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Bude" unter diesen Anforderungen zusammen-, sechsten Mobrlmachungstag, um IbAä gebrochen Orden und Ehrenzeichen, Zulagen und I auf dem Guterbahnhof Karlsruhe ein.

eianen barmlosen Kriegsabenteuer dieses Tages ein-lein Lied wie jedes andere. Was in mir nachklingt, br°ch°?hin und ?°r gerissen stand ich am Y-. ist die Stimme, °°n der .ch nicht weiß, wem fie öffneten Fenster und lauschte in den Jullabend hin-!gehört oder gehört hat!

" . V, ' .....-s. rufhör _

schwache Spiegelbild des vulkanhaft i Weltenbrandes war. Diese Spiele

Eh' daß wir scheiden müssen Laß dich noch einmal küssen, Ich muß an Kaisers Seiten Ins ferne Welschland reiten ...

In den Zeppelinen herrschte strengstes Rauchver- bot. Offiziere und Mannschaften waren darüber nicht erfreut.

lieber London erhielt ein Zeppelin einen Voll­treffer, geriet in Brand und stürzte ab. Aus den Trümmern wurden nur zwei schwerverwundete Lebende hervorgezogen. Der eine von ihnen er­zählte später das Folgende:

Als der Treffer einschlug, schoß sofort eine lange Stichflamme durch die ganze Länge des Schiffes. In die schreckensstarre Stille fuhr allein die schnei­dende Stimme des Komamndanten und rief:Von jetzt ab ist das Rauchen an Bord erlaubt!"

Wenige Minuten später lag das Schiff als rau­chender Haufen auf einem Acker.

Als der Juli des Jahres 1914 zur Neige ging, erstand für uns Jungen mit den plötzlich auftauchen­den Kriegssvielen eine seltsam bewegte 3eit, freilich nur das \ '

Abschiedsiied.

Von Hermann Bredehöst.

Ich habe viele und große Tenöre singen hören, solche, die mit der Kraft ihrer Lungen und eines begnadeten Kehlkopfes die stärksten Orchesterwellen niederschrien, und solche, die über die zierlichen Bögen süßer Kantilenen den Strom ihrer Empfind­samkeit lenkten aber nie vordem und seither hat mich eine Stimme mehr bewegt als die eines schlich­ten Arbeiters; weil sein Gesang aus innerstem Er­leben geboren war und nicht einer künstlich geschaf­fenen Stimmung entsprang. Es war der Aufschrei eines Menschen, den das unerbittliche Schicksal sort- riß in den Feuerstrom des Weltgeschehens. Mir klingt er heute noch in den Ohren, nach 20 Jahren noch, denn er hat ein Kämmerchen meiner Seele gesprengt: da ich fortan wußte, was Abschied be­deutet.

wostock nach Norden führenden Ussiribahn auszu­bauen. Blagowestschensk, die Stadt auf der Mitte der Strecke, ist anscheinend auch der Mittelpunkt der Verteidigungsanlagen. Zahlreiche Ka­nonenboote, die im zerlegten Zustande vom Schwarzen Meer nach Wladiwostock übergeführt sind, fallen mit ihrem Feuer vom Amur aus die Verteidiger auf dem Nordufer des Stromes unter­stützen. Gerüchte wollen sogar von U-Booten wissen, die die Meeresgewässer mit dem Strom vertauscht haben. Auch in der gesamten russischen Küstenprovinz am japanischen Meere bis weit nach Norden herauf soll man, um die Lan­dung japanischer Truppen zu verhindern und die ungehemmte Zufuhr von Kriegsmaterial aus Ame­rika zu sichern, am Bau von Verteidigungswerken und Küstenbatterien sein. By

aus, der schwarz und im matten Glanz der Stern- über den fernen Häusern stand. Diese Hauser, die sich an den hohen Weserdeich kuscheln, wurden und werden noch heute von Werftarbeitern, Schiffern und kleinen Handwerkern bewohnt, solchen, die unterm eignen Dach und im eigenen Garten ihren Feierabend haben wollen. Jetzt aber waren auch fie von Unruhe erfüllt, ich hatte es ge ehen, als ich vor­hin über den Deich nach Haufe gekommen war, wie die schlichten Leute in kleinen Gruppen beieinan­der standen, und einer von den jungen Mannern hatte gesagt, er werde den Franzosen mit einem Vorschlaghammer zu Leibe gehen, da liefert sie schon . Ein sanfter Wind strich kosend durch den Apfelbaum. Und eben wollte ick) das Fenster schlie­ßen, als aus dem Geflüster der Blatter eine Stimme fich lüfte eine schlichte, volle Männerstimme, die hell und wehmütig in der Stille stand^ Ich kannte das Lied das sie sang, es war eine blühende, beinahe süßttche Dur-Melodie, und der sachte Wind trug sie Ton für Ton und Wort für Wort von den kleinen Häusern am Deich zu mir ans Fenster:

