Ein wichtiges Kapitel der Gießener Geschichte.
Die ehemaligen 116er haben mit ihrem vierten Wiedersehenstag in der überreich mit Flaggen geschmückten Stadt Gießen großes Glück gehabt. Bei dem Wettergott sind sie sicherlich besonders gut angeschrieben. Denn am Samstagnachmittag, gerade zur Stunde des Festbeginns, türmte sich nach der neuen anhaltenden Hitzeperiode ein Gewitter auf, einige Donner rollten kräftig — aber das Wetter verzog sich noch rechtzeitig nach der Lollarer Gegend hin und regnete sich dort aus. Die 116er konnten ungestört ihr Fest begehen. Und am Sonntagmorgen, als die Sonne wieder heiß vom Himmel brannte und die Luft sehr schwül war, zogen erneut dicke, unheilvoll drohende Wolken auf, sie verkrümelten sieb aber bald wieder — alles war und blieb in Oronung. Sonntagnachmittag bewegte sich der Festzug trotz schwüler Sonnenglut flott durch die Straßen, dicke Wolken zogen wieder auf, aber der Zug kam unbegossen zum Trieb, konnte dort auch noch bei leichtem Regen die Festrede hören, und als diese und damit der Festverlauf im Freien beendet war — da meldeten sich mehrere Gewitter zu Wort, die sich hier zwar nicht mit aller Kraft auswirkten, aber doch kräftigen Regen brachten. Jedoch — das Fest war mit einer Rasen-'
lange vor dem Wettergott glücklich gewonnen, die Stimmung war allenthalben ausgezeichnet — Ende gut, alles gut! Soldatenglück!
Und auch mit der Auswirkung ihres Festes in die Breite und die Tiefe können Die 116er sehr zufrieden sein. Sie haben die hohe Ehre gehabt, den treuen Paladin unseres Führers, den Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, als freudig begrüßten Gast in ihrer Mitte zu sehen und ihn ein- drucksvolle Worte sprechen zu hören; sie haben die beglückende Tiefe der unerschütterlich festen kameradschaftlichen Verbindung mit dem Waffenträger des Reiches, der Reichswehr, und mit den politischen Soldaten des Führers, der SA. und SS., aber auch das Band frontkameradschaftlicher Verbundenheit mit den im RSDFB. stehenden Waffengefährten des Weltkrieges erneut feststellen können; sie haben die ganze Liebe der alten Garnisonstadt Gießen an Hand der überaus reichen Beflaggung der Straßen und in den herzlichen Willkommengrüßen von Mensch zu Mensch wieder verspürt; sie haben bei allen Veranstaltungen eine sehr große Menschenmenge in soldatenfreunblichster Gesinnung um sich versammelt; und aus alledem haben sie neue wertvolle Kräfte der Seele und des Geistes gewinnen können, die für sie im Schaffen des Werktages förderlich sein werden. Fürwahr eine gute Hinterlassenschaft dieses Tages der alten Soldaten!
Die Einholung der Regimenlsfahnen
vom Bahnhof am Samstag gegen Abend leitete die Veranstaltung in würdiger Weife ein. Eine riesige Menschenmenge umsäumte und füllte den Bahnhofsplatz, um Zeuge dieses immer wieder eindrucksvollen Geschehens zu sein. Wenige Minuten vor 17.30 Uhr, pünktlich zur vorgesehenen Zeit, rückte unter Führung ihres Chefs, Hauptmann Schiel, die 2. Kompanie I. Bataillon Infante- rie-Regiment 15, die Traditionstruppe des ehemaligen 2. Großherzoglichen Hessischen Infanterie-Regiments (Kaiser Wilhelm) Nr. 116, mit klingendem Spiel auf den Bahnhofsplatz an, nahm
dort Paradeaufstellung und empfing unter den Klängen des Präsentiermarsches die vier ehrwürdigen Feldzeichen des alten Regiments 116, die von der Fahnengruppe feierlich aus dem Bahnhofsgebäude herausgebracht wurden. Dann folgte der Abmarsch der Kompanie, die von einer riesigen Menschenmenge begleitet wurde, durch die Bahn- hofftraße, Liebigstraße, Frankfurter Straße, Seltersweg, Sonnenstrahe, Schulstraße, Kirchenplatz, Lin- denplatz, Walltorstraße, Hitlerwall, Landgrafenstraße zum 116er-Denkmal auf dem Landgraf- Philipp-Platz.
