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Nr. 142 Erstes Blatt

184. Jahrgang

Donnerstag, 21. Juni 1934

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Gießener Anzeiger

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Sommersonnenwende.

Von Werner Haverbeck, Leiter des Reichs- Amtes Volkstum und Heimat der NS.-

GemeinschaftKraft durch Freude".

Die nationalsozialistische Bewegung hat bereits in den Jahren ihres politischen Kampfes um die Macht alljährlich auf den Bergen Sonnenwendfeuer ab­gebrannt als Ausdruck der von ihr zu erkämpfenden Volksgemeinschaft. Der Nationalsozialis­mus hat damit ein altüberliefertes deut­sches Brauchtum in seine Gemeinschaften hin­eingestellt, das einstmals wie die gesamte deutsche Dolkskultur Eigentum des ganzen Volkes in seinen Stämmen und Ständen gewesen ist. Der National­sozialismus, der nichts anderes ist als der Aufbruch der deutschen Volksseele in der Gegenwart nach langen Zeiten der Verdunklung, hat überall bewußt oder unbewußt sich das wieder zu eigen gemacht, was den Ausdruck dieser ewig wirkenden deutschen Volksseele in den kultischen Formen unseres Volk- tums darstellt.

Wenn der Liberalismus das Brauchtum des Volkes als Ausdruck einer Primitivität und damit als An­gelegenheit von Bauern und Kindern deutete, dann wissen wir heute wieder, daß in allen diesen Aeuße- nnigen der Dolkskultur gestattet sind Freude und Leid, Erleben, Weltanschauung und Glaube des Volkes. In diesen Formen, ob es nun Volksmusik oder ein kultisches Volksspiel, ob es die Gestaltung einer Volksfeier oder die Kunst der Bauern und Handwerker in Tracht und Schmuck, in Haus und Hof und Stube ist, auf welchen Gebieten des kultu­rellen Lebens es auch sei, hier spricht die Volks­seele noch unmittelbar und am deutlichsten zu uns.

Was bedeutet nun das Fest der Sommersonnen­wende für uns? Die nationalsozialistische Weltan­schauung ist nicht ein philosophisches System, son­dern die einfache Erkenntnis unserer natürlichen Lebensgrundlagen, wie sie in den Gesetzen der großen göttlichen Ordnung be­schlossen liegen. Wir wissen heute wieder, daß das Volk die höchste Bindung des Menschen ist, Volk und Mensch jedoch vergehen, wenn sie sich aus dem Wurzelboden ihrer Heimat herauslösen. Wir er­leben wieder, wie die Gesetze der Natur unser gan­zes Leben bestimmen. Der Bauer, der draußen auf der Scholle dem ganzen Volke sein Brot erarbeitet und damit einzig und allein sein Leben erhält, weiß noch unmittelbar um diese Abhängigkeit von der Natur und ihrem Werden und Vergehen, aber heute nach den Jahren des Niederganges, der völligen Entwurzelung des Menschen durch die Großstadt ist sich auch der Arbeitsmensch im Maschinensaal und Kontor wieder bewußt geworden, welche Werte ihm verloren gehen durch seine Heimatlosigkeit, ja wie er und seine Sippe unrettbar dahinwelkt, wenn er nicht die Bindung zum Volkstum sich neu erringt.

Und so ist es nicht ein Zufall und nicht eine romantische Schwärmerei, die uns wieder greifen läßt nach dem überlieferten heiligen Volksgut, son­dern aus eigenem Erleben heraus knüp­fen wir an das einst Verlorene an, das durch die vom Nationalsozialismus vollzogene völkische Wende wieder zum Maßstab und Ausdruck unseres Lebens geworden ist.

So feiern wir in diesem Jahre auch wieder sinn­bildhaft den Sieg der Sonne, die uns erhält und nährt und deren Lauf ein Ausdruck der großen wirklichen Lebensordnung ist. Der Jahresring ist das Sinnbild des ewigen Stirb und Werde, dem ebenso wie alles Leben der Natur so auch der Mensch im leiblichen Ablauf seines Daseins wie in feiner seelischen Entwicklung unterworfen ist. In diesen Tagen hat die Sonne ihren höchsten Stand erreicht, wir feiern mit ihrem Siegeslauf, der Winternacht überwand, den Sieg allen Lebens über den Tod, und darum feiern wir mit ihm auch den Sieg unserer Bewegung, die im Zeichen des Haken­kreuzes als der heiligen Rune des Sonnenlaufes unser Volk aus dem Dunkel des Vergangenen zum höchsten Lichte führen soll.

