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i .Ltzy Dritter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, 22. Dezember

eihnachtsbescherung für Halbwaisen.

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(an schöne und stimmungsvolle Weihnachtsfeier f nip fftern abend in der Krippe des Evangelischen

hVtrrnhauses statt. Der Hessische Fecht- r e i e nW aisenschu tz", Zweigverein

[! f n » hatte die von ihm betreuten Halbwaisen a iftr diesem Jahre zu einer Weihnachtsfeier u düT.cherung eingeladen. Ein schöner Christbaum mori gtchmückt worden, und als die Kinder an der H nil» nr r Mütter den Saal der Krippe betraten, fd irjir rt ihnen der Glanz vieler Kerzen entgegen.

«erwattungsamtmann Kertzer

d r ß.-irer des Zweigvereins, hieß die Kinder und 6ffreim lltern herzlich willkommen, sprach kurz von dßn t^wierigkeiten, die für die diesjährige Weih' nachlts scherung bestanden hatten, gab aber seiner Fre ^»Darüber Ausdruck, daß es trotzdem gelungen sei. il»L Kindern auch in diesem Jahre wieder ein prammes Geschenk geben zu können. Er dankte allei^i inen, die zu Mithelfern am schönen Werk wurüe! dankte vor allem den Mitgliedern, die durch ihres Ürue zum Verein diese Feier ermöglichten. 9jiitprn Wunsche, daß im Interesse der Halbwaisen dieses 'reue auch fernerhin bewahrt bleibe, schloß er fmlr kurze Ansprache.

iE! «clchöne Bereicherung erfuhr die Feier in die- senl 1 ssigre dadurch, daß Schwestern des Evange­lisch'^» Schwesternhauses ein Weihnachtslied mehr­slim mi zu Gehör brachten und dadurch die weih- nachiElicr Stimmung im Saale vertieften.

Pfarrer Ausfew,

der ihre Gabe, die sie dankbaren Herzens in Emp­fang nahmen. Insgesamt wurden 36 Kinder be­schert, die auch in diesem Jahre mit guten, vorher angemessenen Schuhen, bedacht wurden. Hocherfreut gingen die Kinder nach Hause. Auch für die Eltern der Halbwaisen dürfte diese Weihnachtsbescherung eine Freude gewesen sein.

Jn kleinerem Kreise wies Amtmann K e i tz e r auf den Sinn der Arbeit des Fechtvereins Waisenschutz hin. Er betonte, daß der Fechtverein nicht in Kon­kurrenz mit der NSV. trete, sondern auf das engste mit ihr zusammenarbeite. Die NSV. sei im Vor­stand vertreten. Zweck des Vereins fei die Betreu­ung der Halbwaisen; er diene diesem Zwecke schon seit 40 Jahren. Der Verein habe ursprünglich den Bau eines Waisenhauses vorgesehen, dieser Plan sei aber gänzlich fallen gelassen worden, da ein Bedürf­nis sich nicht erwiesen habe. Die Form der Betreu­ung der Halbwaisen sei jedem einzelnen Zweig- verein überlassen.

Eröffnung des Anerbengerichis Büdingen

Vom Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juri­sten, Justizpressestelle Gießen, wird uns berichtet:

Am 17. Dezember fand im Sitzungssaal des Amtsgerichts Büdingen in Anwesenheit aller An­erbenrichter, des Vertreters des Kreisbauernfüh­rers Oberheffen-Weft, des Kreisleiters, des Orts­

unterbii'f sich mit den Kindern in sehr anschau­liche e Zeise über den wahren Sinn des Christ- fefteixfoine Erzählungen und Darstellungen fanden ausu.M ame Hörer. Seine Fragen, die er an die kleim-N'Gäste richtete, wurden ihm gerne und mit Antit.'^ geantwortet. Ein weiteres Lied der Schwe- p-crrh liib das gemeinsam gesungene LiedO, du sröhM Weihnachtszeit" beschlossen die eigentliche WeijhnHtsfeier.