Und es klang darin von Mannestreue und von K-irnweh. von L°nd-kn°chtsg°beten und Liebes, tomüren eine qanze Welt mm Schmerz und bunk­er Lust'lag in diesem Lied, °°n dieser Manner- stimme an diesem Iuliabend gesungen. Und w,e der Sänger die schluchzenden Absch.edsworte klagte:

Leb' wohl, leb' wohl, mein teures Lieb!.

und fest und mühelos die H°he überwand, da wußte nlöhlid) weshalb meine Mutter heute geweint hatte "da wür^ es mir, als griffe die kalte Hand des Schicksals in meinen Nacken und raune mir zu: Junge, das Leben ist eine verdammt ernste Sache, und wenn du einmal em richtiger Soldat wirst, dann laß dich nie von falschem Ehrgeiz reiten wie heute. Und indem ich.das Fenster l-,: schloß fiel aller Leichtsinn von mir ab, denn ich ahnte, daß es pinnial andere Sorgen geben wurde als die um Schularbeiten und wegen der Schulmeister. Das Lied habe ich hernach in vielerlei Gestalt gehört: Gelungen, gepfiffen, auf dem Flügelhorn geblasen, von Karussellorgeln geschmettert, aber da war es

Ein kleines Haus im Schatten einer Kirche, ein Zimmer, in das beim besten Willen kein Sonnenstrahl fallen konnte, ein Tisch, ein Stuhl, Aktenborde, ein eiserner Geheimschrank, ein ver­gilbter Kupferstich des alten Grohherzogs, ein Wandkalender des Tageblatts, das war die Arbeits­tätte, an der ich in der südwestdeutschen Residenz ) i e Tage der Mobilmachung vor 20 Jahren verlebte. Ein Wachtmeister, dem Stuben­luft und Aktenstaub jede Spur eines soldatischen Aeußeren geraubt hat, der in langjähriger Arbeit zum lebenden Nachschlagewerk in allen Mobil­machungsfragen geworden war, ein Gefreiter als Schreiber, der noch nicht einmal bis zu den Geheim­nissen der Schreibmaschine vorgedrungen war, ein löjähriger Obertertianer im Pfadfinderhut und mit chwarzweißroter Armbinde, der seine Ordonnanz- )ienfte mir freiwillig angeboten hatte, das waren die Menschenkräfte, mit denen ich die Mobilmachung zu bewältigen hatte. Symbol scheint mir dies heute alles, mit wie geringen Mitteln das alte Heer das Höchste erreichte. Denn wie bei uns, beim Brigadestab in Karlsruhe, war es überall im Deutschen Reich. Aeußerste Spar­samkeit in allem und jedem, in Raum und Zeit, angespanntester Einsatz jedes einzelnen in seinem genau umgrenzten Wirkungskreis, ein Vorausdenken, das auch vor kleinen und kleinsten Dingen nicht Halt machte, eine Gewissenhaftigkeit, die an dem fehlenden Punkt in dem Mobilmachungs­kalender Anstoß nahm, das waren die Grundlagen jenes Wunderwerkes, von deutschen Generalstäblern erdacht, das sich Mobilmachung nannte und das, in den drei Einheitskriegen bewährt, von der ganzen militärischen Welt lange vor dem großen Kriege nachgeahmt worden war.

