu ausfallend. Man darf aber die Frauen nicht daran hindern, sie für ihre Männer zu kaufen, ich glaube, derartig lebhaft gemusterte Anzüge fesseln die Frauen." * Wetten, daß jetzt in ganz England ein Sturm auf grell gefärbte und fröhlich gemusterte Schlafanzüge einfetzt? Denn keine Engländerin wird jetzt mehr zugeben, daß ihr Mann sich anders kleidet. Und das war wohl auch der Zweck. Die englischen Schneider, denen es darauf ankommt, eine neue Männermode zu lancieren, bedienen sich dazu des Prinzen von Wales. Die englischen Wäschefabriken scheinen kluger Weise die Königin für die Wäschesorgen der Männer und die Sorgen der Wäschesabrikanten interessiert zu haben.
Der ungebetene Hochzeitsgast.
Eine seltsame Dame stand vor dem Berliner Sondergericht. Sie lebte von kleinen Betrügereien und trug, als die politische Lage ihr es vorteilhaft erscheinen ließ, das Abzeichen der NS.-Frauenschaft. So kam sie einmal, Gertrud Hahn ist ihr Name, nach Eberswalde, wo sie sich beim Friseur den Bubikopf beschneiden ließ. Gesprächsweise hörte sie, daß die Leiterin der NS.-
Frauenschaft in Eberswalde an diesem Tage ihre Hochzeit feierte. Flugs kaufte Gertrud Hahn einen Blumentopf und begab sich nach dem Ratskeller. Hier gratulierte sie der Braut, sagte ein hübsches Gedicht auf und überbrachte die Hochzeits- wünfche der Leiterin der NS.-Frauenschaft von Brandenburg. Die Leiterin selbst werde noch im Laufe des Abends erscheinen. Gerttud Hahn wurde selbstverständlich sogleich zum Hochzeitsessen einaelaben, und da sie kein Festkleid hatte, erhielt sie ein Kleid, einen Mantel und ein Paar Schuhe leihweise. In der Manteltasche befanden sich zwei Mark, die aber sofort in die Handtasche von Gertrud Hahn hinüberwechselten. Dann tafelte Gertrud Hahn nach Herzenslust. Der Abend aber kam, und die Leiterin der NS.-Frauenschaft von Brandenburg nicht. Da schöpfte die Mutter der Braut Verdacht, und da Gertrud Hahn nur das Abzeichen trug, aber sich sonst nicht ausweisen konnte, wurde die Polizei in Brandenburg angerufen, die bestätigte, daß Gertrud Hahn a I s Betrügerin bekannt sei. Heimlich rückte die Polizei im Ratskeller an. Es wurde gerade Ragoüt fin aufgetragen, Gertrud Hahn mutzte den Gang vorübergehen lassen, denn ein Polizeibeamter hatte ihr diskret zugewinkt, einmal herauszukommen. Sie kam an die Hochzeitstafel nicht mehr zurück und wurde jetzt vom Sondergericht zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt.
Rebel über dem englischen Kanal.
Der Nebel brachte in Southampton den gesamten Schiffsverkehr in Unordnung. Einige Schifte trafen mit Verspätungen ein und mußten auf her Reede von Cowes Anker werfen, bevor die Sicht ein Einlaufen in den Hafen erlaubte.
Der englische Kreuzer „Cura?ao", mit dem der englische Admiral Sir Roger K e y e s und Feldmarschall Lord A 11 e n b e y nach ihrer Teilnahme an der Beisetzung König Alberts in Brüssel von Zeebrügge nach Dover zurückkehrten, geriet am Freitagabend in einen schweren Nebel und konnte den Hafeneingang von Dover nicht
sinden. Das Kriegsschiff sandte Signale aus und warf schließlich IV2 Meilen von Dover entfernt Anker. Der Admiral und der Feldmarschall sowie die ebenfalls mit dem Kreuzer zurückkehrenden Marine- und Fliegerabteilungen, die der Bei- fetzungsfeier beigewohnt hatten, mußten auf Zubringerbooten an Land gebracht werden und trafen mit sechsstündiger Verspätung in London ein. — Ein Zusammenstoß zwischen zwei griechischen Schiffen ereignete sich in der Nacht zum Samstag bei dichtem Nebel auf der Themse. Beide Schiffe wurden beschädigt und mußten ihre Fahrt unterbrechen.
Rührende Treue eines Hundes. — Er besucht täglich das Grab seines Herrn.
In dem Mofelort Mehring starb im Dezember 1933 ein Metzgermeister, der eine große deutsche Dogge besaß. Der Hund war feinem Herrn sehr zugetan. Seit dem Tage des Begräbnisses läuft die Dogge jeden Tag zum Friedhof und legt sich neben dem Grab nieder. Gegen Mittag kehrt das Tier pünktlich wieder in das Haus zurück. Die fprich- wörtliche Hundetreue hat in diesem Falle wieder einen sichtbaren Beweis erfahren.
Blutiges Wildererdrama vor Gericht.
Das Reichsgericht in Leipzig bestätigte ein vom Schwurgericht Frankenthal (Pfalz) gegen den 53- jährigen Landwirt.Johann Klein aus Neustadt a. d. H. verhängtes Urteil. Damit ist der Angeklagte wegen Totschlags zu lebenslänglichem Zuchthaus und wegen versuchten Totschlags zu drei Jahren Zuchthaus und Ehrenrechtsverlust auf Lebenszeit rechtskräftig verurteilt. Klein, der mit dem Studenten Popp bei Nacht auf einem Wilderergang begriffen war, geriet mit Gendarmeriebeamten in ein Feuergefecht. Dabei wurde der Gendarmeriewachtmeister Löffler getötet und ein zweiter Beamter durch einen Schuß am Arm verletzt. Auch der 24jährige Student Popp fiel dem Schußwechsel zum Opfer.
