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Großfeuer im Sägewerk Abendstern

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Die Vereidigung beim Gauparteitag in Gießen am kommenden Sonntag wird im Cafe Leib und in der Turnhalle vorgenommen Im Cafe Leib werden sämtliche Politischen Leiter der PO., HI., Jungvolk und des BdM., in der Turnhalle die Amtswalterinnen der NS.-Frauen- fchaft, die Amtswalter der NSBO., soweit sie nicht zur PO. gehören, die Amtswalter der NS.-Hago, soweit sie nicht zur PO. gehören, des NS.-Lehrer- bundes, der NS.-Aerzte, Der NSV., soweit sie nicht zur PO. gehören, der NS.-Beamten vereidigt. Die Teilnehmer der Vereidigung im C a f s Leib treten um 8 Uhr auf dem Oswaldsgarten an. Die Führe­rinnen des BdM. gehen direkt zum Cafe Leib. Dom Oswaldsgarten aus geht der Marsch durch die Neu­stadt, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Seltersweg, Hindenburgwall, Neuen Säue, Schulstraße, Markt­platz, Kirchenplatz, Lindenplatz, Walltorstraße zum Caf6 Leib. Die Teilnehmer der Vereidigung in der Turnhalle sind an der Aufstellung nicht be­teiligt, sie begeben sich um 9 Uhr direkt in die Turnhalle. Die Politischen Leiter, die gleichzeitig

der SA. angehören, müssen im Dienstanzug lrek PO. vereidigt werden. Den Ordnungsdienst ver­sieht die SS.

Hrtler-Zugend Oberbann 4/13.

Das Gebiet meldet heute, daß an der Vereidl- gung am 25. Februar alle HI. -Führer von Kameradschaftsführer u b aufwärts, und alle I u n g v o l k f ü h r e'r v o n Fähnlein- führer ab aufwärts, teilzunehmen haben, ohne Rücksicht auf das Alter. Also auch alle Führer unter 18 Jahren. Alles weitere wird von dem für die einzelnen Kreise bestimmten Führer geregelt.

Heil Hitler!

Der Führer des Oberbannes 4/13 m. d. F. b. gez. Blumenröder, Bannführer.

Der Stabführer

gez.: Herrnbrodt, Gefolgschaftsführer.

Ehrung zweierKämpfer der altenGarde

Der Gauleiter der NSDAP., Gau Hessen-Nassau, Reichsstatthalter Sprenger, hat dem Pg. Adam Lotz, Gießen, Bruchstraße 5, und dem Pg. Hein­rich K l ö ß, Gießen, Ludwigstraße, angesichts ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP, bis zu deren Ver­bot und für die nach Aufhebung des Verbots bei der Neugründung der Gießener Ortsgruppe der Partei sofort wieder erneuerte Mitgliedschaft das Ehrenzeichen der alten Garde im Gau Hessen-Nassau der NSDAP, ver­

tu der dritten Generation hat sich der Wander- und Forschertrieb wieder so stark geregt, daß meinem Bruder, dem letzten Nachtigal dieser Linie, die Grenzen seines Vaterlandes zu eng wurden, und er sich Patagonien zu seinem Betätigungsfeld

Ordnung ganz in diejenige des Dritten Reiches zubauen.

Zum (Sauparteitag in Gießen.

Wasser gegeben werden konnte; für das Ausmaß des Brandes war es aber nicht viel mehr als ein Tropfen auf einen heißen Stein.

Die Feuerwehren mußten deshalb unter der Lei­tung des Kreisfeuerwehr-Jnspektors Bouffier- Gießen versuchen, die Gefahr der Ausbreitung des Feuers auf andere Weise zu bannen.

Die brennende große Aufbereitungshalle wurde niedergerissen, Holzstöße wurden beseitigt, bren­nende Holzstöße auseinandergerissen, und so war es möglich, eine weitere Aufbereitungs­halle, einen Teil der Holzbearbeitungsmaschinen, sowie das Wohnhaus des Sägewerksbesihers und eine dicht dabei stehende Scheune zu retten.