Mobilmachung! Die Laien von damals und erst recht von heute in einem Deutschland, dem Mobil- mach'mgsvorbereitungen durch das Friedensdiktat versagt sind, waren und sind sich der Schwere, der Weite des Begriffs Mobilmachung schwerlich bewußt. Mobilmachung bedeutet für sie allenfalls di e Um­formung des Friedensheeres in das K r i e g s h e e r, die Auffüllung des Mannschafts­bestandes feiner Friedenstruppenteile auf Kriegs­stärke, die Aufstellung neuer Truppenteile, ihre Aus­stattung und ihre Ausrüstung mit all jenen funkel­nagelneuen Herrlichkeiten an Bekleidung, Bewaff­nung und Gerät, die in Kammern und Lagerhäusern seit Jahren auf ihre Verwendung warteten, Mobil­machung bedeutet ihnen vielleicht noch die Heber« führung der Truppe mit der Eisen­bahn auf den Kriegsschauplatz. Von den gewaltigen Vorarbeiten, die in ihr steck­ten, von den noch größeren Arbeiten, die während ihrer Dauer zu bewältigen waren, ahnt er nichts. Wer selbst an Mobilmachungsvorbereitungen mit­gearbeitet hat, weiß es. Die Zeit von Weihnachten bis Ostern, wo sie sich Jahr für Jahr zusammen« drängten, kannte keinen Achtstundentag, richtete ihren Arbeitsrhythmus nach der alten militärischen Weisheit:Der Tag hat 24 Stunden zum Arbeiten, und wenn die nicht ausreichen, nimmt man die Nacht zu Hilfe." Mancher jugendkräftige General­stabsanwärter ist als Hilfsarbeiter in dergroßen

sehene neue Geschütz, das schwedische Modell Vofors. Es hat eine Reichweite von nicht weniger als 10 000 Meter, d. h. mehr als den doppelten Radius des bisher verwendeten, allerdings veralteten Geschützes. Die Elevation geht bis auf 50 Grad, auch das Sei­tenrichtfeld ist bedeutend größer. Sehr bedeutsam ist,, daß das Geschütz die Geschosse der Feldkanone verschießt, was einen großen Vorteil ausmacht. Großen Eindruck machte die Leistungsfähigkeit schwerer Motorgeschütze vom Kaliber 10,5 Zentimeter. Es wurden ein schwedisches Boforsge- fchütz und ein neues französisches Modell von Schneider-Creuzot vorgeführt. Diese modernen Langrohrgeschütze haben eine Schußweite von 17 Kilometer, die mögliche Schußzahl in der Minute 15 bis 20. Die bisher im schweizerischen Heer ver­wendete schwere Motorkanone, die allerdings 50 Jahre alt ist, konnte in der Minute nur einen Schuß abgeben und mußte nach jedem Schuß nachgerichtet werden. Das schwedische Geschütz, mit gefederter Achse und Vollgummibereifung, erzielt Marschgeschwindigkeiten bis zu 90 Stundenkilometer.

Giganten der Kriegstechnik.

Das französische 52-cm-Geschütz.

Die Franzosen haben längs ihrer Grenzen, vor­nehmlich im Osten und an der Kanalküste, zahlreiche weittragende Geschütze ausgestellt. Ihre Waffen- inbuftrie hat jedoch den Ehrgeiz, Geschütze hervor­zubringen, die alles bisher Dagewesene, auch das berühmte deutsche Paris-Geschütz, in den Schatten stellen. Sie wetteifern auf diesem Gebiete mit den Amerikanern, die namentlich zur Verteidigung der Eingänge des Panamakanals Ge­schütze von enormen Abmessungen eingebaut haben. Aber Frankreich will nicht eine nur weitreichende Artillerie besitzen, es will auch, daß die Ge­schosse stark genug sind, um hochmoderne Befestigungsanlagen mühelos zu zerschlagen. Ihre Versuche, den fahrbaren Mörser fortzuent­wickeln, sind fehlgeschlagen, weil sie erkennen muß­ten, daß schwerste Geschütze unter allen Umständen auf einen ftarfen Unterbau angewiesen sind. Aber auf die Beweglichkeit dieser Mörser kam es ihnen an. Infolgedessen nahmen sie sich wieder des Eisenbahngeschützes an. Es ist ihnen nun vor längerer Zeit gelungen, ein auf Eisen­bahnschienen gesetztes Steilfeuergeschütz zu konstru­ieren, das 1400 Kilo gramm schwere Ge­schosse zu schleudern vermag und nicht weniger als 265 000 Kilogramm wiegt. Dieses Geschütz zeichnet sich durch ein Kaliber von 52 Zentimeter aus. Erbaut ist es von der Firma Schneider-Creu­zot. Das Geschütz ruht auf einem etwa drei­st i g Meter langen UntergefteH, das nicht breiter als ein normaler französischer Eisenbahn­wagen ist. Durch besondere Vorrichtungen können für die Verankerung dieses Eisenbahngeschützes die Schwellen herangezogen werden. Trotz seines gewal­tigen Gewichts kann das 52-Zentimeter-Geschütz auf allen wichtigen Eisenbahnlinien in Stellung gebracht werden.