Stri Webenraum war der Gabentisch aufgebaut roorirter: vor den nun die Kinder traten, um die Ge- scheiMrn Empfang zu nehmen. Der Tisch war auf das v gichtigste hergerichtet. Aus Tannenzweigen wararn Lichthalter gefertigt worden, jedes Paket war- [crin eingepackt, überall lagen Lebkuchen und eine' g,ße Tüte mit Backwerk bei den Paketen, so d «ß:oas Ganze einen überaus freundlichen Ein- brud? nachte. Beim Kerzenschein erhielten die Kin­

gruppenleiters, des Vertreters des Kreisamts, des Bürgermeisters, des örtlichen Fachberaters und zahlreichen Publikums die feierliche Eröff­nung des Anerbengerichts Büdingen statt. Der Vorsitzende leitete die sich anschließende größere Sitzung mit einer Ansprache ein, die auf die Bedeutung des Erbhofgesetzes und die Wichtig­keit des Anerbengerichts für eine dem Gesetz gerecht werdende Auffassung des Bauerntums hinwies. Der Vertreter des Reichsnährstands erwiderte hierauf in Verbindung mit einem geschichtlichen Rückblick.

Amtsgericht Gießen.

Unter Ausschluß der Öffentlichkeit befaßte sich das Gericht in seiner gestrigen Sitzung mit dem S. B. aus A. wegen Beleidigung. Der Angeklagte, der wegen ähnlicher Delikte schon vorbestraft ist, näherte sich in unsittlicher Weise einem Mädchen

unter 14 Jahren. Nach anfänglichem Leugnen gab der Angeklagte die Tat au. Das Gericht erkannte auf eine Gesamtgefängnis st rafe von 6 Monaten. Da Fluchtverdacht besteht, wurde gegen den Angeklagten sofort Haftbefehl erlassen und der Verurteilte dem Landgerichtsgefängnis zu­geführt.

Ein Metzger aus einem Orte im Kreise Gießen wurde mittels Strafbefehls mit einer Gelb-

ft r a f e von 30 Mark evtl, sechs Tagen Ge­fängnis belegt, da er feinen gewerblichen Betrieb in unsauberem, den Anforderungen der Gesundheit entgegenstehendem Zustand führte. Der Angeklagte, der wegen derartiger Verstöße früher schon bestraft worden ist, legte gegen den Strafbefehl Einspruch ein. Vor Eintritt in die Hauptoerhandlung nahm er seinen Einspruch zurück, so daß es bei der vor­erwähnten Strafe verblieb.

9JL-$poTt

Gegen Sensationen bei Hatlensportfesten.

Die Pressestelle des Reichssportfüh­rers teilt mit:

Es werden neuerdings wieder Hallensportfeste vor­bereitet, die sich in keinem Punkte von den gleichen Veranstaltungen der früheren Jahre unterscheiden. In sensationeller Weise werden Wettkämpfe der so­genanntenSportkanonen" angekündigt, die somit wiederum als Anreißer mißbraucht werden. Derar­tige Veranstaltungen sind mit einer gesunden Sport- aüffassung unvereinbar, abgesehen davon, daß sich eine Halle mit kleinem Jnnenraum für die Austra­gung von Laufwettbewerben nicht eignet. Laufwett­bewerbe gehören ins Freie und nicht in die Halle! Für solchen sportlichen Kitsch, der nur zu einer Her­abwürdigung unserer Leibesübungen führen kann, ist im neuen Reichsbund für Leibesübungen kein Platz.

L'ppert (1900)

für Deutschland repräsentativ.

Es steht nunmehr endgültig fest, daß der Vertei­diger der Spielvereinigung 1900, Lippert, in der Deutschen Nationalnachwuchsmannschaft am 27. Ja- nurar in Luzern gegen die Schweiz kämpft.

Nordheffens Fußballelf

für den Pokalkampf gegen Berlin.

In der Vorrunde um den Fußball-Pokal hat der Gau Nordhessen am 6. Januar in Fulda gegen den Gau Brandenburg zu spielen. Die Nordhessen haben für dieses Treffen folgende Mannschaft aufgestellt:

Tor: Sonnrein (Hanau 93); Verteidigung: Eufinaer (Hanau 93), Lippert (Gießen 1900); Läufer: Israel (Kassel 03), Maintz, Strasser (beide Borussia Fulda); Stürmer: Markert (Kassel 03) oder Lämmerzahl (Hessen Hersfeld), Kammerl (Bor. Fulda), Wohlgemuth (FV. Wetz­lar), Leugers (Bor. Fulda), Kleim (Kassel 03).

