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Samstag, 22. Dezember 1054

viertes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

er Weihnachtsmann im Gießener Postpaketbetrieb

ganz andere Gründe. Dieses und !yört auf den Weihnachtstisch, weil

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derer Beliebtheit erfreuten sich die vor allem früher stark gewürzten Pfeffernüsse.

Ohne Aepfel und Nüsse können wir uns ein Weihnachtsfest nicht oorstellen. Sie gehören auf jeden Weihnachtsteller. Schon St. Nikolaus, der Sendbote des Christkindes, läßt sie durch Knecht Ruprecht an die artigen Kinder verteilen. Bei den Feierlichkeiten der Wintersonnenwende gaben die Gottheiten unseren Altvordern für freundliche Auf­nahme und Bewirtung Apfel und Nüsse als Gegen­geschenk. Haselnußstrauch und Apfelbaum waren den Göttern geweiht. Aepfel und Nüsse aßen die Himmlischen und die gefallenen Helden in Walhall, denn diese Früchte verliehen ewige Äugend und Schönheit. Dem Donnergotte Donar gehörte der Haselnußstrauch, dessen Zweige bargen Wunder­kräfte. Daher pflanzte man ihn um die Wohnstätte und steckte seine Zweige an den Feldrain, um von allem Hab und Gut Blitz und Hagelschlag fern­zuhalten. Selbst den Toten streute man Haselnüsse in die Gruft.

Bekannt ist der Apfel als ein Zeichen der Herr­schaft und Gewalt. Daran erinnert der Reichsapfel, ein Stück der Reichsinsignien früherer Kaiser. Die1

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23. Dezember

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mehr jr. Putenbraten übergingen. Vielleicht auch aus HAeAmäßigkeitsgründen. Herrn Mümmel- m a n ' Feistzeit fällt in den Winter, und in der VorwMirrichtszeit wird er am stärksten gejagt. Da tlt es!i piz natürlich, daß der graue Geselle den SpeischiiÄ der Weihnachtstage bereichern hilft.

Zur.ii .nistenden Weihnachtskaffee gehört der C h r i I!f:a l l e n, und beim Plauderstündchen unter dem X"96:::rbaum greift man so aern auf den Teller mit P? müssen, Aepfeln, Nüssen, Marzipan und anderira chönen Dingen.

I kannten schon unsere heidnischen Dor-

Obern:?Die Gießener schenken! Seit Tagen haben die Beamten an der Pak'er nähme alle Hände voll zu tun. Mitte: Auf dem Bahnsteig, iaulife'ie von Paketen werden ein- und ausgeladen. Unten: Berge vi Weihnachtspaketen im Gießener Postamt vor der Zustellung

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Bahnhof wie Gießen, als bedeutsamer Knotenpunkt auch für den Postoerkehr von besonderer Wichtig­keit ist stramm im Gange ist, wird in den Pack­sälen des Postamts in der Bahnhof- st r a ß e im Verlaufe der Nacht nicht minder eifrig gearbeitet. Auch hier rollen zu allen Nachtstunden vom Bahnhof her die mit Paketen hochbeladenen Wagen an und bringen große Mengen Weihnachts- fi-nbungen aus allen Teilen des Reiches für die Gießener Empfänger, aber auch für die Volks­genossen innerhalb des Landbestellbezirks des Gie­ßener Postamtes. Vom späten Abend bis zum an­deren Morgen wird in den weiten Packräumen ebenfalls ein Paketberg neben dem andern auf- geschichtet, zugleich wird auch schon in gewissem Umfange von den Beamten Vorarbeit für die flotte Abwicklung der Paketabfuhr am anderen Morgen geleistet.

In den frühen Morgenstunden erscheinen dann die Beamten des Paketbestelldienstes, nehmen an langen Tischen in den Packräumen Platz und beginnen mit dem verantwortungsvollen und mühsamen Geschäft der Sortierung der Paket­karten nach dem Verlauf ihrer Bestellfahrt. Wenn diese Aufgabe erfüllt ist, gehen die Beamten an das Einreißen der Paketberge, d. h. es wird in den langen Packhallen die straßenweise Sortierung der Pakete vorgenommen, damit das Einladen in die Bestellautos nach dem Verlauf der Route möglich ist. In dieser Zeit stehen dann auf dem Posthofe

die bekannten Paket-Kraftwagen in langer Front nebeneinander aufgefahren, und wenn schließlich die letzten Pakete verstaut sind, beginnt die Fahrt in die Stadt und nach den Orten des Landbestell­bezirks, wobei nun der Weihnachtsmann durch die Beamten unseres Postamts in die Häuser kommt und dorthin Freude bringt

In den Packhallen des Postamts, sowie an den großen Abfertigungsstätten am Bahnhof ist am Morgen nach dem harten Großkampf der Nacht nichts mehr von irgendeinem Paketberg zu sehen, dank der vorbildlichen und anerkennenswerten Ar­beitsfreudigkeit aller Beamten ist überall restlos aufgeräumt worden, damit der Reigen der Arbeit nun wieder von neuem beginnen kann.