Gottesdienst am 116er-Oenkmal.
Am Denkmal hatten ein Ehrensturm der SA.- Standarte 116 unter dem Kommando des Standar- ten-Adjutanten Sturmbannführer Münker, ein Ehrensturm des RSDFB. unter dem Kommando des Kameraden Grün, die Angehörigen des ehemaligen Infanterie-Regiments 116 und seiner Kriegsformationen, die Militär- und Regimentsvereine unserer Stadt, sämtlich mit ihren Fahnen, viele Ehrengäste und eine große Menschenmenge Aufstellung genommen. Das Denkmal war mit Blumen schön geschmückt. Nachdem die Traditionskompanie auf ihrem Platze angekommen und von ihrem Chef, Hauptmann Schiel, dem Bataillonskommandeur Oberstleutnant von Wachter gemeldet worden war, schritt dieser in Begleitung von Generalmajor a. D. Mohr und des Verbandsführers der ehemaligen 116er Oberst a. D. K ö t t j ch a u die Front der in Paradeaufstellung stehenden Kompanie ab.
Nunmehr begann der Gottesdienst. Die Bataillonskapelle unter Obermusikmister K r a u ß e leitete die Gottesdienstfeier mit Choralmusik ein. Hierauf sprach als Vertreter der evangelischen Gemeinde, zugleich auch als Angehöriger des ehemaligen Re- ferve-Jnfanterie-Regiments 222
Pfarrer Trapp-Gießen
über das Wort l.Johs. 5, 4: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat". Er sagte u. a.:
Höher schlagen in dieser Stunde in stolzer Bewegung unsere Herzen. Voll gespannter Erwartung sind wir hierher geeilt, um nach Jahren wieder uns hier zusammenzufinden in unserer alten, vertrauten Garnisonstadt Gießen. Der Ruf zum heutigen Wiedersehenstag hat uns mit Macht getroffen, hat all die großen stolzen Erinnerungen geweckt an die Zeit, wo wir hier unsere Ausbildung empfangen haben zum Dienst für Volk und Vaterland, viele in den Reihen unseres stolzen Gießener Jnf.-Rgt. 116, an dem wir mit ganzer Liebe hingen, und Dann viele, viele bei seinen Kriegsformationen. Und wenn wir jetzt hier stehen, auf dem Platz an unserer alten Kaserne, deren altersgraue Mauern herabsehen auf das 116er-Denkmal, so werden wir mit Staunen inne, daß in wenigen Tagen schon volle 20 Jahre vergangen sind, seit der gewaltige, heilige Ruf zu den Fahnen an uns erging, der Ruf hinauszuziehen, um Deutschland gegen eine, Welt von Feinden zu verteidigen. 20 Jahre sind seitdem verflossen.
Wir, die wir heute hier zufammengeeill sind, waren Soldaten durch Jahre, manche durch Jahrzehnte hindurch, mit Leib und Seele und fühlen es heute mit aller Kraft: wir bleiben Soldaten im Kern unseres Wesens, solange wir leben, und der ausländische Staatsmann hat Recht, der da kürzlich sagte: erst Krieg und Waffendienst machen den Wann wirklich zum Wann!
