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Nr. 275 Erstes Blatt

184. Jahrgang

Donnerstag, 22. November 1934

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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An alle Krauen und Mädchen tm Gau Hessen-Nassau.

In der Zeit vom Samstag, dem 24. November 1934, bis Sonntag, den 1. Dezember, finden durch die NSDAP, in allen Ortsgruppen des Gaues 23er- sammlungen statt, die nur für Frauen und Mädchen bestimmt sind. Alle Frauen und Mädchen werden nochmals dringend eingetaden, die im Bereich ihrer Ortsgruppe angefehte Versammlung zu besuchen.

heil Hitler!

3. 2t.: Gez.: M ü l l e r - S ch e l d, Gaupropagandaleiter.

ErißlandsMsormpolM in Indien.

Old Stanley Baldwin hat in diesem Sommer, seine kurze Pfeife langsam von einem Mundwinkel in den anderen schiebend, einmal erklärt:Wenn wir diesen Schritt nicht tun, so sehe ich schwarz, was die Zukunft der englisch-indischen Beziehungen angeht." Mit demSchritt" meinte der Stellver­treter Macdonalds im britischen Kabinett die An­nahme der Vorschläge, die in dem von dem I n - dienausschuß der englischen Regierung zu­sammengestellten Weißbuch enthalten sind. Während der Sommertagung des Unterhauses wurde die Aus­sprache über diese Vorschläge, die in einer Reform ider bisherigen Verfassung Britisch-Jndiens gipfeln, ! bekanntlich vertagt. Aus den Reihen der Konfer- -vativen Partei selbst, d. h. auf dem rechten Flügel, «erhob sich lebhafter Widerspruch gegen neue Zuge- Istündnisse an das Verlangen der Inder nach weiterer Demokratisierung und stärkerem Ausbau der Selbst- werwaltung. Die Diehards wollten nicht einsehen, Daß die schönen Zeiten endgültig vorüber sind, da der Dichter des britischen Imperialismus, Ruydhard Kipling, das frisch-fröhliche Herrendasein jedes Writen in Indien feierte und das stolze Wort prägen konnte:

,,But the west is west And the east is east And never the thwain shall meet ..." (Westen ist Westen Und Osten ist Osten lllnd niemals werden sich die beiden finden...") Der Weltkrieg hatte Kiplings Verse zu einem Traum gemacht, an dem die Diehards noch hängen, Ober aber damit nicht an Wirklichkeit gewonnen hat. Der Führer der Konservativen, eben Stanley Bald- «vin selbst, wies die Unzufriedenen in seinen eigenen Meihen in die Schranken, wenn er auch nicht ver- chinderu konnte, daß ihre Vertreter bei der jetzt zu »rwartenden Debatte des Unterhauses über das Weißbuch des Jndienausschusses noch einmal die Isschöne, alte Zeit der autoritären Herrschaft Englands ifin Indien heraufbeschwören werden. Für die Vl n n a h m e des Indienberichtes wird sich danach zweifellos eine große Mehrheit des Unter­hauses bereitfinden, schon aus der einfachen Er- «vägung heraus, daß England von dem seit ge­raumer Zeit eingeschlagenen Weg seiner Jndien- spolitik nicht mehr abweichen kann. Wie werlief dieser Weg und welche Erfolge hat England tauf ihm erzielt? Die Beantwortung dieser Frage fführt uns am besten und sichersten zu einem Urteil über den Jndienbericht selbst.

