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Ur. 95 Zweites Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

5amstag,2l. April 1954

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iißes, die Kinder werden größer, die Kehlen - l in sechs Nestern anderthalb bis Dutzend, vielleicht aber noch mehr junge Stare , Butter schreien, wird jeder anschwirrende Flug

Berlin, 19. April. (DNB.)Jrn April vor einem Jahre wurde der Reichsoerband der deutschen Presse von den Nationalsozialisten übernommen und damit die deutsche Presse von Nationalsozialisten geführt. Aus Anlaß der Wiederkehr dieser Tage veranstaltete der Reichsverband der deutschen Presse heute in Berlin eine Tagung, die unter dem Motto:Ein Jahr nationalsozialistische Führung der deutschen Presse" stand.

dankte in seinen einleitenden Worten Reichsminister Dr. Goebbels dafür, daß er sich bereiterklärt habe, an diesem denkwürdigen Tage vor den Ver­tretern der deutschen Presse zu sprechen. Er wies darauf hin, daß es vor einem Jahre nicht um die Neubesetzung von Vorstandsposten ging, sondern daß mit den neuen Männern an der Spitze des Reichsverbandes der deutschen Presse die deut­sche Presse in ihrer Gesamtheit in ein neues Stadium ihrer Geschichte ein trat, ein Vorgang, der durch die national­sozialistische Revolution bestimmt worden war. In dieser Zeit sei die ganze deutsche Presse einem Wandel unterworfen worden, der ihr Wesen und ihr Gesicht von Grund auf verändert habe.

wenn wir heule nach einem Iahr die Bilanz ziehen, so werden und wollen wir gewiß nicht sagen, daß der innere Umwandlungsprozeß schon abgeschlossen ist und das neue Gesicht der deutschen presse schon fix und fertig vor uns steht. Dazu ist die Aufgabe, die von der natio-

ten suchen müssen. Etwas beschwert und geduckt räume ich das Feld wahrhaftig, alle zwanzig Kinder stecken den Kopf zum Nest hinaus und schel­ten und schreien und drecklärmen und tschiedelieren hohnlachend hinter mir drein.

große Badeschwamm in die Hand. Und ich tauche den Schwamm ein sehr human, aber klug dünkt mich das und schleudere einen tüchtigen Spritzer Wasser nach dem Lärmer. Tschirretschirretschirre Hilfe, schreit der Naseweis deutlich. Siehst du wohl? Aber weg ist er deshalb nicht. Ich spritze noch ein­mal. Er überlegt, totenstill vor Schrecken; das Was­ser paßt ihm nicht. Habe ich dich also? Noch ein drittes Mal setze ich an, da hebt der Starmatz krei­schend die Flügel, versucht zu flattern und platscht unbeholfen mitten in den Hof hinunter.

Was habe ich angerichtet! Ich ziehe den Kopf verlegen durch das Fenster zurück, ich habe doch ein schlechtes Gewissen vor den Leuten.Mein Gott", höre ich Frau Petermann auch schon rufen,da liegt ja ein junger Star im Hof. Mann, sofort gehst du zum Doktor hinauf, er liebt seine Singvögel doch so sehr."

Was soll ich denn bei ihm?"

Ihn fragen, was wir mit dem armen, armen Tier machen sollen. Du sollst sehen, er weiß zu helfen!"

Jetzt wird mir doch brühwarm zu Mut, so sehr schäme ich mich über meinen Jähzorn. Und ich werfe eilig die Joppe über, zünde schon treppab die Pfeife an und quere wie unversehens über den Hof.

nalen Revolution der presse als kullurfakkor gestellt ist, auf viel zu weite Sicht berechnet.

