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Me sich im Schoße derUnten naflonäfe* zunehmend unwohl und bedrückt fühlen. Besonders die Umbil­dung des Kabinetts, die einen starken Ruck nach rechts ergab, hat ihr Unbehagen verschlimmert. Seit dem Regierungsantritt Doumergues hat sich der starke Einfluß Tardieus bemerkbar gemacht. Er hat den Kabinettsbeschluß vom 17. April herbeige­führt, der die französische Außenpolitik auf eine neue Grundlage stellte. Er ist es auch gewesen, dec die Gelegenheit der Regierungsumbildung dazu benutzte, um seine eigenen engsten Vertrauten oorzu- schieben. Zu diesen gehören der neue Außenminister L a v a l, der Kolonialminister R o l l i n und der Justizminister L 6 rnery , von denen der letztere ein erbitterter Feind der Radikalsozialen ist. In das Innenministerium, das er selbst gern genommen hätte, wenn nicht die Partei Herriots das zum An­laß genommen haben würde, schon jetzt aus der Regie­rungskoalition auszuscheiden, lancierte er alsLeiteroer Sürete nationale, der französischen Geheimpolizei, den ehemaligen KabinettschefPoincarss M a g n y. Don den radikalsozialen Blättern wurde vor allem die Ernennung Lernerys als glatte Provokation be­zeichnet.

So also stellt sich die innerpolitische Lage in Frankreich am Vorabend des Parteitages von Nan­tes dar, der dort am 25. Oktober beginnen soll und etwa vier Tage dauern wird. (Die letzte Zusam­menkunft in Clermont-Ferrand im Mai dieses Jah­res war ein außerordentlicher Kongreß, der nach den blutigen Ereignissen des Februar und dem Eintritt der radikalsozialen Minister in Doumer­gues Burgfriedens-Kabinett einberufen worden war.) Schon auf dem Parteitag von Clermont- Ferrand hatte der linke Flügel derJungtürken" stürmisch den Austritt aus der Regie­rungskoalition derUnion nationale" ver­langt. Eine kleine Gruppe spaltete sich sogar ab. Trotzdem war es Herriot damals noch ein Leichtes, die Versammlung von der Notwendigkeit des Ver­bleibens in der Regierung zu überzeugen. Heute liegen die Verhältnisse schon etwas anders. Dvu- meraues Stellung ist durch das Wahlergebnis und die Regierungsumbildung geschwächt. Es ist für die Radikalsozialen an der Zeit, wieder Handlungs­frei t zu gewinnen. Immerhin ist es möglich, daß sie sich, auch jetzt noch nicht zum Auszug entschlie­ßen, um Doumergue das undankbare Geschäft der Verabschiedung des Staatshaushaltes, die bis zum 31. Dezember erfolgt sein muß, zu überlassen.

Oie Ltniersuchung des Attentats von Marseille.

Zwei in Turin Verhaftete leugnen jede Beziehung zu den Attentätern.

Turin, 22. Oft. (DNB.) Die wegen Verdachts der Teilnahme an dem Marseiller Anschlag in Turin verhafteten Pawelitsch und K w a t e r n i k sind von der Turiner Polizeibehörde einem ersten Verhör unterzogen worden. Pawe­litsch erklärte, daß er mit dem Marseiller Anschlag nicht das Geringste zu tun habe. Wenn einer der in Frankreich Festgenommenen das Gegenteil behauptet hätte, dann lüge er. Er habe sich am 30. September 1934 nicht i n Mar­seille aufgehalten. Er habe sich ein ein­ziges Mal in seinem Leben nach Frankreich be­geben, und zwar 1927 bei einem internationalen Kongreß. In den letzten Wochen habe er sich in Turin, Mailand und Brescia aufgehalten.

Der zweite Verhaftete K w a t e r n i k wies die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zurück. Er kenne keine einzige der in Frankreich im Gefängnis befindlichen Personen. Er sei auch niemals in Frankreich gewesen. Er habe die letzten Wochen bei einem ihm befreundeten Studenten in Padua zuge­bracht.

Sie kroatischen Emigranten.

Berichte der Belgrader Presse.