*

Der Weg ist vorgezeichnet durch die Erklärung, Vie der damalige britische Staatssekretär für Indien, T. P. M o n t a g u am 20. August 1917 im Unter­haus abgegeben hatte und die gleichsam ein D a n- kesversp rechen Englands für die in­dische Hilfe im Weltkriege darstellte. Sie i.autete:Die Politik Seiner Majestät geht darauf vinaus, Inder zu jedem Verwaltungszweig heran- !,uziehen und die Einrichtungen der Selbstverwal- mng allmählich auszubauen, und zwar im Hinblick »uf die fortschreitende Verwirklichung eines sich als Teil des Britischen Weltreiches selbstverant­wortlich regierenden Indiens. Erfolg- eich kann diese Politik nur bei schrittweisem Vor­gehen sein. Der britischen und indischen Regierung, :iuf denen die Verantwortung für die Wohlfahrt und das Gedeihen der indischen Völker ruht, muß :>ie Beurteilung über Tempo und Ausmaß jeder weiteren Maßregel überlassen bleiben." Im Sinne d ieser Erklärung die geradezu das Grundgesetz der mglischen Jndienpolitik bildet, wurden durch die Montagu-Chelmsford-Akte (Chelmsford war damals Äizekönig von Indien) 1919 die ersten Refor­men eingeführt. Sie befriedigten die Erwartungen er Inder nicht, konnten sie auch kaum befriedigen, !«>a sie den Forderungen nach Selbstverwaltung und Selbstregierung nur in sehr engen Grenzen I tintsprachen. Die Folge war die große nationale llufstandsbewegung unter Führung 9 a n dhis und der sogenannten Swarajisten, die Indien bis in seine Grundfesten erschütterte. Die Schlagworte jenes Aufstandes: nomcooperation, .«affiner Widerstand und Gewaltlosigkeit (ahimsa") fmd heute noch in frischer Erinnerung, zumal sie in eine Zeit fielen, in der auch Europa durch den K '.luhreinbruch der Franzosen die schwerste Krise der Nachkriegszeit durchmachte.

Der Aufstand brach zusammen, nicht zu- l tzt, weil England zu weiteren Reformen wirklich breit war, sich sein Entgegenkommen aber nicht larch aktiven oder passiven Terror abpressen ließ. 2 ie unmittelbare Folge der schweren Auseinander- s:tzung war die Entsendung einer Studien- k« m m i s s i o n unter Leitung Sir John Simons. 2« er Bericht, den Simon nach feiner Rückkehr ver-

Das Osipakiprojeki soll voran getrieben werden.

Besprechung zwischen Litwinow und Laval in Genf. Sowjetrußland wird ungeduldig. Polens Antwort steht noch aus.

Genf, 21. Nov. (DNB.) Der französische Außen­minister Laval hatte Mittwochoormittag eine Unterredung mit dem sowjetrussischen Volkskom­missar Litwinow, die sich auf die weitere Be­handlung der O st p a k t f r a g e, insbesondere auf die angekündigte Antwortnote an Polen bezogen haben soll. Außerdem haben zwischen den verschiedenen hier anwesenden Hauptvertretern Zu­sammenkünfte stattgefunden, so zwischen Lit­winow und Eden sowie Laval und Eden, ferner zwischen Laval und dem türkischen Außenminister.

*

Die Genfer Unterredung Lavals mit Litwinow steht in der Pariser Morgenpresse im Vordergrund des Interesses. Obgleich amtlich nichts bekanntge­geben wurde, stellen die Blätter die verschiedensten Vermutungen auf. Die Meinungen gehen dabei auseinander. Während die einen behaupten, der französische Außenminister teile die Ansicht Litwi­nows über die Notwendigkeit des Ostpaktes und habe ihm beschleunigte Verhandlungen hierüber zugesagt, vertreten andere den Stand­punkt, Laval denke gar nicht daran, die anderen Verbündeten Frankreichs der französisch- russischen Zusammenarbeit zu opfern.

Litwinow soll versucht haben, Laval in die Enge zu treiben, indem er den französischen Außenminister immer wieder auf die Möglich­keit hingewiesen habe, die d e u t s ch - r u s s i -

der polnische Außenminister sei überhaupt noch nicht in Genf erschienen.

Echo de Paris" übt Kritik an der Politik Lavals. Alle Welt in Genf frage sich, welche Politik der französische Außenminister überhaupt verfolge. Man könne behaupten, daß der neuen Polttik des ftanzö- sischen Außenamtes Klarheit fehle. In der Frage der südslawischen Denkschrift über den Mar­seiller Anschlag benehme sich Frankreich wie ein mehr oder weniger interessierter Zuschauer und denke gar nicht daran, daß auch der französische Außenminister B a r t h o u dabei seinen Tod ge­funden habe.