Das Haus, das den Dampfkessel barg, brannte völlig aus. Der Dampfkessel selbst war rings von Flam­men umgeben und der Dampf strömte durch das Sicherungsventil mit heftigem Zischen aus. Die Ge­fahr der Explosion des Dampfkessels lag durchaus nahe, so daß sich der Kreisfeuer-Jnspektor veranlaßt sah, Absperrung anzuordnen. Gegen 7 Uhr konnte die Hauptgefahr als beseitigt gelten. Die Kreismotor­spritze rückte um diese Zeit wieder ab, da gar keine Möglichkeit bestand, sie einzusetzen. Später wurde noch eine Schlauchleitung bis zum Windhof gelegt.

Die Entstehungsursache des Feuers ist unbekannt. Der Schaden ist zum größten Teil durch Versiche­rung gedeckt. Der Schaden dürfte beträchtlich sein, läßt sich in seinem Ausmaß zur Zeit aber auch noch nicht übersehen, da der Brand bisher nicht völlig abgelöscht werden konnte.

Das Großfeuer bewies auf eindeutige Weife, daß die Industrie Abendstern in Feuersgefahr völlig dem verheerenden Elemente ausgeliefert ist und keine Möglichkeit zur energischen Be­kämpfung des Feuers besteht, solange die Was­serverhältnisse in der dortigen Gegend so man­gelhaft und unzureichend bleiben, wie sie sich seht erwiesen.

Unter den bestehenden Verhältnissen ist es der besten und bestausgerüsteten Feuerwehr unmöglich, helfend einzugreifen.

Im Dampf-Sägewerk Ludwig Kröck, Abend- stern, brach heute morgen zu früher Stunde ein Feuer aus, das mit großer Schnelligkeit um sich gegriffen haben mußte. Erst gegen 5 Uhr wurde aber das Feuer von einer Frau bemerkt, die von ihrer Beobachtung zunächst dem Bahnwärter der Station Abendstern Kenntnis gab, der, wie wir hören, nun seinerseits den Inhaber des Werkes, der in unmittelbarer Nähe des Sägewerkes wohnt, be­nachrichtigte.

Inzwischen schlugen aber die Flammen aus einer der großen Aufbereitungshallen des Sägewerkes hoch zum Himmel, hohe Holzstöße brannten lichter­loh. Glutroter Schein färbte den Himmel. Der Feuerschein wurde selbst in Gießen bemerkt. Das Feuer griff rasend schnell um sich. Die riesigen Holz­stöße gaben dem Feuer reiche Nahrung.

Der Platz des Sägewerkes, insbesondere die große Aufbereitungshalle, die Holzstapel und auch das Dampfkesselhaus bildeten ein einziges Flammenmeer.

Die Feuerwehren wurden sofort alarmiert. Die Wehr von Kinzenbach traf zuerst am Brandplatz ein. Die Heuchelheimer Wehr erschien bald darauf auch an der Brandstelle. Die Kreismotorspritze in Gießen wurde ebenfalls zum Brandplatz gerufen.

Großer Wassermangel.

Die Löscharbeiten waren außerordentlich erschwert. Wassermangel verhinderte jede energische Bekämp­fung des Feuers. Glücklicherweise herrschte nahezu Windstille. Das Ausmaß, daß das Feuer unter un­günstigeren Windverhältnissen hätte cmnehmen kön­nen, wäre nicht abzusehen gewesen. Die Motorspritze konnte überhaupt nicht eingesetzt werden. Eine Wasserleitung, wie sie für die Motorspritze notwen­dig gewesen wäre, ist nirgends vorhanden. Die Kroppach und der Kinzenbach lagen viel zu weit entfernt, um für die Wasserabgabe in Frage zu kommen. Der Kinzenbach fließt etwa 400 Meter, die Kroppach etwa 500 Meter von der Brandstelle ent­fernt. Die Motorspritze konnte von keiner Stelle aus an die Wasserläufe fahren, da für die 21 Zentner schwere Maschine die Feldwege nicht befahrbar ge­wesen wären. Es wurden trotzdem etwa 600 Meter Schlauchleitung gelegt, so daß aus einigen Rohren