Dazu sind mit der Presse des alten Systems auch viel zu alt gewordene Gewohnheitsrechte zufammen- gebrochen, als daß es möglich gewesen wäre, aus dem Nichts heraus den neuen deutschen Zeitungstyp zu entwickeln." Die berühmte Pressefreiheit sei' zum Schlagwort einer Zeit geworden, die vom schranken­losen Individualismus und Materialismus be­herrscht wurde. Daraus habe sich ein Zei­tungstyp entwickelt, der ausschließlich von den materiellen Profitinteressen eines geschäftigen Verlegertums und anonymer Aktienpakete 'be­stimmt worden sei. In dem Augenblick, in dem das zusammengebrochene System seine eigene, von ihm geschützte Pressefreiheit nicht mehr respek­tierte und dazu überging, die Zeitungen der Oppo- s'.tion zu knebeln und zu verbieten, an dem Tage, an dem derVölkische Beobachter" zum ersten Male verboten wurde, habe das alte System seine schwächste Stunde erlebt, denn jede G e i st e s - Haltung, die sich selb st untreu werde, habe ihre Existenzberechtigung ver­loren.

Gruppenführer Weiß wies dann auf das Wer­den der nationalsozialistischen Presse hin, die dem Kapital die Idee und J)amit die Souveräni- t ä t des Gei st es entgegengesetzt habe. Darin liege auch das Geheimnis dieses Sieges. G e i st und Charakter seien es, die eine Presse lebens­fähig erhalten. Damit war das Problem Presse zu einer Angelegenheit der Menschen geworden, die in ihr tätig sind. Diese menschliche und persönliche Seite der Frage zu lösen, sei heute die wichtigste Aufgabe, die der deutschen Presse gestellt sei. So habe der für die Presse zuständige'Reichsminister Dr. Goebbels nicht ohne Grund in den Mittel­punkt des Neuaufbaues der Presse nicht ein neues Pressegesetz, sondern ein S ch r i f t l e i t e r q e s e tz gestellt.

Erstes und oberstes Gesetz für den modernen Schriftleiter fei, Kämpfer zu fein für den neuen Staat. Die Schicksalswende, an der das deutsche Volk heute stehe, erfordere in allen Positionen des öffentlichen Lebens ganze Männer und ganze Kerle. Wir könnten uns es nicht er­lauben, da, wo werdende Geschichte gestaltet wird, Feiglinge einzusehen und deutsche Zei­tungen von Pazifisten schreiben zu lassen."

CinZahr nationalsozialistische Führung in der deutschen presse

Der Führer des Reichsverbandes deutschen Presse,

Hauptschristleiter

Gruppenführer Weiß

Was ist denn los, Frau Petermann? Ach, der arme Star! Nun, lassen Sie nur, ich bring ihn wieder ins Nest."

Ich klopfte die Pfeife ab, drücke den Daumen wü­tend hinein, daß es mir unterm Nagel brennt, stelle die Leiter an und hebe den Starmatz auf. Sieben Sprossen sind es. Der Bengel in meiner Hand gibt keinen Ton von sich, und die Alten, die auch nicht wissen, was ich oorhabe, sind un­freundlich still. Dann setze ich den Verunglückten in die Dachrinne.

Kaum bin ich unten, geht ein Geschrei los, gegen das bis dahin alles nur ein Kinderspiel gewesen ist. Am lärmendsten aber ist einer, der mir doch so viel zu danken hätte schreit, schreit, als besänne er sich erst jetzt auf seinen Schreck, schreit, als müßte er dem lieben Gott im Himmel erzählen, was mit , ihm geschehen. Und alle Gespielen und Nestgenossen und selbst die Eltern fallen ein, das Dach braust und tschirrt. Und alles schilt über mich und hinter mir drein.

Was haben die Tiere nur?" fragt Petermanns Brau.

Was sollen sie haben?" schreie ich gegen den Lärm,ist es nicht prächtig, so viel junges Volk um sich zu haben?"