Bewnund Äsen im Fernen Osten.

Mobilmachung - vor zwanzig Zähren!

Erinnerungen an die Tage des Kriegsausbruchs 1914.

Von Oberstleutnant a. O. Benary.

soll der Ausbau dort vorgeschritten sein, wo der Sungarai, die Lebensader der Mandschurei, sich in den Amur ergießt. Hier soll alle 10 0 Meter ein betonierter Po st en st and sich erheben und je ein betoniertes Fort die Sperrlinie flankierend bestreichen.

Ein hoher japanischer General, der sich kürzlich die Freiheit nahm, aus dem Flugzeug einen Blick hinter die Kulissen zu tun, hat seiner Regierung gemeldet:Ich wußte zwar, daß die Russen ihre Verteidigung längs der Grenze ausgebaut haben, aber daß sie derart ganze Arbeit gelei- t e t haben, wußte ich nicht." Gefangene der GPU ind am Werk, die nördlich parallel zum Amur laufende Verbindungsbahn vom bisherigen Endpunkt des Nordstranges der Transbaikalbahn nach Chabarowsk, dem Endpunkt der von Wladi-

Sonderurlaube gab es dafür nicht, nur das Gefühl der Befriedigung: Dank deines Wirkens, wenn auch an untergeordneter Stelle, klappt das Ganze.

Mobilmachung in Zeiten der Masfenheere, der Volkskriege geht weit über den engen Rahmen der Wehrmacht hinaus. Wer überlegte sich im August 1914 oder etwa gar heute, daß sie zunächst eine gewaltige Kräfteverschiebung, kreuz und quer durch das Reich bedeutete. Der Westen Deutschlands war reich an Menschen, aber arm an Pferden. Im Osten war die Lage umgekehrt. So waren westfälische und rheinische Reservisten und Landwehrleute nach Ostpreußen und Posen, ostpreußische und posensche Pferde an den Rhein zu fahren. Die Grenzgebiete im Osten und Westen waren vom sofortigen Zugriff des Feindes bedroht. Ihre Bevölkerung, ihre für die Kriegswirtschaft wichtigsten, beweglichen Schätze mußten in Sicher­heit gebracht werben. So rollten vom ersten Mo­bilmachungstage die Räumungszüge mit Frauen und Kindern aus den Festungen in Elsaß-Lothringen, die Räumungszüge mit den Hengsten und Stuten der Haupt- und Landgestüte aus Ostpreußen nach dem Innern des Reichs und trafen sich unterwegs mit den Zügen, die den Ueberschuß der wehrfähigen Jugend der Reichshauptstadt den Grenzregimen­tern zuführten. So rollten die Züge mit den Kohlen für die Flotte von Süd nach Nord, mit den abzuschiebenden österreichisch-ungarischen und italienischen Wanderarbeitern von Nord nach Süd. So rollten die Züge mit dem in das Aufmarschgebiet vorauszubefördernden Personal der Stäbe der zum Hand st reich auf Lüt- t i ch bestimmten, beschleunigt mobilgemachten sechs Brigaden nach Osten und Westen und durch alle diese Mobilmachungstransporte hindurch die Fülle der kleinen Einzeltransporte von Ort zu Ort, die noch größere Fülle der Einzelreisen­den, die zu ihren Gestellungsorten eilten.

Drei preußische Anekdoten.

Von Franz Schauwecker, GOS.

Als ein Zeppelin sich über London befand und im Begriff war, sich seiner Last von Bomben zu ent­ledigen, geriet er in die konzentrierten Bündel der Scheinwerfer und gleich danach in die noch bruta­ler zusammengefaßten Explosionsfelder der Gra­naten. Nun das war das gute Recht der Feinde. Nun und das war die gute Pflicht der Gegner, jedem Recht der Gegner den eigenen Wil­len entgegenzusetzen. r .