Erneute Rehmorde in Wehlar

Von £)r. JRoeffig, Assistent am veterinär-pathologischen Institut Gießen. (Direktor: Geh. Med.-Rat Professor Or. Olt.)

ebenfalls Haare am Drahtzaun haften, Zweige von Sträuchern, die sich über das Drahtgitter neigen, wurden abgeknickt, mit Schweiß besudelt und zei­gen ebenfalls anhängende Härchen. All diese Haare wurden im veterinär-pathologischen Institut unter­sucht und mit Hunde- sowie Luchshaaren vergli­chen, dabei hat sich ergeben, 'daß ein Luchs nicht in Frage kommt.

Um der vermuteten Täter habhaft zu werden, wird eine Fuchsfalle in der nächsten Nacht aus­gestellt. Am Morgen des 16. Februar findet man die Falle zugeschlagen und leer vor. Am Kopf der Ricke ist die Kiefermuskulatur weggenagt und das Hirn vom Rachen aus freigelegt worden. In der Nacht vom 16. zum 17. Februar fällt endlich einer der Täter einer gespannten Dachsfalle zum Opfer, denn um 5 Uhr hört man Hundegeheul, und klage nd sitzt ein großer deutscher Schäserhundrüde in der Falle. Er wird sofort angefettet und aus seiner Lage befreit. Am darauffolgenden Abend wird der Hund dem Streckenwärter Mandler, der in Werdorf (Kreis Wetzlar) das angefahrene Tier als Hund genau in Erinnerung hat, vorgeführt. Herr Mandler spricht den Gefangenen als den Hund an, den er gelähmt an der Stelle sah, an der der vermeintlicheLuchs" nach bewußt irreführen­den Angaben angefahren sein sollte! Es sei aus­drücklich vermerkt, daß Mandler zum Vergleich den Hund in der Dunkelheit genau so beleuchtet hat wie damals in Werdorf.

Da von Anfang an der Verdacht besteht, daß zwei Hunde hier am Werke gewesen seien, sind in der Nacht vom 17. zum 18. Februar die Fallen erneut gestellt worden. Zwischen 1 und 2 Uhr fängt sich wieder ein großer deutscher Schäferhundrüde, dessen Besitzer bekannt ist. Die bei diesem Hunde gesammelten sicheren Beweise von Wilderei sollen aus guten Gründen erst später mitgeteilt werden.

Jedenfalls steht fest, daß das Wild und die Jäger­welt nicht den Luchs, sondern die verwahrlosten Hunde zu fürchten hat. Im vorliegenden Falle handelt es sich schon äußerlich um solche herunter­gekommenen Tiere, die jetzt in der Gefangenschaft sehr ängstlich sind und sich so harmlos wie in ihrer eigenen Hütte gebärden.

Zu den in den Zeitungen gebrachten Mitteilun­gen über Wildreißen sei folgender typischer Fall zur Kenntnis gegeben. Am 15. d. M. wurde dem Gießener veterinär - pathologischen Institut aus Wetzlar gemeldet, zwei Rehe seien in einem Zwinger gerissen worden. Mir wurde der Auf­trag zuteil, die Untersuchung an Ort und Stelle vorzunehmen.