Das Feuer, das wir, altem Brauch der Väter folgend, in der Nacht der Sonnenwende entzünden, ist das weithin sichtbare Symbol des Sonnensieges und zugleich der Gemeinschaft, aus der es entflammt wird. Darum bildet das Feuer den kultischen Mittelpunkt unserer deutschen Sonnenwendfeiern.

Der Ring um das Feuer, das wir mit den Fackeln entflammen, die in den einzelnen an den Feiern teilnehmenden Gemeinschaften des Volkes entzündet wurden, schließt uns alle zu einer großen Gemeinde zusammen. Die junge Mannschaft der Gliederungen der nationalsozialistischen Bewegung wird hier, wie in vergangenen Zeiten und in ländlichen Gegenden wohl noch' heute die jungen Burschen des Dorfes, wieder zum Träger des kultischen Brauchtums unseres Volkes. . .

Die nationalsozialistische Bewegung wird in diesem Jahre die Sommersonnenwendfeier zur Sache des gesamten Volkes machen. Wenn sonst die einzelnen Gliederungen der Bewegung oder die Stände als Ausdruck ihrer eigenen Aufgaben für sich feiern, dann sollen um das Feuer der Sommer- sonnenwend- sich alte ocreinen. D,e natürlichen Werk- und Lebensgemeinschaften des Volkes sind dazu berufen, die Sonnenwendfeiern zu tragen unö zu gestalten, so wie sie auch am Tag der nationalen Arbeit die Träger und Gestattenden des großen Volksaufmarsches waren. , £ ,

So werden in der Sonnenwendnacht durch ganz Deutschland tausend und aber tausend Sonnwend­feuer in einer noch nicht da gewesenen Vielzahl auf­flammen und die Gemeinschaft des Volkes aus Dorf und Stadt zu stiller Besinnung im Feuerkrerse ver­einen. ...

Dabei wird es darauf ankommen, das Volk nutzt als bloßen Zuschauer, alsPublikum", m * Er­scheinung treten zu lassen, sondern es zum altie

Oer französische Generalissimus in London.

Ein angeblichprivater" Besuch, der aber den führenden englischen Militärs gilt.

London, 20. Juni. (DltB.) Der Chef des fran­zösischen Generalstabes, General Weygand, ist heule mittag in London angekommen.

In einer Agenturmeldung aus London wird zu dem Besuch des Generals Weygand erklärt, daß der französische Generalissimus sich mit der englischen Regierung auch über eine Anregung Englands un­terhalten werde, wonach sämtliche europäischen Ra­tionen, Deutschland einbegriffen, sich verpflichten sollten, die Neutralität Belgiens und Hollands zu achten. Das War Office teile die Auffassung der militärischen kreise Frankreichs, daß die O st b e f e st i g u n g e n eine ausgezeichnete Ver­teidigungslinie darstellten, daß aber der Einfall von Norden her kommen könne. Wacdonald persönlich sei der Ansicht, daß Frankreich, wenn die Neutralität Belgiens gesichert sei, eine aus­reichende Sicherheitsgarantie besitze und England in diesem Falle keine weiteren zu geben brauche.

Derrein private" Besuch.

London, 21. Juni. (DNB.) Zum (Eintreffen des Generalinspekteurs der französischen Armee, General Weygand, in London bemerkt der po­litische Korrespondent derDaily Mail": Gene­ral Weygand erklärte nachdrücklichst, daß sein Be­such rein privaten Charakter habe. Indessen er­regte es, so harmlos der Umstand auch sein mag, eine gewisse Aufmerksamkeit, daß er von seinem Stabschef und zwei anderen Stabsoffi­zieren begleitet ist. Der General ift, wie schon früher gemeldet, Gast des Befehlshabers des Londoner Bezirks General Grant. Im Auswärtigen Amt wurde wiederholt erklärt, daß keine Zusammenkunft zwischen General Wey­gand und Beamten des Kriegsamtes vereinbart worden fei. Ein Freund beider Generäle aber äußerte gestern:Wenn zwei Männer des gleichen Berufes zusammenkommen, dann ist es unvermeid­lich, daß siefachsimpeln", und unzweifelhaft haben beide beträchtliches Interesse an der gegenwärtigen internationalen Lage."