Der in Gens weilende Außenpolitiker desPa­ris Soir Sauerwein behauptet, daß die Un­terredung Laval-Litwinow wirkliche Fort­schritte gezeitigt habe. 3m wechselnden Genfer Spiel des Gleichgewichts fei Soro- jetrußland ein Hauptfaktor gewor­den. Es wäre übertrieben, ihm eine Schieds­richterrolle zuschreiben zu wollen, aber ent­

sprechend seiner Einstellung änderten sich die Verhältnisse. Sowjetrußland nehme allmählich seine Rolle als Beschützer der über Europa ver st reuten Slawen wieder auf. 3e mehr man in Moskau Polen mißtraue, um so mehr wolle man sich auf Belgrad, Prag und Bukarest stützen.

Ein französischer Korrestwndent desDtzily Tele­graph" meldet aus Genf, die lange Besprechung La­vals mit Litwinow hänge eng mit den Zwei­feln der Sowjetregierung hinsichtlich der wirk­lichen Haltung Lavals in der Frage des Ostpaktes zusammen. Moskau habe wissen wollen, ob Laval beabsichtige, seine Bemügungen um den Ostpakt fortzusetzen und bei Ausbleiben der polnischen Unter st ützung die Mitar­beit Sowjetrußlands zu gewinnen, oder ob seine Simmung s o lauwarm sei, daß er sich von den zahlreichen Schwierigkeiten abschrecken lassen werde. Es bestehe Grund zu der Annahme, so meint der französische Korrespondent, daß La­vals Aeußerungen Litwinow befriedigt hätten.

Neue Sitzung

-es Dreierausschuffes in Rom.

Nach pariser Meldungen eine BerhandlungSgrundlage gefunden.

scheu Beziehungen wieder in Gang zu sehen. Litwinow soll zu verstehen gegeben haben, daß sich Sowjetrußland dieser Möglich­keit auf die Dauer nicht werde verschließen kön­nen, wenn die französisch-russische Zusammen­arbeit nicht sehr bald bestimmte Formen annähme.

DasJournal" hält die Forderungen Rußlands für unangebracht und betont, daß Rußland durch die versck)iedenen Abkommen genügend ge­schützt sei. Man würde Laval schlecht kennen, wenn man glauben wollte, daß er so ohne weiteres eine nso dornenvollen Weg wie den des Ostpaktes einschlagen werde. Der französische Außen­minister scheint jedoch seinem russischen Kollegen versprochen zu haben, die französische Antwort auf die letzte polnische Denkschrift zu beschleunigen, um die endgültige Haltung Polens in dieser Frage kennnenzulernen.Oeuvre" behauptet sogar, diese Antwort sei bereits abgeschickt. Das Blatt weist ebenfalls auf die Möglichkeit einer deutsch-russischen Annäherung hin.

DerPetit Parisien" glaubt zu wissen, der französische Außenminister werde sich gegenüber Polen zu gewissen Zugeständnissen bereit erklären, um es für die Teilnahme am Ostpakt zu gewinnen. Laval habe sich außer­dem viel von einer persönlichen Aus­sprache mit dem polnischen Außen­minister Beck versprochen. Es habe ur­sprünglich auch den Anschein gehabt, als ob man polnischerseits den gleichen Wunsch habe. Bisher bestätige aber nichts diese Ansicht. Denn

Rom, 22. Nov. (DNB.) Am Mittwoch sind die Besprechungen über die Saarfrage unter Hin­zuziehung der beiderseitigen Sachverständigen wie­der ausgenommen worden.

Der Sonder-Berichterstatter desMatin" in Rom unterstreicht, daß die Mittwochsitzung nicht nur sehr freundschaftlich verlaufen sei, sondern sogar herzlich. Die Tatsache, daß diese Beratungen auf beiden Seiten von gutem Willen getragen seien, habe in diplomatischen Kreisen einen recht guten Eindruck gemacht. Man stelle mit Befriedi­gung fest, daß ei ne Verhandlungsgrund­lag e g e f u n d en sei und daß trotz der vorläufig nod) bestehenden Meinungsverschiedenheiten Hoff­nung für eine Verständigung bestehe. Die Iournee Industrielle" schreibt u. a., die Verschie­bung der Saartagung des Völkerbundsrates bedeute nicht, daß die Besprechungen des Dreierausschusses in Rom keine Fortschritte machten. Das Gegen­teil s ei der Fall. Der französische Außen­minister wünsche nicht, sich von der inter­essierten Propaganda der Emigranten ober internationaler Kreise beeinflussen zu lassen. Die Saarfrage werde dadurch von einem Bazillus befreit, der sie bisher vergiftet habe. Es sei schon ein gutes Zeichen, daß man in internatio­nalen Kreisen über den 13. Januar nicht mehr als einen gefährlichen Tag spreche.