Riesenfeuer in den Wäldern am Lago Maggiore.
Ein äußerst heftiger Waldbrand wütet in den Bergen am mittleren Lago Maggiore nordwestlich von Pallanza. Bei starkem Wind breitet sich bas Feuer trotz aller Abwehrmaßnahmen weiter aus. Große Waldgebiete und mehrere Hütten sind bereits vernichtet. Der Feuerschein ist von allen Punkten des Lago Maggiore aus zu sehen. Aus der ganzen Umgebung sind zahlreiche Feuerwehren, die durch starke Abteilungen Miliz und Alpini-Soldaten unterstützt werden, zur Hilfeleistung herangezogen worden.
Lastauto vom Zuge ersaht. — Sieben Verletzte.
Wie die Pressestelle bei der Reichsbahndirektion Wuppertal meldet, ereignete sich an dem Wegübergang 184 der Strecke Unna — Holzwickede und der Köln — Mindener Straße ein schwerer Z u - fammenstoß. Ein aus der Richtung Unna kommender Lastkraftwagen mit Anhänger aus Hannover wurde von dem Personenzug 296 Hamm — Duisburg angefahren. Dabei wurden drei Personen schwer und vier leicht verletzt. Die Lokomotive wurde leicht, der Kraftwagen mit Anhänger sowie die aus Umzugsgut bestehende Ladung erheblich beschädigt. Die Verletzten wurden in die Krankenhäuser nach Unna gebracht.
Grundlose Panik in einem Autobus. — 12 Verletzte.
Wie aus Frankenholz (Saargebiet) gemeldet wird, entstand in einem Kraftomnibus der Kraftpostlinie Wahnwegen — Frankenholz ohne jeden ernstlichen Grund eine Panik. In dem Wagen befanden sich 40 bis 50 Bergleute, die sich zur Schicht begeben wollten. Beim Löchener Forsthaus rief einer der Mitfahrenden plötzlich „Feuer!". Der Insassen bemächtigte sich im gleichen Augenblick eine furchtbare Erregung. Ohne sich Gewißheit zu verschaffen, ob es tatsächlich brenne, schlugen die Bergleute die Fenster ein. Dabei erlitten mehrere von ihnen, besonders durch Glassplitter, erhebliche Verletzungen. Man zählte zwei Schwer- und 10 Leichtverletzte. Die Untersuchung ergab, daß absolut keine Feuersgefahr vorhanden war. Der Wagen war völlig in Ordnung. Man nimmt an, daß einer der Insassen den Ruf „Feuer!" im Schlaf ausgestoßen hatte. Noch größeres Unheil wurde nur dadurch verhindert, daß der Wagenführer geistesgegenwärtig sofort bremste.
Stelnzeittiche Ausgrabungsfunde bei Heidelberg.
Bei Grabarbeiten in der Gemarkung zwischen Handschuhsheim und dem Neckar bei Heidelberg stieß man in etwa IV2 Meter Tiefe auf eine stein- zeitliche Abfallgrube mit vier Knochen und Knochengeräten sowie dazugehörigen Wohngruben, die einem Volk westeuropäischer Herkunft angehören. Eine weitere Abfallgrube mit zahlreichen Scherben und Siedlungsresten deutete auf die sogenannten Bandkeramiker hin.
Großer Schmuggel
mit Seidenstrümpfen und Thermosflaschen.
Wie Havas aus Straßburg berichtet, ist die Staatsanwaltschaft gegenwärtig mit der Untersuchung eines großen Schmuggels von Seiden st rümpfen und Thermosflaschen nach Frankreich beschäftigt. Es sollen große Mengen dieser Waren in das innere Frankreich geschmuggelt worden sein, die einen Wert von mehreren Millionen haben sollen.
Wettervoraussage.
Das Hochdruckgebiet wird südöstlich zurückgedrängt und langsam abgebaut. Milde Luftmassen strömen an der Südseite eines Tiefs von Island ostwärts vor und verursachen starke Dunstbildungen und nässenden Nebel, ohne daß vorerst stärkere Niederschläge zustandekommen. Zeitweilig wird sich auch der Hochdruckeinfluß durchsetzen und Aufheiterung herbeiführen. Im allgemeinen wird aber die Störungstätigkeit weiter durchgreifen, und zwar mildes, aber mehr wechselhaftes Wetter veranlassen.
Aussichten für Sonntag: Dunstig und bewölkt mit vorübergehendem Aufklaren, Temperaturen noch ansteigend, vereinzelt etwas Nebelregen.
Aussichten für Montag: Noch stärkere Eintrübung und milder, einzelne Niederschläge.
Lufttemperaturen am 23. Februar: mittags 9,1 Grad Celsius, abends 1,1 Grad: am 24. Februar: morgens 0,4 Grad. Maximum 10,9 Grad, Minimum — 0,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. Februar: abends 2,7 Grad: am 24. Februar: morgens 1,5 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 4% Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An- zeigen: Theoder Kümmel. DA. 1.34: 11 700. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.