Infolgedessen fuhr der Zeppelin fort, seine Bom­ben abzuladen und beobachtete nicht ohne eine ge­wisse sehr sachliche und zugleich sehr grimmige Freude den unzweifelhaften Erfolg feiner eifrigen Tätigkeit.

lieber all dem schwebte indessen das Knegsgluck, das wie jedes Glück auf die Dauer nur dem Tüch­tigen sich preisgibt. Unb dieses Glück des immer­wahrenden Krieges verlieh den Engländern einen Treffer, der etwa in der Mitte des starren Ballvn- körpers lag.

Die Sekunden eines so entscheidenden kriegerischen Vorganges reihen unweigerlich dem Menschen sämt­liche Hüllen ab, daß er ohne Widerstand gezwungen ist, sich auf der Stelle, an der ihm dergleichen ge­schieht, nackt zu zeigen. Er ist einfach in die Ecke gedrängt, aus der er nicht mehr flüchten kann. Er muh zeigen, was er ist oder was er nicht ist.

In diesem Augenblick des Volltreffers zerriß das Krachen des brechenden Gerüstes sowohl die Luft wie die Nerven der Besatzung des Luftschiffes. Alles war wie gelähmt. Jeder stierte dem Untergang unmittelbar ins Gesicht.

Die beiden Führer des Schiffes, der noch heute lebende Kapitänleutnant von Schiller und der gleichfalls noch heut lebende Oberleutnant zur See vonButtlar-Brandenfels, standen gerade nebeneinander, als der Moment der nahen Kata­strophe das Schiff hochwarf. ,

Und während das Gestänge aus Aluminium krachte und die Goldschlägerhaut kreischte, sagte der Kapitänleutnant von Schiller zu Duttlar-Branden- fels, indem er den Kopf über die Schulter drehte: Wollen Sie, wenn das Schiff jetzt auseinander­

emporbrechenden

aber erfaßten mich derart, daß ich immer nur an sie dachte und darum auch kaum erschrocken war, als ich eines Morgens meine Mutter weinend fand und sie mir sagte, mein Vater müsse gleich fort zum Garnisonkommando, und daß er bald in den Krieg ziehen werde. Nun weiß gewiß jeder Junge mit neun Jahren, daß der Krieg kein Fußballspiel ist, wo einer sich, wenn es schlimm kommt, das Bein brechen kann, ich war mir der Lebensgefährlichkeit eines solchen Unternehmens damals wohl bewußt, denn ich hatte schon Maschinengewehre knattern hören und auch manches Kriegsabenteuerbuch ver­schlungen, trotzdem aber berührte mich die Mittei­lung meiner Mutter und ihr verhaltenes Schluchzen wenig. Höchstens, daß ich mich unbehaglich daheim fühlte und deshalb eilends hinauslief, mein Holz- gewehr und den blutigrot bemalten Dolch umzuhän- gen, denn ich war der Feldwebel und mußte pünkt­lich zur Stelle sein. .

Erst am Abend, da ich den Vater nicht daheim gesunden hatte, weil sie ihn in der Kaserne noch festhielten, ward ich ein wenig unruhig und nach­denklich und wie ich nachher in mein Zimmer ge­stiegen 'war um zu Bett zu gehen, wandelte das Unbehagen sich in heimliche Trauer, tn bte ledoch immer wieder Gedanken an die Erlebnisse meiner

Die (Erinnerung an den Stellungskrieg beeinflußt noch heute das militärische Denken der Menschheit. Sie scheint ihr die Wahrheit des Clausewitzschen Lehrsatzes zu bestätigen, daß die Verteidigung die stärkere Kampfform sei. So sehr man sich daher einerseits bemüht, dem Krieg der Zukunft durch Flugzeug und Kampfwagen wieder den Stempel des allein entscheidenden Bewegungskampfes auf­zudrücken, so sehr ist man anderseits dabei, seinen Lebensraum durch Verteidigungsanla­gen gegen feindliche Zugriffe z u schützen. Wir alle wissen um den Gürtel von Beton und Eisen, der sich an der französi­schen O st grenze vom Schweizer Jura bis nach Belgien hineinzieht und der seine Fortsetzung an der Nordgrenze und am Kanalufer finden soll. Wir wissen um Polens Festungen am Narew und an der Weichsel, um Italiens Sp rrforts am Brenner. Jetzt aber hören wir auch, daß man im Fernen Osten ähnliche Wege geht.