Daily Herald" sagt ironisch: Jeder Begleit­umstand weist auf denrein privaten Charakter" der Reise hin. General W e y g a n d ist von seinem Stabschef General G a m e l i n , feinem ersten Ad­jutanten General P a g a z y und einem Dolmet­scher, dem Hauptmann G a f f i e r , begleitet. Er wurde in Dover von dem Befehlshaber des öst­lichen Bezirks, dem Kommandanten der Garnison von Dover und einem Vertreter des Kriegs- amtes begrüßt. Auf der Viktoria-Station in Lon­don empfing ihn der Chef des Generalstabs, Ge­neral Sir Archibald Montgomery-Massing­ber d. General Weygand fuhr zu seinem Hotel in einem Kraftwagen des Kriegsamtes. Heute geht er nach Ascot, dann nach Aldershot zu den militäri­schen Schauvorstellungen. Am Freitag wird er auf der Ebene von Salisbury (einem militärischen Uebungsgelänbe) den Befehlshaber des südlichen Bezirks treffen. Am gleichen Tage wird er mit feinen militärischen Begleitern bei dem Chef des Reichsgeneral st abs zu Gaste fein und wäh­rend des Wochenendes bei ihm bleiben. Die ande­ren Gäste werden bei dieser Gelegenheit hohe britische Militärs sein.Daily Herald"

ven Träger der Festgestaltung zu machen. Es ist darum notwendig, baß jeder Stand des deut­schen Volkes und jede der nationalsozialistischen Gliederungen durch ihre Vertreter mit Gruß und Bekenntnis zu Worte kommt und sie mit formen hilft. Die vom Reichsamt Volkstum und Heimat der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" heraus- gegebenen Richtlinien bieten einen Anhaltspunkt, wie der Festablauf durch sinnbildliche Handlung, Feuerrede, Sprechchöre und gemeinschaftliche Lieder so gestaltet werden kann, daß die Feier zu einem lebendigen Erlebnis der Volksge­meinschaft wird, wie sie uns durch bie totale Revolution der nationalsozialistischen Bewegung ver­heißen worden ist.

Sonnenwende-Schicksalswende!

Ein neues Bolt mit neuer Kraft.

Berlin, 20. Juni. (DNB.) Das Reichs-Presse- und -Propagandaamt der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" teilt mit:

Das durch die nationalfozialistische Revolution geeinte deutsche Volk feiert in der Nacht vom 2 3. zum 2 4. Juni das Fest der Sommer­sonnenwende. Seit diesem Tage^ hat seit altersher unser Volk das Fest des Sieges der Sonne über den Winter, das Fest der Freude, der Lebens­bejahung und der um das Feuer lebendig ver­sammelten Volksgemeinschaft gefeiert. Wie wir am 1. Mai, dem Tag der nationalen Arbeit, aus den vielen Werks- und Lebensgemeinschaften unseres Volkes ausmarfchiert sind zum aemeinfamen Fest, fo wollen wir auch das Fest der Sonnenwende feiern. t

Unsere große Aufgabe, an der wir unablässig arbeiten müssen, ist, ein neues Volk zu werden. Jeder einzelne, das ganze Volk muß mit- gestalten am neuen Volkstum, das uns aus der Vergangenheit in den Formen der Gegenwart überall dort wiederersteht, wo wir das heilige deutsche Volksgut in den Mittelpunkt unserer Ge-

schließt,aber General Weygand sagt, daß es keine militärischen Besprechungen geben wird".

Der militärische Mitarbeiter desDaily Ex­preß" schreibt: Es kann nicht bezweifelt werden, daß zwischen dem britischen General st ab und General W e y g a n d vertrauliche und aus­führliche Besprechungen ftattfinben werden. Während seines Aufenthaltes in England wird der General die Leitung des südenglischen Militärbezir­kes besuchen. In Tidworth wird er die n e u e ft e n britischen leichten Tankbataillone und die motorisierten Jnfanterieba- t a i 11 o n e besichtigen. Sein Besuch bei dem ober­sten Befehlshaber des Londoner Bezirks, General Grant, mag im gewissen Sinne privat sein, dürfte aber vielleicht mit dem Zustand der Londoner Luftverteidigung in Zusammenhang stehen.

Hiller in Neudeck.

Berlin, 21. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Reichs- kanzler Adolf Hitler hat sich nach N e u d e ck begeben, um dem Reichspräsidenten über die Zusammenkunft in Venedig zu berichten. Ribbentrops Besprechungen in Paris.