Gpielvereinigung 1900 Gießen.

Morgen empfängt 1900 auf eigenem Platz die Ligaelf vom Turn- und Spielverein Naunheim zum Meisterschaftsrückspiel. Die Gießener haben hierbei eine Scharte auszuwetzen, denn bekanntlich ging das Vorspiel in Naunheim bei denkbar schlech­ten Platzverhältnissen nach einem unglücklich ge­führten Kampf mit 4:1 verloren. Bei Ausnutzung des Vorteils des eigenen Platzes sollten diesesmal die Chancen der Blauweißen eigentlich besser stehen. Zu bedenken gibt aber der gute Tabellen­stand der Gäste, die zur Zeit mit den Hiesigen auf gleicher Höhe den zweiten Tabellenplatz einnehmen. Deshalb ist am morgigen Sonntag auf dem Sport­platz an der Liebigshöhe ein entscheidender Kampf zu erwarten. Der Platzverein wird in bewährter Aufstellung antreten, muß aber sein Hauptaugen­merk daraus richten, die schnellen und gefährlichen Flügelstürmer der Gäste (Keusch!) nicht zur Ent­faltung kommen zu lassen. Die Gießener werden diese Begegnung bestimmt nicht auf die leichte Schulter nehmen. In flacher Zusammenarbeit ist auch dieser Gegner zu bezwingen und spielkulturell sollte 1900 den Gästen doch einiges voraus haben.

Die zweite Jugend trägt am goldenen Sonntag ein Pflichtspiel gegen Steinbachs erste Jugend auf eigenem Platz aus.

Das Olympische Dors im Werden.

134 Häuser für 2680 Aktive.

Das Organisations-Komitee für die XI. Olympiade nahm am Donnerstag Gelegenheit, im Rahmen einer Pressebesprechung einige Ausführungen zu den laufenden Vorbereitungen auf die Olympischen Wettkämpfe zu machen. Gaufachamtsleiter Fürft- ner beschrieb eingehend die nunmehr vorliegenden Baupläne für das Olympische Dorf, deren Bau und Verwaltung von der Wehrmacht des Deutschen Rei­ches übernommen wurde.

3n einem landschaftlich reizvollen Gelände, 14 Kilometer vom Reichssportfeld, entfernt, entsteht in Döberih dieses Olympische Dorf auf einem 530 000 Quadratmeter großen Gelände, das gleichzeitig den Vorzug hat, eine größere An­zahl von Teilnehmern als das Olympiadorf in Los Angeles aufzunehmen und auch in sich ge­schloffen ist.

Mit der Planung und Durchführung der Bauten ist vom Reichswehrministerium Regierungsbaumei­ster Werner March, der Schöpfer des Reichs­sportfeldes beauftragt worden. Die vorgelegten Pläne bieten ein getreues Bild von der Schönheit und Zweckmäßigkeit der Anlage. Am Eingang foes Dorfes wird das Empfangsgebäude liegen. In die­sem befinden sich alle Räumlichkeiten, die den per­sönlichen und organisatorischen Bedürfnissen der

Sportgeräte dienen, wie Empfangszimmer, Büros der Mannschaftsleiter, Fernsprecher, Post, Bank, Verkehrsbüro, Kasse, Halle der Nationen, dazu eine Gastwirtschaft für Besucher, denen im Interesse der Athleten, ebenso wie in Los Angeles, der Zutritt zum Dorf nicht gestattet wird. Durch das Tor des Empfangsgebäudes hat man den Ausblick auf eine weite, grüne Fläche, rechts und links davon befinden sich die Wohnhäuser für die Aktiven. Von diesen, die je etwa 20 Mann (je zwei in einem Zimmer) auf­nehmen sollen, werden 134 errichtet werden. Im Hintergründe wird sich das Wirtschaftsgebäude be­finden. Es enthält

vierzig nationale Küchen

mit ebensoviel Speisesälen. Jede Mannschaft kann ihre eigene Küche und ihren eigenen Koch haben. Die Küchen werden außerdem nach den Wünschen ein­gerichtet, die von den einzelnen Nationen gestellt werden. Ferner enthält das Gebäude Anlagen für Wäscheversorgung, Proviantlieferung, Personal, Feuerwehr, Garagen usw. lieber das Dorf verteilt befinden sich mehrere Badehäuser mit Friseurstuben. Diese Badehäuser werden außerdem auch ein finni« 'sches Schwitzbad, dieSauna" ausweisen. Eine eigene Sportplatzanlage genau nach den Maßen der olympischen Kampfbahn, im Nordosten des Dorfes gelegen, dient zum Training. Daran schließt sich ein

