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Amtsverkündigungsblatt

für die Provinzialdirektion Oberheffen und für das Kreisamt Gießen

Ur. 48

Erscheint Dienstag und Freitag.

21. September

Nur durch die Post zu beziehen.

1934

Inhaltsübersicht: Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft zur Entwässerung in den Fluren 1721 der Gemarkung Villingen. Be­kämpfung der Schwarzarbeit. Den Schutz der Bienen. Berichtigung. Dienstnachrichten.

Bekanntmachung.

Betr.: Die Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft zur Ent­wässerung in den Fluren 17 bis 21 der Gemarkung Villingen.

Die Gemeinde Villingen hat die Bildung einer öffentlichen Wasser- aenossenschaft zur Entwässerung in den Fluren 1721 der Gemarkung beantragt. Das Hess. Staatsministerium, Abteilung le (Landwirtschaft), hat die Einleitung des Verfahrens angeordnet. Die Vorarbeiten zur Durchführung der Entwässerung liegen in der Zeit vom 26. September bis 9. Oktober d. 3. einschl. zur Einsichtnahme auf der Bürgermeisterei offen.

Die Grundeigentümer, deren Grundstücke in die zu entwässernde Fläche fallen, werden hiervon in Kenntnis gesetzt und zugleich zu der auf Mittwoch, dem 17. Oktober 1934, 10 Uhr, auf der Bürgermeisterei Villingen anberaumten Tagfahrt zur Verhandlung und Beschlußfassung sowie zur Wahl der Vertreter für das weitere Verfahren geladen unter Androhung des Rechtsnachteils, daß die Nichterscheinenden, sowie die Nichtabstimmenden als dem beantragten Unternehmen beistimmend mit der Wahl der Vertreter einverstanden angesehen und mit ihren Einwen­dungen gegen die Art der Ausführung später nicht mehr gehört werden.

Grundeigentümer und sonstige Nutzungsberechtigte, die an dem Unter­nehmen nicht unmittelbar beteiligt sind, werden aufgefordert, etwaige Einwendungen gegen das Unternehmen in der nämlichen Tagfahrt gel­tend zu machen, widrigenfalls die Einwendungen nicht mehr berücksich­tigt werden und nur noch privatrechtliche Entschädigungsansprüche gegen­über dem Unternehmen geltend gemacht werden können.

Gießen, den 17. September 1934.

Kreisamt Gießen. I.V.: Grein.

Betr.: Bekämpfung der Schwarzarbeit.

Polizeiverordnung.

Auf Grund des Artikels 64 des Gesetzes, die innere Verwaltung und die Vertretung der Kreise und Provinzen betreffend, vom 8. Juli 1911, sowie des Artikels III der Verordnung über Vermögensstrafen und Bußen vom 6. Februar 1924 wird mit Zustimmung des Kreisausschusses und mit Genehmigung des Hessischen Staatsministeriums vom 25. August 1934 zu Nr. A. u. W. 44 594 für den Kreis Gießen verordnet:

§ 1.

Wer Personen, von denen er weiß oder wissen muß, daß sie Er­werbslosenunterstützung beziehen, gegen Entgelt beschäftigt, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft. *

Diese Bestimmungen gelten nicht, sofern Personen beschäftigt werden, die dem Arbeitgeber von einem Arbeitsamte zugewiesen sind, oder deren Beschäftigung der Arbeitgeber dem zuständigen Arbeitsamt unter Angabe des vereinbarten Lohnes angezeigt hat.

§ 2.

Diese Polizeiverordnung tritt zwei Tage nach ihrer Veröffentlichung in Kraft.

Gießen, den 14. September 1934.

Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Krüger.

Betr.: Den Schutz der Bienen.

Polizeiverordnung.

Auf Grund des Art. 64 des Gesetzes, die innere Verwaltung und die Vertretung der Kreise und Provinzen betreffend, vom 8. Juli 1911, des Art. 37 des Feldstrafgesetzes vom 13. Juli 1904, in der Fassung vom 27. Juni 1923 sowie des Art. III der Verordnung über Vermögensstrafen und Bußen, vom 6. Februar 1924, wird mit Zustimmung des Kreisaus­schusses und mit Genehmigung des Hessischen Staatsministeriums, Mini- sterialabteilung la (Polizei) und Ministerialabteilung le (Landwirtschaft), vom 14. Juli 1934 zu Nr. 1/e 15864 für den Kreis Gießen verordnet.

§ 1.

Zum Schutze der Bienen ist es verboten, arsenhaltige Pflanzenschutz­mittel unmittelbar in die offene Obstblüte jeder Art zu spritzen oder zu stäuben.