Ein Wort unseres vorhin gehörten Textes hat allezeit auf Soldaten eine ungeheure, mitreißende Wirkung ausgeübt: das ist das Wort Sieg. Auch wir haben unser alles und letztes eingesetzt für den Sieg. Strahlend, bezwingend stand die Aussicht auf den Sieg uns in den Jahren des gigantischen Ringens vor Augen und riß uns immer wieder mit. Mit stolzer Freude soll heute jeder unter uns daran denken, daß er den frischen Impuls der besten Jugendjahre oder auch des reifen Mannesalters hat daransetzen dürfen, fürDeutfchlandzu streiten, unseren Fahnen den Sieg zu erringen. Zum besten, köstlichsten Besitz sind diese Jahre uns geworden, von denen wir freilich nicht Zeugnis abzulegen vermögen in der begeisterten, romantischen Sprache der Sänger der Freiheitskriege, eines Theodor Körner etwa. Das riesige Ringen des Weltkrieges, in dem wir standen, mit seinen gigantischen, kaum faßlichen Ausmaßen hat auch in den Herzen der Kämpfer anderes Echo, andere Empfindungen geweckt, als das große Ringen 100 Jahre vorher.
Unvergleichliche Taten wurden vollbracht in dem unerhörten Ringen des Weltkrieges, das uns erzog zu einem Wah der Pflichterfüllung und Opferbereitschaft, wie es wohl früher kaum möglich war, im Grauen der Waterialfchlachten mit ihren immer furchtbarer werdenden Kampfmitteln und durch die lange Kampfdauer Anforderungen von vorher nicht gekannter Größe an den einzelnen stellte.
Unter übermenschlichen Anstrengungen und Ent
behrungen stand das beste Heer der Welt länger als vier Jahre im Feld und wand neuen, unverwelklichen Lorbeer um feine Fahnen. Der Sieg, an den es glaubte, Den es erhoffte, blieb ihm versagt. Mit dem starken deutschen Schwert ist in den trüben Novembertagen von 1918 auch in der deutschen Seele etwas zerbrochen. Aber nicht zerbrochen war in ungezählten Herzen der Glaube an Deutschlands Größe und seine Erneuerung aus der Nacht des Zusammenbruchs, und der Mann, der diesen Glauben am stärksten nährte, steht heute an der Spitze des neuen, wieder auferstandenen Reiches: unser geliebter Führer und Kanzler Adolf Hitler.
Unerschütterlicher Glaube, daß Gott die Seinen nicht verlaßt, hat zum Sieg geführt.
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Ein freudiges, sieghaft-mutiges Wort des jungen Christentums! Kameraden, auch wir wissen von der Gewalt und der Wahrheit dieses Wortes zu jagen. Glaube ließ uns ins Feld ziehen gegen eine Welt von Feinden, Glaube, daß Gott uns nicht verlassen werde im Kampf auch gegen eine erdrückende Ueberzahl von Gegnern. Viele haben von neuem glauben gelernt, über viele ist im Krieg draußen das Erlebnis der Wirklichkeit des allmächtigen Gottes, feines Waltens in der Weltgeschichte, auf ihren Höhepunkten, mit Urgewalt gekommen. Die haben recht, die da sagen, es gab draußen Augenblicke, wo es wichtiger war, sein Neues Testament zu kennen, der Gemeinschaft mit dem allmächtigen Gott, dem Lenker der Schlachten gewiß zu .fein, als ein Maschinengewehr bedienen zu können. Daß christlicher Glaube nicht aus den Herzen gerissen war, sondern uns aufrechthielt all die Jahre hindurch, das war eine entscheidende Tatsache, die uns vor allem die Neugeburt unseres Volkes und seinen Wiederaufstieg möglich machte.
Ist uns der letzte, endgültige Sieg auf dem Schlachtfeld auch versagt geblieben, so hat doch die Kraft des Glaubens im Innern gesiegt, uns eine Wiedergeburt von vorher kaum erhoffter Gröhe erleben lassen.
Als Soldaten wissen wir etwas von der weltbewegenden und -überwindenden Kraft des Glaubens, fühlen wir uns aufgerufen zu solchem Glauben im gewaltigen Geschehen unserer Zeit, das von 1914 an seinen Ausgang genommen hat. Hier geht es nicht bloß um Menschenschicksal, Gott selbst greift ein in die Geschichte und begegnet seinem deutschen Volk in diesen großen, umwälzenden Ereignissen. In diese Schicksalsgemeinschaft fühlen wir uns gestellt am heutigen Tag als Angehörige eines Regiments, verbunden auch mit denen, die ihre Treue zu ihrem Volk mit ihrem Blut besiegelten und denen unser stilles Gedenken gilt. Wir halten Glauben und wir halten Treue, wie sie es getan haben: wir glauben, Herr, hilf unserem Unglauben. Amen!