Ich werde mir aber doch einen Platz im (Bar»

^unb, wovon das befte für den Tabak verwendet roir&Vr mu6 Öfters mit dem bebauten Stück gewechselt werden. Kultiviert werden auf Batschenga letzt 50 Hektar, die für nahezu anderthalb Mil- lionen Tabakpflanzen hinreichen. Man sät den tTn a ln Saatbeete, die gegen direkte Sonnen­bestrahlung anfangs vollständig mit Matten, später cr-n e^em durchbrochenen Flechtwerk aus Palmblattern geschützt werden. Das Auspflanzen ins Gelände ist eine mühsame Arbeit, namentlich bei n?es)r als 40 Grad in der prallen Sonne. Wenn die Pflanzen voll entwickelt sind, werden die Blätter abgeerntet und kommen in den Trockenschuppen, wo sie fünf bis sechs Wochen hängen. Sie müssen aber beim Trocknen elastisch bleiben. Danach wer­den sie gebündelt und peinlich genau in viereckige Itapel geschichtet. In diesen fermentieren sie durch Selbsterhltzung, vermutlich mit Hilfe von Bakterien. Erst dadurch bekommt der Tabak sein Aroma.

Auf Batschenga wird nur Deckblatt für.Zigarren erzeugt, wobei es vor allem auf die augenblickliche Modefarbe ankommt. Feinste, modernste Qualität kann Preise von 20 Mark und mehr für jedes Pfund Blätter bringen, während die Einlage in derselben Zigarre mitunter nur 50 Pfennig zu i kosten braucht. Batschenga liegt nur etwas über I

Wenn man für das neue Afrika eine Signatur wählen will, so kann man die Kilometersteine dazu nehmen. Wer vor dreißig Jahren an den alten Trägerpfaden im Geist Kilometersteine erblickt hätte, dessen Phantasie wäre wohl für nicht ganz gesund gehalten worden. Damals war das Auto in Europa noch eine junge Maschine, und für Afrika mar es ein Unding. Man muß es den Franzosen lassen, daß sie viel Energie und dabei sehr geringe Mittel darauf verwendet haben, ganz Kamerun . durch Autostraßen aufzuschließen, einfach dadurch, daß sie den Arbeitsdienst der Schwarzen vernünftig organisierten. Noch eine Kleinigkeit berührte mich merkwürdig, als ein Symptom, wie sich auch im afrikanischen Busch die Zeiten ändern. Die Pflan­zung wird von drei deutschen Herren verwaltet, und als nach dem Essen Zigarren angeboten wur­den, gab es Aschenbecher! Wirklich,'man tat die Zigarrenasche in die Schale, anstatt sie auf den Fußboden zu streuen, der früher nichts anderes ivar, als ein Stück überdachten afrikanischen Ge­ländes! Jetzt ist er aus schönem, glattem Zement I gemacht. Was hätte es früher gekostet, Zement in Trägerlasten drei Wochen lang von dem Südkame- , ^uner Hafen Kribi bis an den Sanaga zu schleppen!

Freilich, die Kehrseite ist: früher wurde in Kame­run leicht und reichlich Geld verdient, und heute ist "s ein mühseliges Ringen um bescheidenen Gewinn. Als noch der Kautschuk aus dem Urwalde Preise rzielte und die berühmten SüdkamerunerGummi­löwen" bis in die Buschfaktoreien hinein Sekt und teure Weine tranken, war es ein Leben voll afrika- ischer Romantik, allerdings auch voll afrikanischer Gefahren. Mancher, der heute noch als ein ge­linder Mann behaglich die Prozente von der Kaut- I jchukanlieferung an seine Firma an der Küste aus- «chnete, war morgen schon begraben. Schwarz- I nasser ließ nicht mit sich spaßen, ich habe das selbst iirlebt, und die Methode, Prophylaxe mit Kognak att mit Chinin zu betreiben, war gefährlich.

Zu Mittag aßen wir einen wundervollen Anti- bipenbraten, nicht von abgestoßenen Emailletellern, wie in alten Zeiten, sondern von schönem Porzellan. >er eingeborene Jäger hatte eigentlich nur ein Kerlhuhn schießen sollen, aber da ihm von der Sieute, die er nach Haus bringt, das Herz und die k ingeweide gehören, so ist es ihm natürlich lieber, d enn ihm ein Stück Großwild vor die Flinte i bimmt, als nur ein Perlhuhn.

Dann ging es in die Pflanzung. Der Tabak wird kläglichst erst mit dem Beginn der Regenzeit aus- 6 pflanzt, deren Anfang man in etwa einer Woche eivartet. Jetzt ist man noch mit den Saatbeeten be- smäftigt. Zur Pflanzung gehören tausend Hektar

ist es nicht prächtig, so viel Kinder im Haus halben?"