M: Weihnachtsfeier in Lhilago 23on Dans ZRiebau

WN rprachen, da uns einmal wieder gar nichts Bessre: einfiel, überBeruf und Charakter", und es trn-ii ein langweiliges und sich nur mühselig vor- wArflll! quälendes Gespräch geworden, wenn nicht Hugizis ganz beiläufig gesagt hätte:Artisten sind übriiji:. sehr gemütsrohe Menschen."

D i : Satz rief sofort Karrf auf den Plcm, der, beoew ein schlechter Schauspieler wurde, ein guter ArtWrar und nunmehr an seinen alten Beruf wie an verlorenes Himmelreich zurückdachte. Kein $3ur!rk:. daß Karrf die These von der Gemütsroheit feinen?!duftigen Kollegen mit aller Schärfe durüd= roies:$ Jiein Wunder, daß Hugo, durch eben diese SchoL^gereizt, nun seinerseits auf den Tisch schlug, unb 1 srnrnre zu einem ausgesprochenen Krach ge- tomtor wenn nicht plötzlich Pundsack, Amateur- athletil-iid begeisterter Freund aller Artistik, seinen Schchrwart gedreht und mit seiner Bärenstimme geruisn hätte:Kinder, haltet's Maul. Ich will Euch eine) :cji)e erzählen, die ich Weihnachten neunzehn- hundtenbbreißig in Chikago erlebt Hobe, und wenn ich t:)cn t fertig bin, wird keiner von Euch mehr die Öraiig! aifroerfen, ob ein Artist ein lNann mit oder ohne» Bimüt ist."

2Mfol los!" riefen wir (indes Hugo und Karrf nertmj? schwiegen), denn wir wußten, die Ge- schidchn die Pundsack zu erzählen pflegte, waren nid)iti:|El, und vor allem: sie waren zumindest zu fünfte loom Hundert wahr.

Wo paßt mal auf!", fing Pundsack an.Am zweMizwcmzigsten Dezember war ich nach Chikago geraten, ein schlechter Zeitpunkt für einen Deut- fd)e:in2-m Heiligen Abend hatte ich denn auch noch nid)W.iien einzigen Menschen näher kennengelernt, undü lief ich, um die Gefahr des heulenden Elends Dorttenö zu bekämpfen, durch die City von Chi- kagcip Aotzlich bleibe ich wie gebannt stehen. Ich bin, i ti Ihr wißt, nie in meinem Leben Polizei- bea ruih gewesen. Aber so ein bißchen Hüter der Drb'jm > ist im Grunde jeder gute Deutsche, und was- pHba sah, mußte nun allerdings alle verborge­nen i stäzeiinstinkte auf den Plan rufen. Wenige MetÜii vn mir entfernt nämlich machte sich, als ob sich ü |i Äwas von selbst verstünde, ein baumlanger Meiücd aaran, die Fassade eines zehnstöckigen Hauses zu c ex tern."

üEmrmetter!", murmelte die Tafelrunde.Aus- gereirc am Heiligen Abend!"

Anfuhr Pundsack fort und zwirbelte an seinem SchrMoart,ausgerechnet am Heiligen Abend. Na­

türlich konnte ich so etwas nicht ruhig mit ansehen. .Hallo!', rief ich, ,runter da!'

Der baumlange Mensch drehte den Kopf und sah nach unten. Dann sprang er, als ob er gewichtslos wäre, wie eine Heuschrecke vom ersten Stock auf die Straße. ,Sie wünschen?', fragte er.

Diese Frage brachte mich ein wenig aus der Fas­sung. ,Benutzen Sie doch lieber das Treppenhaus', murmelte ich, ,es sieht besser aus, und außerdem

,Wen geht denn das alles nichts an?', lächelte der baumlange Mensch. ,Sind Sie Polizist?'

ftftein!'

r^alten Sie mich für einen Einbrecher?' ,3a.7

.Ausgezeichnet!', rief der Fassadenkletterer. .Dann will ich versuchen, Sie von Ihrem Irrtum zu über­zeugen.'