Belgrad, 22. Okt. (DNB.) DiePrawda" veröffentlicht eine Beschreibung des Lagers der südslawischenAufständischen" in Bor­gotaro in Italien und führt darüber u. a. aus: Die verbrecherische Tätigkeit derAufständi-

schenorganrsakten" Ustaf'chL wurde durch M Ve>- ständnisse des Täters Peter O r e b enthüllt, der i m Dezember 1933 König Alexander er­morden sollte. Oreb hatte damals von Pawe­litsch den Auftrag erhalten, nach Agram zu fahren, um den Anschlag durch­zuführen, wofür ihm 500 000 Dinar (etwa 30 000 Mark) versprochen wurden. Oreb erhielt zwei Bom­ben, zwei Revolver mit 90 Schuß sowie gefälschte Pässe und Ausweise. Er traf auch rechtzeitig in Agram ein, batte aber beim Einzug des Königs Alexander nicht den Mut, den Anschlag durchzuführen. Von seinen Gefährten mit Vor­würfen und Drohungen überhäuft, versprach er, den König am nächsten Tage zu töten. In­zwischen hatte aber die Agramer Polizei von seiner Anwesenheit erfahren und drang in den frühen Morgenstunden überraschend in seine Wohnung ein. Zwischen Oreb und den Polizeibeamten kam es zu einem Feuerkampf, bei dem ein Polizei- beamtet getötet und ein anderer schwer ver­letzt wurde. Oreb wurde noch am gleichen Abend in der Nähe von Agram verhaftet. Der Gerichts­hof zum Schutze des Staates verurteilte ihn zum Tode. Oreb hatte ein umfassendes Geständnis über I das Lagerleben von Borgotaro abgelegt und u. a. erzählt, daß die Zahl der dort versammeltenAuf-j

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Mexiko-Stadt, 12. Oktober 1934.

(Durch Flugpost.)

Das mexikanische Volk, das abgesehen von einigen bestimmten Kreisen im allgemeinen politischen Fragen fein allzu großes Interesse ent- gegenbringt, befindet fick augenblicklich in höchster Aufregung angesichts Der geplanten Verfas­sungsreform über das Unterrichts­wesen. Schon der im Dezember vorigen Jahres vom Jahreskongreß der die Regierungszügel in ihren Händen habenden National-Revolu­tionären Partei kurz PNR. genannt angenommene Sechsjahresplan sah diese Reform vor, und seitens der PNR. ist niemals ein Zweifel darüber gelassen worden, daß man es mit ihr ernst meint.

Auf Grund der mexikanischen Verfassung vom 5. Februar 1917 ist für den Unterricht keinerlei be­stimmte Tendenz vorgeschrieben, außer daß der in den Regierungs- und Privatschulen erteilte Unter­richt weltlich sein muß und daß keine Reli­gionsgemeinschaften geistliche Volks­schulen einrichten oder leiten dürfen. Gemäß den Anschauungen der Regierung und der PNR., die auf durchaus marxistischen Grundlagen beruhen allerdings mit dem Unterschiede, daß man von der Weltverbrüderung, die ja der deutsche Marxismus predigte, nichts wissen will, sondern einer ausgesprochen nationalistischen Auffassung huldigt soll nunmehr zwangsweise der Unter­richt auf ausgesprochen sozialistische Tendenz umgestellt werden. Die Kinder sollen in marxisti­schem Geiste erzogen werden, um auf diese Weise die Vorbedingungen für eine allmähliche Sozia­lisierung d e r gesamten Produktions­mittel zu schaffen.

Besonders stark ist dabei der Wunsch nach völ­ligem Ausschalten irgendwelcher re­ligiöser Einflüsse auf die Kinder, die nach Ansicht maßgebender Kreise nach wie vor vorhanden seien. Diese kirchlichen Einflüsse sind natürlich die größten Hindernisse auf dem Wege der Schaffung des areligiösen Staates, wie er den Regierungs­kreisen vorschwebt. Von dem Standpunkt aus­gehend, daß demjenigen die Zukunft gehört, der die Jugend hinter sich hat, soll eben jetzt die Jugend für die vorherrschende Staatsauffassung gewonnen werden. Die Widerstände, die sich diesen Plänen entgegenstellen, sind aber außerordentlich groß, denn die Mehrzahl der Bevölkerung ist durch­aus religiös und gerade in den Mittel- und Oberschichten des Volkes, die etwas zu verlieren haben, steht man den Reformplänen keineswegs freundlich gegenüber. Beide Seiten haben ihre

Indischen" bet feiner Msteffe 400 betrug. Die ßä* gerinsassen feien in graue Uniform gekleidet und hätten täglich militärische Hebungen abzuhalten. Sie seien besonders im Bombenwerfen und Re- volverschießen ausgebildet worden.