§ 2.

Bäume, die in einer Entfernung bis zu 100 Meter von Bienenständen stehen, dürfen nur abends nach Beendigung des Fluges nach vorheriger Verständigung des Imkers mit arsenhaltigen Mitteln gespritzt oder bestäubt werden.

§ 3.

Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeiverordnung werden mit Geld­strafe bis zu 150 Mark, im Unvermögensfalle mit Haft bis zu 14 Tagen, bestraft.

§ 4.

Diese Polizeiverordnung tritt mit ihrer Veröffentlichung im Amts­verkündigungsblatt für den Kreis Gießen in Kraft.

Gießen, den 14. September 1934.

Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Krüger.

Berichtigung.

In der Verordnung über die Ausstellung von Jagdpässen vom 25. Au­gust 1934 (abgedruckt in Nr. 202 der Darmstädter Zeitung vom 30. August 1934 und im Amtsverkündigungsblatt Nr. 45 vom 4. September) fehlt in Artikel 1, Abs. 2, Zeile 4, hinter dem Wort:Jagdpaßgesetzes") folgen­der Satzteil:

behält es bei den Bestimmungen des Art. 2 des Hessischen Jagdpaßgesetzes".

Dienstnachrichte« des Kreisamts.

Dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Berlin W 15, Kurfürstendamm 165/166, wurde die Genehmigung für eine öffentliche Sammlung am 20. und 21. Oktober 1934 erteilt.

Druck der Brübl'fcken Universitäts - Buch, und Steindruckerei. R. Lange. Gießen

Detlef Westkamp sah Donatas leuchtenden Blick ten teilte. Im Sommer und Herb t schien das große an dem Vater hängen und je schöner und reicher Gelände em einziger, endlo er blühender und gru- dst^ie sich unte? den schmalen Musikersingern nender Garten zu sein: letzt lag alles tot und still hervordränatm um ,° weher wurde ihm ums Herz. da. und Raben stolzierten darauf herum, suchten Gr hneff. fi* h.m ni*f verschließen: Werner Olden sich Nahrung. Eine müde, schon winterliche Sonne war e n Ls le? und immlr kl?n-r, immer un- hing glanzlos an der graublauen Himmeldecke Und Knknher dagegen °°r. Detlef Westkamps Augen blickten traurig, als er

du Donaia nicht verlierst. Reiß dir die törichten Gedanken aus dem Kopfe, sie sind wie Unkraut, das bis auf das letzte Wurzelchen ausgerissen werden muß, sonst wuchert es immer von neuem auf."

Er lachte erzwungen.

Muttel, du denkst ja viel mehr als ich. Müde bin ich, sehr müde. Morgen, wenn ich ausgeschlafen habe, ist die Sorgenfalte weg. Gute Nacht, Muttel!"

Gar nicht rasch genug konnte er das Zimmer verlassen, und Frau Charlotte blickte gedanken­verloren noch immer auf die Tür, die sich längst hinter dem Sohn geschlossen hatte. Sie seufzte:

Wenn er so weiter macht, kann es ja gar nicht

sagte:

Jetzt sind die Abende so furchtbar lang, da hat man viel Zeit über Büchern zu sitzen. Ich denke deshalb manchmal, ich hätte mein Studium doch nicht aufgeben sollen."

Donata faßte ihn fest unter. So fest, daß es nichts Zärtliches mehr hatte.

Du meinst also, es tut dir leid, dein Studium aufgegeben zu haben. Schade, daß du einer von der Sorte bist, die man Wetterfahne nennt. Heute so und morgen wieder anders." Sie blieb stehen, riß ihn am Arm leicht hin und her.Wetterfahne mag ich net, unzuverlässige Dinger sinn des, un wann du zu bene gehörst, laß dich haamgeige."

Sie verfiel, weil sie sich sehr ärgerte, in ihren Dialekt.

Er schob ihren Arm fort.

Detlef Westkamp dachte:

Ob wohl jeder über Nacht berühmt gewordene Künstler so schnell seine kleine Vergangenheit ab- zustreüen vermochte, wie es Werner Olden in so meisterhafter Weise verstanden hatte.

Schon sprach Werner Olden weiter:

Meine Damen sollen lieber auch noch etwas warten, es kommt jetzt kaum auf ein paar Wochen an, und in dieser Zeit ist von der Gärtnerei sowieso nicht viel zu sehen."

Darin dürften Sie sich irren, Herr Olden!" widersprach er.Wenn auch keine Rosen mehr blühen und kein junges Gemüse mehr wächst"

Der Aeltere unterbrach ihn:

Ach bitte, lieber Westkamp, wollen uns damit nicht aufhalten ehrlich gestanden, bin ich in Ihrem Fach nicht auf der Höhe. Wozu auch? Blumen und Gemüse und Obst kauft man ja so billig in den Läden."