Iter Frau Petermann schweigt hartnäckig; ich t', sie hat Einwände. Ich kümmere mich nicht r Ve.

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gestellte, dessen Züge man sich früher nicht merken konnte, hat jetzt eine unvergeßliche Eigenart er­halten. Man nimmt an, daß das Bild ein Porträt des Johann Dorsch ist, der dem Augustinerorden angehörte und von 1518 bis 1541 Pfarrer von St. Johann in Nürnberg war.

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Verschärfung der Devisenbestimmungen.

Die anhaltende ungünstige Entwicklung unserer Devisenlage zwingt zu weiteren Konsequenzen auf dem Gebiete der Zahlungen an das Ausland im Reise- oder sonstigen Einzelverkehr. Den neuer­dings beschlossenen Verschärfungen ist eine Ein­schränkung der Devisenzuteilung an den Einfuhr- handel bereits vorausgegangen. Ferner find be­stimmte Rohstoffimporte unter Kontrolle gestellt worden. Auf derselben Linie liegt es, wenn jetzt die Möglichkeit für den einzelnen eingeschränkt wird, eine Reise in das Ausland mit deutschen Banknoten zu bestreiten, oder für irgendeinen sonstigen per­sönlichen Zweck «deutsche Banknoten in bas Aus­land zu senden.

Bisher konnten für diese Zwecke jeweils bis zu 200 Mk. im Monat verwendet werden. Diese Mög- lrchkeit ist ganz allgemein auf 50 Mk. eingeschränkt morden. Die Freiheit, die dem einzelnen bisher bis zur Freigrenze von 200 Mk. gelassen war, ist offenbar vielfach mißbraucht worden. Für die Ver­schickung von Geld in das Ausland oder für die Mitnahme bestanden Kontrolloorschriften. Es war im Einzelfalle aber doch wohl schwierig, immer nachzuprüfen, ob der für Auslandzwecke verwendete Vanknotenbetrag auch wirklich für Reise- oder son- stige zulässige persönliche Zwecke verbraucht wurde.

Wir können derartige Menschen in der deutschen Presse künftig nicht mehr brauchen, weil sie bei der ersten seelischen und moralischen Belastungsprobe jämmerlich versagen würden. Wir kennen das We- sen des Kampfes, und wir wollen die Garantie haben, daß die deutsche Presse sich auch dann bc wahrt, wenn sie nicht unter Polizeiaufsicht steht und daß der deutsche Schriftleiter auch cha- raktervoll feinen Mann steht, wenn er auf s i ch f e l b st gesielt i st.

wir wollen einen Schriftleiter, der das anvertraute deutsche Kulturgut bis zum letzten verteidigt, nicht, weil er es verteidigen muß, sondern weil er es selbst verteidigen will. 3n dieser nationalen und moralischen Pflichterfül­lung soll künftig der deutsche Schriftleiter seine einzige Standesehre erblicken."

Wenn man von einer Uniformität oder Lang­weiligkeit der Presse spreche, dann sei darauf hin- zuweifen, daß sich nirgends eine Meinung bilden könne, wo keine Meinung vorhanden sei. In dem Augenblick, in dem die schwarzen und roten Partei­programme von den Stürmen der nationalsoziali­stischen Revolution hinweggefegt worden seien, habe gewissermaßen die Dienstanweisung für das weitere Verhalten gefehlt. Das, was als Voraussetzung für die Neubelebung der journalistischen Meinungs- äußerung gebraucht werde, sei die absolute Sicherheit des Urteils, vor allem die politische Jnstinktsicherheit. Es ergäben sich auch im nationalsozialistischen Staat hin­reichend Möglichkeiten zur Stellung- nähme und Kritik, ohne daß das Gesetz der Unantastbarkeit der nationalsozialistischen Staats­grundlage verletzt werde.

Zum Schluß betonte Gruvpenführer Weiß, daß dem Reichsverband der deutschen Presse heute eine große und wichtige Aufgabe erwachsen sei.