Ein merkwürdige«- Haftbefehl.

S a a r b r ü cf e n, 22. Nov. (WK.) Die Saarbrücker Polizeidirektion teilt mit: Der Generaladvokat beim Obersten Abstimmungsgericht hat gegen die Steno­typistin Maria C a r s e n i u s einen Haftbefehl

wegenVerbrechens nach §§ 92a und 92c l und II StGB." erlassen. Frl. Carsenius, die bis vor kurzem bei der Regierungskommission in der Abtei­lung des Emigrantenkommissars Ritzel beschäftigt war, hat bei einer eidlichen Ver­nehmung bekundet, daß Ritzel mit Emigranten, mit Vertretern der Emigrantenpresse und überhaupt mit rückgliederungs feindlichen Ele­menten Hand in Hand gearbeitet habe. Außerdem hat sie auck) gegen Heimburger belastende Aussagen gemacht. Man scheint jetzt durch einen Haftbefehl diese außerordentlich peinlichen Aussagen offiziell diffamieren zu wollen. Es wäre besser, wenn man den Emigranten­kommissar Ritzel solange vom Amte suspen­dieren würde, bis die Angelegenheeit restlos aufgeklärt ist. Die wahren Schuldigen zu finden, scheint nicht der Wunsch der Regierungs­kommission zu sein.

530000 Abstimmungs­berechtigte.

Die separatistischen Masseneinsprüche unbegründet.

Genf, 21. Nov. (DNB.) Die Abstirnrnungs- k o rn rn i s s i o n für das Saargebiet hat dem Völ­kerbundssekretariat einen ausführlichen Bericht über ihre Tätigkeit im September und Oktober zugehen lassen. Darin wird u. a. mitgeteilt, daß die Gesamt­zahl der in die Wählerlisten eingetragenen Personen am Stichtag des 26. September 532 740 betrug, von denen 55 794 außerhalb des Gebietes wohnen.

öffentlichte, sah auf dem Gebiet der Verfassungs­reform lediglich die Eingliederung der nominell unabhängigen Fürstenstaaten in den zu schaffenden indischen Bundes st aat vor. Nun war es der damaligen Arbeiterregierung Mac Donald vollkommen klar, daß ein so beschränk­ter Vorschlag unmöglich die Grundlage der von ihr geplanten Konferenz am runden Tisch sein konnte, wollte man nicht die Inder von vorn­herein vor den Kops stoßen. Das Programm wurde also bewußt über die Beratung des Simon-Berichts hinaus erweitert, und so konnte im Dezember 1930 die erste round-table-Konferenz unter Vorsitz Mac Donalds in London zusammentreten. Ihre poli­tische Bedeutung war von vornherein gering, da ihr die indischen Nationalisten, so auch Gandhi, ferngeblieben waren. Ihre Beschlüsse, die die Schaffung einer ArtUnited States of India" vorsahen und Indien den Charakter eines Halbdominions einräumten, standen auf dem Papier. Erst als es dem neuen Vizekönig von Indien, Lord Irwin, gelungen war, Gandhi und mit ihm die Nationalisten durch geschickte Diplo­matie wenigstens zur Verhandlungsbereitschaft zu bewegen, konnte an dem Reformwerk praktisch weitergearbeitet werden.

Gandhi erschien im Herbst 1931 auf derzw ei­te n Ko n f erenz am Runden Tisch, die nun die Beschlüsse der Konferenz vom November 1930 zu behandeln hatte. Zu einer Verständigung gelangte man indessen auch diesmal nicht. Die Inder be­mängelten wohl alles, was die Engländer vorschlu­gen, konnten aber über ihre Wünsche keinerlei sub­stantielle Angaben machen. Um die ganze Lage noch mehr zu verwirren, warf Gandhi im Sommer 1932 die Frage der Parias in die Debatte, zu deren Anwalt er sich, ein Angehöriger der Brahmanen- Kaste, plötzlich aufgeworfen hatte. Woran den Eng­ländern am meisten lag, den Schutz der vielen reli­giösen und ethnischen Minderheiten in den einzelnen Staaten zu gewährleisten, d. h. eine Ma­jorisierung dieser Minderheiten in den geplanten