Es bietet sich ein entsetzliches Bild. Beide Stücke liegen verendet da, dem Rehbock ist die linke Bast­stange abgebissen und in der Genickgegend die Haut mit Blut bedeckt, die Haare fehlen hier. Der rechte Hinterlauf ist über dem Sprunggelenk glatt durchbissen und abgerissen, der Oberschenkelknochen zersplittert und die Muskulatur bis zum Hüft­gelenk zerfetzt. Offenbar muß der Tod durch Blut- verlltst eingetreten fein, das beweisen auch die reichlich vorhandenen Schweißlachen im Zwinger. Bei dem zweiten Stück, einer mit zwei Kitzen be­schlagenen Ricke, ist der Kopf im Genick durch einen mächtigen Biß von der Wirbelsäule glatt getrennt. Der Kopf hängt nur noch an einem schmalen Hautfetzen, Zunge, Kehlkopf mit Luft­röhre und Schlund sind bis zum Brusteingang herausgerissen. Diese und schwere Verletzungen am Körper würden Nichtkenner einem Hunde nicht zu­trauen; so ist es erklärlich, daß bei ähnlichen Vor­gängen, die sich draußen im Revier abspielen, selbst Jäger und Förster auf den Gedanken kommen können, derLuchs" gehe um. In der Mordnacht hörten jedoch zwei Nachbarn auffallendes Hunde- qebell in dem Zwinger. Daß in dem vorliegenden Falle Hunde gemordet haben, hat sich bei der Un­tersuchung abgeschürster Haarbüschel ergeben, die an den Hecken und Drahtzäunen, durch welche die Mörder ein- und ausschlüpften, haften «blieben. Außerdem haben die Missetäter nach Hundeart die Einzäunung des Zwingers starken Maschen- draht in 80 Zentimeter Länge vom Boden her hochgerissen und einen offengebliebenen Einschlups hergestellt. Frische Schmutzspuren mit Schweiß (Blut) an dem 1,50 bis 1,70 Meter hohen Zaun erwecken den Verdacht, daß einer der Missetäter nach dem Blutbad nochmals über die Einfriedi­gung zu den Opfern gelangt ist. Dabei blieben

Vorahnung.

Wenn der Föhn fauchend über Felder und Firste fegt, an den Fensterläden rüttelt, wenn die Bäume hin und hergezerrt werden, die Wolken wie eine Herde gehetzter Tiere dahinstürmen und auseinan­derstieben, wenn man in der Luft die Eisesstarre des Winters schmelzen fühlt, dann ist die Zeit, in der an knisternden Ofenfeuern früher die Großmüt­ter ihre Märchen vom Wilden Jäger erzählten. Dann ergibt man sich nur zu gern und willig Wunschträumereien, die mit der Marschrichtung ins Freie die Sehnsucht nach der Weite des Gottes­gartens nähren, die jede Enge der Straßen, Gas­sen und Stuben hinter sich lassen möchten.

Lange vor dem Vorfrühling gibt es Tage, die voller Versprechungen, Lockungen und Gaukeleien sind. Als ob sie auf ihre Art das Dichterwort ins Gedächtnis zurückrufen wollten:Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden, und streut er Eis und Schnee umher, es muß doch Früh­ling werden!" Denn je näher wir dem Frühling kommen, desto mehr verlieren diese Gebärden an Trotzigkeit, bis sie nur noch wie ohnmächtiges und verzweifeltes Gestikulieren eines zum Abtreten Ver­dammten wirken.

Wenn die Raben und Krähen wie treibende Wracks fliegen, als würden sie vom Winde steuer­los fortgetrieben, wenn die Ackerkrume sich schwärz­lich aus dem Mutterboden zu wölben beginnt, als sei sie sich ihrer Pflicht zu neuer Tätigkeit bewußt geworden, dann sprießen mit den ersten Schnee­glöckchen im Garten auch die blauen Blumen der Romantik in uns auf, die die bunte Wiese ver­schönen, die sich neben dem Alltagspfad des Le­bens ausbreitet. Diese Blumen heißen: Sonne, Wandern, Schauen.