Die neue hohe TNission des Reichsverbandes verpflichte die deutsche Presse und jeden deut­schen Schriftleiter, feine ganze Kraft für den Neuaufbau des Deutschen Reiches und damit auch eines deutschen Schriftleiterstandes einzu- fehen.

Wenn das geschehe, dann brauche der Presse um ihre Zukunft nicht bange zu fein. Er schloß feine Ausführungen mit den Worten:Die deutsche Presse ist tot, es lebe die deutsche Presse!"

Darauf nahm Reichsminister Dr. Goebbels das Wort zu einer anderthalbstündigen Rede, über die im heutigen Hauptblatt noch berichtet wird.

Kilometersteine in Afrika

Von Dr. Paul Rohrbach

Pflanzung Batschenga bei Jaunde, den 10. März 1934.

Unser heutiger Ausflug von Jaunde galt dem Be­such einer bedeutenden Tabakpflanzung in deutschem Besitz aber bevor ich auf den Tabak zu sprechen komme, muß ich wieder einen Augenblick bei dem Wechsel verweilen, den auch Kamerun erlebt hat, seit ich ipi Jahre 1907 auf demselben Wege wie heute marschiert bin. Ich meine nicht, daß unser altes Kamerun durch den unglücklichen Krieg in ein französisches Mandat verwandelt ist, sondern ich meine diesmal die Aenderung im Verkehr. Die Pflanzung Batschenga liegt nicht weit von der Stelle, wo die Straße von Jaunde nach dem nörd­lichen Grasland den Sanaga-Fluß überschreitet. Von da bis Jaunde sind es etwa 70 Kilometer. Ich tarn 1907 von Norden, schlief im Zelt nahe der Uebergangsstelle und erreichte Jaunde in zwei star­ken Märschen, mit Reserveträgern und vermehrten Rationen, um die Leute willig zu erhalten. Heute fährt man dieselbe Strecke auf einer wundervollen Autostraße in anderthalb Stunden, und man könnte sie noch schneller zurücklegen, wenn nicht die vielen Kurven und der starke Verkehr zur Vorsicht nötig­ten. Auf jedem Kilometer steht der dazu gehörige Stern, und so geht es bis tief ins Innere, bis an den Tschadsee und bis an die Grenze von Fran­zösisch-Kongo.

der Eltern mit einem Lärm bedacht, der erst gut­mütig bie Schultern zucken, bann aber die Stirn runzeln läßt.

Stirnrunzeln macht nicht den geringsten Ein- , druck. Denn wenn die alten Stare auch gute und - schlechte Laune bei mir wohl zu unterscheiden wis- sen, wie wollen sie den Jungen beibringen, sich i recht zu verhalten. Am schlimmsten aber ist: die , Starmatze und ihre Ehefrauen sind wohlerzogen, sie wissen genau, wenn ich unterm Dach zu Mit- > tag schlafe, weil ich vorher durch Anklopfen Be­scheid zu geben pflege. Alle zwanzig Kinder aber hoben unbekümmert um die Mittagsstunde den gleichen Hunger wie zu den freigegebenen Tages­zeiten.

Ich sage, ich schlafe unterm Dach, mit dem Kopf­ende just so auf Armlänge von den Starennestern und nur durch einen dünnen Verputz von ihnen getrennt. Und ich weiß deshalb: Was haben zwan­zig Kinder für Kehlen! Zirigzirigzirig und brech Äreckdreck, heißt es da, wenn die geplagten Eltern die leckersten Bissen vorsetzen. In den ersten Tagen, solange die Stimmen nur ein wenig ziep­ten, waren sie wohllautend und einschläfernd; aber bald wurde es von Tag zu Tag lauter und kräf­tiger. Ich klopfte also dringlicher an die Wand, es nutzte nichts. Ich richte es schon so ein, daß ich norm Mittagsschlaf noch einmal vor den Ausflügen mahnend entlang gehe. Die Alten begreifen, was 'ch will, sie versichern mir, ihr Bestes zu tun, sie fliegen höflich weiter, obschon sie den Schnabel voll haben.