Weihnachtsfreude in deutschen Familien, glück­erfüllte Stunden für jung und alf! Wir alle haben sie in hohem Maße mit zu verdanken den wackeren Männern unserer Post, die gerade in diesen Tagen vor dem schönsten Feste des ganzen Jahres vom obersten Leiter bis herab zum letzten Posthelfer ihre Berufsehre dafür einsetzen, daß die riesige Arbeitsfülle in sämtlichen Abteilungen des Post- dlenstes unter Anspannung aller Kräfte pünktlich und gewissenhaft bewältigt wird, um den deutschen Menschen den herrlichen Zauber der deutschen Weihnacht ganz zuteil werden zu lassen. Daran wollen wir in den Stunden der Festfreude denken und den Männern der Post gerne unsere volle Anerkennung bekunden!

Der Weihnachtsmann benötigt viele Hilfskräfte, um feiner großen Mission gerecht zu werden. Wo­chenlang vor seinem Erscheinen sind allerorten schon unzählig viele Menschen in seinen Diensten tätig Da wird überall geschafft, gestaltet und befördert. Von dem Entstehungsort der Weihnachtsgaben geht es hin zu den Geschäften, die das Verbindungsglied über den Weihnachtsmann zu den kleinen und großen Empfängern der aus liebevoller Gesinnung dargebrachten Gaben sind.

Eine wichtige Station auf dem Wege des viel beschäftigten Weihnachtsmannes ist allerorten das P o st a m L Hier kann man kurz vor dem Besuchs­tage des Weihnachts-Freudebringers sogar von einer Großkampf st ation sprechen, deren Schauplatz in der Hauptsache die Pak «fbefär - derungs st eklen sind. Welchen großen Umfang der Dienst in diesem Abschnitt der Dorweihnachts- zeit annimmt, offenbarte uns in den jüngsten Tagen ein Blick in den Paketbeförderung s- dienst beim P o st a m t Gießen. Was da in eifriger, ununterbrochener Arbeit bei Tag und bei Nacht oon allen nur irgendwie verfügbaren Post­beamten und von zahlreichen Hilfskräften an Auf­gaben bewältigt wird, erfordert die größte Hoch­achtung. Da werden in den wenigen Tagen vor Weihnachten alltäglich viele Hunderte von Paketen und dazu noch große Mengen Päckchen in vielfach gegliedertem Arbeitsgang behandelt, um schließlich in pünktlicher Wahrnehmung aller Zugverbindun­gen, wie auch mit Einsatz aller Beförderungsmittel in der Stadt und auf dem Lande, rechtzeitig den Empfängern zugestellt zu werden.

Hochbetrieb herrscht schon an den Paketan - nähme st ellen, an denen vom Morgen bis zum Abend in ununterbrochenem Strom die Pakete auf» gegeben werden. Obwohl hier schon mit zahlreichen Kräften der Post gearbeitet wird, staut sich ständig eine große Menge mit Paketen aller Art. Es kommt dabei sogar vor, daß der Beobachter wieder das Schlangenstehen" eine wenig angenehme Erin­nerung an schwere Jahre unseres Volkes be­merken kann. In den weiten Packräumen türmen sich die Pakete in kurzer Zeit zu Bergen. Ständig sind weitere Kräfte am Werk, diese Stapel mit Hilfe von Postkarren abzutragen und den weiteren Arbeitsstätten des Beförderungsdienstes neues Ma­terial zuzuführen.