Er erhob sich.

Ich werde Ihnen mal einen Konzertwalzer Vor­spielen. Ich bin, wie Ihnen das Wort Walzer beweist, als Komponist nicht einseitig. Ist doch wieder ganz was anderes als eine Symphonie." Er klopfte Donata auf die Schulter: Kleine Braut hättest gar nicht so bescheiden sein brauchen in der

5n der Wahl meines neuen Pelzes. Ich weiß schon, Vater, das wirfst du mir leider etwas zu oft vor!"

Donata hatte den von ihrem Vater angefangenen Satz vollendet; sie wußte genau, der Vater hatte etwas zu sagen beabsichtigt, was ihrem Liebsten weh getan hätte. Und Detlef war schon über» empfindlich, der vertrug nicht mehr viel.

Hie warf ihrem Vater einen bittenden Blick zu, den er auch verstand.

Er meinte:

Na ja, wenn du doch das Geld dazu hast, und ich habe es auch, hättest du dir einen gediegenen Pelz kaufen können dabei bleibe ich.

Er lächelte liebenswürdig.

Meinem nächsten Konzert müssen Sie aber bei» wohnen, Verehrtester! In knapp zwei Wochen

S3eUrquäIt kam er heim, und feine Mutter fragte ^"ma-Heblt dir Bub? Siehst aus, als ob du dich mit arg bösen Gedanken herumplagen müßtest." Er zwang sich ein Lächeln auf.

Mir fehlt nichts, Muttel wirklich gar nichts!

Sie fragte nicht weiter, aber sie ahnte, was ihn wieder bedrängte. . . ,

Seit sich die Derhältmsie Donatas so sehr ver­ändert hatten, lag er ständig mit sich selbst im Streit und sah Gespenster, wo keine waren. Es

gut ausgehen?"

Sie litt sehr unter dem veränderten Wesen des Sohnes. Auch Donata litt unter Detlefs verän- im wiegenden Walzertakt, triuenen uno pogen Wertem Wesen. Sie sagte ihm das auch ein paar jauchzend über die strahlende Welt. Wie die Laufe , Tage später, als er sie abgeholt hatte zu einem perlten, wie sie schimmerten und schillerten, gleich Spaziergang. Sie wählten einen Weg, der großes vielfach geschliffenen Edelsteinen! Gelände, das Kleingärtnern gehörte, m zwei Hälf-

bebeutenber kam er sich dagegen vor.

Als er heimging, schlich neben ihm her die graue Unzufriedenheit, flüsterte auf ihn em: Das kann ja nicht gut gehen, das kann ia feine gute Ehe werden. Donata und du, ihr paßt ja nicht mehr zusammen sie steht zu hoch über dir, du armer

Dann ist er nicht die richtige Adresse für mich." Werner Olden zuckte die Achseln und ließ sich vor dem Klavier nieder. Mutter und Tochter aber wechselten einen ernsten Blick; es tat ihnen leid, daß sich die beiden Männer nicht gut verstanden und sich fortwährend mit kleinen Ausfällen ver­

ärgerten.

Werner Olden begann zu spielen. Em weicher Walzer erwachte unter seinen Händen, wand sich aus bestrickenden, tönenden Akkorden zu klingenden Ketten im Dreivierteltakt zusammen. Die Akkorde lösten sich auf, glitten als Arpeggien dahin wie leise, rinnende Quellen, die aus felsigem Gestem niederplätschern, und zogen wie schmale, silbern glänzende Flüsse durch sonnenbeschienenes Wiesen- land. Das fang, das klang, und Vögel zwitscherten

wiegenden Walzertakt, trillerten und flogen

greifag, 2t. Septem

isgrabungsststte.

je, gemessen an den gewaltigen Ausmaßen oer stigungswerke der Vorzeit, als recht bescheiden bezeichnen. Diese Reichsburg entwickelte sich

infolge unzulänglichen Besitzes zu einem meft und wurde im 13. Jahrhundert zerstört, -itbem kehrte Ruhe ein auf bem Berge, bis zu ben heutigen Tagen, wo ber Forscher sich iht, in den steinernen Blättern ber Geschichte mannigfache Schicksal bes Berges und seiner ohner zu ergründen.

Zuzugssperre für die Gebiete um Hamburg und Bremen.