Es nützt aber gar nichts. Kaum bin ich in der Kammer, wächst das Geschrei, Gepolter, Geschirre und Drecklärmen zum Sturm an; die Bengels är= gern nicht nur ihre Eltern, es muß irgendetwas Fürchterliches geschehen fein. Ich recke, schon leidlich müde, den Kopf zum Fenster hinaus und blicke das Dach hinab bis zur Regenrinne. Da hab ich's, da sitzt der erste junge Star norm Nest am hellichten Tage.

Natürlich macht der Knirps vor lauter Erstau­nen nichts als Zirezirrezirretschi, dreck dreck tschir- retschi! Ungeheuerlich ist seine Entdeckung der gro­ßen Welt, alle sechs Nester, alle Geschwister sollen darum wissen. Nun, ich begreife fein Erstaunen, ' aber ich habe bis tief in die Nacht gearbeitet und : muß schlafen. Ich rede ihm also gut zu rundum : auf den Bäumen sitzen die Alten und weifen glei­cherweise den Waghals zur Ruhe. Aber der Krakeh- j ler kümmert sich nicht einen Deut um zwölf alte erfahrene Stare und noch weniger um mich. Ich j schwenke deshalb drohend die Hand hilft gar i nichts! Ich packe rückwärts grabe gerät mir der

Aus Anlaß dieses Ereignisses sprach abends im Plenarsaal des Preußischen Landtages Reichsmini­ster Dr. Goebbels zur deutschen Presse. Die Presse aus Berlin und dem Reich war in außer­ordentlich großer Zahl vertreten. Vollzählig er­schienen waren die Führer und Führerräte des Reichsverbandes der deutschen Presse und des Lan­desverbandes Berlin. Man bemerkte ferner zahl­reiche Vertreter des Reichsministeriums für Volks- aufklärung und Propaganda, die Vertreter der Reichspreffekammer und des Reichsverbandes deut-

Zwanzig Kinder im Hans.

Von Hans Friedrich Blunck.

Im letzten Jahre waren es zwei Paar Stare, )- unter unferm Dach hausten, zwischen den über« .Egenden Pfannen und der Regenrinne war ihr kuschlupf. Sie waren sehr achtsam, sauber und Ehlerzogen und hielten sich an die gute alte Regel, irmafs im Umkreis der Nester zu plündern. Die Wahrung spricht dafür, daß Kirschen niemals so er burchkvmmen wie wenn genügend Stare beim ')vni5 sind.

Bn diesem Jahre stellten sie sich zu sechs Paaren ii- Sechs Paar sind mir zu viel, ich wollte einige oi ihnen bitten, weiterzuziehen. Aber da begann l( Schwierigkeit: welches waren die alten Paare, e doch gewissermaßen ein Wohnungsrecht hat- :r und welches waren die neuen Gäste? Die Frage Idct nicht zu lösen, ich mußte nach langem Hin- i herverhandeln alle sechs lassen, wo sie waren in: es brachte gewiß auch manch fröhlichen Augen- |li(", sie zu beobachten.

iknerft beim Nestmachen: sehr vorsichtig holten fl: allerhand Brocken, Mauersteine und Mörtel aus it: ;m Versteck, warfen sie nicht etwa wild nach bauten, sonbern trugen alles, wie um sich nicht zu öir aten, sorgfältig auf ber einige Schritte ent= feilten Mauer zusammen. Danach hörte man viele bie Unterhaltung ber Eheleute beim Brüten, eidllch flogen beibe in ungeheurer Geschäftigkeit au und ein und man Härte ein leises Ziepen von feen Kehlen. Das Herz lachte mir über jede Siqpe, die eingebracht wurde, über jede Käfermade, bi imeine eifrigen Stare aus dem jungen Obst- 31Jcf) herbeifchleppten.

,5iel) dir's nur an, Petermann", sagte ich Itffmann und Frau sind bei mir zu Gast, liebe nesieh dir's an, Petermann! Immer habe j' «en Leuten empfohlen, Vogelhecken anzulegen, 1 nirb man das grüne Zeug auf feinem Kohl am i !pen los."