Auf Hunderte von Meilen bildet dort der Amur die Grenze zwischen dem russischen Ost- ibirien und der japanischen Einflüssen unterwor- enen Mandschurei. Weithin an seinem Nordufer ollen sich die russischen Drahtverhaue entlangziehen, in mehreren Linien hintereinander sollen Stützpunkte, Maschinengewehrnester dahinter im Entstehen begriffen sein. Am weitesten

bricht, den Befehl über das Voderschiff ober über das Heck übernehmen? Mir ist es gleich."

Buttlar-Brandenfels fand im Augenblick feine Antwort, fast erwürgt von der zerreißenden Span­nung der Sekunden.

Das Schiff kam durch jenes Glück, das auf die Dauer nur dem Tüchtigen gehört, zwar schwer verletzt, aber ohne Opfer auf deutschen Boden da­von.

Buttlar-Brandenfels sagte später, dies sei der größte Beweis von Kaltblütigkeit, der ihm im Kriege jemals vorgekommen sei.

Im großen Kriege erhielt ein noch sehr junger Leutnant den Befehl, mit seinem Zuge den not­wendig gewordenen Rückzug des Bataillons zu decken.

Der Leutnant bezog die ihm angewiesene Stel» lung und schrieb im Vergleich zu der ihm bekann­ten Lage folgende Meldung, welche durch feind große Jugend zu erklären ist:

Ich habe befehlsgemäß mit so und so viel Mann die Stellung da und da bezogen. Ich erlaube mir gehorsamst darauf hinzuweisen, daß angesichts unserer geringen Stärke, der nicht günstigen Lags und der allgemeinen Situation Jier gesamte Zug geopfert wird und sterben muß."

Der Meldeläufer verschwand und kam dato Dar­auf mit der Antwort zurück. Sie lautete:Dann j 1 Der Leutnant und sein Zug fielen innerhalb beM nächsten zehn Stunden.

Insgesamt sind 20 800 Mobilmachungstransporte im Frieden vorbereitet worden, mit denen 2 070 000 Mann, 118 000 Pferde und 400 000 Ton­nen Material befördert wuroen. Sie mußten gleich­zeitig mit 1440 Transporten vorauszubefördernder Stäbe und Truppen bis zum 6. August im wesent­lichen abgewickelt fein. Von diesem Tage an be­anspruchten die Kriegstransporte, d.h. die Beförderung der mobilgemachten Masse des Heeres in das Aufmarschgebiet den größten Teil des Bahn­netzes und die Mobilmachungstransporte konnten sich erst vom 13. Mobilmachungstag an wieder breitmachen. Die Zahl der Kriegstransparte gibt bas Werk bes Reichsarchivs auf 11100 mit 3120 000 Mann unb 860 000 Pferben an, bas ist mehr als bas sechsfache der Kriegs­transporte des Jahres 187 0. Wie reibungslos der Apparat arbeitete, dafür ein Bei­spiel aus dem eigenen (Erleben: Baden als pferde­armes Land konnte für die aufzustellenden Stäbe und Truppen meiner Brigade nicht genügend Zug- und gar keine Reitpferde liefern. Ein Transport aus Pofen sollte diesem Mangel abhelfen und ge­nau zur vorgesehenen Minute, am sechsten Mobilmachungstag, um 15.43 Uhr, lief er

waren wenig erbaut von der ihnen zufallenden, nach ihrer Ansicht wenig ruhmvollen Aufgabe. Die beiden Geistesheroen sahen sie als ihrer nicht wür­dig an, der Reitschüler sein Brotherr ließ sich oerständigerweise überhaupt nicht auf meinem Ge­schäftszimmer blicken machte ein völlig hilfloses Gesicht, als ich ihm seinen Kalender mit dem Tröste in die Hackd drückte, er finde dort alles Notwendige. Während die beiden Goistesheroen in den nächsten Tagen sofort angelaufen kamen oder den Fern­sprecher in Bewegung setzten, wenn die geringste Reibung sich von ferne zeigte, habe ich van dem Hofmann und dem Reitschüler nie wieder etwas ge­hört. Sie waren als geborene Soldaten allein zurecht gekommen.