Die Hauptpost und die Stadtpost schaffen ihre Paketladungen in regem Fahrdienst zu der großen Abfertigungshalle am Bahnhof zwi­schen der Eilgutabfertigung und den Schwarzschen Kolonnaden. Hier herrscht Tag und Nacht ohne Unterbrechung das Gesetz des emsigsten Schaffens. In der langen Halle sind nach Eisenbahnrouten gegliederte Abteilungen geschaffen, in denen die Pakete sogleich bei der Anfuhr aufgestapelt werden bis zu der Stunde ihres Abtransportes mit der Bahn. Hier kann man, namentlich in den späten Abend- und in den Nachtstunden, in allen Abtei­lungen große Paketberge sehen, die dann auf die bekannten Postkarren geladen und zu den Bahn­steigen geschafft werden. Schon lange vor der Ab­fahrt des Zuges stehen bann auf dem Bahnsteig in dichten Reihen hintereinander die bis zur äußersten Ladegrenze belasteten Karren, von denen immer mehrere Beamte in emsiger Arbeit Stück um Stück in das Innere des Bahnwagens reichen, wo sogleich wieder die Untersortierung entsprechend der Orts­folge auf der Strecke vorgenommen wird. Und in dieser Weise geht es nun schon mehrere Tage und Nächte lang unermüdlich und tatfroh in der Er­füllung der Dienstpflicht, die unsere Postbeamten in vorbildlicher Weise wahrnehmen.

Während dort am Bahnhof der Abfertigungs­dienst nach außerhalb der gerade auf einem

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fahren. Die Wintersonnenwende war ihnen eine weihevolle und schicksalsschwere Zeit, da die Götter aus Walhall zu ihnen herniederstiegen, um zu segnen ober zu strafen. Um ben Gottheiten einen roürbigen unb geziemenben Einzug unb Willkommen zu berei­ten, sie geneigter zu machen, würben bie Wohn­stätten mit Mistelgrün geschmückt unb an heiliger Stätte Opferbrote gebacken. Manche Opferbrote zeigten bie Gestalt eines Mannes ober Reiters unb versinnbilblichten ben roilben Reiter Woban, ber um biefe Zeit auf feinem Schimmel Sleipner unb mit einem geräuschvollen Gefolge burch bie Lanbe ritt. Währenb bas Christentum manch heibnifchen Brauch ausrottete unb verfemte, hat es aus biefen Kuchen- aeftalten einen St. Nikolaus ober St. Martin ge­schaffen. Noch heute gibt mnn bem Weihnachtsgebäck irgenbeine Tier- ober Menschenform, vielleicht in unbewußter Ahnung an bie Sitte unserer Vor­fahren.

Dieses ober jenes Rezept für unser Weihnachts­backwerk mag viele hunbert Jahre alt fein. Dafür spricht, baß auch heute noch bie verschiebensten Gebäckarten mit Honig verarbeitet werben, was bei unseren heibnischen Ahnen auch geschah. Beson-

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kuchena,L?pfel unb Nüsse? Das eine ober bas an» bere ItoDTn finbet sich an biesem Tage auf bem Tischen

Mitü sein Karpfen am Heiligen Abenb beginnt ber 2 Gii nachtsschmaus. Unb warum das? In frühereseit pflegte man vor dem Feste des Lich­tes ge.iiyr end zu fasten. Ersatz für Fleisck war von jeher Fisch, vorzugsweise der Karpfen. Heuer ist es NN dem Weihnachtsfasten längst vorbei, aber der M!d> Achtskarpfen hat sich zu behaupten gewußt

Das-i Prunkstück des Weihnachtsmahls bleibt immer: k$ die knusperige Gans, ein abgebalgter Mümruttriann, in anderen Gegenden wieder eine

Oben: Viele Pakete, viele Paketkarten! Beim Sortieren ber Paketkarten nach ben Sfraßenkursen ber Postwagen. Mitte: Die Pakete werben nach Straßen (wie bie Postwagen sie passieren) verteilt. Unten: Fünf Postwagen bringen bie Weihnachtsfreube in die Stadt.

Verwendung von Aepseln und Nüssen zu Liebes­orakeln ist wohl sehr alt und heute in verschie­denen Landesteilen noch Sitte. Es gab sogar ein­mal eine Zeit, in der das Darbieten eines Apfels als Liebeserklärung und seine Hinnahme als Er- hörung angesehen wurde. Dem Brautpaar trug man im Mittelalter auf dem Kirchgang ein Körb­chen mit herrlichen, ausgesuchten Aepfeln voraus. Bekannt ist ber Brauch, ben lebige Mäbchen am Sylvesterabenb üben, inbem sie befonbers gute Aep­fel schälen unb bie Schale als Ganzes rückwärts über bie Schulter werfen. Aus ber Lage ber hin­gefallenen Apfelschale wollen sie ben Namens­anfangsbuchstaben ihres Zukünftigen erkennen kön­nen. Was die in einem Wasserbecken schwimmenben leeren Nußschalen zu bebeuten haben, braucht wohl nicht gesagt zu werben. Namenszettel ober Lichtlein befinben sich barin. Stoßen zwei Schalen zusammen, so gibt es Liebesglück, schaukeln sie auscinanber, Liebesleib. In manchen Gegenben werfen Ehe- ober Brautleute Walnüsse ins Feuer; verbrennen sie lautlos unb still, bleibt bie Ehe frieblich, ohne Zank unb Streit, knallen unb krachen sie, gibt es Krach auch in ber Ehe.