Wo die Erlenbüsche noch in winterlicher Starre stehen, ist im Sonnengeflirr ein geheimnisvolles Raunen. Don Zweig zu Zweig wispern sie das Neue. Bis plötzlich eins von den Köpfchen sich ein silbriges Hütchen überzieht und so tut, als sei jetzt der Fall, derin der Luft liegt", endgültig ent­schieden. Morgen oder übermorgen ist die Eitelkeit schon so stark, daß sie alle mit den weißen Häubchen der Kammerkätzchen dem Zuge der Zeit folgen. Eine Zeit, in der Neues wird, weil die Zeit zu neuem Werden sich zu erfüllen beginnt, weil schöpferische Kräfte wieder nach Gestaltung drängen. Dann wer­den am Bachrand goldschimmernde Wimpel aufge­zogen, als wollten sie seemännischFrohe Fahrt!" signalisieren. Denn die Haselnußstauden haben sich frühlingsfrohe Sträuße an den Hut gesteckt, die für uns schon mehr als Vorahnungen sind. Sie lassen die Gedanken des sinnenden Wanderes unmerklich an den Fäden spinnen, die eines Morgens zu dem Seil werden, das die Klöppel der Schneeglöckchen und Osterglocken zum Schwingen bringt, daß sie läuten: Der Lenz ist da! K. I. G.

Stahlhelm-Obertruppführer Weinandy f.

Gestern nachmittag wurde auf dem Neuen Fried­hof unter starker Beteiligung der Kameraden des Stahlhelm und der SA. die sterbliche Hülle des im besten Mannesalter plötzlich in die Ewigkeit abbe­rufenen Stahlhelm-Obertruppführers, Zollsekretär Hans W e i n a n d y zur letzten Ruhe gebettet. Am Sarge in der Kapelle stellten Stahlhelmkameraden die Ehrenwache, die Stahlhelmflagge bedeckte den mit Kränzen und Blumen reich geschmückten Sarg. In der Trauergemeinde waren namentlich viele Kameraden im Stahlhelmkleid mit dem Kreisführer Dr. Dehner an der Spitze erschienen. Nach der gottesdienstlichen Bestattungsfeier in der Kapelle wurde der Sarg von einem großen Trauergefolge, in dem die SA. und der Stahlhelm durch mehrere Formationen vertreten waren, zur Gruft geleitet. Im Anschluß an die Totengebete des katholischen Seelsorgers wurden dem verewigten Kameraden und allzeit hingebungsvoll für sein deutsches Vater­land eintretenden Frontsoldaten die letzten kamerad­schaftlichen Ehrungen vom Stahlhelm, von der SA., dem früheren Wehrstahlhelm, vom Gardeverein und von den Zollbeamten in eindrucksvoller Weise er­wiesen. Die Ehrensalve über das offene Grab und das Spiel des Liedes vom guten Kameraden, wäh­rend die Trauergemeinde den Toten zum letzten Male mit dem deutschen Gruß ehrte, beschlossen die würdige Abschiedsfeier von dem Manne, der sich sowohl bei seinen Kameraden, wie auch in wei­ten Kreisen der Bürgerschaft größter Wertschätzung erfreute und dessen Andenken in Ehren fortleben wird.

Oie kirchliche Neuordnung in Hessen.

Das Gesetz- und Verordnungsblatt der neuen Landeskirche veröffentlicht die Verordnungen und Gesetze, die die Ueberleitung in die neuen Verhält­nisse regeln sollen. Danach gliedert sich die neue Kirchenbehörde in den Landesbischof, den Landeskirchenrat und die Landeskir­chenkanzlei. Die Landeskirchenämter in Darm­stadt und Wiesbaden arbeiten vorläufig als Ver­waltungsstellen weiter. Die Verwaltungsgeschäfte des Landeskirchenrates von Frankfurt werden von dem Landeskirchenamt Wiesbaden wahrgenommen. Der Amtssitz des Landesbischofs und des Landes­kirchenrates ist vorläufig Darmstadt. Die Mit­glieder des Landeskirchenrates führen die Amts­bezeichnung Oberlandeskirchenrat, die der Landeskirchenkanzlei heißen L a n d e s k i r ch e n- r a t, das rechtskundige Mitglied des Landeskirchen­rates führt die Amtsbezeichnung Landeskir­chenpräsident.