Ja, und dann geschah es ..."

Was geschah?", rief die Tafelrunde, denn Pund­sack machte eine überlange Pause.

Ihr wißt", fuhr er schließlich fort,ich bin ein starker Kerl, früher war ich im Boxverein, später habe ich Jiujitsu gelernt; aber hier, in Chikago ehe ich auch nur einen Gedanken fassen konnte, hatte der baumlange Mensch ein wenig an meinen Hand­gelenken geknackt, dann war ich gefesselt, dann lag ich mit meinen hundertundachtig Pfund über seiner Schulter, und dann kletterte er stellt Euch das, bitte, vor! mit mir die Fassade des zehnstöckigen Hauses hinaus."

Haha!", lachte die Tafelrunde, und sogar Hugo kullerten die Tränen über die Backen, als er sich den Transport des dicken Pundsack vorstellte. Der aber machte eine Handbewegung:Das ist alles noch gar nichts, Herrschaften, es kommt noch ganz anders. Also, der Kerl brachte mich im Verlaufe einer Viertelstunde bis zum achten Stock. Dort klopfte er an ein erleuchtetes Fenster. Ein Vorhang wurde zur Seite geschoben, das Fenster öffnete sich, und der Faffadenkletterer sprang in das Zimmer. Dort saßen an einem runden Tisch sieben Männer und spielten Karten. Sie beachteten uns gar nicht, und es schien, als ob der Weg durch das Fenster in diesem Kreise zu den Dingen gehört, über die man weiter kein Wort verliert. Erst als der Fassaden­kletterer mich von meinen Fesseln befreit und an den Tisch geführt hatte, legte der Aelteste von den Män­nern die Karten weg und rief: .Hallo, Jim, du kommst nicht allein?'

.Wie Ihr seht', lächelte Jim, .ein alter Freund von mir, er mochte sich gern ein wenig an unserer Weihnachtsfeier beteiligen und hat uns auch etwas Schönes mitgebracht.' Dabei zog er mir aus meinen Manteltaschen nacheinander zwölf ausgewachsene

Flaschen Whisky. Ich sperrte Mund und Nase auf. Denn erstens damals war noch Prohibition in Amerika hatte ich, solange ich m den Staaten mar, nicht einmal eine Whiskyflasche gesehen, und zweitens waren meine Manteltaschen so klein, daß ich nicht eine einzige Flasche hätte hineinzwängen können. Die sieben Männer aber waren keineswegs erstaunt. Im Gegenteil, sie wurden, bevor sie auch nur einen Schluck getrunken hatten, außerordentlich vergnügt. Ein kleiner schwarzer Herr kam auf mich zu. .Ich sehe', lächelte er, .auch an den Korkenzieher haben Sie gedacht', und er zog aus meiner Jackett- tasche einen Korkenzieher, denkt Ihr? Aber nein, ein Bettuch, zwei mal eineinhalb Meter groß. Während mir der kalte Schweiß auf die Stirn trat, faltete der schwarze Herr das Bettuch mehrfach zu­sammen, legte es über die nebeneinanderstehenden Whiskyflaschen, und als er es wieder fortnahm, waren alle zwölf Flaschen entkorkt.

.Setzen Sie sich doch', sagte der Aelteste von den Männern, .Sie zittern, wie ich sehe. Weihnachten ist ein Fest, das den Deutschen ein wenig an die Nerven geht. Auch ich bin, müssen Sie wissen, ein Deutscher.'

Ich setzte mich und trank mechanisch ein großes Glas Whisky aus.

,Jim', rief da einer der Männer, ,hast du den Weihnachtsbaum nicht mitgebracht?'

.Wie konnte ich es nur vergessen', schlug sich Jim gegen die Stirn. Dann griff er in die linke Brust- tasche und zog einen ein Meter großen buntglitzern­den Weihnachtsbaum mit leuchtenden Kerzen heraus. Ich stieß einen gurgelnden Laut aus, trank noch einen Whisky, hielt einen Finger über eine der Kerzen und zog ihn mit einem ,Au!' zurück. Die Kerzen brannten."