Seit einigen hunbert Jahren haben sich Aepsek unb Nüsse auch ben Christbaum erobert. Schon in einer Straßburger Chronik aus bem Jahre 1605 finben sich Nachrichten, baß man Tannenbäume mit Aepfeln unb Nüssen geschmückt hat.

Wenn wir nun roieber am leuchtenben Lichter­baum sitzen, wollen wir einmal baran benfen, baß Karpfen, Puten, Hasen, Weihnachtsgänse, Aepfel, Nüsse unb Pfefferkuchen eine lange Vergangenheit haben unb uns manches aus ber Kinbheit unseres Volkes zu erzählen wissen.

Zur Abstimmung an der (Saar.

Das Kreisarnt Gießen gibt im jüngsten Arntsverkünbigungsblatt folgenbes bekannt:

Wie ber Herr Reichs- unb Preußische Minister bes Innern bekanntgegeben hat, gilt nach ber Ver- orbnung ber Regierungskommission vom 29. Novem­ber 1934 für bie Einreise in bas Saargebiet für bie Zeit vom 27. Dezember 1934 bis zum 26. Januar 1935 einschließlich folgenbes:

a) Die Personen, bie in ber oben angegebenen Zeit in bas Saargebiet einreifen, müssen im Besitz 1. eines orbnunasmäßigen Reisepasses, 2. einer be- sonberen Einreisegenehmigung in bas Saargebiet sein. Der Antrag auf Einreisegenehmigung ist unter Ueberfenbung bes Reisepasses an bie Regierungs­kommission, Abteilung bes Innern in Saarbrücken zu richten. Bei Stellung bes Antrags erfolgt zweck- bienliche Beratung burch bie Vertrauensleute unb Ortsgruppen bes Saarvereins. Die Einreisegeneh­migung ist innerhalb 24 Stunben nach ber Einreise der Ortspolizeibehörde des Saargebiets vorzulegen.

leckere solle. Wer es mit seinen Finanzen, seinen Weihnrchsgratifikationen, seine Schlußbilanz ver- einbarn»! kann, bevorzugt die Gans. Gänseleber war Wn ijefjer eine Delikatesse, und Gänseschmalz ist aundiLute noch gut für die Fettöpfe der Küche, lieberes mar die Gans feit uralten He fulinaiTcier Genuß. Schon den alten A, .

galt Mi Jans als beliebter Feftbraten. Aus dieser Zeit ( drcfunbene Inschriften unb Bilber beweisen bas 3 |t Genüge.

Die:.'E Je, zu Weihnachten eine Pute aus ben Tisch p «bringen, stammt von unseren englischen Detter r, vie vor Jahren eine knusperige, mit Maro­nen g itttie ©ans genau so schätzten wie wir heute bie ai lalnefüüte, bann aber nach Verbreitung ber teils sstnausgebehnten Putenmästereien mehr unb

iKLffAuits Iler provinzialhaupistadl.

fft Weihnachtsherrlichkeiten.

Von Heinz Kütinq.

19: Der - Es jftl nun einmal fest, baß aerobe bas Weih- qelkonzerl' nachts Hl mit kulinarischen Genüssen am stärksten beulte IW bedach:^ niirb. Das erklärt sich nicht nur aus ber bihnfliH ßemütl® n Häuslichkeit, aus dem dolce far niente hie ^ul|N des F j-ju-ges, ober gar aus behäbiger Langeweile, luMI Ä: nein, . h< hat ganz andere Gründe. Dieses und hinaen jenes i k:ichl gehört auf den Weihnachtstisch, weil * chten $ jahrhusl.tctealte Tradition es nun einmal so haben naan:.k,will. M. wäre das Weihnachtsfest ohne Karpfen, PutenA.ssasen, Gänse, ohne Christstollen, Pfeffer-

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