Gab es nun gar keine Kritik an dem zu üben, was wir im Frieden vorbereitet hatten und jetzt ausführten? Leider rückschauend mehr als genug. Wir waren, bei Lichte betrachtet, nicht mit der Zeit mitgegangen, hatten die Entwicklung Deutschlands zu einem volkreichen Industriestaat nicht in unsere Rechnung eingestellt, waren in dem Schema der rein militärischen Mobilmachung eines volkarmen Agrarstaates steckengeblieben. So fehl- t e n oder waren nur kümmerlich angedeutet alle Vorbereitungen auf wirtschaftlichem, in­dustriellem und finanztechnischem Gebiet. Es geschah nichts ober nur Ungenügen­des zur Aufklärung der eigenen Öffentlichkeit, zur Beeinflussung der Meinung des neutralen ober gar bes feindlichen Auslandes. Im Augenblick drängten sich dem Soldaten nur die Folgen der fehlenden ober fehlgeleiteten Aufklärungsarbeit im Innern auf. Die hochgrabige, burch keinerlei amt­liche Einwirkung gedämpfte Erregung der Bevöl­kerung machte sich in Spion- und Gold­autojagden Luft. Gleich am zweiten Mobil­machungstage mußte ich in der Hauptstraße von Karlsruhe eine alte Frau in einen Laben in Sicherheit bringen, weil die Menschenmenge, die einen verkleideten französischen Spion in ihr sah, über sie herzufallen drohte, und meine erste Kraft­wagenfahrt zum Befehlsempfang von Breisach nach Freiburg war mit die gefährlichste des ganzen Feld­zuges, weil jeder Bahnschutzstrich und Brückenposten ohne weiteres die Knarre an die Backe riß, wenn man auf seinen Anruf nicht sofort hielt.

Inmitten der Arbeitslast blieb uns genügend Zeit zur eigenen Mobilmachung. Aeußerlich war sie schnell vollzogen. Die Kriegsausrüstung lag ja : immer bereit. Der Kriegskoffer war rasche gepackt. Aber die innere Loslösung von Familie und Heim konnte sich umso harmonischer vollziehen und die häuslichen Verhältnisse in aller Ruhe so geordnet werden, daß man tatsächlich alles Persönliche hinter : sich werfen und sich ganz und gar nur auf die seiner harrenden Aufgaben einstellen konnte. Die Wogen vaterländischer Begeisterung gingen im Südwesten des Reiches nicht so hoch wie tn seinem Norden und in seiner Mitte oder gar wie in Berlin, nicht daß 1 die Stimmung weniger entschlossen, weniger opfer- > bereit unb zuversichtlich gewesen märe, aber sie mar ! bei der Nähe der Grenze, der Nähe der Gefahr ernster, verhaltener. Feierlich still die Verabschie- düng unserer Regimenter durch den Großherzog. Unbemerkt, ungeleitet unser nächtlicher Marsch zum i Bahnhof. Der Krieg fiel vom ersten Augenblick an : mit seiner ganzen Schrnere auf unsere Seele.

Die Verteilung der durch ihn uns angeführten Pferde mar eigentlich die erste und einzige Amts­handlung, die Den Brigadestab in den Wirbel der eigentlichen Mobilmachung führte, und zeigte, rnelche Arbeitslast auf ihren Trägern, den Batterie­chefs unb ihren vornehmsten Stützen, den Wacht­meistern, Futtermeistern und Quartiermeistern lag. Im allgemeinen mußten mir uns den größten Teil des Tages auskunstsbereit auf unseren Geschäfts­zimmern aufhalten, rnurden aber in unserer be­schaulichen Stille durch Rückfragen kaum gestört. Ergötzlich mar es zu beobachten, mie sich schon die Geister schieden, der Unterschied zwischenSol­daten" undM i l i t ä r s" scharf hervortrat. Hatte da die Brigade $mei Stäbe der Komman­deure der Artilleriemumtionskolonne eines aktiven und eines Reservekorps, mit einem aktiven Stabs­offizier und einem aktiven Oberleutnant als Ad­jutant an der Spitze, aufzustellen. Der Zufall hatte es gefügt, daß in dem einen Stab ein Artillerie­offizier von großem Friedensruf und ein hochge­lehrter Kriegsakademiker, in dem zweiten ein ge­wandter, aber keineswegs übereifriger Hofmann und ein Reitschüler zusammenkamen, alle vier