Eine südslawische Note an Ungarn.

Budapest, 23. Okt. (Ungar. Tel.-Büro.) Der südslawische Gesandte übergab dem Stellvertreter des Ministers des Aeußern eine Verbalnote, in der um die Feststellung und Verhaf­tung eines Kroaten gebeten wird, der auf Grund der Aussage eines in Frankreich verhafteten Attentäters der Mitschuld verdächtigt wird. Die ungarischen Behörden haben unverzüglich eine energische und weitgehende Erhebung eingeleitet.

Das neue südslawische Kabinett.

Belgrad, 23. Okt. (DNB.) Usunowitsch hat die Regierungsbildung beendet. Das Kabinett besteht aus folgenden Mitgliedern: Ministerpräsi­dent U s u n o w i t s ch , Außenminister Ieftitsch, Kriegs- und Marineminister General Gifkv - witsch, Inneres Lasitsch. Als Minister ohne Geschäftsbereich gehören dem neuen Kabinett die ehemaligen Ministerpräsidenten Marinkowitsch und S r s ch k i t s ch an.

Kräfte mobilisiert und die Presse beschäftigt sich ausführlich mit dem Für und Wider der Reform­pläne. Zahlreiche Versammlungen der verschieden­sten Organisationen haben stattgefunden, in denen der sozialistische Unterricht rundweg ab gelehnt wurde, während andere Vereinigungen der Ansicht sind, daß die geplanten Maßnahmen noch längst nicht radikal genug seien. Besonders stark macht sich die Agitation im Landesinnern bemerk­bar, wo der marxistische Schulunterricht vielleicht auf einen noch stärkeren Widerstand stößt als in der Hauptstadt. Die Absicht, den sozialistischen Un­terricht auch auf die Universitäten aus­zudehnen, hat auch die Studentenschaft auf den Plan gerufen, deren Großteil für den freien Unterricht eintritt und feiner Ansicht in zahlreichen Kundgebungen Ausdruck gibt. An verschiedenen Universitäten sind die Studenten in einen 48ftünbigen Prote st streik getreten, wobei es zu gelegentlichen Ausschreitungen gekommen ist.

Ende September hat die Regierungspartei ihren Parlamentsfraktionen das entsprechende Reformpro­jekt zugeleitet. Die von den Fraktionen eingesetzten Ausschüsse haben sich eingehend mit ihm beschäftigt und den entsprechenden Gesetzentwurf ausgearbeitet, der nunmehr der Kammer und dem Senat zuge­leitet und von diesen zweifellos in der jetzigen Fassung angenommen wird, so daß die Reform bereits am 1. Dezember, dem Tage der Amtsübernahme des neugewählten Präsidenten Cardenas, in Kraft treten Fann. Das neue Projekt ist nicht so radikal, wie man ur­sprünglich nach den Aeußerungen einer Anzahl von Volksvertretern hätten annehmen können. Ins­besondere werden von dem sozialistischen Unterricht gewisse Schularten, wie Universitäten und Berufsschulen und andere ausdrücklich aus­genommen, die nicht unter die Reihe der Volks- und Mittelschulen fallen.

Interessant ist das Gutachten, das die Ausschüsse in der Fraktionssitzung der PNR. erstattet haben und in dem es heißt, es fei wichtig, darauf hinzu- weifen, daß man nicht die Verwirklichung der so­zialen Umwälzung auf dem Wege der Schule er­warte. Was man wolle fei, daß die Kinder ihren Geist in der Wahrheit bilden, soweit die zeitge­nössische Wissenschaft diese Wahrheit aufweise, daß sie in das was Gewißheit ist, die objektive Reali­tät, und in dem was nur Hypothese ist, deren Cha­rakter erkennen, aber ohne daß sie sich daran ge- wöhnen, mit Falschheiten die unvermeidlichen Lücken der Erkenntnis auszufüllen. Als grundlegender Punkt der Reform wird in dem Gutachten nieder­gelegt, daß der vom Staat zu erteilende Unterricht sozialistisch sein und unter Aussch luß jeg -