Die Dienstverhältnisse der Geistlichen werden entsprechend denjenigen der S t a a t s b e a m t e n geregelt. Danach können Geistliche, dienach ihrer bisherigen Betätigung n i ch t d i e volle Ge­währ dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für die Deutsche Evangelische Kirche und den natio­nalen Staat eintreten" in den Ruhestand ver­setzt werden. Geistliche, die nicht arischer Ab- st a m m u n g sind, oder mit einer Person nicht ari­scher Abstammung verheiratet sind, sind in den Ruhe st and zu versetzen. Es gelten hier nur die staatlichen Ausnahmen. Der Landesbischof kann i m Interesse des Dien ft es versetzen, beurlauben ober in den einstweiligen Ruhestand versetzen. Geist­liche können ferner nach Vollendung des 65. Le­bensjahres in den Ruhestand versetzt werden.

Durch den engen Anschluß an die staatliche Gesetz­gebung bekundet die Kirche den Willen, ihre äußere

Sein Mut und seine Offenheit in jeder Lebens­lage haben ihm mehr als einmal das Leben ge­rettet. Daß ihn der Scheich von Tibesti nicht ebenso wie den Forscher Vogel töten ließ, hatte er nur seiner Unerschrockenheit zu verdanken. Aber schon als junger Student hat Gustav Nachtigal mutige Offenheit bewiesen. Sein Professor in Greifswald fragte ihn einmal, ob er bei ihm Assistent werden wollte.Aber, Herr Professor, ich habe ja nichts gelernt", sagte er lachend.Das weiß ich sehr gut. 8ch frage Sie noch einmal, wollen Sie mein Assistent werden?" Da sagte mein Großonkel:Ja, Herr Professor, wenn Sie die Verantwortung auf sich nehmen wollen, will ich es tun."

Den Tod vergessen ...

Wie unerschrocken er den Gefahren ins Auge sah und ganz und gar Forscher war, zeigt eine Ge­schichte, die er im Sudan erlebte. An der Grenze von Bagirmi hatte er sich im Uebereifer von seinen Expeditionsmitgliedern getrennt. Kannibalen im wahrsten Sinne des Wortes überfielen ihn und schleppten den Wehrlosen zu ihrem Könia. Dort wurde er an einen Baum gebunden und sollte ohne Zweifel verspeist werden. Der ganze Stamm war im Nu auf den Beinen; Frauen, Männer und Kinder; vom König bis zum ärmsten Untertan. Nun begannen die Vorbereitungen, die bis ins einzelne nach vorgeschriebenen Handlungen aus­geführt wurden: das Wetzen des Messers, das Auf­schichten des Holzes, das Herbeischaffen des Kessels, alles zu den Klängen einer aufreizenden Musik. Dann begannen sie zu tanzen und fingen.

Mein Onkel geriet in helle Begeisterung, daß ihm dieses seltene Schauspiel als Forscher vor Augen geführt wurde. Welch ein Glück, solches erleben zu dürfen! Er sieht, staunt und beobachtet mit größter Spannung, greift in seine Tasche, holt Bleistift und Papier hervor, schreibt und zeichnet. Da gerät plötzlich das Singen und Tanzen ins Stocken. Einige mustern ihn entsetzt und glauben, er werde sie mit seinem unheimlichen Ding erschießen; ein anderer greift nach seinem Speer.Tanzen", brüllt Nachtigal ihnen zu.Singen", befiehlt er. Und die Neger fangen und tanzten. Sie mußten sich beugen vor dem Willen des gefesselten deutschen Mannes.

Plötzlich Schüsse. Drei Neger liegen tot am Boden. Im Nu ist alles entflohen. Die Gefährten umringen den Geretteten freudestrahlend.Wie könnt ihr mir nur meine hochinteressanten Entdeckungen noch vor dem Abschluß verderben!" sagt er ganz traurig. Verderben? Gerettet haben wir dich. Du wärest nicht lebendig von deinem Marterpfahl entkommen." Ich?" Da besinnt er sich auf die Wirklichkeit. Vielleicht bin ich gerettet worden, weil ich meinen Tod vergaß?" Da schwiegen sie ergriffen. Und er begann, berauscht von dem Gesehenen, die Lieder und Tänze vorzusingen und vorzutanzen.