Paris, 21. Juni. (DNB. Funkfpruch.) Der deutsche Abrüstungsbevollmächtigte v. Ribben­trop, der sich seit einigen Tagen in Paris auf­hält und u. a. mit dem Ministerpräsidenten Dou- m e r g u e und Außenminister B a r t h o u Bespre­chungen hatte, stattete am Mittwoch dem General-

rneinschaft stellen. Für Erfüllung der uns vorn Führer gegebenen Aufgaben brauchen wir Kraft Kraft durch Freude!, die uns aus unserer Volks­gemeinschaft und ihren hohen Festen kommt.

Im Bewußtsein dieser Aufgabe rufe ich die in der Deutschen Arbeitsfront organisierten deut­schen Arbeitsmenschen aller deutschen Stämme und Stände auf, in den lebendigen Zellen ihrer Betriebs- und Lebensgemeinschaften das Fest der deutschen Sonnenwende zu begehen!

Aus dem Erlebnis des um die Feuer versammel­ten deutschen Volkes wollen wir einen Schritt auf dem Wege zum neuen deutschen Volkstum vor- wärtstun.

Heil Hitler! Gez.: Dr. Robert Ley Stabsleiter der PO. und Führer der Deutschen Arbeitsfront.

Feuer flammen über Deutschlands Höhen.

Auf dem Brocken, 21.Juni (DNB.) Aus dem Herzen Deutschlands, vom Brocken herab, wurde in der Nacht zum Donnerstag durch Ent­zünden hoher mächtiger Holzstöße das Signal ge­geben zu einer in Westfalen verlaufenden Kette von H ö h e n f e u e r n , die bis an die äußersten Grenzen des Reiches nach Norden und Süden, nach Osten und Westen auf den Bergeshöhen brennen.

Taufende von Volksgenossen waren zum Brocken geeilt, um dem feierlichen Akt der Entzündung bei­zuwohnen. Gegen 22 Uhr traf der Stabsleiter der PO. und Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley ein. Don der Nordsee, aus dem Süden, aus Ostpreußen und aus dem Westen kamen SA.-Füh­rer, kamen die Stoßtrupps von Volkstum und Heimat. Dr. Werner Haverbeck sprach über die Ziele der deutschen Jugend. Nach ihm ergriff Dr. Ley das Wort. Er trat an den Holzstoß heran und sprach:Jungmannen, laßt das Feuer emporlodern, bamit die Flammen von Berg zu Berg durch das

feftetär des Quai d'Orsay, Leger, einen Be­such ab.

Unangebrachter Protest derTreuhänder der 8oung- und Oawesanleihen.

Berlin, 20. Juni. (DNB.) Die Bank für inter­nationalen Zahlungsausgleich als Treuhänder für die Poung-Anleihe und die Treuhänder für die Dawes-Anleihe haben bei der deutschen Regierung wegen der vorläufigen Einstellung des Zin­se n d i e n st e s der beiden Anleihen Verwahrung eingelegt.

Wenn die Treuhänder für die Dawes-Anleihe da­bei von einem offensichtlichen Bruch eingegangener deutscher Verpflichtungen sprechen, so bedeutet das ein vollständiges Verkennen der Sach­lage, die vor aller Welt offenbar ist und, wie in der deutschen Transfernote ausgeführt ist, dazu zwingt, formelle Verpflichtungen mit wirtschaft­lichen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen.

London, 20. Juni. (DNB.) Ein konservatives Mitglied fragte am Mittwoch im Unterhaus den Schatzkanzler, ob er zur Erhöhung der Devisen­bilanz zugunsten Großbritanniens Schritte tun werde, um die Ausgaben britischer Tou­risten in Deutschland zu beschränken. Von feiten der Regierung wurde erwidert, daß der Schatzkanzler diesen Vorschlag erwogen habe, aber nicht glaube, daß es wünschenswert sein würde, ihn anzunehmen. Die Ausgaben britischer Reisender in Deutschland erhöhten Deutsch 1 ands aus­ländische Devisenvorräte und erleichterten die Bezahlung seiner Auslandsschulden.

Deutsche Reich eilen, damit sie künden von unseres ganzen Volkes Wollen." Mit diesen Worten wurde eine Fackel in den Holzstoß gestoßen, der gleich dar­aus durch den brausenden Sturm, der auf dem Brocken herrschte, zu mächtiger Flamme empor- loderte. Mit dem GesangFlamme empor!" fand die Feier ihr Ende.