'fr ch er r efi gl'Sfe r Doktrin en den Fän ... mus und die Vorurteile bekämpfen werde. Zu die. fern Zweck werde die Schule den Unterricht und ihre Betätigung in einer Form entfalten, die es er. laubt, unter der Jugend eine vernunftmäßige und exakte Auffassung des Universums und des sozialen Lebens zu schaffen. Allein der Staat werde den Unterricht an den Volks- und Mittelschulen und an den Lehrerbildungsanstalten erteilen, doch könne er auch Privatpersonen die Genehmigung zur Erteilung von Unterricht in diesen drei Gruppen gemäß den in dem Gesetzentwurf vorgesehenen Normen gewähren, wobei er jedoch diese Genehmigung jederzeit wieder zurückziehen könne.

Die radikalen antikirchlichen Bestrebun. genundStrömungen Haden sich überhaupt in der letzten Zeit we-sentlich verschärft. Während zeitweilig die Kultusbeftimmungen nicht mit so gro. ßer Strenge durchgeführt wurden, hat man jetzt dir Zügel wieder fester angezogen. In den verschiedenen mexikanischen Staaten sind die seit längerem aus. gearbeiteten Religionsgesetze verkündet roon den, die d i e Zahl der Geistlichen außeror. dentlich stark einschränken und auf je 50OOC bis 60 000 Einwohner nur noch einen Priester zu. lassen. Durch diese Einschränkung der Geistlichenzajj' stehen natürlich zahlreiche Kirchen leer, und die Regierung hat mit ihrer Zurückziehung vom Gottesdienst begonnen und sie dem Finanzministe. rium für andere Zwecke unterstellt. Da- bei muß allerdings darauf hingewiesen werden, daß es sich hierbei nicht -um eine einfache Beschlagnahme oder Wegnahme handelt, denn sämtliche Kirchen in der ganzen Republik sind verfassungsmäßig Staatseigentum und wurden den Religions- aemeinschaften zur Ausübung ihres Kults lediglilh leihweise überlassen. Diese Verschärfung begründe! man mit der endlich restlosen Durchführung der Ver- faffungsbeftimmungen und teilweise auch damit, daß sich die kirchlichen Kreise wieder in einem reaftionä. ren Sinne zu betätigen begonnen hätten und eine Unruhe unter der Bevölkerung zu entfachen versuch, ten. (Der letzte Schritt in dieser Richtung ist die gestern gemeldete Ausweisung -des römisch-katholi« schen Episkopats. D. Red.)

Opfer der roten Schreckens» Herrschaft in Asturien.

Madrid, 22. Okt. (DNB.) In Madrid trafen 20 Waisenkinder von Pvlizeibeam« tenfamtlien aus Asturien ein. Die Kinder, deren Väter bei Ausübung ihrer Pflicht von den marxistischen Horden ermordet worden sind, und die ihre Mütter z. T. auf dieselbe Weise verloren haben, sind z u m Teil geblendet, 3 um Teil am Erblinden. Die Bewohner der Hauptstadt werden aufgefordert, diesen unglücklichen Opfern der marxistischen Revolution eine neue Heimat zu geben. Flüchtlinge erzählen Einzelheiten über die Tage der roten Herrschaft in Oviedo. 3n den Reihen der Aufständischen haben Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren mit Schußwaffen gekämpft. Unter den An­führern der roten Banden befand sich eine 25« jährige Frau, die, bekleidet mit einer roten Bluse, Gamaschen und Ledermantel, mit der Pistole in der Hand auf der Straße Befehle aus» teilte. Als gefangengenommene Ein­wohner unter Bedeckung bewaffneter Aufstän« bischer abtransportiert werden sollten, durchbrachen Frauen mit Messern in d e r Hand die Sperrkette und stürzten sich mit dem Ruf:Tötet die Faschisten!" auf die wehrlosen Qefange* nen. Nur mit Mühe konnte der Führer des Trans* Ports die Rasenden von ihrem Vorhaben abbringen. Eine der Hauptsorgen der Aufständischen war zu­nächst dieEroberung" der Ledens- mittelgefchäfte. Geschäftsinhaber, die sich den Weisungen der Aufständischen widersetzten, wurden gefangen'genommen oder ermordet. Währen­des Transports von Waffen und Mu­nition, die von Aufständischen zurückgelasstn worden waren, ereignete sich auf dem Wege nach Oviedo eine schwere Explosion. Hierbei wur­den 32 Soldaten getötet und eine noch größere Zahl verwundet. Man glaubt, daß die Aufsländi- schen den Weg, den der Munitionstransport neh­menmußte, unterminiert chatten.