Die Bataillonskapelle spielte sodann das Largo von Händel. Anschließend sprach als Vertreter der katholischen Gemeinde und ehemaliger Musketier im Infanterie-Regiment 447
Kaplan Oeuster-Äießen.
Er sagte u. a.: Wer über die Gefallenen sprechen will, der muß eine lebendige Anschauung haben von den großen Tagen des Krieges und ihren Opfern und Schrecken. Wenn ich der Toten hier gedenken soll, dann steigt all das wieder auf, was als das tiefschürfendste Erlebnis der ganzen Lebenszeit im Gedächtnis blieb, das Kriegserlebnis Die Völker haben nach dem Krieg in ihren Hauptstädten sich ein Grabmal geschaffen vom „Unbekannten Soldate n". Mein Grabmal des „Unbekannten Soldaten" liegt in Frankreich in der Nähe von Peronne. Dort habe! ich mit einem Kameraden einen gefallenen Soldaten Zur Ruhe gebettet; ick weiß feinen Namen nicht, aber ich schätze mich glücklich in ihm, meinem „Unbekannten Soldaten", der unabsehbaren Schar gefallener Kameraden auch meinerseits einen bescheidenen Liebensdienst erwiesen zu haben.
Es ffeigen mit diesem Gedanken auf all die anderen Erinnerungen an das Soldatenleben an der Front, den hunger, den Durst und die kalte, die durchwachten Rächte und das geflossene Blut, den Kanonendonner und das Bersten der Grauten, den Schmutz und Schlamm
der fremden Erde. Ich sehe vor mir die Zelte und Baracken der Gefangenenlager mit ihrem dumpfen Schmerz der Verlassenheit und Abgeschlossenheit.
Durch diese Vergegenwärtigung der Kriegserlebnisse möchte ich bei euch und bei mir die Wirklichkeitsnähe erzeugen, die notwendig ist, um mit ergriffenem Herzen, nicht nur mit äußerlicher An- Wesenheit diese Gedenkstunde der Toten zu begehen.
Dem Geistlichen steht es gut an, die dauernden und ewigen Werte, die aus dem Felderlebnis sprossen, hervorzuheben. Und so möchte ich Gott aus dem Buch der Bücher zu uns sprechen lassen, wie ich bei Jeremias 31, 16 und 17 lese:
„So spricht der Herr: Laß ruhen deine Stimme vom Klagen und dein Auge vom Weinen, denn deine Trübfal findet ihren Lohn; sie kehren heim aus dem Feindesland, es kehren zurück deine Kinder in ihre Gemarkungen."
Die größte Trübsal, die uns traf, war der Verlust so vieler edlen Menschen, bei ihre Tapferkeit mit ihrem Blute besiegelten. Jeder von uns weiß da gef-alleneVerwandte und Freunde aufzuzählen, die eine große Lücke in den Herzen riff en. Mit ungeheuerem Weh haben wir jedesmal eine Todesnachricht aufgenommen, sahen wir einen Kameraden an der Seite sinken, gedenken wir heute noch der vielen Toten, heute besonders her gefallenen Angehörigen des Gießener Regimentes und feiner Feldformationen. Aber sagt uns das Wort der Schrift: „Die Trübsal findet ihren Lohn."
Wohl nahm der Krieg für uns Deutsche kein freudiges Ende, wohl kehrte unfer Heer nicht als Sieger zurück, aber es kam auch nicht in die Heimat als Besiegter. Aushungerung und innere Unruhen halten vollbracht, was die feindlichen Waffen in vier Jahren nicht erreicht hatten: dem deutschen Volke einen Waffenstillstand aufzuzwingen. Die Gefallenen sind deshalb nicht umsonst gestorben.