>rn Arbeitsamt Gieß en wird uns mit« (t: '

if Grund des Gesetzes zur Regelung des Ar- einsatzes hat der Präsident der Reichsanstalt Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung zwei Anordnungen vom 30. August 1934 mit ung vom 1. September 1934 für die Stabtge- den Hamburg, Altona, Wandsbek, Harburg- elmsburg, sowie für das bremische Staatsge- für die Städte Delmenhorst, Nordenham, We- ände und die Gemeinden Hasbergen, Hemelin- Aumund, Blumenthal, Farge, Grohn, Öfter» Scharmbeck, Lintel, Ritterhude, Scharmbeck- diefelbe Zuzugssperre verfügt, wie sie bereits die Stadtgemeinde Groß-Berlin seit dem tai 1934 besteht

nach dürfen Personen, die in den bezeichneten ten und Gemeinden am 1. September 1934 n Wohnort hatten, innerhalb derselben als Ar- r oder Angestellte nur mit vorheriger Zustim- ; des für die Arbeitsstelle zuständigen Arbeits­eingestellt werden. Eine Zustimmung wird ; nur in besonderen Ausnahmefällen erteilt. Beschäftigung von Arbeitern und Angestellten en gesperrten Bezirken ohne die erforderliche mmung wird strafrechtlich verfolgt und hat rbem für alle Beteiligten erhebliche Wirtschaft- Nachteile zur Folge.

enso wie vor bem Zuzug nach Groß-Berlin auch bavor gewarnt, nach Hamburg, Altona,

prich, bitte, vor allem hochbeutsch, Donata! t einfach gräßlich, wenn bu fon Frankfurter Bornheimer Sprachgemengsel verzapfst."

eut gefällt birs nur net, Detlef, weil bu e jtes Gewisse hast! Aber trotzdem redd ich grab wie mir der Schnawel gewachsen is. Ich sag Detlef, du sollst dich schäme, solch Zeug zu tze wie ebe. Hast mir doch alles ganz annersch- erzählt, daß du lieber Gärtner werde wollst, »ei Vorfahre. Un es hat mir gefalle. Jetzt bab- du aber wieder, als wüßtest du gar nix mehr i. So ä windig Wetterfahn mag ich aber net."

nahm den Hut ab, fein Kopf brannte. Er z selbst nicht, wie ihm zumute war.

n lag es wie eine Bergeslastauf dem Herzen, »er er sich gern befreit hätte. Er hätte so gern ____hinausgesprudelt, was ihm die Gedanken wirr und bange machte, und gleichzeitig hätte er das schlanke Mädel am liebsten hier unter Gottes freiem Himmel in feine Arme gerissen und gebeten: Vergib mir, ich weiß ja nicht mehr, was ich will! Ich stehe wie unter dem Einfluß eines bösen Geistes, der mir ein Glas vorhält, durch das ich alles ganz verzerrt sehe.

Aber er redete sich weder die bedrängenden Gedanken vom Herzen, noch bat er Donata, sie möchte ihm vergeben. Er sagte nur ruhig, so ruhig es ihm möalich war:

Ich werbe ja auch Gärtner bleiben und denke nicht im Ernst daran, meinen Entschluß um­zuwerfen! Schon weil ich meine Mutter, die sich sehr darüber gefreut hat, unsäglich enttäuschen würde."

Mich auch, Detlef, mich auch!" Donata betont» jede Silbe, und ihre dunklen Augen waren voll zu ihm aufgeschlagen.Ich weiß ja, woran du krankst: seit es uns besser geht."

Sie faßte ihn bei der Hand und zog ihn weiter. Nun wanderten sie wie zwei große, einträchtige Kinder den Weg vorwärts, und Donata lächelte:

Guck um dich, bummer Bub! Guck, der Grünkohl da drüben, der vergnügt den Frost mit seinen krausen Blättern einfangen will, um recht schmack­haft zu werden, lacht dich aus und der hohe Rosenkohl feixt mit all den kleinen Köpfchen, die sich wie Schnecken an seine Stämmchen drücken. Und wenn du in deinen Garten drüben über den Main kommst, da sollen die dich auch auslachen, denn davon ist ja auch dein Garten noch voll. Du bist erst so närrisch geworden, seit es uns Oldens besser geht; ich wiederhole dir das. Wir sprechen ja nicht zum ersten Male darüber. Statt dich zu freuen, wirst du immer galliger. Wien altes Männchen mit nem Leberleiden und vielen anderen Gebrechen bist du jetzt oft. Als ich Tante Röschen beerbte, kriegtest du den ersten Knacks, als wir die Juwelen des Urgroßvaters fanden, kriegtest du den zweiten Knacks, und Vaters großer Erfolg gab bw ben brüten Knacks. Du kommst bir uns gegenüber jetzt klein unb gering vor."

(Fortsetzung folgt.)