Kamps um Kirche imd Schule in Mexiko.

Von unserem ständigen K. B.-O.-Äerichierstaiier.

Deutsche Kunst im Saargebjet.

Von Or. Otto Peters.

Das ©aargJbiet ist mehr noch als das Rheinland in den entscheidenden Jahrhunderten der Vergangen­heit ein Kampfland zwischen den westlich und östlich gerichteten Kunst- und Kulturströmungen gewesen. Die großen künstlerischen Bewegungen, die von Paris über Köln und von Reims über Mainz ihre Wellen nach Deutschland schlugen, nahmen ihren Weg über bie alten Kulturstätten Lothringens und des Saar- gebietes. In ber Kunst ber Grenzgebiete spiegelt sich der Jbenkampf zweier Welten so stark, baß in der Zeit des Kampfes die Richtungsstärke ber einzelnen Ströme kaum zu erkennen ist. In ber Endphase folgt sie jedoch in ihrem künstlerischen Ausdruck der jeweils stärkeren Bewegung. In die­sem Ringen zeigt sich die geistige Haltung des Volkes vielleicht am allerklarsten. Denn die Empfin­dung des Volkes der Kunst gegenüber ist in ber Gnbftimmung ein absoluter Erlebnisausdruck, ber nicht von politischen Zufälligkeiten ober äußerem machtpolitischem Zwang abhängig ist. Das Volk nimmt als ganzes nur bas auf, was feinem inne» ren Wesen am nächsten steht, was sich mit ihm zu einem hingebungsvollen seelischen Akkorb oerbinbet.

Besonbers an geistesgeschichtlichen Wenbepunkten, an denen bie Völker mit ihrer ganzen inneren Kraft an ber Ausbilbung eines neuen Zeit- und Stilgefühls beteiligt sind, in denen bas künstlerische Triebleben am stärksten sich offenbart, entbrennt in Grenzgebieten ein bitterer Kampf um Form und Inhalt der neuen Zeit. Die geistige Basis, auf der solche Kämpfe geführt werden, ist entscheidend für den Ausgang dieses seelischen Ringens.

Im Saarland ist zu allen Zeiten, abgesehen von Einzelerscheinnungen, bie außerhalb aller Volks- verbunbenheit von Volksfremden als Frembkörper geschaffen würben, bas Kunstwollen an ben großen geistigen Wenbepunkten b e u t s ch gewesen, von deutschem Denken und deutschem Fühlen getragen worden. Ja, weit mehr noch als im Inneren des Reiches trat hier ein geistiger Widerstand gegen das Fremde zutage, weil ber kulturelle Selbster­haltungstrieb in Gebieten, bie ftänbig in ber Ge- fahr ber Ueberfrembung leben, ungemein stark ist. Zweimal haben von ben nahen französischen Kul- rurzentren künstlerische Bewegungen, die das ganze äbenölanb m Spannung hielten, ihren ersten for­ma en Ausdruck erhalten: Im 13. Jahrhundert die ©oüf unb im 18. Jahrhunbert bas Rokoko. Nicht, daß beide Bewegungen französische gewesen wären

sie waren abendländische Stile unb vom abend­

ländischen Gefühl getragen nein, Frankreich hat ihnen nur zuerst die reife Form gegeben. Das Saargebiet erfüllte nun die für dip ganze deutsche Kunst der damaligen Zeit so wichtige Mission, von den vordringenden französischen Formen der Gotik und dem Hinüberspielen des Rokoko das Gefühls­mäßige unb Gebankliche bes westlichen Geistes ab­zulösen unb bas Allgemeingültige nach Deutschlanb weiter zu leiten. In biesem Weiterleitungsprozeß vollzieht sich zugleich auch bie bewußt beutsche Formgebung.