Provinziallandtagen zu verhindern, stieß auf den stärksten Widerstand der Inder. Schließlich griff London am 17. August 1932 auf dem Verord­nungswege ein und bestimmte die Zahl der Vertreter der einzelnen Kasten und Völkerschaften in den Provinzialparlamenten. Die Parias erhielten ein Sonderwahlrecht, gegen das nun wiederum Gandhi mit dem Hungerstreik protestierte. London blieb in­dessen fest, überließ die Debatte über die alten Re­formvorschläge erst einmal den Indern und ging seinerseits daran, neue Reformpläne auszu­arbeiten. Sie liegen jetzt dem Parlament in Form des Weißbuches vor. Wird ihnen ein besseres Los beschieden sein als ihren Vorgängern?

Der Bericht des Parlaments-Ausschusses.

London, 21. Nov. (DNB.) Der Bericht des gemeinsamen Ausschusses beider Häuser des eng­lischen Parlamentes zur Frage der indischen Verfassungsreform wurde am Mittwoch veröffentlicht. In dem Bericht wird ein all - indischer Bund mit parlamentarischer Regie­rung in allen den Teilen Indiens befürwortet, wo nicht besondere Umstände die Ausübung ausschlag­gebender Vollmachten durch den Generalgouverneur oder den Gouverneur erfordern, Elf britisch- indische Provinzen werden in einem Bundessystem mit d en indischen Sta a- t en verknüpft. Bundesregierung und Provinz­regierungen werden aus Ministern gebildet, die ihren gesetzgebenden Versammlungen in ähnlicher Weise verantwortlich sind, wie das britische Kabi­nett dem Parlament. Die Befugnisse der Regie­rungen werden durch besondere Vorbehalte und Bürgschaften eingeschränkt. Verteidigung, aus­wärtige Angelegenheiten, Kirchenfragen und die Verwaltung von Britisch-Beludschistan unterstehen der unmittelbaren Verantwortlich- teit des Generalgouverneurs. Burma

und Aden werden vonIndien abgetrennt. Burma erhält eine ähnlicher Verfassung wie Bri- tisch-Jndien.

Der Bericht, der gleichzeitig in London und In­dien veröffentlicht wurde, ist von einer großen Mehrheit des Parlamentsausschusses gebilligt worden. Er wird zweifellos das Unterhaus im Laufe feiner jetzigen Tagung eingehend beschäftigen, jedoch glaubt man nicht, daß sich erheblicher Wider­stand gegen die Vorlage erheben wird.

Enllä'uschuua m Indien.

London, 22. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Reuter meldet über die erste Ausnahme des Berichtes in Indien folgendes: Die Inder bemängeln, daß der Ausschuß die Gewährung der Dominien- Verfassung an Indien ablehnt und durch seine Vorschläge die Entwicklung einer wirklichen freiwilligen Zusammenarbeit zwischen dem britischen und dem indischen Volk verhin­dert hat. Die Inder erhoffen jedoch, falls in Eng­land eine Arbeiterregierung ans Ruder kommt, eine Revision der Verfassung. Die Führer des Kongresses (Unabhängigkeitspartei) haben beschlossen, schon die bloße Erörte­rung des Berichtes a b z u l e h n e n. Sie erklären, bei den jetzigen Wahlen habe es sich um die Ver­werfung des Berichts gehandelt, und die Stimme des Volkes habe für den Standpunkt des Kongresses entschieden.

Das Blatt des KongressesBombay Chronicle" sagt, der Kongreß werde keine Verfassung anneh- men, die nicht die völlige und wirksame Kontrolle des Heeres, der Finanzen und der auswärtigen Angelegenheiten einschließe. Eine solche Verfassung könne Indien nur erhalten durch eine indische National­versammlung, die aus Wahlen des erwachse­nen Teiles der Bevölkerung hervorgegangen sei. Die indischen Blätter Kalkuttas bezeichnen die Vor­schläge einstimmig ab reaktionär.