Die Opfer des Krieges find aufgezeichnet im Buche des Lebens; darin wird von Gott für den einzelnen Menschen nicht der äußere Erfolg gewertet, sondern die Gesinnung, in Der die Tat vollbracht wurde. Ein größeres Opfer treuer Pflichtgesin - n u n g kann aber niemand bringen als der, der sein Leben dafür opfert. Die Blutopfer der Gefallenen sind auch für das ganze Volk eine ungeheuere Lebenskraft, ein Lebenskapital, das niemand rauben kann. Deswegen wollen wir jeder Witwe und jedem Kriegerhinterbliebenen, jedem betrübten Freunde und jedem Volksgenossen zurufen: „Laß ruhen deine Stimme vom Klagen und dein Auge vom Weinen, Denn deine Trübsal findet ihren Lohn." Wir wollen vielmehr mit Festigkeit und Ernst, mit edlem Neid und stillem Stolze unserer Helden und ihrer Taten gedenken.
Doch wir wollen nicht bei dem bloßen Gedächtnis stehen bleiben. Gottes gütige Vorsehung hat es uns vergönnt, in die Heimat zurückzukehren. „Sie kehren heim aus dem Feindesland, es keyren zurück deine Kinder in ihre Gemarkungen", so heißt es in dem Gotteswort. Aber das ist kein Zu rück kehren mit leeren Händen, ein Zurückkehren um dasselbe gemächliche und unbekümmerte Leben zu führen, wie vorher.
Rein, wer aus einem solchen Kriege heimkehren darf, dem ist das Leben von Goll zum zweiten Wale geschenkt, auf dem ruht eine ernste und heilige Verpflichtung; es wartet eine gewaltige Ausgabe auf ihn, der er sich nicht entziehen darf. Das bis aufs tiefste erschütterte Vaterland muß neu gefestigt, muß neu aufgebaut werden.
Welche im Kriege errungenen Werte bringen da die ehemaligen Frontsoldaten mit?
1. Den Sinn für Einfachheit in der Lebensführung. Wer mit karger Nahrung, mit einem kleinen Trunk monatelang, jahrelang ausgenommen ist, der ist nicht verwöhnt. Wer im primitivsten Raume, im Freien und auf dem Boden zu schlafen hatte, der wird nicht anspruchsvoll sein. Der braucht nicht auf das Bessere, das ihm jetzt die Heimat wieder bietet, zu verzichten; aber was ihm ge» i boten wird, das wird er um so mehr schätzen. Und I
im Notfall ist er auch ohne Murren zu den größten Opfern bereit.
2. Den Geist de r Ka me ra ds ch a f t. Bei dem engen Zusammenleben, das er mit feinen Kameraden führte, kann er unmöglich nun im Zivilleben sich aufs hohe Roß fetzen und einen anderen verachten, kann er unmöglich Trennungslinien ziehen zwischen zusammengehörigen Volksgenossen.
3. Den- Sinn für Autorität und Ordnung. Das militärische Leben, das notwendigerweise auf Unterordnung aufgebaut ist, das Lager im Felde und in der Kriegsgefangenschaft sind ihm greifbare Musterbeispiele jeglicher Ordnung im Staate und in der Gesellschaft. Er wird sich gerne einordnen und als Frontsoldat das größte Verständnis haben für Führertum.
4. Eine heroische Haltung und Furchtlosigkeit. Wer Das Leben schon einmal eingesetzt hat, der fürchtet sich nicht mehr, der ist nicht mehr kleinlich. Hat er etwas als Pflicht erkannt, bann tut er feinen Dienst ohne zu zaudern. Großmütig opfert er Zeit und Kraft für eine Sache, ohne immer zu fragen: „Kann man mich rechtlich dazu verpflichten?" Im Ueberfchwang der Begeisterung tritt er für eine Angelegenheit des ganzen deutschen Volkes mit Heroismus ein; den hat ihm das Kriegserlebnis eingegeben, das noch größere Opfer verlangte.