Welch ganz anberen Charakter trägt bie Gotik des Saargebietes gegenüber ber Gotik bes benach­barten Frankreich. Der Repräsentationsbau ber saarländischen Gotik, bie Stiftskirche St. Arnual in Saarbrücken, erhebt sich aus ber ganzen Westeuropa überflutenben Umbrandung ber französisch-gotischen Welle als ein Monumentalzeugnis deutscher Emp- finbungswelt. In biefer Kirche ist ein bewußtes Ab­ducken von ber zitternben Zerbrechlichkeit ber goti­schen öüeberbauten Frankreichs festzustellen. Das waghalsige, leichtfertige Spiel ber Konstruktionen, ?ie geistreich erklügelte Phantasie französischer Ueberschwanglichkeit, finden sich nirgends in den gotischen Kirchen des Saarlandes. Dafür lebt bie saarländische Gotik in einem ernsten mystisch-ger­manischen Streben nach oben. Die aufgelocterte J\aumheU,gfeit mit ben in Maßwerken unb Bogen- Deraftelungen zierlich tanzenden Lichtreflexen wird n ftper deutschen Gotik zu einem immateriellen Ho.bvunkel zuruckgedämpft, aus dem heraus sich in frafttgen Umrissen bie spitzbogige Architektur ab- hebt- Die Auflockerung ber Masse ist hier wirklich seelisch bebingt, während sie in Frankreich aus »sende am sinnlichen Spiel der hauchartigen Stein- gheberungen geschieht. Die Pfarrkirche in St. Wen- oel, die spätgotische Schloßkirche in Saarbrücken, Die Kirchen m Ottweiler unb Wiltingen tragen alle ben typisch deutschen Zug ber Vermnerlichsing ber beo Liebe zur Heiligkeit des Jnnenraümes: sie sind Zeugnisse deutscher Empfindungswelt be­reits im hohen Mittelalter.

Wie in der Gotik ist auch im Rokoko das Saar- gebiet em Schutzwall vor ber Beherrschung ber bcutfAen Äunft durch französischen Geist geivesen. Für Deutschland stand im 18. Jahrundert bie Frage zur Entscheidung, ob die französische Kunstgesinnung auch über bie von ihr beeinflußten Fürstenhöfe hinaus in bas Kunstempfinden bes Volkes einbrin­gen sollte. In ben Grenzgebieten würbe ber Kampf um ben geistigen Ausbruck bes 18. Jahrhunderts mit aller Schärfe geführt. Die Volkssprache in der Kunst äußerte sich jedoch im Gegensatz zu Frank­reich alsbald weniger geziert unb in ber Verfeine­rung weniger zugespitzt. Die Haltung ber Volks­

kunst im Saargebiet war nicht angekränkelt von dem schwächlichen Hauch schaler Empfindsamkeit. Das Volksempfinden entschied ben Kampf an ber West­grenze bes Reiches zugunsten Deutschlands. Große Baumeister wie Sciz, Stengel, Neumann unb Kretschmar trugen von hier aus eine neue Äunftgefinnung in bas beutsche Lanb hinein, bas rheinisch-fränkische Barock. Sie griffen zwar bie französischen Formen auf, gaben ihnen aber unter Ablehnung aller Merkmale bes Westens eine streng beutsche Haltung. Die französische Leidenschaftlichkeit widersetzt durch deutsche Bewegungsstärke, kokette Erregung durch impulsive Spannung. Alle Empfin­dungsstärke ist auf den deutschen Pulsschlag abge­stimmt.

Wie deutschgebunden bas natürliche Empfinden der Saarländer von jeher war, das zeigen auch die Burgen und Klosteranlagen, die Grabplastiken und Ritterdenkmäler, die aus urdeutscher Kraftgesinnung des Mittelalters geschaffen sind und in gerader Linie zu den Anlagen und Denkmälern im Rhein­tal und im Frankenland hinführen.

Das Saarland wurde in den wichtigsten geistes­geschichtlichen Epochen als Durchgangsland west­licher Kunst- und Kulturströmungen zu einem Klär­becken, in dem das Volksfremde abgeschieden unb bas für bie beutsche Gefühlswelt Tragbare neu ge­formt würbe.