L.ogelhecken, gut! Aber unterm Dach wär's mir zu nahe", warnt Petermann.

Lwr nur die vielen kleinen Stimmen", mahne

' Wir find um einen Dürer reicher geworden, [ Zwar ist dieser Zuwachs zu dem Werk des großen . Meisters den Reinigungsarbeiten zu banken, bie Graf Czernin in Wien an den Bildern seiner Gemälde-Sammlung vornehmen ließ. Es handelt sich um ein kräftiges Männerbildnis, das zwar schon vielfach mit dem Namen Dürers in Verbin­dung gebracht wurde, dessen Zustand aber immer wieder Zweifel erweckte. Nachdem ber dicke, gelbe F'rnis entfernt worden ist, sind alle diese Zweifel verschwunden. Sv wie das Bild sich jetzt barstellt, sagt der bekannte Dürer-Kenner Hans Tietze in ber Bruckmannschen KunstzeitschriftPantheon", ist alles an ihm alt unb ursprünglich. Der Einbruck ist ein ganz anberer geworben, unb am erstaun­lichsten ist bie Größenwirkung bes Kopfes, ber scheinbar gegen früher gewachsen ist. Das liegt hauptsächlich an ber Mobellierung, bie jetzt erst in ihrer ganzen Urwüchsigkeit hervortritt. Die For­men bes Gesichtes, bie vorher etwas auseinanber- fielen, treten harmonisch zusammen, unb überwäl- tigenb ist bie Kraft dieses Antlitzes, bei demdie Nnse zweimal Nase, das Kinn zweimal Kinn, die Backenknochen, die Augen und jede Form zwei­mal jede Form" sind. Wie man jetzt deutlich an den Knittern erkennt, ist das Bild nicht auf Papier, sonbern auf Pergament gemalt. Es schließt sich ba* mit in der Technik an bieMaria mit bem Kinb" in Augsburg an, bie aus demselben Jahre, 1516, stammt. Nun erst kann bas Werk ben ihm ge- bührenben Platz in ber Dürer-Forschung erhalten, und zwar reiht es sich gleichwertig an die einbring- lief) charakterisierenben Hauptblätter von 1515 an, füllt für 1516 eine Lücke aus und bezeichnet zu­gleich einen Markstein. Denn die menschliche Wärme der Darstellung läßt einen engeren Zusammen­hang mit den späteren Bildnissen Holzschuhers unb Muffels als mit den zeitlich näherstehenden Bild­nissen der Zeit des Augsburger Reichstages und der niederländischen Reise erkennen. Der Dar-

1 300 Meter hoch, halb so hoch wie Jaunde, ist aber wegen der Hitze berüchtigt. Wenn da jemand frisch 1 aus Deutschland als Gehilfe auf die Pflanzung ' kommt und den ganzen Tag draußen bei den Ar- 1 beitem fein muß, merkt er schon, was Afrika be- ' deutet. Zum Glück sind die Menschen jetzt so ver­nünftig, daß sie tagsüber keinen Alkohol trinken.

1 Früher wurde Whisky-Soda morgens, mittags und abends konsumiert, und man pflegte den jungen, Öen älteren und den alten Afrikaner danach zu unterscheiden, wie hoch der Whiskystand im Glase war, bevor man das Sodawasser zugoß nach den bekannten verschiedenen Stellungen der Streich­holzschachtel.

Wir haben unfern Kaffee getrunken, gutes Kame­runer Gewächs, das an Ort und Stelle' 50 Pfennig das Kilo kostet. Für morgen früh muß nun der Abmarsch mit einem Lastauto nach Fumban und Bamenda vorbereitet werden. Der leichte Wagen unseres Gastfreundes in Jaunde wird mit uns meine alten Tagemärsche wieder in je 80 Minuten zurücklegen, und das merkwürdige neuafrikanische Gewächs der Kilometersteine wird mir wieder zu­rufen, wie Afrika sich gewandelt hat. Nur: der I Wandel von der Mandatsflagge zurück zu den «alten deutschen Farben, der muß noch kommen!