Das sind einige der kostbaren Gaben, die die Frontkämpfer aus dem großen Kriege nach Haufe brachten.
Dar dieses kostbare Erbe manchmal vergessen, so ist es das Verdienst der Wänner, die heute Deutschland regieren, es wieder zu besonderen Ehren gebracht zu haben. Um diese wertvollen Eharaktergüter aus der Frontgemeinschaft nicht verloren gehen zu lassen, sollen sie nicht nur bei den Frontkämpfern wachgehalten, sondern auch bei der Volkserziehung eingesetzt werden. Das ist der Sinn der staatlichen Verbände, daß sie einem Volke, dem die allgemeine Wehrpflicht versagt ist, diese soldatischen Tugenden nicht verloren gehen lassen.
Manch einer muß da erst mit fünfter Gewalt zu einem Glied der Volksgemeinschaft gebildet werden. Nicht um Krieg zu führen, pflegen wir diesen Geist, sondern um nännlich frei im Frieden leben z u können. Von General- feldmarschall von Hindenburg sagte Walter Flex im Kriege:
„Schlachten ersinnend, erdenkt er den Frieden, Diener des Lebens, beherrscht er den Tod.
Vergessen wir dieses Vermächtnis des Krieges nie und nimmer. Es ist ein Geschenk Gottes, der uns aus allem Gutes sprossen läßt, auch aus dem, was bitter und ernst ist, wie die große Trübsal eines Krieges. Mit diesen wertvollen Gaben „kehren sie keim aus dem Feindesland, kehren zurück deine Kinder in ihre Gemarkungen."
Lin dauerndes Wahnzeichen an unsere Pflicht, die wir für Deutschland haben, sei das Denkmal . der Toten.
Die Toten rufeirUins zu: Bewahrt uns gedenkende Liebe! Auf ein Denkmal von Stein könnten wir schließlich verzichten, aber auf das Denkmal in euren Herzen nicht. Schenkt uns nacheifernde Liebe, schenkt uns durchhaltende Liebe, schenkt uns betende Liebe.
Wir werden ihnen antworten: Schwarz war die Nacht der Leiden, durch die ihr gingt, weiß war und hellglühend euer reiner Eifer und euere Begeisterung, rot war das Blut, das ihr vergoßt für die Brüder, schwarzweißrot war die Fahne, unter der i h r starbt. Nun ist zu ihr hinzugetreten das Zeichen der nationalen Erhebung und Selbstbesinnung, das Zeichen stolzen deutschen wiedererwachten Selbstbewußtseins.
Die Sehnsucht jedes echten Deutschen ist es, daß in unserem neuen Reick die wertvollen Früchte aus dem kämpfenden und sterbenden Soldatentum ein wesentliches dazu beitragen, unser Volk einfach und rein, fromm und gottesfürchtig, stark und einig zu machen. Gebe Gott dazu seinen Segen!
Choralmusik der Bataillonskapelle beschloß die Gottesdienstfeier.
Oie Gesallenen-Ehrung.
Am 116er-Denkmal ist in den letzten Tagen eine Gedenktafel für d i e Gefallenen des In nterie-Regiments Rr. 390 ange- bra. worden, das aus einer Kompagnie des Infanterie-Regiments 116 mit zufammengestellt wurde, also eine Kriegsformation unseres alten Regiments ist. Die Anbringung dieser Gedenktafel war früher übersehen worden, so daß sie nun noch einzuweihen war.
Oer Verbandsführer der 116er Oberst a. O. Köttschau
erinnerte in feiner Ansprache einleitend an diesen Sachverhalt und betonte, es sei für die ehemaligen 116er eine Ehrenpflicht, das Versäumte nachzuholen und den gefallenen Kameraden vom Infanterie-Regiment 390 eine würdige Gedenkstätte an dem Ehrenmal zu bereiten. Dieser Verpflichtung solle heute nachgekommen werden.