Seine ganz ungewöhnliche Befähigung, sich schnell und vollständig in das Denken und Fühlen anderer hineinzuleben, ermöglichte ihm, auch die unbekann­testen, unzivilisierten Volksstämme schnell für sich einzunehmen.

Heiterkeit und Bescheidenheit.

Sein Humor half ihm auch über die unerhörte­sten Strapazen hinweg. Heber das tägliche Heim­bringen von Läusen während seiner ersten Praxis in Bona hat er nur die gemütvolle Be­merkung übrig, daß es bisweilenExemplare von außergewöhnlicher Schönheit und Größe" gewesen seien. Mit seiner luftigen Schlagfertigkeit wußte er auch seine Gegner zu entwaffnen. In der Altmark wurde er einmal bei einem Jungenstreich von einem Schutzmann erwischt, der ihn nach seinem Ausweis fragte. Mein Onkel befand sich gerade auf einem Omnibus, und anstatt dieser Anforderung nach­zukommen, hielt er nur von dort oben eine schwung­volle Rede:Was, mich kennen Sie nicht? Ich bin Zögling des königlich Friedrich-Wilhelm-Gymna- stums, meine Schwester ist die Frau Pastor Prietze in Uechtenhagen, sie backt die berühmtesten Pfaumen- kuchen der Welt" usw. Nachdem er so die größte Heiterkeit erregt hatte, zeigte er höflich feinen Aus­weis, und der Schutzmann ließ ihn lachend laufen.

Seine Bescheidenheit erwarb ihm überall die Liebe und Zuneigung der Menschen, sowohl im dunkelsten Afrika wie auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland, als ein ganzes Volk ihm zu­jubelte. So heiter er sonst war, so melancholisch konnte er auch sein, da er nie ganz zufrieden mit seinen Leistungen war. Er unternimmt deshalb auch gar nichts gegen den trostlosen Zustand, daß er seit einem ganzen Jahr überhaupt kein Gehalt mehr bekommen hat, Ja, er verteidiat sich sogar noch in einem Brief gegen die Ermahnung seiner Freunde.Um vernünftig mit dem Großvezier und meinem Admiral zu sprechen, möchte ich doch gern abwarten, bis die Regierung in «ihrer Existenz und in ihren Geschäften wieder etwas konsolidiert sein wird. Cs hat etwas Unkonvenables, von den klein­lichen Interessen des einzelnen zu Personen zu sprechen, wenn das Wohl von Millionen ihnen im Kopf liegt."

Nach der Rückkehr von seiner großen Reise zeigte er auch seinen intimsten Freunden gegenüber nicht die leiseste Spur von Eitelkeit ober berechtigtem Stolz. Als er seinen besten Stubienfreunb bas erstemal roieber besuchte, war er etwas gebrückt unb zurückhaltend Als Grunb stellte sich bann seine Befürchtung heraus, baß er etwa auch bei biefem als sogenannterberühmter Reisenber" gefeiert werben sollte.

Obgleich er wußte, wie gefährlich für ihn eine Reise nach Kamerun werben würbe, unb baß er die ganze Zeit, nämlich vier Monate lang, see­krank sein würbe, brachte er es nicht über sich, fine so lächerliche Krankheit" als Ablehnung vor­zuschützen. Am Schluß seines ersten langen Be­richtes in ber Gesellschaft für Erbkunbe in Berlin (1875) sprach er selbst ein Urteil über seine Arbeit aus:

Wenn ich hier sehe, was in meiner Abwesen­heit von besseren Mänern dem Vaterlanbe geleistet würbe, so blicke ich beschämt auf meine Reisen zurück. Wie wenig es aber auch immer sei, was ich ber geographischen Forschung geleistet, so bars ich boch sagen, ich suchte auch in biesen fernen ßänbern bem deutschen Namen, ber deutschen Wissenschaft und deutschem Mute Ehre zu machen!"

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