Schützenkönig wird der Felix."

Einen vergnügten Abend erlebten die Besucher »^^^Espielhaufes, die sich gestern das Lustspiel vom Schützenkönig Felir ansahen. Die Terra hat diese hanebüchene Kleinstadtgeschichte nach einem gleichnamigen Roman von Hans Holm mit allerlei situationskomischen Einfällen ausstaffiert und vom Regisseur Carl B 0 e s e , der sich mit ähn­lich gearteten Abenteuern beim Film seine Sporen verdient hat, auf eine Art und Weise in Szene setzen lassen, daß bes Gelächters im Zuschauerraum kein Enbe ist. Felix ist eigentlich Reifeoertreter in Babeanzügen" für ben Bezirk Norbbeutschland und kommt zur Königswurde von Koppelstädt wie der böse Bub zur Ohrfeige. Wie das im einzelnen vor sich geht, mag sich jeder selbst ansehen. Rudolf P l a 11 e ist der schüchterne und ehrbare Schlemihl der wahrhaftig aus Versehen eine Zwölf schießt und dazu noch bie Braut heimführt. Dies ist Ursula G r a b l e y , eine hübsche unb unternehmungslustige junge Dame, wie geschaffen für bas Kompanie- geschäst mit entsprechendem Dienstvertrag. Paul Heidemann ist als eleganter Draufgänger aus Operette und Film längst gut bekannt: Tiedtke Sima, Schaufuß, Ettel, Briese und

D a m m a n n stellen eine Anzahl handfester unb ulkiger Honoratiorentypen. Marc Roland hat einen melodischen langsamen Walzer dazu geschrie­ben. Im Beiprogramm etwas sehr Lustiges: Stummfilm-Sterne 1920 bis 1925" mit ironischen Randbemerkungen, übrigens ein lehrreicher Beitrag 3ur Entwicklungsgeschichte des Films. Ferner eine Reise durch das schöne Thüringen auf Goethe- Spuren, die Wochenschau und je ein Vorspann zu den FilmenDie Insel" (mit Brigitte Helm),Der Herr der Welt" undDas Taucher-Duell".

Uraufführung am Frankfurter Schauspielhaus.

Das Frankfurter Schauspielhaus brachte seine erste Uraufführung in dieser Spielzeit heraus: Die Ausgrabung ber Venus", eine Ko­mödie in vier Akten von Kurt Kluge. Klügelst an der Berliner Hochschule für bildende Kunst als Professor für Erzgießerei und Metallbildhauerei tätig. In dieser Eigenschaft restaurierte er die Quadriga auf dem Brandenburger Tor. Sein Debüt als Dramatiker gab Kluge im vorigen Jahre in Berlin mit dem SchauspielEwiges Volk".Die Ausgrabung ber Venus" bankt ihr Entstehen dein Gegensatz zwischen bem geistigen Europäer und dem Naturkind bes Orients, ben ber Dichter selbst bei Ausgrabungsarbeiten in ber Türkei fennen^nt , hat. Der enbliche Ausgleich wird in bem gemein­samen Element bes Eros gefunben. Kluge hat e5 ! nicht vermeiden können, daß bie Komöbie in man- chem zur Groteske abrutscht.

Bemerkenswert erschien die Inszenierung von Richard Salzmann, der es verstanden hat, sich , mit einfachen Mitteln dem Charakter des Werkes anzupassen. Darstellerisch trugen ben Erfolg ber Ur- I aufführung vor allem Cara G y l, Maria Wim­mer, Walter K i e 51 e r unb Robert Taube.

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Der bekannte Breslauer Altertumsforscher Unioerfitätsprofeffor Dr. Ernst Korne mann wurde in feierlicher Form zum Ehrendoktor der Budapester Universität ernannt. Der Ge­lehrte, der sich vor allem durch seine Forschungen aus dem Gebiete der schlesiscyen Altertumskunde einen Namen gemacht hat, hat sich in den letzten Jahren in hohem Maße um den engeren Ausba« ber kulturellen Beziehungen zwischen Deutschlarw unb Ungarn unb befpnbers ben Professorenaustausch zwischen der Breslauer und Budapester Universität verdient gemacht.