Junge Junge ...", murmelte die Tafelrunde.

Es kommt noch besser", fuhr Pundsack fort,also paßt auf. .Wir wollen jetzt unseren Gast beschenken', sagte, nachdem wir ein Lied gesungen hatten, der Aelteste von den Männern. .Bitte, schließen Sie genau drei Sekunden lang die Augen.'

Ich schloß die Augen, zählte einundzwanzig, zwei­undzwanzig, dreiundzwanzig und öffnete sie wieder. Der kleine Tisch, auf dem der Weihnachtsbaum stand, war mit Geschenken überladen. .Alles für Sie', sagte Jim und grinste. Ich beugte mich über den Tisch und sah: Meine Uhr, meine Brieftasche, meinen Füll­halter. Und was hing dort über der Stuhllehne? Kein Zweifel ich mußte mich bereits mit meiner Hose beschäftigen dort hingen meine Hosenträger neben meinen Schnürsenkeln, die sie mir aus den Schuhen gezogen hatten.

Ich fühlte, daß ich weiteren Ueberraschungen so wenig gewachsen war, wie etwa einem weiteren

Glase Whisky (das zu alledem, ohne daß jemand eine Flasche anrührte, immer wieder gefüllt vor mir stand). .Verzeihung', flüsterte ich, nachdem ich Kravatte, Schnürsenkel und Hosenträger wieder an Ort und Stelle gebracht hatte, ,es war mir ein Ver­gnügen, aber ich muß jetzt gehen.'

.Schade', sagte der Präsident, .wir hätten uns gern noch ein bißchen mit Ihnen unterhalten. Aber so eine Weihnachtsfeier ist, muß ich selbst zugeben, nicht allzu interessant. Anders hingegen ist es Neujahr. Dürfen wir Sie zur Silvesterfeier der A r t i ft e n löge .Magi e' hiermit ergebenft einlaben?'

Ich nickte und ging mit schlotternden Knien zur Tür.

.Aber Sie können es doch viel bequemer haben!', rief da Jim, der baumlange Fassadenkletterer, stieß das Fenster auf und warf mich hinaus in die stille Weihnachtsnacht.

Ich fühlte, wie ich fiel. .Aus', dachte ich, .alles aus. Kein Traum. Keine harmlosen Artisten, sondern Verbrecher.' Aber ich war wiederum auf dem Holz­weg. Plötzlich fiel ich nicht mehr, sondern schwebte. Die Kerle hatten mir was sagt Ihr dazu? einen Fallschirm um den Bauch gemogelt."

Junge Junge!" murmelte wiederum die Tafel­runde. Als aber Hugo einen unpassenden Vergleich mit dem seligen Münchhausen anbringen wollte, wurde er indes Pundsacks Stirnadern ein wenig anschwollen zur Ruhe verwiesen.

Also, um zum Schluß zu kommen", fuhr Pund­sack fort,ich schwebte sacht und leise wie eine Schneeflocke in die Tiefe, und als ich auf der Straße angekommen war, wer stand da und war im Be­griff, einen Nervenchok zu bekommen? Ein Po» liceman. Schließlich aber faßte er sich und zog sein Notizbuch. .Woher kommen Sie?' fragte er scharf. Ich öffnete den Mund und schloß ihn wieder. Sprechen konnte ich nach alledem, was ich erlebt hatte, nicht mehr. Aber auch dieses hatten die Kerle da oben im zehnten Stock richtig mit einkalkuliert. In meiner Manteltasche fing es an zu schnurren, und bann gab eine allerliebst zirpenbe Spieluhr bem nunmehr erschütterten Policeman bie Antwort: .Vorn Himmel hoch ba komm' ich her' ..."

Pundsack schwieg.Puh", machte bie Tafelrunbe, bas war ja eine tolle Geschichte".

Ganz recht", nickte Punbsack.Ich wieberhole: .Vorn Himmel hoch, da komm' ich her', spielte bie Musikuhr mitten in ber Weihnachtsnacht in Chikago. Wagt nunmehr noch jemanb" Pund- sack krempelte sich bie Aermel hocherstens ben Vergleich mit bem Freiherrn von Münchhausen und zweitens bie Behauptung zu wieberholen, Ar­tisten hätten kein Gemüt ...?"

Niemanb wagte es.