Major a. O. Lindenau-Gießen, der vom Infanterie-Regiment 116 zum Infanterie- Regiment 390 gekommen war, übernahm die Ge- denktafel in die Obhut dieser Regimentsvereinigung und gelobte, die Tafel so in Ehren zu halten, wie es unseren gefallenen Helden gezieme. Er teilte dann mit, daß das Infanterie-Regiment 390 in den zwei fahren seines Bestehens 14 Offiziere und 560 Mann verloren hat. Im Geiste der Gefallenen würden die alten 390er weiterkämpfen, bis das Reich da- stehe, das wir unseren Helden schuldig seien und das unser Feldmarschall-Reickspräsident von Hindenburg und unser Führer und Dolkskanzler Adolf Hitler von uns verlangen: das freie, angesehene Deutsche Reich, ein wahrer Friedenshvrt in der Welt.
Hierauf enthüllte der Redner die Gedenktafel mit entsprechenden Geleitworten, während die Kapelle den Choral „Ich bete an die Macht der Liebe" spielte und die Menschenmenge mit dem Hitlergruß grüßte. Hierauf legte der Reoner einen Kranz nieder.
Oer Verbandsführer der 116m Oberst a. O. Köttschau
gedachte dann der Gefallenen des Infanterie-Regiments 116 und feiner Kriegsformationen, aber auch r!?retl Kameraden des ganzen deutschen Heeres. Er schloß seine Ansprache mit den Gedenkworten für unsere gefallenen Brüder: „Ihr habt wacker
gekämpft, ihr habt euch für das deutsche Vaterland geopfert, wir werden euch nie vergessen und uns eurer würdig erweisen". Dann ehrte der Redner die Toten durch Kranzniederlegung.
Oer Kommandeur des I. Sofl.3.<R.15 Oberstleutnant von Wachter
widmete den gefallenen Kameraden die nachstehenden Gedenkworte: Der aktive Soldat des Reichsheeres — nach dem Willen des Führers der Waffenträger der Nation — empfindet in dieser Feierstunde zu Ehren der vor dem Feinde Gebliebenen Die ganze Größe und die ewige, einzigartige Aufgabe seines Berufes, die Verteidigung des Vaterlandes.
In der Erfüllung unseres Berufes geloben wir aktive Soldaten hier an diese Stelle aufs neue:
Treu wollen wir denen sein, die des Soldaten letztes und höchstes Schicksal erfüllt haben, so wie wir ihnen auch die Treue hielten zu einer Zeit, wo nur wenige bereit waren, ihre Leistungen anzuer- kennen und das Heldische in ihren Leistungen zu preisen.
Dankbar werden wir ihnen immer sein für das Vorbild, das sie uns gegeben, und das im freien Heldentod auch den letzten Funken eigennütziger und selbstwilliger Denkart überwunden hatte.
Eisern ist unser Wille, es ihnen gleichzutun im Maß der Pflichterfüllung, im Gehorsam, im bedingungslosen und selbstlosen Einsatz für wahres Soldatentum und für das Vaterland.
So lege ich im Namen des hessischen Grenadier- Bataillons, insonderheit im Namen der hier stehen- den Traditionskompanie des Regiments Kaiser Wil- Helm, diesen Kranz hier nieder als Kommandeur des Truppenteils, der in ununterbrochener Reihen- loIr?-er^aU5 .stolzen Regimentern der ehemaligen hessischen Division hervorgegangen ist.
Oer Führer der EP-Standarte 116 Obersturmbannführer Lutter
gab dem Ehrensturm der SA. zunächst das Korn- mando: „SA.! Stillgestanden!", das in zackigem Schneid ausgeführt wurde. Dann sagte er: Im Namen der SA.-Standate, der unser Führer die Regimentsnummer des ruhmreichen weißen Regiments gegeben hat, lege ich diesen Kranz am Ehrenmal nieder. Gleichzeitig geloben wir braunen Kampfer Adolf Hitlers, allzeit darüber zu wachen, daß das Blutopfer unserer feldgrauen