Da viele der Erschienenen nicht um das Feuer gruppiert werden konnten, wurde Dr. Ley gebeten, vom Balkon des Brockenhotels noch einige Worte an die Hunderte von NSBO.- und Arbeitsdienst­lager-Abordnungen zu richten. Dr. Ley zeichnete den Weg der Deutschen aus der Zeit nach dem Schandfneden von Versailles bis zur nationalsozia­listischen Revolution und hob hervor, daß sich die Erziehung des Volkes besonders auf die Erhaltung des Ehrbegriffes richten müsse; denn ein Volk ohne Ehre sei kein Volk. Dr. Ley schloß seine Ansprache mit einem Siegheil auf das Vaterland und den Führer.

Umtauschen oder Zeichnen nur noch heute!

DNB. Berlin, 20. Juni. Jeder Besitzer von hilserd 1 ng"- Anleihe und vonNeu - besitz" muh spätestens am Donnerstag diese An­leihe in die

4prozentige Anleihe des Deutschen Reiches von 1 9 3 4,

die erste Anleihe des nationalsozialistischen Staates, umtauschen. Nach dem 21. Juni wird für Neubesih kein Kurs mehr festgestellt. Wer die s i ch e r st e, von der nationalsozialistischen Regierung gewähr- leistete Geldanlage sucht, kann noch bis Donnerstag die 4prozentige Anleihe des Deutschen Reiches von 1934 zum Kurse von 95 Prozent bat zeichnen.

Erhöhung der Milärdienstzeit in Frankreich?

Von unserem ständigen v. G.« Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten? Paris, 19. Juni 1934.

Die französische Kammer hat wieder neue M i l- liarden für den Ausbau der Landes­verteidigung bewilligt. Nachdem Frankreich in der viel besprochenen Note vom 17. April an die englische Regierung offen festgestellt hatte, daß eine Abrüstung nicht mehr in Frage käme, wird sich niemand über die neuen Nachtragskredite wun­dern. Es muß aber hervorgehoben werden, daß die Kammeraussprache viel weniger den angeforberten Summen galt, als der Frage einer Dienstzeit - erhöhung. Die Einführung der zweijährigen Dienstzeit ist von der Rechten schon seit geraumer Zeit gefordert worden, und die Befürchtung, daß die Regierung sich dieses Begehren zu eigen machen könnte, hatte im Lande eine gewisse Beunruhigung hervorgerufen. Die Linksopposition betrachtete die von der Rüstungspresse mit allen Mitteln unter­stützten Alarmrufe vor den angeblich gefährlichen deutschen Rüstungen in vieler Hinsicht als Stim­mungsmache, um das Land für eine Wiederein­führung einer längeren Dienstzeit vorzubereiten. Trotz der von zuständiger Seite erfolgten Erklärun­gen, daß die Erhöhung der Dienstzeit auf zwei Jahre zunächst nicht vorgesehen fei, waren die Gerüchte nicht verstummt, nach denen der Generalstab die

Vorbereitungen für eine entsprechende Abänderung des bestehenden Militärgesetzes bereits getroffen fyabe. Wie aktuell diese Frage ich, hat die Ver­handlung des Parlaments über die Nachtragskredite erneut bewiesen.

Es bestand von vornherein kein Zweifel darüber, daß sich eine große Mehrheit für die angeforderten 3,120 Milliarden finden würde; die Länge der Kammeraussprache ist daher nur dadurch zu er­klären, daß die Linksparteien einschließlich der Radikalsozialisten Gewißheit über die künftigen Ab­sichten der Regierung haben wollten. So deutlich Die Frage nach der Dienstzeit aber von den Rednern der Opposition und von den Radikalsozialisten ge­stellt worden ist, hat der Ministerpräsident sich keineswegs festgelegt, sondern die vielsagende Ant­wort erteilt, daß die Regierung noch keine Zeit ge­funden habe, sich mit dieser Frage zu befassen und keine Entscheidung ohne die Kammer treffen werde. Doumergue fügte hinzu, daß das Parlament befragt werden würde, auch wenn es in den Ferien fein sollte. Das heißt soviel, daß die Regierung sich vorbehätt, die Kammer doch um Zustimmung zu einer Erhöhung der Dienstzeit zu ersuchen, und zwar erforderlichenfalls noch vor dem ordentlichen Wiederzusammentritt, der für den Oktober vorge­sehen ist.

Es ist kein Zufall, daß die Aussprache über